Mittwoch. 30. Oktober 1940
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genützt.
(Siehe auch ®eite'2.)
ierau8 und dann der
Wilhelm ihrem Zuge trat vor die
ob diese doppelte Schwächung der englischen Stellung in Aegypten angesichts der dunkel drohenden Offensive GrazianiS überhaupt verantwortet werden könne. - Die versprochene Hilfeleistung für Griechenland wird in jeder Kundgebung betont immer wieder .auf das Mögliche" begrenzt; so äußerte sich auch der Erste Lord der Admiralität Alexander am Dienstag in einer, Frühstücksrede. Dagegen werden an sich so naheliegende Gerücht« über englischitalienische Flottenzusammenstöße bezeichnenderweise als .völlig unmöglich" zurückgewiesen. Immer deutlicher wird, daß man am liebsten andere für die Erfüllung der englischen Garantie mobilisieren möchte. Die alten Spekulationen auf Rußland können nicht ausbleiben, obwohl nicht die geringsten Anhaltspunkt- für ihre Realität beigebracht werden können.
Es sei jetzt keine Zeit zu verlieren, sagt die „Daily Mail": „Es ist jetzt Englands Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Schlag gegen Griechenland seinen Zweck nicht erreicht. Unser Prestige und unsere Sache würden einen nicht wiedergutzumachenden Lchiag erleiden wenn wieder eine Nation, die das Hilssversprechen des mächtigen England besitzt, der Achse anheimfiele." Die Erinnerung an Norwegen spricht etwas deutlicher au? dem „Daily Herald": Wir wollen uns diesmal der Großsprecherei enthalten und durch "Taten reden. Wir wollen bei der Ausführung dieser Taten zusehen, daß es weder halbe Maßnahmen gibt noch Unternehmungen, die über unsere Kräfte hinausgehen." Diese beiden Stiipmen sind bezeichnend für die eingangs angedeutete Verlegenheit'Londons. Andererseits melden sich bereits die unvermeidlichen „Sachverständigen", die sich von dieser neuen und unerwarteten Situation alsbald das Beste für England prophezeien. Wie ste mit Churchill den deutschen Stoß nach Norwegen für einen schweren strategischen Fehler, erklärt haben, so versichern sie jetzt (nach „Daily Mail"), daß bei entschlossenem Handeln ein schwerer Schlag gegen Italien geführt werden könne, der besten Stellung im Verbände der Achse schädigen, ja eine völlig neue und für England sehr günstige Kriegsphase einleiten könne. Was dazu zu sagen wäre, steht in dem zitierten Satz de? „Daily Herald".
Genau der Praxis früherer Fälle, etwa in Polen und Holland, entspricht es auch, daß man bereits am ersten und zweiten Tage „erfolgreichen Widerstand" der griechischen Truppen glaubt melden zu dürfen. Man wird sich wohl in London bald an das Wort halten müffen, das in einem Telegramm des englischen Königs an den König von Griechenland enthalten ist: „Ohne Zweifel werden uns große Prüfungen bevorstehen."
England tvieden spät" gekommen.
Spanische Stimmen zum italienisch-griechische» Konflikt.
r Madrid, 29. Oktober. Die Nachrichten über den italienisch- griechischen Konflikt haben hier kaum ernstlich überrascht. Seit Wochen konnte man aus den Berichten von der albanischen Grenze und den Bewegungen der britischen Flotte in den griechischen Gewässern erkennen, daß Griechenland eine Haltung einnahm, die sich
dem der italienisch-britische Kampf im östlichen Mittelmeer wurde, um so weniger machten auch die britischen Propagandisten ein Hehl daraus, daß England sich neue Stützpunkte nehmen solle, wo es sie brauche. Und wenn noch ein weiteres Zeichen für die Absichten Englands gefehlt hat, so war die Reise Edens ins Gebiet des östlichen Mittelmeers Beweis genug, daß England dort versuchen würde, seine Politik zu „aktivieren".
