Samstag, 1. Mar 1937

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Ur. 220 (®°r”^s8) Zweimalige Ausgabe

Abendblatt 81. Jabeaana Grßes M-rgenblatt - S S

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Weitere Zweigstellen an den größeren Orten

Führer und Gefolgschaft

Zum 1. Mai.

Frankfurter Zeitung".)

Reicheminiarr Dr. Gorbdel»

llso

Columbus in der Slowakei. Vom Kinde.

nen der NSDAP belebt. An den hohen Masten, die mit dem Reichsadler geschmückt waren, wehten im leichten Wind 'dieses ersten wirklichen Frühlingstages in Berlin die Hakenkreuzfahnen. Dichte Menschenmaffen umsäumten die Straßen, die zur Eröff-

In dieser Ausgabe erscheint das Literaturblatt:

Aus dem Inhalt:

„Deutsche Volkskunde.“

Der Sohn der Nonne Ah Juan.

Das tibetanische Totenbuch.

Washington, 30. ist am Donnerstag n o m m e n worden.

steckt: Führer und Nationalsozialismus gestellt hot.

angenommen.

April. <DNB.) Das neue Neutralitätsgesetz in beiden Häusern des Kongresses a n g e - Die Ausfertigung des Gesetzes wurde dann

Die «eue Wouroe-Dobtriu.

DaS neue amerikanische Neutralitätsgesetz im Kongreß

das Podium, um die Eröffnung mit einer grundsätzlichen Rede ein­zuleiten.

Dr Goebbels erinnerte daran, daß Adolf Hitler wenige Tage nach Uebernahm« der Verantwortung vor das deutsche Volk hin-

Nischen und vor den Bildtafeln Abordnungen der Formationen der NSDAP, der Werkschoren, der SA, des Arbeitsdienstes, des

Die italienische« J«d«striellen in Drrlin.

(Prioattelegramm der Frankfurter Zeitung.)

O Berlin, 30. April. Auf dem Potsdamer Bahnhof trafen heute früh die gegenwärtig Deutschland einen Besuch abstattenden italienischen Industriellen unter Führung von Graf V o l p i zu einem dreitägigen Aufenthalt in der Reichshauplstadt ein. Ter Leiter der Reichsgruppe „Industrie", T i e r i g, hieß die 27 Herren auf das herzlichste willkommen. Auf dem Bahnsteig waren der italienische Botschafter A11 o l i c o sowie zahlreiche führende Per­sönlichkeiten der deutschen Wirtschaft anwesend. Der Freitag ist der Besichtigung von großen Berliner Jndustriewerken gewidmet. Am 1. Mai werden die italienischen Industriellen an den offiziellen Veranstaltungen teilnehmcn. Am Sonntag besichtigen sie Pots­dam und die Ausstellung „Gebt mir vier Jahre Zeit".

Vor ihrem Eintreffen in Berlin hatten die italienischen In­dustriellen drei Tage w e st d e u t s ch e I n d u st r i e w e r k e, zu­letzt die Fried.-Krupp-A.-G. in Essen, besucht. In Essen hatte sie Dr. Krupp von Bohlen und Halbach selbst durch das Werk geführt und ihnen seine Bedeutung und Geschichte erklärt. Außer­dem hatten die italienischen Industriellen in Düsseldorf die Aus­stellung „Schaffendes Volk" besichtigt.

Wie sehr dieser Gedanke, der ja 'n der Tai nichts Geringe­res enthält als den Zentralpunkt jeglicher Politik, die Führenden im Dritten Reich erfüllt, sieht man nicht zuletzt daran, daß kein Geringerer als Dr. Goebbels in zwei seiner neuesten Reden ausdrücklich über dieses Thema sprach. Zuerst beim Empfang der neuberufenen Ratsherrcn der Stadt Berlin, dann in seiner Rundfunkansprache am Vorabend des Geburts­tags Adolf Hitlers. Dort betonte er — mit diesen Worten — die Notwendigkeit der Auseinandersetzung, der Diskussion und der dauernden Beratung gerade auch im Führerstaat, und hier sprach er von der ungeheuren Last der Verantwortung, die der Führende zu schleppen hat: er erinnerte an jenes innere Ringen, das in die Brust dessen verlegt ist, der sich bei der Entscheidung nicht hinter einer parlamentarischen Mehrheit verstecken kann.

