Dienstag , 1 . November 1932
Einzelnummer in Frankfurt a , M . and Umgebung ( Rhefn - mabilecher Städtekranz ) tO Pfg . , außerhatb iS Pfg .
2 . Jahrgait ' Nußnaor 257
Mimte
Mimte
Mtiuxa
Voruntersuchung ; ReKcn
Uintzc wegen versuchten
Mordes .
Berlin , 81 . CK .
JJluAtaedeThgmeäu/iff müV £ ßdcheamg
jSporlderNeaeaten " / Reich
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dung / Deine Gesamtheitt
Rundfunk / Hof und Garten
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Eidcenhelmenlr . ) l - 57 . Zeilungz - Reliebüroi
Frankfurt a . M „ Schillerslr . 18 . Fllr unrer »
langt elngeiandte Manuskripte übernimmt
die Redaktion keine Verantwortung . An «
fragen und unverlangten Einsendungen lat
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verkehr 20202 , Fernverkehr 20301 . Teil »
gremm - Adresse : Neuzeif . ung , Frankfurt »
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LebensversichernngsbankA . ß *
Leipzig C 1 . Markt 2
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mark 1108a — « tusammen JIM 8888z —
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Abonnement :
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mark 1888a — » suMmmen Jt < M 8488 —
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ment :
Im Falle des natürlichen Todess mit 1 *
JIM 188 . — # zusammen JIM 888 - e
nach einjährigem ununterbrochenem
Abonnement .
Als Nachweis des ununterbrochenem
Bezugs Im Postabonnement gelten di «
auf den Vor * und Zunamen des Abou «
nenten ausgestellten Postqulttungea .
Für Trägerabonnements sind die In das
Quittungsbuch eingeklebten Harken ata
Nachweis anzusehen .
Die Unfallversicherung gilt vonrl6 . » t ) hl
70 . Lebensjahr »
die Sterbegeldversicherung für die Bin «
trittsalter vom 16 . bis VS . Lebensjahr .
Anmclde - Prlstem ( Meldungen an dem
Deutschen Lloyd ) : für Unfälle : läng »
ateas eine Woche , Jür tödliche Unfälle »
48 Stunden .
Unverzüglich , spätestens am zweitem
Tage nach dem Unfall , Ist ein appro¬
bierter Arzt zuzuziehen .
Sterbefälie sind unverzüglich , möglichst
innerhalb 4 Tagen , anzumelden . Jeder
Abonnent erhält die Vers ( eherungs » Be «
dingungen . die über alle Voraussetzun¬
gen der Versicherung Aufschluß geben .
Die Versicherungs - Bedingungen können
außerdem vom Verlag oder von der
Deutschen Lloyd Lebensversicherung ! *
bank A . « Q . » Leipzig U Markt 8 . be¬
zogen werden .
Der Untersuchungsrichter beim Landgericht UI
bnt _ soeben die Voruntersuchung gegen den
früheren Danfier Hinve , der seine Frau , die
Kammersängerin Gertrud BindernageLHinde ,
' ' c Stad ' " " - * - • - - -
GOmblts kommt noch Rom ,
Wom , 31 . Oft .
Der uflßortW « iMiiitstervrößdent GönchöS
wird , wie die „ Trlbniin - meldet , t » ollcr -
n - ickster gelt nach Rom fonimen , um mit
Multoltn ! zusammenzutressen . Das Blntf totll
Rillen , dab der Besuch gegen Mitte Nodemdeu
tu der Städtischen Oder durch einen Schuft
schwer verletzt hat , wegen versuchten Mordes
eröffnet .
Rcichsmarine und
Kommunisten .
Begesack , 31 . OK .
Angehörige der hier fett einigen Tagen zu
Besuch weilenden Schnellboothatbslottille der
deutschen RelchSmarlne wurden ln der Nacht
zum Sonntag von einer größeren Anzahl Koni -
munlsten ohne irgendwelchen Anlaß tödlich an -
gegrlsfen und nicht unerheblich verletzt . Der
Polizei gelang eS . zwel von den Tälern , dar -
unter den Rädelsführer , festzunehmen .