Es sei erstaunlich, hört man hier immer wieder als Meinungsäußerung, daß es immer noch Staaten gebe, die anscheinend nicht begriffen, was in Europa vor sich gehe, und die sich noch nicht darüber klar seien, daß jede Berührung und Verbindung mit Großbritannien die betreffenden Staaten unweigerlich einer Katastrophe zutreibe. Eden, so schreibt die „Jnsormaciones", werde mit gebeugtem Kopf nach London heimkehren. Richt nur seine Mission sei gescheitert, er habe auch nicht einmal Zeit gehabt, seiner Regierung über die Situation zu berichten, da ihm der Krieg auf dem Fuße gefolgt sei. England sei, wieder einmal zu spät gekommen. Die Erfahrungen in Norwegen, HoUand und Belgien hätten nichts
spitz ... ----........------
geschwungene rote Sense — aber der Mäher kam näher, der riestg-rotblusige, und wuchs und wurde sichtbar und mähte, mähte vor nun. schwarzem Himmel und legte um und knickte
werdenden Nachmittagslichte ihres Lebens zu freuen, dunkle Säulen umeinander sausender und steigender^Schwarzwesen- chen standen im Abendschein. Vergeblich riet Wilhelm Willich zum Aufbruch, zum Weitermarsch bis auf eine Landstufe, wo auch wahrscheinlich ein Windchcn von den Bergen wehen werde, am Abend gebe es überall auf der Welt Fallwind von den Bergen O all das Weltliche! Und waren da nicht Leute vom Bodensee dabei, aus den GäuS und Rieden, auch am Bodensee gibt es Schnaken, mein Lieber! Und erst die aus dem ,Schnakenloch", aus der badischen und elsässischen Rhem- ebene, aus Dörfern bei Mülhausen und Karlsruhe! ~a kann man etwas erleben!...
Nun wohl denn! Wilhelm zündete sich eine Pfeife an und hielt sich mit dem Rauch das Geschmeiß vom Leibe. Die Heiligen rauchten nicht.
Und er entfernte sich. . ... ..
Die Sonne sank, das Land kam m bläulichen Dunst, die zahllosen Kurgane hüben und auch drüben erhielten zuletzt ein rotes Licht und schienen zu wachsen, die Hügel der Heiden, auf einigen hatten auch Male in Stein gestanden schief zueinander geneigt, uralte, roh ausgehauene Menschenbilder darstellend, das Geschlecht grob zeigend, männliches und weibliches die Auswanderer hatten daran vorbeigeblickt. Die Male aber schauten nach Osten und schauten den Ziehenden nach. Jetzt nahm die Sonne auch von den Heidenmalen den roten Schein hinweg. , ,
Da begann es fein zu sausen, leise zu brausen. Schwarze Wolken senkten sich auf die Menschen, auf Menschen und Tiere auf die Haut, auf die bloßen Teile, auf die dünnbedeckten Stellen, wo das Blut der Oberfläche am nächsten stand und am leichtesten zu entsaugen war: auf Mäuler und Münder, aus die Augen und Nasenlöcher und die Körperoff- nungen der Tiere. Sie gerieten unter den Aermelrand, den Frauen unter die Röcke an die Strümpfe und den Donnern, die sich vermummt, stachen sie durch die Riemenlöcher der Schuhe, den Kindern aber hingen gar einige Trauben von tausend Mücken an Augenecken und Mundwinkeln, sie hatten ihren Seim nicht bei sich behalten. Wild schrien die Kleinen und husteten dann verzweifelt, denn in die Kehle waren die Schnaken geflogen. O Plage Aegyptens! ‘
Hohes, mannS-, auch übermannshohes Schilf umwogte Me vom Muschelgrus weiße, trockene Stelle, wo die Landfremden standen Es knackte im leichten Unterholz des BinsichtS, Wildkatzen und Wölfe, welche die Dickungen bewohnten, schlichen sich an das Menschenlager, vielleicht fiel etwas ab, Fleifch oder Fell, konnte sein, es lief etwas zu Kühnes hinaus, Hund oder Huhn...
Jetzt schien sich das Röhricht zu knicken, mit großem Geschnatter und Geschrei fielen Zaufenbe vom Fischen in der Asowschen See heimkehrende Enten und wilden Gänse ein, auf den Bülten zwischen den Stengeln hatten sie ihr Gelege, selbst Zeisige und Finken kehrten von ihren Flügen zurück mS Gestänge, wo sie wohl «in paar Schilfe zusammengebunden hatten zu einem lustig schwebenden Neststand. Und in allem
Ei« neuer fasciftilcher Parieisekrelar.
