Donnerstag, 1. Fannar 1943

Neujahrs-Ausgabe der Frankfurter Zeitung

Dschungeln Dorzuswßem- Meilenweit" dehnten sich durch die ganze

Provinz Gummiplantagen aus, und diese Tatsache gereiche dem Angreifer entschieden zum Vorteil. Freilich würden diese Plan­tagen und Wälder ständig durch britische Patrouillen in Beglei­tung von Einheimischen abgesucht. Die schmalen, oft im Dickicht beinahe verschwindenden Pfade seien den Verteidigern oder wenigstens doch den sie begleitenden Eingeborenen an sich besser bekannt als den angreifenden Japanern, doch hätten die Japaner ausgezeichnete Karten selbst der unwegsamen Gegenden. Das Ge­lände, in dem die britischen Truppen jetzt stünden, erweise sich im ganzen also als vorteilhaft für die Japaner. Zum ersten Male seit einer Reihe von Tagen wird jetzt auch gemeldet, dah die Japaner an der Ostküste Malakkas über die gangbareren Küstenstraßcn in der Richtung auf Kuantan und Kuala Pahang neue Fortschritte haben machen können. Man erwartet jetzt in Singapore, daß sie versuchen werden, ihre im Osten, im Westen und in der Mitte der Halbinsel Malakka vorstoßcnden Kräfte in der Gegend von Temcrloh, einem wichtigen Knotenpunkt von Eisenbahn und Straßen, zu vereinigen, um sie dann gemeinsam nach Süden Vor­stößen zu laffen.

Zukunftspläne statt Tatsachen.

Churchill vor dem kanadischen Parlament.

lDrohtmeldung unseres Korrespondenten.)

B-r Bern, 31. Dezember. Die kanadische Regierung hatte Churchill in Ottawa einen Empfang mit Spalierbildung und so weiter organisiert. Der britische Premierminister machte die Reise von der Hauptstadt der Vereinigten Staaten nach der kanadischen Hauptstadt im Salonwagen Roosevelts. Er unterhielt sich unter­wegs mit Journalisten und teilte ihnen mit, daß nach dem Kriege wieder einVölkerbund" entstehen solle. Diesmal aber, so fügte er hinzu,werde ein Daucrbündnis zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten für die Erhaltung der Ordnung in der Welt sorgen". Die angelsächsische Weltherrschaft als Kriegsziel, das ist freilich keine Ueberraschung; nur wird es nicht immer so offen ausgesprochen. In Ottawa nahm Churchill an einer Sitzung des kanadischen Kriegskabinetts teil. Er legte der Regierung die For­derungen Englands vor: eine Beschleunigung der Flieger­ausbildung in den kanadischen Trainingslagern, eine Vermehrung der kanadischen Rüstungsproduktion und einevollere Erfassung des kanadischen Menschenreservoirs".

Obwohl also England offensichtlich eine bedeutsame Steigerung der kanadischen Leistungen für den Krieg auf allen Gebieten für erforderlich hält, begann Churchill seine Rede vor den beiden Häusern des kanadischen Parlaments natürlich mit einem Lob auf die bisherigen kanaüischen Anstrengungen, und er hob dabei ge­rade den Fliegerausbildungsplan hervor, dessen bisherige Ergeb­nisse offenbar für ungenügend gehalten werden. Dieser Plan werde in Zukunft, 1942 und 1943, die zahlreichen Piloten liefern, die erforderlich wären, die vielen Flugzeuge zu bemannen, die dann von den Vereinigten Staaten und England hergestellt würden. Churchill bot also wieder einmal Zukunftsmusik statt Tatsachen, und das geschah im Verlaufe seiner Rede noch mehrfach. Diese Rede zeichnete sich übrigens durch eine besondere Schärfe und Grobheit des Tones aus, wie man sie selbst von Chur­chill nur selten hört.

England, so wagte Churchill, einer der Hauptschuldigen an diesem Kriege, fortzufahren, habe den Krieg nicht gewollt. Es habe alles, ja fast zu viel getan, ihn zu vermeiden, so daß es geradezu in Gefahr geraten sei, von ihm überwältigt zu werden, als er hereingebrochen sei. Diese Gefahr, behauptete er, sei nun überwunden. Mit jedem Monat, mit jedem Jahr werde England dem Feinde ebenso zahlreiche und ebenso vernichtende Waffen ent­gegensetzen, wie dieser sie gegen England führe. Die ganze Woche hindurch habe er mit Präsident Roosevelt an Verträgen und Ent­schließungen gearbeitet, die dreißig Nationen (darunter freilich meistens heimatlose Emigrantenregierungen) zur Fortsetzung des Kampfes vereinigen würden. Es gebe nur das Ziel der vollen Vernichtung des gemeinsamen Feindes, Deutschlands, Japans und Italiens. Es dürfe keine halben Maßnahmen geben, keine Kom­promisse, keine Verhandlungen. Freilich, der Sieg sei noch nicht gewonnen. Die Macht des Feindes sei gewaltig. Man dürfe die Größe seiner Mittel nicht unterschätzen, ohne in Lebensgefahr zu geraten. Man könne sich keinen Augenblick der Ausspannung gönnen.

