viennag , i . November 1932
Zeitung » TSmtrterfe Tageszeitung mH Ve * atcftenm &
Seite 3
Bankrotte Firma —
Hohe Gehälter
Der Prozeß gegen die „ Höchster Fahrzeugteile "
Höchst , 1 . November .
Vor dem Erweiterten Schöffengericht wird am 29 . November
der Prozeß gegen die verantwortlichen Geschäftsführer n » d Ge¬
sellschafter der „ Höchster Fahrzeugteile G . m . b . H . " verhandelt
werden . Die Verbindungen , die zwischen dieser Firma und der
„ VereinSbank Höchst " bestanden haben , führten bekannt¬
lich zum Zusammenbruch der Bank . Angeklagt sind die
Kaufleute Adolf Röbig und Theodor Walter , denen verschiedene
Konkursvergehen vorgeworfen werden . So sollen sie Var
allem durch übermäßigen Aufwand und durch verschleierte Ge¬
schäftsführung das Unternehmen zu Grunde gerichtet haben .
Die „ Höchster Fahrzeugtcile " sind Im April 1931 aus der
Firma des Angeklagten Röbig entstanden . Obwohl das Unter¬
nehmen nach den Feststellungen des Büchersochverständigen Dr .
Apelt bei der Gründung nicht leRenSsähig war ,
verstanden eS die Verantwortlichen , nach außen hin die Gesellschaft
als gut fundiert erscheinen zu lassen - Alsbald nach der Gründung
führten erhebliche Schwierigkeiten zur Ueberschuldung . Um stch
am Leben zu halten , haben die Angeklagten von der Geschäfts¬
führung der „ Höchster VereinSbank " sehr hohe Kredite , im ganzen
' 1 . 2 Millionen Mark , entnommen .
Der schwerstwiegende Vorwurf , den die Anklage den Beschul¬
digten macht , besteht in dem übermäßigen Aufwand ,
den ste getrieben haben . ES wird beanstandet , daß sich die Ange -
klagten , ohne die statutenmäßig erforderliche Genehmigung des Auf -
sichtsratS einzuholen , Monatsgehälter von je 860
Mark gegenseitig genehmigten . Es kommen dann noch zum Vor¬
wurf des übermäßigen Aufwandes R c i s e s p e s e n hinzu , die
bei einem der Angeklagten allein 15 006 Mark für ein Jahr be¬
tragen . Weiter wird beanstandet , daß - sich die Angeklagten Pri¬
vatentnahmen aus der Kasse leisteten , die weit über
das Normale hinausgingen . Die Nachprüfungen der Bücher haben
ergeben , daß allein für diese Zwecke 40 000 Mark verschleiert auf «
geführt worden sind .
■ Als zum ersten Male Gerüchte über die schlechte finanzielle
Lage des Unternehmens auftauchten , verstanden es die Angeklag¬
ten , den wahren Stand der „ Fahrzeugtcile " zu verschleiern . Sie
unterließen die gesetzlich vorgeschriebene Aufstellung der
Jahresbilanzen und übcreignetcn für weitere Kredite
Grundstücke , deren Wert sie weit übersetzt angegeben habe » . Als
der Zusammenbruch unvermeidlich schien , haben die Angeklagten
nochmals versucht , den Schein zu wahren . Um schließlich kleinere
Barbeträge hereinzubekonnnen , haben sic den Geldgebern drei¬
fache Sicherheiten gegeben , bis schließlich der Zusammen¬
bruch der Höchster VereinSbank auch das Ende der „ Höchster
Fahrzeugtcile " im Gefolge hatte .
Für die Verhandlung , die vor dem Erivcitertcn Schösfengcricht
in Höchst unter Vorsitz von AnilSgerichtsrat H e n k i n g statt¬
findet , sind eine Anzahl Zeuge » und Dr . Apelt als Sachver¬
ständiger geladen . Die Vcrhandlungsdaucr wird auf mehrere Tage
geschäht . Staatsanwalt Klar vertritt die Anklage .
