Abendblatt und Erstes MorgLnblatt. der Frankfurter Zeitung
Nummer 583 Sette 2
Der Nachwuchs an den Hochschulen.
Mahnungen und N»rschlage der Reichsdorentenführung.
* Freiberg, 14. November. Die Bergakademie Freiberg in Sachfen feierte ihr 174. Gründungsfest und eröffnete gleichzeitig eine Hochschulwoche unter den Themen „Die Bergakademie und der sudetendeutsche Bergbau" und „Die Hochschule im Volk". Dabei hielt der Reichsdozentenführer, SS Brigadeführer Professor Dr. Schultze, eine Rede, in der er sich vor allem mit dem Rachwuchsproblem der Hochschule befaßte. Er stellte fest, daß die Besetzung der Lehrstühle und die Zahl des Nachwuchses heute nicht mehr den Bedürfnissen der Hochschule entsprächen. Im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufschwung würden gerade die akademischen Kräfte ununterbrochen vom Staat, von der NSDAP, der Wehrmacht und der Wirtschaft aufgesogen. Zwar brauche man diese der Hochschule entzogenen Kräfte für vordringliche Aufgaben, so daß das Einzelproblem Hochschule eine Zeitlang habe zurückstehen können. Aber auch bei den Studierenden zeige sich ein Mangel an neuen Kräften, der zu den höchsten Bedenken Anlaß gebe. Proseffor Schultze nannte dann einige Zahlen über den Jngenieurnachwuchs. Seit 1935 könne der Bedarf nicht mehr gedeckt werden, obwohl der Hundertsatz der Studierenden der technischen Wissenschaft von 3.3 im Jahre 1934 auf 18.4 int Jahre 1938 gestiegen sei. Die Gründe, die nun zu dem Mangel an Hochschullehrern geführt härten, lägen zum Teil bereits lange vor der Zeit der nationalsozialistischen Revolution. Sie seien jedoch vielfach überdeckt worden durch eine Ueberalterung der Ordinarien, der Extraordinarien und auch der Affistenten. Zudem sei eine Anzahl von Dozenten zur Hochschule gezählt worden, die außerhalb ihres Hochschulberufs tätig gewesen seien und als Hochschullehrer nur auf dem Papier gestanden hätten. Dazu sei noch die durchgreifende Reinigung gekommen, die alle jüdischen und politisch unzuverlässigen Elemente entfernt habe und alle vorbelasteten nichtbeamteten Kräfte habe abwandern lassen. Diese Gründe zu einem Mangel an Hochschullehrern hätten also schon vor 1933 bestanden, sie seien jedoch erst durch die Beseitigung der ausgestellten
I Kulissen ans Tageslicht getreten.
Professor Schultze sprach dann im Verlauf seiner Rede über die Kritik an der Hochschule. Er betonte, daß er eine Be
rechtigung dieser Kritik in der Vergangenheit nicht leugne, daß die Hochschule von 1938 aber nicht mehr die Hochschule des liberali- stischen Zeitalters sei. Es müsse daher mit aller Bestimmtheit und Deutlichkeit die Forderung erhoben werden, daß nun endlich von allen unberufenen Seiten Abstand genommen werde von der unberechtigten negativen Kritik an den Hochschulen und ihren Lehrern, da gerade dadurch die Ehre einer vom völkischen Standpunkt aus lebenswichtigen Einrichtung untergraben und der Nachwuchs von den Hochschulen ferngehalten werde. Auch auf die materielle Seite der Nachwuchsnot müsse eingegangen werden. Wenn auch echte wisienschaftliche und forscherische Leistungen meistens nicht im satten Wohlstand, sondern in erster Linie unter Widerstand und Druck gediehen, so lägen die Verhältniffe bei dem jungen Dozentennachwuchs jedoch so, daß sie aus rein politischen Gründen nicht mehr unbeachtet bleiben dürsten. Durch die ungenügende Zahl von Assistentenstellen und ihre Bezahlung wanderten die besten Kräfte ab und stellten sich einer anderen als der Hochfchultätigkeit zur Verfügung. Blieben sie jedoch, so könne heute noch nicht die nationalfozialistifche Forderung der Frühehe erfüllt werden. Zudem sei neben der materiellen Unzulänglichkeit der häufig unhaltbare und unmögliche Zustand vieler Hochschulinstitute keineswegs geeignet, einen Anreiz auf die jungen Kräfte auszuüben. Gerade Persönlichkeiten mit hervorragenden Kräften und schöpferischen Anlagen würden sich bei der heutigen riesigen Nachfrage wohl niemals ein Betätigungsfeld suchen, daß ihnen auch hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes häufig nicht mehr zu überwindende Hinderungen auferlege, ja ihr ganzes Arbeitswollen bei jeder auch nur etwas größeren Beanspruchung unmöglich mache.
Der Reichsdozentenführer schloß seine Rede mit der Forderung, die künftigen Hochschullehrer sorgfältig auch unter politischen Maßstäben auszusuchen, ihnen dann aber ihre Aufgabe so viel wie möglich zu erleichtern durch Bereitstellung der besten Einrichtungen an den Hochschulen und durch Gewährung eines Lebensniveaus, bei dem sie sich sowohl ihren menschlichen wie wissenschaftlichen Gesichtskreis als auch den Schatz ihrer Lebenserfahrung so umfassend wie möglich erweitern könnten.
