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MsntaK, L November 1937

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Fernsprech Sammel-Nr.: Ortsruf 20202. Fernruf 30301

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82. Jahrgang

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elsblatt

Sonnemano

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bund wiederholt in dieser Frage ganz unzweideutig e hat, gebunden fühlt. Die anderen Völkerbundsmächte der unglücklichen Lage gewesen, ihren Botschafter ge

den Italienern eine wachsende Neigung,unlie sein, feststellte. Am Quai d'Orsay wird die Adder nischen Botschafters alsSchikane" uwd als ein Ausbruch italienischer Ungeduld bezeichnet. Die A nialer Eroberungen oder Festsetzungen, so wird habe in der Geschichte der letzten Jahrzehnte im Zeit in Anspruch genommen und sei nie ohne Handlungen erfolgt. Die bisherige Jahresfrist sei lich, aber doch auch nicht unnormal und auf Symptom für eine unfreundliche Gesinnung Fra sprechend wird in der französischen Preffc die

Augenblick wechseln zu müssen, wo sich die Frage der stellte. Sonst wären sie vielleicht in ähnliche Schwierigk Allerdings hat Mussolini es mit der Regierung de Staaten nicht so genau genommen, denn diese hat oberung Abessiniens einen neuen Botschafter entsan glaubigungsschreiben lediglich an den König von Jt war, ohne daß dies Schwierigkeiten gemacht hätte.

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gemeldet, auf unbegrenzte Zeit beurlaubt worden. Tiefe Maßnahme hat hier wegen des Zeitpunktes, zu dem sie erfolgt ist, großes Auf-

sprochen, daß der botschafterlose Zustand nunmel., finden möge. Botschafter Cerruti werde dann bi seiner Rückkehr

Der französische Außenminister D e l b o s, abend aus Lille nach Paris zurückgekommen ist unt> seinen Botschafter in London Corbin empfange ihm aufs Neue die Lage im Nichteinmischungsau sprechen, hat sich zu der Angelegenheit nicht geäuh er wohl sicher nicht gewesen, obwohl er schon seit

sehen erregt. Aus den verschiedenen außenpolitischen Kundgebungen des Radikalsozialen Parteitages zu Lille ist genügend klar ge­worden, wie düster man in Frankreich an leitender Stelle die inter­nationale Lage beurteilt, und wie gering die Hoffnung ist, in ab­sehbarer Zeit zu einer Verständigung mit Italien wenigstens über die dringlichsten Punkte gelangen zu können. Die französische Re­gierung hatte immerhin einige Erwartungen auf Brüssel gesetzt, roo Delbos den Grafen Ciano zu treffen hoffte, um mit ihm und seinem britischen Kollegen Eden die spanische Angelegenheit außerhalb des Nichteinmischungsausschusses behandeln zu können. Daß dies nicht möglich ist, stellt für die französische Regierung eine umso größere Enttäuschung dar, als man damit rechnet, daß General Franco eine neue Offensive unternehmen werde, die sich unter Umständen auch auf Minorca ausdehnen könnte. Ein Erfolg dieser Offensive könnte ganz neue Probleme für die Nichtein­mischungspolitik aufwerfen. Obwohl die Abberufung, oder genauer gesagt, die unbegrenzte Beurlaubung des Botschafters Cerruti nutz­bringende Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien nicht unmöglich zu machen braucht, so unterstreicht dieses Ereignis doch die Tatsache, daß solche Verhandlungen auf beiden Seiten jetzt weniger denn je beabsichtigt sind.

