Sonntag, 24. Oktober 1937

Nruutner 542 Seite 2

Abendblatt und Erstes Morg<

Ich weiß, daß diese Zusammenhänge sich mit der Größe der

(Privattelrgramm derFrankfurter Zeitung".)

wohl wie in den kleinen Gemeinden des flachen Landes.

Ich habe

Wenn im Eingagngsraum der Ausstellung den Besucher

eine

Australien wählt

das die

für die Tatsache der Selbstverwaltung zu stärken ge­eignet ist. Ich habe in der Vergangenheit bereits wiederholt darauf hinqewicsen, welchen Wert eine ausreichende Heranziehung der Presse und ihre wirkliche Jntcreffierung für das gemeindliche

mächtige Plastik des Karlsruher Bildhauers Sutor empfängt, sym­bolhaft den Bürger darstellend, behütet und zugleich innig ver­bunden mit feiner Gemeinde, so ist damit das Wesen bet' Schau bereits gekennzeichnet. Umfaßt sie doch alle entscheidenden Lebens­gebiete des Menschen, soweit sie sich in den Arbeitsbereichen der Gemeindeverwaltung spiegeln. Bau- und Wohnungs­wesen, Siedlung, Versorgungswirtschaft und vor allem der kul­turelle Bereich sind dem Betrachter nahe gebracht. Was durch Modelle, Schaubilder oder Statistiken dargestellt werden kann, ist mit Liebe verdeutlicht. Manches Bild gilt auch der geschichtlichen Entwicklung oder der Erhärtung des Bewußtseins vom neu Geleisteten. So wird auch dem Laien, mag er sich nur die Muße der Betrachtung nehmen, ein eindrucksvolles Bild vom Wirken der Gcmcindm gegeben.

und die führenden kommunalpolitischen Persönlichkeiten in Ausstcllungsgebäude zu einem ersten Rundgang durch Schau.

ch BerN«, 23. Oktober. Am zweiten Tag der Reichstagung Die deutsche Werbung" wurde in verschiedenen Referaten die besondere Einstellung einzelner Wirtschaftszweige gegenüber der Werbung behandelt. Ter Vorsitzende des Ausschusses für industrielle Wirtschaftswcrbung, Dr. von Schnitzler, betonte, daß die Werbung sich nicht allein auf die Förderung des Absatzes zu be­schränken habe, sondern daß ihr neue Aufgaben zugewicsen werden sollen. Die Werbung gehe vom Anreiz zum Kauf zur tech- nischen Belehrung und Verbrauchslenkung über. Diese Werbung bedeute nicht das Ende der Werbung, sondern den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer höheren Form der Wirt­schaft. Auf die Unterschiede zwischen der Werbung für industrielle Erzeugnisse und der Werbung im Handel wies der Geschäftsführer der ReichsgruppeHandel", Tr. Quirin, hin. An Stelle des Strebens nach Absatzerweitcrung schlechthin verfolge die Werbung des Kaufmanns das Ziel, den Verbraucher als Kunden zu ge­winnen. Die Werbung erstrecke sich also nicht nur auf ein Pro­dukt, sie gehe vielmehr von der Gesamtheit des Sorti­ments aus. Bei der Organisation des Absatzes habe die Wer­bung in erster Linie die Aufgabe, den richtigen Weg zum Kunden zu finden. Besonders wichtig im Bereich des Handels für die Werbung seien die Betriebe des Einzelhandels und des Gast­stätten- und Bcherbergungsgewerbes. Erforderlich sei ein besseres Jneinandergreifen der industriellen Verbrauchswerbung mit der Werbung des Einzelhandels, um die Werbung entsprechend der Marktlage in den Dienst der Verbrauchslenkung zu stellen. Eine Werbung zur rechten Zeit, am richtigen Platz und mit richtigen Mitteln verlange eine genaue Kenntnis des Marktes; der Kauf­mann müsse auch ein Marktforscher sein.

Der Generalsekretär beim Reichsstand des deutschen Hand­werks, Dr. Schüler, wies auf die Schwierigkeiten hin, die bet Werbung bes Handwerk? entgegenstünden. Ter Reichsstand habe daher zunächst einmal von sich aus eine umfangreiche Auf­klärungsarbeit in den eigenen Reihen für die Werbung leisten müssen; heute seien bereits beachtliche Ansätze zu einer planvollen Werbung sestzustellen. Die Verschiedenheiten in bet Werbung für da? Handwerk im Vergleich zur Werbung für Handel und In­dustrie erklärten sich vor allem aus dem Fehlen von Marken­artikeln. Der Reichsstand des deutschen Handwerks habe zu­nächst durch die Schaffung der Pflichtinnungen und die Einfüh­rung des großen Befähigungsnachweises sowie durch umfangreiche Berufserziehungsmaßnahmen die Qualität der Erzeugnisse des Handwerks verbessert und so erst die Voraussetzungen für eine Handwerkswerbung geschaffen.Großzügige Handwerkswerbung wird stets eine aristokratische Angelegenheit bleiben, an der nicht alle Betriebe beteiligt sind. Sie wird betrieben von den fortge­schrittensten Betrieben, die als Vorbilder de? Erfolge? die Schicht der erfolgreich werbenden Betriebe langsam immer breiter werden

Der Kopenhagener Bürgermeister in Kamhnrg.

