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Nvendvratt der Krä»E«rrer Settrmq
Die Merdrküttng dsr kommMiskenbetrogMg. Die Herstellung der Ordnung Berlin. 1 April.(2Mff.) Auf Anordnung des Reichskab:- nctts begab sich-in« Konnnisfloii ans Beamten des Reichs^ unnisteriimis des Innern, des Reichswehrmintsterium^ und, dev preußischen Ministeriums des Innern in das m i i i ci d cuiI che Aufruhr gebiet, um sich an Ort und'»teile von den Ergeo- uilfen der Polizeiaktion zu überzeugen. Ueber ihre Emorucke wurde in einer gemeinsamen Sitzung ves Rerchskeolnrtts und dev
ausgeliefert werde, dann sie ihn in PrivatbeKandlung, g< könnten. Die V-rsammlunz beschloß, sosari in Aktion
drülkung der Bewegung getrosten sind, können als völlig zwcch müßig bezeichnet werden. Sie wurden ,v ichncll und ttajttg durchgeführt, wie die Schwierigkeit der Ausgabe dies zuließ, wouß der Einsatz von Reichswehr außer den der Polizei beigegcbenen Batterien im Ausstandsgebiel weder erforderlich war, noch.^wenn keine Rückschläge erfolgen, fernerhin erforderlich wird. L>ur Säuberung des Gebiets von versprengten Bande», zur Verhinderung »euer Zufammenrottungen und zur Feststellung und Festnahme der Schuldigen werden noch eine Reihe Maßnahmen erforderlich fern, die der Raiur nach am besten durch die Polizei gelost werden. Tie Polizei wird daher vorerst noch im Ausruhrgeblel bleiben. An einzelnen Aufruhrherdeu außerhalb des von der Polizei befriedigen Gebiets wird nach Bedarf mil Reichswehr-ingcgnsten, so gcgcn- würlia in L i e b e n w e r d a. Zu diesem Zweck wird die B c r e i st e l l u n g des Militärs zunächst b e i b e h a l t e n. Die Bevölkerung des heimgesuchlen Gebiets kann dayer tritt^>cr.reuen auf die baldige völlige Wiederkehr ruhiger und sicherer Berhali- nilse rechnen.„,, c Berlin, 1. April. Die gestrige Morgenausgabe deö Berliner Blattes„Der Tag" wurde ivegen des Artikels„Was nun, Herr Severing?" beschlagnahmt Die Beschlagnahm« cifolgte aus Veranlaffnng des Staatskonmnffars für die öffentliche Sicherheit.,,„,.. Magdeburg, 81. März,(Wolfs.! Rach den um 7 Uhr abends von der Meldestelle beim Oücrprüsidium auSgegebcnen Rach- richten ist in Magdeburg sowie im Regierungsbezirk alles ruhig. I» einzelnen Ortschaften bei Aschers- leben fanden Kommunistenversaminlungen statt, in denen zugereiste Agitatoren auftraten. Diese wurden festgenominen. In Merseburg und im Regierungsbezirk Merseburg herrscht Ruhe. Das Gewerkichaftskartell in Merseburg forderte alle Arbeiter, die dem Gewcrkschafrskartcll angehören, auf, sofort die Arbeit anszunehmen. Eine Bande von ungefähr 150 Mann hat die Pustkasse sowohl in Naundorf wie in L ö b c j u n geraubt und die Telepbondrähte durchschnitten. Eine Aktion gegen diese Bande ist eingeleitet. In Liebenwerda hat sich die Lag« weiter verschärft. Es haben sich dort Aktionsausschüsse und rote Gerichte gebildet, welcke Urteile sprechen. Eine große Aktion gegen den ganzen Kreis Liebenwerda ist im Gange. Die Aktion im U n st r u t t a^l wird weilergesührt. Im K reife Schleusingen und in Suhl ist die Arbeit in allen Betrieben wieder ausgenommen worden. In Halle baben die Arbeiter der städtischen Werke dem gestrigen Aufruf des Gewerkschaftskartells Folge geleistet und die Arbeit wieder auf- genommen. Halle hat wieder Licht und Wasser. Der Eisenbahnbetrieb von Halle nach Thüringen ist ebenfalls wieder ausgenommen worden. c Berlin, 1. April. Wie die Blätter aus H a m b u r x melden, haben sich die Arbeiter der Vulkanwerst bereit erklärt, die Arbeit am Freitag wieder aufzunehmen und zlvar unter der von der Werftleitung gestellten Bedingung, daß von der W i e d e r e i n st e l l u n g solcher Arbeiter abgesehen lverden kann, die durch ihr Verhalten zu der Schließ u n g des Betriebes beigetragen haben. W München, i. April.(Priv.-Tel.) Die Münchener Gewerkschaften haben bei der Polizeidirektion gegen die in den letzten Tagen erfolgten Verhaftungen der Kommunist e n protestiert. Big gestern sei in München alles vollkommen ruhig und ein Generalstreik nicht zu befürchten gewesen, da die Arbeiterschaft der Parole der Gewerkschaften gegen de» Generalstreik Folge geleistet habe. Durch die ziel- und planlose Art, mit der die Verhaftungen vorgenommeu seien, habe sich jedoch die Situation geändert. In einem Teil der Arbeiterschaft sei die Stimmung zu Gunsten des Generalstreiks ungeschlagen. Tie Polizeidirektion berief sich gegenüber den Gewerkschaftsvertretern daraus, daß in geheimen Versammlungen der Münchener Kommunisten die Ausrufung des Generalstreiks, die Ausführung von Dhnamitatkntatrn und die Zerstörung von Eisenbahnknotenpunkten erörtert worden seien. Im übrigen sagie die Polizeioirekliou eine N a ch p r ü- fuiig der Verhaftungen zu und mahnte die Arbeiterschaft zur Ve- sonnenheit. Die Polizei!'