Nummer 476 Leite 2

Montag-Morgenblatt der Frankfurter Zeitung

riesigen Lettern auf der ist der Ansicht, daß die Nervenkrieg fei, der die sie nun mit Deutschland

Abendblätter bringen die Neuigkeit in ersten Seite.Nya Tagligt Allehanda" russische Aktion ein neuer Schlag im Westmächte davon überzeugen solle, daß

Frieden schließen müßten. Das Blatt stellt fest, daß die Polen sowohl ihre eigenen materiellen Kräfte als auch die Fähigkeit der Wcstmächte, ihnen Hilfe zubringen, überschätzt hätten. Die Zei­tung widmet den größten Teil ihre? Kommentars der Frage, wie die vierte Teilung Polens aussehen werde und ob zwischen Deutsch-

Jn den späten Abendstunden des 16. September wurde, wie schon in einem Teil der letzten Ausgabe berichtet, von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt:

Warschau ist, wie mitgeteilt' wurde seit einigen Tagen von deutschen Truppen vollständig umzingelt. Tie deutsche' Armee steht unmittelbar vor den Toren der Stadt oder bereits in den War­schauer Vorstädten. Eine unverantwortliche polnische Truppenfüh­rung hat Warschau zum Kampfgebiet gemacht, indem sie die Stadt zur Verteidigung einrichtet und die gesamte Zivilbevölke­rung zum Franklireurkrieg aufgerufen hat.

Um nicht unnötige Zerstörungen in der Stabt anzurichten, Hal die deutsche Wehrmacht bisher untertaffen, die Stadt selbst unter Feuer zu nehmen. Im Gegenteil haben die umzingelnden deutschen Truppen mit einer Geduld ohnegleichen die Schießerei des polni­schen Militärs und der Franktireure aus der Stadt über sich er­gehen lassen. Diese Geduld ist nunmehr erschöpft. Tie deutsche Wehrmacht ist nicht weiter gewillt, diesen jedem Völkerrecht ins Gesicht schlagenden Zuständen zuzuschaucn, sondern ist nunmehr entschlossen, diesem militärisch gänzlich bedeutungslosen, aber gegen­über der polnischen Zivilbevölkerung verbrecherischen Treiben der Warschauer militärischen Machthaber ein Ende zu bereiten.

In dem Wunsche, ein Aeußerstes zu tun, um trotz dieser polnischen Verblendung Leib und Leben der Zivilbevölkerung in Warschau zu schonen, hat die deutsche Wehrmacht heute vormittag acht Uhr einen deutschen Offizier als Parlamentär nach Warschau entsandt, um die Stadt zur kampflosen Uebcrgabe auf- zufortzern und dadurch unabsehbares Blutvergießen zu verhindern. Ter deutsche Parlamentär ist um 8.30 Uhr beim Stabe eines polnischen Infanterieregiments cingetrofsen und verlangte, zum Kommandanten von Warschau geführt zu werden, um diesem eine schriftliche Aufforderung des kommandierenden deutschen Generals zu überbringen. Dieses Verlangen wurde von dem polnischen Kommandeur an den Kommandanten pon Warschau weiterge­leitet.

Nach anderthalbstündigem Warten erhielt der deutsche Parla­mentär die Antwort, daß sich der Warschauer Stadtkommandant weigere, ihn auch nur zu empfangen. Auch das Ver­langen des deutschen Offiziers, die schriftliche Botschaft dem War­schauer Stadtkommandanten auf irgend eine andere Weise zu übermitteln, hat dieser abgelehnt. Ta nach den bisherigen Kriegs­erfahrungen der Befehlshaber der deutschen Truppen vor Warschau annehmen mußte, daß die polnische Zivilbevölkerung von diesen Tatsachen keinerlei Kenntnis erhalten habe, sondern daß die herr­schende polnische Kaste, ohne mit der Wimper zu zucken, in ihrem Hochmut und in ihrer Verblendung für ihre egoistischen Ziele die gesamte Zivilbevölkerung Warschaus opfern werde, hat das Oberkommando der Wehrmacht wiederum in llebcreinftimmung mit ihrem Wunsch, Frauen und Kinder zu schonen, heute nach­mittag 15.10 Uhr durch mehrere Flugstaffeln der deutschen Luft­waffe Millionen von Flugblättern über Warschau ab- roerfen lassen.

ihre Ziele neben dem sich zäh schlagenden Heer die Zivilbevöl­kerung zu einem hinterhältigen Kamtzf aufgerufen hat und da die Polen in ihrer Verzweiflung ihren Unmut, der sich gegen die Regierung richten müßte, an den nationalen Volksgruppen auslassen, nicht nur der deutschen, sondern auch der ukrainischen, der weißrussischen und der litauischen, ist den anliegenden Großmächten die Pflicht gegeben, hier einzugreifen.