TicirSiag, 15. November 1938
Familienunterstützungen zu erhöhen. Außerdem schafft dieses Dekret eint Sonderzulage für Mütter. Unter den veröffentlichten Notverordnungen befindet sich schließlich auch ein Dekret, das die Postgebühren für Briefe int Inland von 65 auf 90 Centimes und die Telephongebühr für ein Gespräch von 65 auf 85 Centimes erhöht.
Eine Verordnung des Finanzministers betrifft gewisse Steuer- maßnahmen: 1. Eine außerordentliche nationale Abgabe von 2 Prozent auf alle Berufseinkommen, 2. Erhöhung der Steuersätze für das Einkommen und für die mobilen Werte, 3. der Satz für die Lohnsteuer wird von 7.56 auf 8 Prozent erhöht; 4. die Steuer für Coupons ausländischer Wertpapiere wird um drei Punkte erhöht. 5. Erhöhung der indirekten Steuerabgaben, insbesondere für Kaffee, Benzin, Zucker, Tabak, Wein. 6. Erhöhungen der Ab- gabenfätze für die Produktion von 8.7 auf 9 und von 2.2 auf 3 Prozent. Schließlich sind Steuererleichterungen vorgesehen für neugegründete Unternehmungen und für Familienzulagen, um die Erziehungsmöglichkeit der Kinder zu verbessern. Ferner wird eine Iteuerhöchstgrenze festgesetzt: die Gesamtsumme der Besteuerung eines Steuerzahlers darf auf keinen Fall 50 Prozent feines Ge- mmteinkommens überschreiten.
Vom Finanzministerium werden Einzelheiten zu drei im amtlichen Gesetzblatt erscheinenven Notverordnungen über die Reform der Familien Unterstützung, über die Preiskontrolle und über die Kontrolle der Richtzahlen für öffentliche Aufträge be- tanntgegeben. Danach sollen die Kinderzufchüffe in den einzelnen Departements an die örtlichen Durchschnittslöhne angeglichen und
Dir jüdischen Aultnroryanisalionen.
Ein Vortrag von Hans Hinkel.
(Privattelegramm der „Frankfurter Zeitung".)
ch- Berlin, 14. November. Der Leiter de« Referates für die Ueberwachung der geistigen und kulturellen Tätigkeit der Juden m Deutschland, Hans Hinkel, sprach vor der deutschen Prefle über die feit 1933 von den jüdischen Kulturorganisationen ent- raftete Tätigkeit. Im Sommer 1933 wurde in Berlin ein „Jüdischer Kulturbund" gegründet, und wenige Monate danach wurden ähnliche örtliche Zufammensaffungen der Juden zu einem „Reichs- verband jüdischer Kulturbünde" bereinigt, der 1934, bei seiner Gründung, bereits 184 000 jüdische Mitglieder zählte. Ein großer Teil dieser Mitglieder seien, so sagte Hinkel, Künstler, die Mehr- zahl aber bilde eine Besucherorganisation, die allein und mit nut geringer Hilfe wohlhabender Juden die gesamte kulturelle Arbeit dieser Bünde finanziell trage. Der Umfang der Veranstaltungen sei ständig gewachsen, er habe im Jahre 1936/37 rund 2200 Einzel- oeranstaltungen umfaßt.
Im Mittelpunkt der jüdischen Kulturveranstaltungen stehe das jüdische Theater in Berlin, das unter der Leitung des aus der Zeit vor 1933 bekannten ehemaligen Dirigenten der Berliner Staatsoper, Dr. Singer, stehe. Als weitere Dirigenten nannte Hinkel Rosenstock aus Mannheim und Steinbach, früher in Frankfurt. Diese Dirigenten stünden auch für das innerhalb der Organisation gebildete rein jüdische Symphonieorchester zur Verfügung. Das Theater könne seinen Spielplan mit jüdischen oder ausländischen Werken bestreiten, jedoch würden deutsche Klassiker nicht zu- gelaffen. Neben der Oper werde die Operette und das Schauspiel gepflegt. Alle Veranstaltungen, auch die Konzerte, seien gut besucht. Es fei aber auffallend, daß die Besucherschaft von Anbeginn sich im wesentlichen aus dem kleineren Mittelstand, aus dem ärmeren und armen Juden zusainmensetze. Hier verwies Hinkel auf die neuesten Maßnahmen, mit denen Reichsminister Dr. Goebbels den Juden grundsätzlich den Besuch deutscher kul- turetter Veranstaltungen verbiete, und er betonte, daß tnefe Anordnung vornehmlich die reichen Juden betreffe.
