Dienstag, SS. November 1938
Abendblatt und Erstes Morgenblatt der Frankfurter Zeitung
Nummer 608 Seite 8
beraten, und alle Regierungen sollten gemeinsam geeignete Methoden finden, um eine Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens zu ermöglichen.
*
L« Paz, 28. November. (DNB.) Der Gesandte Paraguays in La Paz und der bolivianische Gesandte in Asuncion haben den Präsidenten der beiden Staaten ihre Beglaubigungsschreiben überreicht. Damit sind nach sechsjähriger Unterbrechung die diplomatischen Beziehungen zwischen Bolivien und Paraguay wieder ausgenommen worden.
Roosevelt empfangt Botschafter Mllso«.
_ * Warm Springs, 28. November. Präsident Roosevelt hatte Sonntag und auch heute wieder mit dem am Freitag in New Jork eingetroffenen Botschafter in Berlin, Wilson, Besprechungen, an denen auch der amerikanische Botschafter in Rom, Philips, teil- nahm. Botschafter Wilson hatte am Freitag in New Jork auch noch eine kurze Aussprache mit Staatssekretär Hüll, der an diesem Tage an der Spitze der amerikanischen Delegation für die Konferenz von Lima wach Südamerika abfuhr. In der Preff«- konferenz machte Unterstaatssekretär Sumner Welles keinerlei Angaben über den Inhalt der Unterredung zwischen Hüll und Wilson. Er teilte lediglich mit, daß der Botschafter möglicherweise während der Abwesenheit Hulls dem Staatsdepartement als ständiger Berater zugeteilt werden würde.
FranMfche Kotschaft in Bukarest.
Paris, 28. November. Nach einer Mitteilung des Außenministeriums ist die französische Gesandtschaft in Bukarest zum Range einer Botschaft erhöht worden. Dieser Beschluß wurde im Einvernehmen mit dem König C a r o l bei dessen jüngstem Aufenthalt in Paris getroffen. Es wird hinzugefügt: „Mit diesem Beschluß hat die französische Regierung den freundschaftlichen und vertrauensvollen Charakter der Beziehungen zwischen Frankreich und Rumänien durch ein besonderes Zeugnis unterstreichen wollen."
Die rumänische Regierung wird unverzüglich die entsprechende Maßnahme ergreifen und ihren hiesigen Gesandten zum Botschafter ernennen. Es heißt, daß England sich ebenso verhalten werde.
Das Deutschtum m Lettland.
Wechsel in der Leitung der „Deutsch-baltischen Volksgemeinschaft".
(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)
£ Riga, 28. November. Der bisherige Präsident der „Deutsch- baltischen Volksgemeinschaft", Erich Mündel, hat auf dem am 26. November in Riga zusammengetretenen Vertretertag der deutschen Volksgemeinschaft in Lettland seinen Rücktritt erklärt. Ebenso trat der erste Vizevorsitzende, Rechtsanwalt H. Stegman, von seinem Amt zurück. An die Stelle des bisherigen langjährigen Vorsitzenden wurde mit 98 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen der Rigaer Kaufmann Alfred Jntelmann zum neuen Präsidenten gewählt, während der Posten des ersten Vizevorsitzenden mit dem bisherigen zweiten Vizevorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Edgar Schwartz und der des zweiten Vizepräsidenten mit Rechtsanwalt Sticinsky besetzt wurde. Der Rücktritt des Vorsitzenden und des ersten Vizevorsitzenden erfolgte, wie ausdrücklich betont wird, aus persönlichen Gründen.
Im Namen der lettländischen Deutschen, die seit einer Reihe von Jahren um eine einheitliche Willensrichtung der deutschen Volksgruppe in Lettland gekämpft haben, sprach Dr. Erhard K r o e g e r, der führende Vertreter der aktiven völkischen Arbeitsrichtung. Dr. Kroeger wies darauf hin, daß sich die deutsche Volksgruppe in Lettland zu einer Einheit entwickelt habe, die auf einer weltanschaulichen Geschlossenheit beruhe. Niemanden könne heute das Recht eingeräumt werden, Unterschiede innerhalb des Deutschtums zu machen. Als geschloffene Volksgruppe sei das Deutschtum in Lettland jeden Tag bereit, mit jedem zusammenzugehen und loyal zu arbeiten, der die Hand dazu reiche. Es gebe andererseits aber keine Macht der Erde, die das Deutschtum aus der Geschichte dieses Landes ausradieren oder ihm seine Zukunft hier streitig machen könne.
•
S- Riga, 28. November. Der deutsch« Gesandte in Lettland, Dr. von Schack., der demnächst seinen Posten verlaffen roirb^ wurde vom lettländischen Staatspräsidenten, Ulmanis, zu einer Abschiedsaudienz empfangen. Ferner stattete Gesandter von Schack dem lettischen Kultusminister und dem lettischen Kriegsminister Abschiedsbesuche ab.
AUS DEM REICH
Planwg für die akademische» Berufe.
Der Beratungsdienst beim Reichsstudentenwerk damit beauftragt.