Die polnische Regierung befindet sich in einem Ort so nahe der rumänischen Grenze, daß kein Zweifel mehr darüber be­steht, wie sehr sie entschlossen ist, sich der Verantwortung für alles Vergangene und noch Kommende durch die Flucht auf neutrales Gebiet zu entziehen. Die in Aufruhr befindlichen Gebiete Polens sind daher herrenloses Land geworden.

Die übrigen Anliegerstaaten Sowjetrußlands an der Wcst- 8renze, die baltischen Staaten, Litauen und Rumänien scheinen, soweit man bisher sieht, diese Notwendigkeit anzuerkennen; aus Rumänien vor allem liegen bereits offizielle Stimmen vor, in_ denen festgestellt wird, daß das Eingreifen Sowjet­rußlands nicht als eine Bedrohung der eigenen Grenzen empfunden wird. Eine andere Haltung wäre in der Tat nicht einzusehen. Da sich die nächst Polen unmittelbar berührten' Staaten der Zwangsläufigkeit des polnischen Schicksals nicht verschließen, wäre ein anderes Verhalten der Mächte der übri­gen Welt schlechterdings unverständlich.

Uekerraschung im Ausland.

Stimme« ;um somjrtruflische« Einmarsch in pole«. (Drahtmeldungen unserer Korrespondenten.)

Stockholm.

Stockholm, 17. September. Tie öffentliche Meinung Schwe­dens hatte kaum Zeit, sich klarzumachen, welche grundlegende Um­wandlung der ostasiatischen Politik sich mit dem russisch-japanischen Abkommen vollzog, bevor die Nachricht vom russischen Einmarsch in Polen hier bekannt wurde. Heute morgen verzeichneteSvenska Tagbladet" noch die Tatsache des Abkommens Moskau-Tokio als einen großen außenpolitischen Erfolg Berlins, der bei den Westmäch­ten die größte Unruhe auslösen müßte. Auch die Meldung von einem Besuch des japanischen Generals Terauchi in Berlin, von dem die englischen Zeitungen behauptet hatten, er werde als Folge des deutsch-russischen Nichtangriffspaktes nicht stattfinden, wurde als Beweis für die Zielsicherheit der deutschen Politik angesehen. Nach diesen Vorbereitungen in den Morgenblättern wurde heute mittag 12.45 Uhr die Nachricht von dem russischen Einmarsch durch den Stockholmer Sender bekanntgemacht. Zum ersten Male seit der Verkündung des Kriegsausbruches hat die ruhige, klare Stimme des schwedischen Nachrichtenansagers deutliche Spu­ren von Erregung aufgewiesen. Die beiden Stockholmer

schwerer Artillerie in die Stadt hineinschießen laßen, sondern st; hat euch aufgefordcrt, in jeder Straße Barrikaden zu errieten und den deutschen Truppen heftigsten Widerstand zu leisten. Durch die Aufforderung, daß auch die Zivilbevölkerung mit ben Waffen in der Hand den deutschen Truppen Widerstand zu leisten hat und damit Franktireurkrieg führt, hat eure Regierung das Völkerrecht gebrochen. Da diesem Aufruf von einem Teil der Warschauer Bevölkerung Folge geleistet worden ist, wurde Warschan Kampfgebiet. Trotzdem wurden bisher gemäß dem Befehl dcz Führers nur Stadtteile von militärischer Bedeutung, wie Bahn, Höfe, Flugplätze, Kasernen und Turchmarschstraßen sowie Stadtteile mit militärischen Anlagen mit Bomben beworfen. Es wird nun. mehr folgende Aufforderung an den Militärbefehlshaber in Warschau gerichtet:

1. Die Stadt ist mit allen Teilen innerhalb zwölf Stunden den deutschen Truppen, welche Warschau umzingelt halten, zur kampflosen Besetzung zu übergeben.

2. Die polnischen Truppen in Warschau haben sich in bet gleichen Zeit den deutschen Militärbefehlshabern zu ergeben.

3. Falls der Aufforderung Folge geleistet wird, ist dem näch­sten deutschen militärischen Befehlshaber die Uebergabe anzu- jeigen.

4. Sollte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, s, hat die Zivilbevölkerung zwölf Stunden Zeit, das Stadtgebiet aus den Straßen nach Siedlce und nach Garwolin zu verlassen.

Nach Ablauf dieser zwölf Stunden wird in diesem Fall bas gesamte Stadtgebiet Warschau als Kampfgebiet mit allen sich daraus ergebenden Folgen behandelt. Die Zwölf. Stunden-Frist beginnt mit dem Abwurf dieses Flugblatts."