Der Botschafter hat dem Generalsekretär des Quai d'Orsay gestern morgen mitgeteilt, daß seine Regierung ihn auf unbegrenzte Zeit beurlaubt und angewiesen habe, sofort nach Italien zurück­zukehren. Er wird die französische Hauptstadt noch heute verlassen. Die laufenden Arbeiten der Botschaft werden von einem Geschäfts­träger versehen werden, nämlich einem Beamten des italienischen Außenministeriums, Don Renato P r u n a s. Damit ist die Gleichheit zwischen den diplomatischen Vertretungen Italiens und Frankreichs wiederhergestellt, denn die Zurückziehung Cerrutis hat ja keinen anderen Sinn, als einem tatsächlich unmöglich ge­wordenen Zustande ein Ende zu machen, der genau seit einem Jahre besteht. Am 31. Oktober 1936 verließ der französische Bot­schafter Chambrun, der die Altersgrenze erreicht hatte, Rom. Am 31. Oktober 1937 verläßt der bis auf weiteres beurlaubte Bot­schafter Cerruti Paris. Seit einem Jähr ist Frankreich bei der italienischen Regierung nur durch einen Geschäftsträger, dem Botschaftsrat Blondel, der übrigens einen ausgezeichneten Ruf genießt, vertreten. Der Nachfolger Chambruns, Herr de St. Quentin, hatte Ende September vorigen Jahres von der römi­schen Regierung das Agreement erhalten. Letztere teilte jedoch nach Paris mit, daß das Beglaubigungsschreiben nicht nur an den König von Italien, sondern auch an den Kaiser von A e t h i o p i e n gerichtet sein müsse. Diese Adressierung wurde von Frankreich verweigert, weil sie eine Anerkennung der Er­oberung Abessiniens dargestellt hätte. Botschafter de St. Quentin blieb in seiner Beamtenstellung am Quai d'Orsay und wird es auch vorläufig bleiben, was schon daraus hervorgeht, daß der aus Berlin hierher versetzte Botschaftsrat Arnal den ihm ursprünglich am Quai d'Orsay zugedachten Platz vorläufig nicht einnehmen kann, da der Besörderungsturnus durch den gezwungenen Verbleib des Herr Quentin in Paris gleichsam blockiert ist.

verweigert, die Geduld verloren hat, wird auch hier vf- weiien Kreisen verstanden. Die sranzösische Diplomatie hat ihre plitischeu Möglichkeiten in Rom durch diese Hartnäckigkeit freMig be­schränkt. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern/ütten sich wahrscheinlich nicht so zugespitzt, wenn der Geschäftsvfkehr zwi­schen ihnen normal gewesen wäre. Daß er dies nicht ln konnie, ist freilich kein Zufall und auch keine bloße Prinzipieissiterei der Pariser Regierung, da diese sich durch die Haltung, die/rr Völkec-

Sbg Paris, 31. Oktober. Der italienische Botschafter Cerrutil Daß die italienische Regierung gegenüber der Harjäckiakcit. ln Paris ist, wie bereits in einem Teil der letzten Auflage | mit der Frankreich die Anerkennung des abessinischen

Die Abberufung Cerrutis

Gin Ausdruck der fra«Msch-itaUrmscheu Spannung

(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)

nach Paris eines herzlichen Empfanges sicher feil

Dies ist gewiß nicht übertrieben, da der abrflenbe Botschafter sich in der Pariser Gesellschaft sehr schnell e|e hervorragende Stellung zu schaffen verstanden hat. Seine diploKatische Situation hingegen war nicht immer ganz leicht, da es ja jäne Ausgabe war, die sich in dem Schlagwort von derAchse »rlin-Rom" aivr drückende Pokilik bei der französischen Regierutq mit Racheruä' und freudiger Ueberzeugungskraft zu vertreten. Karin lag zweifel­los auch eine persönliche Schwierigkeit, die dies» glänzende Diplo­mat immer wieder zu überwinden verstand. Aut Rom eintreffende Gerüchte, daß Cerruti die diplomatische LauKhn verlassen und die Leitung eines großen italienischen FinanziHitutes übernehmen werde, werden hier mit Skepsis verzeichnet.

Konservative yolksfront.

Drr rabikulfojinle Parteitag bestätigt Chautemps.