Minister Muti geht an die Front.
Rom, 29. Oktober. (DNB) Der Duce hat dem Wunsch d-S Parteisekretärs, Minister M u t i, von seinem Amte auszuscheiden, um sich während des Krieges ganz seiner Tätigkeit als Fliegermajor widmen zu können, stattgegeben. Zum Nachfolger Mutis hat Musiolini den bisherigen Minister für öffentliche .Arbeiten, Adelchi 'Serena, der früher bereits stellvertretender Parteisekretär war, ernannt.
Zum Minister für öffentliche Arbeiten wurde Nationalrat G o r l a ernannt, der bisher Sekretär des fascistischen Ingenieur - verbandes war.
die Hand auf die Schulter und sagte auf deutsch: „Geh in Frieden, um der Liebe Christt willen..."
Die Menschen schauten einander an.
Der Tatar hatte die deutschen Worte nicht verstanden, er blickte mißtrauisch aus seinen schwarzen zu den blauen Augen Fricks auf. Dann aber begriff er, und blitzschnell sprang, sauste er davon, er rannte geradeaus in die bare Steppe hinaus mit aller Kraft seiner Lungen und seines Herzens, immer geradeaus, denn den Aleman konnte seine Milde vielleicht noch reuen, bis er schließlich in der Ferne als ein schwarzer Punkt verschwand.
Die Leute, die Esten, standen verwundert da, nicht gerührt von der menschlichen Güte, nicht berührt von der christlichen Liebe, nicht angetan von der Kraft eines Beispiels, feindselig eher blickten sie Frick an. Warum brach dieser hergekarrte Sachs da das Gesetz der Steppen —?
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Nachlaufen müffen hatte Wilhelm Willich den Kindsköpfen, nur um zu verhindern, daß großes Unglück geschehe. Wohl, er blieb bei ihnen, wenn er auch keine Befehle mehr gab, er führte nicht mehr kraft Vollmacht, fondern traft Wissens, eS blieb anheimgestellt, ob jemand davon Gebrauch machen wollte.
Der Kubünfluß kommt vom Kaukasus und entleert das Tscherkeffenland von Waffer, allen Bereich diesseits einer Höhenlinie, die das Land zwischen Schwarzem und Kaspischem Meere teilt. Diese war als „Linie", als Straße mit weitem Begleitgelände in den Händen der Ruffen. Vernünftige Menschen benutzten die Kosakenlinie, ja aus der Krim Kommende machten ihretwegen den Steppenumweg auch ums Asowsche Meer über Taganrog, Nachitschewan und Rostoff am Don.
Nur schwäbische Heilige nicht, vor denen Gott in bet Wolke einherzog, ihnen aber nicht die Mücken verscheuchte im Laube Taman.
Nur eine Stunde hatte bei gutem Westwind das liebersetzen der Wagen auf Flachbooten griechischer Schiffer über die Straße von Kerffch gedauert. Die Menschen hatten ms fremde, flache, nach West und Ost immer sichtbare and und in das seichte Meer geschaut, auf dessen nur wenige Meter fernem, hellem, muscheligem Grunde schwarze Rockenfische und Seeteufel davonflügelten, vor den sich über den durchleucht^ ten Seeboden schiebenden Schatten der Schiffe. Südnördlich fuhr gar kein Schiff, Taganrog wurde selten aufgesucht doch, Wilhelms scharfes Äuge machte vom Bug des ersten Flachkahns einen Segler „Mistery" aus, der, sorglich gepflegt, unter englischer Flagge Nordfahrt hatte; langsam lotste und lotete er sich über die Untiefe hinweg. Taman heißt das Mündungsland des KubLn. Man hatte Zeit und wollte lagern.
Ach waS, Fieberland, Sumpffieber, Brech- und Durchfallfieber, Sorgen der Weltkinder! Als aber die Sonne sank — man hatte den Vormittag zum Uebersetzen verbraucht — erhoben sich Millionen von Mücken au8 den Schilfen und Sümpfen des MündungSlandeS und begannen zu schwärmen. Zunächst nur zu schwärmen unb zu tanzen und sich im rötlich
alles Aufleckte im Schilf.