Nach dem Flugblattabwurf hat nun die Zivilbevölkerung die Möglichkeit, die Stadt unversehrt zu räumen. Diese Aufforderung gilt zugleich als letzte Warnung an den Militärbefehlshaber in Warschau. Sollte diese Warnung nicht befolgt werden, so trifft die derzeitigen Warschauer Machthaber die alleinige Verantwortung, für die bann unvermeidlichen Verluste und Zerstörungen."

Die Parlamentäre ans Marschau.

Tas deutsche Oberkommando funkt nach Warschau.

(Letzte Meldung.)

Von dem in deutschem Besitz befindlichen Sender Warschau I wurde Sonntagabend auf die Bitte um Annahme eines polnischen Parlamentärs nach Warschau in deutscher und polnischer Sprache die Antwort gefunkt.

Die Antwort besagt, daß das deutsche Oberkommando zum Empfang eines Parlamentärs für die Räumung Warschaus durch die Zivilbevölkerung und eines Parlamentärs des diplomatischen Korps für die Räumung durch diplomatische Personen und die ausländischen Kolonien bereit sei. Die Parlamentäre sollten sich in zwei .Kraftwagen, die mit beleuchteter weißer Flagge ansge- ftattet seien, 22 Uhr abends an der Straße von Praga nach Minik Mazowieeka an ben deutschen Vorpostenketten einfinden. Not­wendig sei, daß zweitausend Meter zur rechten und linken Seite der Straße auf polnischer Seite volle Waffenruhe herrsche; das. selbe werbe auf der beutschen Seite zugesichert.

Das Flugblatt

hat folgenden Wortlaut:

An die Bevölkerung von Warschau! Eure Regierung hat die Stadt zum Kriegsgebiet gemacht und des Charakters einer offenen Stadt entkleidet. Euere militärische Leitung hat nicht nur mit

werde und daß die augenblicklichen militärischen Maßnahmen nur dem Schutze der eigenen Sicherheit und dem der russischen Minder­heiten in Polen gelten sollen. Infolgedessen müsie Lettland, so meint man, sich als unbedingt neutraler Staat an dem deutsch­polnischen Konflikt ebenfalls unbeteiligt fühlen und müsse daher überzeugt sein, daß die Sowjetunion die passive Zuschauerrolle der baltischen Staaten respektieren werde.

Eine ähnliche Ansicht vertritt man in Kowno, wo die Nachricht von dem sowjetrussischcn Vormarsch noch einen größeren Eindruck als in Riga gemacht hat. Mit einem Schlage ist die Wilna-Frage wieder aktuell geworden, aber es ist wohl kaum anzunehmen, daß die litauische Regierung von sich aus Schritte unternehmen konnte, um in diesem Augenblick die alten Ansprüche auf Wilna geltend zu machen. Gerüchte, daß die litauische Volksgruppe im Wilna- gebiet beabsichtige, den Anschluß Wilnas an Litauen zu prokla­mieren, sind vorerst nicht nachzuprüfen. Man weiß hier bisher auch nicht, wie die polnische Armeeführung auf ben Einmarsch bet Sowjettruppen antworten wirb.

Ei« Kommentar von Reuter.

D Brüssel, 17. September. Der Diplomatische Korrespondent von Reuter schreibt, in ben amtlichen Londoner Kreisen sei man der Ansicht, daß die neue Lage, welche das Eindringen der Russen nach Polen geschaffen habe, mit großem Ernst geprüft werben müsse, bevor man ihre möglichen Konseguenzen unb Wirkungen auf die Zukunft Voraussagen könne. Es sei sicher, baß sich eine neue Last auf bie polnischen Streitkräfte herabsenke. Die Tatsache, baß die russische Aktion vorbereitet worben sei, sei schon in ben letzten

Äcnic-, 18. Lcptcmkvr 1339

Erinnerung an 1918.