.reklion gibt heute bekannt, daß sie kommunistische V e r s a m m l u n g e n, öffentlich« und geschlossene, auch ivenn sie unter auberer Flagge segelten, nicht mehr genehmige, da die Koniiimnisten in der gegenwärtigen Zeit von Moskau aus dirigiert würden, von wo aus auch die Aufforderung zum Generalstreik und zur Propaganda der Tat herstammten. Parteien, die mit solchen Mitteln arbeiteten, hätten nicht das verfassungsmäßige Recht der Versammlungsfreiheit. Gegen die Einsetzung von Sondergerichten. ch'- Berun, 1. April.(Priv.-Tel.) Der Ausschuß der G e- wrclschaftSko m missio it Berlin und Umgegend und das OriÄartÄ Groß-Berlin des Afa-Aundes erlassen gemeinsam einen Aufruf gegen die Einsetzung von S v n- Vorgerichten zur Aburteilung der mit der Aufruhrbewegung zusammenhängenden Straftaten. In dem Aufruf heißt es; Aus Anlaß der gegenwärtigen Bewegung hat der Reichspräsident mit« Verleugnung seiner proletarischen Vergangenheit und Grundsätze eine Verfügung zur Einsetzung von Sondergerichten erlassen. Die organisierte Arbeilnehmerschast hat sich zu allen Zeiten gegen alle Ausnahmegerichte gewendet. Darum erheben die Unterzeichneten auch jetzt den a l t er s ch ä r s st e n Protest gegen diese Aerfüx gung. Sie tun dies umsomehr, als sie wissen, daß diese Sondergerichte in ihrer Wirkung sich ausschließlich gegen die Arbeiinehmer- schast richten und nur dem Provokationswilttn der Reaktion dienen. Wir verlangen Aufhebung der Verfügung über die Sondergerichte und haben zu unseren zentralen Körperschaften, den Vorständen des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen Freien Angestelltenbnudes, das Vertrauen, daß sie gemeinsam mit den proletarischen Parteien alle zweckmäßigen Schritte unternehmen worden, um dem Rechtsempfinden der organisierten Gesamiarbeitnehmerschaft Geltung zu verschaffen. Der Ausruf richtet im Zusammenhang damit nach Prüfung aller wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse an die Arbeiter und Angestellten die Warnung, in dieser für das Proletariat so emsten Zeit sich nicht von dem Gefühl, sondern von dem kühl abwägenden Verstand leiten zu lassen. Deshalb sollten Arbeitnehmerschaft und Angestellte möglichste Kaltblütigkeit bewahren und allein den Weisungen i h r e r O r g a n i s at i o n e n folgen. Der„Vorwäris" hält es für verfehlt, wenn die Unter- ' Zeichner des Aufrufes gegen den Reichspräsidenten den Vorwurf erheben, er habe mit seiner Verfügung seine proletarische Vergangenheit und Grundsätze verleugnet. Solche Vorwürfe seien außer- - ordentlich billig, so billig, daß sie von den links stehenden Elementen mit der gleichen Bequemlichkeit«hoben werden können und auch tatsächlich erhoben werden. Die Gegnerschaft gegen Son- dergerichte würde sacht»! stärker sein, wenn sie auf persönliche Au- rempelungen, die den Bedürfnissen der parteipolitischen Konkurrenz entspringen, verzichtete.
geben , Zu treten, nachdem die Funktionäre den Zeitpunkt festgesetzt^ haben Tie Funklionäre werden heute vormittag zu diesem Beichluß Ltet- lnng nehmen. Die Versammlung nahm znm Teil einen stuimisch-n Verlauf. Don Parteifreunden Sylts wurde eine eingehende Schilderung der Vorgänge bei der Verwundung Sylts gegeben uno dabei daraus hingewiesen, daß Sylt beftrcltet, eilten Fluchtversuch unternommen oder seinen Begleiter geschlagen zu haben. Snti der bei voller Besinnung sei. gebe an, daß er ohne jeden Grund niedergeschossen und alsdann noch von mehreren Beamten durch Fußtritte mißhandelt worden sei. Ein Antrag auf Urabstimnnng wurde von‘'er Versammlung abgelehnt Die Arbeiterschaf! der städtischen Elektrizitätswerke, die auf dem Roden der freien Ge werkschaften steht, wird von der sozialistischen Presse aufgeforden. den Beschlüssen der Funktionäre im Einverständnis mit der Ge- wcrkschaftskonmission Folge zu leisten. T-r Ausschuß der G e w e r k s ch a f t s k o m m i, s i o n Berlin mib Umgegend hat sich, wie der„Vorwärts" mitteilt, im Beisein von Vertretern des Ortskartells des Afabun- des mit dem Fall Sylt beschäftigt. Eine Klarstellung der Angelegenheit und eine Stellungnahme können erst erfolgen, wenn der Ausschuß die ihm zugebilligte Uniersuchungsmöglichkeit wahn genommen Hai. Dies soll im Laufe des heutigen Tages geschoben, ch- Berlin, 1. April,(Priv,-Tcl.) Dir gestrigen Verhandlungen dn-Stadtverordnetenversammlung der Stadtgemeinde Berlin standen unter dem beunruhigenden Eindruck de- Verwundung des K o m m u n i st e n S Y l t im Berliner Polizeiprästdii r Dreimal machten die Parteifreunde Sylts den Versuch, ihren scho.l früher gestellten Antrag auf Zurücknahme der Künd.gung des Betriebsrats Sylt zur Reratung zu bringen, und sie ergingen sich dabe: in den wüstesten Beschimpstmgen der Sicherheits- und Schutzpoli zei, die als Mordbrenner, Räuber und Mörder qualifiziert wurden Als sie um X-10 Uhr abends zum dritten Mal unterlagen, meinte ihr Wortführer Dörr, daß die ablehnende Mehrheit damit die Elek- irizitätsarbeiter direkt auf die Straße treibe.