Kaufhaus unter Triinengas .
. Hamburg , 31 . OK .
Unbefamite Täler Marsen heule nachmittag
ln die VerfausSräume des ElnbettSvrelSgeschällS
Eva eine Anzahl TränengaSbomben , durch die
die BerlaulSräume völlig unter Gas gesetzt
wurden , so daß Publikum und BerfausSpersonal
flüchten mußten und der Berfaus für etwa zwei
Stunden unterbrochen wurde . El » Mann wurde
seltgenommen , der jedoch bestreitet , der Urheber
der Tat zu sein .
Konto Gemelndewahlen in
England .
Laudon , 1 . Stob .
Heute finden in 300 Städten und Bezirken
von England und Wales Gemeindewahle » stall ,
deren Ergebnis man mit belonderem Interesse
erwartet , well aus ihm ersichtlich lein wird ,
wieweit die Bemühungen der Arheltervarlei ,
die bet den Aemetndewahlen tm vorigen Jahre
In 80 der größten Städte über 200 Sitze verlor »
von Erfolg gelrönt fein werden . Die wlchltglten
Themata in der Wahtvrovaganda der Kandt .
Voten waren da » ArbeltSIofenvroblem und die
ltrtttlge Frage des Bedürltlgfeitsna » we > leS .
Tls Kommunistische Parte ! hat etwa hundert
Kandidaten ausgestellt , also nngesähr dovvelt
laviel wte bei den letzten Wahlen . Um dem
fonzentrterlen Angrill der Arbeiter wtderlteben
zu fönnen . haben die Konlervatlbe » und die
LiLeralen dle Zahl ihrer Kandidaten erhöbt ,
und in einer großen Anzahl von Stödten lind
Kombinationen zwilchen den beiden bürger¬
lichen Parteien zustandegelLMinen .
Kommissarischer Kultusminister
Professor Kähler ( deutschnational )
Unser Bild zeigt Professor Dr . Wilhelm
Kühler , den Reichskanzler von Popen in
seiner Eigenschaft als Beiehskommissar
für Preußen zu seinem Stellvertreter im
Ministerium für Wissenschaft , Kunst und
Volksbildung ernannt hat . Der rechts -
mäßige deutsche Kultusminister heißt
Dr . Grimme .
ft
Ich habe den Glauben an Papen verloren
44
Da , Ende des Rechtsstaaf es
Bayerns Ministerpräsident ruft zum Kampf
achrtch tendienst der „ Neuesten Zeitung u . )
tdarf . 1 . November . fteffuttn geleistet fiafie . Das 1
( N
Stuttgart , 1 . November .
In zwei Massenversammlungen der Zentrumspartei
sprach gestern abend der bayrische Ministerpräsident
Dr . Held Seine Reden waren Proklamationen gegen das
Vorgehen der Rechtsregie *
rung . In einer bisher noch
nicht gekannten Schärte
sprach das veriassungsmäßige
Oberhaupt des zweitgrößten
deutschen Freistaates gegen
den Reichskanzler von Papen
und die von ihm eingeleitete
Neuordnung der preußischen
Verhältnisse .
Die Rede war von einer
so ' unerhörten - Schärfe , daß
sie unweigerlich zu einem ,
schweren Staatskonilikt füh¬
ren müßte , wenn nicht die
jetzt herrschende Wahlatmo -
Sphäre den unmittelbaren
Ausbruch des Konfliktes
Bayern — Papen vielleicht
noch verhindert . Das Eine
bann jedenfalls gesagt werden : Nach dieser Rede kann
der Reichskanzler von Papen nicht darauf rechnen , die
Unterstützung des zweitgrößten deutschen Staates für die
von ihm geplanten Maßnahmen zu erreichen .