Das Theater gebe auch auswärts' Vorstellungen. Für das darstellende Personal stünden zahlreiche Juden zur Verfügung, von denen sicher weite Kreise annähmen, daß sie längst in der Emigration seien, weil sie in der Zeit vor 1933 weit bekannt gewesen seien. Daneben bestehe in der jüdischen .Kulturorganisation eine Kleinkunstbühne mit dem Sitz in Berlin unter Leitung von Max Ehrlich. Seit etwa einem Jahre habe sich die Knllurorganisa- tion auch dem Film zugewandt. Bisher seien 617 Filmveranstaltungen im Reiche zu verzeichnen, in denen vornehmlich Palästina- Filme gezeigt worden seien, die über den Ausbau des Landes berichteten. Tie Filme müßten, wie alle Programme, zur Geneh- migung dem Referat im Propagandaministerium unterbreitet werden. Für die Zustimmung sei der Grundsatz maßgebend, daß in Liter Linie jüdische Literatur und jüdisches Kulturgut für die luden zur Verfügung gestellt werden solle. Im übrigen laufe seit Niger Zeit der erste rein jüdische Spielfilm, und die Juden hätten auch die Möglichkeit, ausländische Spielfilme in ihren Veranstaltungen zu sehen, vorausgesetzt, daß dadurch dem Reiche keine Devisenbelastung auferlegt werde. Seit 1935 werde auch das gesamte jüdische Schrifttum beobachtet. Es erscheinen seit Fahren im Reiche jüdische Zeitungen und Zeitschriften, jüdische i'temeinbeblätter,. Wochen- und Monatsschriften und auch noch einige wissenschaftliche Zeitschriften, sämtlich freilich nur für jüdisches Publikum und nicht im freien Bezug. Sluch hier sei das Ziel bet' staatlichen Beobachtung, daß die Juden sich mit ihren eigenen Angelegenheiten und ihrem eigenen Geistigen gut beschäftigen sollten. Deutsche Fragen und insbesondere die Außenpolitik seien nicht zur Erörterung für jüdische Zeitungen und Zeitschriften geeignet. .
Das jüdische Schrifttum habe einen beachtlichen Umfang, die Produktion sei gestiegen. Für sie stünden eigene jüdische Berlage Philo-Verlag, Jüdischer Verlag Franz Schocken) zur Verfügung
in Hundertsätzen feftgelegt werden. Die Zuschüsse für das dritte Kind können bis zu 15 Prozent der Löhne betragen. Die Zuschüsse für das erste Kind sollen eingestellt werden, wenn es das Alter von fünf Jahren erreicht hat und inzwischen fein zweites Kind geboren ist. Die kinderreichen Departements sollen durch die kindcr- armen Departements einen Zuschuß erhalten, damit die Lasten der Familienunterstützung ausgeglichen werden.
Die Notverordnung über die Preiskontrolle ändert die bisherige Kontrolle der Einzelhandelspreise nicht. Dagegen wird in Zukunft ein Unterschied in der Handhabung der Kontrolle der Großhandelspreise zwischen Kartellpreisen (vorherige Kontrolle) und Preisen, die dem Wettbewerb unterliegen (nachträgliche Kontrolle) gemacht werden Die Verordnung über die Richtzahlen für die von der öffentlichen Hand vergebenen Aufträge sieht eine Anpassung der Richtzahlen an die Schwankungen der Gestehungskosten vor. Tiefe Maßnahme betrifft vor allem Aufträge, die sich über mehrere Jahre erstrecken.
Weitere Anordnungen befassen sich mit der Verbesserung der Beamtengehälter und Pensionen, wofür ein Gesamtkredit von 1.8 Milliarden Francs bewilligt wird, sowie mit der Abschaffung der Nationallotterie vom 1. Januar 1940 an. Ein Dekret behandelt den Kampf gegen die Steuerhinterziehung, ein anderes die Erhöhung der Verkehrstarise der Untergrundbahnen und der Pariser Autobusgesellschaft. Eine weitere Verordnung ordnet die Neubewertung des Goldbestandes der Bank von Frankreich auf der Grundlage von 170 Francs für ein Pfund Sterling an.
und auch jüdische Buchhandlungen gebe es bereits in einer Reihe von Städten. Jüdische Autoren betätigten sich rege an der Vermehrung der Buchproduktion. Diese jüdischen Betriebe würden, so erklärte Hinkel, auch in Zukunft bestehen bleiben. Die jüdische Kulturorganisation in Deutschland, die im Reichsverband jüdischer Kulturbünde zusammengefaßt feien, nähmen heute ihre Tätigkeit in vollem Umfange wieder auf. Sie seien feit Drei Tagen verboten gewesen.
Die Iudenfrage in Danzig.
Eine Rede des Gauleiters.
2g Danzig, 14. November. Am gestrigen Sonntag Hal die Politische Polizei eine Razzia nach Juden vorgenommen, um über ihre Herkunft und ihre Tätigkeit in Danzig Aufschlüsse zu erhalten. Dabei wurden 16 Juden verhaftet, die im Besitz von Schußwaffen waren. Ein Teil der Festgenommenen war bereits früher aus Danzig ausgewiesen worden, aber auf verbotenem Wege wieder zurückgekehrt. Ein anderer Teil stammte aus Oesterreich und dem Sudetenland und war ohne rechtsgültige Papiere über die Grenze nach Danzig gekommen.
