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Morüag, 1<L NobemLer 1938

Moutag-Morgeublatt bet Frankfurter Zeitung

Nummer 582 Seite 7

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* Frankreichs Schuhindustrie auf dem Wege zum Kartell.

26 335 Mann auf 14 978 Betriebe von

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zugleich aber auch die geschichtlich bedingte Verbindung mit Süddeutschland kräftig aufrecht zu erhalten.

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Berufsausbildung, ein erheblich erweitertes Programm das tief in die Betriebsführung des einzelnen Industriellen Händlers eingreift.

Staatliche oder ständische Ordnung?

* Für Individuelle Angebote der Immobilienmakler. — Die Hausverwaltergebühren. (□ Berlin.) Auf einer Berliner Arbeitstagung der Fachgruppe Grundstücks- und Hypo­thekenmakler wandte sich Bezirksgruppenleiter Brandei gegen das wahllose Ueberschütten des Käufers mit Grundstücksange­boten. Ein großer Teil davon gehe auf die speziellen Wünsche des Kunden überhaupt nicht ein, und dieser verliere durch solche Massenangebote den Ueberblick. — Der Interessent werde erfah­rungsmäßig den Makler herahziehen, der ihm durchgearbeitete und individuelle Angebote unterbreite und ihn gewissenhaft als Fachmann berate. Oftmals werde nun ein solcher Makler um die Früchte seiner Arbeit gebracht, denn der Kunde stelle fest, sei es durch nochmaliges Ueberprüfen, sei es durch Hinweis des Ver­käufers oder des Avis-Maklers, daß ihm das Grundstück schon anderweitig zuvor angeboten worden und er infolgedessen einem anderen Makler gegenüber provisionspflichtig ist, der an sich nichts zum Geschäftsabschluß beigetragen habe und nun die Pro­vision auf Kosten des ordentlichen Maklers verdiene. Der Künde gerate unter Umständen sogar in Gefahr, zweimal Provi­sion zahlen zu müssen. Die eingangs geschilderte Arbeitsweise mit'Massenangeboten billige die Fachgruppe nicht, weil sie nicht der von einem ordentlichen Makler zu verlangenden Führung der Geschäfte- entspreche und der Kundschaft werde geraten, der­artige Massenangebote unberücksichtigt zurückgeben zu lassen. Weiter wurde auf die Beobachtung der Fachgruppe hingewiesen, daß nichtberufsmäßige Hausverwalter, veranlaßt durch das Aus­scheiden der Nichtarier aus dem Beruf, versuchten, Hausverwal­tungen zu übernehmen. Da ihnen anscheinend bewußt sei, daß sie nicht die Berufserfahrung und das Wissen des ordentlichen Hausverwalters besäßen, baten sie sich zu jedem Preis an. Die Fachgruppe habe indes die Erfahrung gemacht, daß jene sich anderweitig, etwa durch Handwerkerprovisionen usw., zu ent­schädigen bestrebten. Erinnert, wurde daher an das bekannte Gutachten der Industrie- und Handelskammer, welches das Min­destentgelt für Hausverwalter wie folgt darlege: „Hiernach wird in Berlin im allgemeinen eine Vergütung bezahlt, die bei einer Mieteinnahme bis zu 15 000 5%, von JUt 15—30 000 4"/» und über ZR.M, 30 000 3 ’/• beträgt. Diese Hundertsätze schwanken

nach dem Umfang der Verwaltnngsarbeit. Jedoch enthalten diese Sätze nicht die Auslagen für Porto, Fahrgelder usw., vielmehr werden diese, monatlich ordnungsmäßig belegt, in Rechnung ge­stellt, wenn nicht ein Pausehaisatz vereinbart ist.“ Die Fach­gruppe lege den Eigentümern nahe, mit der Verwaltung ihres Eigentums nur den hauptberuflichen Hausverwalter zu betrauen, der allein diese Aufgabe fachmännisch und gewissenhaft zu er­füllen Gewähr biete.

ZV Deutscher Zellwoll - Ring» Verkaufsgemeinschaft GmbH, Berlin. (□ Berlin.) Vor einigen Monaten haben sich, wie früher ausführlich gemeldet, die sieben deutschen Zell­wollwerke Plauen, Glauchau, Kelheim, Schwarza, Lenzing, Zeh­lendorf und die Spinnstoff GmbH, Schwarza, zu einem .Deut­schen Zellwollring'1 zusammengeschlossen. Zur strafferen Organisation des Verkaufes ist daneben noch die Deutsche Zell- woll-Ring-Verkaufsgemeinschaft GmbH mit dem Sitz in Berlin gegründet worden, deren Eintragung in das Handelsregister nunmehr veröffentlicht wird. Danach übernimmt die Verkaufs­gemeinschaft, die mit JMC 70000 StK arbeitet, den alleini­gen Inlandsabsatz der Gesellschafter, jedoch in deren Namen und für ihre Rechnung. Die Gesellschaft bat nicht die

Mill, und Leistungsforderungen aut 1.89 (1.25) Mill, gestiegen. Be­teiligungen Stellen unv. mit 0.62 Mill, zu Buch. Stärker als bei der Mutterge.sellschaft ist die Ertragskraft bei der Tochtergesellschaft Gerhard & Hey. Sie erzielte JtJt 1.12 Milk Rohertrag (L V. 1.21 Mill, bei JfcJl 233 000 übrigen Aufwendungen). Beteiligungen brach­ten 53 000 (15 000), also fast das Doppelte dös Buchwertes von 27 000; nach Zuweisung von vorweg 200 000 an die Rücklagen wird nur noch ein kleiner offener Reingewinn von JIJC 27 000 ausgewie-' sen, der um den Vortrag steigt auf 37 000 (L V. hatte der 'ausgewie­sene Reingewinn MJC 231 000 betragen, da damals die Reserven nicht vorweg dotiert wurden). Ueber die diesjährige Gewinnverwendung ist nichts bekannt; in den beiden Vorjahren wurden je «»/, Dlvl. dende verteilt. Bein rechnerisch würde der durch die Reservedöta- tion verminderte Reingewinn auch diesmal eine höhere Ausschüttung- gestatten. In der Bilanz sind bei CS.« 400 000 AK und voller ges. Reserve die. freien Rücklagen nunmehr auf 500 000 (40 000) ange­reichert, übertreffen also bereits das gesamte AK. Die Verbindlich­keiten sind erhöht auf 1.07 (0.75) MilL, und zwar ebenfalls unter Wegfall des vorjährigen transitorischen Sammelkontos usw. wie bei der Muttergesellscbaft. Andererseits sind Konzernforderungen er­höht auf 496 000 (i. V. 191 000, daneben JlJl 362 000 „Transitorisches Samrpelkönto"). Ferner sind Leistungsforderungen auf 1.29 Mill. (560 Ö00) gestiegen.