Proteste und Forderungen
der Bankangestellten
Schulungswoche und Gaukonferenz in Frankfurt
Auf Einladung des Deutschen • Bankbeamten - Vercinsl Ga »
Cndwestdeutschland waren i » der vorigen Woche Vertreter auS
allen südwestdcutschcn Bankplätzcn zu einer Schulnngswoche in
Frankfurt a . M . vcrsanimclt . Eine Reihe wichtiger Arbeits¬
gebiete wurde behandelt . Am Sonntag befaßte sich die Konferenz
mit organisatorischen und sozialen Zcitfragcn . Das einieilendc
Referat hielt Gauvorstchcr Stadtv . Decker , besten AuSsührungc »
großen Beifall fanden . Nach einer lebhaften Diskussion , in der
die vom Gau - und Zentralvorstand der Organisation auch in den
letzten Monaten bewiesene Aktivität wärmste Anerkennung fand ,
wurde in einer Entschließung eine Reihe von Forderungen
erhoben .
Die notverordneten Verbesserungen einiger Leistungen in der
Sozialversicherung müßten als völlig unzulänglich angesehen
werden . Insonderheit würden nur einem geringen Prozentsatz der
Arbeitslosen die Unterstützungs - Erhöhungen in der Arbeitslosen¬
versicherung zugute kommen . Gefordert wird ausreichende Unter¬
stützung aller Arbeitslosen und Hcraussctzung der Zeitdauer in
der Arbeitslosenversicherung oder Herabsetzung der Beiträge . Ver¬
langt wird weiter Aushebung der durch Notverordnung in Krast
gesetzten lohnpolitischen Maßnahmen , nachdem schon heute fcst -
stche , daß durch diese Gewaltkur die erhofften Erfolge nicht zu
erzielen seien . Lebhafter Protest wurde schließlich auch dagegen
eingelegt , daß die unsoziale B ü r g c r st e u e r nicht nur für
1933 forterhoben wird , sonder » darüber hinaus auch untragbare
Prozentsätze sestgelcgt werden . Auf das schärfste nillste eine Po¬
litik bekämpft tverden , die den Erfordernissen sozialer Steuer¬
gerechtigkeit nicht Rechnung trage , einseitig die Lasten den Ar¬
beitern und Angestellten ousbürdc und dadurch eine immer größere
Verbitterung in den Kreisen der Arbeitnehmerschaft erzeuge , wo¬
durch der nationalen Wiederaufbauarbeit schwerster Schaden
. erwachse .
Der Kinobesuch steigt
' Jeder Frankfurter einmal im Monat im Kino
Nach den amtlichen Erhebungen der Städti -
schen Vergnügungsstcuerstelle steigt der Besuch der
45 Frankfurter Lichtspielhäuser mit dem Nahen des Winters .
Während in den letzten zwei Monate » die Ziffer » nur sehr schwach
anwuchsen , zeigt die neue Zusammenstellung vom September ein
starkes Ansteigen :
Januar 1932 : 552181 Kinobesucher , Februar : 457 748 Kino -
besuch er , März : 406 272 Kinobesucher , April : 397364 Kinobe¬
sucher , Dtai : 347 760 Kinobesucher , Juni : 267 594 Kinobesucher ,
Juli : 250164 Kinobesucher , August : 285 302 Kinobesucher , Scp -
tember : 414 430 Kinobesucher .
Die Einnahmezifsern liegen amtlichcrselts leider nicht vor . Nach
den Feststellungen der Kinos hält aber die Abwanderung
des Kinopublikums zu den niederen Platzlate -
garten ständig an .
46 Diebe begehen 51 Diebstähle
Worms , 31 . Oktober .