G Hamburg, 23. Oktober. In Hamburg ist zu mehrtägigem Besuch der Bürgermeister von Kopenhagen, Dr. Kaper, einge­troffen. In seiner Begleitung befindet sich der Leiter der däni­schen Schulverwaltung Dr. Hojberg-Christensen. Bei dieser Ge­legenheit soll besonders der deutsch-dänische Schüler­austausch besprochen werden, für den sich der Brügermeister von Kopenhagen sehr eingesetzt hat. Im Hamburger Rathaus wurde Bürgermeister Dr. Kaper von regierendem Bürgermeister Krogmann emfpangen, und trug sich in da? goldene Buch',der

nachten Eindrücken meines Besuches in Baden und Württemberg erneut die höchste Achtung vor dem Wollen und Schaffen dieser Männer gewonnen. Mit Freude begrüße ich die im Lande Baden seit längerem durchgeführten Schulungsmaßnahmen; mit Freude begrüße ich diese Ausstellung, die den Bürgermeistern die vorbild­liche Leistung vor Augen führen soll, die ihnen am praktischen Bei­spiel zeigen soll, wie man diese oder jene Aufgabe angreift und zum guten Ende führt.

Ich verhehle aber auch nicht, daß neben dieser Schulungsarbeit noch weitere einschneidende Maßnahmen erforderlich sind. Ich halte es nicht länger für tragbar, daß sich bei den ehrenamtlichen Bürgermeistern in immer stärkerem Maße eine Arbeit an- häuftz deren Bewältigung ihnen einfach nicht mehr zugemutst wer­den kann. Ich kann es nicht mehr als einen gesunden Zustand be­trachten, daß ein ehrenamtlicher Bürgermeister ständig in die Zwangslage versetzt ist, entweder seinen Beruf über Gebühr zu vernachlässigen oder seine Pflichten als Bürgermeister nicht mehr ausreichend zu erfüllen. Hier wird und muß alsbald ein Ausweg gefunden werden. Der ehrenamtliche Bürgermeister muß durch dir Stellung der notwendigen Hilfskräfte unter allen Umständen wieder in die Stellung zurückgebracht werden, die feinem Amte entspricht, Führer und Vater der Gemeinde zu sein, den Verlauf der Ver­waltung zu bestimmen, nicht aber in der Schreib- und Aktenarbeit des Alltags unterzugehen!

. Nicht minder wichtig erscheint die ständige Vertiefung des Ge­dankens, daß es eben die gemeindliche Selbstverwaltung ist, die diese Leistung vollbringt. Denn sie ist für die Begründung und die

Stärkung der Idee der Selbstverwaltung ausschlaggebend. Auch hier ist es der Bürgermeister, der heute als Führer der Gemeinde in erster Linie im Dienst dieser Aufgabe steht. Ich kann es nur als einen Mißbrauch betrachten, wenn der Bürger­meister sich nicht bewußt bleibt, daß er bet erste Diener ber ©emeinbe unb ihrer Einwohnerschaft ist. Ich kann e? nur al? eine Sünde wider den Geist ber Selbstverwaltung bezeichnen, wenn er in

heute in Karlsruhe biefe Ausstellung finb.

So eröffne ich die Ausstellung mit dem Wunsche, daß sie für die in der Gemeindeverwaltung stehenden Männer und für die gesamte Bevölkerung eine wahre Lehr- und Leistungsschau sein möge, eine Schau der Leistungen, die die deutschen Gemeinden im nationalsozialistischen Staat vollbracht haben, eine Schau aber auch des Wollens, von dem ihre künftige Arbeit beseelt sein soll. Der Führer hat den Gemeinden bei ber Schöpfung ber Deutschen Ge- meinbeorbnung bie Ausgabe gestellt, bie rounberbaren im beuischen Volke schlummernden Kräfte zu höchster Leistung zu entfalten. Tie deutschen Gemeinden führen diesen Auftrag des Führers aus im Dienste des deutschen Volkes, in Dankbarkeit gegen den Führer, der im Neuaufbau von Volk unb Reich auch bie beutsche Selbstverwal­tung zu neuer Blüte erweckte."

Nach Abschluß bes Festakte? begaben sich Reichsminister Dr. Frick

schen Hanbwerks, habe die negativen Werbesaktoren, wie Rach« lässigkeit, Unzuverlässigkeit, mangelnde Prcistreue, zu beseitigen, sie habe für die Ausschaltung schlechter Werbemittel und Werbe­methoden zu sorgen unb die Gewinnung des guten Handwerkers für gute Werbung zu fördern.