Es ist bemerkenswert, daß eine Umstellung der fran­zösischen Schuhindustrie auf billigere Massenfabri­kation großen Stils ausdrücklich abgelehnt wird. Die Industrie glaubt im voraus zu wissen, daß sie auf dem Gebiet der Standarderzeugung vom Ausland geschlagen würde, weil ihr die für Serienfabrikation erforderliche Arbeiterreserve fehle und die Betriebe auch finanziell nicht im Stande seien, die dafür nötigen hohen Investitionen aufzubringen. So bliebe nur der Weg strengerer Produktion«- und Marktdisziplin. Die Frage, um die es noch geht, ist, ob das stark zersplitterte' und noch kaum an Selbstdisziplin gewöhnte Gewerbe bereit und fähig ist, sieh selbst zu organisieren, oder ob die Staatsgewalt die Ordnung aufzwingen muß. Die bisher im Schuhverband lose zusammengeschlossenen Industriellen wünschen, daß „der Schuster bei seinem Leisten bleibe“, d. h. daß der Staat die ordnenden Entschlüsse allein dem Stande überlasse und nur für ihre Durchführung seine Macht leihe. Sie erblicken deshalb in dem Kartellgesetzentwurf, zumal er noch dem Berufsaus­schuß Rechtspersönlichkeit verleihen will, eine zu hohe Be­schränkung der Gruppenfreiheit durch einen Staat, der womög­lich diesen .-Sektor der Wirtschaft als neues Versuchs­feld planwirtschaftlicher Lösumgen benutzen will, indem er im Berufsausschuß die moralische oder materielle Ueberlegenheit seines Einflusses bereits in die Waagschale der Entschließungen wirft. Nachdem der Staat andererseits be­reits so weit wie hier (und anderswo) in den Bezirk der Wirt” Schaftsfreiheit eingedrungen, ja hereingerufen worden ist, wird er sich vielleicht nicht mit der Rolle des Gendarmen begnügen und ruhig zusehen wollen, wie etwa die Stärkeren Tm Kartell die Schwächeren an die Wand drücken. Das geplante Schuh­kartell wird jedenfalls, wie es auch immer ausfallen wird, eine interessante Etappe auf dem Weg der Verbandsbildung sein, auf den durch Krisenabwehr und Vordringen ständischer Ideen auch die französische Gebrauchsgüterindustrie langsam ge­bracht wird. - - '

kb Paris.

Die Verbrauchseinschränkung breiter Schichten hat sich in besonderem Maße auf die französische Schuhindustrie ausgewirkt. Zwei Grundzüge bestimmten ihre Eigenart: das Vorherrschen des Klein- und Mittelbetriebs und das Streben nach hoher Quali­tät. Mit beiden mußte sie in Bedrängnis kommen, als die g e - schwächte Kaufkraft mehr und mehr zu billigerer Ware überging und sie in dem Angebot ausländischer Großerzeuger vorfand, tschechischer (Bata) oder amerikanischer, denen die französische Handelspolitik, z. T. aus politischen Rücksichten, Gefälligkeiten eingeräumt hatte. Frankreich hat damit un­bedachterweise seine eigene, hoch arbeitsintensive Schuhindustrie um innerer und äußerer politischer Irrtümer willen an den Rand des Verderbens gebracht. In dieser Industrie, deren Zentren um Fougeres, Paris, Lille, Marseille, Limoges liegen, wurden 1931 15 756 Betriebe mit einer Belegschaft von 93 106 Mann gezählt. Davon entfielen:

— Außer diesem Zellwoll-Ring gibt es, wie früher gemeldet, noch die Phrix-Verkaufsgemeinschaft, in der eben­falls mehrere regionale Zellwollwerke, vor allem Hirschberg und Siegburg, zusammengeschlossen sind. Unabhängig von und neben diesen Verkaufsgemeinschaften der Regionalwerke bestehen die Zellwoll-Verkaufsorganisationen der I. G. Farbenindustrie AG und des Glanzstoff-Konzerns (Spinnfaser-Kassel) weiter.

* W- Jacobsen AG, Kiel. Die HV dieser Warenhaus- Gesellschaft genehmigte den Abschluß für 1937'38 mit einer Dividende von 4Vs (i. V. 3) •/». (Letzter Berliner. Kurs 94V« %.)