Wegen der immer dringlicher werdenden Frage des Nachwuchses für die deutschen Hoch- und Fachschulen ist nun von den zuständigen Stellen eine systematische Planung für die akademischen Berufe ein« geleitet worden. Das Reichserziehungsministerium und der Reichsstudentenführer haben dem Beratungsdienst beim Reichsstudentenwerk den Auftrag erteilt, die Probleme des Berufseinsatzes zentral zu bearbeiten. Das Uebereinkommen sieht die Zusammenarbeit mit Staat, NSDAP und Wirtschaft vor. Wie der Leiter der Abteilung „Beratungsdienst" beim Reichsstudentenwerk bekanntgibt, haben mit der Neugründung dieses Beratungsdienstes die in bisher geringer Zahl bestehenden, ganz unterschiedlich aufgebauten akademischen Auskunftsämter ihre Fortsetzung in einer einheitlich ausgerichteten, das gesamte Reichsgebiet erfassenden Einrichtung gefunden. Der Versuch des sinnvollen Berusseinsatzes der Akademiker werde fehl gehen, wollte man lediglich Quoten festsetzen. Das wichtigste, die Begabung und Neigung, werde dabei außer acht gelassen. Da die Beratung und Lenkung nur Erfolg haben können, wenn sie srü- zeitig beginnen, nämlich auf der höheren Schule, seien HI, Eltern und Lehrer die Stellen, die die Arbeiten der Beratung vorbereiten und erleichtern müßten. Der einmal als fähig Erkannte dürfe in Zukunft nicht mehr am Fehlen von Mitteln scheitern. NSDAP, Staat und Wirtschaft müßten hier das Möglichste tun. Die Vorarbeitung zur Ermittlung des Bedarfes und des Nachwuchses für akademische Berufe seien bereits aufgegriffen. Eine dringend notwendige, u m - fassendeUebersicht werde jedoch erst die Berufszählung 1939 bringen. Während 1931 noch 73,5 Prozent der Abiturienten zum Studium gekommen seien, seien es 1937 nur 42,8 Prozent gewesen. Die Berufswunscherhebungen der Abiturienten 1938 deuteten zwar auf ein Ansteigen hin, doch sei der Prozentsatz immer noch unbe- friediKnd. Es heißt dann weiter: zu lange Ausbildungszeit, völlig Untragbare Besoldung während der Berufsausbildung, zu hohe Kosten für das Studium seien einige Gründe der Abneigung gegen das Studium. Diese Zustände müßten so schnell wie möglich ab- gestellt werden. Auch die letzten Schranken des liberalistischen Berechtigungswesens seien zu beseitigen, nicht zuletzt durch stärkere Auslese, die bereits auf der Volksschule einsehen müsse.
84 MMianrn Mark Stenerstrafen 1937.
Berlin, 28. November. Bei den Besitz- und Verkehrssteuern des Reiches sind im Rechnungsjahr 1937 in 34 811 Fällen rund 84 Millionen Mark Geldstrafen rechtskräftig festgesetzt worden. Die Zahl der Straffälle hat sich gegenüber dem Vorjahre um 14 800, die Höhe der Geldstrafen um mehr als 15 Millionen Mark vermehrt. Diese Tatsache läßt aber, wie Ministerialrat Groth vom Reichsfinanzministerium in der „Deutschen Steuerzeitung" feststellt, nicht etwa den Schluß zu, daß sich die Steuermoral verschlechtert habe. Die Vermehrung sei allein darauf zurückzuführen, daß die Zahl der Steuerpflichtigen und die Summen der Besteuerungsgrundlagen stark gestiegen seien. Den Finanzämtern stünden immer bessere Unterlagen für die Prüfung und Erfassung zu Verfügung. Die Vermehrung der Straffälle liege hauptsächlich bei der
Einkommensteuer und der Umsatzsteuer. Auf die Einkommensteuer entfielen fast 12 000 Fälle oder 5500 mehr als im Vorjahre, auf die Umsatzsteuer 16 500 Fälle oder 7300 mehr als im Vorjahre. Das Mehr an Geldstrafen trete besonders stark in Erscheinung bei der R e i ch s f l u ch t st e u e r mit mehr als 10 Millionen Mark. Die bet der Reichsfluchtsteuer festgesetzten Geldstrafen beträfen nur 570 Fälle, erreichten aber einen Betrag von 32,7 Millionen Mark. Die Reichsfluchtsteuer stehe damit an der Spitze, sie überschreite die bei her Einkommensteuer festgesetzten Geldstrafen noch um 0,3 Millionen Mark. Bei der Lohnsteuer, Einkommensteuer und Umsatzsteuer betrage das Mehr an Geldstrafen gegenüber dem Vorjahre zusammen rund 6 Millionen Mark.
Der Religionsunterricht.
Eine Stellnngnabme des RS-Lehrerbundes und ein Erlaß des Reichserziehungsministers.
