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Bon Dr. Rudolf Kircher(London),
DaZ AnslMdSamt der Deutschen Studentenschaft hat newtß feine Verdienste. Jedenfalls hat cs gearbeitet. Wie steht ez aber um die p s y ch o l o g i s ch e n Erfolge im Ausland? Eine sachverständige Kritik an der Art der Auslandsarbeit ist äußerst selten- Der Londoner Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" gibt im nachfolgenden<nrs seiner genauen Kenntnis der englischen Verhältnisse eine scharfe Kritik an einem Teil dieser Arbeit. Möge die studentische Bürokratie sehen, wie ste damit zu Rande kommt! Es kommt auf die Sache an, die von großer nationaler Bedeutung ist. D. Red. Die letzten der deutschen Studenten, die als Gäste einer Gruppe von Oxforder Studeitten und Graduates während des vergangenen Svmmersemesters cm der berühmten Stätte der englischen Fugend weilten, haben den britischen Boden wieder verlassen und so ist es an der Zeit, über den Erfolg zu berichten. Die Leser der„Frankfurter , Zeitung" erinnern sich vielleicht eines Artikels, der vor dem J Besuch, vor Monaten, über den Zweck der Einladung und : über die Stimmung berichtete, die unsere jungen Landsleute in Oxford und England antreffen werden. Wahrhaftig, ste hatten sich über nichts zu beklagen; Oxford präsentierte sich ihnen von der schönsten Seite. Es gab keinerlei Mißklang, der aus Resten der Kriegsstimmung zu erklären wäre, und auch nach dem Besuch hatte das einladende Komitee keinerlei Mißhelligkeiten. Die Einladung— so wurde immer betont— hatte keine politische Absicht. Gut. Aber ste war ein politischer Erfolg. Das Experiment ist gelungen— junge Deutsche und junge Engländer können auch auf englischem Boden durcheinander leben, ohne sich gegenseitig umzubringen. Ja, ' es wurden Freundschaften geschloffen, Beziehungen ange- knüpst, Verabredungen für die Zukunft getroffen. Ein paar junge Engländer werden den Besuch in Deutschland erwidern und eine zweite deutsche Gruppe soll im Herbst nach Cambridge kommen. Es versteht sich von selbst, daß die Berührung am stärksten war mit den Kreisen, die an sich schon nicht abgeneigt sind, über Deutschland freundlicher zu denken als andere. Die deutschen Studenten haben dabei eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit angetroffen, die man hinter dem Land der„Daily Mail" nicht vermuten sollte. Es fehlte auch nicht an Berührung mit weniger vorurteilslosen Kreisen und auch über diese Erfahrung wissen unsere jungen Freunde l! Gutes zu berichten. Den englischen Veranstaltern, an erster > Stelle Mr. Stocks von St. Johns College und seinem liebenswerten jungen Famulus, gebührt der Dank all derer, die in beiden Ländern guten Willens sind. Da die Reihe der Besuche, wie gesagt, nicht abgeschloffen iist, scheint es ratsam, auf die eine oder die andere Erfahrung ! öffentlich hinzuweisen, die sich bei diesem Anlaß machen ließ, sIn rein persönlicher Beziehung war die Unternehmung nicht so erfolgreich, wie unter jenem sozusagen politischen !Gesichtspunkt. Die Auswahl der deutschen Vertreter war zum Teil sehr unglücklich. Was die Engländer beabsichtigten war sehr klar: es sollten jrmge deutsche Studenten herüber- gcsandt werden, die für die deutsche Art repräsentativ sind und die aus allen Lagern auszuwählen seien. Junge, sympathische Leute, die im Alter des Oxforder Durchschnitts Rehen(also etwa 18 bis 20), die deshalb auch möglichst wenig mit Krieg und Kriegsroutine zu tun haben, die einfach -mlge Burschen und nichts weiter sind und sein wollen— inbeschriebene Blätter, aber doch für den jungen Engländer lesbar, wie eben jeder nette Mensch für jeden netten Menschen Anziehungskraft und instinktiv erfaßten Inhalt hat. Es war somit die Gelegenheit geboten, in Oxford für zwei Monate eine deutsche Jugend-„Ausstellung" zu machen. Wer nur irgend einen leisen Sinn für englische Art hat, der weiß, wie leicht und unfehlbar ein Appell an das englische Gemüt und Auge ist, wie leicht es ist, eine solche„Ausstellung" zu einem zwingenden Erfolg zu machen. Der animalische Instinkt des Engländers verbürgt den Erfolg. Weder„Gewandtheit", noch Sprachtalent, noch Berliner Ueberredungsgabe, noch wissenschaftliche Fundieriheit— ja nicht einmal ein neuer Hut vermag den Engländer so leicht zu gewinnen, wie einfach das beruhigende Gefühl:„da sitzt ein netter Kerl". Der Berichterstatter ist nicht dazu berufen, eigene persönliche Urteile in dieser Sache Mugeben, aber er ist verpflichtet aus- zusprechen, was die Ansicht der Engländer ist: von dieser persönlichen Seite betrachtet war der Besuch zu einem bedeutenden Prozentsatz ein F e h l s ch l a g. Dabei waren nur sechs Deutsche auszuwählen! Die Besucher waren zu alt, zum