Berlin, 17. September. «Die Verfolgungen, die die deutsche Bevölkerung in ben Westprovinzen Polens in stänbig sich ver- schärsenber Weise bucchgemacht hatte und bie schließlich mit den Anstoß zum Gegenschlag des Reiches gegeben haben," so schreibt die ".Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz",haben in ben polnischen Ostgebieten ihre ebenso traurige wie schmachvolle Pa­rallele gefunben. Die unmenschlichen Uebcrgriffc bet zurückfluten- ben geschlagenen polnischen Armee hat das Maß ber Leiben dieser viele Millionen zählenden Bevölkerungsteile vollgemacht. Heute früh hat Moskau den Beschluß gefaßt, diesem Treiben nicht weiter untätig zuzuschauen; die russische Armee hat bie Westgrenze, die ihr im Jahre. 1920 von ben Weltmächten aufgezwungen worden war, überschritten, um den Schutz der weißrufsischen und ukrainischen Völkergruppen zu übernehmen, kurzum, da Polen als geordneter Staat heute als nicht mehr existierend zu betrachten ist, der Entstehung eines Chaos in diesen Gebieten zuvorzukommen. Es muß in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, baß in B r e st - L i t o w s k niemals an die weißrussische unb ukrainische Bevölkerung bes ehemaligen Zarenreiches bie Zumutung gestellt worben war, unter polnisches Joch zu geraten. Ties ist erst von ben Staaten veranlaßt unb verantwortet worben, bie zu Kriegs- propaganbazwecken einmal bie Befreiung unb das Selbstbsstim- mungsrecht ber Völker auf ihre-Fahnen geschrieben hatten. Tcutsch- land, bas stets ein gutes Gebächtnis für berartige politische Vor­gänge besitzt, denkt auch in diesem Augenblick an jenen Tatbestand."

Nische Regierung auf einen Weg begeben hat, der Polen in seinen noch nicht von den deutschen Truppen besetzten Teilen! in die Anarchie geführt hat, da die polnische Regierung für e Ziele neben dem sich zäh fcblaoenhen 81- HihiftiphÄi.

Die Aufforderung zur Uebergade Warschaus

Gin Ultimatum mit zwölfstiindiger Frist.

land und Rußland ein polnischer Staat bestehen bleiben werde. Astonbladet" schreibt, daß sich Kräfte aus ber Schicksalskammer ber Geschichte losgelöst haben unb baß die Entwicklung sich nicht den Richtlinien fügt, die einige Kabinette festgesetzt hatten. Die zwei Wochen, die seit der Kriegserklärung ber Westmächte verflossen sind, haben schon verschiedene hoffnungsvolle Be­rechnungen umgeworfen, militärische Entwicklungen vollendet und unberechenbare Krastsaktoren ausgelöst". Das Blatt stellt fest, daß sich die russische Aktion zwar nur auf das polnische Gebiet beschränken könne, daß sie aber ebensogut viel weitgehen­dere Folgen haben könnte, da sich die Sowjetregierung nun gegen bie Westmächte gestellt habe.Die von Rußland beschlossene mili­tärische Kontrolle über Polens russische Gebiete", so schreibt bie Zeitung,ist zwar gewiß unter Anlehnung an bie neue Neutrali­tätsformel ausgeführt worben unb mit bem Hinweis barauf, baß bie Rechte der Minberheiten geschützt werden müssen, aber man müßte blind fein, wollte man nicht die Konturen einer neuen Machtgruppierung in Europa feststellen."Npa Daglight Allehanda" meldet bereits, wie die versckiedenen Hauptstädte Europas auf die Nachrichten reagierten. Ausführliche Berichte liegen aus London, Paris, Rom und Brüssel vor. Es wird gemeldet, daß die Nachricht deS russischen Entschlusses in London eine noch stärkere Wirkung ausgelöst habe, wie einst die Mitteilung vom deutsch-russischen Nichtangriffspakt. Kommentare dazu liegen noch nicht vor. Das JnformationsmiNisterium schweige Im Gespräch könne man Horen, daß die Westmächte nun auch in den Krieg mit Rußland eintreten müßten. Obwohl bie Zeitungen nur ben Einbruch ben biese neue Bombe bei ben Weltmächten hervorgerufen hat, miebergeben unb sich auch in ihren Kommentaren ficht mit ber Frage beschäftigen, welche Auswirkungen bie neue Lage für bie Frage Krieg ober Frieden haben könne, so sei boch in Gesprächen zu Horen, baß man sich nicht vorstellen kann, wie Englanb ben Krieg weiterführen will. Man glaube nicht, baß bie französischen Solbaten Lust haben werden, gegen ben Westwall anzustürmen, nachbem sie vom russischen Vormarsch gehört haben. Man sieht nicht nur bie eng­lischen Interessen in China aufs schärfste gefährbet, fonbern nun auch Jnbien durch einen etwaigen russischen Druck bedroht. Es wird sogar bie Frage aufgeworfen, ob bie Regierung Chamberlain diese neue schwere Nieberlage ihrer Politik überbauern könne.

Riga und Kanm».