-ch Berlin, 28. November. Wie die „Allgemeine evangelisch- lutherische Kirchenzeitung" mitteilt, hat der Pressedienst des N2- Lehrerbundes, Gauwaltung Franken, eine vor kurzem von der Reichswaltung des NS-Lehrerbundes verbreitete Stellungnahme zur Erteilung des Religionsunterrichts durch Lehrer an öffentlichen Schulen dahin erläutert, daß die Lehrer als Nationalsozialisten in ihrem Amte, als Schulungsredner der NSDAP oder als sonstige Beauftragte mit dem gesamten Volke gegenwärtig in einem schweren Abwehrkampfe gegen das Weltjudentum stünden. Jeder ehrliche und wahrhafte Mensch werde es verstehen, daß es eine Unmöglichkeit sei, auf der einen Seite das Judentum als Weltfeind zu bekämpfen und auf der anderen im Religionsunterricht der Schulen den Juden als Vorbild hinzustellen. Der Religionsunterricht solle, was gegen Vorwürfe gesagt werde, die die Religion in Gefahr glaubten, in vollem Umfange erhalten bleiben, müsse aber durch Geistliche erteilt werden. Wo sollte auch der Religionsunterricht besser aufgehoben sein als in den Händen der Geistlichen?, so fragt der Pressedienst. Der deutsche Lehrer könne aus seiner nationalsozialistischen Einstellung zur Judenfrage nicht anders handeln, als daß er die weitere Erteilung des Religionsunterrichts, die ihm freigestellt fei, ablehne. Diesen Schritt, so sage der Pressedienst der Gauwaltung Franken, hätten nicht nur die Lehrer in Franken, sondern im ganzen Deutschland vollzogen.
♦
Der Reichserziehungsminister hat zur Frage der Erteilung des Religionsunterrichts durch die Lehrer an öffentlichen Schulen in einem erneut hierzu ergangenen Erlaß sestgestellt, daß es der Gewissensentscheidung jedes Lehrers - überlassen sei, ob er Religionsunterricht erteilen wolle oder sich hierzu außerstande erkläre. Aus dem Grundsatz der Gewissensfreiheit ergebe sich, daß dem Lehrer weder aus der Erteilung noch aus der Niederlegung des Religionsunterrichts Nachteile erwachsen dürften.
Der Führer und Reichskanzler hat dem König der Albaner zum Umckhängigkeitstag drahtlos seine Glückwünsche übermittelt.
Das schweizerische Firmmprovisorinm durch Volksabstimmung bestätigt.
(Drahtmeldung
<? Zürich, 28. November. Die schweizerischen Stimmberechtigten hatten gestern über einen Beschluß des Parlaments über die Verlängerung des Finanzprovisoriums um weitere drei Jahre zu entscheiden. Die Vorgeschichte dieses sogenannten „Finanzprogramms Nummer 3" hatte Bundesrat und Parlament vor Schwierigkeiten gestellt, die sich zwar als vorwiegend parteitaktischer und weniger grundsätzlicher Natur erwiesen, aber doch groß genug waren, der obersten Bundesbehörde und dem Parlament zunächst eine Niederlage einzubringen. Der Bundesrat hatte bereits in seiner ersten Vorlage darauf verzichtet, eine wirkliche Finanzreform durchzusetzen, wie man sie bei Inkrafttreten des „Provisorium Nummer 2" von 1935 bestimmt in Aussicht genommen hatte, um der verhängnisvollen Subventionenwirtschaft ein Ende zu machen; demnach gelang es zunächst nicht, im Nationalrat eine ausreichende Mehrheit zu erlangen. Die Schlußab- ftimmung der Somrnersession brachte dem Bundesrat eine knappe Niederlage. In langwierigen interfraktionellen Verhandlungen gelang es zwar im Laufe der Herbstwochen, die abgelehnte Vorlage nochmals zur Beratung zu bringen und die auseinanderfallende Parlamentsmehrheit mühsam zu flicken. Vor allem gelang es die sozialistische Opposition einerseits durch die Ankündigung eines umfangreichen Arbeitsbeschaffungsprogramms, andererseits durch die Drohung mit außerparlamentarischen Maßnahmen des Bundes, und wohl nicht zuletzt mit Andeutungen über eine künftige Neuformung der Regierungskoalition, zu spalten, und nach Abänderung einiger nebensächlicher Deckungsbestimmungen eine ausreichende Parlamentsmehrheit für die Vorlage herzustellen.
In den parlamentarischen Diskussionen der Beratung blieben aber die Widerstände namentlich aus dem föderalistischen Lager aller Parteien so stark, daß das Parlament nicht allein die Verantwortung für die Inkraftsetzung des Beschlusses tragen wollte und deshalb die Stimmberechtigten „als den obersten Souverän" zu befragen beschloß. Eine der wichtigsten Bestimmungen des Provisoriums Nummer drei ist die Uebertragung „vorübergehender Befugnisse auf die Bundesversammlung für Maßnahmen zur Verbesserung der Finanzlage, zur Festigung des Landeskredits und zur Erzielung eines sparsamen Haushalts". Durch diese Bestimmung soll Sicherheit dafür geschaffen werden, daß sich die Finanzgebarung des Bundes während der Jahre 1939 bis 1941 grundsätzlich im Rahmen des durch die Vorlage umriffenen Provisoriums hält, daß sich also im Grundsätzlichen die Haushaltungsgebarung in
n.)