Von Erich Trotze Ich will nicht von dem neuen Buche Waldemar Bonsels sprechen:„Narren und Helden.", nicht von seinen ästhetischen Werken und seiner ethischen Bedeutung, von der Eigenart seiner großm, reifen Kunst: das steht mir nicht zu und läge mir auch nicht. Ganz ehrlich gesagt: ichglaubeanchnicht an solche ganz ästhetisch-losgelöste Wertung. Ich. glaube— unter schuldigem Respekt vor allen an der Oberfläche richtigen Tatsachen— so wenig an Genie wie an innere Armseligkeit,— ich glaube an unsere gemeinsame Herkunft aus den Tiefen des Seins, das uns, wenn wir ihm durch Glück oder Fügung nahe kommen(jeder zum mindesten in Strmden seines Lebens), so sehr erfüllt, daß wir überströmen. Aber keiner ist verstoßen, keiner ist werüoser als der andere. Waldemar Dönsels ist auf dem Wege, auf dem sich diese Zeit durch Finsternisse und dunkle Hoffnungslosigkeit zum Lichte tastet, weiter voran als andere. So will er selbst genommen sein. Er will nicht blenden, noch einmal, koste es was es wolle, groß sein, wie die späte, verkaufende Kunst dieser Jahre— er will den Bruder in das Reich ! der Zukunft rufen, das allen gehört.„Ich will allein sein, um mich für eine hohe Gemeinschaft zu rüsten, alle andere Einsamkeit ist Verlassenheit, Trauer und Niedergang"— j so ging er einst vagabundierend in die Welt, nach seinen : Narren und Helden zu suchen. Ich las dieses Buch, kurz nachdem ich auf dem ! Meißner und auch in der Frankfurter Kulttnttagmrg, ' die wenigstens zu Beginn Fugendtagung war, ganz ähnlichen Menschen ins Auge und ins Herz geschaut hatte. Welche Zeit : ist reicher an verwirrender Vielfalt, an einer Fülle suchender > Gestalten, als die unsere, die d r c i R e i ch e d e s M e n s ch e n- . in ms in schnellem Gange durchschreitet? Menschen, die sich nahestehen, reichen sich heute die Hand, finden sich morgen Aeonen voneinander getrennt, stehen am nächsten Tag wieder ' auf demselben Weg— ein ungeheures Werden ist unter uns ausgebrochen. Drei Reiche des Menschentums? Wir wollen davon sprechen. Da ist in diesem Buche ein Schullehrer, Mann der äußerlichen Pflicht, der äußerlichen Verantwortung, der großen , Worte, der vor jeder Notwendigkeit schlicht-menschlicher Tat versagt. Er ist nicht so überscharf charakterisiert wie der Schleich Fritz von Unruh's, der diesen Typ der Zeit zum ersten Mal dichterisch gestaltet hat. Gibt dem Schullehrer seine Frau, die ihn aus reicheren Bezirken der Seele mit schweigender Güte lemt, das Prädikat der Männlichkeit, so erstrahlt er vor Glück. Bonsels denkt nicht daran, wie deutlich werden wird, das Ziel der Männlichkeit an sich abzulehnen;«m Gegenteil: e§ geht ihm gerade Darum— er wendet sich in der Gestalt dieses Schullehrers, wie er sagt, nur gegen die„schamlosen Gewalttaten und gewalttätigen Armseligkeiten, aus denen heute der Begriff Männlichkeit in der Vorstellung der meisten zusammen g-lltzs ist". Er wendet sich, verstehender ausgedrückt, gegen die krampfhafte, von Angst um ihre eigene Erhaltung