Und Wolken rauchten und rußten auf, stiegen und stanken ' ' ■ dem Feuchten und
Tatsache« nnb Wünsche.
Die deutschen Luftangriffe auf ganz England.
(Drahtmeldung unsere» Korrespondenten.)
Fl Bern, 29. Oktober. Während man in London neue Wechsel auf die Zukunft zieht und als Ergebnis der Veränderung in der Leitung der Royal Air Force „eine neue große Offensive der englischen Luftwaffe gegen beide Enden der Achse" ankündigt, sieht die Wirklichkeit anders aus. Der Luftfahrtkorrespondent von „Reuter" muß versuchen, den Engländern diese Wirklichkeit, deren leidende Zeugen sie sind, begreiflich zu machen, und dabei ergeben sich einige Feststellungen, welche die so vorsichtig gewordene englische Nachrichtenpolitik sonst verschweigt. London ist infolge der zahlreichen deutschen Einflüge, die von der Abwehr nicht verhindert werden können, nun, in der achten Woche der deutschen Angriffe, in den Zustand des Daueralarms eingetreten. Trotzdem glaubt Reuter merkwürdigerweise erklären zu können, daß die deutsche Luft- offensive gegen die englische Hauptstadt sich „unverkennbar verlangsamt" habe. Freilich muß der Verfaffer alsbald hinzufügen, daß dafür außer den Industriezentren der Midlands, die schon seit langem regelmäßige Ziele der deutschen Angriffe sind, immer neue Gegenden und Orte von den Bombenabwürfen betroffen werden. Die deutschen Kampfflugzeuge fliegen jetzt über ganz England und Südwales, unjb oft stoßen sie bis nach Schottland vor. Der Mitarbeiter der.Agentur „Reuter" möchte die neue deutsche Taktik mit dem Herannahen weniger günstiger Witterungsverhältnisse und der Verstärkung der Verteidigung Londons erklären. Er schließt an diese Betrachtungen einen etwas mysteriösen Satz: „Mit der Entwicklung der Luststratezie verlieren die Verlustziffern ihre Bedeutung" Ob er damit mehr die Höhe der englischen oder die weit geringere Zahl der deutschen Verluste bagatellisieren will, wird nicht ganz klar. Er erflärt es schließlich für die wichtigste Aufgabe, der deutschen Luftwaffe von englischer Seite eine genügende Anzahl Bomber entgegenzustellen, wie man das hinsichtlich der Kläger bereits zu tun „im Begriff stehe". Zukunftsmusik bleibt also auch hier im Grunde der einzige Trost.
Gens, 29. Oktober. (DNB.) Nach dem amtlichen Bericht des britischen Lustfahrtministeriums und de? Ministers für öffentliche
Frugmürdlges Hilssversprechen.
B-r Bern, 29. Oktober. Gegenüber den Ereigniffen in Griechenland befindet sich die englische Presse in einem Zwiespalt, der offensichtlich die Verlegenheit der Regierungskreise widerspiegelt: man drängt im Interesse des englischen Prestiges und der englischen Position im östlichen Mittelmeer auf eine schnelle und umfassende Hilfeleistung für Griechenland, aber andererseits glaubt man vor einer Ueberschätzung der eigenen Kräfte warnen zu müssen, um nicht durch ein neues Fiasko eine noch peinlichere Minderung des englischen Ansehens zu erzielen. In der ersten Phase bedeutet der Konflikt zwischen Italien und Griechenland freilich schon so etwas wie ein neues Norwegen; auch diesmal ist offenbar einem englischen Zugriff nur kurz zuvorgekommen worden. Erst vor wenigen Tagen hat die „Times" gefordert, daß England den Achsenmächten mit der Besetzung der wichtigsten Operationsbasen im Aegäischen Meer zuvorkommen müsse; auch neutrale Beobachter sind der Meinung, daß die der Regierung so nahestehende Zeitung sich kaum in diesem Sinne geäußert hätte, wenn die entsprechenden Vorbereitungen nicht schon getroffen worden wären. Mit naiver Selbstverständlich- feit setzt man in London auch eine bereits vorausgegangene Verständigung Über die „Hilfeleistung" zwischen der englischen und der griechischen Regierung voraus.
