möge der tschechischen Untertönung so deutlich von allen anderen Barockstädten unterschieden ist.
Von der Person des Mannes ist wenig überliefert. Es heißt, er habe eine besondere Vorliebe für Gespräche über Religion und Philosophie gehabt. Auf einem zeitgenössischen Stich sieht man einen schwerknochigen Kops mit stark vorgewölbtcm Gesicht. Eine fast gewalttätige Konzentration des Denkens spricht aus ihm. Es scheint jener technische Verstand darin abgezeichnet, der in so vielen Barockbildnissen mit einer heißen Vorliebe für denkcrische und konstruierende Spekulation verbunden ist. Carl Liniert.
Das plastische Kstr.
Ausstellung eines Münchner Bildhauers.
Im Graphischen Kabinett an der Briennerstraße in München sind Holzschnitzarbeiten zu sehen, die nicht mit Unrecht von mittelalterlichen kolorierten Holzschnitten umgeben werden. Was die mittelalterlichen Bildschnitte vom Splitternden und vom Spanigen, vom Ausblätterndcn und von sich selber Sprengenden des Holzes mittcilcn, das findet sich bei Karl Knappe in einem neuen Umgang mit dem Holz und mit einer neuen Sprache wieder. Auch die Unerschrockenheit, mit der frühe Holzschnitte koloriert wurden, ist ihm eigen, wenn er starke Farben in das Holz cindringcn läßt. Es ist seine Absicht, durch Wegnehmcn die verborgene Form zutage treten zu lassen. Doch ist seine Plastik insofern eine kämpferische und in manchen ihrer Wege wohl auch eine theoretische Plastik, als sie nicht nur formt, sondern auch über die Form selbst nachsinnt und zu neuen Formen bekehren möchte. Dabei warnt sie davor, zu viel Form in den Baumstämmen zu sehen, die der Bildhauer anschnitzt. Sie will nah beim Holz bleiben. Sie bringt in die Einsicht tief ein, daß im Holz selber die dem Holz gemäße Form steckt Durch das Abtragen der Masse entsteht die Höhlung, und was innerhalb der Höhlung plastisch sich wölbt, das bezieht einen guten Teil seiner plastischen Kraft aus der größeren Höhlung, in der es lebt. Tas Ohr mit seinen Muschelwänden und Stegen, seinen verschlungenen Trichtern und den sich eindrehen- ben Rändern ist die ursprüngliche Form, die entsteht, wenn sich das Schnitzmesser ins flache Holz hineinbohrt. Nicht das kokette, tänzelnde, züngelnde Ohr des Rokokos, sondern ein muskulöses, kräftiges, flammendes Ohr ist es, das als Urform in vielen Abwandlungen bei Knappe die Gestalt der Blumen und Madonnen, bei Mädchen und der Engel, der Felsklüste und der Haus- hö'cken annimmt. Manchmal ist ein Gesicht ganz realistisch. Aber sch in die Flügel können schwanken zwischen der Flügelgestalt, wcvenden Mänteln und seltsamen Ohrmuscheln. Sie sind eine allgemeine Darstellung des Brausens und Rauschens um den T- nschen, und von ihnen aus wird der Betrachter den Weg zu b : Formen sinben, die zwar nicht gegenstänblich faßbar sind, aber 01? gotische Orgelbekrönungen ober als barocke Dekorationen in’ einer neuen Sprache sprechen, die nichts anderes ist als ein Musi-
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Freitag, 1. September 1939
Abendblatt und Erstes Morgenblatt der Frankfurter Zeitung
Nummer 444 Seite 3
mai bereits gemeinsame llebcrzeugung beider Völker geworden ist. Wenn man dies auch anderswo begreifen und als endgültige Tatsache hinnehmen wollte, wäre cs leichter, an den Kern der Dinge heranzukommcn.
Mussolini in dem gegenwärtigen Spiel.
Ter „Meffaggero" gegen Darstellungen der französischen Preffe.
# Rom, 31. August. Der „Meffaggero" wendet sich gegen Darstellungen in der französischen Presse, die davon sprechen, daß man in dem gegenwärtigen „Spiel" Vertrauen in die Geschicklichkeit Mussolinis, noch in letzter Stunde zu der Erhaltung des Friedens beizutragen, haben könne. Tie Bemühungen Mussolinis in dieser Richtung, sagt das Blatt, seien kein Spiel, sondern die Grundlage der italienischen Politik seit jeher. „Die Haltung Italiens ist unverändert. Der Friede kann nur gerettet werden, wenn die Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages revidiert werden und wenn jene Gerechtigkeit verwirklicht wird, welche die Voraussetzung jedes Zusammenlebens der Völker ist. Man muß dem deutschen Volk Gerechtigkeit verschaffen, wenn man wirklich den Frieden will."