Teil Hütten sie schon chre Examina hinter sich(doch hatten gerade die ältesten diesen Nachteil nicht), sie waren zum Teil Reserveoffiziere und Kriegsteilnehmer, sie kamen zum Teil nicht als harmlose Menschenkinder, sondern fühlten sich als Missionäre(die Aktentasche mit Propagandamaterial erregte Gelächter!), ste gedachten zum Teil nicht sorglos für ein paar Wochen mit der englischen Herde zu grasen, sondern besannen sich auf Wirkung und Aufklärung, und mehr als einer von ihnen gehört wohl auch zu einem Typ, der auch in Deutschland nichts jedermanns Geschmack ist. Einzelne hatten dagegen einen unbestreitbaren und großen menschlichen Erfolg. Uebrigens tat wohl keiner von ihnen den Gastgebern den Gefallen, auch ein bißchen ernsthaft in Oxford zu studieren. Wie ist das alles zu erklären? Die Einladung ging an die Deutsche Studentenschaft und wurde dort vom„Ausland s a m t" behandelt. Der Vorsitzende dieses Amts hielt sich natürlich selbst für genügend repräsentativ für die deutsche Jugend. Ebenso natürlich war, daß dieser oder jener andere studentische Funktionär, der sich um die Arbeit der Studentenschaft verdient gemacht hat, mitgenommen werden mußte. In anderen Fällen wurde allerdings korrekter verfahren. Schließlich kommt es nicht darauf an, wie man auswühlt, sondern wen man auswählt. Schlimm ist aber, ivenn man aus ungeeignete Art einen ungeeigneten Menscher: bestimmt. Ich darf auch bei dieser Stelle betonen: ich berichte nicht meine private Meinung, sondern die Auffassung derer, auf die es bei dieser Sache sehr wesentlich mit ankommt: der betreffenden Engländer. Doch fürchte ich, sie haben Recht. Wahrscheinlich ist jedoch überhaupt verfehlt, sich in solchen Fällen der Bürokratie der Deutschen Studentenschaft anzuvertrauen. Gewerlschaftsbeamte sind bekanntlich nicht immer die geeignetsten Parlamentsmitglieder! Und die Studenten, die sich darin gefallen, für die Studentenschaft zu„mozen"— um einen Studentenausdruck zu gebrauchen—, sind nicht immer für die studierende Jugend„repräscntattv",— wenigstens nicht im Sinne des Wortes, das die englischen Veranstalter bei ihrer Einladung gebrauchten. Dies alles auszusprechen ist peinlich, aber es ist unvermeidlich, denn es handelt sich darum, den Fehler nicht zu wiederholen, wenn die Gäste für Cambridge ausgewählt werden. Es wäre auch schade, wenn die jungen Engländer, die nach Deutschland kommen, nur von einem Sttrdentenausschuß zum andern geleitet würden. Das ist nicht wahres studentisches Leben. Irgend ein mysteriöser Geheimrat soll im Auswärtigen Amt mit der Aufgabe brttaut gewesen sein, ein Auge auf die Oxforder Expedition zu haben; wie beruhigend, aber wie erfolglos!
Pädagogische Woche her„Akademischen Kurse" in Düsseldorf. Dom 22. bis 27. Oktober 1923 findet unter Mitwirkung der Lrhrerverbände aller Schulgatttmgen in Düsseldorf, sowie des Zentralmstituts für Erziehung und Unterricht in Berlin und der Nebenstelle des Instituts in Essen eine Pädagogische Woche statt unter_dem Leitgedanken:„Grundlagen und Ziele der Erziehung". In je drei bis vier Vorträgen werden sprechen: Univcrsitäisprostffor Dr. Romano Guardrni(Berlin) über „Etgechtändigkeit und Autorität"; UniversiLätsproscssor Dr. Theodor Litt(Leipzig) über„Sozialpädagogik"; Univerfltätspro- fessor Dr. Eduard Spranger(Berlin) über„Kultur und'Persönlichkeit des Lehrers"; Universtiätsprofessor Dr. Max Scheler (Köln) über.„Die psychologischen Grundlagen der Gcisteswissen- schasten"; Referentin im Thüring. Ministerium Dr. Olga Essig (Weimar) über„Die weibliche Psyche des Kindes- und Reife- alters". Alles Nähere ist zu erfahren auf der Geschäftsstelle der Modemischen Kurse, Düsseldorf, Klostcrstraße 7. Die Kultuttagung in Frankfurt. Hermann Schafft bittet in einer Bescheidenheit, die zu seinem Wesen gehört, von einer weiteren Hervorhebung seiner Person abzufehen. Wir verstehen das imo rerzichren daher auf das geplante ausführliche Referat über seinen Vottrag. In dem in dieser Nummer enthaltenen Aufsatz„Narren und Helden" ist zn den Problemen Stellung genommen. „Fahrten" nach Schweden? Es muß darauf hingcwiesen werden, daß sich die schwedische Press« in letzter Zeit mit der Häufung der Besuche von jungen Leuten der deutschen Jugendbewegung beschäftigt, die die immer berette schwedische Gastfreundschaft entweder ohne Entgelt oder mit Entschädigung durch Konzerte oder Mysterienspiele in Anspruch nehmen. Die Kommentare der Presse sind nicht allzu freundlich. Eine Ausbeutung der Gastfreundschaft unserer germanischen Brüder sollte nicht stattsinden; zum mindesten müßte auf jede Art von Bettelei verzichtet werden.