Einnahmen und Ausgaben nach den bisher geübten nur in Einzel» fragen abgeänderten Methoden richten soll.
Durch das Finanzprogramm sind im Voranschlag für das lausende Rechnungsjahr 80 Millionen Franken Einzahlungen, 20 Millionen Entnahmen aus vorhandenen Fonds und 115 Millionen neue Einnahmen zum Ausgleich der notwendig gewordenen ober ausgehandelten neuen Ausgaben möglich geworden, und auf dieser Grundlage würden demnach die Bundeshaushalte für die nächsten drei Jahre wiederum aufzustellen sein. Hierzu gehört auch, daß die eidgenössische K r i s e n a b g a b e, die frühere Kriegssteuer des Bundes, ebenfalls weiter bis 1941 erhoben wird, bann soll sie von einer Wehrabgabe abgelöst werben. Bis dahin soll aber die Krisenabgabe ausschließlich zur Verzinsung und Tilgung der außerordentlichen Aufwendungen für die militärische Landesverteidigung verwendet werden. Offiziell bekämpft wurde die Verlängerung des Finanzprovisoriums von den radikalen sozialistischen Parteien, von den Splitterparteien der Jungbauern, von einzelnen demokratischen Gruppen und von eingefleischten Föderalisten, namentlich der westschweizerischen Kantone, die gegen die immer mächtiger werdende Zentralgewalt des Bundes opponierten. Jedoch überraschte in dieser Hinsicht das heutige Resultat der Abstimmung, in der sich 21 Kantone für und nur der Kanton Genf gegen die Annahme, oder insgesamt 508 000 Stimmen für und 194 000 Stimmen gegen die Verlängerung des Finanzprovisoriums aussprachen. Das schweizerische Volk hat sich also, trotz mancherlei Bedenken in den verschiedenen Lagern, mit einer ansehnlichen Mehrheit (allerdings bei einet Stimmbeteiligung von nur 58 Prozent) hinter den Bundesrat und das Parlament gestellt.
Ansschlntz der Kommunisten aus dem Staatsdienst in Kasel.
Basel, 28. November. (Europapreß.) Die Stimmberechtigten des Kantons Basel-Stadt haben am Sonntag die kantonale Vorlage über den Ausschluß der Kommumsten und anderer staatsgefährlicher Organisationen aus dem Staatsdienst mit 15 363 gegen 13 964 Stimmen angenommen. Dadurch wird den Kommunisten jede Tätigkeit im Staatsdienst des Kantons Basel-Stadt untersagt. Bedienstete, die bis. zum Inkrafttreten der Kommunistischen Partei oder einer anderen kommunistischen Organisation angehört haben, bleiben straffrei, wenn sie binnen dreißig Tagen den vor- gesetzten Behörden den Austritt aus her Kommunistischen Partei nachweisen.
unseres K o r r e s p o n d e n t e
Zieht sich Belgien aus dem Uichteinmischungsausschuß zurück?
(Drahtmeldung unseres Korrespondenten.)
F Brüssel, 28. November. Ministerpräsident Spaak wird am Dienstag im belgischen Senat Erklärungen über die Haltung der Regierung in der Frage der Entsendung eines belgischen Vertreters zur Regierung des Generals Franco in Burgos abgeben. Vor vierzehn Tagen hatte die Sozialistische Partei, wie erinnerlich, einen Beschluß gefaßt, der sich gegen die Aufnahme amtlicher Beziehungen zu Burgos ausgesprochen hatte; in einer späteren Entschließung hatten die Sozialisten dann allerdings der Außenpolitik Spaaks im allgemeinen zugestimmt. Man zweifelt jetzt nicht daran, daß sich Spaak über den Beschluß seiner Partei hinwegsetzen und die Entsendung eines Vertreters nach Burgos ankündigen werde. Man erwartet, daß er in diesem Zusammenhang auch auf die Frage des Verbleibens Belgiens im Londoner Nichteinmischungsausschuß eingehen werde, nachdem anscheinend auch diese Frage in dem letzten Kabinettsrat erörtert und geklärt worden ist.
Was über die dort gefaßten Beschlüsse in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, ist nicht ganz eindeutig. Doch überwiegt die Meinung, daß sich Belgien aus dem Ausschuß zurückziehen werde. Für die Sozialistische Partei will Spaak diese Beschlüsse annehmbarer machen, indem er für die Beteiligung Belgiens an einer „Hilfsaktion für die Opfer des spanischen Bürgerkrieges" eintritt. Ob sich die Sozialisten dem Entschluß Spaaks in der Burgosfrage, der zweifellos die Zustimmung des Gesamtkabinetts gefunden hat, beugen werden, läßt sich noch nicht mit Sicherheit voraussehen. Tie Mehrheit des Parlaments und des belgischen Volkes ist jedenfalls schon seit langer Zeit für die Vertretung Belgiens in Burgos, bxe nach den letzten Steuerungen Spaaks im Interesse des Landes liegt.. Der Beschluß der sozialistischen Regierung Schwedens, einen Vertreter nach Burgos zu schicken, wird den belgischen Sozialisten eine Aenderung ihrer auf dem Parteitag eingenommenen Haltung erleichtern, so daß es durchaus möglich ist, daß die Absichten Spaaks auch die Zustimmung seiner Parteigenossen finden werden. Sollten die Sozialisten aber bei ihrer vor vierzehn Tagen eingenommenen Haltung beharren und damit die Einheit der Regierung sprengen, würde das Kabinett zurücktreten müssen. Spaak hat das mehrmals mit aller Deutlichkeit gesagt.