. Uebec. das Vertrauensverhältnis zwischen Presse uni» Wirtschaft sprach Hauptamtsleiter Rienhardt. Die Presse schöpfe in ihrer täglichen Arbeit aus her Fülle des Lebens unb greife für den einzelnen Interessantes heraus. Tie inieressanteste Note, die eine Presse für den Leser jemals besitzen könne, liege darin: allen alltäglich positive Werte für den Daseinskampf int Klinen und Großen zu geben. Sie löse ein wirklich inneres Ver­trauensverhältnis zwischen dem Leser und der Zeitung aus, denn interessanter als künstliche Gegensätze seien für den Einzelnen sein eigener Lebenskampf und die Hilfe, bie ihm hier gegeben werde. Das Prinzip der Leistungsauslese in der Presse verwirkliche das Erfordernis, daß auf jedem Fachgebiet Männer mit Fachwissen tätig seien. Das werde auch in der Behandlung der Wirtschafts­fragen im allgemeinen immer stärker seinen Ausdruck finden. Diese Auslese schaffe ein engeres Vertrauensverhältnis zwischen Wirt­schaft unb Presse. Wenn man vor Jahren manchmal bie Meinung habe hören können, die Beziehung zwischen Wirtschaft unb Presse seien gelockert, weil ber redaktionelle Teil für Sonderwünsche ver­schlossen worden fei, so habe man dabei völlig verkannt, daß die Trennung zwischen redaktionellem und Anzeigenteil nicht eine ein­seitige Stellungnahme gegenüber der Wirtschaft darstelle. Es fei dies vielmehr ein Grundsatz, der für alle Gebiete des Leben? gelte,Auf eines möchte ich aber ganz besonders Hinweisen: ber Einsatz der Presse für die Grundlage alles Schaffen? ist wohl der bedeutsamste Wert für bie Wirtschaft. Die Vorteile, die früher vielfach mit rebattionetten Notizen angestrebt wurden, sind auf dem Wege guter unb "systematischer Wirtschaftswerbung gerade heute ohne weiteres zu erreichen. Die Bedingungen für die vom Nationalsozialismus in vollem Maße anerkannten ja geradezu ge­forderte Wirtschaftswerbung sind ja nicht verschlechtert, sondern entscheidend verbessert."

uns alle; sie begleitet das Leben des Volksgenossen von Anfang bis zu Ende." Wenn die deutsche Gemeinde damit im letzten Sinn ihre Aufgabe in der stetigen Sorge für jeden einzelnen Volks­genossen findet, der in ihr wohnt, bann wirb schon daraus eine in ber Vielgestaltigkeit nicht zu übertreffende und in der Bedeu- o , , , m m , ... . , .. .

(11 ,,, ö n . k ,, , Leben fiat. Gesteigerte Bedeutung i t aber unter dieser Zlel;etzung

tung ment zu überbietende Lelstungsforderung klar.! -, T , . . .. < m k «. > 8

T-rÄÄ.r m.c«. o-un tl c , , . . an chaulichen Darstellungen der Arbeit der Gemeinden beizumessen,

naefi unserer heutigen ®«n e= ^. * letzten Jahre in Berlin anläßlich des Internationalen

« ? n ' dürgermei ter m der Grotzstadt so- G^>j^ekongresses die AusstellungTie deutsche Gemeinde" unb

sammelt haben, brückt °uch in ben größeren ©emeinben bnrf

- " ........ " nichts unterbleiben, was ben Sinn der Einwohnerschaft

liegt üuf dem Gebiet ber sachlichen Leistung, die zweite nicht minder der Führung der Gemeinde eine Form der BefehlkgEMPeh^W wichtige besteht in der ständigen Vertiefung des Gedankens, daß! gleichsam aus unerreichbarer Höhe anordnet und reglementiert. Der c? eben bie gemeindliche Selbstverwaltung ist, die diese Leistung gute Bürgermeister, die echte Führerpersönlichkeit steht mitten im vollbringt. Diese Aufgaben sind untrennbar miteinander verbunden Volke, steht mitten in der Einwohnerschaft der Gemeinde; er benutzt unb keine von ihnen barf neben ber anberen vernachlässigt werben, j bie vielfältigen Möglichkeiten, bie seine Verbunbenheit mit der Be- ~le ^Nische Gemeinde hat ton jeher ben eigenartigen Zug zur völkerung sichern.

Ganzheit ihres Aufgabenbereichs gehabt. Eine lieber« febrirt in ber Ausstellung, zu deren Eröffnung wir uns hier ver-

vertrauen Mische» Wirtschaft und Dresse.

Hauptamtsleiter Wenhardt auf der ReichstagungDie deutsche Werbung".

Die Fronten im Wahlkampf.

Wird die Uationalregiernug geschwächt werde«?

lassen." Tie neu geschaffene Werbestelle beim Reichsstand der beut.

Stadt Hamburg ein.

(Drahtmeldunz unser eS Korrespondenten.).

vl) London, 23. Oktober. In der australischen Common­wealth finden heute Bundeswahlen statt. Es geht darum, das ganze Unterhaus neu zu besetzen und die Hälfte der Mit­glieder des Bundessenats zu wählen. DaS Unterhaus hat 75, der «Senat 38 Mitglieder. In Australien ist den Wählern die Teil­nahme an den Wahlen gesetzlich zur Pflicht gemacht worden. Es kann darum mit einer 95prozentigen Wahlteilnahme gerechnet werden. In dem Wählkampf hat sich die Regierungskoalition, be­stehend aus ber von dem Premierminister Lyons geführten Vereinigten Australischen Partei und der Lanbespartei, an beren Spitze Tr. Carle Page steht, gegen den Ansturm der L a b o u r Party zu verteidigen. Diese wird zur Zeit von Curtin geführt. Sie ist gegenwärtig insofern gestärkt, als sie eine (oberflächliche) Versöhnung mit ihrem vor allem in Neu-Südwales beheimateten radikalen Flügel, der von Lang geleitet wird, herbeiführen konnte.