»i-türfritfr.w. t.
DeMsche WWW. M Ne AM! Von Privatdozent Dr. Wilhelm Mommsen(Göttingen). Ein Ruf, der die jungen Deutschen aufsorderte, einen „Bund der geheimen Einverständnisse" zu grün- dcn, von Menschen, die über alle Parteimeinungen und Interessen hinweg nur daran denken wollen, wie.Deutschland gerettet werden kann, erschien vor Wochen an dieser Stelle. jBiefe Aufforderung wird mit Worten und einer Gesinnung begründet, denen man fast durchweg völlig zustimmen bann; und es spricht ans diesem Notschrei eines über das politische Versagen weiter Schichten verzweifelten jungen Deutschen eine Gesinnung, von der man nur wünschen könnte, daß sie allgemein verbreitet wäre. Wenn ich trotzdem nicht nur einfach meine Zustimmung Mm Ausdruck bringe:: kann, sondern gegen den Vorschlag erhebliche Bedenken laut werden lassen muß, so betreffen sie nicht das Ziel, sondern den Weg, den der genannte Vorschlag zu gehen versucht, nämlich den der Gründung eines.Bundes des geheimen Einverständnisses. Es ist nicht das erste Mal, daß ein solcher oder ein ähnlicher Vorschlag gemacht und seine Durchführung versucht wird. Solche Versuche sind fast stets gescheitert und sie haben im Allgemeinen— die Grüride seien hier nicht erörtert— nur dazu geführt, daß man über die Schwierigkeit, einen solchen Bund nicht nur zusammenzuhalten, sondern zu bestimmten praktischen Handlungen zu bringen, nicht über die Theorie hinweg zu praktischer Tat kam. Was uns heute uottut, ist nicht bi© Gründung eines neuen Bundes, sondern ein sofortiges aktives Handeln aller derer, die die Gesinnung des Verfassers jener Aufforderung teilen, denn auch er ist ja der Auffassung, daß es dazu die allerhöchste Zeit ist. Ein solches Handeln ist, wenn es praktischen Erfolg haben soll, nur möglich in und durch Einwirkung auf all die Organisationen unseres öffentlichen Lebens, die heute einen realen Einfluß auf unsere Geschicke haben, seien es nun Parteien oder andersartige Gruppen. Ueberall in ihnen sitzen Menschen, die als„Deutsche schlechthin" alle Parteimeinungen und Interessen schweigen lassen wollen, um Deutschland zu retten, überall stehen sie mit Doktrinären und Egoisten in schwerem und leider nur selten erfolgreichem Kampf. Hier gilt es anzusetzen, gerade von den Kräften der jüngeren Generation aus, an die sich der Aufruf vor allem wendet. In ihr lebt ja überall ein starkes Kampfgefühl gegen egoistische Jnteressenpolitik und ein lebendiges Empfinden dafür, daß unser deutsches Parteiwcsen veraltet ist und der Umbildung bedarf, daß die alten Parteidoktrinen überlebt und eingerostet sind. Eine solche Umbildung wird aber nicht erreicht durch einen neuen Bund, der höchstens die für diese Erneuerung notwendigen Kräfte aus ihrem bisherigen Tätigkeitsbereich herausziehen kann (auch wenn er das nicht will) und zu realer politischer Macht nur auf dem zurzeit wohl aussichtslosen Wege der Gründung einer neuen Partei kommen könnte, sondern durch aktive Arbeit in den zurzeit bestehenden Gruppen. Es gibt niemand, der wohl stärker von der Ueberlebkheit der augenblicklichen Parteibildung überzeugt ist als der Schreiber dieser Zeilen, und der lebhafter für eine Ueberwindung der Scheuklappen und Doktrinen der Parteipolitik eintritt. Aber gerade deshalb muß mit aller Entschiedenheit betont werden, daß Parteien als Faktoren der politischen Willensbildung zu allen Zeiten bestanden haben und bestehen werden, und daß der einzelne titre in ihnen wirklich realen Einfluß auf die Geschicke seines Volkes bekommen kann, wobei er ganz gewiß nicht zu vergessen braucht, daß die Partei nur d as Mittel zum Zweck ist und weiter nichts. Auch heute sind die Parteien— wie tu allen Zeiten— ein Gemisch von Interessenten grupp- und Gesinnungs- und politischer Zielgemeinschaft. Das Verhängnis unserer Situation ober ist, daß in ihnen allen