Diplomatische Iluterhaltunge» im Datikau.
# Rom, 31. August. Kardinalstaatssekretär Maglioni hat gestern in Castel Gandolfo eine lange Besprechung mit Papst Pius XII. gehabt. Nach seiner Rückkehr in den Vatikan empfing der Kardinalstaatssekretär den englischen Geschäftsträger beim Vatikan. Ebenso haben die Botschafter Frankreichs und Polens und die Geschäftsträger Italiens, Englands und Jugoslawiens mit ihm Besprechungen gehabt.
Der schweizerische Generalltabockef.
P Zürich, 31. August. Zum Gcneralstabschef der schweizerischen Armee hat der Bundesrat heute auf Antrag des neuen Generals Guisan den bisherigen Chef der Generalstabsabteilung im Militärdepartement, Oberstdivisionär Jakob Labhart, ernannt.
Das Pfund ohne Lenkung.
„Financial News" über die Währungsunsichcrheit.
lDrahimeldung u n 1 e t e $ Korrespondenten.)
□ Stockholm, 31. August. Das englische Finanzblatt „Financial News" schreibt, daß die kräftige Senkung des Pfundkurses nur „als vorübergehende Maßnahme" betrachtet werden könne. Sobald die Unsicherheit, die jetzt über England liege, beendet sei, werde England höchstwahrscheinlich die Kontrolle über das Pfund wieder aufnehmen. Es sei undenkbar, daß das Pfund „sich selbst und den Einflüssen von verschiedensten Seiten überlassen" bleibe. Das widerspräche den Prinzipien des englischen Valutastabilisierungssonds. Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, ein neues Kursverhältnis zwischen Dollar und Pfund scst- zusctzen, werde man aller Wahrscheinlichkeit nach versuchen, ein neues Kursniveau zu finden, das mit den dann herrschenden Kursen übereinftiinme. Sicherlich werde der neue Kurs für das Pfund unter dem früheren Niveau von 4,68 gegenüber dem Dollar zu liegen kommen, denn schon seit einiger Zeit habe man das Pfund als „überbewertet" angesehen.
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Gerade die Tatsache, daß das Londoner Finanzblatt seine Leser, was die weitere Entwicklung des Pfundes anlangt, für die Zukunft vertrösten muß, in der „die Unsicherheit über England beendet ist", zeigt, daß England, solange eine solche Unsicherheit besteht, nicht Herr des Pfundkurses ist. Das Blatt hält es für undenkbar, daß „das Pfund sich selbst und den Einflüssen von verschiedensten Seiten überlassen bleibt". Eben dies bestätigt die Auffassung, daß das Pfund im Augenblick tatsächlich sich selbst überlassen ist, daß die Einstellung der Pfundverteidigung also keine planvolle Maßnahme dar- stcllt, sondern, wie gestern in dem Leitartikel „Irrendes Pfund" gesagt wurde, einer Zwangslage entspringt. (Vergleiche auch Seite 3: „Der Pfundblock schmilzt.")
Wechselnde Stimmung in London.
(Drahtmeldungen unserer Korrespondenten.)
D Stockholm, 31. August. In London wechselt die Stimmung von Stunde zu Stunde zwischen schwacher Hoffnung und tiefer Depression. Tas Foreign Office beschränkt sich darauf, mitzuteilen, wie lang die Noten sind, die zwischen London und Berlin gewechselt werden.-Tie deutsche Note, über die das Kabinett gestern beraten hat, war 3'A Folioseiten lang.
In London wurde der Inhalt der deutschen Note wie auch der Inhalt der letzten englischen Note dem polnischen, dem französischen und dem amerikanischen Botschafter sowie den Vertretern der Dominien mitgeteilt. Die Regierung betont weiterhin, daß die Lage sich keineswegs gebessert habe. Die „Times" schreibt heute morgen, so lange der Noienwechsel zwischen Deutschland und England fortgesetzt werde, bestehe noch Aussicht, daß der Nervenkrieg sich nicht in einen Krieg des Todes und der Zerstörung verwandeln werde. Die Fragen, die es im Augenblick zu klären gäbe, seien nicht nur sehr komplizierter und delikatex Natur, sondern sie beträfen auch zwei ganz verschiedene Probleme, nämlich die Lösung des Konslikls zwischen Teutschland und Polen und die Frage eines allgemeinen Abkommens zwischen Deutschland und England. Bisher sei es kaum möglich gewesen, in der einen oder anderen Frage Einzelheiten vorzubringen, da die Atmosphäre, die für eine ruhige Diskussion nötig sei, vollständig fehle.