Vor kurzem wurde mtlgeteilt , daß durch die Kriminalpolizei
etwa 33 schwere Einbrüche in Worms und Unigcbung ansgcklärt
und 39 Täter ermittelt und festgcnoimncn worden waren . Die in
dieser Sache weiter betriebenen kriminolpolizeilichen Nachforschun¬
gen haben nun dazu geführt , dieser Bande noch weitere schwere
Einbrüche nachznweiscn und sieben Mittäter zu ermitteln , von
denen fünf dem Amtsgericht zngcfübrt wurden . Die Gcsaintzahl
der von der sestgenonnnenen Bande in Worms und näherer Uni¬
gcbung in der Zeit vom Frühjahr 193t bis September 1982 ouS -
geführten schweren Einbrüche beläuft sich auf 51 . Ermittelt wur¬
den insgesanit 46 Täter .
Bedenkliche Sparmaßnahmen beim Reiiungswesen
Abbau auf Kosten der Hilfeleistung
Verminderung der Transportwagen g
sind viel
Das städtische Revisionsamt hat , tvie in der „ Neuesten Zei -
tung " schon dargelcgt wurde , angeregt , neben dem städti¬
schen K r o n k c n t r a n s p o r t w c s e n auch die privaten Rate -
Krcuzkolonncn zum Fährbetrieb hcranzuzichcn , um dadurch
Ersparuissc für die Stadt zu erzielen - Ergänzend schreibt unser
ii . v - M ! ! arbeitcr dazu : Das S t a d t g c s u n d h e i t s a m t , das
jüngst eine Verbilligung der Krankcutransporic für die OrtS -
krankcnkassc um 10 Prozent hat eintrctcn lasten , plant verschiedene
Bciriebscinsebränkungen , durch die der Zuschuß für das kommende
Jahr von 33 000 auf rund 23 000 Mark gesenkt werden würde .
Diese Ersparungen solle » darin bestehen , daß am Freitag nacht der
Der „ Unbekannte “ aus dem D - Zug entlarvt
Es war nur ein blinder Passagier
Ausgerissen , weil er die Miete schuldig war
Wiesbaden , 1 . Nov . Mainz , die den Schlosser kennen , erkannten ihn in dem , Bild so -
DaS Rätsel um den geheimnisvollen Unbekannten , der an¬
scheinend beraubt und betäubt in Berlin in einem Abteil des
O - Zuges Wiesbaden — Frankfurt — Berlin ohne
Fahrkarte aufgesundcn wurde und keine Auskunft über sich gibt ,
so daß er jetzt in die Irrenanstalt H e r z b e r g c in Berlin
zur Beobachtung seines Geisteszustandes gebracht wurde , ist ge ^
löst . In ' dem in den Zeitungen verösscntlichtcn Bild des Mnnncs
erkannten Kriminalbeamte aus dem Ortstcil Wiesbaden - Biebrich
den Schlossergehilfen Richard B a u e r . wieder - der
ledig ist , in Biebrich seit längerer Zeit wohnte und im Oktober
1890 in Mainz geboren ist . Auch Einwohner in Biebrich und
fort wieder , ebenso steine hiesige Wirtin ; ihr > var er für mehrere
Monate für ein möbliertes Zimmer die Miete schuldig ge¬
blieben . Ihre Mahnung zur Zahlung halte den Erfolg , daß
Bauer verschwand . Er nahm den kürzesten Weg durchs Fenster der
Parterrewohnung und rückte ohne weiteres , ohne Mitnahme seiner
Sachen , ab . Er blieb seit jenem Tage , dem 18 . Oktober , ver¬
schwunden . lieber sein Vorleben und seinen . Aufenthalt seit jenem
Tage und über cttvaige Vergehen , die er sich inzwischen hat zu¬
schulden kommen lassen , sind sofort polizeiliche Ermittlungen aus¬
genommen worden .
Nasse Asphaltstraßen —
die Herbst ge fahr der Großstadt
So naß Karen bis gestern unsere Straßen n ml Platze ,
kalte , Winter beginnen ?
uird jetzt der trockene und
Seit Wochen herrscht Regen -
lvetter . Tag für Tag fieselt es
oder gießt ' sogar in Strömen .
In dieser Zeit der nassen und
nufgewcichtcn Wege , der glitschi¬
gen und schlüpfrigen Asphalt¬
straßen ist Vorsicht am Platz .