Im Unterhaus der Commonwealth hat die Regierungskom- mission, die sich auch in Australien Nationale Regierung nennt, 6 Sitze (die Vereinigte Australische Partei 31 und die Landes­partei 15), die Labour-Opposition 28 Sitze inne. Die Labour Party müßte also im Unterhaus mindestens zehn Sitze erobern, wenn sie die Regierung stürzen will. Im Senat ist ihre Aufgabe noch schwieriger, denn in diesem müßte sie, um die Mehrheit zu erlangen, von den 19 neu zu besetzenden Sitzen 16 für sich gewin­nen. Einen derartig großen Erfolg in ben Senatswahlen aber könnte sie nur erhoffen, wenn es in ber ganzen Commonwealth zu einem wirklichenErbrutsch" käme. So würbe bie Labour Party, falls es ihr gelingen sollte, im Unterhaus eine (schwache) Mehrheit zu erlangen, wahrscheinlich mit einem ihr feinblich ge­sinnten Senat zu rechnen haben.

In bem Wahlkampf, ber wegen ber Größe ber Entfernungen unter Schwierigkeiten geführt würbe, war in ben letzten Tagen in beiden Lagern eine sehr starke Erbitterung entstanden. Die Nationalregicrung kann für sich in Anspruch nehmen, daß sie unter der Leitung von Lyons bie finanzielle Gesunbung ber Common­wealth und dadurch auch mancher australischen Einzelstaaten er­reicht fiat. Tie Labour-Opposition fiat daher mit Erfolg den Kampf hauptsächlich auf das außenpolitische Feld verlegt. Ihre Redner haben überall immer wieder behauptet, daß Lyons auf bet Lonboner Empirekonferenz Verpflichtungen übernommen habe, bie

> Australien gegen seinen Willen in einen Krieg verwickeln könnten. I Die Sicherheit bet Commonwealth könne allein, so erklärten bie Sabourleute, auf einer Politik ber Vereinzelung nach amerika­nischem Muster beruhen. Auch in ber Rüstungsfrage verkünbetcn sie ©ebankengänge, bie sich beträchtlich von ben Anschauungen bet Nationalregierung unterschieden. Während diese vor allem die australische Kriegsflotte in Anlehnung an das maritime Wehr- systern des Empire stärken will, trat die Labour Party in dem Wahlkampf dafür ein, daß sich Australien hauptsächlich eine starke Luftwaffe schaffen sollte, weil das den strategischen Bedürf­nissen Australiens besser entspreche und weil Flugzeuge unter weit geringerem Kostenaufwand gebaut werden könnten als Kriegsschiffe. In ber Erklärung, baß biefe Meinungsvctschiebenheiten bie Wähler­massen vielleicht nicht so sehr zu fesseln vermöchten, hat die Labour Party aber auch noch mit der Anschuldigung gearbeitet, daß die NationalregiMing bie Einführung bet militärischen Dienstpflicht plane. DieseHNehauptung, bie von Lyons alsLüge" bezeichnet würbe, mar ^tr bie Regierungskoalition in ber Tat recht gefährlich, benn sogau^Mi Weltkriege konnte bie militärische Dienstpflicht in Australien rtWjt burchgeführt werben.

Ziemlich sicher wirb bie Nationalregierung aus den Wahlen geschwächt hcrvorgehen. Ob es ihr gelingen wird, sich zu halten, steht dahin. Schon zweimal hat Lyons in General- roafilen gesiegt. Daß er zum dritten Male siegen werde, könnle deshalb vielleicht als unwahrscheinlich angesehen werden, weil das politische Pendel in Australien ziemlich regelmäßige Schwingungen zu haben pflegt. So war ein dritter Sieg in früheren Jahren weder Hughes noch Bruce gelungen, die auch verdienstvolle Pre­mierminister gewesen waren. Für Lyons wird es vor allem darauf ankommen, wie sich die Fabrikanten in den beiden Lst- staaten Neu-Südwales unb Victoria jetzt zu ihm stellen. Denn biese beiben Staaten werben zwei Drittel ber Abgeorbneten bes Bunbe?- unterhauses zu wählen haben. Im Jähre 1929 konnte bie Labour Party einen Wahlsieg erringen, weil sie bamals von ben Fabri­kanten unterstützt würbe. In ben. Jahren 1931 unb 1934, in benen bie Nationalregicrung erfolgreich mar, ftanben bie Fabri­kanten jeboch auf ber Seite von Lyons. In letzter Zeit haben sie eine gewisse Verstimmung wegen ber von ber Regierung ver­folgten Zollpolitik gezeigt. In ber Tatsache, baß die Nationlregie- rung kürzlich in einer Nachwahl in Neu-Südwale? verlor, hat man vielfach ein ungünstiges Zeichen gesehen.