Gauleiter Albert Forster sprach am Sonntag in einer großen Versammlung in der Messehalle — bei der auch der Reichsstatthalter von Oesterreich, Seyß-Jnquart, eine Rede hielt — zur Judenfrage. Er sagte, daß alles Entgegenkommen und alle falsche Humanität gegenüber dem Judentum setzt aufgehört hätten und daß die Judenfrage nun gründlich gelöst werde. Daß sich auch in Danzig die deutschen Volksgenossen mehr als bisher gegen die Juden einstellten, fei selbstverständlich. Es werde alles auf ordnungsmäßigem Wege geregelt werden. Darum müßten die deutschen Volksgenossen in Danzig Disziplin halten und den gegebenen Weisungen Folge leisten.
Das Presseamt der NSDAP bemerkt hierzu, daß die NSDAP mit den Aktionen, wie sie in den letzten Tagen in Danzig in Erscheinung getreten seien, nichts zu tun habe. Es liege im Interesse einer wirksamen und durchgreifenden Abwehr des jüdischen Einflusses im Danzig, daß sich die Bevölkerung diszipliniert zeige und alles unterlasse, was die Ausschaltung brr Juden auch in Danzig behindern könne.
Aufnahme des Postsparkalsendienlte« am 2. Iannar 1939.
Berlin, 14. November. (DNB.) Nachdem vom Führer und Reichskanzler durch Erlaß vom 26. August 1938 die Ausdehnung des Postsparkassendienstes auf das gesamte Großdeutsche Reick) angeordnet worden ist, hat der Rcichspostminister am 11. November 1938 die Postsparkassenordnung erlassen. Diese Ordnung, Pie am i. Januar 1939 in Kraft tritt, enthält die grundlegenden Vorschriften für den neuen Dienstzweig der Deutschen Reichspost. Sie ist so ausgestaltet, daß die besonderen Vorteile des Postsparkassendienstes — unbeschränkte Freizügigkeit der . Postsparbücher — Ein- und Rückzahlung bei allen Postämtern, Postscheckämtern, Postagenturen, Poststellen, Posthilssstellen und Land- zustellern, unbedingter Geheimnisschutz, keine Gebühren — dem gesamten deutschen Volk nutzbar gemacht werden.
Die Waffenausfuhr ans USA.
* Washington, 14. November. Nach der vom Staatsdepartement am Samstag, ausgegebenen Liste sind im Monat Oktober Kriegsmaterialien im Gesamtbeträge von 4 Millionen Dollar ausgeführt worden. Die im selben Monat für die Ausfuhr von Kriegsmaterial erteilten Lizenzen erreichten einen Gesamtbetrag von 7.1 Millionen Dollars.
Teheran, 14. November. (DNB.) In der 'Nähe von Naha- v en d, wo erst kürzlich ein Unwetter 208 Menschenleben gefordert hatte, verursachten schwere Wolkenbrüche eine Hochwasserkatastrophe. Dabei wurden 150 Häuser zerstört. Die Anzahl der Todesopfer ist bisher noch unbekannt.
Auch im Oktober angespannte Deschüftigungstage.
Neue Zunahme der Frauenarbeit.
Berlin, 14. November. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung teilt mit:
„Mit dem Wechsel der Jahreszeit pflegte in den vergangenen Jahren im Oktober die Beschäftigung nachzulafsen und die Zahl der Beschäftigten zü sinken. In diesem Jahr ist die Beschäftigung im ganzen auf einem Stand von 20.8 Millionen angespannt geblieben, wenn sie auch aus jahreszeitlichen Gründen in einzelnen Bernsen in einzelnen Bezirken leicht nachgelassen hat.
Die Zahl der 'beschäftigten Arbeiter und Angestellten wurde im Monat Oktober durch die aus dem Wehrdienst und Arbeitsdienst entlassenen Soldaten und Arbeilsvienstmänner beeinflußt. Ferner sind zahlreiche Sudetendeutsche, die Arbeit im Reich angenommen hatten, in ihre Heimat zurückgekehrt. Die anhaltend starke Nachfrage nach Arbeitskräften hat wieder zu einer Zunahme der Frauen- ärbeit geführt. Die Zahl der beschäftigten Frauen hat im Oktober um 48 000 auf 6.6 Millionen zugenommen; im September betrug die Zunahme 25 000. Die Zahl der arbcitslofen Frauen hat im Berichtsmonat noch um 1400 abgenommen, während die Zahl der arbeitslosen Männer um 9400 auf 103 000 gestiegen ist, von denen jedoch nur 14 000 voll einsatzfähig sind. Die Arbeitsleistung ist im Oktober noch gestiegen. Da die Vermehrung der Beschäftigten, insbesondere der Facharbeiter, auf Schwierigkeiten stößt, mußte die Arbeitszeit verlängert werden, um die gestellten Aufgaben erledigen zu können.
In der Ostmark hat die Zahl der Arbeitslosen aus 106500 zugenommcn. In den an Oesterreich angrenzenden sudetendeutschen Gebieten wurden 6700 Arbeitslose gezählt. Im Sudetenland konnte« im Oktober 20 000 Arbeitslose in Arbeit gebracht werden; die vorläufig sestgestellte Zahl der Arbeitslosen beträgt hier rund 200 000."
Besprechungen Marschall Gamelin» in Algier.