Wie leicht kann man ansrutschen
und sich dabei verletzen . Viel
größer aber ist noch die Gefahr
für Automobile , Motorradfahrer
und Radfahrer . Die Gnmmireifen
verlieren ans dem glatten und
zudem durch eine dünne Schmntz -
schicht schmierigen Asphalt jeg¬
lichen Halt . Auch für Tiere ist
die Gefahr groß . Die mit Hufen
beschlagenen Pferdefüße gehen ,
an dem Bild kann man cs deut¬
lich erkennen , vorsichtig und
Schritt für Schritt sichernd über
> it gefährlichen Asphalt . In
dieser Zeit , in der die Straßen
zn gefährlichen Bahnen werden ,
' olllc jedermann vorsichtig und
. gewissenhaft sein . Tiere nicht zn
- unnötiger Eile antrestben und
Fahrzeuge nicht mit Höchstge¬
schwindigkeiten durch die Straße »
rasen lassen .
Ein deutscher Pädagoge
wird von amerikanischen Hochschullehrern geehrt
Eine sinnvolle Ehrung und Anerkennung seiner Wirksamkeit
haben amerikanische Hochschulprofessoren und Dozenten Technischer
Hochschulen dem Frankfurter Schulpädagogen Gcheimrat Dr . Mai
Walter zu seinem 75 . Geburtstag nachträglich zuteil werde »
lassen . In einem geschmackvoll auSgestattcten Sammelbandc sind
53 Glückwunschschreiben » iedergclcgt , die cbcnsovicle
Würdigungen der Waltcrschcn Verdienste um den ncusprachlicheni
Unterricht enthalte » , im besondere » aber wird darin zum Ausdruck ,
gebracht , welche Anregungen durch die deutsche Methodik a » ß
Amerika übergegangcn sind . Die ' Adressen sind von dem Fübrei
des deutschen Philologentums in Amerika , Pros . Max Gricbsck
von der Madison - Universität in Wisconsin , eingeleilet .
Universitätsproscssor Eainillo von Klcnze schließt die Gesamt
Huldigung mit folgenden Sätzen ob : „ Welcher deutsche Sprach
Pädagoge vevdielltc mehr als Walter die Dankbarkeit amerikani¬
scher Sprachlehrer ? Hat er unS doch ganz neue Wege gewiesen
oder uns in neuen Anschauungen bestärkt in einer Zeit , als der
alte Zopf in Hunderte » unserer amerikanischen Lehranstalten be¬
stand . Durch die Wucht seiner wunderbaren Lehrerpersönlichkeit
hat er es vermocht , längst vergilbte Methoden als lächerlich er¬
scheinen zu lassen und selbst dem dürftigsten Lchrerchen Mut und
Freude an seinem Berus cinzuflößcn . Möge Max Walter unS noch
viele Jahre erhalten bleiben ! Selbst jetzt noch , obwohl er nicht
mehr aktiv ist , gilt er uns amerikanischen Pädagogen als Vorbild
und Anreiz . "
Durch eine Bandmessermaschine verletzt
Der Hausmeister C . He l s r i ch von einer Frankfurter Tuch -
Großhandlung machte sich Montag nachmittag in dem Bockcnbcimer
Zweiggeschäft der Firma an einer Vandmcsscrmaschine zu schäfte »
und kroch zu diesem Zweck unter den Apparat . 208 er sich , wieder
hochrichtcn wollte , geriet er mit den Haaren in das Äcsscrwerk ,
das ihm erhebliche Teile der Kopfhaut hcninterriß . Der
56jährige Mann kam schwerverletzt in das Krankenhaus .