Rolaub E. Strunk f

(PrivattelegrammderFrankfurterLektung*.) Berlin, 23. Oktober. Ueber den plötzlichen Tod des Mitgliedes seiner Schriftleitung Roland E. Strunk teilt derVölkische Beobachter" (wie wir in einem Teil der letzten Ausgabe schon berichtet haben) folgendes mit:

Mitten aus einem Leben der Arbeit und de? Kampfes heraus entriß uns heute der Tod unseren Kameraden und langjährigen Mitarbeiter Rittmeister a. D. SS-Hauptsturmführer Roland E. Strunk.

Von seiner letzten großen Jndienreise im Dienste desVöl­kischen Beobachters" und im.Anschluß daran aus den Wchrmachts- manöoern zurückgekehrt,, wurde ?r ohne sein Verschulden in eine, Sny» gestellt, die ihn nach überkommenen Ehrauffassungen veray- laß^e, dem P er l e.tz e r Je in er und sei n er Familie E fite mit! der . Waffe in der Hand entgegenzutreten. In Verteidigung seinxr und seiner Familie Ehre ist Roland E. Strunk ein Opfer eines von ihm für notwendig erachteten Zweikampfe? ge­worden. Wir, seine Kameraden und Mitarbeiter, stehen erschüttert vor der Tatsache, daß einer unserer ersten und befähigtsten Beruss- kameraden unverdient das Opfer eines Schicksals werden mußte, dessen Sinn wir nur schwer fassen können.

Uns allen unb- bem großen Kreise ber Leser de?Völkischen Beobachters" sind die lebendigen unb vielseitigen Berichte unb Aufsätze Strunk? von ben Brennpunkten bes politischen Geschehen? in aller Welt in Erinnerung. Von nicht weniger als acht Kriegs­schauplätzen ber letzten Jähre gab Strunk uns feine packenben Schilderungen unb Bilder.

Ms österreichischer Offizier geriet er im großen Krieg in rus­sische Gefangenschaft. In Irkutsk wurde die über ihn verhängte Tobesstrase in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewanbelt. Drei­mal unternimmt er in Sibirien Fluchtversuche. Nach bem Welt­krieg steht er als Schriftsteller unb Kriegsbericht­erstatter in ben Kämpfen bet erwachenben Türkei, in bet Man- bschurei, bei ben Aufstänben ber Afridi? in Afghanistan, ber Ris- kabylen in Norbafrika, im italienisch-abessinischen Kriege, an ben Fronten bes nationalen Spanien unb in ben Unruhen in Jnbien in oorberfter Linie. Im japanischen Schützengraben in Oftofien

wird er 1934 lm Dienste an seiner Arbeit durch einen Jnfanierie- schuß schwer verwundet. An ber Front vorMadrid raubt ihm eine einschlagende Granate ber Bolschewisten für Wochen bas Gehör auf bem Ohr. Vor Abdis Abeba verteidigt ct mit alleiniger Hilfe einiger farbiger Diener drei Tage lang eine deutsche Farm gegen räuberische Ueberfälle der Eingeborenen, bis italienische Kavallerje- patrouillen Entsatz bringen. Das italienische Kriegskremz ist bie äußere höhere Anerkennung seiner soldatischen Leistung.

Wo immer es zu großen politischen Entscheidungen unb be­waffneten AuSeinanbersetzungen bet Völker kam, sah Strunk seine Aufgabe unb Berufung. Immer wieher trieb es ihn, seine unge­wöhnlichen journalistischen Fähigkeiten einzusetzen und die ihm angeborene Gabe, bie großen Zusammenhänge zu schen und zu schildern, in den Dienst der nationalsozialistischen Presse zu stellen. Seine umfangreichen Erfahrungen au« eigener Anschauung bei seinen zahlreichen Reisen durch alle Erdreile ließen ihn das Wesen, ber bolschewistischen Weltzerstörer in jeficr Auseinandersetzung bet. letzten Jahre klar erkennen. Diese Erkenntnis setzte sich in die Tat um. Roland Strunk war einer ber erfolgreichsten, weil kenntnis­reichsten Journalisten unb Kämpfer gegen bie bolschewistische Zersetzung. In ungezählten Massenversammlungen hat Strunk nach seinem wiederholten Einsatz an den Fronten in Spanien ber deutschen Oeffentlichkeit das wahre Gesicht des Bolschewismus gezeigt."

Mit Strunk geht ein guter Kamerad, ein tapferer Soldat un­sere? Berufes aus unserer Mitte. Das Zentralorgan bet National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei unb sein Kameradenkreis verlieren mit ihm einen unvergeßlichen Mitarbeiter am großen Werk ber neuen Presse im neuen Reich."