Der Ausschuß der Londoner Börse hat eine Erklärung veröffentlicht, wonach die Börse geschloffen werde, sobald die Regierung beschließt, die Räumung Londons vorzunehmen. Die Börse werde dann einige Tage geschloffen bleiben. Gestern wurde bekannt, daß die Börse nach Tagenham übergeführt werden solle, wo die großen englischen Filmateliers zur Verfügung gestellt würden. Tie Banken haben sich zum großen Teil in Schulen auf dem Lande einquartiert. Drei der großen Cftpbanken zogen nach Sandroyd in die Schule, die die beiden Brüder des Königs von Jugoslawien und die Söhne des Prinzregenten Paul besuchen.
Tie vier jugoslawischen Prinzen sind gestern unter dem Schutz der Herzogin von Kent aus Belgrad in London eingetroffen. Vorläufig müssen sie abwarten, wo und wann sich die Schule für sie öffnet.
Meinungsaustausch »wischen Daris und Landon.
StzL Paris, 31. August. Tie Mobilmachung Polens, die mit deutschen Truppenzusammenziehungen begründet wurde, hat der polnische Botschafter Lukasiewicz dem französischen Ministerpräsidenten Taladier am Mittwochvormittag zur Kenntnis gebracht. Die Note der britischen Regierung nach Berlin ist dem Quai d'Orsay nach der britischen Kabinettssitzung im Entwurf nütgeteilt worden. Nach einer Beratung mit dem Ministerpräsidenten Dala- bier und dem Außenminister Bonnet einigten sich dann Paris und London in einem Meinungsaustausch über den Wortlaut der Note, bevor sie, nach Berlin abging. Der französische Botschafter in London, Corbin, wurde vom Premierminister Chamberlain nach dessen Besuch beim König in Downing Street empfangen.
Die militärische Lage ist voin Ministerpräsidenten Daladier am Mittwochnachmittag mit dem Generalstabschef des Heeres, General Colson, besprochen worden. Darüber teilt der „Petit Parisien" mit: „Es ist noch nicht von der allgemeinen Mobilmachung die Rede gewesen. Immerhin könnte diese äußerste Maßnahme bald eintreten, wenn ..." In der Beurteilung der diplomatischen Lage zum mindesten kein Fortschritt, eher eine gewisse Versteifung zu verzeichnen zu [ein. Zu der Forderung Deutschlands auf Danzig und den Korridor bemerkt der Außenpolitiker des „Petit Parisien", dessen enge Verbindung mit dem Quai d'Orsay bekannt ist: „Das ist ein Diskussionsgegenstand, den England und Frankreich nicht einmal anschneiden könnten." Aehnftch kritisch äußert sich der sozialistische „Populaire". Immerhin geben die französischen Zeitungen zu: „Die zweite englische Rate schliesst ebenso wenig wie die erste die Tür zu einer vernünftigen Lösung."
Die Besprechungen in Loudon.
Landon, 31. August. (DNB.) In der Nacht zum Donnerestag batte Chamberlain eine neue Audienz beim englischen König im Buckinahampalast, Ferner empfing der Premierminister in Downing Street den Oppositionsführer Greenwood und den liberalen Oppositionsführer Sinclair, um sie über den letzten Stand der Verhandlungen 31t' unterrichten. Am Mittwoch hatte der amerikanische Botschafter Kennedy eine längere Besprechung im Außenamt.
Lord Lothian bei Roosevelt.
Washington, 31. August. (Europapreß.) Der neue englische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Lord Lothian, der erst am Dienstagabend in Washington eingetroffen war, suchte Präsident Roosevelt auf, um ihm sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Anschließend stattete Lord Lothian dem Staatssekretär Hüll einen Besuch ab.
Verhaftungen in Frankreich.
Br Brüssel, 31. August. Tie Gerichtsbehörden von Paris haben ein Verfahren gegen die kommunistischen Zellenleiter im Seine- Departement und gegen die Verteiler sowjetrussischer Flugschriften eingeleitet. Am Mittwochabend sind bereits dreißig Verhaftungen
und 150 Haussuchungen borgenommen worben, bei denen eine Menge Drucksachen beschlagnahmt wurde. Die Verstöße beziehen sich auf die Verteilung von Schriften ausländischer Herkunft, die Umgebung der Zensur und die Verösfentlichung von verbotenen Zeitungen. Zwei Kommunisten, welche eine hektographierte Ausgabe der verbotenen „Humanste" zu verteilen versucht hatten, wurden vom Schnellrichter zu drei Monaten Gefängnis und 50 Francs Strafe verurteilt. Auch in der Provinz sind zahlreiche Verhaftungen und Haussuchungen gegen Kommunisten vorgenommen worden.