Ein Erfinder sitzt im Gefängnis
Der „ Kollege " des Justizministers will die Menschen von allen Krankheiten
erlösen und Kriege gewinnen
Das hiesige Gefängnis beherbergt augenblicklich einen
85jährigen Monteur , einen blassen , schmalen Man » , an dessen
moralischem Niedergang die Eltern ein Mitverschulden trifft . Nach
dem Krieg befand er sich meist in Strafanstalten ; erst kürzlich hat
er eine Strafe wegen Zuhällerei erhalten . Der Monteur ist einer
der interessantesten Gäste der Strafanstalt , interessant wegen der
Originalität seiner zahlreichen Briefe . Kürzlich hat er dem
preußischen I u st i z in i n i ft e r unter der Anrede : „ Sehr ge¬
ehrter Herr Kollege " geschrieben . Er teilt mit , eine epochemachende
wissenschaftliche Arbeit angesangen zu haben . In der neuen Sache
handelt es stch um die Erforschung der U r stro h l e n , ins -
besondere der Theorie der Erd - und Menschen - Todesstrahlen . Der
Staat , der sie zu Kriegszwecken verwendet , wird immer Sieger
bleiben . Er bittet um baldige Nachricht , ob die Verhandlungen
zwischen ihm und der preußischen Regiepung zwecks Ankaufs der
Erfindung beginnen könnten und verbleibt „ mit kollegialem Gruß "
der stets ergebene Erforscher und Begründer der Urstrahlen . Der
Monteur ist nicht nur ein spekulativer Kopf , sondern auch ein
Man » , peinlichster Gewissenhaftigkeit , denn er - fügt dem Brief seinen
Aaumenabdruck bei . siamii kein Betrug stattfinden kann " .
. ) Der Monteur gibt sich aber auch als Erfinder eines Allhetl » .
s e r u m L aus . Eiu Brief von seiner - Hand besagt , daß es ihn :
nach jahrelangen Versuche » gelungen sei , ans Sästcn der Pflanzen
eine Flüssigkeit hcrzustellcn , die alle Krankheiten heilt . Ei » Kubik¬
zentimeter unter die Haut gespritzt , tötet alle Krankhcitskcinie und
scheidet sic auf natürlichem Wege aus . „ Man darf ruhig vom
Wendepunkt der Menschheitsgeschichte sprechen, "
behauptet er kühn und klagt , daß sich die Aerztc gegen ihn ver -
schworen hätten und ihn unschädlich machen wollte » . TaS sei
nur zu natürlich , den » seine Erfindung werde ja die Acrzte brot¬
los machen . Die Acrzte hätten erfahren , daß er ein Verhältnis
mit einer verheirateten Frau habe . Das sei nichts Gesetzwidriges .
Maria Theresia Hab « ein Verhältnis mit einem Pferd , Katharina
die Zweite ein solches mit einein Esel gehabt . „ Das sind ja schlie߬
lich Gcschmacksachen , über die sich streiten läßt . " „ Ich denke wie
der Alte Fritz , daß jeder » ach seiner Fasson selig tverden . soll . "
Der Monteur ersucht um seine Freilassung — und das ist
deS Pudels Kern — um seine Erfindung auSarbeiten zu können ,
für die er von Preußen ztvanzig Millionen Mark haben will .
» Ich hoffe , daß das Justizministerium sich der hohen Ehre ,
die es durch mich zuteil geworden ist , indem es Mitwirken kan »
an ' dem Zustandekommen der Verhandlungen der Regierung und
meiner Persönlichkeit ganz bewußt ist . " Hoffentlich läßt sich
Preußen die günstige Gelegenheit nicht entgehen .
Sammlung
liir die deutschen Kriegergräber
Am 1 . und 2 . November findet in G r o ß - F r a n k f u r t eine
Straßensammlung und Fried Hosssammlung
zugunsten der deutschen Kriegergräber im Au s -
lande statt . Von unseren 2055000 Gefallenen liegen 1800 000
fern von der Heimat in fremdem Land . Allein
a : is Frankreich kehrten 930 000 nicht iit die
Heimat zurück . Welch eine Sninnic von Lebens¬
kraft und Lebensfrendc , wieviel Vaterstolz und
Mutterglück bedeuten diese 030 000 Toten , die
350 000 , die Polens Erde deckt , die 150 000 in
Belgien und all die vielen Hnnderttausende , die
in 43 Ländern der Erde und in den Tiefen der
Meere und Ozeane ruhen .