Paris, 14. November. (Europapreß.) Der französische Marschall Gamelin, der zum Abschluß seiner Besichtigungsreise durch die nordafrikanischen Besitzungen in Algier eintraf, hatte dort Besprechungen mit dem Oberbefehlshaber der algerischen Truppen, (Äcncral -Catroux und dem Generalgouverneur Le Bon. In diese» Nesprechungen wurde vor allem die Frage der in Algier bestehenden Verteidigungsmittel und die Beschleunigung der Ver:eidigungs- bäiiten besprochen, die seit einiger Zeit im Gange sind.
Jericho »en den englischen Trappen beseht.
Jerusalem, 14. November. (Europapreß.) Die Besetzung Jerichos durch englische Truppen wurde am Sonntagabend abgeschlossen. Jericho war während der letzten zwei Monate in den Händen der Araber gewesen. Die Besetzung der Stadt kam unvorbereitet. Etwa hundert Lastkraftwagen mit englischen Truppen und zahlreiche Flugzeuge nahmen teil. Die Bevölkerung Jerichos war vorher durch Flugblätter aufgefordert worden, keinen Widerstand zu leisten.
Das Staatsbegräbnis für Ernst namNath
* Düffelbors, 14. November. Tas Staatsbegräbnis für Gesandi- schaftsrat Ernst vom Rath findet am Donnerstag, 17. November, in Düsseldorf statt. Für die Ueberführungs- und Bei- fetzungsfeierlichkeiten ist, wie das „Deutsche Nachrichtenbüro" erfährt, folgendes Programm Festgelegt:
Der Sarg mit den sterblichen Ueberreften Ernst vom Raths wird in einem französischen Sonderzug am Dienstag zunächst nach Aachen geleitet, wo er am Mittwoch früh eintrifft. Kurz nach Eintreffen des Sonderzuges wird die llmbahrung vom französischen auf einen deutschen Sonderzug vorgenommen. Hieran schließt sich aus dem Bahnhof eine kurze Feier. Darauf setzt sich der deutsche Sonderzug zu seiner Fahrt nach Düsseldorf in Bewegung, die über Köln und Köln-Mülheim über die rechtsrheinische Strecke führt. Auf allen Bahnhöfen, die der Sonderzug in langfamer Fahrt passiert und wo die Angehörigen der Parteigliederungen Spalier bilden, ist der Bevölkerung der westdeutschen Grenzgaue Gelegenheit gegeben, dem für Deutschland Gefallenen ihren letzten Gruß zu entbieten. Beim Eintreffen des Sonderzuges auf dem Bahnhof in Düsseldorf findet eine Feier statt, die auf den Bahnhofsvorplatz, wo sich inzwischen der Trauerzug ausgestellt haben wird, und auf die umliegenden Straßen, wo die Bevölkerung aus dem ganzen Gaugebiet Spalier bilden wird, übertragen wird. Alsdann setzt sich der große Trauerzug zur R h e i n h a l l e in Bewegung. An den berührten Straßen, die einen würdigen Trauerschmuck erhalten, steht das Volk. Inmitten von Blumen und Kränzen wird dann Ernst vom Raths Leiche in der Rheinhalle aufgebahrt. Ihrem Wunsche entsprechend wird die Bevölkerung dort an dem Sarg vorbeiziefM. In der Rheinhalle findet dann am Donnerstag, um 12 Uhr, die offizielle Trauerfeier statt. Anschließend wird die Leiche zum N o r d f rie d h o f übergeführt, wo die Beisetzung in einer. Familiengruft erfolgt.
(Wiederholt, da nur in einem Teil der letzten Ausgabe.)
„Mir bleibr» nicht auf halbem Wege stehe«!"
Dr. Ley weiht eine Betriebssportstätte in Krefeld.
* Krefeld, 14. November. Auf einer Kundgebung am Schlußtage des 5. Kreistages der NSDAP Krefeld-Kempen wurde die Betriebssportstätte der Deutschen Edelstahlwerke Krefeld durch Reichsorganisationsleiter Dr. Ley eingeweiht. Nach der Ansprache von Gauleiter Staatsrat Florian traf Reichsorganisationsleiter Dr. Ley am späten Nachmittag aus Koblenz auf der Kund- gebungsftätte ein. In seiner Rede sagte er unter anderem, wir alle wüßten, daß uns nichts geschenkt werde, daß wir alle schwer arbeiten müßten. Im neuen Reich habe jeder sein Bestes und Letztes herzugeben. Nur auf diesem Wege sei zum Erfolg zu kommen. Ein Paradies auf Erden nach bürgerlicher Einbildung gebe es nicht. Wer etwas anderes sage, der lüge. Daß es uns heute besser gehe, sei kein Geschenk des Himmels, sondern das Ergebnis von Fleiß und Arbeit. Das müsse immer wieder betont werden. Weil die Deutschen vorwärts wollten, habe der Jude auf sie geschossen, um sie zurückzuschrecken. „Wir aber werden nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Hier gibt es kein Zurück."