Die Bemühungen des Herrn von Papen , die mit der
Stuttgarter Konferenz mit den süddeutschen Vertretern be¬
gann , scheinen endgültig gescheitert zu sein . In seiner gestrigen
Rede wandte sich Dr . Held zunächst gegen Hngenbcrg , den er
als den bösen Geist des deutschen Volkes bezeichnete , und
führte dann gegenüber den Plänen der Reichsregierung aus ,
er habe nicht die Ueberzengung , daß diese Regierung födera¬
listisch eingestellt sei . Die Rede des Herrn von Gayl am letzten
Freitag mit dem Lobe des Einheitsstaates habe ihn sehr stutzig
gemacht . Der Ministerprästdcnt sprach dann Won einem „ merk¬
würdigen ^ Kampf Papens gegen die Parteien . Haben denn ,
so fragte Dr . Held , die Parteien den Krieg verloren , die Revo¬
lution angefangen , die Inflation nach Deutschland getragen ?
stellung geleistet habe . Das sage ich , so betonte Dr . Held , der
ich es immer abgelehnt habe , mit der Sozialdemokratie eine
Koalition einzugehen . Das sage ich um der Wahrheit willen .
Wer gegen das Parlament kämpft , kämpft gegen das BoÜ . Den
Zustand , daß in Deutschland wieder eine Oligarchie Herrscht ,
die dann auch wie früher den Katholizismus an die PLand
drückt , können , wir nicht herbcisehnen . Dr . Held sagte weiter ,
die vom Reichskabinett gepalnten Reformen müsse er entschieden
ablehnen . Der Reichsrat dürfe nicht zu einem Prästdialrat
herabgedrückt werden , sondern müsse vielmehr die Rechte des
alten Bundesrats wieder erhalten .
Die Unzufriedenheit mit dem Scholz - Rundfunk greift um sich
123000 Radio * Abgängel
Wer im Südwestfunk spricht , sollte eigentlich gutes Deutsch sprechen können
( Nachrichtendienst der „ Neuesten Z ei tun g “ . )
Dr . Held ,
hagrischer Ministerpräsident .
Für das Parlament !
ES müsse anerkannt werden , daß auch die Sozialdemokratie
nach dem Kriege dem Staate in vielen Dingen sehr gute Hilfe -
Oer Kampfruf
Die Bestellung und die Tätigkeit de » Rcichskommisschs in
Preußen halte er nach wie hör als nicht der Berfassung ent¬
sprechend . Entgegen dem Rat des Staatsgerichtshofes gehechie
Reichsregierung gerade heute daran , ihren Willen in Preußen
durchzndrücken , und zwar ohne die Einwilligung der Länder .
Frankfurt , 1 . November .
Di « Unzufriedenheit , die sich nach der Einsetzung des Papen -
Kommiffors Dr . Scholz bei den deutschen Rundsunkhörern bemerk¬
bar machte , greift immer mehr um sich . Bei allen Postämtern lau -
j fen Abbestellungen auf Abbestellungen ein , und wenn setzt die
Reichspost eine Statistik herausgibt , die nur einen Abgang von
42 000 Hörern bestätigt , so darf man dieser Verlautbarung nur
> mit einiger Vorsicht gegcnübcrtrcten .
I In Wirklichkeit haben , wie wir von bestunterrichteter Seite
' erfahren , 123 000 Rundsunkhörer in den letzten Monaten gekün¬
digt . Diesen Kündigungen sollen angeblich auch Neu - Amneldungen
gegcnübcrstehen — von interessierter Stelle wird eine Zahl von
80 000 genannt — aber auch diese Angaben sind schwer nachzu¬
prüfen . . • ■ • •
Dieses Vorgehen bedeutet , so behauptet Dr . Held ,
das Ende des Rechtsstaates . Wer aber den Rechts *
Standpunkt verlasse , müsse damit rechnen , daß er
den stärksten Widerstand entgegengesetzt bekomme .
Die Tage seien so ernst wie kaum jemals seit 1918 .
Was man wolle , sei offenbar geworden , nämlich die
Verpreußung des Reiches .
Die Maßnahmen in Preußen kehrten die Grundlagen der
Reichsverfassung völlig um . „ Ich Halle jetzt / sagte Dr . Held ,
„ den Gsaullen an das Kabinett von Papen verloren . Ich muß
bekennen , daß ich heute auf das Schwerste enttäuscht bin . ES
ist unmöglich , auch nur eine einzige Minute dazu stillzu -
schwelgcn .