WvS Riga, 17. September. Die Nachricht von ber lieber- reichung ber Sowjetnote an ben polnischen Botschafter in Moskau hat, soweit sie bisher in Riga bekannt geworden ist, großes Aus­sehen erregt. Man hatte hier fest daran geglaubt, daß die weit­gehenden Einberufungen in der Sowjetunion nur dem Schutz ber Sowjetgrenzen bienen würben, ünb ist baher völlig überrascht, zu hören, baß bie Sowjettruppen bereits in einer so breiten Front bie polnische Grenze überschritten haben. Obwohl eine Aeußerung von amtlicher Lettlänbischer Seite bisher nicht vorliegt, hört man in unterrichteten Kreisen, bie guten Beziehungen Lettlanbs zur Sowjetunion würden von ber Aktion ber Sowjetregierung in keiner Weise berührt. In ihrer Note habe bie Sowjetregierung aus­drücklich erklärt, daß sie ihren neutralen Standpunkt nicht verlassen

Zu dick aufgelrage«.

(Priöattelegramm derFrankfurter Zeitung".)

Berlin, 17. September. In den letzten Tagen hat eine Fülle von Meldungen, aus Paris und London von Havas und Reuter verbreitet, die Runde gemacht. In ihnen war davon die Rede, wieDeuts chland natürlich offene Städte inPolenbombardierte, wie Frauen und Kinder, oder auch Greise, von Flugzeugen mit Maschinengewehren beschossen wurden. Lublin, Chelm, Siedlce wurden von deutschen Fliegern angegriffen, dieHunderte von Opfern unter der Zivilbevölke­rung" anrichteten. Die deutschen Flugzeuge flogen in niedriger Höhe und haben mit Maschinengewehren geschossen. Havas weiß ganz genau, daß cs 80 Tote waren. In Lemberg wurde ein Kloster der Schwestern der Heiligen Elisabeth und ein Fran- ziskanerkloster bombardiert. In Krzemieniec wurden Personen ber britischen Botschaft im Kraftwagen, darunter natürlich auch Frauen und Kinder, von einem Flugzeug beschossen, das nur in 50 Meter Höhe flog. Anderswo sind die Leichen so zahl­reich, daß man sie in öffentlichen Gärten begraben muß.Le VingtiSme siecle übernimmt aus einer französischen Zeitung eine wirklich glaubwürdige Geschichte", wonach Schuschnigg er­st-offen worden sei, weil er sich geweigert hohe, einen Aufruf z unterzeichnen, in dem die Oesterreicher aufgcfordert werden fr lten, tapfer zu kämpfen. Radio Paris übernimmt von PAT, der amtlichen polnischen Telegraphenagentur: ... Kinderheime, rnette Städte, Rotes Kreuz, systematische Zerstörung jeder C'ebtung. Das sind die Stichworte aus Meldungen über Polen. I t bunter Abwechslung reihen sich Nachrichten an Nachrichten. C gend jemand wird irgend etwas (so hofft man) schon davon nr -üben. Es sind immer wieder diegleichenMethoden:

Tagen hinreichend deutlich gewesen.

Rumäniens Neutralität

Bukarest, 17. September. (DNB.) Wie der Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros" von maßgeblicher Seite ersähet, wird ber Einmarsch der russischen Truppen in Polen keine Reaktion in Rumänien auslösen. Rumänien sei zwar mit Polen durch einen Beistands- und Militärpakt verbunden; dex bei einem sowjetruffi- schen Angriff auf Polen in Kraft treten solle. Rumänien könne aber nach Kenntnisnahme der russischen Begründung aus dem unter voller Wahrung der russischen Neutralität erfolgten Einmarsch in Polen keinerlei Angriffshandlungen ableiten. Eine polnische Regierung bestehe de fgeto nicht mehr. Unter diesen Umstanden bleibe Rumänien bei der bisher verfolgten Politik ber strikten Neutralität.

Schiveirerische Erkenntnisse.

I» Zürich, 17. S eptember. Der Einmarsch ber sowjetrussischen Armee in bie ostpolnischen Gebiete wird von dem Berliner Korre­spondenten derNeuen Zürcher Zeitung" benutzt, um den Lesern des Blattes bewußt zu machen, wie sehr sie bisher durch die von dieser Zeitung selbst oft benutzten englischen Tendenzmeldungen über die wirkliche außenpolitische Lage frrcgeführt worden sind. Im Hinblick auf Rußland, fo führt der Berichterstatter aus, habe die englische Presse seit dem Frühjahr viel zu oft ihre Hoffnungen unb Spekulationen mit ber Wirklichkeit verwechselt, als baß ihre Aus­lassungen noch einen hohen Kurswert beanspruchen könnten. Ver­mutungen, baß es jetzt zu Kollisionen zwischen Deutschlanb'unb Rußlanb kommen könne, wären ber größte Trugschluß, vor bem man sich hüten müsse, wenn man sich ein richtiges Bilb von ber nächsten Ent­wicklung auf dem aufgewühlten Boben von Osteuropa machen wolle. Wer bie umwälzende Bedeutung des Paktes zwischen Berlin unb Moskau noch nicht ganz ersaßt habe, werde zum Umlernen ge­zwungen sein. Zu dieser nüchternen Feststellung kann man als täglicher Leser der schweizerischen Zeitungen nur sagen, daß manche Anzeichen darauf schließen lassen, daß der Kurswert der Londoner und Pariser Nachrichten feit vierzehn Tagen mindestens im gleichen Grade gefallen ist wie ber ber englischen Währung. Tie Infor­mationen bes englischen Reklameministeriums unb bet von ihm be­einflußten Nachrichtenquellen dürften freilich auch heute noch reichlich überbewertet sein.