Churchill glaubte drei Phasen des weiteren Krieges unter­scheiden zu können. Die erste, die jetzt beginne, sei eine Periode der Konsolidierung und harten Kämpfe, in bereit Verlauf die Streitkräfte derAlliierten" verstärkt und organisiert werden müßten. Von diesem Kriegsabschnitt hat et also offensichtlich keine sehr optimistischen Vorstellungen. Der zweite Abschnitt solle durch dieErhebung der besiegten Völker" gekennzeichnet sein, wenn die Alliierten" nun mit Macht an ihren Grenzen erschienen. Die dritte Phase Churchills soll bann derSchlußangriff" gegen die Achsen­mächte selbst, und zwar vor allen Dingen gegen Deutschland und Japan sein. Churchill hat nun also so etwas wie einen Plan. Er war aber vorsichtig genug, jede Zeitangabe über die Möglich­keiten seiner Verwirklichung abzulehnen.

Churchill wird sich noch in dieser Woche, nach einer Meldung bereits am Mittwoch, nach Washington zurückbegeben, um die Ver­handlungen mit Roosevelt wieder aufzunehmen.

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O Stockholm, 31. Dezember. Premierminister Churchill wurde, wie aus Ottawa gemeldet wird, am Dienstag nach Ablegung des hierzu erforderlichen feierlichen Eides Mitglied des kanadischen Geheimen Staatsrates. Die Aufnahme Churchills in diese Körper­schaft ist notwendig, um ihm zu ermöglichen, eine Rede im kanadischen Parlament zu halten.

Der stellvertretende Außenminister Nai Direk Jahanams ist zum thailändischen Botschafter in Tokio ernannt worden.

Die Kurve 1

Fortsetzung

meersperre den Krieg in ein neues, für die Gesamtlage der Achsenmächte nicht ungefährliches Stadium bringen können. Die hervorragende Haltung der deutschen und der italienischen Divisionen, die einem zahlenmäßig überlegenen Feind stand­zuhalten hatten) hat aber auch den diesjährigen bescheideneren Plan der Engländer durchkreuzt, ohne daß irgendwelche entscheidenden strategischen Folgen eintraten.

Der Gegensatz zwischen damals und heute wird vollends klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß im vergangenen Frühjahr der englische Angriff und die Intrigen der briti­schen Politik immerhin die Achsenmächte zwangen, eine Reihe von Feldzügen zu unternehmen, um die Gefahren abzuwenden. Durch das rechtzeitige Erkennen des Planes und durch die Art der Gegenmaßnahmen gelang es jedoch den Achsenmäch­ten, sich trotzdem die Initiative zu erhalten und den Gegner seinerseits zu Unternehmungen zu verpflichten, die er unter den veränderten Verhältnissen lieber unterlassen hätte (tote die Expedition nach Griechenland) und die den Briten schwere Niederlagen zuzog. Die Tatsache vollends, daß die Sowjet­union, entsprechend der Rolle, die ihr im vergangenen Jahr zugeteilt war (der Führer selbst hat im Reichstag Genaueres darüber gesagt), sich anschickte, in den Krieg gegen Deutsch­land einzugreifen, löste bann jenen beispiellosen Feldzug aus, durch den sich Deutschland durch die bolschewistische Gefahr, die bolschewistischen Intrigen und den bereits vollendeten Aufmarsch der Armeen Stalins veranlaßt sah.

Der zweiundzwanzig sie Juni.

Adolf Hitler hat dem deutschen Volke, als er ihm von dieser für die Oeffentlichkeit durchaus überraschend kommen­den Wendung Kenntnis gab, auch den Zusammenhang gezeigt, in dem die bolschewistische Gefahr von Anfang an in unserem Kampf gegen das britische Mutterland stand. Kein Zweifel: Statt sich mit allen Kräften gegen England wenden zu können, mußte Deutschland einen überaus schweren Kampf gegen einen ungeheuerlichen Feind beginnen. Der Gesamtverlauf des Kriegsjahres ist dadurch bestimmt worden. Etwas aber hat sich, ganz im Gegensatz zur Erwartung der Engländer, nicht geändert: die Erfolgskurve st i e g w e i t e r zu unseren Gun­sten an, und zwar in einem Maße, das zusammen mit allen früheren Siegen geradezu die Gefahr in sich trug, uns zu ver­wöhnen und manche über die uns noch bevorstehenden Schwie­rigkeiten zu täuschen. Was geschah, ist jedem unvergeßlich: durch unerhörte Leistung von Truppen und Führung gelang es, mehr als vierhundert Divisionen eines über alles Erwart- bare hinaus vortrefflich ausgerüsteten und mit höchster Wild­heit kämpfenden Feindes zu schlagen, siegreich vorzudringen und wirtschaftlich äußerst wertvolle Ländermassen in unseren Besitz zu nehmen, die uns, ja ganz Europa, das sich in diesen Monaten seiner Schicksalsgemeinschaft immer stärker bewußt wurde, hohen Nutzen bringen werden, während der Feind unersetzliche Versorgungsquellen verloren hat.