Was bedeutet in diesem Sinne eine „D i's k u s s i o n", was bedeutet ein solches Ringen? Es bedeutet, daß das Für und Wider nicht ein dunkles oder selbstgefälliges Eigenleben in irgendwelchen Konventikeln oder Parlamenten führt, daß es aber dennoch an die Stelle geleitet werden soll, auf die es jeweils ankommt. Es bedeutet, daß jenes „Zwiegespräch" vor­handen sein und seine Wirkung tun soll, — wenn auch nicht gerade jeder einzelne Gelegenheit hat, lärmend dazwischenzu­reden. Jeder der etwas zu entscheiden hat, so etwa war der Sinn der Goebbelsschen Rede, umgibt sich auch im national­sozialistischen Staat mit Ratgebern, und diese wieder sind mit Ratgebern umgeben, — die ganze Parteiorganisation zielt darauf ab, ein Bindeglied ans andere zu setzen. Je mehr die Partei das Volk durchdringt, desto mehr Ohren sind da, um zu hören, und desto mehr Münder, um zu sprechen. I« glücklicher die Partei mit der Auswahl der Verbindungs­glieder ist und je besser sich das ganze Räderwerk allmählich einspielt, desto reiner und vernehmlicher können die Töne werden, die weitergeleitct werden sollen.

wissen, was hinter diesem Schlagwort Gefolgschaft, und welche Aufgabe der sich selbst und damit dem ganzen Volk

fPrivattelegramm der

Berlin, 30. April. In den Ausstellungshallen am Kaiser- damm wurde heute in Anwesenheit des F ü h r rr s u n d Reichs­kanzlers, einer großen Zahl diplomatischer Vertreter, der Minister des Reiches und führender Persönlichkeiten dei.NSDAP, der Wehrmacht und der Behörden die Ausstellung „Gebt mir vier

durch ein Flugzeug dem auf einer Urlaubsreise befindlichen und inzwischen in New Orleans eingetroffenen Präsidenten Roosevell zur Unterzeichnung übermittelt.

Nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes hat der Präsident zu entscheiden, »b bei einem Krieg zwischen fremden Nationen Waren aus den Vereinigten Staaten auSgeführt werden dür­fen, wenn sie nicht vorher von dem ausländischen Käufer bar be­zahlt worden sind. Ter Präsident kann allerdings für den Handel mit Kanada Ausnahmen anordnen. Der Sinn dieser Ausnahme ist die Fortsetzung des Handelsverkehrs auf dem amerikanischen Kontinent auch in dem Falle, daß das britische Weltreich in einen Krieg verwickelt sein sollt«. Tie mittel- und südamerikanischen Staaten sind ohnedies schon von den Bestimmungen des Neutrali- täisgesetzes befreit, es sei denn, daß sie sich mit außeramerikani- schen Staaten zu einer gemeinsamen Kriegführung verbinden sollten.

In diesen Sznderbestimungen, die sich auf den amerikanischen Kontinent beziehen, kann man in Verbindung mit der auf dem panamerikanischen Kongreß in Buenos-Aires beschlossenen gemein­samen Beratung aller panamerikanischen Staaten, falls einem von

R K Berlin, 30. April.