Die Sahnverkindungen in und mit Belgien.
D Brüssel, 31. August. Im innerbelgischen Verkehr ist zwar eine Anzahl von Zügen ausgesallen, doch sind die Verbindungen im Lande nach wie vor ausreichend. Im internationalen Dienst mit Deutschland sind zwei direkte Züge nach Köln und zurück verblieben. Nach Frankreich und der Schweiz hat man alle Verbindungen beibehalten, mit Ausnahme des „Edelweiß" mit der Schweiz. Tie Zugverbindungen mit Holland sind bis auf weiteres eingestellt.
□ Stockholm, 31. August. Gestern wurden das letzte Mal Flugzeuge im Flugzeug Paris—Kopenhagen eingesetzt. Der Lustverkehr zwischen den beiden Hauptstädten ist nunmehr unterbrochen.
AUS ALLER WELT
Da» Salzburger Reich«1resse« der Chemiker verschoben.
Berlin, 31. August. (DNB.) Tas vom 18. bis zum 23. September in Salzburg geplante Reichstreffen der deutschen Chemiker ist, wie die Fachgruppe Chemie im NS-Bund deutscher Technik mitteilt, auf einen frühestmöglichen späteren Termin verschoben worden. Tie Teilnehmerkarten behalten ihre Gültigkeit.
Numerus clausus für die „Modederufe"?
0 Hannover, 31. August. Auf einer Reichstagung bet Haupl- geschäftssühter und bet Sachbearbeiter für Berufsausbildungsfragen der Industrie- und Handelskammern des Reiches wurden in Vorträgen und Aussprachen Fragen der Lehrlingsausbildung, der Berufs- und Fachschulen und der Nachwuchsauslese behandelt. Professor Tr. Friedrich, der Leiter bet Abteilung Be- tusserziehung unb -ertüchiigung der Reichswirtschastskainmer, stellte an den Anfang seiner Ausführungen die Forderung nach einer höheren Wirtschaftlichkeit des Betriebes und einer stärkeren Entwicklung der Persönlichkeit und wies dabei auch auf die Notwendigkeit einer gesunden Rationalisierung hin. Grundsätzlich sei zu beachten, daß es ebenso verkehrt sei, zu viel zu schulen wie zu wenig. Der grundlegende Unterschied zwischen der heutigen und der früheren Berufsausbildung bestehe darin, daß man sich in der Gegenwart nicht mehr mit den Jugendlichen, sondern auch mit den Erwachsenen beschäftige. Man dürfe nicht verkennen, daß das Berufsausbildungsgesetz die Leistungskrast unseres Volkes auf Generationen hinaus bestimmen werde. Professor Friedrich teilte noch mit, daß statistische Erhebungen über die Nachwuchslenkung von den Industrie- und Handelskammern in die Wege geleitet worden seien. Tic Kammern würden ferner in der Erkenntnis der großen Wichtigkeit einer Nachwuchsbebarfsermittlung den Landesarbcitsämtcrn ihren Bedarf angeben. — Oberregierungsrat Stets vorn Reichsarbeitsministerium führte aus, im Reichsdurch- schniit mache der Nachwuchs eines Jahres 2,7 Prozent der Gesamtzahl der erwachsenen Erwerbstätigen aus. Es erscheine notwendig, für die sogenannten Modeberufe einen Numerus clausus zu schaffen.
Die nordischen AuKenininilter beraten.
□ Stockholm, 31. August. Aus Oslo wird gemeldet, daß die vier nordischen Außenminister Erkko, Koht, Mundt unb Sanbier gestern sowohl am Vormittag wie am Nachmittag beraten Hütten. Abends sand ein Tiner statt, bei dem auch der norwegische Ministerpräsident und der Präsident des Storting anwesend waren. Ucbcr den Inhalt der Beratungen wird in Stockholm Stillschweigen gewahrt.
Nationale Regierung in Dänemark?
□ Stockholm, 31. August. Nachdem der dänische Ministerpräsident Staun in g zwei Tage lang wegen einer leichten Lebensmittelvergiftung das Bett hüten mußte, hat er gestern die Arbeit wieder aufgenommen. „Tagens Nyheter" berichtet, daß in der gestrigen dänischen Kabinettssitzung die Frage einer Erweiterung der Regierung unter Einbeziehung der Führer der Opposition erwogen worden sei.