— Bürgermeister Ritter teilte mit, das- zur Deckung des durch das Dynamit- Alten- i a t an der Rönnestraße in Charlotienburg entstandenen Sachschadens von 5—600 000 Mark der Magistrat vorschußweise 300 000 Mark zur Verfügung gestellt hat. Der Uebersali von Eberbach. Die deutsche Regierung hat sich entschlossen, die beiden amerikanischen Krimtnatbsamlen Neaf und Zimmer, die durch den Versuch, zwei Deutjchumerikaner aus der badischen Amtsstadt Ederbach zu entsühren, sich des Vergehens der Amtsanmaßung, der Nötigung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig n,achten und deswegen von der Mosbacher Strajkammer am 22 März zu 15 bezw. 6 Monaten Gefängnis verurteilt ivurden, unter der VocauSjetzung weiteren Wohlverhattens jreizulassen. Wir haben seinerzeit unserer Meinung über die Hondlungsweiie der beiden Ainerikaner mit aller Deutlichkeit Ausdruck gegeben und gegen die Uebertragung eigentümlicher Wildwest-Methoden auf deutsches Gebiet entschiedenen Einspruch erhoben. Wir waren der Änsicht, daß selbst das formelle Fortbestehen des Kriegszustandes zwischen den beiden Ländern eine solche Rechtsverletzung nicht entschuldigen kann. Trotzdem möchten wir den Entschluß der deutschen Regierung als eine glückliche Lösung der leidigen Affäre bezeichnen. Die amerikanische Oest sentlichkeit ist durch den Zwischenfall ln eine gewisse Erregung geraten, die den Beziehungen der beiden Länder nicht förderlich war. Wenn auch die systematische Hetze der sogenannten„Amerikanischen Legion", eines ganz auf den Kult der französischen Freundschaft eingestellten Kriegsteilnehinerverbands nicht als die amerikanische communis opinio angesehen werden kann, so ivar doch unverkennbar, daß man in Amerika, auch in amt liehen Kreisen für das Schicksal'der der deutschen Justiz überlieferten Staatsangehörigen ein lebhaftes Interesse zeigte. Es war darum der deutschen Regierung nicht zu verdenken, daß sie, um zu verhüten, daß aus kleinen Ursachen möglicherweise große Wirkungen entstehen, sich zu einein Schritt entschlossen hat, der in Amerika sicherlich Verständnis finden wird.' Man darf wohl annehmen, daß dieser Akt der Höflichkeit jeden Mißton beseitigen wird, der im gegenwärtigen Augenblick, wo die Beziehungen der beiden aufeinander angewiesenen Länder vor ihrer Neuördnnng stehen, besonders schädlich wäre Auch das deutsche Rechtsbewußtsein kann gegen die Erledigung der Angelegenheit auf diesem Weg nichts einzuwenden haben. Dar Gericht hat ohne Rücksicht auf die Person geurteilt und gegen die Uebeltäter die verdiente Strafe verhängt. Damit ist zweifelS- srei klargestellt worden, wie man in Deutschland über die Sache denkt. Eine zweimonatige Unlersuchungshaft hat den Delinquenten wohl auch Gelegenheit gegeben, über ihre Unbelonnen- heit nachzudenken. Es darf bei dieser Gelegenheit auch daran erinnert werden, daß der Kommandant der amerikanischen Bc- jatzungStruppen. General Allen, sich seinerzeit durch den Obersten Stone bei der Reichsregiernng und badischen Regierung sofort entschuldigte und den Vorfall mißbilligte, womit gesagt war, daß der amerikanische Rechtsstanstpunkt mit dem deutschen sich in Uebereinstimmimg befindet. Am den Wiederaufbau Nordfcankreichs. ch Berlin, 1. April.(Priv.-Tel,) Kurz vor Ostern fand über die Wiederaufbaufrage eine Sachverständigenkonferenz statt. Wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, iinbet kommende» SamSiag eine Beratung der beteiligten Ministerien über dieselbe Frage statt. Es ist beabsichtigt, einen neuen Plan für den Wiederaufbau Nordfrankreichs auszuarbeiten, der dann einer neuen Sachverständigenkonferenz zur Begutachtung vorgelegt werden soll, PariS, 31. März.(Wolfs.) Im„Peuple" äußerte sich ein Teilnehmer an den damaligen Verhandlungen zwischen den deutschen und französischen Arbeitern in der Wiederaus- b a u.f rage zu den gestrigen Behauptungen des Ministers Louä'r'ur in drc französischen Kammer. Louchcur habe die Wahrheit geschminkt, die er vollkommen kenne. Alle Differenzen, über die zwischen den französischen und den deutschen Bau-- arbeiterorganisationen verhandelt worden sei, hätten sich nur aus die rechtliche Stellung bezogen, die man den Arbeitern von jenseits des Rheins Hatto geben sollen. Loucheur habe also b e- mußt die Wahrheit e n t st e l l t. Wie man auch die Wendung in der ReparationLsrage. beurteilen möge, die gestrige Debatte habe gezeigt, dasi der Plan der Arbeiter nicht erstickt werden könne. Paris, 1. April.(Wolfs.) In der heute erschienenen„Revue deux Mondes" erklärt Raimond Poincare, er habe verschiedene Male Gelegenhelt gehabt zu erklären, daß er es nicht für glücklich halte, die Beschäftigung von deutschen Arbeitern und die Verwendung von deutschen Rohmaterialien und Fabrikaten abzulehnen Aber es seien zwei Bedingungen notwendig: eine kluge Beschränkung und eine strenge^Kontrolle. Paris, 1. April.(Wolfs.) In der gestrigen Sitzung des Se- na's erklärte Minister Loucheur auf eine Anfrage der Senator^ Ribot über die deutschen Lieferungen von Material. Deutsch- •: b habe sich nicht geweigert auszuführen- Die vorgesehenen Fristen für die Holzlieserungen seien noch nicht ver- - Achen. Die Regierung halte ihr Verlangen ausrecht und werde im gegebenen Augenblick die Maßnahmen ins Auge fassen, die sie für notwendig halte.