In unzähligen Feiern und Ansprachen, mit Aufmärschen und Betriebsfesten mannigfaltigster Art, begeht Deutschland morgen den „Rationalen Feiertag des deutschen Volkes". Der Gedanke umfaßt alles, was in den Begriffen der Arbeits­und Willensgemeinschaft enthalten ist, die den Mittelpunkt der nationalsozialistischen Lebensauffassung aus­machen. Die Feiern versprechen fröhlich zu werden, mitunter, wie di« Erfahrung lehrt, feuchtfröhlich. Sie vereinigen Men­schen, deren Leben verschiedenartig verläuft, di« aber, wie wiederum die Erfahrung lehrt, sehr viel besser 'zusammenpassen, als viele von ihnen geglaubt haben mögen. 1. Mai: Ein schöner Tag — Aufbruch in den Frühling. Bindungen kommen ans Licht, die verdeckt waren. Manche wurden erst neu geschaffen, ander« neu, bestärkt. Ihr Sinn liegt in den Worten: Führer und Gefolgschaft. Das bedeutet die freiwillige Anerkennung der Verschiedenartigkeit der Funktion menschlicher Ar­beit und des Leins. Es bedeutet einen tiefen Blick in das Räderwerk des nationalen und sozialen Lebens. Einen Einblick, der wahrhaft neidlos machen kann, denn ein scharfes.Auge wird auch scheinbaren Glanz durchdringen. Ueber die Höhen des Lebens führen kein« Promenadewege. Häufiger sind es Traversen über gefährlich« Gratzacken. Es sitzt sich ge­ruhsamer des Abends in der kleinsten Liedlnngswohnung als auf manchem Direktionssessel. Und wer könnte das schöne Wort Hitlers von den drei seltsamen Freunden vergessen, die ihn durchs Leben begleiten? Rot, Leid und Torge — sie ge­hören zu den Dingen, mit denen jeder in seiner Art bekannt wird, sie gehören zu der wortlosen Sprach«, di« j«der versteht, die uns alle verbindet, so wie uns Freude und Stolz ver­binden. „Das menschliche Element in der Politik" ist der Titel eines berühmten englischen Buches. Die deutsche Praxis auf dem Weg des Verstehens zu wissen, berechtigt zu guter Hoffnung. Möge sie tief erfüllt sein von solcher Menschlichkeit.

Ministerpräsident Goring in Venedig.

Mailand, 30. April. (DNB.) Ministerpräsident Göring traf nach einem kurzen Aufenthalt in Ravenna, wo er das Grabmal Theodericbs und die übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt hatte, in Begleitung des Prinzen Philipp von Hessen in Venedig ein.

die größte und bedeutendste der Ausstellungen habe aufbauen können. Mit einem Dank an den Führer und Reichskanzler und an den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, die es ermöglicht hätten, der Stadt Berlin eine ständig wachsende eigene Ausstellungsstadt zu schaffen, schloß Dr. Lippert.

Nach ihm betrat

BdM, des NSKK, der SS und der HI in bunter Folge. Tie Fahnen der Formationen gaben jeder Gruppe den Abschluß. Von indirektem Licht besonders hervorgehoben überdeckte der Reichs­adler, mit weitgebreiteten Schwingen an der Decke schwebend, fast den gesamten Raum. Der Badenweiler Marsch erklang, als der Führer und Reichskanzler die Halle betrat.

Fanfaren der SS gaben den Auftakt zur Eröffnung. Nach kurzer musikalischer Einleitung sprach der Oberbürgermeister der Stadt Berlin, Tr. Lippert. In ständig steigender Kurve, so sagte er, seien die Ausstellungen, die in der Reichshauplstadt in den letzten Jahren hätten aufgebaut werden können, von Menschen aus dem aanzen Reiche gesucht und besucht worden. Sie seien so Besitzgut aller Volkskreise geworden. Dabei habe der fachliche Wert solcher Ausstellungen nicht nur nicht gelitten, sondern er hätte gesteigert werden können. Es dürfe mit gutem Recht behauptet wer­ben, daß die Ausstellungen in Berlin zu einem der besten I n- ftrumente politischer und weltanschaulicher Wil­le n s b i l d u n g in Deutschland geworden seien. Die Reichshaupt- stadt sei stolz darauf, daß sie in ihren Mauern diesen Dienst am nationalsozialistischen Aufbau leisten dürfe und daß sie nun auch

„Gebt mir vier Jahre Zeit!"