Hauptschriftleiter: Dr. Rudolf Kircher, Berlin; Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Erich Welter, Frankfurt a. M.; Politik: Dr. Rudolf Kircher, Berlin; Feuilleton: Dr. Max von Brück, Frankfurt a. M.; Handel: Albert Oeser, Frankfurt a. M.; Sport: Herbert Sitterding, Frankfurt a. M.; Lokales und Allgemeines: Wilhelm Hollbach. Frank­furt a. M. Verantwortlicher Anzeigenleiter: Dr. Erich Stötzner, Frankfurt a. M. Druck und Verlag: Frankfurter Societäts-Druckerei- G. m. b» H., Frankfurt a. M. Anzeigen erscheinen in Reichsaus­gabe f I. Morgenblatt bzw. Reichsausgabe / II. Morgenblatt. Durch- schnittsauflage Reichsausgabe und Abendblatt /1. Morgenblatt im September 1937 über 70 000. Sonntags allein über 95 000. Durchschnitts­auflage Reichsausgabe und II. Morgenblatt im Sept. 1937 über 70 000»

Sonntags allein über 95 000. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 10 gültig.

Lebens auf den Straßenbahngleisen einer Großstadt. Der linke Fuß des Mannes steht auf einer Bremse, der rechte be­rührt den Boden der Plattform. Die linke Hand umfaßt den hölzernen Handgriff der Kurbel, die rechte bedient abwech­selnd einen metallenen Hebel, ein aufrechtstehendes eisernes Handrad und den Griff, der aussteigenden Fahrgästen die Vordertür: des Wagens öffnet. Frische Luft weht herein, die eisengraue Bluse, die weißen Haarsträhnen des alten Mannes flattern ein wenig. An einem Haken neben seinem Knie hängt seine Jacke, aus der Brusttasche schaut ein Brief heraus. Davor liegt ein brauner Ledersack. Der alte Mann öffnet nun den Koffer, er holt etwas Eingewickeltes heraus, er hält das Papier und beißt in sein Sandwich, alles im Fahren; das Geleise ist frei und weithin übersehbar. Wir fahren immer in der Richtung des Flusses, schon sind wir bei der Haus­nummer 4167. Die kleinen Wohnhäuser an der Seite wechseln ihr Aussehen. In diesen schmalen Hütten aus graugestrichenen waagrecht genagelten Brettern wohnen Neger. Schwatzende Frauen stehen auf den Treppenstufen, Kinder in schmutzigen Hängekleidchen spielen, ein alter Mann schaukelt leise auf dem hölzernen Sofa, das an zwei eisernen Ketten von der Decke des Vorbaues herabhängt, am Gartenzaun steht eine Siegerin in einer riesigen gelben Haube. Nun kommt eine Straßenkreuzung, ein Stück Wiese, ein abgeschabtes, drei­eckiges stück Rasen. Weißgestrichene eiserne Gartenmöbel stehen zum Verkauf, eine Menge der verschiedenartigsten Bänke und Stühle. Jetzt wird das Aussehen der Häuser wieder besser. Solide kleine Wohnhäuser aus braunen Steinbrocken mit Veranden aus rotem Mauerwerk, immer mindestens zehn nebeneinander. Dazwischen eine Kirche, ein schmaler Ziegel­bau mit hellgrauem Anstrich und hohen Fenstern aus buntem Glas, unb über der Tür die Inschrift: Deutsche Evangelische Kirche. Nun kommen Häuser mit größeren Vorgärten, dann eine geschlossene doppelte Häuserreihe mit kleinen verstaubten Läden und Büros, ein paar Drugstores unb Wirtschaften mit Kreidetafeln und buntbemalten Preiszetteln an der Tür, da­zwischen der vergoldete Baldachin über dem Eingang eines Kinos mit bunten Plakaten unb rosa untermalten Photogra­phien.

Es geht jetzt ein wenig bergauf, man sieht auf einmal toicber den Fluß unb bann eine große grüne Grasfläche, auf der wie Streifen aus Segeltuch die Rollflächen des Flug­hafens liegen. An der Seite leuchtet das gelbe, dachlose, drei­stufige Gebäude, eine Menge von Autos blitzt in der Sonne, vor der Halle stehen Flugmaschinen. Auf einmal sind wir in einem Gehölz von großen, schattigen Ahornbäumen. Die Landstraße geht weiter, aber das Straßenbahngeleise, die scharf glänzende stählerne Rille im Boden, macht eine Schlinge. Hier ist es zu Ende.

Ter Schaffner winkt mir, auszusteigen, ich bin fein letzter Fahrgast. Wir gehen in die Wirtschaft an der Seite, es ist em ziemlich großes, graues hölzernes Haus. Drinnen itz.

tiefer kühler Schatten. Das Lokal ist noch fast leer, aber die Kessel hinter der Theke dampfen, ber Schaffner hebt einen Deckel und setzt sich bann mit seiner großen Suppentasse an den Tisch, es ist eine Suppe aus gehacktem Fleisch unb Chili- pfefser, ein fflfir angenehmes Gericht am Vormittag.

Ich warte bis der Wagen zurückfährt. Ich vergaß, daß ich am Flughafen aussteigen wollte.