Rom erinnert an Ke« Artikel derPrarvda"

# Rom, 17. September. Tie Erklärung des sowjetrussischen Außenkommissars Molotow wurde in Rom in den Mittagsstunden durch ben Rundfunk verbreitet. Schon nach bem Abschluß bes deutsch-russischen Nichtangrissspaktes habe man, so heißt es hier in politischen Kreisen, vermutet, daß die deutsch-russische Ver­ständigung auch eine Einigung über die Frage der Minderheiten eingeschloffen habe. Man weist auf ben Artikel betPrawda" hin, bet als Ursache bet Zersetzung des polnischen Staates seine starke Belastung mit Minderheiten, bie nicht zum polnischen Volkstum gehörten, genannt habe.

Man gibt genaue Zahlen an, inan spricht von50 Meter Höhe" und von80 Toten" und hofft durch derartige konkrete An­gaben eine Meldung, die man aus der eigenen Tasche gezogen hat, glaubwürdig zu machen. Man berichtet nicht selbst durch eigene Korrespondenten, die alles an Ort und Stelle selbst ge­sehen haben,man hört",man lieft",man übernimmt",man läßt sich berichten".

Das sind die Methoden, um selbst gedeckt zu sein, wenn sich nachher die Fragivürdigkeit eines Berichts sehr rasch er­weist. Man war es ja nicht selbst, man hat nur zitiert, man hat nur geschrieben, was man gehört hat, man braucht nicht selbst dafür einzustehen. Unb wer kann schon in diesen Tagen auch wirklich prüfen, ob PAT diese Meldung gegeben hat, wie Reuter, so hört man im Radio Paris, berichtet. Man bestellt sich eine Meldung in Warschau (das ist der andere Weg), gibt sie in London aus und läßt sie in Pariser Zeitungen ab­drucken. Wer will beweisen, wer der Urheber einer falschen Nachricht ist? Das alles ist schön und gut von Herrn Mac- Millan ausgedacht, und die Leser werden für dieseIn­formationen" seinesJnformationsministeriums" sicher dank­bar sein. Sie wären es jedenfalls, wenn er nicht z u viel des Guten täte. Man weiß ja, wer etwas Unwahres sagt, muß es oft wiederholen und sich auf viele Zeugen stützen. Tann darf er hoffen, daß man sie vielleicht am Ende doch noch glaubt...

Brüssel, 17. September. (Huropapreß.) Das belgische Jnfor- mationöminiftcrium. teilt mit, daß sich die Regierung genötigt gesehen habe, wegen der wachsenden Treibminengesahr an der belgischen Küste einen besonderen Pattouilledienst einzurichten, ber bie einzige Ausgabe hat, nach Treibminen Ausschau zu halten. Dieser Pattcuiillenbienst wirb auf bas engste mit den Truppen zusammenarbeiten, die jetzt an der belgischen Küste stationiert sind.

AUS DEM

Neue Einkerufungen in Keigie«.

D' Brüssel, 17. September. Tas belgische Kriegsministerium teilt mit, baß noch einige Einberufungen verfügt worben sind. Tiefe beträfen ausschließlich Pioniertruppen und Hilfs­truppen, und sie seien verfügt worden, damit gewisse Arbeiten aus­geführt werben könnten.

General Kalter i« Rumänien interniert.

Bukarest, 17. September. (DNB.) Der nach Rumänien ge­flüchtete polnische General Haller würbe hier interniert.