Wenn ich meine Pflicht als bayrischer Ministerpräsi¬
dent , als Anhänger verfassungsmäßigen Lehens er¬
füllen will , dann bin Ich gezwungen , öffentlich
gegen Papen aulzutreten und znm Kampf
gegen seine Maßnahmen aufzuiordern .
„ Kein Wunder — bei d e m Programm "
Die Hanpinrsach « des immer offenbarer werdenden Mißerfolges
ist di « neuerdings rftigefuhrte politische Färbung des Rundfunks
und di « Langeweile , die seinem Programm entströmt . Was auf
diesem Gebiete geleistet wird , haben die verschiedentlichen Ver¬
öffentlichungen und Klagen in der „ Neuesten Zeitung " zur Ge¬
nüge erwiesen . Noch heute häufen sich auf unseren RedoktionS -
tischen die fast täglich einlousenden Beschwerden .
Daß die neuen Kräfte im Rundfunk noch nicht einmal richtiges
und gutes Deutsch sprechen , ist allerdings noch nicht zur Genüge
dargetan worden .
Hier entscheidet allein unser Rechtsbvwnßtsetn und das
LebenSinteresse der deutschen Länder . Di « Einstellung der Koü -
servativen , die den Kanzler mahnen , „ doch nicht über juristische
Zwirnsfäden zu stolpern " , ist geradezu revolutionär . Gegen
solche Aeußerungen einer gewissen Rechtspresse hätte der
Reichsjustizniinister längst einschreiten sollen . "
Papen hafs geschafft . . .
Und Hindenburg hat die neuen Minister ernannt
Berlin , 31 . Oktober .
Dt « Ernennung der Herren Dr . Bracht und Prof .
Dr . Popitz zu Reichsministern ohne Portefeuille , unter
gleichzeitiger Betrauung mit der kommissarischen Berwal
tung des preußischen Innen - und Finanzministeriums , und des
GrelfSwalder UniversitätsprofessorS D . Dr . Kähler zum kom
missarischen Leiter des preußischen UnterrichtsministeriuniS ist
DiePreußtscheKommissariatsregiernng setzt sich
nunmehr folgendermaßen zusamnien :
Reichskommissar : Reichskanzler v . Pape n
Stellv . Reichskommissar für Inneres : Reichsminister
Dr . B r a ch t
Stellv . Reichskommissar für Finanzen : ReichSminister Professor
Dr . Popitz
Stellv . Reichskommissar für Unterricht : Prof . O . Dr . Kähler
Stellv . Reichskommissar für Justiz : Staatssekretär Hölscher
( wie bisher )
Stellv . Reichskonunissar für Wirtschaft lind Arbeit : Staats¬
sekretär Dr . Ernst ( wie bisher )
Stellv . Reichskommissar für Landwirtschaft : Reichsminister
Freiherr » . Braun .
Reichsrat einberufen
Auf Donnerstag , den 3 . November
Berlin , 31 . Oktober .
Zur Vorbereitung der Wiederaufnahme der Reichsratsarbeiten
hat der Reichsinnenminister den Reichsratsausschüß für
Verfassung und Geschäftsordnung schon auf Don¬
nerstag , den 3 . November , 10 Uhr , einberufen . Mit dieser Einbe¬
rufung des Verfassungsausschnsses entspricht Herr von Gahl einer
Forderung der preußischen Staatsregierung , die der Absicht der
Reichsregierung , den Steichsrat erst nach den Wahlen zusaimnen -
treten zu lassen , Ividersprochen hatte . Auf ihren Antrag hin wurde
die Ausschußsitzung für nächsten Donnerstag einberufen . Dabei
soll die durch > as dreimonatige Ruhen aller Sitzungen entstandene
Geschäftslage besprochen und die weiteren Sitzungen vorbereitet
werden .
Bis zu drei Stimmen . . -
Wie sich Gayl sein Plural - Wahlrecht vorstellt
( Nachrichtendienst der „ Neuesten Zei tun g " . )
Berlin , 31 . Oktober .