• Antworten an den Leser:

Erscheinen im Montag-Uorgtnblatt

B. K., Breslau: Der englische Ausgleichsfonds veröffent­licht seit Ende Juni 1937 regelmäßig halbjährlich« über seine Bestände zum 31. März und 30. September; vkl <ue Nr. 325 unserer Zeitung vom 29. 6. 1937, Nr. 2 vom 1. 1. 1938 und Nr. 331 vom 2. 7. 1938. — E. R„ Frankfurt: Die 6V<•/« Jugoslavische Zündholzmonopolanleihe ist 1928 vom schwedischen Zündholztrust gewährt. Die Doll. 22 Mill. Obligationen wurden später in USA als Sicherheit hinterlegt und sind 1937 von einem jugoslawischen Bankenkonsortium zum Preis von Doll. 4.4 Mill erworben worden. — M. M„ Berlin : Der Zinsfuß der in unserer Frankfurter Freiverkehrstabelle enthaltenen Ruhrwasseranleihe muß in der Tat richtig 4Vi°/e lauten. — C. W„ Wiesbaden: Firmenjubiläen, soweit sie eine breitere Beachtung beanspruchen, werden von uns gern gewürdigt: indessen müssen wir uns im Regelfälle auf die allgemein üblichen, durch 25 teilbaren Jahres­zahlen, also 50. 75. 100 usw., beschränken.

eine besondere Seite der Rationalisierung besonders herausstellt. Unlöslich mit der Industrialisierung und Mechanisierung der Produktion verbunden sei die Bürokratisierung von Staat nad Wirtschaft. Mit jedem neuen technischen Fortschritt würden neue Ingenieure, Zeichner, Aufseher und Bürokräfte nötig. Mit zu­nehmender Spezialisierung und Verlängerung der produktiven Umwege kompliziere sich der Aufbau des Produktions- und Verteilungsapparates. Der Arbeiterersparnis in der Industrie trete ein erhöhter Menschenbedarf im Handel und Verkehr gegenüber. Dazu kämen Kartelle, Syndikate, statistische Kon­junktur- und Marktbeobachtungsstellen und Verbände aller Art. Da sie alle Sonderinteressen dienten, müsse sich schließlich der Staat auch noch mit einem riesigen wirtschafte-, Verkehrs- und sozialpolitischen Apparat einschalten. Zahlen zeigten die damit herbeigeführte Verschiebung des Verhältnisses zwischen der Zahl der beschäftigten Arbeiter und der der Angestellten und Be­amten. Die Frage wird gestellt, ob die weitere Technisierung außerhalb der Rüstungs- und Rohstoffbeschaffungsindustrie be­sonderer staatlicher Fürsorge bedürfe. Große, wirklich nutz­bringende Erfindungen würden sich ohne diese durchsetzen. Je weiter sich die Technik ihrer Vervollkommnung nähere, um so geringer werde der durch weitere Neuerungen noch erzielbare Nutzen, und um so schwerer fielen die damit verbundenen Nach­teile ins Gewicht. Zukünftig könne daher die Bekämpfung der durch die Mechanisierung bereits aufge­tretenen Schäden für die staatliche Wirtschaftslenküng erfolgversprechender sein als die künstliche Förderung einer immer größeren Technisierung und Komplizierung des Produk­tions- und Verteilungsapparates. Im besonderen frage es sieh, ob nicht die Bürokratisierung von Staat und Wirtschaft so weit fortgeschritten sei, daß ihre Rationalisierung mehr Arbeits­kräfte freistellen könnte als eine weitere gewaltsame Techni­sierung der Produktionsanlagen. Vorgeschlagen wird vor allem, um die Anziehungskraft der Angestellten- und Beamtenberufe nicht noch künstlich zu überhöhen, in Zukunft die Arbeite und Versicherungsbedingungen nicht so sehr auf den Unterschied zwischen Arbeiter und Angestellten als auf den 'der Qualität und Vergütungsstufe abzustellen. Umschulung könne gegebenenfalls schneller und wirksamer Arbeitskräfte mobili­sieren als die Einführung kostspieliger arbeitsparender Ma­schinen. Ihre Grenze finde sie meist an den Schwierigkeiten, Arbeitskräfte in großem Maßstabe an andere Orte zu vermitteln. Hier tauche die Frage auf, ob und inwieweit nicht die Arbeit zum Arbeiter kommen könne. Es wird darauf hingewiesen, wie sich aus der Produktionstechnik selbst gewisse Ansätze einer Gegenbewegung gegen die Entstehung immer größerer und kapitalintensiverer Betriebe entwickeln. Durch ihre Förderung könnten gegebenenfalls mit Unterstützung der Raumplanung kleinere Betriebsstätten in entlegenen Gebieten mit unausge­nutzten Arbeitsreserven angelegt werden. Zum mindesten sei es ungerechtfertigt, das wirtschaftliche Optimum der Produktions­technik durch Steuern und Abgaben künstlich zugunsten kapital­intensiverer Methoden zu verlagern.

Ersparnisse bei Legierungsstoffen behandelt im Rahmen eines Artikels in „Ruhr und Rhein“ (Heft 44), der auch einen knappen, aber instruktiven Ueberblick über die Verhüttungs- und Aufbereitungsmethoden für Inlandserze gibt, Dr.-Ing. Fr. Wese­mann. Unter den vom Ausland bezogenen Legierungsstoffen, die dazu dienen,, die Güteeigenschaften des Stahles den viel­fältigen . Verwendungszwecken anzupassen, spiele das Mangan der Menge nach die größte Rolle. Es sei ein lebenswichtiger Bestandteil sowohl des Roheisens als auch des Rohstahls. Durch Abwandlung der metallurgischen Verfahren bei der Roheisen- uud Stahlherstellung sei es gelungen, den früher sehr beträcht­lichen Bedarf an hochwertigen ausländischen Mangan­erzen auf einen Bruchteil zu senken und sich im wesent­lichen auf die manganhaltigen Eisenerze des Siegerlandes und des Bültener Erzvorkommens bei Ilsede zu stützen. Hierbei seien große Schwierigkeiten organisatorischer und technischer Art, namentlich bei der Herstellung des Stahles, zu überwinden ge­wesen. Weniger in bezug auf die Mengen, dafür aber in bezug auf die Kosten schwerwiegend sei die Einfuhr von Legierunge­stoffen für Edelstähle gewesen. Auch hier werde rastlos an der Entwicklung neuer Stahllegierungen von gleicher Leistungs­fähigkeit bei wesentlich geringerem Devisenaufwand gearbeitet. Dabei stütze man sich stark auf das Metall Vanadin, das in zahlreichen ausländischen und auch in den einheimischen Eisen­erzen, wenn auch nur in sehr geringen Mengen, vorkomme. Es sei inzwischen gelungen, diese geringen Vanadinmengen bei der Verhüttung durch ein verhältnismäßig einfaches Verfahren her­auszuziehen und durch nachfolgende chemische Aufarbeitung auf ein hochwertiges Legierungsmittel zu verarbeiten. Es könne da­mit gerechnet werden, daß die deutsche Eisenindustrie in Kürze in der Lage ist, den gesamten Bedarf des Reiches an Vanadin auf diese Weise selbst zu gewinnen und dabei das Vanadin immer mehr zum Austausch ausländischer Legierungsmittel her­anzuziehen.