Dementsprechend erwartet man jetzt ein schnelles Eingreifen der in Alexandria liegenden Mittelmeerflotte und der orientalischen Teile der englischen Luftwaffe. Aber schon meldet sich die Sorge,
Jugend und Dichter.
Em Makt zur Woche b« drutschc» Suche- im Römer
seien, ein allgemeines Weltbild zu schaffen. Indessen wäre es verfehlt, wenn man nun die Lektüre nach einem engen Schema befehlen wollte. Für ein junges Mädchen sei die Lektüre von Kants „Kritik der reinen Vernupft" wohl nicht das Richtige, und es bedürfe auch nicht immer nur der schöngeistigen Literatur. Tie Jugend habe zuerst ein Recht aus spannende und begeisternde Bücher, später allerdings dürfe sie sich auch vor dem anspruchsvollsten Werke nicht scheuen. Der Lesetrieb, der unbewußt fast in jedem lebendig sei müsse zu einem bewußten geistigen Tätigkeitsdrang entwickelt werden. Während es flüher aber mehr eher wenigen -zorn Z»mll ■ Überlassen geblieben sei, ob einer gelesen habe und was er gelesen habe liege heute das Buch auch für den Aerrnsten bereit, und alles sei getan, ihm den Zugang zu dieser Welt zu ermöglichen. Wer nun nach den Büchern greife, gewinne tatsächlich eine "Vorstellung von der ganzen Welt. Auch hier komme das Verlangen' bei Deutschen, alles kennenzulernen, zum Vorschein. Diesen Weg die Weite seien wir schon gegangen, als uns noch keine politische Mission aufgetragen gewesen sei; heute, da wir für diese unsere Sendung gerüstet sein müßten, sei es für uns erst recht notwendig, diesen Weg zu gehen.
Nachdem die Forderungen, die wir an das Schrifttum stellten, erfüllt unb fremde Elemente ausgeschaltet seien, müsse man nun auch nach der Forderung fragen, die der Dichter an die Jugend habe^ Vor allem müsse die Jugend ein Herz für die Dichter haben, und das bedeute nicht nur, daß sie die Bücher lesen und lieben lerne, sondern daß sie die Werke auch kaufe. „Die Zufammenstellung einer. Bücherei hat Aehnlichkeit mit einer Neuschöpfung der Welt" Lesehunger und ber Wunsch, Bücher zu besitzen, gehörten eng zusammen. Ferner sei es wichtig, eher zu hohe als zu niedrige Ansprüche zu stellen. Doch solle niemand, das Amt eines Zensors über
Die Anklage Italiens gegen Griechenland.
(Drahtmeldunge» unserer Korrespondenten.)
Im Sumpf des Kuban.
AuS dem fünften, unveröffentlichten Banbe v o n „V olk auf b e rn W e g e".
Von Josef Ponten.
Sicherheit wurden im Laufe des Dienstags v.ier Angriffe gegen London gerichtet. Es seien nur „einige" feindliche Maschinen in bas Stadtgebiet vorgedrungen, die eine „kleine Anzahl von Bomben abgeworfen hätten. Es wurden, so heißt es m diesem typischen Jllusionsbericht, „nur wenig Schäden unb -pfer ge- melbet. Gleichzeitig wird ein Angriff auf den bekannten Knegs- hafen Portsmouth zugegeben, der allerdings als »erfolglos bezeichnet wird, obwohl es kurz daraus heißt, daß „noch kein Bericht über die Bombenabwürfe vorliege.
Obwohl immer wieder der Versuch gemacht wird, die Art der zerstörten Gebäude zu verheimlichen, geht aus einer Meldung des Daily Herald" hervor, daß eine der Londoner Großbanken durch einen Bombentreffer völlig zerstört wurde und ansbrannte. Daö> Blatt schreibt nämlich, unter 3000 Zentnern Mauerwerk in einer Londoner Straße liege ein Vermögen. Bald nach dem Einschlagen der Bombe hätten Bergungstruppen unter Einsatz ihres Lebens wertvolle Gemälde, Schnitzereien und andere Kostbarkeiten gerettet die einen Wert von hunderttausenden von englischen Pfund — also viele Millionen Mark — gehabt hätten. Dann seien . bie Wände zusammngebrochen und hätten „unter sich lange Reihen von Safes, die viele Meter weit in das Erdreich ragen, begraben.