Die Ausführungen des Reichslnnenministers von Gahl
über die geplante Wahlrechtsreform in seiner program -
mattschen Rede voin vergangenen Freitag haben zu zahl¬
reichen Ziveiselsfragen Anlaß gegeben , insbesondere natürlich
seine Ankündigung eines PluralwahlrechteS für Kriegsteilnehmer
und selbständige Familienväter . Das Reichsiniten »
minlsterium läßt nunmehr heute dazu offiziell erklären , daß keines¬
wegs eine Entrechtung der Arbeitslosen beabsichtigt gewesen sei .
Es handle sich vielmehr um die Gewährung von einer Zusatz¬
stimme an die Männer oder Frauen , denen die Sorge für die Er¬
nährung einer Fanitlie selbswerantwortlich obliege . Ob er den Un¬
terhalt durch Arbeit oder Unterstützung bestreite darauf komme
es nicht an , sondern daraus , daß jeniand außer für sich auch
noch für ein Kind oder mehrere Kinder zu sorgen habe . Nach
dem Tod des Familienvaters gehe die Stimme auf die Witwe über .
Auch wenn die Kinder bereits erwachsen und wirtschaftlich selb -
ständig seien , bleibe die Zusatzstimme dem Familienhaupt erhallen .
Der Begriff des Kriegsteilnehmers , dem ja ebenfalls
eine Zusatzstimme in Aussicht gestellt wurde , müsse noch näher
Umrissen werden , doch soll die Begriffsbestimmung nicht in klein¬
licher Weise vorgenommen werden . Beim Zusammenlresfen der
Eigenschaften eines Kriegsteilnehmers und Familienoberhauptes
finde eine Häufung bis zu drei Stimmen statt .
Was sich der Südwestfunk leistet
Sehr hübsch schildert Joseph Roth im „ Tagebuch " , wie einer
dieser „ neuen " Leute im Frankfurter Rundfunk die deutsche
Sprache nnßhandelt hat . Der S . W . R . hat bekanntlich beschlossen ,
einen Zyklus „ Deutsche Ansprachen " zu veranstalten . Die erste
deutsche Ailsprache sei von einem Mann munens Hanns Jost ge¬
halten worden , sie habe den Titel „ Fortschritt und Standpunkt "
gehabt und sei in einem miserablen Deutsch gesprochen worden .
Roth zitiert dann die Aussprüche dieses Redners :
3 . „ ,, . die Schrüt ist das heimliche Kabel , das die . . »
Energien in den . . . kaum schleudert . .
4 . . Es ist nämlich eine Erfindung von Köpfen , die den
Boden unter den Füßen verloren haben . .
5 . „ Es gibt nämlich nicht nur einen Kampf ums tägliche
Brot , sondern auch einen Gewissenskampi . . . "
6 . „ Der Marsch - Schritt des Fortschritts ist ins Stolpern
gekommen . . . "
7 . „ Gott wollte uns nicht unsterblich , sonst hätte er un ,
unsterblich geschaffen . . . "
*
Fürwahr , eine wohlgelungene Sprache : die Anschauung nimmt
einen Standpunkt ein ; ' der Mensch bezieht seine Kraft aus dem
Nährboden des Standpunktes ; ein Kabel schleudert Energien ; eS
gibt in Deutschland Köpfe , die den Boden unter den Füßen ver¬
lieren ! Roth meint , daß ein solcher Sprecher als Nachfolger
Fichtes nur in den Augen des Südwestdeutschen Rundsunks gelten
kann .
72 Prozent Abbestellungen wegen
Unzufriedenheit
1 . „ . . . und das liegt daran , daß sie ( die Anschauung ) einen
Standpunkt einnimmt . .
2 . „ . . . er ( der Mensch ) zieht seine Kraft aus dem Nähr¬
boden seines Standpunkts . .