Die Bewirtschaftungsmaßnahmen der Ueberwachungsstelle für Metalle behandelt der stellvertretende Reichsbeauftragte, Dr. E. W i e p r e c h t, in Heft 44 von „M etallwirtschaft, Wissenschaft und Technik“. Eingehend erläutert er die Entwicklung, Struktur und Zielsetzung des Bewirtschaftungs- Systems sowie die Einzelheiten der Bewirtschaftungstechnik und die Erfolgsbilanz der bisherigen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Die üeberwachung der Einfuhr und Ausfuhr, ihre Lenkung unter dem Gesichtspunkt einer zielbewußten Pflege des Exports und der Handelsbeziehungen zum Ausland vollziehen sich danach bei der Ueberwachungssteile für Metalle in gleicher Weise wie bei anderen Ueberwachungssteilen nach den.Vorschriften der Devisen­gesetzgebung und nach allgemeinen oder besonderen Richtlinien "der hierfür zuständigen Zentralbehörden. Während den Begriffen der. Metallklassen in der Wirtschaft verhältnismäßig leicht Ein­gang zu verschaffen war, habe die Einführung der Material- truppen größere Schwierigkeiten bereitet. Die Bewirtschaf­tungsmaßnahmen hätten von der Planung ihren Ausgang ge­nommen und die Zielsetzung von ihr empfangen. Die Versorgungs­lage bestimme die Grenzen des zulässigen Verbrauchs. Wirt­schaftspolitische Erkenntnis gebiete, den Verbrauch der Versorgung anzupassen. Ohne eine Drosselung des Ver­brauchs könne das nicht abgehen. Die Verbrauchsbeschränkung solle wiederum weder zum Mangel noch zur Minderung der Beschäm tigung führen. Um die hier aufklaffende Lücke zu schließen, mußten Wissenschaft und Technik (Entwicklung und Erprobung deutscher Werkstoffe) eingesetzt werden. Vielfältiger als die Regelung der Versorgung und Verteilung sei die Regelung des 1 erbrauchs. Selbständig neben dem übrigen Bewirtschaftungs- System stünden die Preisregelung und Preisüberwachung. Eine vollkommene und für jedermann befriedigende Lösung aller Fragen auf dem Gebiete der Metallpreise werde kaum jemals zu erreichen sein. Trotzdem bleibe die Ueberw-achungesteile fort­gesetzt bemüht, Unebenheiten auszugleichen und berechtigten Klagen im Rahmen des Möglichen abzuhelfen. Auch der strengste Kritiker werde zugeben müssen, daß durch die getroffenen Maß­nahmen der allgemeine Preisstand der Metalle sich auf einer ver­nünftigen und wirtschaftlich tragbaren Ebene gehalten habe, was ohne diese Maßnahmen in Zeiten der Verknappung keines­falls zu erwarten gewesen wäre.

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* Dollar-Anleihe der HEW von 1925 wird einte löst. Nachdem die von den Hamburgischen Electricitäts-Werken am 1. November 1925 in Amerika aufgenommene Anleihe über Doll. 4 Mill, (zur Rückzahlung fällig am 1, November 1935) nach vorangegangener Laufzeit-Verlängerung nunmehr am 1. No­vember 1938 für den Inlandsbesitz zur Rückzahlung in Reichs­mark fällig war, ergeht jetzt die Aufforderung, alle im Inlands­besitz befindlichen Stücke der HEW-Dollar-Anleihe von 1925 einzureichen. Die Rückzahlung erfolgt zum amtlichen Berliner Mittelkurs des Tages vor dem Zahlungstag. Nach der Bilanz vorn 30. 6. 1938 sind von der Anleihe bereits Doll. 3 496 500 ge­tilgt

* Ertragreiches Speditionsgeschäft. (□ B e r 1 i n.) Die beiden Speditionsfirmen Lassen&Co. AG, Hamburg, und die Tochtergesellschaft Gerhard & Hey AG, Berlin, legen nun­mehr ihre Bilanzen für 1937 vor, die im Zeichen einer günstigen Ertragslage stehen.

Die Muttergesellschaft Lassen & Co. erzielte -XJt 1.0t Mill. Roh­ertrag (i. V. 1.29 Mill, einschl. 321 000 übrige Aufwendungen.) Daneben brachten Beteiligungen JiJt 72 000 (62 000), also fast 12 des Buchwertes. Ferner sind so. Erträge auf 182 000 (63 000) ge­stiegen. Nach 81 oon (89 000) Abschreibungen und verminderten Anf- wandszlrtsep von 26 000 (73 000) werden J? Jt 217 000 (Q) vorweg an die Rücklagen überwiesen. Danach verbleibt noch ein offener Rein­gewinn von JtJC 97 000, der um den Vortrag steigt auf 102 000 (1. V. verblieben aus JtJt 130 ÖOÖ Jahresgewinn nach Tilgung des Verlust­vortrages JtJl 45 000 zum Vortrag). Heber die Gewinnverwendung Ist nichts Näheres bekannt; von 1928 bis 1936 Ist keine Dividende ver­teilt worden. Durch die reichen Reservedo.tierungen ist in der Bilanz bei 1.50 Mill. AK die ges. Reserve voll auf 150 060 (33 000) aufgefüllt: außerdem erscheinen noch neu 100 000 als freie Rücklage. Die gesamten Verbindlichkeiten werden mit 4.13 (3.27) Mill, ausgewiesen. Jedoch ist die Aufgliederung gegenüber dem Vorjahr etwas verändert. Lei­stungsschulden sind auf 1.66 (0.61) MUI. und Konzernschulden auf 2.23 (1.24) Mill, gestiegen. Daneben wurde 1. V. noch ein Posten von 1.27 Mill, ausgewiesen als „transitorisches Sammelkonto für ab­hängige und Konzerngesellschafte-n und sonstige", der diesmal nicht

* Blick in die Zeitschriften.