*

Joses Haller stammt aus einer ursprünglich deutschen Familie Galiziens unb hat im österreichischen Heer gebient. Nach seiner Entlassung war er in ber polnischen Bewegung sehr aktiv tätig. Bei Kriegsausbruch stellte er sich der polnischen Legion zur Verfügung. Im Februar 1918 ging er jedoch auf die russische Seite über und übernahm dort bas Kommanbo über polnische Truppenteile. Später floh er auf llmtocgcn nach Paris unb stellte eine polnische Emigrantenarmee auf, bie Deutschlanb im Jahre 1919 nach Polen durchfahren lassen mußte, von wo aus sie dann in die oberschlesischen Aufstände eingriff. Haller nahm in ber polnischen Armee einen Aufstieg bis zum Generalmspekteur ber Artillerie, ber aber nach ber Machtergreifung Pilsubskis abbrach. Jahrelang hatte vorher ber Streit zwischen den Anhängern dieser beiden Männer bie polnische Armee zerrissen. Haller, der es in der österreichischen Armee bis zum Hauptmann gebracht hatte, fühlte sich dem Autodidakten Pilsudski und seinen Legionsoffizieren turmhoch überlegen. Dieser persönliche Gegensatz vergiftete auch die poli­tischen Meinungsverschiedenheiten. Haller hatte sich neben den Legions-und Schützenverbänden Pilsubskis eine eigene Orga­nisation seiner einstigen Armee erhalten, aus deren Tagungen er wütend deutschfeindliche Reden zu halten pflegte. So hat er auch zu ben schärfsten Gegnern der von Pilsudski angebahn­ten Verständigung mit dem Reiche gehört. Seine Internierung in Rumänien setzt ben Schlußpunkt unter eine völlig ge­scheiterte Laufbahn.

Flugverbindung Sriissel-Amsterdam.

D Brüffel, 17. September. Zwischen ber niederländischen und ber belgischen Regierung ist eine Vereinbarung zustanbe gekom-

Polen verwendet Gelbkreuz»

Flagrante Verletzung internationaler Abmachungen.

Berlin, 17. September. (DNB.) Tas Oberkommando des Heeres teilt mit:

Beim Wegräumen einer Baumsperre auf der Jasiolka-Brücke in Iaslo am 8. September gegen 20 Uhr durch eine Pionier­kompanie kamen in bie Brücke eingelassene Gelbkreuzmincn zur Explosion. Zwei Pioniere starben kurz darauf an schweren Gelbkreuzvergiftungcn, der eine an Luftödem und an schweren Verbrennungen an Scrotum, der andere an Lungenödem. Zwölf Soldaten liegen mit teilweise schweren Gelbkreuzschäden im Laza­rett in Jaslo. Davon ringt ein Pionier infolge schwerer Schä­digung der Atemwege mit dem Tode.

Eine Kommission, bestehend aus sachverständigen Offizieren, Aerzten und Chemikern, begab sich sofort im Flugzeug von Berlin nach Jaslo. Sie stellte auf Grund eingehender Untersuchungen einwandfrei die Verwendung von Gelbkreuz fest. Damit hat Polen das Gaskriegsabkommen vom 17. Juni 1925, das jede Verwendung von Kampfstoff verbietet, gebrochen."

Generalmajor Riittig gefallen.

Berlin, 17. September. (DNB.) Am 10. September vor­mittags fiel der Gencralinspekteur der Gendar­merie, Generalmajor der Ordnungspolizei Wilhelm R ö 11 i g 7 im besetzten Gebiet bei Tomaszow im Gefecht mit versprengten polnischen Truppen zusammen mit feinem Kraftfahrer. Die Beisetzung des in Krieg und Frieden bewährten Offiziers erfolgte am Samstagvormittag im Krematorium Berlin-Wilmersdorf unter allen militärischen Ehren. Bei der Trauerfeier sprach in Anwesen- beit von Minister Dr. Frick und hohen Offizieren der Polizei und Wehrmacht neben Vertretern der Partei der Chef der Ordnungs­polizei, SS-Obergruppenführer General der Polizei D a l u e g e. Er gedachte seines alten bewährten Mitarbeiters, der auf entschei­dendem Posten, im Verbände bet Wehrmacht mit einer verant­wortungsvollen Aufgabe betraut, für Führer und Volk sein Leben gegeben habe.

AUSLAND

men, nach ber bie Luftverbindung zwischen Brüssel unb Amster­dam vom 20. September an wiederhergestellt wird, und zwar mit zwei Verbindungen täglich. Tie belgische Gesellschaft Sabona wird einen dieser beiden Tienste mit Abfahrt von Brüffel um 10.30 Uhr unb Abfahrt von Amsterdam auf der Rückfahrt um 15.45 Uhr versehen. Der Dienst der holländischen K. L. M. wird von Amsterdam um 8 Uhr abgehen, und die Rückfahrt von Brüffel sei um 16.15 Uhr ängcsctzt. Tauer des Fluges 65 Minuten. Die belgischen Flugzeuge haben in Amsterdam Anschluß nach Kopen­hagen, Malmö, Kristiansand und Oslo.