Die akute Gefahr der Ueberfhitung Deutschlands und Europas durch die Armeen Stalins wurde auf diese Weise beseitigt, die Widerstandskraft des Bolschewismus erwies sich aber als so groß, daß der russische Winter anbrach, bevor das Werk der Vernichtung der bolschewistischen Wehrmacht end­gültig abgeschlossen werden konnte, was dem Feinde natür­lich, obwohl es nur einen Aufschub bedeutet, nur willkommen sein kann. Zu einem triumphierenden Propagandalärm, der von London ausging, ist freilich keinerlei Anlaß, denn die englische Hoffnung, der 22. Juni werde einen Wendepunkt des ganzen Krieges zuungunsten der Achsenmächte bringen, hat sich nicht erfüllt und kann sich nicht mehr erfüllen, andererseits besteht am Ende des Kriegsjahres 1941 kein Zweifel mehr (auch nicht für die Engländer), daß die ameri­kanische Karte von Churchill und Roosevelt falsch und ver­geblich ausgespielt wurde. Die bolschewistischen Gegenstöße im schwierigen Augenblick des Ueberganges von der Offensive in den Stellungskrieg waren äußerst heftig und wurden von London aus mit brennenden Augen verfolgt, aber der Ver­lauf der Kriegskurve wurde dank der Tapferkeit unserer Sol'-» baten nicht berührt. -

Daß unsere Front im Osten gebrochen werden könnte, haben die englischen Propagandisten, die das in Aussicht stellten, wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Daß sie von den großen Schwierigkeiten ihrer eigenen Sage schweigen, daß sie vollends die schwere englische Sorge, im Schatten Roosevelts allmählich zu verschwinden, zu verbergen bestrebt sind, kann man verstehen, aber für den Umschwung, den der Kriegseintritt Japans mit sich brachte, hätte man in London doch wohl etwas hellsichtiger sein sollen.

Der Triumph des Dreierpaktes.

Seit dem 7. Dezember hat eine neue Entwicklung begonnen, die das Gesamtbild dieses Krieges abermals stark und weithin sichtbar verändert hat, so stark, daß jede Diskussion mit den Engländern über den Verlauf der Kurve überflüssig geworden ist. Es gibt nicht einen einzigen strategischen Gedanken unserer Feinde, der durch die drei großen Ereignisse des vergangenen Jahres Durchkreuzung der Mittelmeeroffensive, Nieder- kämpfung eines so großen Teiles der bolschewistischen Armeen und schließlich durch das Eingreifen Japans nicht bis ins tiefste gestört worben wäre. Vor allem haben sich bie Be­dingungen für bas englisch-amerikanische Zusammenwirken für bas kommenbe Jahr grunblegenb geänbert. Selbst die intensivste

des Jahres.

von Seite 1

amerikanische Produktion vermag die strategische Lücke, die nun entstanden ist, nicht auszufüllen. Nichts, was Churchill und Roosevelt früher als gemeinsame Aktion ins Auge gefaßt haben mögen, läßt sich heute noch unverändert ausführen. Von Anfang an hat sich dagegen bet hohe Wert der inneren Verbindung zwischen unserer europäischen und der ostastatischen Front aufs deutlichste gezeigt. Die Politik des Dreierpaktes triumphiert. So wie unsere japanischen Kampfgenossen den Vorteil hatten, auf einer Basis anfangen zu können, die durch den zweijährigen Kampf der Achsenmächte gegen England (und damit auch gegen die Vereinigten Staaten) geschaffen wurde, so haben nun wir den sehr bedeutenden Vorteil, unsere eigene Sache durch die großartigen Erfolge der Japaner im ostasiatischen Kampfgebiet gefördert zu sehen, und zwar in einem Augenblick, in dem wir wegen des Winterwetters, wenn auch nur für kurze Zeit, unser Tempo und unsere Aktion verändern mußten. Es ist der Kern­punkt der japanischen Strategie, den Angelsachsen, bie glaubten, es werbe nur auf Flottenstützpunkte und deren geschickte Aus­nützung durch die zahlenmäßig überlegene englisch-amerikanische Flotte ankommen, an mehreren Stellen den Luftkrieg auf- gezwungen zu haben, also einen Kampf, den sie zu scheuen haben. An her wichtigsten Stelle war dies nur möglich durch die Fest­setzung der Japaner auf der hinterindischen Halbinsel, das heißt durch den Vertrag mit der französischen Regierung von Jndochina, und dieser Vertrag wiederum war nur möglich, weil Deutschland zuvor Frankreich niedergeworfen und damit aus der Allianz mit England gelöst hatte. Die zahlenmäßige Ueberlegenheit der angelsächsischen Mächte andererseits war von vornherein dadurch in Frage gestellt, daß deren Flotten durch den Kampf im Mittelmeer und im Atlantik aufs schwerste in Anspruch genommen sind. Unsere japanischen Bundesgenossen aber haben, im richtigen Augenblick (trotz den englischen Ver­suchen, den deutschen Sieg im Osten zu bagatellisieren), in einem die ganze Welt in Erstaunen setzenden grandiosen Stile ihren Krieg so eröffnet, daß alle feindlichen Pläne über den Haufen geworfen wurden und daß sie durch andere ersetzt werben mußten, bie zunächst nur befenfiü sein können und gar nicht leicht zu finben sind.