Das sind Zahlen , die an § Herz greifen , die in ihrer Wucht
und Eindringlichkeit — man sollte meinen — niemals vergessen
werden könnten und doch von so vielen vergessen worden sind .
Der Volksbnnd Deutsche Kriegsgräberfürsorge
betrachtet die Sorge für die Ruhestätten dieser Toten als heiligste
Pflicht , die auch in schwerster Notzeit unabweisbar bestehen bleibt .
Gebe darum jeder den Sammlern und Sammlerinnen am 1 . und
2 . November seine Spende .
Helft , unsere E h r e n st ä t t e n würdig a u s z u ge¬
stalten !
Den Dieben die Tür geöffnet
Ein raffinierter Trick gibt die Lehre : Laßt keine Fremden
ins Haus
Von einem gerissenen Einbrechcrpaar ließ stch Sonn¬
tag abend der Sohn des Inhabers eines Kurzwarengeschäfts in der
Schiveizcrstraße hineinlcgen . Als der junge Mann abends
gegen 20 Uhr nach Hause kam , traf er am Hauseingang mit zwei
jungen Leuten znsamnicn , die Ihn baten , sie mit in das Haus
hereinzulasscn . Ohne Argivohn öffnete der Sohn des Geschäfts¬
inhabers die Haustürc . Die fremben Leute taten , als ivollten sie in
den oberen Stockwerken einen Besuch mache » . Nachdem der junge
Mann in seine Wohnung gegangen war , schlichen sich die Fremden
wieder i » S Parterre mib öffneten unter Zuhilfenahme von . Brcch -
werkzcucn vom HauSgang aus die Tür zu dem Laden . Hier haben
sie dann einen größeren Posten Strümpfe verpackt . Der Schaden
beträgt mehr als 1000 Mark
Später verschlossen die Einbrecher die Eingangstüre vom Haus¬
flur aus , so daß der Diebstahl bis Montag morgen nicht entdeckt
wurde . Es gelang de » Dieben , unerkannt zu entkonunc » . Durch
die Leichtgläubigkeit des jungen Mannes ist de » Dieben die Arbeit
sehr erleichtert worden .
Der Einbrecher mit den Masken
Bei einer Dame im O e d e r w e g mietete sich vor einigen
Tagen ein elegant gekleideter Herr eiu . Nack ) kurzer Zeit schleppte
ec eine » über Gebühr schweren Koffer mit auf das Zimmer , kün¬
digt aber zugleich das Mietsverhältuis , da er angab , dringend ab -
reisen zu müssen . Als am nächsten Morgen die Wirtin ihren :
Zimmerherrn Kaffee brachte , lag auf dem Nachttisch ein Re¬
volver ; auf den : Bett halte der Mann eine Halb - uno eine
Ganz maske für das Gesicht ausgebreitet . Der junge
Mann verschwand dann nach kurzer Zeit auS der Wohnung , nach -
deni er seine Miete prompt entrichtet hatte . In ihrer Aufregung
vergab die Frau , sofort der Polizei Mitteilung von ihren Wahr¬
nehmungen zu machen . Offenbar handelt es stch um einen Ein¬
brecher .
Einbruch
Sonntagmorgen wurde in der Wohnung eines Fahrradhändlers
in der Z i t r o n e n a a s s e ein Einbruch verübt . Den Dieben fielen
250 Mark bares Geld , eine goldene Uhr , Ringe und Schmucksachen
im Werte von 600 ln dl « Hände .
eplant — Aber die Transportkosten
zu hoch
dritte Wagen ausfällt , daß am Sonntag ( Tag und Nacht ) nur
zwei Trausportwageu ( bisher nachts drei und am Tage vier )
verkehren sollen und daß an den Werktagen von 23 bis 8 Uhr
nur ein Wagen ( statt zwei ) i » Dienst gestellt tverden soll .
Aus Kreisen des Rote » Kreuzes tvird uns erklärt , daß diese
privaten Gesellschaften gar nickt daran dächte » , das gesamte
Kranlentransportwesen zu überuehtuen ; sie ivvlleir nur an den
Transporten und dem allgemeineu ReitnngSdietist beteiligt werden .