Arbeitemangel und Rationalisierung erörtert Dr. Heinz Bonus im „Wirtschafts-Ring“ (Heft 43), indem er

* E. F. Ohle’s Erben AG, Breslau. — Erstmals Zuweisung zur gesetzlichen Rücklage. In dem erst nach der HV vorgelegten Bericht für 1937.38 (30. 6.) wird festgestellt, daß der Umsatz dieser Metallfolienfabrik gegenüber dem Vorjahr infolge Rohstoffmangels nur unwesentlich gestiegen sei. Der Rohertrag hielt sich auf 573 000 (L V. 558 000). Nach 373 000 (361 000) Löhnen und sozialen Abgaben sowie 74 LOO (71 LOO) Anlagenabschreibungen verbleibt, wie gemeldet, ein verminderter Jahresgewinn von JtJt 11 789 (20444), der sich um den Vortrag auf 22 339 erhöht. Während der Ge­winn i. V. 9895 Verlustvortrag zu tilgen hatte, wird daraus diesmal die gesetzliche Reserve mit Jt.M, 5000 begonnen bei JiJl 300 000 AK. Der Rest wird wieder vorgetragen. Gegen­über 636 000 (585 000) Verbindlichkeiten und 99 000 (82 000) Rückstellungen sipd die Anlagen mit 484000 (544 000). das Um­laufsvermögen mit 586 000 (456 000) bewertet. .

Frankfurter Handelsblatt.

Verbreitung und Wiedergabe der Artikel mit ♦ oder ZV und des Privatdepeschen nur mit genauer Quellenangabe „Frkf. Ztg.“ gestatt*

ZV Holzhydrolyse AG, Heidelberg. — Neuverlust trotz Forderungsverzicht (□ Berlin.) Die in Interessengemein­schaft mit der Deutsche Bergin AG für Hplzbydro- lyse, Mannheim, stehende Gesellschaft weist für 1937 einen Neuverlust von JMt 119 000 (i. V. 50 000) aus, um den der Gesamtverlust steigt, auf JMt 193 000 (73 000) Durch Forde­rungsverzicht von Konzerngesellschaften in Höhe von JUl 153 000 wird der Verlust jedoch auf 40 000 herabgedrückt, bei 200 000 AK. Als weiterer Ertragsposten wurden 60 000 (90 000) Forschung»- und Entwicklungskosten aktiviert. Dadurch steigt dieser Posten in der Bilanz auf 580 0Ö9 (520 000). Patente werden daneben mit 297 000 (306 000) aktiviert Beteiligungen sind bei Jl.Jt 10 000 Zugang auf 37 000 (90 000) abgeschrieben. Die Verbindlichkeiten entha'ten nur noch 49 000 (590 000) Konzernverpnichtungen. w.-U-nd Darlehen weiter auf .»•*- 524000 (318 0001 gestio- u m-.a.

* Hans Bergmann Aiga re su. abrlk GmbH. Herlm. (□ Berlin.) Wie aus einer Veröffentlichung im Handelsregister hervorgeht sind die Herren Cecil James Parsons Sir Friedrich Georg SeMiekendireder nicht mehr Geschäftsführer. Neu besteht sind die Kaufleute Julius Emil Lies, Hamburg, und Ernst Freiherr von Reitzenstein, Dresden.

Aufgabe, Gewinne zu erzielen. Die Werbung soll aus­schließlich durch sie betrieben werden, und zwar" unter dem Ge­sichtspunkt des Gemeinschaftsgedankens, gleichgültig, ob für I die Gesellschaft selbst, für einzelne Gesellschafter oder für ein­zelne Erzeugnisse geworben wird. Zum Geschäftsführer ist Dir. Dr. Werner Winkel, München-Gladbach, bestellt worden.

* M. Stromeyer Lagerhausgesellschaft. — Leitung#wechsel. Mit der seit dem Frühjahr beabsichtigten und kürzlich erfolgten Verlegung der Hauptverwaltung von Konstanz hach Mannheim und der Angliederung der bisher in Mülheim-Ruhr unterhaltenen Zweige an die neue Mannheimer Zentrale ist auf seinen Wunsch Komm.-Rat Dr. h. c. Wilhelm Stiegel er aus der Leitung des Unternehmens äusgeschieden. Er steht jetzt im 68. Lebensjahr und hat in der Firma über ein halbes Jahrhundert seit ihrer Gründung mitgearbeitet. Nach dem 1902 erfolgten Ableben des Gründers Max Stromeyer baute er das Kohlengroßhagdelsgeschäit vor allem nach draußen wei­ter ai^s. Zudem wirkt er in einer langen Reihe von Wirtschafts- unternehmen. Transport- und Fachvereinigungen des In- und Auslandes. Die Gesellschaft sicherte sich seinen Rat durch die Wahl in ihren Beirat. Die Verlegung ihres Hauptsitzes beruht? in dem Wunsche, die bisher auf Konstanz und Mülheim ver­teilte Hauptverwaltung stärker zusammen^ufassen und dabei

Verbrauch 50»/« geringer als 1029.