Montreal, 28. November. (DNB.) Der Stadtrat der Provinzialhauptstadt Quebec nahm eine Entschließung an, in der gegen jegliche Einwanderung, insbesondere gegen die Einwanderung von Juden nach Kanada, protestiert wird.
Gin polnisch—tschechoslowakischer Zwischenfall bei der Besetzung des abgetretenen Gebiets.
Warschau, 28. November. (Europapreß.) Entsprechend der am 22. November zwischen der polnischen und der tschecho-slowakischen | Regierung ausgetauschten Note haben die polnischen Truppen am 27. November alle noch im polnisch-slowakischen Grenzgebiet Polen zugesprochenen Gebietsteile besetzt. Die endgültige Grenzziehung in diesem Gebiet muß bis zum 30. November abgeschlossen sein. (Es handelt sich hierbei um Gebiete in den Pieninen und um das Jaworzynatal im Erwagebiet.) Bei der militärischen Besetzung des Gebiets von Jaworzyna kam es am Sonntag zu einem Gefecht zwischen einer polnischen und einer tschecho-slowakischen Truppenabteilung. Dabei wurden ein polnischer Offizier getötet und ein polnischer Unteroffizier schwer verletzt. Auf Weisung seiner Regierung unternahm der polnische Gesandte in Prag eine Demarche bei der tschecho-slowakischen Regierung mit bet Forderung einer sofortigen Untersuchung und strengen Bestrafung der Schuldigen. Die tschecho-slowakische Regierung hat dem polnischen Gesandten in Prag ihr Bedauern über den Vorfall ausgedrückt. Gleichzeitig wurde erklärt, der tschecho-slowakifche Generalstab habe unverzüglich eine Untersuchung in die Wege geleitet. Der Angelegenheit sei entsprechend ihrer Bedeutung besonderes Augenmerk zugewandt worden.
Konrad Kenler« an die tschechichen Mitlmrger.
* Troppau, 28. November. Gauleiter Konrad He<nn sprach am Sonntagvormittag im Festsaal des Troppauer Rathauses zu den tschechischen Mitbürgern. Seine programmatische Rede vor den zahlreich versammelten ehemaligen Bürgermeistern der tschechischen Ge- meinden sand vollen Anklang, was auch aus der Erwiderung der tschechischen Redner hervorging, die dem großdeutschen Reich die Loyalität der in seinem Gebiet verbliebenen Tschechen versicherten.
Hauptschriftlelter: Dr. Rudolf Kircher, Berlin; Stellvertreter des Hauptscbnftleiter8: Dr. Erich Welter. Frankfurt a M.; Politik- Dr. Rudcuf hireher ßerlin; Feuilleton: Dr. Max von Brück, Frankfurt a. M.; Handel: Otto Hoffmann, Frankfurt a. M.; Sport: Herbert Sitterding, l-rankfurt a M.; Lokales und Allgemeines: Wilhelm Hollbaeb Frankl fort am Main. Verantwortlicher Anzeigenleiter. Wilhelm Rode, i-rankfurt a. M. Druck und Verlag: Frankfurter Socletäts-Druckerel (K X" S’’ Fran,kfurt VI. Anzeigen erscheinen in Reichsaus- «nhni/t. = „rYOr8eDb ai.‘ oder ,Re|chsausgabe / II Morgenblatt. Durch- Oktnhl Relchsausgabe und Abendblatt / I Morgenblatt fm
2.hnU»5, n38 üne- t.70 °00’ sonntags allein über 95 000. Durch- S1938ltüSber^7oeooo^eBrmSatUS^aben -Und IL Morgenblatt im Oktober lad® Uber 70 000, sonntags allein über 05 000. Zur Zeit Ist Preisliste Nr. 10 gültig.
dem Weinen nahe ist, den Koffer für den ungetreuen Papa packt: mit „na warte!" alles wild hineinstopft und schließlich mit beiden Füßen darin herumtrampelt. Der Beifall war groß. Die von Ida Wüst mitgebrachte Spieltruppe — es sei erlaubt, dies summarisch zu bemerken — tat je nach Kräften das Ihre, manche leere Szene mit etwas Munterkeit auszufüllen,
Dietrich Dibelius.
Iie Vesper.