Die Folgen für unseren eigenen Krieg sind offensichtlich. Japan binbet nicht nur starke militärische unb wirtschaftliche Kräfte unserer Feinde, Japan zwingt ihnen nicht nur gewaltige Verluste und höchst unerwünschte Dispositionen und Material­sendungen auf, sondern die japanische Aktion hat die Möglich­keiten bei gemeinsamen Kriegführung gegen Englanb in einer zu Beginn bes vergangenen Jahres noch unvorstellbaren Weise verändert: Während bie Achsenmächte bisher ihren Haupt­angriff nur gegen bas Mutterland und seine atlantischen und mediterranen Versorgungslinien richten konnten, kann Japan unmittelbar an das H e r z des Empire greifen. Das bri­tische Mutterland, die Insel, ist für jeden Angreifer sehr schwer zu fassen, das innerste Gefüge, die wichtigsten Nahtstellen des Empire dagegen liegen in der Reichweite Japans, seitdem sich die Japaner trotz allen Protesten der Angelsachsen so weit nach dem Süden bis auf jene Halbinsel selbst vorgearbeitet

Mittschaftsorganisationen in Japan. Gesetzesvorlagen für die kommende Reichstagssitzung. (Funkmeldung unseres Korrespondenten.)

Tokio, 31. Dezember. Die neunundsiebzigste ordentliche Tagung des japanischen Reichstages, die am 27. Dezember nach bet Eröffnung durch den Kaiser und nach den Reden des Kriegsrnini- sters und des Marineministers vertagt wurde, wird, wie üblich, aM 20. Januar wieder zusammentreten. Die Abgeordneten wurden je­doch ersucht, sich in Bereitschaft zu halten, da vielleicht dringende Beratungen schon in bet Zwischenzeit den Zusammentritt notwen­dig machen könnten. Es ist noch nichts darüber bekannt geworden, wie lange dieses Mal die ordentliche Tagung dauern soll, jedoch bestehen, wie der Leitet der Informationsabteilung der japanischep Regierung, Tani, in bet Pressekonferenz sagte, Bestrebungen, bie Tagungsperiode zu verkürzen. Es wurden auch Pressestimmen laut, die für bie unverkürzte Dauer bet Tagung eintraten, damit der Reichstag, der zwei kurze außerordentliche Sitzungen hinter sich hat, Gelegenheit habe, aktiv an den nationalen Aufgaben mitzuarbeiten. Nachdem die Sprecher de« Unter- und Oberhauses Anfang Dezember zurückgetreten sind, stehen beide Häuser diesmal unter einer neuen Führung.

Die Zusammensetzung des Unterhauses hat 'sich wenig ge­ändert; führend ist der im Laufe dieses Jahres gebildete soge­nannte Reichstagsbund geblieben, der 311 von 431 Abgeordneten umfaßt. Abgesehen von dem Haushalt des kommenden Jahres und den militärischen Sondetzulagen werden 73 Gesetzesvorlagen vor den Reichstag kommen. Darunter zehn zur Vervollständigung der direkten und indirekten Steuergesetzgebung. Die übrigen neuen Gesetze dienen vor allem der planmäßigen Wirtschaftsführung, das heißt der Regelung der Produktion und des Verbrauches. Diese seit langem begonnene Entwicklung wird durch den Kriegs­ausbruch beschleunigt. So wird ein neues Gesetz vorgelegt zur Kontrolle der Jndustrieorganisation und der Organisation der Lebensmittelverteilung. Mit dem letzten sollen die bereits bestehende staatliche Reiskontrolle und andere Verordnungen zusammengefaßt und ergänzt werden. Die planmäßige Verteilung soll von jetzt an auch bi| meisten andren Getreidearten, ferner Mehl, Brot, Nudeln, Kartoffeln unb Süßkartoffeln umfassen. In den Groß­

haben,' die Hinterindien heißt. Der gewaltige Bereich zwischen Suez unb Singapore ist heute schon von Osten her ernsthaft gefährdet, er könnte sogar einmal von den Mächten des Dreierpaktes in eine Zange genommen werden.

Auf gutem Wege.