(Drahtmeldung unsere

Sbg Paris, 31. Oktober. Der Landestag der Radikalsozialen Partei in Lille ist heute zu Ende gegangen. In der grundsätzlichen Parteierklärung, mit der diese Tagung abgeschlossen wurde, nimmt die Außenpolitik den größten Raum ein; das ist insofern natürlich, als die Verhandlungen stark unter dem Truck der außenpolitischen Lage gestanden haben. Die außenpolitische Lage ist es auch, die einen reibungslosen Abschluß erleichtert und die Ueberbrückung der Gegen­sätze begünstigt hat, so daß die Partei für ihren diesjährigen Kon­greß den Ehrentitel einerTagung des Patriotismus" in Anspruch nimmt. In dem die internationale Lage behandelnden Teil der Par­teierklärung heißt es, daßder Friede jeden Tag bedroht >st. ~em Außenminister Delbos wird dankbare Anerkennung dafür gezollt, daß er bisher dieAusbreitung und Generalisierung" des Dam­schen Dramas verhindert habe, und daß erdie wesentlichen ^nier- effen der französischen Nation und die absolute Unantastbarkeit der Überseeischen Besitzungen" gewahrt habe. Die Partei weiß im übrigen zur Besserung der Weltlage nicht viel Vorschläge zu machen. «>e regt an, für eine Besserung der internationalen Wirtscbculsve- ziehungen zu arbeiten, lehnt aber den Gedanken einer Neuverteilung der Kolonialmandate aufs schärfste ab. Dagegen faßt sie die Zu­erkennung internationaler Absatzmärkte und den leichteren Zugang zu wesentlichen Rohstoffen ins Auge und schlägt zur Lösung biejer Frage vor daß Frankreich eine internationale Konferenz einberufen soll.

Wenn das Fehlen neuer Gedanken in den internationalen Fragen als Mangel gelten kann, so wird dies in der Innenpolitik von den meisten Franzosen wohl als Vorteil empfunden werden. Tatsächlich ist die Tagung zu Ende gegangen, ohne daß die inner­politische Linie Frankreichs dadurch eine Aenderung erfahren hat. Im Verlaufe langwieriger Beratungen ist cs gelungen, die grund­sätzlichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb^ dieser immer noch repräsentativsten Partei Frankreichs zu überbrücken und den Mini­sterpräsidenten Chautemps in seiner Stellung an der Spitze einer Regierung der Volksfront zu bestätigen. Die Meinungsver­schiedenheiten kamen nicht, wie in früheren Jahren, daher, daß die jüngeren Elemente eine stärkere Anlehnung an die Sozialisten empfohlen hätten, sondern daher, daß diese Elemente diesmal von dem Marxismus abzurücken versuchten und eine wirtschaftspolitische Entschließung empfahlen, die eine Verdammung der sozia- I i st i s ch e n W i r t s ch a f t s p o l i t i k, wie sie von Blum versucht worden ist, unzweideutig aussprach. L c o n B l u m, der von Paris aus diese Vorgänge genau verfolgte und die Gefahr kommen sah, ries einen der an der Tagung teilnehmenden Minister an und wies ihn darauf hin, daß eine solche Entschließung seine, Blums, Aufgabe gegenüber der Sozialistischen Partei sinnlos erschweren werde. Die Entschließung wurde daraufhin zurückgezogen und die Graue Emi­nenz der Radikalsozialen Partei, der Herausgeber derDepöche de Toulouse", Maurice S ar raut, arbeitete einen Text über die all­gemeine Politik aus, der so geschmeidig und umfaßend ist, daß er einstimmig genehmigt wurde.

So kam es, daß die radikalsoziale Dreieinigkeit, nämlich Herriot, Talodier und Chautemps, von dem Kongreß als die vollgültige Ver­körperung des Geistes dieser Partei gefeiert werden konnte. Aufs sieue zeigte sich, daß das in der Verlautbarung von Rambouillet um- ri'sene wirtschaftliche und soziale Programm, das dort auch zugleich begrenzt wurde, weiterhin in voller Geltung bleibt und nach wie vor nie Grundlage der Arbeit Bonnets und der übrigen Resiortminister 'st. Chautemps versprach in seiner Rede, daß die Pause in der sozialen und Wirtschaftspolitik der Regierung keinen Rückschritt be­deuten solle, sondern daß er eine neue Arbeitsgesetzgebung einbringen toetbe. Außerdem feierte er die Rolle des Senats, der ein kostbares

s Korrespondenten.)