. In der Frankfurter Katharinen-Kirche an der Hauptwache ist seit einigen Jahren allwöchentlich, wenige Wochen Pause abgerechnet, am Samstagabend um 6'/« Uhr. eine kirchenmusikalische Feierstunde, jm Sommer als Orgelstunde, im Winter als reicher ausgestattete „Vesper". Der liturgische Begriff weist auf den Zusammenhang mit dem Kirchenjahr hin, sowie auf die Bindung an den Bezirk der eigentlichen Kirchenmusik, dessen Grenzen nur selten in der Richtung auf den weiteren Bezirk der „geistlichen" Musik überschritten werden. Jm übrigen ist das Programm aber rein musikalisch, ohne Lesung, Predigt ober Gemeinde-Choral, und die Vesper wird denn auch von Hörern, die nicht den evangelischen Gemeinden der Stadt angehören, gern besucht. Sie gehört zu den Institutionen Frankfurts, man hat sich an sie gewöhnt, rechnet mit ihr und möchte sie nicht mehr missen, auch wenn sie, die von wechselnden Organisten, Chören und Solisten besorgt wird, nicht regelmäßig und zuverlässig die Qualität etwa der Leipziger ,,Motette" erreicht.
Wir erinnern an die verdienstvolle Einrichtung, weil die Vesper »um ersten Advents-Sonntag, zu Beginn des Kirchenjahres, eine erwünschte Gelegenheit dazu bietet, vor allem aber, weil diese Pesper für das kommende Halbjahr besonders bezeichnend zu sein scheint. Etwa die Hälfte der in diesem Winter zur Aufführung vorgesehenen Werke ist z e i t g e n ö s s i s ch e Musik, im Gegensatz »um vorigen Jahr, da Bach und die vorbachische Musik stark überwogen. Es mag gewagt erscheinen, Zuhörern, bei denen man nicht immer ein spezifisches musikalisches Interesse voraussetzen kann, die nicht immer leicht eingängige und oft auch noch nicht ausgereifte' Musik der Zeitgenossen anzubieten, doch da die junge Kirchenmusik so ober so durch diese Zone der Gefährdung hindurch muß, darf man eS als einen besonderen Gewinn nehmen, daß hier, vor dem Gebrauch im Gottesdienst, ein Raum der Erprobung zur Verfügung steht. In der Vesper zum Ersten Advent wurden solchermaßen Werke einiger bereits sehr bewährter Komponisten „erprobt": eine Introitus-Motette „Der Herr ist König" für dreistimmig gemischten a cappella-®fjor von Micheelsen, die im Gegensatz zu der vierstimmigen Motette „Machet die Tore weit" von Kurt Thomas sich um eine strenge liturgische Haltung bemüht, drei reizvolle Liedsätze aus dem „Spandauer Liederbuch" Ernst Peppings und zwei Orgelkompositionen aus dem „Choralwerk" von Johann Nepomuk David, die durch einen spielerischen Einschlag gekennzeichnet sind. Aufgeführt wuroen die Werke von dem Organisten Bernhard Dreier und von der „Kantorei" unter Leitung von Carl R. Müller, welche M8 unmittelbares Organ des im übrigen alle Gemeinden zusammen-
-■
schließenden „Amtes für Kirchenmusik" die Hauptlast der „Katharinen-Vesper" zu tragen hat.
Die Katharinen-Kirche steht an der verkehrsreichsten Stelle Frankfurts. Dem Platz nicht abgewandt, den sie bilden hilft und dem sie das Kennzeichen gibt, ihren Turm, geht sie doch nicht in ihm auf; ihr großes hohes Schiff, schmucklos außen, lebt sein eigenes Leben. Dieser dämmernde Raum, eine nüchterne Halle, die aber durch die bemalten Holzgalerien, durch den dunklen Altar, die Epitaphe der Südwand und die goldenen Kronleuchter Atmosphäre gewinnt, nimmt gerade an der verkehrsreichsten, lautesten Stunde der Woche empfängliche Großstädter zu einer Feier auf, die eine Stunde der Musik ist, darum aber nicht weniger als eine Stunde der Sammlung und der Stärkung gelten kann.
Walter Dirks.
Beim Anblick des Neandertalers von Rom wird man sofort an den Gibraltar-Schädel erinnert. Wenn dieser aber bisher der kleinste Neandertaler-Schädel war, den wir besitzen, bann wird er hinsichtlich seiner Größe noch von dem Saccopastore-Schädel unterboten. Dessen größte Länge beträgt nur 181 Millimeter, während sonst die Neandertaler recht große und klobige Köpfe aufweisen, deren Schädelbänge meistens 200 Millimeter übersteigt. Der erste Fund von Saccopastore ist noch kleiner als der berühmte Affenmensch „Pithecanthropus erectus“ von Java. Es hätte demnach für den Entdecker und Bearbeiter die Versuchung bestanden, auch den Saccopastore-Schädel als einen Affenmenschen zu erklären. Aber die ganze Form ist durchaus die eines Neandertaler-Schädels, wenn auch in sehr urtümlicher Ausprägung. Es ist der ganze Oberschädel erhalten einschließlich des Gesichtes; nur der Unterkiefer
%e.nJnrc"toen -’AMtanthropus“. Trotzdem sind die uritalienischen Schädel im ganzen genommen höher organisiert.