Als die größten Ergebnisse diese? abgelaufenen Jahres dürfen wir darum bezeichnen: das Scheitern des einzigen An­griffsplanes, den England bisher aufgestellt hat, die Befreiung von dem akuten Teile der bolschewistischen Gefahr, mit bester Aussicht für eine Vollendung des Werkes im kommenden Jahre, die Schaffung einer neuen wirtschaftlichen Grundlage für das sich seiner Zusammengehörigkeit stärker bewußt werdende Europa, bie militärische unb wirtschaftliche Entzauberung der Vereinigten Staaten im Kriegsjahr 1941, bie unmittelbare Ge- fährbung der englischen Kriegführung an einer völlig neuen Front durch den japanischen Angriff und die Durchkreuzung aller strategischen Pläne der Angelsachsen samt einer schweren Störung ihres gesamten Produktions- und Verteilungs­programms.

Dieses Ergebnis ruht auf der f c st e n G r u n b I a g e ber gewaltigen Erfolge ber vorausgehenben Kriegsjahre: auf unserem Triumph b'es Lanbkrieges, auf ber von Jahr zu Jahr Großbritannien unb seine Wirtschaft mehr beengenben Gegen- blockabe, beren Heroen Marinesoldaten unb Flieger ftnb, und in hervorragendem Maße auf ber Leistung unserer italienischen Bundesgenossen, die die schwere Aufgabe ber Sperrung des Mittelmeeres immer aufs neue zu lösen hatten unb gelöst haben. Hinter ben Armeen unb Flotten ber Mächte bes Dreierpaktes aber stehen in bichtgefügten Reihen bie Millionen unserer Völker, bie bie Befreiung ihres nationalen Lebens von ber Vorherrschaft ber angelsächsischen Mächte zu erkämpfen ent­schlossen ftnb. Die Führung wirb bestimmen, welche Aufgaben ben Soldaten, Fliegern unb Matrosen im kommenben Jahr zu­fallen werben, was aber bie Aufgaben ber Völker, was bie Aufgaben jebes einzelnen unter uns sein werben, bas ist burch bie Vernunft, bie wir in uns tragen, von vornherein tote burch ein ehernes Gesetz vorgeschrieben: Treue gegen unsere Sache, äußerste Opferbereitschaft und unversieglicher Mut. Unsere Zukunft wird groß sein, wenn unsere Völker bie gleiche Festigkeit zeigen, bie unsere Solbaten in zahllosen Schlachten bewiesen haben, unser Leib unb unsere Qual aber nähmen kein Enbe, unsere Kräfte erlahmten, benn wir müßten in Schutt unb Asche zerfallen, in Trümmer unb Blutlachen, wenn nicht wir, sonbern wenn jene anberen bie Sieger wären, bie ben schauerlichen Inhalt bes Gefängnisses ausmachen, bas ber Bolschewismus zwischen ben beutschen Grenzen unb bem Pazi­fischen Ozean geschaffen hat.

Unsere Solbaten stehen auf ihrem Posten, in ber Bitternis eines winterlichen Ostkrieges unb bfinbroütenber Angriffe, unsere Heimatfront in ber Verhärtung ber Lebensbebingungen unb in ber Bebrängnis bes Herzens, bie in ben großen Krisen ber Weltgeschichte noch niemals eine Schanbe, sonbern stets nur ber Beweis innigster Beteiligung war unb sein kann. Wenn so Heimat unb Front ihre Pflicht bis zum letzten tun, unb daran kann kein Zweifel sein, wird das kommende Jahr die gemeinsame Kurve der Mächte des Dreierpaktes trium­phierend emporheben zu einzigartiger Höhe, dann wird sie auch ber befreienben Stunde bes Enbsieges entgegenführen, ber Stunbe bes Glücks unb bes Friedens.

ftäbten sollen besondere Organisationen zur Verteilung von Kon­serven, Produkten au8 Sojabohnen und einiger anderer Lebens­rnittel geschaffen werden.

Das Wirtschaftsministerium plant ferner die Einrichtung einer amtlichen Organisation, die für die Verteilung von Rohmaterialien und Gebrauchsgütern sorgen soll, wobei die durch die japanische Ausdehnung nach Süden entstandene neue Lage berücksichtigt wer­den soll. Von großer Bedeutung für die künftige Wirtschaftkent- wicklung in Ostasien ist eine Vorlage des Finanzministeriums zur Finanzierung einer geplanten halbamtlichen Gesellschaft für den Süden.

Die Halste de« amerikanischen National­einkommens für die Rüstnng.

Stockholm, 31. Dezember. (DNB.) WieReuter" aus Washing­ton meldet, gab Präsident Roosevelt in einer Pressekonferenz der Hoffnung Ausdruck, daß 50 Prozent des Nationaleinkommens der Vereinigten Staaten von ungefähr 100 Milliarden Dollar im nächsten Finanzjahr, das am 1. Juli beginnt, für Kriegszwecke verwandt werden würden. Er teilte mit, daß im gegenwärtigen Finanzjahr 27 Prozent des Nationaleinkommens für den gleichen Zweck verwendet würden. Das Programm für die Rüstungsproduk­tion sei stark ausgedehnt worden. Roosevelt erklärte, daß seine Be­rater ihm am 7. Dezember einen Entwurf des Produktions- und Ausgabenprogramms vorgelegt hätten und dabei wegen des Um­fanges dieses ProgrammsBefürchtungen äußerten unb zitterten". Dieses Programm sei jedoch vor dem Krieg mit Japan ausgearbei­tet worden. In der Nacht des 7. Dezember habe er dieses Pro­gramm zurückgesandt, um es noch zu erweitern. Nach den Bespre­chungen mit Churchill und mit anderen Vertretern der Alliierten sei er, nicht mit Widerstreben, sondern mit Vergnügen zu der Schlußfolgerung gekommen, daß dieses Programm noch nicht die volle Erzeugungskapazität der Vereinigten Staaten in Anspruch nehme.Deshalb," so sagte Roosevelt,habe ich einen Betrag hin­zugefügt, um dieses Ganze zu erreichen."