Element der demokratischen Stabilität in Frankreich sei. Herriot war es, der das Wort von der Dreieinigkeit erfand. Obwohl er in den Sitzungen der letzten Tage der einzige der älteren Politiker gewesen war, der einige Versuche gemacht hatte, von den Sozialisten abzurücken und sich der bürgerlichen Mitte zn nähern, unterstrich er in seiner Schlußrede doch die Einigkeit der Partei, deren Nuancen dieselben seien wie die Nuancen der französischen Landschaften.

In allen Reden war der patriotische Ton ungewöhnlich stark. Aber Daladier steigerte ihn dadurch auf das Höchstmaß, daß er seinen Parteifreunden zurief:Seid, wenn es not tut, bereit zu beweisen, daß es unter uns noch Männer gibt, die der großen Revolution, der Marne und Verduns würdig sind!" Alle Redner lieferten grundsätzliche Attacken gegen die totalitäre Weltanschauung und bezeichneten den glücklichen Verlaus des Parteitages als eine Kundgebung der Demokratie, die sich, wenn auch nicht als unver­wundbar, so doch als unbesiegbar erweise.

Kurzum, die Beratungen der Radikalsvzialen Partei sind ein Sieg der traditionellen bürgerlichen Politik in Frankreich, die immer links" gewesen ist und immer links sei, wird. Gerade diesmal hat die Partei wieder den Beweis geführt, daß der Begrifflinks" in Frankreich weder konservative Gesinnnng, noch wehrfreudigen, ja gereizten Patriotismus ausschließt. Damit ist die zur Zeit herr­schende Politik der Volksfront in der Entwicklung b e- (tätigt worden, die sie seit dem Sturz 2<on Blums genommen hat. Die Zusammenarbeit mit den Sozialisten dauert an unter der nun­mehr ganz klar gewordenen Voraussetzung, daß die bürgerliche Prägung, die Chautemps und seine Partei der Regierung geben, keine Beeinträchtigung erfährt.

de Ma« gibt seine« Austrag zurück.

Neue Bemühungen um eine Dreierkoalition.

(Drabtmelduna unseres Korrespondenten.)

F Brüssel, 31. Oktober. Die Besprechungen, die Herr de Man nach der Ablehnung der Liberalen mit den Vertretern des Katho­lischen Blockes und der Sozialistischen Partei hatte, sowie die Stellungnahme des Königs zu der durch die Ablehnung der Libe­ralen geschaffenen Lage haben de Man veranlaßt, seinen Auf­trag zur Kabinettsbildung in die Hände des Staatsoberhauptes zurückzulegen. Die beiden Präsidenten des Katholischen Blockes haben gestern abend nach der Weigerung der Liberalen dc Man erklärt, sie seien nicht befugt, über die Beteiligung der Katholiken an einer katholisch-sozialistischen Koalition zu verhandeln. Sie seien aber bereit, diese Frage ihrer Partei vorzulegen. Im Generalrat der Sozialisten, den dc Man ebenfalls befragte, waren verschiedene einflußreiche Parteimitglieder gegen eine solche Koa­lition und traten für die Fortsetzung der aus Katholiken, Sozia­listen und Liberalen bestehenden Treierkoalition ein, mit bet van Zeclanb regiert hat. Mit großer Lust wären also beibe Parteien nicht auf die Bildung einetbipartite* eingegangen, und da auch der Auftrag des Königs auf der Voraussetzung fußte, daß die altetripartite" bet nationalen Einigkeit wiederhergestellt werbe, hat be Man auf bie Regierungsbildung verzichtet. Der König war nach Brüffel zurückgekehrt unb hat in einer eineinhalbstündigen Unterredung den Bericht de Mans über die Entwicklung der Lage entgegengenommen. Gegen Mitternacht kehrte be Man aus bem Schloß Lacken zurück unb verlas vor ben Vertretern bet Presse folgenbe Erklärung:

Ich habe bem König über das Ergebnis meiner mit den drei Parteien geführten Verhandlungen berichtet. Auf der Grundlage

des vorgeschlagenen Programms schien es mit möglich, eine parlamentarische Mehrheit bei bem Katholischen Block unb ben Sozialisten zu erreichen. Indessen war die Bildung einer auf bie drei Parteien gestützten Regierung bet nationalen Einigkeit das Ziel meiner Bemühungen, und natürlich wat keine andere Mög­lichkeit ins Auge gefaßt worden. Ich habe daher vom König er­wirkt, daß er mich von der mir übertragenen Aufgabe entbun­den hat."

Der König hat heute dem katholischen Senator Cyrille van Ovetbergh bie Bildung des Kabinetts angeboten. Nachdem dieser aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt hatte, hat er den katho­lischen Senator P i e t l o t, der im Kabinett van Zeeland Land- wirtschastsministet war, gebeten, die Regierungsbildung zu ver­suchen. Dieser hat heute nachmittag den üblichen Besuch bei dem zurückgetretenen Premierminister van Zeeland gemacht und bann seine Besprechungen ausgenommen, lieber bie Aussichten Pierlots läßt sich heute abenb noch wenig sagen. Tie Liberalen werben wohl kaum Schwierigkeiten machen, doch erwartet man gewisse Widerstänbe bei ben Sozialisten unb den Flamen.

Der zwölfte feit April.

Wieder ein Sowjetminister abgesetzt.

(V Moskau, 31. Oktober. Der Zentralvollzugsausschuß hat nunmehr den zwölften Volkskommissar (seit April) seines Amtes enthoben. Es ist dies der Volkskommissar für Landwirtschaft, Tschernow, der im April 1934 sein Amt übernahm. Die Mit­teilung seiner Enthebung erfolgte in verhältnismäßig schonender Form. Nach den zahllosen Prozessen gegen landwirtschaftliche Funktionäre und besonders nach der kürzlich notwendig gewordenen Zurückziehung angeblich sabotagehafter Verordnungen auf dem Gebiet des Landwirtschastswesens kommt der Abgang Tschernows nicht unerwartet. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Parteisekretär des westsibirischen Gebiets, Eiche, ernannt, ein vielgenannter Parteimann, der zu den Kandidaten des Polit­büros zählt.

Mussolini weiht Guidonia ein.

Die Fliegerstadt östlich von Rom.

Rom, 31. Oktober. (DNB.) Zwei Tage nach der Einweihung des vierten Siedlungsbaues im Gebiet der ehemaligen Pontinischen Sümpfe hat der italienische Regierungschef am Sonntagvormittag die Fliegerstadt Guidonia ihrer Bestimmung übergeben. Sie ist 20 Kilometer östlich von Rom innerhalb Jahresfrist gebaut worden. In einer Ansprache erklärte Mussolini, daß Guidonia zum ehrenden Gedächtnis eines seiner Mitarbeiter ben Namen bes als Pionier ber italienischen Luftwaffe gefallenen Fliegergenerals Guiboni trägt. Abschließenb sagte Mussolini:Vorgestern habe ich Aprilia, eine Stabt ber Scholle, eingeweiht, heute bie Fliegerstadt Guidonia. Zwischen beiden besteht eine enge Verbindung, denn der Bauer kann nur dann bie Scholle immer fruchtbarer gestalten, wenn bie Luftwaffe bas Vaterlanb schützt. Tie italienischen Flieger haben bas in bet Vergangenheit getan unb werben es auch in Zu­kunft mit jenem Heldenmut tun, ber ihrem Namen in der ganzen Welt einen legendären Klang verliehen hat." .