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Mailand, 29. Oktober. (Europapreß.) Das Fürstentum Monaco wird von den Engländern, nach einem im Amtsblatt von Gibraltar erschienenen Dekret, als „feindliches Gebiet" betrachtet.
# Rom, 29. Oktober, ließet bie Verletzung der Neutralität Griechenlands im gegenwärtigen Konflikt, bie zu ber Reaktion Italiens geführt hat, teilt bas „Giotnale d'Jtalia" einige bemerkenswerte Einzelheiten mit. Man wisse, so heißt es, daß alle britischen Geleitzüge, die aus dem Schwarzen Meer gekommen seien, längs der griechischen Küste in den griechischen Territonal- geroäffem gefahren seien, um sich bet Möglichkeit einer Kontrolle ober den italienischen Abwehrmaßnahmen zu entziehen. Die englischen Geleitzüge zusammen mit den englischen Kriegsschiffen hätten in verschiedenen griechischen Häfen des Festlandes und auch der Inseln für ihre Versorgung und ihre Aufenthalte bie notwendigen Stützpunkte gefunden. Bezeichnend fei in_ biefem Zusammenhang die ungewöhnliche Zunahme der griechischen Brenn- slofseinfuhr, bie weit über das Maß des nationalen Bedarfes hinausgegangen sei. Mit diesen Brennstoffen habe Griechenland in den letzten Monaten die englische Kriegsmarine heimlich versorgt. Während Grieckenland im Mai 1939 3000, im <suni 5a00 und im Juli rund 4500 Tonnen Erdölerzeugnisse eingeführt habe, seien diese Beträge in den entsprechenden Monaten des Jahres 1940 auf 17 000, 9500 und 33 000 Tonnen gestiegen. Von dieser letzten Ziffer seien allein 17 000 Tonnen auf einen Brennstoff entfallen, der ausschließlich für Unterseeboote und andere Kriegsschiffe verwendet werde. Auch im August 1940 habe Griechenland noch 27 000 Tonnen gegen nur 376 Tonnen in dem entsprechenden Vormonat 1938 eingeführt. Praktisch habe sich in den beiden Monaten Juli und August die griechische Eistfuhr an Brennstofferzeugnissen verdoppelt. Ferner fei festgestellt worden, daß die englischen Schiffe während ihres Aufenthaltes in griechischen Gewässern und auch bei gewissen Schisfsbewegungen offensichtlich mit stillschweigender Zustimmung der- griechischen Regierung ihre Flagge mit der griechischen ausgewechselt hätten, um sich ungestraft und verborgen gegenüber der wachsamen Kontrolle der italienischen Flugzeuge zu sichern. Auch die langen Ruhepausen, bie sich bie britischen Schiffe in griechischen Häsen'und Get-ässern gegönnt hätten, stünden in krassem Widerspruch zum Völkerrecht, da? eine Aufenthaltsdauer von höchstens vierundzwanzig Stunden gestatte. Die verschiedensten Aemter, Agenten, auch Flugzeuge und Fischerei- und Handelsschiffe hätten sich in ganz Griechenland unter verschiedenen Umständen in den Dienst der britischen Spionage gestellt, um Nachrichten über italienische Schiffs- unb Flugzcugbewegungen weiterzuleiten. Roch vor zwei oder drei Monaten habe bie griechische Regierung plötzlich auf griechischem Boden bie Benutzung ber Telegraphen ber Cable and Wireless Co. genehmigt. Unmittelbar darauf sei eine große Zahl von englisckeii Agenten eingetroffen, so daß danach sämtliche griechischen Verbindungen der englischen Spionage zugänglich gewesen seien.