Bauptscbr» lief ter: Dr. Rudolf Klrcber. Druck und Verlag: Frankfurter Sodetäts-Druckerei O. ro. h. H.. Frankfurtern Main.

Zur Zeit Ist Preisliste Nr. 12 gültig.

würbe ber Roman verfilmt, 1923 als stummer Fllm, 1930 als Tonfilm.. Natürlich ist bieS bem Absatz bienlich gewesen, -och bie Jahre, in benen bie Filme liefen, zeigen keine auf- sallenbe Kurve/ 1931 war man auf 680 000 gekommen. Das deutsche Volk (ober sagt man: bas deutsche Lesepublikum) war noch nicht unb ist noch nicht gesättigt: bie Nachfrage ging unb geht im Tempo ber zwanziger Jahre fort. Unb in ben Leihbüchereien bie Untersuchung hat es bestätigt sind bieZwei Menschen" fleißig unterwegs.

Die hohe Zahl hebt ben Vorgang aus bem Bereiche bei Literaturgeschichte heiaus, ei toiib zum soziologischen Phä­nomen. Es ist zu billig zu sagen, daß bie Quantität immer gegen bie Qualität als solche zeuge: es hanbelt sich um bie Alt bet Qualität. Wei kauft bas Buch, unb warum wirb es gekauft? Ter befieunbete Buchhändler meint: Früher hatte es in Charlottenburg seinen Markt, heute in Neukölln. Das ist ein nettes Bonmot unb deckt wohl die alte Erkenntnis von der Wanderung und Schichtenverlagerung des Geschmacks. Aber es sagt noch nicht allzuviel; offenbar hat man seiner­zeit in Charlottenburg ebensoviel Vergnügen daran gehabt wie heute in Neukölln. Eine zweite Generation liebt und leidet jetzt mit bem Pater Paulus unb der Judith Plattner. Auch sie tut es freiwillig. Denn zu keiner Zeit stand hinter dem Buch eine öffentliche Förderung, auch nicht eine indirekt empfehlende Abwehr. Man konnte sich zwar erzählen laffen, Voßens Roman sei auf ben römischen Index gesetzt worden. Darin lag und liegt für manche ein Reiz, sich mit bem ver­traut zu machen, was die römische Kirche für unerwünscht hält. Aber das stimmt nun nicht. Voß müßte nach dem Alphabet hinter Voltaire stehen. Doch sucht man ihn dort vergebens. Man wird, soweit man das Unterhaltungsschrift­tum in bet zustänbigen vatikanischen Stelle verfolgt, an dem Buche keine sonderliche Freude gehabt haben. Doch hielt man es anscheinend nicht für wichtig genug, ben Finger darauf zu legen.

Nun bildet gewiß bie Grunbthese der Fabel eine besondere Attraktion: der letzte Sproß des Alttiroler Grafengeschlechtes wird Mönch, um ben Wunsch ber fterbenben Mutter zu er­füllen, unb entsagt ber Siebe zur Jugenbgespielin; sein Kampf gilt der Aufgabe, bie Frau, von ber er innerlich doch nicht lassen kann, unb bie, von seiner Abkehr schwer ver- wunbet, sich in sich selbst, in eine harte Arbeit auf unwirt­licher Höhe zurückzieht, ohne frei zu werben, zum vollen Glauben ber Kirche zu gewinnen. Dahinter stehen als un­heimliche, schweigsame Kulissen bie schroffen nackten Berge der SSoditäler mit ihren armen kargen Menschen; aus der Strenge der Landschaft, bie doch auch ihre südlich angehauch­ten Entzückungen kennt, brechen bie Bedrohungen ber Natur­katastrophen. In bem Schauplatz unb in dem Grunbmotiv hatte Voß einen Vorgänger gehabt: Kontab Telmann, wie

er ein sübwärts fahrender Pommer, hatte, etwa zwanzig Jahre zuvor, ben RomanUnter ben Dolomiten" heraus- gebtacht, ber mit ber gleichen Apparatur, mit ben gleichen Antithesen Grafenschloß, Mönchszelle, Jagbgehilfe, mit Natur­katastrophen, Glaubensgesprächen unb (hier noch komplizier­teren) Liebesvetschränkungen arbeitete. Nut war Telmann sparsamer in ben pseubomystischen Zutaten, und bie unsäg­lichen Verwickelungen fanden ihr happy end. (Als dieser Erzähler, ber 1897 starb, dreißig Jahre fpätetfrei" wurde, haben nicht weniger als .sechs Verleger den vergessenen Roman neu gedruckt, in der nicht getäuschten Erwartung, daß das von Voß geförderte Publikumsinteresse für sündig- selig liebende Priester in Hochgebirgslandschaften eine weitere Spielart des Hehfe-Epigonentums aufnehmen werde.)