An der Einweihung nahm von deutscher Seite der stellver­tretende Pressechef ber Reichsregierung, Ministerialrat Bernbt, teil. Ministerialrat Berndt flog nach ber Einweihung in bem von Mussolini gesteuerten Flugzeug über Rom, bie Albanerberge unb bas Gebiet bet ehemaligen Pontinischen Sümpfe, bie auf Befehl Mussolinis völlig kolonisiert worben sinb.

LandgerichtsprLstdent Kölling.

Berlin, 31. Oktober. Landgerichtsbirektor D r. Kölling (Magdeburg) ist zum 15. November als Lanbgerichtspräsibent nach Aurich versetzt worben. Dt. Kölling hatte seinerzeit die Unter­suchung in ber Magdeburger Motbaffäte SchröbetHaas geführt unb war wegen eines Konfliktes mit bem bamaligen Oberpräsiben- ten Hötsing freiwillig aus bem Amt geschieben. Nach bet Um­wälzung von 1933 würbe er rehabilitiert und roieber in sein Amt eingesetzt.

Japans -Ultimi!e über England.

Man rüstet sich für verstärkte Anstrengungen.

(Funkspruch derFrankfurter Zeitung".)

S Tokio, 31. Oktober. Seit Wochen wächst hier stänbig die Ab­neigung gegen die britische Politik. Diese Stimmung hat von der Presse, der Marine unb ben Geschäftskreisen aus nun auch bas Heer unb die eigentlichen politischen Kreise ersaßt. Sie erreichte gestern einen unerwarteten Höhepunkt in einer Sunbgcbung in bem ein­flußreichen Jndustrieklub Tokio, bie wohl eine allgemeine nationale Bewegung für ben Abbruch bet di^loma.tischen Be­ziehungen zu Großbritannien einleiten will; wenigstens droht ber Klubgewisse ernste Entschlüsse gegen Englanb" an. Als Be- grünbung wirb gesagt, baßGroßbritannien China zu immer neuer japanseinblicher Haltung anstiftet unb baburch ein inter­nationales Einschreiten.im japanisch-chinesischen Streit einleiten will". Unerwähnt bleiben babei bie tiefer liegenden unb an Schärfe immer noch zunehmenben wirtschaftlichen, flottenpolitifchen unb allgemeinpolitischen Gegensätze bes letzten Jahrzehnts.

Die Kunbgebung im Jnbustrieklub würbe von den Behörden nicht gehindert. Sie fand zur gleichen Stunde statt, als draußen auf den Straßen und in den Parks Massenkundgebungen mit Lampions unb Fackeln veranstaltet würben, bie bie japanischen Siege auf bem Festlanbe feiern unb den Willen ber Nation zur siegreichen Durchführung bes Feldzuges bekunden sollen. An ihnen nahm auch der General T a t e k y w a, der Direktor des größten Textiltrusts, T s u d a und führende Vertreter der großen Par­teien wie der Hochschulen teil. Diese Kreise sind sich völlig dar­über klar, daß entschlossene wirtschaftliche, Maßnahmen Großbritan­niens Japan empfindlich schaben würben; wenn auch sie sich den­noch der scharfen englandseindlichen Bewegung anschließen, so be­

deutet das eine Warnung an England im Hinblick auf die bevorstehende Konferenz in Brüssel. Ihr Verhalten bedeutet ferner die Entschlossenheit Japans, die bisherigen Erfolge bei Schanghai bis zur vollen Abschnürung von der chinesischen Haupt­stadt auszunutzen, schließlich aber auch die Absicht der Heeres­leitung, ben Vormarsch in Nordchina nach Schantung hinein fort« zusetzew, Mau weist hier auch, ans bie Schwäche Englands in Süd­china bei Hongkong hin; ein Sprecher des Auswärtigen Amtes er­klärte eine Verstärkung ber Küstenüberwachung unb eine eventuelle Besetzung der Insel Hainan nicht für ausgeschlossen. Als Gesamt­eindruck bleibt bestehen, daß Japan eine Verstärkung seiner An­strengungen nicht scheut.