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Willich, der die deutschen Auswanderer bei durch Südrußland bis Perekop geführt hatte, Schenke. So, den frommen deutschen Durchzüglern war ein Rotz gestohlen worden? Im Estendorfe Salgier? Aber sie lagerten doch am Graben! Die waren heimlich, ohne ihn aufgebrochen? Und fortgefahren? Und schon bis Salgier gelangt? Und was zum Teufel - die wollten durch die Fiebersümpfe von Taman fahren? Unsinn! Unsinn! Das mutzte verhindert werden! Und er ritt ihnen nach. Er holte ste ein am andern Tag. Weih vor Wut stellte er sich vor den neuen Führer Frick. Ja, wuhte der denn nicht...? Die Karte, ja die Karte! Frick hatte eine Karte gesehen, hier Perekop eingezeichnet gesehen und drüben Jekaterinodar, und hatte gedacht der gerade. Weg zwischen zwei Punkten sei der nächste! Wohl, das Wasser, ^ic stratze von Kertsch, schmal, seicht, gut man wurde Schiffe der Griechen zum Uebersetzen finden! Aber drüben, das wußte er nicht, auf der Halbinsel Taman, im Mundungsland des Flusses Kuban, die furchtbaren Sumpfe! «chilfWaldungen! Fast undurchdringlich! Und Fieber, Fieber, selbst die Hühner bekämen in jenem Lande Fieber!
auf, aus dem Morschen und Mulmigen, Fauligen rauschte erst das Raffe weiß fy schwarze Schwalch des Kohligen, Kahlen und Kalten. Und was zurückblieb im Schilf, Krankes oder Unflügges von der holden Art der Singvögel, unausgebrütete Gelege oder müdes Kücken, eine wunde Sumpfgazelle oder ein angekräntter junger Wolf und alle Art Ungeziefer, das nicht schmählich lange Beine machte, es verbrannte und verschmorte, und es rock in rohtrockenem Flammenschein bald versengt nach Feder und Fell. Und er knarzte von Wafferholz, das zerbrechend sich
Gekreisch und Gelärme fing da eine Nachtigall süß und schmelzend an zu flöten...
Noch kämpften die Menschen mit den Mücken, sie bliesen sie von sich und schnaubten sich die Nasenlöcher leer eins ums andere zuhaltend, ste schlugen um sich oder erschlugen der Quälgeister mit platter Hand eine Zahl auf der Wange; aber hatte nicht der Wilhelm gesagt, das käme noch ^hrger, erst in der Nacht fühlten sich die Schnaken ganz wohl, und die Fiebermücke beginne erst über Mitternacht zu schwirren?
Da begann es zu brechen im Rohr und zu knacken im Schilfwald, was an Wild darin lag, drängte sich durch und stürmte vor, der Hase, die Wildziege, ein Sumpfbock und eine Antilope, sie brausten wie kopflos und angstbesessen daher und stutzten plötzlich vor den im Sumpfurwald unbekannten Menschen oder deren darin unvermutetem Dasein, sie brachen furchtsam und toll seitwärts aus, und das tat auch der Wolf, denn fo viele Muster des bösen Menschen und die schwarze Macht der Wagenburg? Die Schilfe aber hoben sich auf, die niedergebeugt gestanden hatten, denn ihre holden Lasten, Finken, Zeisige und Nachtigallen hoben sich davon, und man konnte staunen, wieviel des lieblichen Kleinzeugs der Vogel im Schilfwald gewohnt hatte.
Am längsten hatten noch die Enten und Gänse verweilt, die Gänse sind tapfere Vögel; nun aber gingen sie in Wolken S unter gewaltigem Geschrei, Schnarrenten und Schnatter- e und von fernher flügelten auch spannweit und dunkel wie schwarze Flugdrachen und schweigend in allem Aufruhr schwerlastige Pelikane daher. .