zur Zeit die Vertreter der Interessen fast durchweg über die„Deutschen schlechthin" das Ueberge- wicht haben. Hier gilt es einzusetzen, hier gilt es, die Gegner der Jnteressenpolitik Es den Kräften der jüngeren Generation entscheidend zu stärken, und überall einer Politik zum Durchbruch zu verhelfen, die an die Retttmg des Vaterlandes und nicht an die Wahrung egoistischer, wenn auch vielleicht noch so berechtigter Interessen denkt. Diejenigen, die diesen Kampf führen, werden sich auch ohne Gründung eines„Bundes des geheimen Einverständnisses" ihrer Gemeinsamkeit bewußt sein und sich in die Hände arbeiten. Ob daraus dann eine Parteiumbildung oder Neubildung erfolgt, können wir Mr Zeit wahrhaftig eine späteres Sorge sein lassen. Nicht die Gesinnung ist das Entscheidend^ sondern daß sie praktisch betätigt wird. Wir sehen immer wieder, daß viele, die sich dem Ruf:„Deutsche schlechthin, an die Front" durchaus anschließen werden, doch
in entscheidenden Augenblicken versagen, nicht weil sie unehrlich, sondern, weil ste zu schwach sind, um dem Egoismus innerlich zu widerstehen. Nicht der Beitritt zu einem neuen Bunde, sondern Selbsterziehung und Selbstüberwindung smd hier das Entscheidende. Nicht durch Kritik der anderen, durch btc heute— das ist der Krebsschaden unserer Tage— jeder Deutschland ju retten meint, sondern durch eigene Tat, die das Beispiel gibt, und dadurch, daß jeder zunächst nut der Kritik bei sich selbst und nicht beim Gegner beginnt, kann unserem Vaterland geholfen werden. Bünde aller Art haben wir genug, neue Gründungen, die letzthin auch eine^ Krankheitserscheinung der Zeit sind, zersplittern nur die Kräfte; zu wünschen aber wäre fteilich, daß sich innerhalb all der bestehenden Parteien und Organisationen fleine, opferbereite und entschlossene Gruppen bilden, die rm Sinne des Aufrufs: „Deutsche schlechthin, an die Front" als aktive und kampfkräftige Stoßtrupps zu arbeiten bereit sind. Aus meiner Antwort an Helmuth Gerlosf in der letzten Nummer ist schon Kar geworden, daß es sich für mich um den gleichen, still-wirksamen Bund in allen bestehenden Organisationen handelt, von dem Wilhelm Mommsen spricht. Mich freut dieses Mißverständnis:: denn so wird deutlich, daß auch Wilhelm Mommsen aus Ei/genstem auf denselben Weg ruft, den Helmuth Gerlosf und ich meinten. Nochmals sei es gesagt: wir wollen an uns selbst arbeiten und um die Anderen ringsum werben, damit j e n s ei t s der„Jnteressenlämpfe" der Gierigen neues Vertrauen und so die innerlich lebendige und wiederum lebensfähige Volksgemeinschaft entstehe, Erich Troß, Magen übeo Werkfiudsrrksn. Auf die dringende wirtUaftliche Notwendigkeit des Weck- ftudementums ist in diesem Blatte nachdrücklich und wiedecholt hingewiesen worden. Bedauerlich ist es, wenn man in der letzten Zeit Klagen über Werkstudenten hören muß. Gewiß darf man Emzelfällc nicht verallgemeinern, muß man verstehen, daß unter Tausenden immer sich unzuverlässige und ungeeignete Elcmsnie cinschleichen. Leider muß'« im letzten Hochschulblatt mitaeteilt werden, daß die Reedereien eine weitere Einstellung von Werk-
Arbeitswillen, fristloses' Verlassen des Dienstes, ja sogar Diebstahl von JnventargerÜLen) Anlaß gegeben hätten. Auch an anderen Stellen sind Klagen laut geworden. Hier muß mit allem Nachdruck eingegriffen warben. Die Werlstudentenarbeit wird aufs Spiel gesetzt, wenn es nicht unverzüglich gelinot, Ungeeignete auszumerzen. Wir haben das Verhauen zur W i r t f ch a f t s h i I f: der Studentenschaft, daß sie all- Wege beschreibt, die eine s.osorttae Sicherstellung der weiteren Werkstudentenarbeit vor Schädigung, durch das unverantwortliche Verhalten Einzelner gewährleisten. ■ Die Doktorwürde. In den„Mitteilungen des Verbandes der Deutschen Hochschulen" nimmt Geheimrat Prof. Dr. S e e b e r g(Berlin) das