Das Lagerhaus van Tschapeh in japanischer Hand.

Die chinesischen Soldaten in der Internationalen Niederlassung.

Schanghai, 31. Oktober. (DNB.) Der Lagerschuppen am Sut- schau-Bach, in dem sich Teile der 8. chinesischen Division verschanzt hatten, ist von den japanischen Truppen nach Artillerievorbereitung in der Nacht zum Sonntag nach erbittertem Nahkampf einge­nommen worden. Die Chinesen haben unter dem Druck des japanischen Ansturms ihre unhaltbar gewordene Stellung geräumt und sich in die Internationale Niederlassung zurückgezogen. Ins­gesamt handelt es sich um 377 Soldaten.

In dem Lagerhaus wurden einer japanischen Mitteilung zu­folge 100 Leichen von chinesischen Soldaten gefunden.

Das Auch als Erzieher.

Reichsrrnuister Dr. Goekkels Ker der Grüsiuuug der Mache des deutsche« Kuches.

* Weimar, 31. Oktober. Der Haupttag ber Woche des deutschen Buches begann auch in diesem Jahre mit einem Akt der Verehrung. Reichsminister Dr. Goebbels begab sich mit seiner Begleitung zur Fürstengruft, wo er an den Särgen Goethes und Schillers Lor­beerkränze niederlegte. Von der Fürstengruft fuhr Dr. Goebbels zur Eröffnungskundgebung in die Weimarhalle. Nach­dem die Weimarer Staatskapelle das Vorfpiel zum dritten Akt der OperLohengrin" gespielt hatte, nahm Reichsstatthalter und Gau­leiter S a u ck e l zur Begrüßung der Gäste das Wort.

Tann sprach der Präsident der Rcichsschrifttumskammer, Staats­rat I o h st. Er nahm seinen Ausgang von Heraklits Wort über die Wahrheit der Dichtung als das Asyl der Sprache und vom Beginn des Johannesevangeliums:Im Anfang war das Wort". Dann fuhr er fort:Tie deutsche Nation hat diese Sendung des Wortes immer am revolutionärsten erlebt. Nicht umsonst wurde sie die Geburtsstätte, das Vaterland des Buches. Tas Tritte Reich hat diese geistige Erlebniskraft des deutschen Volkes zur allgemeinen B u ch p f l i ch t vertieft, denn dieWoche des Buches" heißt nichts anderes." Wie das Buch der Spiegel alles Geschehens sei und wie das Strömen der Tinge und ihrer Entwicklung nur aus dem Gemeinschaftserlebnis habe wachsen können, so feiere der heutige Staat bewußt die großen Temonstrationen auf dem Mal­feld, auf dem Bückeberg, in Nürnberg und München. Hier sei das Selbstbewußtsein des Einzelnen in dem größeren Symbol des völkischen Erlebnisses aufgegangen. Jeder am Buch Tätige müsse Wissen um den Uttern der nationalsozialistischen Kultur­politik haben unb dürfe sich nicht mehr primär von privatwirtschaft­lichen Erwägungen leiten lassen, ebensowenig wie ber Autor noch von Privat-Schmerz oder privater Lust allein beseelt und be­geistert sein dürfe. Daher sei das Wort des Reichsministers Dr. Goebbels ins Gedächtnis zu rufen:Tas Buch muß von Jahr zu Jahr billiger werden." Zum Schluß würdigte Johst die Bedeu­tung des Rcichspropagandaministers für die Pflege ber Kultur: Als ber Führer dem souveränen Beherrscher der deutschen Sprache, dem S ch r i f t st e l l e r Dr. I o s e p h G o e b b e l s, die gesamie deutsche Kultur überantwortete, da übergab er die Impulse der deutschen Schau- und Gestaltungskraft bewußt seinem bewährten und erfolgreichen politischen Kampfgenossen, da übergab er dem Reichsleiter für Propaganda die Kultur; das heißt, er traf diese Entscheidung aus dem tiefen Wissen heraus, daß alle wirklichen, kulturellen Großtaten gleichzeitig propagandistischen Cha­rakter im politischen Raum des Tritten Reiches zu tragen haben."