Kann man sich unter diesen Umständen ^ - wundern , daß in
Frankfurt der Rundfunk mehr abgeschaltet ist als eingeschaltet
wird ? Und da kommt die Reichspost niit ihrer Staiistik und be¬
hauptet , daß nur 2 Proz . der Abbestellungen wegen Unzufrieden¬
heit mit dem Programm erfolgt sei . Wre es in Wirklichkeit aus¬
steht , mag ein Versuch zeigen , der von privater Seite in einem
Arbeiterviertel , einem Wohnviertel und in einem MttelstandS -
viertel einer deutschen Großstadt gemocht wurde . Von 300 Per¬
sonen haben abbestellt : 72 v . H . wegen Unzufriedenheit mit dem
Programm . 11 v . H . wegen politischer Dinge, - 6 v . H . wegen
Umzugs usw . , 5 v . H . wegen vorübergehender Mweseuheit oder
Krankbeit , und nur der Rest wegen wirtsebafiliilier Notlage .
Diese Statistik steht wesentlich anders auS als die der Reichs¬
post . Nicht 2 sondern 83 Prozent der abgesprungenen Hörer haben
so viel am Programm des Nundstmks auszusetzen gehabt , daß sie
lieber verzichteten . Ob man daraus , auch In Frankfurt » endlich
seine Lehren ziehen wird ? Oder wird man weiter die Programm¬
beschwerden einfach Ignorieren und sich aus den Standpunkt stellen »
daß der Slundsunk - Abonnent zwar zu zahlen aber nichts zu
sagen hat ? !
Kundgebungen gegen Herriot - in Spanien
Während Frankreichs Ministerpräsident kleine Kinder abküßte und ihnen
Orangen schenkte . . .
( Nachrichtendienst der „ Neuesten Zeitung “ . )
Paris , I . November .
Wie die Blätter aus Madrid melden , wird die spartische Re >
, um die Verleihung des GroßlreuzeS der Ehrenlegit
. - - - - - Ministe
en Präsidenten Alcala Zamora zu erwideni , dem
, on an
ünisterpräsi
ttfl . .
Die Morgenblätter schildern ausführlich , wie Herriot sich die
Herzen der spanischen Bevölkerung erobert hat , indem er sich in
den Straßen mit Arbeitern und Bauern unterhielt , auf ösfent »
lichen Platzen kleine Kinder abliißte und ihnen Orangen schenkte .
An die überschwcnglidien Schilderungen über die begeisterte
Aufnahme , die der französische Mlnisterpräsidrnt in Madrid ge¬
funden hat , mischen sich jedoch hi « und da Berichte , die mit einer
gewissen Bitterkeit von den Zwischenfällen sprechen , die der
Besuch HcrriotS hervorgerufen hat . Schon bei der Ankunft des
Ministerprästdentcu in Madrid » rußte eine kommunistische Kund¬
gebung von der Polizei unierdriickt werden . Am Miontag nachmit¬
tag empfingen anardiistische Stndenten ans einer der Hauptstraßen
das Automobil Herriois mit gclletiden Pflsfe » . An der Univer¬
sität kam « 8 zu ernsten Zusammeustößc » zwischen royaftstlschen
u, « d katholischen Studenten , die gegen den Besuch Hcr¬
riotS und die dabei verfolgten Ziele protestierten , mit repnbli -
kantschcn Stlrdenten . Diese Zwischenfälle endeten damit , daß die
Vorlcsnngcn des bekannten sozialistischen RcchtslehrerS Prof .
Jimenez de Asua nicht abgehaltcn werden konnten . Die Studen¬
ten haben einen dreitägigen Proteststreik beschlossen .
Am Montag abend schließlich versuchten Studenten zu einer
Kundgebung vor die sranzöslsche Botschast zu ziehen . Sir wurden
jedoch von der Polizei daran gehindert .
Während die ganze französische Presse der vom Oai d ' Orsay
auSgcgebenen Parole folgend nach wie vor der Reise Herriois
jede politische Bedeutung abzusprechcn versucht , schreibt heute der
„ Matin " , eS zeige sich klar , daß im Augenblick des Wendepunktes ,
an dem sich Europa gegenwärtig befinde , gewöhnliche Höflich -
kcits - und AuSflugszelsen nicht möglich seien . Gewiß schließe daS
BcsuchSprogramm Herrlots jede Möglichkeit zu pollttschen Be¬
sprechungen auS und die Reise habe den Zweck einer Fühlung¬
nahme , aber offcnsidiilich niit der geheimen Hoffnung , baß daS
gegenseitige Verstehen eines Tage » die Prüfung von Lösungen
begünstigen werde , die für die Ausrcchterhaliung des europäischen
Friedens notwendig seien . Trotz allen protokollarischen VorsichlS -
maßnahmen werde der politische Eljarakter der Reise be¬
reits am ersten Tage betont unterstridjen » nd sogar übertrieben .