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Der Fall Sytt. -ch- Berlin, 1. April.(Priv-Tel) Der Kommunistenführer 2 y l t, der gestern bei einem Fluchtversuch im Berliner Polizeipräsidium verwundet wurde, hat wiederholt als Obmann des Betriebsrats der städtischen Elektrizitätswerke als Führer einer radt- kalen Minderheit eine große Rolle gespielt, wenn cs galt, die Berliner Elektrizitäts-arbeitcr zum Streik aufzusordern. Zuletzt gelang 3 Sylt im Herbst vorigen Jahres, einen wilden Streik der Elek- .rizitätsarbeiter in Szene zu setzen, wobei die radikalisierte Ar- i ütirschaft auch vor Sabotageakten n.cht zurückschreckte. Sylt wurde .:syalb vom städtischen Dienst suspendiert, und in der Folge wurde vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer ausgeschlossen. Lieser Beschluß wurde jedoch später wieder rückgängig gemacht. Li« Frage seiner Wiedereinsetzung als Betriebsrat hat i i der Stadtverordnetenversammlung wiederholt zu Auseinandersetzungen geführt. W war zu erwarten, daß di« Verwundung Sylts der radikalen Minderheit der Berliner E l e k t r! z i t ä t s a r b e i t e r von ku« Gelegenheit geben würde, für ihre Streikabsichten zu wirken. Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke haben gestern abend in einer Versammlung bescatosse», in den. Auöstand zu treten. Die Mitteüunq von der Verhaftung des abgesetzr-n Betriebsrates Shit und seiner darauf eisolgien Verwundung im Polizeipräsidium bat diesen Beschluß der Arbeiterschaft entsche'dond beeinflußt. Es ist ; indessen bemerkenswert, daß von den etwa 3000 Eleltrizttätsarbei- fern Groß-B'WnS, die sämtlich zu der Versamn kung eingeladen waren, nur rrw« 40(1 erschienen, von dsüen sich 218 für den Streik und 87 gegen den Streik aussp^chpu. Mau darf deshalb erwarten, daß sich die übergroße Mhrheit der Arbeiterschaft de: städtischen Elektrizitätswerke einem Streikbeschluß der radikalen Minderheit diesmal nicht f ü g e n wird. Die Stimmung der Arbeiterschost ist, zumal da die Untersuchung über den Hergang der Verwundung Sylitt im PolizeijaLsidium erst eingeleitet ist, gegen einen Ausstand, als dessen Ziel die Kommunisten die Befreiung Sylts
bezeichnen. Die Konmmnistrn sollen verlangen, daß ihnen
Hamburg, 31 März.(Wolfs.) Die Hamburger Bürgerschaft nahm den vom Senat vorgelegten Vertrag mit der bteichsregicrung betr. den UebergangderElbeindenBe- s i tz d es Reiches an. Irankfurter Angelegenheiten. — In Gegenwehr getötet. Der wegen Ernrordung eines Gendarmen in Oberhessen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte 33jährige Arbeiter Richard Pott aus Vilbel war vor mehreren Wochen aus dem Zuchthaus Lichtenberg entsprungen und trieb sich seitdem in Oberhessen und Frankfurt herum. Seit einigen Tagen hielt sich Pott in einem Hause der Gimiheimerstraße auf, wo cr von zwei jungen Burschen versteckt gehalten wurde. Als heute vomrittag Beamte des Fahndungskommsssariats den Ausbrecher festnehmen wouten, verkroch er sich unter einem Hühnerboden und schoß auf die Beamten. Diese erwiderten das Feuer. Ein Schuß traf Pott ins Herz und tötete ihn. Sport. — Oxford Cambridge-Bootreniien. Man hatte von vornherein einen leichten Sieg von Cambridge erwartet, das die schwerere Mannschaft hatte. Dach hatte sich die Oxford-Manlischast, deren Training durch Krankheit«Niger Ruderer mehrfach einpfindtich gestört war, in den letzten Tagen erheblich gebessert. Es entspann sich voni Start bis zum Ziel ein spannendes Rennen über die ganze 6840 Meter lange Strecke P n t n e y— M o r t l a k c. Mchr- sach wechselte die Führung, bis es Cambridge in den letzten 300 Metern gelang, sich frei zu machen und, wie schon kurz gemeldet wurde, das Rennen mit einer Läng« zu gewinnen. Das Gesamt gewicht von Oxford-Malinschasi betrug 637 Kilo für die acht R-.derer und 56 Kilo für den Steuermann, von Cambridge 636:60. TaS Rennen fand stromaufwärts bei eintretendcr Flut statt. Die neuen Boote waren 191- Meter lang. Die Sitze der Ruderer waren nicht verschränkt, sondern in d«r Ax« des Bootes hintereinander angeordnet.