X3m Zeichen der Goldfisches

/ Von Werner Bergengruen. >

Zu einer richtigen Herrschaft, so findet unser Mädchen, gehören Goldfische. Wir halten diese Meinung für ein Rück- bleibsel aus der Zeit überwundener Standesvorurteile. Aber Hedwig vergißt nichts und benutzte viele Gelegenheiten zu Anspielungen. Oft mußten wir hören, daß der Justizrat bie Fütterung eigenhändig besorgte und daß bei Gottschalks das Eßzimmer mit dem Goldfischglase wohnlich ausgesehen habe. Hedwig hat jene verbissene Demut, bie fast immer zum Siege führt. Diesmal blieben wir hart. Da änberte sie ihre Taktik. Das WortGolbfische" kam nicht mehr über ihre Livpen. Dafür stand, als unser Jüngster seinen dritten Geburtstag hatte, ein viereckiger gläserner Wasserbehälter mit drei Gold­fischen auf dem Tisch.Nicht wahr, das ist mal eine lieber« raschung?" sagte das Mädchen fröhlich.

Hedwig erklärte, die Fütterung werde sie selbst überneh­men und bestimmte zugleich den Standort des Glaskastens; hiermit war ein brauchbarer Tisch jeder anderen Benutzung entzogen. Hedwig besorgt auch die wöchentliche Auswechslung des Wassers unb ist hierin von überraschender Pünktlichkeit, lieber die Fütterungskosten kann ich mich nicht beklagen. Eine wohlfeile kleine Dose mit trockenem und unkenntlichem Inhalt reicht für Monate. Sie enthält ehemalige Wasserflöhe, die durch einen aufgeklebten Zettel als zur Familie der Daph­nien gehörig ausgewiesen werden. Hedwig hält dase" der letzten Silbe für ein Dehnungszeichen und das Ganze dem­zufolge^ für ein Präparat der chemischen Industrie wie Urbin oder Strychnin. Der nomenklatorische Dosenzettel warnt da­vor, die Fische zu reichlich und öfter als alle drei Tage zu füttern, da jede Unmäßigkeit ihren Tod bewirken könne. Einige Male war ich in Versuchung, gegen diese Warnung zu verstoßen. Aber ich möchte dem Mädchen keine überflüssigen Unkosten Verursachen, und sie würde es sich ja nicht nehmen lassen, beim nächsten Geburtstag unerbittlich jeden Todesfall auszugleichen. Unb schließlich ist das Glas einmal da und muß genutzt werden.

Nun sind also die Golbfische zu einem Bestandteil bes Hauswesens geworben. Aber bamit hat es nicht sein Bewen- ben. Denn allmählich leben Hedwigs Anspielungen in abge- wandelter Form wieder auf. Sie spricht davon, was für Gegenstände sich vorteilhaft in Aguarien unterbringen lassen; bet Justizrats habe es jpgar eine Nixe aus Steingut gegeben.

Kurz, sie tritt für eine entschiedene Möblierung des Glas­kastens ein; der kiesige Sandbelag des Bodens sehe hoch zu eintönig aus. Ich höre viel von Wasserpflanzen, von Zier­muscheln unb von gewissen Schnecken, bie als Fensterputzer einzustellen seien; sie kröchen systematisch an ben Glaswänden auf und nieder unb sorgten saugerisch für beren Sauberhal- tung. Tatsächlich erscheinen zu Weihnachten einige Schnecken unb überziehen von nun an die Innenwände mit einem fetti­gen Schleim. Wir fragen uns besorgt, was geschehen wird, wenn sie einmal statt an der Innenwand an der Außenseite abwärts kriechen unb sich im Hause verlieren werben. Auch einige Muscheln unb ein radiergummigroßer, aus Masse angc- fertigter Zwerg mit roter Zipfelmütze treten nach unb nach auf, unb wir werben mit frohen Ausbkicken auf eine bevor­stehende Einführung der Botanik unterhalten.

Einmal fanden wir einen Goldfisch tot. Es machte nie­mandem Eindruck, merkwürdigerweise auch Hedwig nicht. Es ist übrigens gleichgültig, wieviel Goldfische ein Aquarium ent­hält; denn die Spiegelung der vier Glaswände unb des Wassers vervielfältigt sie ins Beliebige; im Grunde könnte man sich mit einem begnügen.

Da die Goldfische meinem geben nun einmal zugeteilt sind, fasse ich den Entschluß, sie wenigstens zu beobachten, denn das ist ja die Aufgabe, die anwesende Tiere uns auferlegen. Wir versuchen, sie Max unb Moritz, Kastor und Pollux, Paul unb Virginie, Elisabeth unb Maria Stuart zu nennen. Aber es ist gänzlich belanglos, auf wen bieser ober jener Name ent­fällt. Sie ähneln sich bis zur Identität, unb es zeigt sich, baß auch ihr Geschlecht nicht zu ermitteln ist. Man kann ihnen sehr lange zusehen, ohne überrascht zu werben. Nur sehr schwer ließe sich ein Bild bavon gewinnen, wie ihr Verhältnis zu­einander beschaffen ist. Weder berühren sie sich bei ihren schwänzelnden Schwimmbewegungen, noch weichen sie einander erkennbar aus. Manchmal scheint es, ihrer keiner habe bis jetzt das Dasein des anderen zur Kenntnis genommen. Be­merkenswert sind ihre ungeheuer exakten Kehrtwendungen, die freilich der Viereckigkeit deL Bassins zu verdanken sind. Manchmal stoßen sie aber auch gegen die Wand unb kehren bann um, ohne Unwillen ober Erstaunen zu befunben. Ob sie dankbar, rachsüchtig ober ehrgeizig sind, wüßte ich nicht zu sagen. Vielleicht könnte man sie durch Erschrecken zu einer un­mittelbareren Lebensäußerung veranlassen, aber sie find nun einmal Haustiere geworden, und da möchte man gutmütig fein.