Nun sahen es auch die Menschen, das Feuer! Noch war nickt Abendwindstille eingetreten, ja, der Seewind wehte nock [eicht aufs warme Land und trieb die Flammen in sich verbreitender Front vor sich her. Wie erst das Feuer brach und brauste im Binstcht, Schilf knickte und die nußähnlichen Knoten darin aufknackte, das markige Rohr aufbrach im Röhricht und den Zunder vorjährigen Stoffes und überhaupt die ganze sommertrockene Halbholzwelt entzündete! Und , es zerkochten auch Hartknoten im Gestänge wie Knallfrösche der
Frick sagte ruhig: sie führen. „ . . ,
Tränen hilflosen Zorns in den Augen rief Wilhelm, daß er dann mitgehe, damit sie nicht die allergrössten Dummheiten machten, daß er dabei fein wolle, um wenigstens die Kinder zu bewahren, er sei ein Landeskenner... Frick lieg $ Jn^dem Augenblick wurde der Pferdedieb eingeliefert, ein schwarzer Tatar, die Ohren standen vom Haupte ab, wie es das ewige Tragen der schwarzen Lammfellmutze, tief in den Kopf gezogen, mit sich bringt. Man sah ihm an, daß er sich keinen Täuschungen über sein Schicksal hmgab. Jn den ^lem pen stand auf erfolglosem Pferdediebstahl die Strafe der schlickten Todes. Es waren sich in der Austastung dieses Ge setzcs auch alle einig, mochten ste sonst noch so uneinig sein, und sie beredeten die nötigen Maßregeln, um das gtftopune Tier wieder einzubringen und den Stehler und gegebenenfalls auch den Hehler zu fassen, ob sie auch sonst nicht mit der andern Völkerschaft sprachen, wre die Esten nicht mit den Deutschen, sie waren sich einig, Ruffen, Esten. Griechen, Bulgaren, Deutsche, auch Tataren ja non diesen, -inst einem Reitervolk und früher Herrn dieser steppe, stammte das harte Gesetz Der Dieb wurde mit dem schweißtriefenden, lechzenden Pferde Frick, als dem Führer, überlassen, damit der ihn richte. Aufhängen lassen, an der aufgereckten Deichsel emeS deutschen Wagens vielleicht...? ...... < ....
Frick ging zu dem ihn finster anblickenden Tatar, drehte ihn um, löste ihm die Armsesseln auf dem Rücken, legte chm
15 Pfg. Zweites Morgenblatt 85. Jahrgang Ur. 555 Zweimalige Ausgabe
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mutwilligen Knaben.
' Und die Flamme stieg auf, stieg hoch und lohte und stieg spitz in die Nacht wie eine vom unsichtbaren Mäher hock-
= Frankfurt, 29. Oktober. Am Freitagnachmittag versammelten sich Abordnungen der Hitler-Jugend und des Bundes deutscher Mädel aus dem Gebiet Hessen-Nassau sowie eine Reihe von Ehrengästen im Bürgersaal des Römers. Mit dem Festakt „Jugend und Buch" wurde dort der Woche des deutschen Buches ein besonders weit vernehmbarer Akzent verliehen, da der Ches des Kulturamtes der Reichsjugendsührung, Tr. Rainer Schlösser, von dieser Stelle aus über alle deutschen Lender wassern enennen, vag yjticufcuiunu <uk J das Wort an die Jugend richtete, um ein Bekenntnis abzulegen zu
nicht mehr mit strikter Neutralität bezeichnen ließ. Je aktueller zu- nem deutschen Schrifttum unb zu der tiefen Leldenschaftiur ^ • • .. ..... ..... -r ■— »»!■*«. wx-s« 58ud), von der die Jugend beseelt sein müsse, wenn sie den großen
Aufgaben dieser Zeit auch innerlich gewachsen sein wolle.
Dr. Rainer Schlösser begann seine Ansprache mit einer persönlichen Erinnerung an die Bibliothek seines Vaters, die er ein Vor- weltfliegsparadies nannte, in der man vor lauter Gelehrsamkeit das Leben selbst nicht mehr recht zu sehen vermochte. Die Generation, die dann ben Weltkrieg zu bestehen hatte, habe bald erkannt, daß es mit dem Lesen allein nicht getan sei, sondern daß es darauf ankomme, aus den Büchern Werte für dar Leben zu gewinnen. Inzwischen sei diese Erkenntnis zu allgemeinem Besitz geworden; die Zeit da man sein Leben zwischen Bücherborden verträumte, sei vorbei. Dennoch sei unsere Jugend nicht ungeistig geworden, sie habe vielmehr gelernt, die Forderung des Lebens und die des Geister in ein neuer Gleichgewicht zu bringen und damit die Kluft, die einst zwischen den Praktikern und den Theoretikern sich auf« getan habe, zu überbrücken. Der Weltkrieg und die Zeit der No seien die großen Erzieher unseres Volker gewesen, die es befähigt hätten, geistig-freizügig und soldatisch-sittlich zugleich zu sein.
Auch die Jugend habe begriffen, daß die Bücher Werkzeuge und Baustoffe zum Leben vermittelten und in höchstem Maße geeignet
und Generalvertretungen«
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