* Reiclisbaifk- Ausweis. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. März reinen die Anlateekonten nach»er beträchtlichen Anspannung in der Vorwoche die in tler dritten Monatswoche übliche entsprechen le hntiastung, unct zwar verminderte sieh die Kese tte Kapitaiunlajie um Marti 5553.6 Mil,, auf M 54 054.4 MdI. Auf die bankmäßige Deckung allein entfielen von dieser Abnahme-» 5547.» MilI. Auf der a’ern Seite sind die fremden Gelder weniger staru als die Ai’son gesunken, da sie nur um M 4871.9 Milk aul <ä 16 090 Mül. zurückKiuRen./ a papiernen Za unesmilteln (Banknoten und DarlehnskassenscheinsnMsl in i r Berichts- wocho trotz der Vorbereitunsen für die Vieri- jahrswende ein kleiner Rückfluß Tn M 38.6 Mill. einzetreten. während in der entsprechenden Zeit dos Jahres 1920 an solchen Geldzeichen ein erheblicher BelraR(M 1115.5 Mill.) und in der dritten Märzwoche 1919 Jl 178.5 Mill. neu in den Verkehr absfrömten. Der Banknotenumlauf sOor diesmal zwar auch um M 163.1 Mül. auf M’ 647.9 Mi.. daneRcn verminderte sich der l/mlauf an Darlebnskassenscheinen um M 201.7 Mill. auf_*Ä 10192.1 Mill. Bei den Darlehnskassen stieg die Summe der ausstehenden Darlehen um M 219.6 Mill. auf c* 33 024 Mill. Da der Reichsbank ein dieser Zunahme entsprechen’er BetraR an Darlehnskassenscheinen zuRcfiitirt wurde und ferner, wie erwähnt, M 201.7 Mill. an solchen Zahlungsmitteln aus dem Verkehr zurückflossen, sind die eigenen Bestände der Bank an Darlehenckassenscheinen auf H 23 811.4 Mill angcwachsen. mon eegen die(in.« Tausend) Vorwoche ÄUtcw'u. 1188.187+ 4.029 Metall bestand 1091.349— 0.014 dai-tiutor Gold Reichskassenseheine und Dai-lehenskassenscheine Noten anderer Banken•• Wechsel bestand, Schecks u. diskont. Schatzanwois. Lombard-Darlehen Lffektenbestand 1 Sonstige Aktiva I Passivo. Grundkapital , Resorvelonds 842 417 i Notenumlaul 96.125 i Depositen 87.176 j Sonstige Passiva Yon der Londoner City. Unser Londoner RK-Ker- respondent schreibt uns am 30. März:„Die llorab- s e t z u n r der Bänkrate von 7 auf wahrscheinlich O/i Prozent wird von unterrichteten Kreisen für den 7. April erwartet. Das Bedürfnis nach Krediten ist noch immer außerordentlich Rrofi- Selbst erstklassige Unternehmungen bemühen sich—- oft mit Schwierigkeiten— selbst um sehr kleine Beträge. Wegen der Unsicherheit des Wertes der Warenbestände sind die Kredithäuser bei vielen derartigen Anträgen in besonderer Verlegenheit. Die Geschäftswelt verspricht sich durch eine Herabsetzung der Bankrate eine ansehnliche Erleichterung, Ucker die eitentlichen Schwierigkeiten der Wirtschaftslage kann natürlich eine solche Maßregel nicht hinweghelfen. Sie kann sogar zu Selbsttäuschungen führen, weshalb sie nicht ausnahmslos gebilligt wird.- Die auffällige Verbesserung der italienischen Valuta, die in wenigen Tagen von 106 auf 95 und darunter ging, wird in der Cit.y damit erklärt, daß infolge des Preisrückgangs in Amerika die Rimessen für die sogenannte bread-subsitl.y neuerdings auf wesentlich geringere Beträge gestellt sein können. Auch wird gesagt, daß in der letzten Zeit die große Masse der in Amerika arbeitenden Italiener wieder dazu übergegangen sei, ihre Ersparnisse in italeniscbcr Valuta anzulegen, da das„Vertrauen in die Stabilität des Heimatlandes wiederzukehren beginne." * Abschluß(1er Hamburg-Amerika Linie. Der Abschluß der Hapag. der jetzt, allerdings in sehr knappen Ziffern, in der drahtlichen Meldung des 11. Morgenblattes vorliegt. schließt sich weitgehend dem des jüngst bekannt gewordenen des Norddeutschen Lloyd an. Es wird ein Ab Schluß für sieben Jahre vorgelegt, die Jahre 1914 bis 1918 bleiben dividendenlos. für die beiden Jahre 1910 und 1920 werden genau wie beim Norddeutschen Lloyd, je 8 pCt. Dividende in Vorschlag gebracht. Während aber dieser Satz beim Norddeutschen Lloyd die Aufrechterhaltung der Dividende von 1913 und gegenüber den dieser Periode vorangegangenen Jahren 10,3 pCt., 5 pCt. und 7 pCt.) eine fühlbare Steigerung bedeutet, stellen bei der Hapag die 8 pCt. einen Rückgang gegenüber den Jahren 1912 und 1913 dar, für welche je 10 pCt. verteilt worden waren. Beim Norddeut sehen Lloyd ist an den erwähnten Dividenden ein Kapital von cU 125 Mill. anfeilsberechtigt, bei der Hamburg- Amerika Linie ein solches von-4k 180 Mill.; die Hk 100 Mill. einstimmigen Vorzugsaktien der Hanau sind erst ab 1. Januar 1921 anteilsberechtigt, während die Hk 5 Mill. 30fach stimmberechtigten Vorzugsaktien von Ende 1919 für das Jahr 1020 5 pCt. Gewinnanteil erhalten. In der Gleichheit des Dividendenvorschlags bei der Hamburg-Amerika Linie und beim Norddeutschen Lloyd körnt zum Ausdruck, wie gleichmäßig die äußerst ungünstigen Verhältnisse der letzten Jahre die beiden führenden deutschen Reedereien beeinflufat haben, allerdings wird man abwarten müssen, wie die Einzelheiten der flapagabschlüsse sich darstellen. * Kapitalserhöhnng der RUenania Verein Chemischer Fabriken A.