Eröffnung der Berliner Ausstellung

ihnen kriegerische Verwicklungen drohen sollten, die neue Form der Monroe-Doktrin erblicken, die damit in eine panamerika­nische Doktrin umgewandelt worden ist.

Ein weitere bemerkenswerte Neuerung ist die Bestimmung, daß künftig Gelder für medizinische Hilfeleistung oder für Kleidung und Nahrungsmittel, die den Angehörigen kriegführender oder im Bürgerkrieg befindlicher Länder zur Verfügung gestellt »er­ben sollen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Präsidenten gesammelt werden dürfen. Der Präsident wird hierzu Ausfüh- rungsbestimmungen erlassen, die verbürgen sollen, daß gesammelte Gelder nut für humanitäre Zwecke verwendet und keines­falls an politische Organisationen ober an Regierungen ober an irgendwelche Stellen, d:e sich als „Regierung" bezeichnen, gesandt werden. Außerdem untersagt das Gesetz amerikanischen Staats­angehörigen, mit Schiffen kriegführender Staaten zu reisen. Tie Ausfuhr von Waffen, Munition und Kriegsmaterial jeder Art nach kriegführenden -Staaten wird verboten. — Bemerkenswert ist, baß auch Mitgliedsstaaten des V ö l k e r b u n d « s, die militärische Sanktionen anwenden, als kriegführende Länder betrachtet werden und damit unter das Gesetz fallen.

man dem vollen Sinn Tie§ Gedankens näher, den man ver­stehen muß, um zu

3n der das Selbstgespräch einer Nation ver-

Oymmt, so roeltt sie dahin. Und wo immer in her Geschichte öteier das Leben bezeug:nd« Ton nicht zu den Herrschenden dr „ begann deren Macht über das Volk rasch zu schwinden.

"'n-ger aber die geistige Verbindung und der Meinungs- zwischen Regierten und Regierenden war, desto besser »M- ore Voraussetzungen einer kraftvollen Führung. Die daneben Verbindungsmittel haben häufig gewechselt, sie -puren bald gut, bald schlecitt, — entscheidend allein war stets, ob sie einen intimen Kontakt herstellten oder nicht. Es bedarf fürwahr keiner Lautsprecher, keiner zeternden Presse, keiner zänkischen Parlamentsdebatten, keiner jener leidigen Indis­kretionen oder gar jener abscheulichen Verdrehungen, die man genugsam fennt. Es bedarf nur jenes vertrauensvollen Zwie­gesprächs, — in den Betrieben, wie in allen Gemeinschaften wie im Staat. '

Erfolge nicht für Wochen und Monate in Aussicht gestellt, son- ' dern eine Zeit von vier Jahren gefordert, um die gröbsten und schwersten Hindernisse zu Überwinden und das erste Neuland für das deutsche Volksleben zu gewinnen. Dr. Goebbels fuhr fort: „In einem also unterschieden Sie sich, mein Führer, gleich am Anfang von allen Ihren Vorgängern: Sie sprachen nicht von Wochen oder Monaten, Sie sprachen von Jahren, die nötig waren, aber Sie -nannten auch die Dinge beim Namen, verschlossen Ihre Augen nicht vor den schleichenden Krebsschäden bet Zeit, ver­sprachen aber, sie zu lösen, wenn Volk und Ration Ihnen dafür

g. Es handelt sich um gar nichts anderes als darum, in Betrieb, irgend ein« Menschengruppe, bas Volk als führt und daß gleichwohl ein denkbar intimer von Mensch zu Mensch und vor allem zwischen d Gefolgschaft hergestelll werde. Dafür sucht der stalismus ein« neuartige Lösung zu geben. Wer auf retation achtet, di« sich die Führer der Bewegung l, weiß, daß diele von der Unentbehrlichkeit des । zwiM'N Führer und Gefolgschaft .über-! oermcken nm eiu Fo • • .->< den, ba ' ngeeignet verworfen wurden Reinere, echtere reu Dorten: den wahren Volkswillen wollen . reuen Tongeber und Tonvermittler zu Gehör ichdem di« entstellenden narleimäßigen und intcr- ; mgebwkdenen Vermittler beseitigt sind.