Drei Fünftel der Industrie hatten also klein- und mittel- betrieblichen Charakter, und auf die 169 Betriebe über 100 Mann entfielen durchschnittlich nur je 230 Mann. Wenn auch die Mechanisierung, nicht zuletzt unter dem Einfluß deutscher Schuhmaschinen, mehr und mehr Fortschritte gemacht hatte, so blieben doch der Qualitätsschuh, handwerkliche Tra­dition und hoher Geschmack das bewußt gepflegte Ziel. Das alles ist heute in Gefahr und mit ihm nicht nur die Beschäf­tigten, sondern rd. 59 000 Unbeschäftigte, zusammen mit den Unternehmern und Betriebsführern 177 000 Berufsangehörigo (2 ’/» aller industriell Tätigen), darunter 47 000 Frauen. Die Arbeitszeit ist durchweg unter 40 Stunden, in ein­zelnen Zentren seit Monaten, in andern seit Jahren auf 24 Stun­den in der Woche gesunken. Wachsende Motorisierung, Glättung der Wege und Straßen, gesteigerte Vorliebe für den Strand- schnh aus Stoff und Flechtwerk im Zuge der Massenreisen (zu­mal im Süden) und der Freiluft- und Sportbewegung, zwei auf­einanderfolgende Jahre anormaler Trockenheit, dies alles Würde noch nicht allein erklären, weshalb der Verbrauch an festem Schuh werk heute um 50 °/o gegen 1929 (um 30 “ o gegen 1935) zurückgegangen ist. Wenn sich der Dnrchschnittsfranzose heute nur etwa ein Paar Schuhe im Jahr leistet gegen zwei Paar 1930, so vor allem, weil sein Realeinkommen entsprechend gesunken ist. Auch hat die unaufhörliche Abriegelung der Au ß en-, markte das Exportventil für. diese, von jeher, stark ausfuhr­orientierte Industrie unwirksam gemacht, erst recht in dem Pe­rioden der letzten Jahre, als infolge des zügellosen Kosten- und Preisauftriebs im Innern auf den Wettbewerb draußen verzichtet werden mußte. Wichtige Absatzmärkte sind seitdem verloren. Um das Maß vollzumacben, kamen 1937 1.3 Mill. Paar Schuhe ausländischer Herkunft auf den französischen Markt, 1 Mill. Paar mehr als 1925, die Hälfte davon aus der tschecho-Slowakei, überwiegend billige Standardware (besonders Damenschuhe), vor deren Produktionsbedingungen, Werbe- und Absatzmethoden der französische Unternehmer ratlos stand. Manche Betriebe schlossen, .die meisten . verzehren sich, von Ausnahmen abge­sehen, in einem scharfen Preiskampf, der den Ertrag von Tag zu Tag schmälert, ja in vielen Fällen in Verlust ver­wandelt. In Paris und Marseille besonders haben sich außerdem in zunehmendem Maße Emigrantenbetriebe auf getan, denen das eingesessene Gewerbe den Vorwurf macht, daß sie, als Kleinst­betriebe ohne offene Firma oder als Heimarbeit aufgezogen,, sich den öffentlichen Lasten und der sozialen Kontrolle entzögen und daß ihre billigen Erzeugnisse über die Warenhäuser den Markt vollends in Unordnung brächten.

Marktordnung ohne Statistik?

Bereits am 22. März 1936 hatte der Abgeordnete Le Pollen ein Gesetz durch geb rächt, wonach während zweier Jahre keine Schuhfabriken oder Schuheinzelhandelsgeschäft ohne staatliche Genehmigung neu errichtet oder erweitert werden durften. Da­mit sollte vor allem der Niederlassung und dem Handel aus­ländischer Firmen auf französischem Boden, die standardisierte Warb erzeugten, ein Riegel vorgeschoben werden. Im Schutze dieses Errichtung^- und Erweiterungsverbots, so hoffte man, würde die Schuhindustrie sich aus freien Stücken kartellmäßig organisieren und ihre Erzeugung dem Verbrauch besser anpassen. Allein gerade 1935 war das Jahr der sozialen Hochspannung, der Streiks, der Abwertung, der Lohn- und Preishausse. Die Verbrauchskurve fiel noch weiter. Eine Markt­ordnung erschien dringender als je. Als man daran gehen wollte," erwies sich, daß (bis auf die wenigen eben mitgeteilten veralteten Ziffern) keinerlei Produktion^- oder Betriebsstatistik 'vorhanden war. Man rührte da an einen wunden Punkt im fran­zösischen Wirtschaftsleben. Uebertriebener, sehr oft mit Steuer­scheu verknüpfter Individualismus, Furcht vor Konkurrenz oder Industriespionage müssen als Grund oder meist nur als Vorwand herb alten, um dem Statistiker selbst diejenigen Aus­künfte zu verweigern, die die Unternehmer aller andern nut organisierten Industriestaaten längst als wichtige Hilfsmittel der Marktbeobachtung schätzen gelernt haben. Als der Verband

* Umschau.

Eine Wirtschaft, die grundsätzlich den Motor der privaten Unternehmerinitiative als Antriebskraft benutzt und doch gleichzeitig die staatlichen Steuerungsorgane so kräftig ein­setzt wie die deutsche, bleibt ständig von der Frage bewegt, wo die beiden Einflußzonen, die des privatwirtschaft­lichen Antriebes und die der staatlichen Len­kung, ihre zweckmäßigste Grenze finden. Verschiedene Aeußerungen und Maßnahmen in den letzten Wochen zeigen, wie sehr die Lösung dieser Frage abhängig ist von den wech­selnden Bedürfnissen des Staates, die nicht immer wirt­schaftlicher Art zu sein brauchen. Nach Staatssekretär Brink­mann hat es die Wirtschaft „in ihrer Hand, in Freiheit ihre volkswirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen und es dem Staat zu ersparen, Führungsbehelfe, wie Eigenwirtschaft und Zwangskartelle, anzuwenden". Es hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Fällen gegeben, in denen einzelne Wirt­schaftszweige sich nicht imstande fühlten, ihre volle Kraft für die neuen Aufgaben einzusetzen. Der Staat hat in solchen Fällen mit Vorliebe den Weg der Zwangskartelle, beschritten, die Methoden der Kartellordnung stellenweise weiter ver­feinernd. Wie wenig solche Eingriffe als fester und dauern­der Bestandteil der wirtschaftlichen Ordnung gedacht, wie sehr sie vielmehr auf erzieherische Wirkung abgestellt sind, zeigte vor kurzem die Aufhebung des Zwangskartells der Flachglasveredelung. Beschränkungen sind im Hinblick auf die UÜbersetzung dieses Wirtschaftszweiges zwar erhalten geblieben, aber auch diese offenbar nur mit der Absicht, sie aufzuheben, sobald die Flachglasveredelung ein richtig ausgewogenes Verhältnis zur Gesamtwirtschaft ge­funden hat