-G., Aachen. Die Gesellschaft legt der G.-V. den Antrag vor. für das abgelaufene Geschäftsjanr 1920 eine Dividende von 30 pCt. auf die Stammaktien zu verteilen, nachdem das Geschäftsjahr 1919 mit einem Rohgewinn von M 5.72 Mill. geschlossen hatte, aus welchem 25 pCt. Dividende auf damals Hk 12 Mill. Kapital bezahlt worden sind. Gleichzeitig hat sich die G.-V. mit dem Antrag auf Erhöhung des Stammaktien kapitale von Hk 36 auf Hk 8 0 Mill. zu befassen, also um Hk 44 Mill.. wobei den Aktionären ein Bezugsrecht von einer neuen auf jede alte Aktie zu 107 pCt. eingeräumt werden soll. Das Gesamtkapital der Gesellschaft betrug bislang Hk 41 Milk, da neben den Hk 36 Mill. Stammaktien seit Mitte 1920 Hk 5 Mill. 6 proz. fünlfach stimmberechtigte Vorzugsaktien bestehen. Da es in der eingangs- erwähnten offiziellen Mitteilung über die neuen Vorschläge heißt, daß„den Aktionären" ein Bezugsrecht von eins zu eins eingeräumt werden soll, ist es zunächst nicht ganz klar, ob die Vorzugsaktionäre mii- bezugsbereebtigt sind; es würden, je nachdem wie diese Frage beantwortet wird, Hk 8 Mill. oder Hk 3 Mill. der neuen Stammaktien für das Bezugsrecht nicht verwendet, also zunächst frei verfügbar bleiben, ohne daß über die damit verfolgten Absichten bislang etwas rnitgetcilt wäre. Das den Aktionären eingeräumte Bezugsrecht zu 107 pCt. kommt einem wertvollen Geschenk bezw. einer Sonderzuteilung über die Dividende hinaus gleich, da die Rhenania- Aktie im freien Wertpapierverkehr gegenwärtig mit etwa 730 pCt. gehandelt wird; der Kurs dieser Aktien hat sich nach einem vor einigen Wochen eingetretenen Rückschläge in jüngster Zeit wieder beträchtlich gehoben, was darauf hinzudeuten scheint, daß gewisse Kreise über die Emissionsabsichten der Verwaltung vielleicht vorzeitig informiert waren. Gerüchte, daß die Gesellschaft ihren Aktionären besondere Zuweisungen machen würde, waren schon seit geraumer Zeit verbreitet. Aus welchen Gründen das Unternehmen, das unter der Konjunktur des vergangenen Jahres offenbar ebenfalls sehr groß verdienen konnte, jetzt zu einer derarigen Kapitalsverwässerung schreitet, darüber äußert sich das Communiquö der Verwaltung nicht; man darf darauf hinweisen, daß um den jetzt durch die Stammaktienausgabe von Hk 44 Mill. heranzuführenden Betrag zu be schaffen, bei einer auch nur teilweisen Ausnützung des Aktienagios ein sehr viel kleinerer Emissionsbetrag genügt hätte. Das Unternehmen und seine Finanzgebarung begegnen in Süddeutschland besonderem Interesse, da es in seiner heutigen Form entstanden ist im Frühjahr 1920 durch Verschmelzung der Chemischen Fabrik Rhenania Aachen mit dom Verein Chemischer Fabriken in Mannheim; bei der damaligen Neuausgabe von Hk 24 Mill. Stammaktien der Aachener Firma wurden Hk 5.20 Mill. den Aktionären der Mannheimer Firma in Tausch für ihre Aktien gegeben, gleichzeitig wurden weitere Hk 17.20 Mill. Aachener Aktien sowohl den Aktionären der Rhenania wie auch denen des Vereins Chemischer Fabriken in Mannheim zu 107 pCt. im Verhältnis von eins zu eins angeboten. Den Mannheimer Aktionären wurden ferner für jede Aktie Hk 300 Werir.usgleich bezahlt. Bei dem st' rk spekulativen Charakter des Verkehrs in den Aktien des vereinigten Unternehmens wäre es angemessen, wenn die Leitung der Firma sich ausführlicher über den Abschluß und ihre Finanzprojekte äußern würde als dies bis jetzt der Fall ist. * SOjiHiriues Bestehen von Thyssen& Co. Man schreibt uns aus Mülheim a. d. Ruhr:„Die Firma Thyssen & Co. in Mülheim a. d. Ruhr, aus kleinen Anfängen hervorgegangen(1871 hatte sie nur 70 Arbeiter), blickt am 1. April auf ihr 50jährigc3 Bestehen zurück. Sie stellte zuerst Bändern! Stabe'sen her. Im Laufe der Zeit kamen immer neue Zweige hinzu, bis einer der mächtigsten deutschen Konzerne daraus geworden war, der dann freilich durch die Abtrctun gen"* Lothringen wertvolle Teile seiner Anlagen einbüßte.
Srettag, 1. Aprtt 1921 Der Begründer, Augus t T h v s s e n steht heute im 79z Jahre und erfreut sich noch voller geistiger und körperlichen Frische. Joden Tag fast sieht man ihn auf dem Mulheimen Werk. Die Zahl der Arbeiter-Wohnungen aller Thyssen» werke beträgt heute nicht weniger als 144 431. » Aus der Kali-Industrie. Die Nachrichten aus der., deutschen Kalj-lndustrie lauten ernst. Lie Industrie leidet unter einer allgemeinen und schweren felocaung des Absatzes, die zinsfressend zu der Immobilisierung grober Mittel m. immer höher anschwellenden Bestanden führt und leih eise . 1 i I 1'"^ M.„mm A-n lvrit dn h k 1». 4.