und Schimmer städtischen und höfischen Lebens, und der lockenden Möglichkeiten für den Regisseur, sich ihrer zu bemächtigen, sind viele. Richard Salzmanns Regie war durch nicht wenige Einfälle, durch eine eigenwillige dramaturgische Bearbeitung ausge- ieichnet. Anfangs zeigte sich das deutliche Bestreben, Veroneser Heiterkeit, ja Ausgelassenheit und Lärm auf die Szene zu bringen: das Stück beginnt mit Markttrubel und einem Tanz lamburin- 'chwingender Mädchen, da« Fest der Capulets wird durch eine zythrnische Pantomime des Küchenvolkes eingeleitet — im Takt hantieren die Mägde, putzen die Köche die silbernen Kannen —, und es paßt dazu, wenn der Prolog als ein Ausrufer mit Sckielle erscheint. Doch wird diese Linie später nicht weftergesührt oder ausgenommen. Ja, es wird der großen Szene geradezu ausgewichen: jene unheimliche,Kontrapunktik, die Shakespeare schuf, indem er Lochzeitsmorgen und Scheintod der Julia szenisch überkreuzte, ' ürb durch starke Streichungen beseitigt, die große Schluß- und Fersöhnungsszene im Grabgewölbe zugunsten eines dunkleren, aber cllsam schmal auslaufenden Endes getilgt: das Stück schließt mit den — als Monolog gesprochenen — Worten des Bruders Lorenzo, in denen et die Verantwortung für der Liebenden Tod zu tragen sich bereit erklärt. Man kann sich des Gefühls nicht ganz erwehren, daß der Regisseur doch mehr von der wirkungsvollen Einzelheit als von einer einheitlichen Gesamtkonzeption aus« gegangen fei, und bedauert das um mancher stimmungsvoller Augenblicke willen, die sonst im Gesamtzusammenhang noch mehr überzeugt haben würden: etwa der gedämpsten Tänze des Festes, der menschlichen Atmosphäre der Lorenzo-Szenen feine noble Leistung der lebenskluge Mönch Toni Impekovens). Tie gewisse Unentschiedenheit bet Inszenierung war auch dem Bühnenbild anzumerken, von je freilich eine Klippe aller „Romeo"- Aufführungen. Denn es gilt, öffentlichen und privaten, ja
timen Schauplatz zu vereinen. Der begabte Helmut Jürgens umspannt beides mit dem festen Rahmen dreier Renaissance-Torbogen, die in den Straßenszenen den Blick auf städtische Architektur etwas harte, weiß auf schwarz gezeichnete Projektionsbi.lder) frei« -eben, in den Jnnenszenen, ja sogar im Grabgewölbe aber meist durch Jalousien geschloffen werden müssen, um den Raum zu verengen, und in den Lorenzo-Austritten gar von einer Kirchenarchitek- tut überwuchert sind — kurz, sie haben stellenweise fast nur die Funktion einer Stütze, an die sich das übrige Bild anlehnt, bedeuten fein einheitliches szenisches Lösungsprinzip. Das tut an sich der Stimmung so manchen Bildes keinen Abbruch
Die Freunde Romeos profilierte der Regisseur mehr im Sinne einer südlich heiteren Kumpanei, denn als adlige Jünglinge: Her- uiann Schömberg lieh in diesem Sinne dem Mercuiio seinen breiten Humor, Wolfgang Büttner dem Benvolio ein luftig polterndes Gelächter. Wir nennen weiter aus der Fülle der Per- ionen die Damen Reuwirth (Amme), Schön-Siener (Gräfin Eapuket), die Herren Simon (Graf Capuiet), Panning (ein scharf gezeichneter Ttzbalt), Schneider (Prinz), Münch (ein Paris, dessen gute Sprachbehandlung auffiel).
Der Beifall zeugte von der Wirkungskraft der Dichtung, von der Bemühung aller Beteiligten. Dietrich Dibeline.
Von den Alemannen.
Hermann Barte konnte auf der Alemannischen Kul- t u r t a gu n g , die in Freiburg ftattgefunben hat, von Emil Gött sagen, in diesem habe die keltische Versonnenheit, die römische Ordnungskraft und der germanische Geist gewohnt. Die Alemannen bezogen damals wesentliche Teile ihres bleibenden Gebiets, doch begannen • sich einzelne Stämme abzutrennen, die Elsässer, die Breisgauer; und in Schwaben hat es sich heute noch nicht überall herumgesprochen, welche gemeinsame Wurzel man mit den Alemannen schlechthin besitzt. Ohne Zweifel entstanden hier in der Spätgotik zwei für sich bestehende Kulturkreise, der alemannische und der schwäbische, die vor allem das Gemeinsame haben, daß sie ihre Art mit pfleglicher Sorgfalt umgeben und alle, die es wissen mochten, gern darüber bekehren. Den grundlegenden Unterschied aber sucht und findet man im Dialekt, welcher im Alemannischen das mittelalterliche „i" und „u“ bevorzugt, wo der Schwabe zum „ei' und „au" übergegangen ist (wyl und weil, buur und Bauer). Man hat sich der literarischen Qualität erst vor rund hundertfünszig Jahren entsonnen, als der unsterbliche Johann Peter Hebel die „Wiese" besang und mit Betonung vom spezifisch „Alemannischen" sprach, dem bislang noch häusig der Sinn des Alldeutschen innegewohnt hatte.