Führer und Gefolgschaft, — was damit gemeint ist.scheint >ze zu Haden: schlechthin ein L e b e n s p r i n- : viel mehr als eine politische Methode, viel als ein Programmvunkt der staatlichen Ver-

Jahre Zeit!" mit einem feierlichen Akt eröffnet. Tie breite Feslstraße, bte aus dem Stadtkern nach dem Westen hinausiührt, war schon in den frühen Stunden des Tages von den Formatio-

entwicklung gehen, (ötettt n an in dieses System den eige­nen Betrieb: behandelt man ihn als lebendiges Ge­meinwesen, das nicht nur ein Herz und Hirn, sondern auch Ohren und einen Mund hat, und betrachtet man ihn zugleich als das Teilstück eines organischen Ganzen, als einen der Kanäle, durch den der Strom der Nation läuft, dann kommt

nungshalle führten. Für die Eröffnungsfeierlichkeit war ein neuer . . , „ , - . „ .

Raum gewählt worden: die g-oße Fe st Hal le war von der > ^t°n sn /m tn tnem großen und umfassenden Generalplan Breitseite aus zu betreten, fo daß die lange Halle in ihrer ganzen ‘ Ät ^Ek d-rzulegen. Er habe damals mn.

Ansichnuna vor dem Eintretenden Bear und ihn mu den riefen- । erflärt, ba§ es nicht kmf anfomme, theoretische

bah/n rre^ildern. eine bet Sensationen der Ausstellung, sofort »u bte die vachue Zett populäre un.,

-Ip-’ucHim; D.- weit, Raum mar non gelogenen Gästen und . Gegenwartsforderungen enthrertet.. .andern daß es Auf- -lunr ,ou. he n -tv ,riW Dt i f,r «qft-rung und Pflicht des P-i.''- zu crK-iten und

d-u wurden standen vor den mit netdunklem'Irot verkleideten ST"'’™'1 vertrauen «.f die

। eigene Kraft von Grund am zu erfüllen, äooif Hitler habe seine

Von Ernest Hello.

Er war der größte unter den Königen des Morgenlandes, und neben seiner Herrlichkeit wirkten die Märchen, welche aus dem Osten zu uns kommen, wie ein albernes Geschwätz. Ihr armen Abendländer braucht gar nicht zu versuchen, euch eine Vomellung davon zu machen, denn euer Glanz ist nur ein Dreck gegen den seinen.

3 ede einzelne der Säulen, die den Vorhof seines Palastes zierten hätten der Hauptstadt eines großen Landes zum Schmuck gereicht.

Indessen erscholl im Hof des Palastes ein dumpfer Lärm. Der „Hund" war abermals erschienen, und man jagte ihn zum zweitenmal weg. Man unterschied in dem Stimmengewirr deutlich das Lachen einiger Menschen, denn der Bettler hatte darauf bestanden, den König sprechen zu wollen. Die Schimpf­worte und die Steine, welche man ihm ins Gesicht warf, das Gelächter, mit dem man auf feine inständige Bitte antwortete, all das zog die Aufmerkfamkeit des Monarchen selbst auf sich, der dem Schauspiel von seinem Fenster aus zusah. Seine düstere Stirn glättete sich, und da er das einem Menschen und einem Hund zugleich ähnelnde Wesen ersah, das den Mut

lautes Gelächter aus. Und die Würdenträger und die Stern­deuter, welche denselben Anblick vor Augen hatten, aber nicht gewagt hatten, als erste zu lachen, brachen nun ihrerseits in ein lautes Gelächter aus, da der König selbst lachte und damit bemJSdädjter der andern gestattete, gleichfalls zu erschallen.