Aktienausgabe ausdrücklich auch mit dem Hinweis auf u.e umfangreichen Lagerbestände begründen. Der inländische A! salz, der nach den Behauptungen der Kali-Industrie im Preise ganz unbefriedigend sei, läßt auch der Menge nach zu wünschen übtig, vom Auslandsabsatz hört man iast^nur Unerfreuliches. An sich begünstigen die herrschende Welt
kraft der Industrie ein. Das ehedem wichtigste Verbrauchs- gebiet, die Veieinigten Staaten von Amerika, hat sich m acii taugen Kriegsjahren Ers..,zindush‘ien geschallen, che wenigstens notdürftig den wegen der Krise am Laumwolimarkt eic. ohnedies verminderten Bedarf zu befriedigen vermögen; dem \\ oltmarkt steht weiter das Exportprodukt der heute iranzö- sischcn Kali-Industrie des Elsaß zur Verfügung das sicn__iv.it Nachdruck an den ehedem deutschen Monopolmarkten lest- zusotzen sucht. Wie stark politische Elemente den AuS:anciS- nbsatz beengen, geht auch daraus hervor, daß die\ cre.mgten Staaten den Repräsentanten des deutschen Kali-SyndiKats die Pässe zur Einreise nach Nordamerika verweigert und cs ihnen auf diese Weise unmöglich gemacht haben, auf e.rte Neuordnung des Absatzes deutscher Kalisaize in den vereinigten Staaten durch einen organisatorischen iveuattfbau und durch eine den heutigen Verhältnissen dort an ge paß.-.; Ordnung der Preis- und Lieferungsbedingungen ninzuwirken. Immerhin war in privater Eigenschaft ein hervorragender Vertreter der deutschen Kali-fndustie in Amerika; weichen materiellen Erfolg seine Reise zeitigen wird läßt sien noch; nicht erkennen. Inzwischen hat die deutsche Kali-Industrie in ihrer unzweifelhaft ungünstigen Lage, nachdem iure An-' träge auf starke Erhöhung der Inlandspreise die crforc.er.iche Zustimmung der Regierungskreise bis jetzt(die Anträge werden soeben wiederholt) nicht gefunden haben, dazu gegri.icii, ihre Ausgabekonten durch sehr umfassende B e triebe* Stillegungen herabzusetzen, was einerseits den vermin-, derten Absatzmöglichkeiten, auf der andern Seite aber auch dem Umstande entspricht, daß sich in kritischen Zeiten wie gegenwärtig die seit vielen Jahrzehnten außerordentliche 1 Ueberzahl der'produktionsfähigen Kalischächto,. die zum großen Teil Hochflutzeilen der Spekulation ihre Entstehung verdanken, als höchst störend und nachteilig erweist. Naturgemäß haben diese Betriebsstillegungen, und Betriebsem-
schäcbte eine Frage von höchst wichtiger Bedeutung. Aber auch im ganzen kann das Heer der Arbeitslosen durch die Zustände in der Kali-Industrie eine recht unerwünschte Vor-' siärknng erfahren. Eine weitere Folge dieser Verhältnisse ist, daß die deutsche Kali-Industrie, die sich nach den Hoeli- konjunkturgewinnc-: vor e>'st Jahresfrist in der Verteilung, ven Ausbeuten und Dividenden ctc. bei der Mehrzahl der Werke nicht genug tun konnte, jetzt vor schweren Ertragsrückgängen sieht, zum Teil die Dividenden und Ausbeuten ganz ausfaüen lassen muß. So wird soeben bekannt, daß die Gewerkschaft Wintershall in Fleringen an der Werra,, die sich für 1919 eine Steigerung der Jahresausbeute von Jl 2009 auf nicht weniger als M 15 OCO pro Kux erlauben zu dürfen glaubte, für 1920 völlig ausbeutelos bleibt. Wie es. um die Finanzverhältnisse dieser Gewerkschaft bestellt ist, ist noch nicht bekannt. Der Fall ist bezeichnend, weil er leider durchaus nicht vereinzelt ist. Die enge. Verquickung. manch er Kaliverwaltungen mit spekulativen Kreisen des Kalikuxen* marktes machte es den Leitungen gewisser Gewerkschaften nicht immer leicht, auf lange Fristen hinaus vorsichtig zu disponieren. Ob eine noch weiter greifende Konzentration der Kaliwerke den inneren Üebe'.ständen der kostspieligen Verzettelung abhelfen und auf diese Weise einen besseren Schutz gegen die Folgen rascher Konjunkturschwankungen ermöglichen wird, ist bei dem noch recht starkem Abschreibungsbedürfnis vieler Anlagen sehr zweifelhaft. Ebenso zweifelhaft ist es, ob bei dam relativ schwachen Inlandskonsum eine ecpntuelle Erhöhung der Inlandspreise eine durchgreifende Wirkung auf die Ertragsverhältnisse ausübeti kann, oder nicht vielmehr den Inlandsvcrbrauch quantitativ nachteilig beeinflussen wird. Das einzige Aussichtsmittel ist und bleibt offenbar eine möglichst rasche Hebung der Expo r f k r a f t der Industre, selbst wann dabei zunächst oder vielleicht dauernd auf übertriebene Hoffnungen bezüglich dar Erlöse verzichtet werden muß. * Die Vorgänge Tbri der Berlin-Gufcener HiH fs’ir'k vonn. Go3t.ll behandelt unser Berliner r-Korrespondent im Hinblick auf die Besonderheiten des Falles im Anschluß an den Vorbericht aus der G.