Wort, um in Ergänzung der Verhandlungen des Marburg« Hoch- schultages zu dem viel disKitietten Thema„Doltortitel" Stellung zu nehmen. Er erinnert an die nahezu einhellige Meinung der Hochschullehrerschaft, den Doktortitel als die höchste alade- mische Ehsre zu erhalten und der in den letzten Jahren ein- geriffenen Entwertung(hat doch auch schon im Ausland der bislang angesehene deutsche„Doktor" an Geltung eingebüßt) mit allem Nachbruck entgegenzuwirlen. Für den rite zu erwerbenden Doktorgrad, kommen als Mittel einer schärferen Kontrolle in Frage: das Abhängigmachen der Doktorprüfting von der vorher zu bestehenden Staatsprüfung, die grundsätzliche Bestellung eines zweiten Referenten für jede Arbeit, die Bedingung, cm der Promotionshochschul^. mindestens ein Semester tatsächlich studierten haben und eine(subimmcho Fakultäten sehr lehrreiche) regelmäßig zu veröffentlichende U e b e r s i ch t über das Verhältnis von Doktoranden und Studierenden in den einzelnen Fächern sowie eine genauere, die Plagiatkontrolle erleichternde Verbreitung der„Auszüge". Bei dm Ehrenpromotionen sei es notwendig, die namentlich von manchen Technischen Hochschulen geübte Praxis, allznlcicht durch keinerlei wissenschaftliche ober allgemein öffentliche Verdienste gerechtfertigte Ehrungen zu verleihen, abzubauen, um den Ehrendoktor wirklich zum„Ehrendoktor" dieser betreffenden Disziplin zu machen. Man wird die Anregungen Seebergs gewiß beachten müssen, da die Titelsucht im neuen Deutschland sich in einer Weise der akademischen Titel bemächtigt hat, die jedes Maß überschreitet und zu eimr wahren Dw k t'o r- Inflation geführt hat. England' spendet Geld. r~ Der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft sind durch Vermittlung der Europäischen Studentenhilfe des Christlichen Studentenweltbnndes aus der vom„Manchester Guardian" veranstalteten Sammlung weitere 3000 engl. Pfund zur Verfügung gestellt worden.
gepeitschte Pose der Männlichkeit, die heute in so vielem, besonders aber im ewigen, rechthaberisch-armseligen Krieg, die Welt erWt. In diesem„Mann"' starb der Mensch, wie es unser Schicksal ist, daß weim wir uns im Ringen nach für ims Uneweichbcwem verhärten, die Seele stirbt. Die Entwicklung war so: als die Menschheit aus ihrer kindlichen Stufe hevaus- trat, bildete sich Wohl die Kapsel der Persönlichkeit— aber noch immer waren dis Mnüungen zum Ganzen so mächtig, daß die Persönlichkett stark und durchflutet war. Noch vor wenigen Generattonen, nach dem Mederanfftieg des Menschen in der Goetheschen Zeit, gab es C h a r a k t e r e zu Haus, keine edlen Menschen schlechthin, aber Männer, die weit, dem Leben offen und verläßlich waren. Wir brauchen nur mit sehenden Augen durch die Straße zu gehen, um alles zu begreifen: wie das äußere Leben stets der Spiegel der Seele ist, so kündet wohl die tote Architektur der letzten Jahrzehnts am klarsten das Sterben des Menschlichen. Es blieb jene Erschrinnng, die zum großen Teile die Welt bevölkerte und der der Kanrps um Wahrhaftigkeit gilt: die von Wesentlichem leer gewordene Kapsel der Persönlichkeit, aus der das Leben entflohen ist, der vielleicht da und dott(zu flugem Zweck!) Idealismus zum Munde Heraustriest, die aber im übrigen vom äußerlichen, brutalen Existenzkampf, vom erregten Suchen und(im Grunde!) Mchtserreichen, vom Unglück also mrd vom Nichts, erfüllt ist. Nicht dem Individualismus, sondern diesem Scheinindividnalismus gilt der Kampf der Fugend. Es ist kein Zufall, gegen dm man ankämpsen könnte, sonderic das Endergebnis dieser Entwicklung in den pokitischm Bezirken, daß die bürgerliche Gesell- schcfft hmte großenteils nicht mehr vom Vertrauen auf ihre eigme Kraft erfüllt, wie in ihren großm Tagen im fteiheit- lichen Lager steht, sondern von Angst und Schwäche, die die Krastpose übertäubm soll, getrieben im Lager