— Im Zusammenhang damit teilt der Sonderberichterstatter de4
Blattes mit . daß die Mauern in den Straßen der Madrider Vor¬
städte mit Zetteln beklebt und mit Kreide - Inschriften beschrieben
worden sind , in denen „ die Dcutschlnndfrcunde in Geinelnschaft
mit den Kommunisten " gegen ciwaige französische Gelüste auf die
Balearen protestierte » .
Dar Mißgeschick der D 2500
Das Riesenflugzeug muß überholt werden
( Nachrich tendienst der „ N eueste n Z ei tung " . )
Berlin , 1 . November .
DaS Junkersflugzeug D 2500 G 38 , das bei seinem Nordmark -
BesuchSflug auf dem Flugplatz Kiel - Holtenau Im Schlamm stecke »
geblieben war , tmf gestern um 13 . 40 Uhr auf dem Tcmpelhofer
Feld ein - Das Flugzeug wird nun aus dem Strcckenverkehr
herausgezogen werden und kommt auf die Werft zur Ueberholung .
Im Frühjahr bei der Eröffnung der Sommerslugplans wird e »
zum ' regelmäßigen Flugverkehr , voraussichtlich auf der Strecke
Berlin - London , eingesetzt werden .
Die Kundgebung in London
Große Vorsichtsmaßnahmen für den heutigen Tag
( Nachrichtendienst der „ Neuesten Z eitun g “ . )
London , I . Nov .
Angesichts der für heute augekündigten neuen Masseudeutoii -
strationen hat die Leitung der Londoner Polizei umfangreiche Vor¬
sichtsmaßnahmen angeordnet . Sämtlich « Urlaub « , die fUr heute
bewilligt waren , wurden rückgängig gemacht . Nahezu die gesamte
Londoner Polizelmacht wird in der Umgebung des Parlaments
konzentriert werden , während die Regelung des Straßenverkehrs
mehreren tausend Reseroepollzisten , die für heute
elnberusen wurden , überlasien bleibt . Jeder Demonstrationsversuch
In einem Umkreis von einer Meile vom Parlament wird mit aßen
Mitteln verhindert werden . Die Polizeibehörden haben heute eine
erneut « dringend « Mahnung an das Publikum erlassen , den Kund¬
gebungen sernzublriben und dadurch die Arbeit der Polizei zu er¬
leichtern -
Arbeitslosenkundgebung in Chicago
1000 Polizisten gegen 1300 Demonstranten
( Nachrichtendienet der „ Neuesten Z ei tun g “ , )
6 hlcago , 31 . Oktober .
1300 Arbeitslose veranstalteten heute auf dem Michigan Boule¬
vard , der von Wolkenkratzern und Luxushotels flankiert Ist , einen
Demonstrationszug . Aus mitgesiihrten roten Fahnen und Bannern
waren die Jnschristen zu lesen wie : „ SBenigtr Polizei und mehr
Brot ! " , „ Stimmt kommunistisch ! " . Hunderte von Schulkinder hat¬
ten sich den Demonstranten angeschlossen . Auch diese trugen Fah¬
nen mit Jnsä > risten , aus denen Bücher , Kleidung Mahlzeiten und
Traniltahnsahrten ohne Entgelt verlangt wurden . Eine weitere
Inschrift forderte , daß die Ausweisungen von Arbeitslosen au »
Ihren Wohnungen aushören sollte » . Die Kundgebung nahm Ihren
Verlauf unter Aussicht von nicht weniger als 1000 Polizisten , dle
mit Revolvern , Karabinern und TränengaSbomben ausgerüstet
waren . ES kam aber zu keinem Zwischensall .
2L