Daß der Staat lenkende Maßnahmen nur als „Führungs- behelfe“ betrachtet, hat sich in der letzten Woche auch auf einem Gebiet gezeigt, das der staatlichen Betreuung be­sonders zugänglich erscheint, weil auf ihm die unternehme­rische Initiative verhältnismäßig wenig Spielraum zu finden vermag, nämlich in der Vorratswirtschaft. Bei dem Bau der Lagerräume für 2 Millionen Tonnen, die zur Unter­bringung der Ernteüberschüsse und zur Erhaltung eines für alle Fälle hinreichenden „Vorratspuffers“ als notwendig be­trachtet werden, soll der private Lager bau grundsätzlich den Vorrang genießen. Der Staat gibt dem privaten Bau einen Anreiz durch Gewährung von verlorenen Zuschüssen von 25—30 % und Abschluß langjähriger Verträge, die dem pri­vaten Besitzer für mehrere Jahre eine Nutzung seines Lager­raumes zusichern. Andererseits sollen die für Rechnung des Staates gebauten Lagerräumen später an private Hände ver­kauft werden. Wahrscheinlich spielt dabei der Wunsch mit, den Aufbau einer neuen Organisation zu ersparen, die für die Verwaltung und Pflege von Lagerräumen so großen Um­fanges notwendig wäre. In ganzen gesehen ist gerade dieses Vorgehen ein typischer Beitrag zur Methodik der deutschen Wirtsch tsführung, die überall die positiven Kräfte des pri­vaten Wirtschaftens zu wecken und in ihr System einzu­schalten versucht und sie nach Möglichkeit dazu benutzt, den staatlichen Antrieb zu ergänzen oder gar abzulösen.

Auf wichtigen Gebieten der deutschen Wirtschaft haben die staatlichen Aufgaben in letzter Zeit erneute Anspannung der privatwirtschaftlichen Kräfte erkennen lassen. In der Eisenindustrie zeigt sich — das kam auf der Tagung der Eisanhüttenleute wie in den Möntanabachlüssen der beiden letzten Wochen zum Ausdruck — ein weiterer Investitions­bedarf, auch auf Grund der Tatsache, daß die arbeitende Hand knapper geworden ist, als man wohl bei der Konzep­tion der letzten Ausbaupläne angenommen hatte. Ein er­höhter Bedarf an Arbeitskräften war mit dem Uebergang zu stärkerer Verwendung inländischer Rohstoffe zu erwarten; weniger gefaßt war man auf die Schwierigkeiten, die die Deckung dieses Bedarfes bereiten würde, und es ist auch nicht sicher, ob die Montanindustrie die Entwicklung ihrer Personalunkosten ganz richtig eingeschätzt hatte. Wenn sie sich jetzt anschickt, ihre Neubauprogramme an vielen Stel­len aufzustocken, dann paßt sie sich nicht nur den vom Staat, gestellten erweiterten Aufgaben an. Vielmehr spielt wohl dabei auch die Absicht mit, die Kostenrechnung gün­stiger zu. gestalten. Di» letzten Montanabschlüsse lassen die Finanzierungskraft der großen Gesellschaften noch als hin­reichend erscheinen, um die neuen Investitionen" ohne Be­anspruchung des Kapitalmarktes durchzuführen. Bei den Michelwerken wurden die für Investitionszwecke an­gesammelten Rücklagen als noch unzureichend bezeichnet Die offenbar unter der Hand gewachsenen Baupläne machen, sö wurde in dem Bericht gesagt, eine weitere Erhöhung notwendig. Man stellt also wohl noch einzelne Bauvorhaben zurück, weil man nicht auf Selbstfinanzierung verzichten möchte.

Diese Finanzierungspolitik, die zu einen) Grundzug der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahren. geworden ist, scheint an manchen Stellen einen Investitionsbedarf aufzustauen, dessen Lenkung für die Be­schäftigungslage bedeutsam werden kann. Auf Sondergebie­ten ist in letzter Zeit der Emissionskredit stärker in den Dienst von industriellen Investitionen gestellt worden. Nach dem starken Erfolg der Reichsanleihe und der glatten Abwicklung der finanziellen Aufgaben, die im Bereich der Wehr in den letzten Monaten notwendig waren, zeigte der Kapitalmarkt eine Aufnahmefähigkeit, die den Staat ver­anlaßte, für den Kapitalbedarf einzelner Aufgabeträger „Platz zu machen“. Nachdem die Brabag -Anleihe von

40 Mill, glatt untergebracht worden ist, tritt nunmehr die AG Sächsische Werke mit einem Zeichnungs­angebot von JLX. 25 Mill, auf und stellt weitere Abschnitte im Gesamtbetrag von 75 Mill, in Aussicht. Dazu wer­den voraussichtlich noch Emissionen für dOn Ausbau der westdeutschen Energie- und Treibstoff wirtschaft kommen. Der leicht erhöhte Emissionskurs der Anleihe der Sächsi­sche Werke läßt auf weiter günstige Beurteilung der Lage des Kapitalmarktes schließen. Aber es wäre übertrieben, wollte man aus alledem Hoffnungen auf eine weitere Oeff- nung des Kapitalmarktes für den wirtschaftlichen Bedarf. herleiten. Diese Emissionen sind zwar nicht unmittelbar staatlich, aber doch für Zwecke bestimmt, die im engeren Bereich des Staates liegen, für Sonderzwecke, denen- allein dieser Weg zur Kapitalbeschaffung Vorbehalten ist und auch bisher schon war,