-V. noch ausführlicher wie folgt: .Auf die eindringlichen Fragen des Vertreters der Nürnberger„Interessengemeinschaft" gaben die Vorstandsmitglieder Berthold Lißner und Dr. A. Lewin eine Reihe von Daten bekannt, die entschieden in den Geschäftsbericht gehört härten und die. hoffentlich in kommenden Jahren nicht erst wieder extrahiert werden müssen: 1. Auf die schon früher auf je M 1 heruntergesehdebenen An-, lagekonten haben„keime Zugänge” stattgefundon. 2. Die- Inv&nturvorräte, die trotz stark erhöhten Umsatzes nu-r mit- Jl 10.89(i. V. 5) Mill. erscheinen, seien mit keiner anderen als. der alljährlichen, beim ordentlichen Kaufmann üblichen und angesichts der jetzigen Preisschwankungen besonders nötigen Vorsicht ausgenommen. 8. Wenn am 31. Dezember einerseits ein Bankguthaben von Jl 6.97 Mill. bestand, andererseits eine Bankschuld von Jl 2.25 Mill., so hängt das mit dem Auslandsgeschäft zusammen; die Aufgabe des Inkassi der fremden Banken traf nicht mein vor. Jahresschluß ein, die dortigem Salden waren also am 31. Dezember noch unabgedeckt. 4. Die Beteiligungen von Jl 0.41 Mill. bestehen a-us den nominellen Stammanteilen(ohne nachgewährte Kredite) der Union Fez-Fabrik in. b. 14., der Maschinenfabrik Bado und der II aarh ulfabrik 6. m. b. H.(Jl 20 000); lediglich über die letztere wurde hinzuigefügt, warum ihr Gewinn nicht herangezogen wurde: das Ilaaihutgeschäft liege schlecht und nach dem Fall der Haarpieiso sei das Lager stark reduziert worden, uni nicht im neuen Jahre von einem Millionenverlust überrascht zu weiden. 5. Die hochgcschnelltsn Kontokorrent-Gläubiger von Jl 18(5.0) Mill. enthalten nicht, wie eile Opposition vermutete, Forderungen der Tücnter oder sonstige Umbuchungen, jedoch Steuer- Reserven, Verpflichtungen auf Reparaturbauten, Angestellten- und Arbeiter-Gelder. 6. Die General unk osten seien seit Jahren nicht genannt und an Steuern in 1020 Jl 2 Mill. gezahlt, nachdem hinsichtlich des Notopfers eine Einigung mit dem Finanzamt, das übrigens mit der ihm vorgelegten Bilanz(pro 1919? oder schon pro 1920? D. Korr.) einverstanden sei. 7. Bezügich de® Umsatzes hatte man sich zuerst auf den beliebten„Konkurrenz-Inwand" berufen, gab dann aber zu, daß eimo Ziffer von Jl 150 Mill.(bei Jl 6 Mill. altem Aktienkapital!) auf die Gesellschaft mit sämtlichen Nebengesellschaften zutrifft. Die in ihrer Namensgebung entschieden zu anspruchsvolle Nürnberger„Interessengemeinschaft der Aktionäre“(Mark 195 000 nominal von Jl 2.30 Mill. freien, unabhängigen Aktien) hat sich hiernach um die Aufklärung der sehr charakteristischen Gubener Bilanz immerhin verdient gemacht, und wir können uns auch dein Befremden nicht anschließen, das der Vorsitzende, K.-R. Hermann(Deutsche Rank), darüber äußerte, daß der Nürnberger Aufruf behauptet hatte, der Aufsichtsrat wolle einen erheblichen Teil der Gewinne, statt ihn mit auszuschütten,„zu einem Zweck verwenden, der der Gesellschaft auch für die Zukunft keinerlei Nutzen verspricht“. Denn es kann doch subjektive Ansichten geben, und das auf beiden Seiten. Dagegen scheint uns das weitere Verlangen der Nürnberger und sonstigen Klein-Opposition eine entschiedene Zurückweisung zu verdienen. Diese Herren sind noch nicht zufrieden mit der Steigerung der Dividende von 16 pCt.(1913) auf 46^j pCt.(1919: 30 pCt.), nicht zufrieden mit dem vorjährigen und diesjährigen Bezugsrechtsgeschenk, f; wünschten Ausschüttung auch der vorjährigen und diesmaligen offenen Rücklagen(Mark 300 000+ M 1 050 000+ Jl 460 000 Vortrag) in der schamhaften Form der Gratiseinzahlung auf die jungen Bezugs- Aktien. Der Hinweis auf den Faoiercharakter der hohen Dividende und auf die Bedürftigkeit der Aktienrentner ist denn doch zu billig und es laßt sich ihm Manches enigegen- halten, darunter in diesem Falle, daß an einem Gegenstand des täglichen Bedarfs abnorm hohe Summen verdient werden können oder vielmehr unter dem Zwange der Kartelle verdient werden müssen, ohne daß die Ausfuhrgewinne dem inländischen Verbraucher das Los erleichtern sollen! Die Verwaltung täte gut daran, in den Huikonventionen und gegenüber den Verbänden der Zulieferanten die sieh heraus ergebende Kritik schärfer zu betonen; ihr als dem größten und stärksten Unternehmen, der Branche liegt diese Pflicht besonders ob. BeherzigensV wert waren aber auch, die Anregungen eines Gubener Aktionärs, nicht nur durch Beihilfen(kurzfristig) die Arbeiter zu' befriedigen, sondern auch zu den auf die Dauer sozial beruhigend wirkenden Siedelungsaufgaben mehr Gelder be- reitzustellen. Der Vorstand stimmte hier zu unter der Voraus-, Setzung, daß sich die unrationelle Art und Weise der hm-, herigen Siedelungshandhabung(durch die ArbeitervertreterVJtj