i-ban könnte natürlich auf den Gedanken kommen, daß bereits in der Neandertaler-Zeit, also vor 100-200 000 Jahren, die Mittel- meerbeöolferung kleiner und zierlicher gewesen sei als die Mitteleuropas. Darüber können uns aber vier Schädel noch keine Aus- kunft geben; in Palästina, wo wir ganze Neandertaler-Skelette haben, finden wir neben kleinen Frauen auch große und schwere Manner^ jedenfalls ist es ausgeschlossen, in dieser Urmenschenzeit iqion Beziehungen zu heutigen besonderen Rassen zu erkennen, ~ el" ,8,e6ni§' das uns überall entgegentritt, wo wir Neandertaler-Menschen untersuchen.
Professor Dr. Hans Weinert, Kiel.
Armenschenfunde in Italien.
Naturwissenschaftlicher Bericht (71)
Auch Italien hat seit längerer Zeit seine Neandertaler-Urmenschen. Bereits im Jahre 1929 wurde bei Saccopastore in der Nähe Roms aus einem Kalksteinbruch ein menschlicher Schädel herausgesprengt, der trotz dem ihm noch anhaftenden Gestein als Neandertaler kenntlich war. Zur Zeit der Auffindung ist die Tatsache wohl bekanntgegeben und auch gebührend gewürdigt worden; aber dann hat die Präparation und die vergleichend-wissenschaftliche Bearbeitung den ganzen Fund wieder so weit in Vergessenheit geraten lassen, daß man bei einer Beschreibung von Urmenschen über den Saccopastore-Schädel nicht viel mehr als die Tatsache seines Vorhandenseins angeben konnte. Diese Untersuchung lag in den Händen Professor S. Sergis, des Direktors des Anthropologischen Instituts in Rom. Mehreren Fachleuten der verschiedensten Nationen ist bei Besuchen der italienische Neandertaler vorgeführt worden, und Professor Abbe Breuil aus Paris konnte sogar im Juli 1935 beim Besuch der Fundstätte gleich einen zweiten Schädel entdecken, der zur gleichen Form wie der erste gehört. Kürzlich war es auch mir vergönnt, unter der Leitung von Professor Sergi das neue römische Institut zu besichtigen und dabei vor allen Dingen auch die Neandertaler-Schädel zu studieren. Eine große zusammenfaffende Arbeit hat Sergi selbst in Vorbereitung. Man sieht jetzt schon, daß auch die römischen Funde wieder ihre besondere Bedeutung haben werden.
Es ist vielleicht wenig bekannt, daß der am frühesten ausgefundene Neandertaler-Schädel gar nicht das berühmte Schädeldach aus dem Neandertal bei Düsseldorf ist, nach dem die gesamte Urmenschheit ihren Namen bekommen hat. Schon 12 Jahre vorher (1848) wurde aus Gibraltar ein Schädel gefunden, den man später (als man wußte, was ein „Neandertaler" war) als „Neandertaler" erkannte. Auch aus Palästina sind Neandertaler bekannt. Es besteht aber ein sichtbarer Unterschied zwischen der' spanischen und der vorderasiatischen Urmenschheit, und zwar so, daß die Funde Ms Palästina eine höhere Entwicklung anzeigen. Es ist natürlich nicht ganz leicht, die zeitliche Gleichsetzung zu beweisen. Es könnte sehr wohl sein, daß wir in Palästina zeitlich eine jüngere Menschheitsform vor uns haben. 1
fehlt. Der starke Stirnwulst ist zerbrochen und zeigt mächtige Stirnhöhlen. Die Augenhöhlen sind groß und rund, und vor allen Dingen ist die Nasenöffnung rundlich und weit offen, wie wir es auch bei anderen Neandertalern kennen.
Von dem zweiten Fund ist nur die Schädelbasis mit Teilen des Gesichtes erhalten. Trotzdem sieht man aber, daß es ein größeres Individuum gewesen sein muß. So mag Sergi recht haben, wenn er den ersten Schädel für weiblich, den zweiten für männlich hält. Auch den Gibraltar-Schädel hat man wegen seiner Zierlichkeit für die lleberrefte einer Frau gehalten. Natürlich ist „zierlich" hier nur relativ zu verstehen. Trotzdem ist nicht alles urmenschlich, was uns der italienische Neandertaler zeigt. Er hat keine besonders vorstehende Schnauze, sondern ist orthognath wie die heutigen Europäer. Auch das Hinterhaupt ist trotz starken Nacken- muskelleisten gerundet — wieder ein Beweis, daß die gleiche Eigenschaft bei dem deutschen Schädelfund von Steinheim kein Anzeichen für eine besondere Ahnenschaft des heutigen Europäers sein muß. Wir lernen daraus, daß einzelne menschliche Merkmale, die wir bisher „modern" nannten, schon frühzeitig in der Menschheitsentwicklung auftreten, ohne daß damit die urmenschliche Natur der Gesamtform beeinträchtigt wird. Der zweite Schädel ist in allen erhaltenen Einzelheiten markanter und gröber, wenn er auch im ganzen dem ersten Fund und damit dem Schädel von Gibraltar gleicht. Bei ihm ist das Gebiß erhalten, der Kieferrand ist kaum vorgebaut. Der jetzt vorliegende Rest mußte erft mühsam aus dem ihm anhaftenden Gestein herauspräpariert und in einzelnen Teilen zusammengesetzt werden.