W ährend in Deutschland bei Fragen der. Aufgaben- und Einflußteilung nur noch die Technik ihrer Lösung im Vor­dergrund steht, haben die jüngsten Wahlergebnisse in den Vereinigten Staaten dort ihre, grundsätz­liche Seite als zentralen Gegenstand politischer Auseinander­setzungen wieder stärker herausgestellt. Wird Roosevelt durch das Vorrücken der Republikaner veranlaßt werden können, das Schwergewicht seiner wirtschaftsbelebenden Tätigkeit stärker auf die Pflege der privatwirtschaftlichen Elemente zu verlegen oder wird er den oft dem Privatkapital feind­lich erscheinenden Kurs beibehalten? Das ist eine der Ueberlegungen, zu denen die Wahlergebnisse anregen. Dabei ist freilich zu beachten, daß in dem Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft auch in den Vereinigten Staaten sich unter dem Einfluß der Rüstungsziele grundsätzliche Wand­lungen abzuheben begirtnen. Die Verständigung der E1 e k - trizitätskonzerne mit der Regierung, bei der die Versorgungstruste sich mit der Anwendung des Anti-Hol­ding-Gesetzes einverstanden erklärten, mit der also das Kriegsbeil eines langen Streites begraben wird, ist bezeich­nend dafür. Die Trusts passen sich mit den neuen Ver­einbarungen freiwillig den Bedürfnissen des Staates an 1 und folgen einer Führung, die ihre Investitionskraft plan­mäßig in den Dienst der Versorgung stellt. Und während bisher der Ausbau der Erzeugungskapazitäten der Regierung vorbehalten blieb, weil die Privatgesellschaften die Grund­lagen ihrer Kalkulation für allzu wenig gesichert hielten und mit dem Ausbau ihrer Anlagen zurückhielten, rücken sie nun ein in die staatliche Front und geben drüben zum erstenmal ein Beispiel staatlich gelenkter Privatinitiative.

der französischen Schuhindustrie statistische Fragebogen ver­sandte, antworteten von seinen Mitgliedern kaum. 80°/o, die große Masse aber der ihm nicht angeschlossenen mittleren und kleinen Industriellen überhaupt nicht Als man 1938 das Gesetz Le Pollen um ein weiteres Jahr verlängerte, nahm die staat­liche Behörde die statistische Untersuchung in die Hand und drohte sogar Geldstrafen an. Die Fabrikanten sollten Kapazi­tät und wirkliche Erzeugung, die Händler die Umsätze für 1937 und vom zweiten Vierteljahr 1938 ab die Anzahl der ver­kauften und auf Lager stehenden Paar Schuhe angeben. Aber auch das klappte nicht. In manchen Departements kamen die Industriellen überhaupt nicht in den Besitz des Fragebogens, in anden gaben die Präfekturen irrige oder überhaupt keine Begleitanweisungen, so daß auch diese Befragung lückenhaft blieb.

Zwangskartellentwürfe.

Nachdem die 1936 vom Gesetz empfohlene Marktordnung freiwillig nicht zustande zu bringen war, vor allem auch,- weil man keine Einigung erzielen konnte, wer über Tod und Leben einzelner Firmen zu entscheiden hätte, ging der Gesetzgeber im Frühjahr 1938 einen Schritt weiter und beauftragte eine ge­mischte Kommission mit der Vorbereitung eines Zwangskartells. Handelsminister Gentin gab ihr als Richtlinie mit, daß die Schuhfabrikanten ein Beispiel planmäßigen Wirtschaftens i m Rahmen eines Berufsverbandes zu geben hätten. ■Der Schuhindustriellenverband jedoch fürchtete, daß die staat­liche Initiative zu weit ginge — in der 19köpfigen gemischten Kommission sitzen 8 Beamte und nur 5 Fabrikanten und Händ­ler —- und beeilte sich, von sich aus einen Kartellentwurf vor­zulegen. Schuhfabriken von 5 Mann Belegschaft ab sollten da­nach einen Berufsausschuß aus 40 Mitgliedern bilden, in dem der Staat nur durch 3 Beamte vertreten wäre und der mit Zwei­drittelmehrheit über die Bildung von Unterkartellen, Produk­tionskontingentierung. Stillegung durch Ankauf, Vernichtung von Produktionsmitteln usw. zu beschließen und Vorschläge für staatliche Hilfen zu unterbreiten hätte. Die gemischte Kom­mission lehnte diesen Entwurf ab und beauftragte den Gene­ralsekretär des Wirtschaftsrates mit der Ausarbeitung eines neuen Gesetzentwurfs „zur Neuordnung der Schuhindustrie und des Schuhhandels“. Nach diesem soll der Berufsausschuß aus nur 29 Mitgliedern bestehen, darunter 10 Fabrikanten, 5 Händler, 4. Arbeitnehmer, 5 Behördenvertreter.. Alle Mitglie­der werden jedoch von der Regierung ernannt. Beschlüsse gel­ten bei Zweidrittelmehrheit der Anwesenden, erforderlich sind „mindestens 15 Ja- oder Neinstimmen. Als weitere Aufgaben des Ausschusses werden noch . skizziert: Jegliche Befragungen der Industrie. Einrichtung einer Informationsstelle für den "Ge­brauch der Behörden und der Industrie, Verteilung der Aufträge, Üeberwachung des Errichtungsverbots, 'Speziali­sierung der Betriebe, notfalls Beschränkung der Modelle, Er­schließung neuer Absatzmärkte. Festsetzung von Mindest­qualitäten (Markenzwang), das Studium aller die Betriebsorgani­sation und Kostensenkung betreffenden Fragen, Arbeitseinsatz

mehr erscheint. Entsprechend Ist unter den Aktiven auch der vor- dein donfszh-.n “ n.“k ““k°'S“ uay™

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