Dazwischen lege ich mir bie Frage vor, ob sie sich ebenso langweilen wie mich. Vielleicht kann ihr Zustand nicht besser gekennzeichnet werden als mit der Frage, die in einem eng­lischen Witzblatt ein Goldfisch an den anderen richtete: Haben Sie für nächsten Sonntagnachmittag schon etwas Bestimmtes vor?"

Die Tyrannei der Goldfische verhieß Schlimmes, als wir für eine Weile verreisen und das Haus derweil zusperren

wollten. Für den Hund fand sich leicht eine Unterkunft. Wo­hin aber mit den Goldfischen? Um ein Haar wäre die Reise in ihr Bassinwasser gefallen. Schließlich war der Briefträger zur Hilfeleistung erbötig. Während die Goldfische bei ihm in Pension waren, unternahm einer von ihnen einen Selbstmord­versuch, indem er sich aus dem Aquarium durchs offenstehende Fenster ins Trockene schnellte. Dies mißlang, denn er geriet in eine Regentonne. Ich darf nicht annefimen, es habe sich um Heimweh, um Sehnsucht nach mir unb ben Meinigen gehan­delt. So muß also an Lebensüberdruß und goldfischlichen Weltschmerz geglaubt werden. In jedem Falle habe ich seitdem Achtung vor der Atmosphäre des Briefträgerhauses; die unsere hätte den Goldfisch nie zu derartig temperamentvollen Hand­lungen inspirieren können.

Neuerdings spricht Hedwig von Schildkröten. Wir werden kündigen müssen, und bann wird es nie mehr die guten Dampfnudeln geben. _____

Musik in Frankfurt.

Der feinsinnige Königsberger Hermann Goetz, der mit 36 Jahren an der Schwindsucht starb, der Autor der heiteren Oper ..Der Wider­spenstigen Zähmung und einer beachtenswerten Symphonie, hat auch Kammermusik geschrieben, und zwar ein Trio, ein Quartett und ein Quintett, sämtlich mit Klavier. Im ersten Kammermusikabend der Frankfurter Museupis-GeSeilschaft wurde jetzt das Quintett dargeboten. Es zieht statt des üblichen Violoncells den Kontrabaß heran und steht in der Tonart c moll. Es wirkt im Ganzen nicht so stark und so klar wie das Quartett in E dur. Doch es fesselt den Hörer durch eine recht seltsame und eigenartige Romantik im Umkreis von Brahms; eine romantische Haltung, deren schwermütige Seite, wie. so oft, die bekanntere heitere psychologisch aufhellend ergänzt. Man spürt die gültige persönliche Aussage; mit dem Klavier ist der Kontrabaß das beredteste Instrument der Schwermut des Komponisten. Aber das Ganze leidet etwas unter dem Mangel an entwicklungsfähigen Themen. Der bekennerische Ausdruck spricht eindringlicher als die Eigenkraft des Kunstwerkes. LTm so stärker empfand man den Gegensatz der Form und der Wirkung, als un­mittelbar darauf die Serenade für Streichtrio von Beethoven, jenes entzückende, feingliedrige Werkchen des Siebenundzwanzigjährigen, folgte. Hier zeigte sich, selbst im Ver­gleich mit diesem ausdrucksmäßig ziemlich leicht wiegenden Beetho­ven. der Unterschied zwischen Talent und Genie. Die Vortragsfolge endete mit dem Klavierquartett in A dur von Brahms. Darf hier ausgesprochen werden, daß der qeue klassizistische Zug unserer Musikanschauung und unseres Musikschaffens, das Streben nach Verdichtung und klarster Prägung, uns auch von so meister­lichen Werken der romantischen Epoche langsam entfernt oder es uns mindestens schwerer macht, ihnen zu folgen? Oder ist das nur eine persönliche und einmalige Erfahrung, vielleicht mit herbei­geführt durch die Ausdehnung des Programms? Wir geben sie nur zu bedenken. Im übrigen haben wir für die Ausführung des ganzen Abends zu danken. Die Kammermusikvereinigung Wolf-Borries ist ein Ensemble durchweg hochwertiger Spieler, von denen jeder sich in jedem Takt nur als Glied des Ganzen fühlt, das mehr ist als nur die Summe der Einzelkräfte. Diese vier Vollmusiker, denen sich bei dem Werk von Goetz der Frankfurter Kontrabassist Kurt Möehel zu gesellte, spielten mit ebenso viel Disziplin wie Kultur. Die Wiedergabe der Beethoven-Serenade durch die drei Streicher war ein Muster klassisch klarer, von gesammelter Empfindung getragener Formung eines aufs feinste ausgewogenen Klangbildes. Karl Holl«