Doch di« Fröhlichkeit war nur von kurzer Dauer.

Die Traurigkeit, welch« ihr folgte, war so grausam, daß den Weisen die Worte auf den Lippen erstarb en. und sie gingen einer nach dem andern davon; sie waren in dem Augenblick ihres Verschwindens so erschrocken, wie sie im Augenblick ihrer Ankunft stolz gewesen waren, denn sie fürchteten den Zorn des Königs.

Von jenem Tag an glaubten die Menschen, die an dem Palast vorübergingen, über dem Tor ein schwarzes, mit gol­denen Sternen besetztes Tuch hängen zu sehen. Ueberall sprach man von dem bevorstehenden Tod des Königs. Der Schlaf hatte begonnen, sein Lager zu fliehen, so wie das Lächeln seine Lippen geflohen hatte. Er hatte befohlen, sein Bild mit einem Schleier zu verhüllen; denn da er seiner selbst über­drüssig war, war er auch seines Bildes überdrüssig.

Indessen wurde noch eine dritte Beratung anberaumt. Der Haushofmeister hatte diesmal Vorkehrungen getroffen, daß die alles ins Lächerliche drehende Dazwischenkunft des „Hundes" unterbleiben würde. Die Magier wurden weit aus dem Innern Asiens herbeigerufen, damit sie den anderen Magiern bei- stünden, Persien und Indien sandten ihre vom Volk ernannten Vertreter aus. Alles, was Asien an Größe, Pracht, Gelehr­samkeit und Herrlichkeit aufwies, bestteg die Elefanten fjnd Kamele und warf^sich an dem dazu bestimmten Tag und zu der angegebenen Stunde vor dem Herrscher in den Staub. Und die von fern hergereiften Könige sahen aus wie livrierte Diener, denn sie befanben sich ja am Hof des Königs der Könige.

Ter König der Könige aber war sehr bleich, denn der Schlaf gehörte nicht zu seinen Untertanen. Der Schlaf gehorchte seinem Befehl nicht. Wenn er zu ihm sprach: komm, so kam der Schlaf nicht. Alles war ihm untertan außer dem Schlaf, und fein Zorn richtete sich gegen den Ungehorsamen. Bald fuhr er ihn mit rauhen Worten an, bald bat er ihn flehentlich.

In dem Augenblick, da der Haushofmeister angeordnet hatte, daß der „Hund" in noch weiterer Entfernung gehalten werde und nicht einmal in die Nähe des Palastes kommen dürfe, da man sonst fürchtete, er störe die schweigenden Nächte des Königs mit seinem Gebell, in jenem Augenblick also hatte der Schlaf seinerseits sich entschlossen, die Nähe des Palastes zu fliehen. Der Schlaf, das Lachen und die Unbekümmertheit waren wie drei Verbannte zuerst aus dem Palast des Monar­chen und dann aus den Hütten des Volks geflohen.

Die Schlaflosigkeit, die Trübsal und der Kummer saßen auf der Schwelle des Palastes und auf der Schwelle der vor­nehmen Häuser. Bald aber sandten sie ihre Töchter und Boten aus, daß sie sich auf die Schwelle der Hütten setzten.

Ueberall, wo ein erlauchter Mensch die Spur seines Erden­wallens hinterlassen hatte, verwellte der Pilger. Er studierte

Darum also war der König so bleich, als die Könige aus Asien mit ihren Würdenträgem, mit ihren Weisen, mit ihren Elefanten und Kamelen kamen.