Ein „Hoher Generalssak" in Spanien.
Burgos, 31. August. (DNB.) Durch ein Dekret des Caubill» ist ein „Hoher Generalstab" geschaffen worben, besten Hauptaufgabe die Zusammenfassung der wirtschaftlichen und militärischen Kräfte der Nation sein wird, um im Kriegsfälle die Unabhängigkeit des Landes zu sichern. Der „Hohe Generalstab" untersteht unmittelbar dem Generalissimus und Staatschef Franco, dem er Vorschläge für die Zusammenfassung aller nationalen Energien im Kriegsfälle sowie für die organische Zusammenarbeit zwischen Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe unterbreiten wirb. Chef der neuen Amtsstelle ist der General Vigon, der gleichzeitig Sekretär^ des Nationalen Verteidigungsrates ist. Ihm unterstehen ein Sekretariat und je eine Abteilung für militärische Angelegenheiten,- für die Wirtschaft und militärisches Jnformationswesen. Ange- schloffen ist ferner ein Informationsdienst über die Stärke von Wehrmacht und Wirtschaft fremder Mächte.
Eine spanische Zeitung gegen den französischen Kundfnnk.
Madrid, 31. August. (DNB.) Die Zeitung „Jnformaciones" beschäftigt sich eingehend mit den französischen Rundfunksendungen in spanischer Sprache. Man brauche nicht zu erwähnen, daß dieser „neue Radiokrieg" von den Demokratien, „den großen Meistern der Lüge und der Verhetzung" ausgehe. Die französischen Sender zitierten Artikel, der „New 9)ort Herold Tribüne", Wobei sie sich empört darüber, daß Teutschland Teile seines Reiebez für sich fordere. Tie amerikanische Zeitung unb die französischen Sender könnten sich diese Mühe sparen. Zu deutlich lebe in der spanischen Erinnerung der Raub der Philippinen und der Antillen durch die Vereinigten Staaten. Bei allen Spaniern rufe die geheuchelte amerikanische Empörung nur G r b i 11 e r n n g hervor. Unter 120 Millionen Menschen spanischer Sprache würden di« französischen Sender auf diese Weise keine Freunde finden. Ebenso lächerlich sei es, wenn die Zeitung „Figaro" sich über Deutschlands Pakt mit den „Feinden der Christenheit" entrüstet. Tie Zeitung erinnert an das französisch-russische Bündnis und an die französisch- britischen Bemühungen um eine Einkreisungsfront unter Einbeziehung Rußlands. Tie französische Zeitung erklimme den Gipfel des Zynismus, wenn sie glaube, mit dieser Agitation in Spanien wirklich etwas anderes als Entrüstung Hervorrufen zu können.
Italien und Aegypten.
□ Stockholm, 31. August. Tas Schwedische Telegraphenbüro meldet aus Kairo, daß der italienische Gesandte, Graf Mazzo l i n i, nach seiner Rückkehr aus Italien den ägyptischen Ministerpräsidenten aufsuchte und ihm eine Versicherung über bi» freundlichen Absichten Italiens gegenüber Aegypten abgegeben habe.
Dieselkraftstossabgabe nach Gewicht.
Berlin. 31. August. (DNB.) Wie schon seit einiger Zeit bereitliegenden Tankausweiskarten zum Bezug von Dieselkraftstoff sind ebenso wie die für den Bezug anderer Kraftstoffe auf die Men-genangabe in Litern abgestellt. Da die Abgabe von Dieselkraftstoffen zur Zeit noch nach Gewicht in Kilogramm erfolgt, verstehen sich die auf den Tankausweiskarten gemachten Mengenangaben ebenfalls, entgegen dem Aufdruck, in Kilogramm.
Heue Uerlsaftuugen und Mißhandlungen.
Ausschreitungen der Polizei in Lodr.
Schneidemühl, 31. August. (DNB.) Unter dem Vorwand, einer deutschen Terror- und Spionageorganisation in Lodz, Kattowitz unb Warschau auf die Spur gekommen zu sein, unternahmen Mittwoch polnische Polizeiorgane Haussuchungen in diesen Städten und verhasleten Hunderte von Volksdeutschen. Auch dieses Rial nahm die polnische Polizei die Haussuchungsbefehle zum Anlaß, um nicht nur willkürlich Verhaftungen durchzuführen, sondern auch . dlL>Pftrosfenen zu mißhandeln. Davon zeugten die Hilferufe und Schmerzensschreie, die weithin aus der Straße und in den anliegenden Häusern hörbar waren.