der Geioalt steht, daß hmte(heute im Sinne von Halb-Gestern, nicht von Morgen!) die Stunde des Fascismus ist. Fascismus ist der starre Panzer, aus dem der Geist entflohen ist. Wer schreitet über diese Todesstarre hinüber in neuen Tag? Dem Schullehrer, der Lei Bonsels den Typ der erkrmnpften Männlichkeit repräsenttett, steht bei ihm Gregor gegenüber, der äbgedankte Schullehrer des Orts, der gehen mußte, weil ec z. B., um ein krankes Schulkind zu pflegm, den Schuldienst verflmmte, in dessen„Augen die Kinder hineingingen". Er ist Schwächling und Heiliger zugleich. Nur mii Schm läßt sich von ihm reden— von ihm, der an einem Krankmbett wie ein Heiland steht, um einen sterbenden Pfarrer hinüberzugeleitm, für dm der Tod des Einzelnen nicht besteht, von ihm, der sich aber selbst als dm„Unznlänigllchsten" empfindet.„Wie gern wäre ich der Vater eines eigenm Kindes geworden, dies hat sich nicht begeben sollm, denn ich bin, wenn ich mich so ausdrücken darf, keines Weibes teilhaftig gewordm." Ihm ist Ver Bau des Leben äußerlich völlig mißglückt, innerlich völlig geglückt. Es handelt sich um den Verzicht auf alle„Männlichkeit" m jenem besprochenen Sinn. Aber wie seltsam— im gleichen Augenblick strömt das abgekapselte Leben wieder in die Seele ein, sind diese kleinen, zerbrochenen Menschen begnadet und erfüllt, gehen sic verspottet und an gebetet durch die Welt— mit ihrer Dornen-Krone, So gingen einst die Heiligen und Märtyrer
in den Himmel ein. Fürwahr: es ist eine furchtbare, im Kern zerspaltme Zeit, in der sich die Lebensfähigm von den Lebendigen trmnen! Wird dabei nicht vielen unter uns ihr eigenes Schicksal offenbar? Neigen nicht viele unter uns — allerdings ohne die innerlich große Entschloffmheit von Bon- sels Gregor— zu dieser Lebensunfähigkeit(auch wenn ste schließlich in einem Beruf unterkriechen), der eine innere Lebendigkeit wenigstens in der Sehnsucht gegenübersteht? Das Rätsel des Zwiespalts der Jugendbewegung, das Wilhelm S t ä h l i n in seinem„Fieber und Heil in der Jugendbewegung" klassisch darstellte, die relative Existenz-, Ehe-, Berufsunfähigkeit gemd: innerlich starker Glieder der Bewegung, löst sich hier. Auch Knud Ahlb orn und Walter Hammer, die vor dem Zerfließm erschraken und wieder nach Männlichkeit, allerdings auf falschem Wege, suchtm, werden so verständlich, ebenso aber auch ihre Niederlage aus der Mcißnertagung: dmn di« Flamme des Lebmdigen überstrahlt stetz das Strohfeuer des mühsanKn Willens Man muß sich ganz llor darüber sein, daß beide, der Faszist und der Weichherzige, keineZukunft habm, ober man rnuß die Spaltung bejahen, da sie llar macht, wo es gebricht- Wenn ich aber den erkrampften Mann nur verstehe und in seiner geschichMchen Notwendigkeit begreife, so bmge ich vor bem Gregor Waldemar Bonsels in vollkommener Ehrfurcht das Haupt. Denn in ihm bezwingt uns das Göttliche, das Absolute, das diesen Menschen wieder gehört:: wie einst Jesus die späte hellenistische Welt bezwang. Vielleicht müssen wir alle(in vielen, möglichm Formen) durch den Verzicht Gregors schreiten, um wieder Mensch zu werden. Aber wir müssen weiterschreiten. Hier möchte ich warnen. Viele bleiben schon in der Haltlosigkeit des Üeber- tritts aus der abgelebten Welt stehen. Sie machen aus der Not des Verstoßenseins fast eine Tugend. Das sind die ewig „Geschlagenen", die, die sich seW ans Kreuz schlagen, die ans dem Leid eine verstohlene Lust machen. Unser Leid ist uns gegeben, um uns zu neuer, ftuchtbarer. wttkender Freude zu führen. Der Christ und der Hellene gehen heute ein großes Stück Wegs Msammen. Höher als olle Buße, in der Gott empfunden wird, steht auch mir die hellenische Stunde: im durchglühendcn Sonnenschein unseres Tags, vom starken Geruch des Lebens trunkm, niederzusinken, völlig gewiß dieses unausschöpfbaren, ganz in sich ruhenden Seins, durch