Bereits 1906 hatte ein bekannter Literarhistoriker dem noch sehr schaffenswilligen Voß lapidar bestätigt:Von seinem bändereichen Lebenswerk wird nichts bleiben." Was soll nun diesbleiben"? Offenbar sind die gedruckten Zensuren nicht lebensentscheibenb. Der Dichter hatte sehr jung mit dem Schreiben begonnen, in ben siebziger unb achtziger Jahren Erwartungen" erregt, bie er bann auf feine Weife in Theaterstücken unb Erzählungen zu erfüllen strebte; biegroße Welt" gab ihm ihre Gunst, wovon seineBebenäerinnerungen" mit ihren vielen Atmosphären mancherlei mitteilen; Wil­helm II. ließ ihm in bem herrlichen Park bet Falconieri zu Frascati ein Denkmal setzen. (Steht es noch?) Das wirkt wie ein Symbol: So seht scheint uns ber Mann einer Zeit zu- zugehöten ober boch einer geistigen Strömung unb Schicht, in ber ein Nachklang bet Romantik mit ben Elementen bet Exotik, bet Exzentrik, ber aufgeregten Mache unb bet Ueber- dcutlichkeit verarbeitet würbe, in einer so herrischen wie ver­brauchten Sprache betschönheitstrunkene" Poet.

Und nun dies: Seine eigene Gegenwart wollte nicht so viel von ihm, bie wilhelminische Epoche, bet er auch mit vielen veralteten Requisiten zugehört, schließt zu bem Zeit­punkt, ba fein Leben endet. Und in diesem Augenblick be­ginnen Hunderttausende, man wird, die Mitleser beachtend, sagen dürfen: Millionen, nach diesem späten Werk zu greifen, und sie bleiben hungrig. Sag das, liegt das an den Zeit- umständen? Diese waren gewiß langehin von Wolken be­schattet, aber die Jahre trieben sie auch manchmal ausein­ander. Die Nation erlitt unb erlebte Krieg, Friedenselend, Inflation, Erholung, Teflationsnöte, Staatskrise, revolutio­nären Umbruch, Einstrom neuer Jbeologie, Wirtschaftsauf- ftieg, neuen Krieg: bie Heftigkeit des äußeren Geschichts- rhythmus und bie etregenbe seelische Auseinandersetzung sind mit Früherem schier unvergleichbar, die Zusammenhänge scheinen zerbrochen, Sebensgefühl versinkt, ersteht, verwandelt und erneut sich: aber die ,Lwei Menschen" wandern durch alle diese Jahre auf Wegen, bie niemanb sieht unb beachtet, sie

wanbern nicht bloß von Charlottenburg nach Neukölln, sie roanbern auch nach Xanten und Gleiwitz, nach Belgrad unb Sinbau.

Sie lebten einanber so nahe, daß eine kurze halbe Stunde sie hätte bereinigen können; und sie waren durch Welten von­einander geschieden: dieser Mann und dieses Weib, diese zwei Menschen! Denn wie es für das erste Menschenpaat keine andere Bezeichnung hätte zu geben brauchen, so genügt ber Name für alle getrennten Hälften ber Menschheit, bie mit Sturmesgewalt zueinander getrieben werden, um aus zwei Menschen ben einen ganzen Menschen zu schaffen, ben gottgeschaffenen Menschen, der zugleich ein seliger Mensch ist." Von der Art sind bie philosophischen Reflexionen, mit benen Voß seine Geschichte hintergründig macht. Die Fabel selbst wird mit heftigen, zerhackten Sätzen vorgetragen, in einem zugleich gehobenen unb unruhigen Stile, ber mit Ausrufe­zeichen eine wahre Verschwendung treibt. Auch bie Aelpler haben, wenn sie reden, etwas Geschwollenes. Vor ber groß­artigen Bergszenerie, bie lyrisch apostrophiert wird, vollzieht sich ein merkwürdiges Theater: kein Mensch, der auftritt, ist, trotz dem Titel des Buches, Mensch, sondern Träger einer pathetischen Rolle. Dabei wird nicht eigentlich aufSpan­nung" gearbeitet; was am Ende passiert, weiß man schon beim Beginn durch die künstliche Verschränkung von erzählen­dem Bericht deS Autors und stöhnendem Tagebuch des Helden, ber als Kind schon Meister ber effektvollen Siteratur­sprache geworden ist. Und der Befer weiß auch sogleich: die Sache geht schlimm aus. Er hat mit keinem versöhnenden Schluß zu rechnen. Dieses Sieblingsbuch isttragisch" und vollkommen humorlos.: Aber Hunberttausende lasen unb lesen es seit einem Vierteljqhrhundert. Sie können anscheinenb nicht genug bavon bekommen.