Die Elefanten und Kamele trugen die kostbarsten Ge- schenke auf ihren Rücken. Aber der König, der sehr bleich geworden war, blickte mit stumpfen Augen auf die Herrlich­keiten, die man chm darbot, und diese Augen schienen sagen Habt ihr auch ben Schlaf unter euren Geschenken? Wißt ihr den Namen Gottes?'

Ganz Asien breitete in dem Palast des Königs die Schätze seiner Beredsamkeit und seiner Gelehrsamkeit aus und die Schatze «eines Fleißes standen nicht dahinter zurück. Tie Könige und die Weisen blickten einander an, und bann blickten fu nach der Stirn des Königs; von der Stirn des Königs aber fielen chr« Blicke auf die anderen Stirnen, und da sie aufeinander eifersüchtig waren, wollte einer mehr gelten als ber andere, und ein jeder wollt« feinen eigenen Triumph auf der -Stirn des Königs lesen.

Doch der König der Könige erhob sich, ohne ihnen ein Wort zu tagen. Er warf nicht einmal einen Blick auf sie — md)t einmal einen Blick der Verachtung. Er stand auf und ging hinaus. Die Tür schloß sich hinter ihm, und niemand wagte ihm zu folgen. Als sie aber ihre erst« Ueberraschung verwunden hatten und zueinander sprachen: Wo ist der König? ftand auf den Lippen eines jeden statt einer Antwort d:e gleiche Frage. Einer fragte den andern: Wo ist der König?

Die Nacht sank wie immer auf den Palast herab, doch man fand den König noch immer nicht. Unter der Dienerschaft brach ein sonderbarer und eigenartiger Wetteifer aus, wer ihn Werst finden würde. Man suchte und stöberte überall umher. Man sah in t^en gewundenen Gängen und in den unwahr- icheinlichsten Schlupfwinkeln nach, aber der König war nicht zu finden. Tie ganze Nacht über suchte man vergeblich, und schließlich gebärdeten sich alle wie verrückt. Ein jeder zweifelte an seinem Verstand und an dem der andern. Zum Schluß hätte man den Palast für ein Irrenhaus halten können.

Währenddessen zog quer durch Asien und bald darauf quer durch Afrika eine riesige Karawane. Tie Esel und die Kamele trugen lauter Pilger auf ihren Rücken: ein jeder nannte das 3iel feiner.Steife, bis auf einen von ihnen. Dieser aber war bei Gott ein sonderbarer Mensch. Er war prächtig gekleidet mb von einer Schar Sklaven umgeben, die nicht aus dem- elben Laiiüe.stammten wie er; sie standen vom Beginn seiner Reise an in seinen Diensten, doch keinem von ihnen hatte er seinen Namen gesagt.

Auf seiner Stirn lag ein Schimmer der Hoheit, und der Pilgerstab sah in seinen Händen aus wie ein Zepter. Er ließ ich einfach ,bet Pilger' nennen. Wenn man ihn fragte, wohin er reife, gab er zur Antwort: ,Zch weiß es nicht."

Hund" genannt, so heruntergekommen sah er aus. Neben ihm glichen die anderen Bettlern Kaisern, und wenn man ihn sah, hätte man meinen können, er müsse eigentlich auf vier Beinen laufen, denn man konnte nicht genau wissen, ob er ein Mensch war oder ein Tier.

Die Sitzung in dem Palast nahm ihren Fortgang Man beriet lange und mit weisen Worten. Ein paar kluge Reden wurden gehalten.

Doch während der folgenden Tage und Nächte verdüsterte sich die Stim des Königs, und die Wolke warf einen noch dunkleren Schein auf das Angesicht seines Volkes. Und doch gab es an demselben Abend unter der Dienerschaft in dem Palast einen Augenblick, da eine gewisse Fröhlichkeit über alle Gesichter huschte. Es war der Augenblick, da man sich erzählte, daß der „Hund" den König habe sehen wollen, den König der Könige, dem kein Mensch sich nahen durfte, und daß er für diesen Versuch, der an sich schon lächerlich war, ausgerechnet den wichtigsten und feierlichsten Augenblick im Leben des Monarchen gewählt hatte.