’ Wird döch Bern Besucher Freiburgs (Friburg nennen's die Mundartdichiungen) sogleich die ganz neuartige Welt gegenwärtig, in die er da plötzlich geraten ist, diese gebirgige, rechtmäßige und wohlbeschaffene Welt, in der es ein Saalbesucher wagen kann, zur Sicherung seines Platzes ihn einfach mit der gefüllten Brieftasche zu belegen; wo die Läden Alpenhüte und Loden in reichster Aus- ivahl zeigen, die Mädchen sehr frische Gesichtsfarben und sichtlich bergbürtige Fesseln haben, meist ein hochgewachsenes Geschlecht hübscher Riesinnen (ihre Abendkleider wirken in Möbelschutzhüllen echter), die Partner eher gedrungen und stämmig; wo ein Gedicht die Ueberschrift trägt „Madlee Nomoi", was säst noch weniger verständlich ist als der Titel des nächsten, welcher „Tuwekröpsii" lautet. Es ist ein eigener Stamm, der sich da bas gewaltige Freiburger Münster aufgebaut bat und die vielen (oft vom österreichischen Barock beeinflußten) Paläste, ber’s Pulver erfunden hat (hier lebte der Mönch Berthold Schwarz), der heiter und familiär, aber auch sehr gebildet über die Tinge des Lebens spricht und in aller Ge mütlichkeit hinüber, herüber über die Ableger der Dreisam hüpft, die neben den städtischen Gehsteigen als muntere Bächlein, der Feuerwehr zur Labung, dahinschießen.
Nach Hebel werden Feiner, Hansjakob, Thoma und Emil Gött als hervorragende Vertreter der alemannischen Sichtung in Deutschland genannt, denen sich „jenseits" der große Meyer — Conrad Ferdinand — gesellt, und unter den Lebenden Jakob Schaffner, Burte, Busse, Fendrich, Schneller, Strauß und wie sie alle heißen, die aus ihrem Lande bunte Straft, aus ihren Weinbergen edle Hitze, aus ihren Vulkanen untergründige Leidenschaft gesogen haben. Ihrer, aber vor allem eines von ihnen, des vor dreißig Jahren verstorbenen Enni Gött, zu gedenken, war man zufammengekommen
und wollte dabei auch die politischen Grenzen gern vergessen, die dem einzelnen neue Richtungen, aber der Gesamtheit doch nur eine Nuance zugefügt haben.
Das Bild des Dreißigjährigen, welches zu Ehren Emil G 5 11 s überall zu sehen ist, zeigt ihn im Schmuck des Vollbarts der neunziger Jahre, mit zerwühltem, weichem Haar, einer Stirn, die natur« apostelhaft emporsteigt und mit kleinen, saft elegisch fragenden Augen; er trägt ein hochgeschlossenes Wams und hat die Arme mannhaft verschränkt. In mancher Hinsicht ist dieses Bild aufschlußreich, denn es zeigt den Sucher und Landmann, verbirgt aber auch nicht den arbeitswütigen Gestalter, der einmal von sich sagen i konnte: „Ich muß verstehen lernen, aus dem schweren Golde eine gangbare Münze zu prägen, sonst vergehe ich — vor Gold", bann aber wieder schlicht, er „dichte wohl zuweilen, er sei aber kein Dichter". Nach langen Wanderjahren als spontaner Gärtner, nach unvollendeten Studien der Philosophie, nach dem bestimmenden Erlebnis seiner Jugend: einem1 Eisenbahnunglück, wobei er als Sechzehnjähriger die ganze Nacht lang bei der grausigen Bergung Schwerverwundeter und Toter tätig gewesen war, nach Ablehnung eines festen Berufs, also nach reichen Wirren, die aber nie ihr Ende fanden, brachte er es zu einem ersten dramatischen Erfolg. „Freund Heißsporn" wurde 1890 vom Freiburger Theater aufgeführt. Vier Jahre danach gab das Berliner Staatstheater das Lustspiel „Der Schwarzkünstler", und die Einkünfte reichten zum Ankauf eines kleinen Gutes; inzwischen hatte er aber die meisten der sozialen Probleme, Fragen der Mechanik und der Medizin, auf eigene Faust zu lösen versucht und war gänzlich eingebrochen. Auch das Gütchen brachte ihm keinen festen Lebensunterhalt. Inzwischen warf er sich auf die brennenden Fragen der Zeit, er kämpfte mit Nietzsche und lieferte sich Tolstoi freimütig aus, bis er beide als Extreme erkannt hatte.