Von dem Ausmaß dieser Mißhandlungen mag die Tatsache Zeugnis ablegen, daß p 0 l n i s ch e Nachbarn und Passanten herbeieilten und die Polizei aufforderten, die Gefangenen doch in Ruhe zu lassen, da die Schreie nicht mehr zu ertragen seien. Sie wurden jedoch von der Polizei aufgefordert, sich zu entfernen und sich um ihre eigenen Sachen zu kümmern, nicht um das Schicksal von „deutschen Schweinen".
lieber den Verbleib der Verhafteten, die kurz daraus wie Verbrecher abgesührt wurden, konnten die Angehörigen nichts in Erfahrung bringen. Tie Wohnungen bet Verhafteten wurden aus- geplundert.
Unterminierte Indnftrieanlngen.
Kattowitz, 31. August. (DNB.) Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, sind von den polnischen Militärbehörden in Ostoberschlesien amtliche wichtigen Industrieanlagen dieses Gebietes unterminiert worden. Die für das Dernichtungswerk abgeordneten Sprengkommandos haben ihre Plätze bereits eingenommen und warten nur auf das Signal, um die Sprengungen vorzunehmen. Als erste sollen das bekannte Stickstoffwerk in Königshütte mit seinen Wasfer- haltungsmaschinen, das Oberschlesische Elektrizitätswerk in Königshütte, bas ben größten Teil Ostoberschlesiens mit Strom versorgt, und das Elektrizitätswerk in Lazisk, Kreis Pleß, in die Luft gesprengt werden. Ebenso sind bereits sämtliche Bergwerke sprengserttg gemacht. Hier sollen zuerst die elektrischen und dann die gesamten
Kurswagen weitergehen sollten. Besonders rücksichtslos benahmen sie sich gegenüber zahlreichen reichsdeutschen Flüchtlingen aus Bielitz-Biala, Kattowitz und Königshütte. Sie jagten sie über die nahegelegene Kohlenhalde auf die Straße Königshütte—Beuthen und erlaubten noch nicht einmal, daß die mit Koffern schwer Bepackten die Straßenbahn bis in unmittelbare Grenznähe benutzten.
Der Lebensmittel-Macher in Dolen.
3E Danzig, 31. August. Aus Warschau wird berichtet, baß im Lause bes gestrigen Tages allein 24 Kaufleute wegen Lebensmittelwuchers in das Konzentrationslager Bereza gebracht worden sind. Es wird betont, daß nur die allerschlimmsten Spekulanten- festgestellt werden konnten, daß das Konzentrationslager aber bereits überfüllt ist. Tie kleinen Wucherer kamen bisher mit Geldstrafen oavon.
Die Ausschreitungen in Gstoberschleste«.
Kattowitz, 31. August. (TNB.) . In Friedenshütte begeben die Aufständischenbanden immer neue Ausschreitungen. Sie nehmen „Haussuchungen" bei den Volksdeutschen Arbeiterfamilien vor, wobei sie die Männer Niederschlagen und die Mütter samt ihren Kindern mißhandeln. Was ihnen von dem bescheidenen Hausrat gefällt, lassen sie mitgehen, der Rest wird zerschlagen. Man hört im ganzen Ort das Johlen der Eindringlinge, das Klirren von Fensterscheiben und Geschirr, dazwischen die Schreie der deutschen Arbeiterfrauen und ihrer Kinder. Durch die Fenster fliegen Stühle unb Betten, die Kochherde werden umgewotfen. Besonders schlimm ging es der Mitarbeiterin des Hilfsvereins deutscher Frauen in Friedenshütte namens Len- tens. Nachdem die Polen sich in der Wohnung ausgetobt hatten, richtete ein Teil auf die Iran Pistolen, während andere sie vergewaltigten. Schließlich wurde die Frau mit Fäusten unb Stöcken mißhandelt.
Zwei Tote in Lods.
zieren mit den Formen, eine gefrorene Flucht von Klängen, ein genialisch gedichteter Essay übet das Plastische. Es ist eine Plastik, die das Körperliche überspringen möchte, um das Gedankliche unmittelbar zu fassen. Und das ist ihr Problem. Wenn man Gedanken anschaulich machen will, muß man sie in Körpern anschaulich machen. Meint man auch, es sei die größere Liebe, den flammenden Gedanken ohne die körperliche Bedingung zu lieben, so muß man erfahren, daß der unbedingte Gedanke seine Umgebung nufzehrt. Es ist merkwürdig, daß die absoluten Gedanken tödlich sind. Erträglich werden erst die relativierten Gedanken, die in den Körper gebundenen Gedanken. Und die Qual dieser furiosen Plastik ist es, daß sie nicht ruhen kann. Hohen Herzens bricht sie immer wieder zu den Grenzen auf, die der Mensch nicht überschreiten kann. Ernst Kammerer.