Das sei bisher nicht der Fall geweseti , tveil die Rote - Kreuz «
Kolotinen in ihrer Aktivität durch die Riehtliitietl utid Grund¬
sätze des allgomeineu Ausschttsses für Rettungstvesen behitidert
seien . Bemängelt wird von dieser Seite der hohe P r e i s s ü r
die Krankentransporte , der hetiie nicht mehr zeitgeniäß
sei . Fiinf Mark Grundgebühr für einen Wagen und 50 Psetitiig
für den Kilometer sei heute unbedingt zu hoch — eine z ehn -
prozentige Verbilligung der Krankentransporte durch
die Stadt sei viel zn wenig . Von der Gegenseite wird daratlf
hingewiesen , daß die Heilgehilfen , die im Krankentransport -
Wesen tätig sind , mehrere Jahre tit einer Krankenanstalt gewesen
lein müssen und chirurgische Vorbildung haben , was bei anderen
Kolonnen nicht der Fall sei . Es wird gewarnt vor einer Zer¬
splitterung deS Krankentransportwesens ; bei ollen großen Kom -
munen sei es in städtischen Händen .
Die Einsparungen des Stadtgesuudheitsamts scheinen zn rigoros
zu sein . Das Krankentransportwesen unserer Stadt ist vom
Ministerium und denr Provinzialansschuß für ReltungSwesen in
Kassel wegen seiner straffen Organisation anerkannt worden . Sein
Meldewesen und sein Betrieb geben Gewähr , daß bei Unfällen
aller Art die Verunglückten sachgemäß behandelt und dem nächsten
Krankenhaus zugesührt werden . Unfälle häufen sich gerade zur
Nachtzeit und oft auch an den Sonntagen , so daß ein schlag¬
fertiges Krankentransportwesen ebenso notwendig ist , wie z . B .
die Feuerwehr , an deren Einschränkung niemand denkt . Der
städtische Unterausschuß für R c t t u n g s w e s c n hat sich ,
wie wir hören , bereits gegen diese Einsparungen aus¬
gesprochen . Dasselbe wird aller Voraussicht nach auch die Stadt -
verordneten - Vcrsamnllung tun , bei der , wie schon gemeldet , ein
Antrag des Stadtv . Dr . de Vary vorliegt , das jetzt schon mit
äußerster Einschränkung arbeiten . de Krankentransportwesen in
seiner bisherigen Organisation zn lassen und den etwa entstehen¬
den Fehlbetrag durch Einsparung an anderer Stelle als an dieser
für die Sicherheit der Frankfurter Bevölkerung unentbehrlichen
Einrichtung zu decken .
Die „ Geheimwissenschaft “
Devisenvergehen ohne Vorsatz
Ein Handwerksmeister hatte 1927 zugunsten seiner Kinder
ein Vermögen von rund 2 0 0 0 0 M a r t in der Schweiz
angelegt , > vas damals ohne weiteres angängig war . Vor
einiger Zeit teilte nun das Landesfinauzaint Baden dem hiesigen
Finanzamt mit , daß der Handwerlsmeister ein Konto bei einer
Schweizer Bank unterhalte . Eine Nachprüfung ergab , daß eine
Anmeldung bei der hiesigen Devisenstelle nnterbliebcu war , daß
der Handwerlsnieister der Steuer gegenüber das Vermögen aber
nicht verschwiegen hatte .
_ Der Handwerksmeister bekam eine Anklage wegen De¬
vise n v e r g c h c n s . Sein Verteidiger betonte , daß der Ange¬
klagte aus Unkenntnis die Angabe nicht gemacht habe , denn er
habe geglaubt , nur kaufmännische Forderungen seien der De¬
visenstelle initzutcilen , nicht aber Forderungen gegenüber einer
Bank . Man müsse dem Laienpnblikum zugute halten ' , daß die viel¬
seitigen Devisenbestimmnugcn heute geradezu eine Gcheimwissen -
schast bedeuteten . Auch er , der Anwalt , habe sich einmal in Un¬
kenntnis der Bestimmungen befunden . Er wohne . in einem Haus, ,
das einer ausländischen Gcscllschast gehöre lind habe die Miete
au die Gesellschaft weitergezahlt , während dies nicht mehr gc, -
schehen durfte . Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 400
Mark Geldstrafe und nahm dabei an , daß der Angeklagte
fahrlässig und nicht torsätzlich handelte . Das Gesetz spreche von
Guthaben und cs konnte kein Zweifel sei , daß damit Geld gemeint
war , das im Ausland angelegt ist .