die Spiegelungen aller bunten, vielfältigen Dinge den blauen, ewigen^Strom schauend, demüttg stark. So mag man wohl betend sein, aber nicht die ewigen Gewalten in dem sinnlos- eigennützigen Beten^der„Frömmigkeit" ansaugend, sondern glücklich-dankbar, gehöre uns nun so viel oder so wenig, wie uns gegeben ist. Aus vielen solchen Stunden allein kann sich der Mensch aufrichten, der wiederum wahrhaft starker, schöpferisch begnadeter und sicher schreitender Mann fft. Seinem Gregor und dem Schullehrer stellt Bonsels in der anderen Erzählung Els und Jannot gegenüber— sieghafter Menschen dieser Art. Sie scheinen mir von ihm noch mit zu großem Respekts gezeichnet, deshalb in den Farben, so in ihrer (von unten gesehenen) Härte übertrieben. Auch handelt es sich um Menschen, die sich gewissermaßen aus früheren Tagen iceben der bürgerlichen Gesellschaft erhalten hüben und dadurch
Zukunft. Meser steghafte Mensch der Zukunft wird stark sein uu doch güttg— rätselhafte Einheit: denn im beruhigte und durchglühten Spiegel seines Wesen iv^rten wieder die beiden wahrhaft menschlicher menschenwürdigen Eigenschaften der Seele: der Kraft und d< Liebe, die heute dem schwachen Sehnen oder dem Augstha gewichen sind. Da dieser Mensch der Zukunft nicht immer ar sein Ich starrt, aus das Schwanken seiner Geltung oder ai seme Verlassenheit, hellt sich ihm der Blick zum großen Schaue; aus dem dann wieder neue Gestaltungskraft bricht, neue Bm kraft m dieser zerfallenden Welt. In der Wissenschaft erscheine wieder wrrlliche Begriffe, nicht überlieferte Akrobatenhflsi mittel des Gehims, sondern konkrete, gefüllte Lebensgeform Herten; tn der Kunst spielen wieder die echten Künstlerkinde unter deren nicht zweifelnden Händen Freude am Leben e blicht, mcht Ehrgeizgepeitschte oder einsam Schreiende; in dl Politik treten neben die schein- und gewolltstarken und do getriebMen, mit dem seines Grundes unwissenden Zorn dc Zert arbeitenden Poincaronaturen und die nichts leiste; den, schwärmerischen Tatenschwätzer wieder gesunde d wahrhaften, ganz vielfältigen Bindungen ftoh empfindend Menschen,^ dre die schleifenden Zügel dieser(auch für d Sieger!) jorgenverhängten, grau, trübselig und schal gewor denen Welt mrt Hellem Blick wieder in die Hand nehmen Fi uns auf den Wogen Geschleuderte gewiß eine seltsame Üebe: rachung: der Anblick der einfachen, schlichten Wölbung de fernen, leuchtendeir Gestades der Zukunft. Denn— was i : a I? Verzicht auf die erkrampfte Mänr be? S5er 1$'',ri u r n?? kwhl nach dunklen Wirrsahrte be*?M°lmn, schließlich, lassen wir uns nur richtig trage; auf das hellenflche Gestade der Zukunft wirst. ^ M^^ch?" vom sieghaften Meirschen neuer Verwurzelum ^och wollen wir damit schließen, zu sagen:«s handelt sich nich um neue Demütigungen, Ehrgeiz, feiges Ducken und Enge. Warn diesen Menschen bedingungslos steghast ist. ist jonberert vers-agt ist. Sie ertr-agen noch eher ft Denrutrgungen, Me für sie keine sind, als dcch Le T-rmmphen der Eitelkeit gierten. Es handelt sich mn dre Ueberlegenheit des Lebendigen, zu den, aber ^.or« sedem offenstehen, vor allem Begrenzten. Gewiß n zu ledex Zest bas Leben tausend verschiede UL F men und Begrenztheitrii haben, aber sie werden nicht n das Wesentliche und Einzige sein und deshalb nicht mehr Men,chhert zerreißen und vom Ganzen abschließen, sondern werden wie die Welten eines Flusses sein, die vergehen w rend der Fluß ewig fließt. Das ist das W u n d e r d e r P e ! onlichkeit, wie jedes echten Teils des ewigen Gan- daß auch im Teil Vollkommenheit, Ruhe und Fülle des@ 3«n sei. lieber den toten Scheinindividualis;nus müssen: hinaus, wie über alles Tote. Aber in der wchen Sehnsucht Ausgestoßenen, im Reiche des blutenden Herzens) bleiben> auch nicht stehen. Nicht weichherzig, sondern wei herzrg und sicher schreitet der Mensch der Z