Man will das erflctren, ohne sich bei vergleichenden Wert­urteilen aufzuhalten. Also, das Priestermotiv, die Selbst­zerfleischung einesringenden" Mannestums zwischen Beiden- schaft und Gelübde, die katholische Problematik (wie ein Pommerscher Protestsnt sie sieht), bie herbtüchtige Heldin, ber die Naturwelt mystisch untertan ist, der Einbruch des Märchenhaften, die strenge Gewalt ber Bandschaftskulisse, das gesellschaftlicheMilheu", fremd, durch die gräfliche Herkunft des niedrigen und doch herrscherlichen Mönches romantisch verwirft, aber eben ipoch greifbar all dies in einer krampf­haften Ekstase zusamftiengerafft. Es soll ein. mögliches, allge­mein verbindliches Schicksal und Problem, der zerreißende Konflikt zwischen insterer Bestimmung und äußerem Gesetz, veranschaulicht werdest in einem sehr individuell auSgedachten Vorgang. DaS haben auch andere Dichter unternommen, über­zeitlicher, mer'chlicherj überlegener. Ihnen Hot man wohl zu­gesehen, ist ihnen aßet nicht gefolgt.

Also bleibt ber Vorgang boch rätselhaft. Entspricht bem aufgeregten Buche mit seiner oft überheizten Sprache unb seiner Verstiegenheit im Leserpublikum ein unbewußtes sub­stantielles Element, bas auch etwas tote Flucht in ben Schein will? Die Zahlen sprechen bafür. Man muß es feststellen und mag sich verwundern. D.

Wrief eines Mamers.

Da ich ben Umschlag öffne unb bie großen, etwas gotisch an- mutenden Buchstaben seiner Hanbschrist lefe, treten Wort unb Sinn des Brieses augenblicklich vor-der Erinnerung zurück, bie als Bild mit haarscharfem Kontur aus ber Monotonie vieler erlebter Vorgänge herauswächst: am frühesten Morgen, kaum baß die kranke Frau neben ihm in ben Schlaf gesunken ist, steht er auf unb kleidet sich notbürftig an. Er weckt zunächst bas Feuer im Herbe, mit geübten Händen, inbei sich sein bärtiges Antlitz vom Nieberbücken rötet unb sein Atem schneller geht. Da bie Flamme in bie Höhe züngelt, legt er Kohlen barauf, bann richtet er sich mühsam aus seiner gebückten Stellung auf unb greift mit bet behaarten, mächtigen Hand blind nach bem wild schlagenben Herzen. Dann holt er sich aus bet Kom­mode ein Blatt Papier unb einen Bleistift, er setzt sich bamit an ben Tisch stützt ben Kops in die Hand und überläßt sich der Erinne­rung'die die Zeit aufhebt und die ihm Fernes nahebringt. Nun ist es völlig still um ihn, nur die Uhr tickt, beharrlich, unerbittlich. Langsam beginnt er, Wort an Wort zu reihen, in der lautlos ticken­den Stille, in der allein Wort unb Bild aus der von Lärm und Betriebsamkeit der Welt bezogenen Erfahrung wächst. Und da er als Maurer mit Hammer, Kelle und Senkblei sich viel in der Welt herumgefehen, redet er von seinem Berus, und ba er diesen sein Lehen lang mit entschlossenem Ernst betrieben hat, erhält jeder Satz eine sentenzartige Wendung, gewinnt jedes Wort eine Transparenz, durch die eine seelische Landschaft aufleuchtet, und eine exempla­rische Gültigkeit auch für jenes Treiben km Leben, das nut im Gleichnis mit seinem Beruf zu tun hat.

Wenn Du ein guter Maurer werden willst," so beginnt er, und Tu bauest ein Haus, so merke Dir: räume allen Unrat weg, i'a bis zur Grundseste wirf ihn hinaus."

Sich besinnend, hält er eine Weile inne. Er sieht über das Papier in die Ferne, durch die Wände hindurch, als sähe et dort den Jun­gen, für den 'bestimmt ist, was er zu Papier bringt. Rascher fährt er bann fort:Sei ehrlich, nimm nichts von Deinem Bauherrn, und fällt Dir ein'Ziegelstein in den Schub, werf' ihn zurück, denn Teine Füße geben vor diefem Raub keine Ruh. Räume immer und schnell allen Unrat weg, der sich während der Arbeit anhäust, sonst wird leicht ein Schutthaufen, der Dir den Weg in bie Freiheit raubt. Denn bet Weg zum Morgen ist erst frei mit jenem Tao, ba auf dem gestrigen kein Unrat mehr Fegt, und von Dir wurde feit» geschasst."

Das ist alle?. Und da ich eS lefe, weiß ich, daß es nicht mehr zu sein braucht. te n-