Indessen verdüsterte sich die Miene des Königs noch mehr. Und er rief zum zweitenmal die Würdenträger und Weisen des Landes zusammen und befahl ihnen, die Magier zu be­fragen, welch« den Lauf der Sterne beobachten.

~ Als der König sie herannahen sah, erhob er sich von seinem Thron und sprach mit einer schmerzlichen Gebärde: „Ich habe den Frieden nicht gesunden. Kennt einer von euch den Namen Gottes?"

Und jeder gab seine Antwort. Tie Reden, welche diesmal sorgfältiger vorbereitet worden waren als das erstemal, zeug­ten von einer noch größeren Gelehrsamkeit als damals. Ein jeder der Weisen aber sprach zu sich selbst: .Wenn ich es bin, der dem König den Namen Gottes nennt, so werden Gott und der König allein wissen, mit welchen Schätzen man mich belohnen und welchen Thron man mir geben muß.'

Sklaven, welche ihn auf den Knien bedienten, legten tqre etirn auf die Erd«, wenn sie in feine Nähe kamen, und sie taten es gern unb gleichsam unwillkürlich, nicht als ob sie bssöu gezwungen würden, sondern als ob di« furchtbare Herr- Ilchkeit ihres Gebieters sie tatsächlich zu Boden schmetterte.

ier Begriff der Glückseligkeit verschmolz im Geist seiner Untertanen mit dem Anblick seiner Macht und seines Reich­tums und keiner wagte zu sagen: „Glücklich wie ein König", b*nn sw fürchteten sich alle, irgend etwas mit der Glückselig­keit ^hres Herrn zu vergleichen. «

Ja? ganze Volk schien in einem einzigen Freudentaumel 3U leben, weil es einen solch herrlichen König hatte. Man hätte meinen können, es freue sich stündlich darüber, daß es Zeuge feiner Glückseligkeit fein durfte.

Seit einiger Zeit aber verdüsterte sich der Himmel. Tie Sonn« schien weniger hell, und das Volk war nicht mehr so fröhlich wie sonst. Doch fein Mensch wagte sich zu fragen, ob vulleicht zufällig über bi« Stirn d«s Herrschers eine Wolke M huschen gewagt hatte. Und dennoch war es so: über die Stirn des Herrschers hatte eine Wolke zu huschen gewagt.

Der König war im allgemeinen unsichtbar. Er lebte von ber Welt abgeschlossen in seinem Palast und sah nur dic- jemgen Würdenträger seines Hofes, denen er bedeutet hatte, daß er sie gern sehen wolle, und mit Todesstrafe wurde jeder bedroht, der es wagte, ihm ohne ausdrücklichen Befehl ober ohne Erlaubnis gegenüberzutreten.

Gincä Tages nun rief er alle Würbenträger seines Hofes und alle Weisen des Landes zusammen, und er sprach also zu ihnen: „Mein Geist ist von einem neuen Wunsch besessen, der ihn bestürmt und bedrückt. Meine Würde ist mir zur Last, unb die Regierung meines Landes langweilt mich. Ich möchte wissen, wo Gott wohnt. Seinen Namen möchte ich wissen."

Ta nannte jeder der Würdenträger und jeder der Weisen einen Namen. Wahvcnd sie also berieten, drang ein dumpfes Geräusch aus dem Hof des Palastes herauf.

„Was ist los?" fragte der König. — „Es ist nichts, o Herr. Eure Sklaven jagen einen Hund davon."

Es war aber kein Hund, sondern ein Bettler. Doch dieserj gehabt hatLe, vor sein Angesicht treten zu wollen, und dies «etiler, ber im ganzen Land bekannt war, wurde überall „der dazu in "einem solchen Augenblick, brach bei König in ein