Ein „Zwischenwerk" sollte die gleichsam gärtnerische Veredlung des Lope des Degaschen Lustspiels „Der Hund des Gärtners" werden; dieses Stück, das ihn jahrelange quälerische Mühe gekostet hat und später den fast saloppen Titel „M a u s e r u n g" erhielt, konnte der Herzkranke einen Monat vor feinem Tod (als Vierundvierziger) fertigfteöen. Das große Haus der Städtischen Bühnen in Freiburg brachte es nunmehr aus Anlaß der Tagung neu heraus. Es schlägt seinen Funken nicht aus dem Aufeinanderplatzen feftuniriffencr Charaktere, also aus der Handlung schlechthin, sondern stellt eine psychlogische Wandlung, eben die Mauserung, dar, der sich zwei junge Menschen unterziehen müssen, ehe sie der gegenseitigen Liebe tatsächlich wert sind. Diese hat unter ungewöhnlichen Umständen zu leiden, denn — was in der Renaissance konfliktträchtig erscheint — die Liebende gehört allein dem Hochadel an. Ter über den Alltag hinausgehende Wert des Stückes liegt in der sprachlichen Gestaltung, die in Worten und Gedanken klassische Stellen ausweist. Elisa Hellmer gab die Hauptrolle hingebend und bielleicht ein wenig zu unnaiv, der werbende Sekretär von Otto Grieß war recht schwungvoll.
Erstaufführungen von Musikstücken von Julius Weismann und Gustav Schwickert und die Verlesung aus eignen Werken, zu der man Gottlieb Heinrich Heer, Quirin Engasser und Raymond Sou«
chert geladen hatte, zählten zu den weiteren öffentlichen Veranstaltungen der Festtage, die überdies eine Reihe geselliger Zusammenkünfte brachten. Für den weitgereisten Besucher wäre vielleicht noch mancher weitere Aufschluß über Leben, Wirken und Pläne der Heutigen (und dabei nicht allein der Dichter und Musiker, sondern auch der bildenden Künstler, der Forscher und Gelehrten) interessant gewesen, den durch historische Betrachtungen zu ergänzen ihm die Freiburger Städtischen Sammlungen reiche Möglichkeit bieten. Im Wen- zingerhaus konnte er ältere Gemälde finden, im Augustinermuseum Bilder von Hans Salbung Grien aus Schwäbisch Gmünd, mittelalterliche Kunst aus dem Breisgau, aus dem Elsaß und vom Oberrhein — vorausgesetzt freilich, daß er den Ehrgeiz aufbrachte, über die Festfolge des Programms und die öffentlichen Ankündigungen auf eigene Faust hinauszugehen. Freiburg ist reich an speziell alemannischen Schätze, und gewiß wäre mancher, der es nicht weiß, für den Hinweis dankbar, daß er da im dritten Stock an der Salz- gaffe eine Reihe urechter Schwarzwälder Bauernstuben sehen kann und einen Stock tiefet schöne Möbel aus Renaissance und Barock, zu denen die alten Klosterräume ebensogut passen wie der Blick auf fchiefgiebelige Dächer und halbrunde Schindeln, der sich hier freigebig wie selten wieder darbietet. — Den Schluß der Tagung bildete eine Festaufführung von „Lohengrin".
egw.
Vom Frankfurter „Arbeitskreis für neue Musik".
Der „Arbeitskreis für neue Musik“ in Frankfurt beginnt demnächst seine Tätigkeit in diesem Winter. Er veranstaltet fünf öffentliche Konzerte. Eines davon bringt Lieder von Pfitzner zum 70. Geburtstag des Meisters. Die vier anderen werben für das Schaffen der deutschen Komponisten: Zilcher, Simon, Pep- ping, Hiege, Bresgen, Distler, darnach und Reutter sowie der Ausländer: Debussy, Roussel. Ibert (Frankreich), Sutermeister (Schweiz). Szymanowsky (Polen), Malipiero (Italien) und Papadopulo (Griechenland). An fünf internen Abenden werden Frankfurter Komponisten sowie schweizerische und französische vörgestellt, außerdem wird die zeitgenössische Musik und besonders die Unterhaltungsmusik in Vorträgen behandelt. Eine große Zahl namhafter Frankfurter Musiker hat sich wieder freiwillig in den Dienst der guten Sache gestellt. (Anfragen sind an Albert Richard Mohr, Krögerstraße 1, zu richten.)
Theater-Kalender als Werbemittel.
Die Leitung des Hessischen Landestheaters in Darmstadt hatte einen sehr guten Einfall. Sie gab tijr das Stammpublikum, lür die Freunde des Instituts und für die breitere Oeffentlichkeit einen Illustrierten Abreiß-Kalender heraus, der für ihre künstlerische Arbeit Zeugnis ablegen und für den Besuch der Aufführungen werben soll. Dieser Kalender, entworfen von Dr. Hermann Dollinger und Max Kritische, hergestellt in der Darmstädter Druckerei J. L. Herbert, geleitet den Besitzer durch das Theater-Jahr, vom Beginn einer Spielzeit bis zum Beginn der anderen. Jedes Blatt enthalt das Kalendarium für zwei Wochen und zeigt eine von Hans Kenner beigetragene Szenen-Aufnahme aus der letztvergangenen Saison. Knappe Leitsätze informieren den Beschauer über die verschiedenen Formen, in welchen jeder an den erfreuenden und ergreifenden Darbietungen in beiden Häusern teilhaben kann, und über die Vorteile, die beim häufigeren Besuch gewährt werden. Diese Art streng sachlicher und jedem leicht ein gänglicher Werbung, die hier wohl zum ersten Male erprobt wird, darf als vorbildlich bezeichnet werden. K. h.