Förderanlagen gesprengt werden.
Ans dem Wagen gejagt.
Gleiwitz, 31. August. (DNB.) Wie die „Oberschlesische Volks- ’timme“ meldet, haben die Polen nach ihrem plötzlichen und heimlichen Abzug aus ihrer Grenzabfertigungsstelle im Beuthener Hauptbahnhof nun ebenso rechtswidrig ihren bisher einigermaßen normal durchgeführten Eisenbahnverkehr von und nach Beuthen in Königshütte (Chorzow) eingestellt. Mit Gewalt drängten polnische Eisenbahn- unb Polizeibeamte am Mittwochmittag aus dem sonst ist Beuthen um 12.50 Uhr eintreffenben internationalen Fern-O-Zug alle Fahrgäste, ganz gleich welcher Nationalität, aus den Wagen, die bestimmungsgemäß bis Berlin und Ostende als
Kattowitz, 31. August. (DNB.) Am Dienstag kam es in Lodz zu neuen Ausschreitungen. Polnische Gruppen bemolierien zahlreiche deutsche Geschäfte, darunter die Weinhandlung Steigert & Hoffmann, das Kolonialwarengeschäst Keller, die Konditorei Mittelstedt, die Papierhandlung Ruppert, die Fleischerei Teigert und zahlreiche andere Geschäfte der Volksdeutschen Lobzer Bürger. Tie Ausschreitungen konnten erfolgen, ohne daß die polnische Polizei, die dabcistand, etwas unternahm. Bei den Ausschreitungen selbst wurden die Volksdeutschen Karnowski und Galesch getöter, während mehrere andere schwer verwundet in das Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Nach den Exzessen sangen die polnischen Aufttändischenbanden, unter denen man stadtbekannte Verbrecher bemerkte, deutschseinbliche Lieder.
Elise Fink -f.
Im Alter von 76 Jahren Ist die besonders Im niederdeutschen Raum bekannte Dichterin Elise Fink in Delmenhorst gestorben. Die Dichterin hat In vielen Gedichten und Erzählungen die Schönheit der Wälder und der Heide ihrer Heimat geschildert, zum Teil in plattdeutscher Sprache. w
Säugetiere des Alttertiärs.
In einem Kalkbruch bei Gardelegen wurden vor kurzem bedeutsame erdgeschichtliche Funde gemacht. Man stieß auf eine mit Mergel, Sand und Ton gefüllte ' Spalte, in der dunkelgefärbte Zähne und Knochen vorkamen. Die vorn Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Halle unternommenen Grabungen ergaben, daß es sich um die älteste Säugetierfauua handelt, die bisher auf deutschem Boden geborgen werden konnte. Die Funde sind älter als die berühmten Säugetierfunde aus dem Geiseltal. Die Fauna gehört dem Paleozän an, das in Europa bisher nur aus der Nähe von Reims belegt ist. Sie enthält Raubtiere von bärenartigem Gebißtypus, Halbaffen, seltene Vorläufer der Huftiere, zahlreiche Reste von Vögeln und Krokodilen, Eidechsen und Molchen. Zusammenhängende Skelette sind nicht vorhanden, sondern nur Einzelteile. Das Alter dieser Reste wird auf mehrere Millionen Jahre geschätzt. W.
Erneuerungsarbciten an der Juditter-Kirche in Königsberg.
In Königsberg i. Pr. werden gegenwärtig Erneuerungsarbeiten an dem Turm der Juditterkirche unternommen. Die Kirche wurde unter der Schirmherrschaft des deutschen Ritterordens Ende des dreizehnten Jahrhunderts als Wallfahrtskirche erbaut, der Turm jedoch erst im Jahre 1577,
Schweizerische Kunst der Gegenwart.
Im Rahmen der Schweizerischen Landesausstellung wird bis Ende Oktober im Zürcher Kunsthaus schweizerische Kunst der Gegenwart gezeigt. 635 Werke lebender Schweizer Künstler aus den verschiedenen Landesgegenden bezeugen die Vielgestaltigkeit und den Ernst schweizerischen Kunstschaffens. H. G. P.
Detmolder Grabbe-Tage 1939.
In der Zeit vom 26. bis zum 29. Oktober sollen unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels in Detmold die Grabbe- Tage 1939 stattfinden. Als Mitwirkende wurden die Bühnen Hamburg. Münster und Bielefeld mit Aufführungen von Werken Grabbes und Lortzings verpflichtet.