Reichsleiter Bouhler legte bann als Vorsitzenber der partei­amtlichen Prüfungskommission zum Schutze bes nationalsozialisti­schen Schrifttums bie Ziele unb Aufgaben seiner Dienststelle dar. Er erinnerte an ein Wort von Rudolf Heß, die NSDAP habe

das souveräne Recht und die Pflicht, darüber zu wachen, daß das nationalsozialistische Ideengut nicht von Unberufenen verfälscht und ausgewertet werde, unb bemerkte bazu:Damit hat bie Bewegung klar unb unzweibeutig ihren im übrigen selbstverständlichen Anspruch angemeldet für alle Zeiten, selbst Träger der geistigen Führung ber nationalsozialistischen Jbeen zu sein. Dabei liegt ber Partei nichts ferner als Einengung ber geistigen Freiheit. Autor unb Verleger sollen damit nicht in ein Schema gepreßt, ihrer Initiative beraubt ober eigener Verantwortung enttleibet werben. Im Gegen- teil: ihr Verantwortungsbewußtsein gegenüber ber Gesamtheit soll gestärkt werben. Vorhandenes Schriftgut soll nicht in bie Zwangs- jade nationalsozialistischer Betrachtungen eingespannt werden; jede Zeit hat ihr eigenes Gesicht, unb es wäre Sünde nüber Natur unb Geist, wollte man einer vergangenen Epoche mit Gewalt bie Züge ber eigenen aufprägen. Hierin unterscheidet sich bie national­sozialistische Buchprüfung von ähnlichen Einrichtungen, wie sie bie katholische Kirche unb ber sowjetrussische Staat besitzt. Wenn bie Bestrebungen nach einer engen politischen Zusammenarbeit nun zu einer Lösung geführt haben, bie bet Vereinheitlichung ber schrifttumspolitischen Arbeiten von Partei unb Staat bient, so ist barin über ben Rahmen des Arbeitsgebietes hinaus eine bebeutfame Entwicklung im Verhältnis von Partei unb Staat überhaupt zu erblicken. Diese Vereinheitlichung finbet ihren Ausbruck in der Tat­sache, daß der Stellvertreter des Vorsitzenden der parteiamtlichen Prüfungskommission gleichzeitig zum Leiter der Abteilung VIII des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda be­rufen worden ist. Die Zuständigkeiten sind geklärt; mit verdoppelter Kraft kann die Arbeit am gemeinsamen Ziel fortgeführt werden."

Die Rede des Reichsminifters Dr. Goebbels.

Reich-Minister Dr. Goebbels gründete feine Rede auf den Satz: Revolutionen werden nicht so sehr mit Waffen als mit Ideen gemacht." Deshalb fei zu sagen, daß der Kampf um die Macht am Beginn einer Revolution mehr ein Kampf des Geistes als der Gewalt sei. Die großen Redner seien es gewesen, die die Revo­lutionen vorwärts getrieben, ihnen den heißen Atem und den mit­reißenden Impuls verliehen hätten.

Macht und Idee.

_ Hinter den Rednern der Revolutionen habe stets das Heer der Schreiber gestanden. Dr. Goebbels bezeichnete sie als die Infanterie der geschichtlichen Nufstandsbewegungen, die hinter dem ewig vor- anftürmenben Stoßtrupp ber großen Rebner bas erorberte Terrain zu besetzen hätten. Das geschriebene ober gebrückte Wort müsse erobern, was bas gesprochene Wort noch nicht habe gewinnen können. Wer von beiben bas größere Verbimst habe, sei müßig zu fragen, denn beide müßten zusammenwirken. Tann fuhr der