Unter schwerer Anklage
aber noch glimpflich abgegangen
Vor der Großen Straskammcr wurde erstmals ein Fall ver -
handelt , der vor das Soudcrgecicht gehören würde , wenn ein
solches in Frankfurt gebildet wäre . Tie vier beschuldigten Kom¬
munisten aus Rödelheim , von denen zwei in Untcrsuckungshasl
waren , sollten gegen die Tcrroruotvcrordnung von , 9 . August ge¬
fehlt habe » , die La n d f r i c d c u s b r u ch ausschließlich mit
Zuchthaus bestraft . Am 15 . August hatte ein Polizcibcamter einer
Meuscheuausammlung in Rödelheim , die ruhcstörcudcn Lärm
verübte , Ruhe geboten und zum Fortgehen ousgesordert . Es wurde
ihm gesagt : „ WaS willst du denn hier , hast du auch ctivas zu
sagen , mach daß du weiter kommst . " Der Beamte holte sich Ver¬
stärkung und machte sich dann auf die Tuche nach dem Mann , der
ihn zum Weitergchen ousgesordert hotte . Er stellte ihn am „ T rut¬
schen Hof " , und als er die Personalien verlangte , fragte ibn der
Angeklagte , warum er so aufgeregt sei . Der Angeklagte behielt die
Hände in der Tasche , trotzdem er ousgesordert wurde , sic aus der
Tasche zu nehmen . Der Beamte riß ihm die eine Hand aus der
Tasche . Als der Angeklagte dann mitgchen sollte , weigerte er sich ,
riß sich loS , schlug um sich und konnte nicht sistiert werden . Es
sammelte sich Publikum , das johlte . Ter Beamte erklärte , von
seiner Waffe Gebrauch zu machen , wenn der Angeklagte nicht mit .
gehe , der erwiderte , er werde sich beschtvcrcn . Plötzlich ries jemand
in der Nähe : „ Schlagt ihn doch nieder ! " Diese Worte gatten dem
Schupo , der sich umsah und den Arbeiter Heinrich S . erkannte .
Als S . sortlaufeu tvolltc , eilte ihm der Beamte nach und ergriss
ihn . S . aber entwandt sich alsbald seinen Hände » und kniss au ? .
Ncuglerige , die herbeiströmtcn , hielt der Polizist mit der Pistole
zurück . Es wurde daun der zuerst genannte Beschuldigte — Fritz
D . — sistiert , der jetzt auch guttvillig mitging . Die weiteren zivci
' Angeklagten sollte » dem Trupp gefolgt sein , ivobci der eine schrie :
„ Guck cmal da , der hat eine Pistole . " Rechtsanwalt Steinsch : : eider ,
der Verteidiger der Angeklagte » , bemühte sich , den Nachweis zn er¬
bringen , daß ein Verbrechen gegen die Terrornotverordnung nicht
voriiege . Ter Staatsanwalt ließ auch die dahi » gehende Anklage
fallen und bcanlraglc zwei Angeklagte freizusprcchc » und gegen S .
tvcgcn Aufforderung zu Getoalttätigkeite » vier , gegen D . wegen
Widerstandes ztvci Atonale Gefängnis . Das Gcrichl eut -
schicd nach diesem Antrag und rechnete die ilntersuchungshast au .
- EW - MO
Anny Ondra als „ Klkl " und Hermann Thimig als
Theaterdirektor in dem neuen Tonfilm , der ab
haut « Im Glorla - Palait läuft