Frauenmilchsammelstellen in Deutschland.
Um die Säuglingssterblichkeit auf ein Mindestmaß herab- zusetzcn, muß die Ernährung des Säuglings vor allem in der ersten Zeit so sachgemäß sein, daß seine Widerstandskraft gegen Ernährungsstörungen und Infektionskrankheiten erhöht wird. Als natürlich ist aber nur die Ernährung des Säuglings an der Mutterbrust zu bezeichnen. Um nun überschüssige Frauenmilch ernährungsbedürftigen Säuglingen zugute kommen zu lassen, entstand die erste Frauenmilch-Sammclstclle in Magdeburg und kurz darauf die zweite in Erfurt. Heute gibt cs dreizehn solcher Stellen in Erfurt, Berlin, Bochum, Bremen, Freiburg, Hamburg, Hannover, Insterburg, Magdeburg, Mainz, München, Pforzheim ünb Plauen. Vier weitere sind im Entstehen.
Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Mutter und Kind, die sich schon seit Jahren mit der Ueberwachung der bestehenden Fraucn- milch-Iammelstellen besaßt, hat Richtlinien ausgearbeitet mit den Vorbedingungen, die beachtet werden müssen, wenn der biologische Wert der gesammelten Frauenmilch erhalten werden soll. Das Rcichsministerium des Innern hat diesen Richlinien in einem Erlaß vom 23. Juni 1939 zugestimmt. Darin empfiehlt die Rcichs- arbeitsgemcinschaft die Errichtung von Fraucnmilch-Sammelstcllen in erster Linie in Großstädten, und zwar im Anschluß an Anstalten. Träger einer Frauenmilcki-Tammclstelle sollen sein: staatliche oder kommunale Behörden oder Anstalten, Gliederungen der NSDAP, insbesondere die NS-Volkswohlfahrt. Die Werbung soll erfassen: Standesämter, Entbindungsanstalten, Säuglingsberatungsstellen und Kinderkliniken, Krankenkaffen, die frei praktizierenden Aerzte und die Hebammen. Die zur Abgabe ihres Milchüberschusses bereite Frau ist vor ihrer Inanspruchnahme auf ihren Gesundheit?- und Ernährungszustand ärztlich zu untersuchen. Der Preis für di« von ihr gelieferte Milch beträgt zur Zeit zwei Mark bis 2.50 Mark für den Liter. Die von der Mutter gewonnene Milch wird zu festgesetzten Zeiten von einem Boten der Sammel- stclle abgcholt und sofort ttefgekühlt. Sie hat nach den in einer
besonderen Anweisung beschriebenen Methoden genau geprüft zu werden. Die Milch soll mit Ausnahme der von Kliniken angesor- dertcn Menge nur gegen Vorzeigen eines ärztlichen Rezeptes unter Angabe der Gründe in notwendigen Fällen ausgegeben werden. Der Verkaufspreis an Privatpersonen, für die ein Wohlfahrts- oder Sozialversichcrungstrüger die Kosten nicht übernimmt, beträgt zur Zeit mindestens fünf Reichsmark, jedoch nicht mehr als sechs Reichsmark für den Liter.
Wenn in diesen Tagen die
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Hauptschriftleiter: Dr. Rudolf Kircher. Berlin. Stellvertreter des Hauptsehrlftlelters: Dr. Erich Welter, Frankfurt a. M. Innere Politik: Rüdiger Robert Beer, Frankfurt a. M. Auswärtige Politik: Dr. Paul Sethe, Frankfurt a. M. Feuilleton: Dr. Maz von Brück. Frankfurt a. M. Handel' Otto Hoffmann, Frankfurt a. M. Sport: Herbert Sitterding, Frankfurt a. M Lokales und Allgemeines: Wilhelm Hollbach. Frankfurt a. M. Verantwortlicher Anzeigeniel ter Wilhelm Rode, Frankfurt a. M Druck und Verlag: Frankfurter Socletäts-Druckerel GmbH, Frankfurt a. M Anzeigen erscheinen In Reichsausgabe ' 1, Morgenblatt oder Reichsausgabe ' II Morgenblatt Durchschnittsauflace Reichsausgabe und Abendblatt ! I. Morgenblatt Im Juli 1939 über 70 000, sonntags einschiieBHch Sonntags- Woehenausgaiie allen über 95 000. Durchschnittsauflage Reich sausgabi und II. Morgenblatt Im Jul! 1939 über 70 000. sonntags einaohbeOlicb Sonniags- Wochenauscahe allein über 95 000 Zur Zeit ist n—’-Rsfe Xr ", t. . .,
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