Spanische Kunstschäke werden von Frankreich zuriickgegeben.

Brüssel, 17. September. Eine Anzahl von Kunstwerken und Kultgegenständen, die zu einem großen Teil aus der Kathedrale von Barcelona stammen und während des Bürgerkrieges nach Kankreich gebracht worden waren, sind von den französischen Behörden in dem Grenzbahnhof Port-Bou an Spanien zurückgegeben worden. Tie Gegenstände füllten einen Sonderzug von sieben Wagen; unter ihnen befindet sich der Thron des Königs von Aragonien und Sizilien.

Die Deutsche« i« Aegypten.

# Rom, 17. September. Nach einer Meldung aus Kairo hat der ägvptische Innenminister die seit dem Abbruch der diplomati­schen Beziehungen mit Deutschland internierten Deutschen bis auf 32 wieder frcigelassen. Als Grund für diese Maßnahme wird von der ägnptischen Presse die besondere Ruhe in ber ägyptischen Öffentlichkeit bezeichnet, bie fast vergessen lasse, baß in Europa Krieg herrsche.

Da« Wrack derSgual««" wird ««tersucht.

Mailand, 17. September. (Eiiropapreß.) Das Wrack bes Tauch­bootesSgualus" ist, wie bie Blätter aus New Jork melben, in eine Werft eingebracht worden, wo eine besondere Kommission die Ursache, des Unterganges feststellen soll. Die ersten fünfund­zwanzig Leichen wurden in der vergangenen Nacht geborgen, konnten aber noch nicht identifiziert werden. Die Bergung der weiteren. Leichen aus dem Innern des Wracks wird fortgesetzt. Fm Torpedoraum wurden einige Leichen um die Treppe festge­stellt, bie zum Ausgang führt.

Vorsorgliche Verteilung von Felrerrsmittelkorten in Kelgren.

F Brüssel, 17. September. Wie das belgische Informations- Ministerium mittcilt, habe bie belgische Regierung seit einigen Monaten beschlossen, Lebensmittelkarten ber Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Diese Karten mürben augenblicklich an alle Gcmeinbeverwaltungen geschickt. Die Regierung habe keineswegs bie Absicht, bic Lebensmittelrationierung zu beschließen, aber sie wolle gerüstet sein, um sofort auf alles reagieren zu können, was eine normale Verteilung ber Lebensmittel gefährben könnte. Alle belgischen Bürger würben eine Lebensmittelkarte unb Marken erhalten, auf benen bie Nummern ber verschiebenen rationierten Erzeugnisse verzeichnet seien. Auch bie Auslänber würden eine solche Karte erhalten.

Im Falle der Rationierung könne man in allen Geschäften unb in,allen ©emeinben Belgiens mit biefer Karte feine Einkäufe machen. In einigen Wochen würben bie Lebensmittelkarten an die Bevölkerung ausgegeben werden. Tas bedeute keineswegs, daß damit auch schon die Rationierung eingeführt sei. Augenblicklich sei die normale Versorgung des Landes gesichert. Wenn während einiger Tage gewisse Erzeugnisse wie Seife oder Salz nicht in ge­nügender Menge zum Verkauf gestellt worden seien, so müffe man bie Ursache nur in ber Störung ber Transporte erblicken. Es han- bele sich barum, bie Ruhe zu bewahren unb nur vernünftige Käufe wie in normalen Zeiten zu machen. Die Bevölkerung müffe der vernunftwidrigen Versuchung widerstehen, Waren zu Hamstern. Wenn sie ihre Ruhe bewahre, könne bie Lebensmittelkarte noch lange Zeit unbenutzt bleiben.

----- ---------»-

Hauptschriftleiter: Dr. Rudolf Kircher. Berlin. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Erich Welter, Frankfurt a. M. Innere Politik: Rüdiger Robert Beer. Frankfurt a. M. Auswärtige Politik: Dr. Paul Sethe, Frankfurt a. M. Feuilleton: Dr. Max von Brück. Frankfurt a. M- Handel: Otto Hoffmann. Frankfurt a. M. Sport: Herbert Sitterding, Frankfurt a. M. Lokales und Allgemeines: Wilhelm Hollbach. Frank­furt a. M. Verantwortlicher Anzeigenleiter: Wilhelm Rode. Frank­furt a. M. Druck und Verlag: Frankfurter Socletäts-Druckerei GmbH, Frankfurt a. M. Anzeigen erscheinen in Reichsausgabe / I. Morgen­blatt oder Reichsausgabe / II. Morgenblatt. Zur Zeit Ist Preisliste

Nr. 10 gültig.