Die italienischen Urmenschen fügen sich ganz dem ein, was wir schon aus Spanien kannten — soweit das den bisher allein auf= gefundenen Schädel betrifft. Man braucht wohl nicht zu bezweifeln, daß am Körper und an den Gliedmaßenproportionen diese urtümliche Mittelmeerbevölkerungen gleichmäßig ausgebildet waren. Wenn wir erst so weit sind, daß wir die Schädelkurven mit anderen Funden vergleichen können, bann werden die italienischen Neandertaler einen vollkommenen Ucbergang von den Anthropussormen der Affenmenschenzeit zum Neandertaler-Urmensch bilden. Die reichhaltigen Funde der Affenmenschengruppe „Sinanthropus1- aus Peking würden in der absoluten Größe den Saccopastore-Schädel übertreffen; dasselbe gilt für den neuen
Schweizer Musik her Gegenwart.
. ?e' Frankfurter „Arbeitskreis für Neue Musik“ begann die Winterarbeit durch ein zusammen mit der „Schweizer Gesellschaft“ und ■dem Schweizer Konsulat veranstaltetes Konzert, in dem zwei ausgezeichnete Züricher Künstler, die Sängerin Alice Frey und der „ Professor VValter Frey, eine große Anzahl von Liedern ind Kiaviersätzen zeitgenössischer Schweizer Komponisten aufführ- ten, nachdem Dr. Willi Schuh, gleichfalls aus Zürich, in einem vortrag die Situation der Schweizer Musik kurz dargestellt und ihre wichtigsten Vertreter charakterisiert hatte. Man begegnete bekannten und unbekannten Namen, hörte Bedeutendes und weniger Bedeutendes, doch nichts Bedeutungsloses. Walter Schultheß war mit kräftigen, energiegeladenen Klavierstücken (op. 12) und sparsam gesetzten Liedern einfacher, vom Sprechgesang ausgehender Struktur vertreten. A on Ernest Ansermet, dem Dirigenten, lernte man sehr eindrucksvolle, delikate, intime Lied-Lyrik französischer Prägung nach Texten von Ramus kennen. Artur Honegger, der bedeutendste Repräsentant der „welschen" Richtung, steuerte ein fast raffiniert durchgeformtes Lied (Les Cloches) und ein Klavierstück bei, das eine „Hommage ä Ravel“ hieß und war. Mit einer an neueren deutschen Vorbildern orientierten Sonatine von Adolf Brunner ging das Programm wieder zu der anderen Richtung über als deren führender Musiker Othmar Scho eck nun mit dem reifsten und großartigsten Werke des Abends vertreten war. mit Liedern aus dem Zyklus „Wandsbecker Liederbuch“, eindrucksvollen, von starkem innerem Leben bewegten, doch höchst schlichten Liedern. Die polyphone, lineare deutsche Schule war wiederum in einem kräftig bewegten „Allegro" des bekannten Conrad Beck, in einer „Aria" von Walter Geiser, einem Präludium von Hans Schaeuble und einem langsamen („Consolation“) und einem schnellen Satz („Toccata ) von Schoeck zu erkennen. Der ausgedehnte Abend (es folgten noch Dialektlieder) langweilte niemand; die saubere Gesinnung, die starke Bewegtheit und Energie der meisten Kompositionen, der gute Geschmack, der alle auszeichnete, hinterließen einen höchst sympathischen Eindruck, den man auch dem klar und plastisch disponierenden Klavierspieler und der Sängerin zu danken hat, die schöne Mittel ebenso empfindungsvoll wie sauber und präzis einzusetzen wußte. Walter Dirks.
Von den Universitäten.
Ernannt: aoProf. Hch. Guthmann, Frankfurt, z. oProf. (Gynäk.), das.; Doz. Rich. K 1 e n a s t, Heidelberg, z. oProf." (dtsch. Philol.), das.; Doz. Günt. Haupt, Jena, z. oProf. (bürg, u Wirtsch.- Recht), das.; aoProf. Kl. Hilz, München, z. oProf. (Pharm.), das.; aoProf. Walt. Rehm, Gießen, z. oProf. (dtsch. Philol.), das.; aoProL Ad. Welte, Würzburg, z. oProf. (Geogr.), Halle: aoProf. Max Richter, Bonn, z. oProf. (GeoL, Paläont.), Clausthal; oProf. Max de Crims, Köln, z. oProf. (Psychiat.), Berlin; Doz. Wern. T. r a «.e ’L? 1 e n s 1 ’ Berlin’ z- oProf. (mittl. u. neur. Gesch.), Halle; Doz. Kl. Wetzler, Frankfurt, z. oProf. (an. Physiol.), das..

