Nummer 307
« Neueste Zeitung » Illustrierte Tageszeitung mit Versicherung
lummer 307
Samstag , 31 . Dezember 1932
Die beese Buwe von der Töngesgaß
Prost Neujahr , ihr Berjer !
E ’ Frankforter Silvestergeschicht ' mit bösartige Zufall ' , doch durchaus gutem End ’
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„ So , jetzt iß awwer hoffentlich alles beisainine, " hhat der
Schreinermaaster Renh schnaufend bemerke , um seiner Fraa
gleichzeitig c ’ dick ' Pnket mit Wcrscht unn Schitcke uff der
Klchcdisch ze lege , „ jetzt könne mcr Silvester feiern . Wein iß
noch c biss ! im Keller , unn for der Acppclwein unn der nötige
Grog wer ' ich der aach noch besorgt sein ! " Dabei entrang sich
seiner gequälte Männcrbrust cn leichter Scufzer , während die
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„ 101 , wie soll - ich ilnnn lieimt Abend idnlicnische Saint iimclic ? “
Fraa Reich beim Usfwickclc von dem Paket , des ; merklich schecne
Sache enthalte hat , sofort mit Kennerblick feststellc » i » s ; t , das ;
ihr Sciman doch die Görke vergesse gehabt hat ' , die sc ' m extra
so warm ans Herz dhat , wie er fortgangc iß .
18 die Gork , du Schoote ?
„ Ei , wie soll ich dann heunt awcnd idalienische Salat mache ,
wenn de mer die Gorkc » et mitbringst , du Schoote , wo de doch
ganz genau waasit , das ; unser sclbsteingcmachtc schon im
Sommer alle schimmelig geworn sinn . . . , maanst de vielleicht ,
ich will mich bei unserer Verwandtschaft blamier » , wo mcr doch
des Haus voll Gäst hawwe . . . ? "
Uff die dorchaus Mißbilligende Antwort von seiner Fraa
hat der de Herr Reich nor die Versicherung iwwerig gehabt ,
daß er die Gorke noch besorge dhät , um so mehr , als sich aach
des Kathrinche , der dienstbare Geist von der Familie Rcntz , mit
eine scheele Blick der Aussührunge von der „ Madam " ange -
schlosse hat , so , als wollt ' sc sage , was verstehn aach die Buwe
schon vom Einkaaf von de wichtigste Lewcnsmittel .
„ Gelle , laß der awwer aach feste , lange , schmale gewwe, "
hat die Fraa Reich noch emol ihrm Schaan uff die Trepp nach -
gekrischc , „ Unn guck aach emol » ach de Buwe » ff der Gaß , die
Loiszippcl solle haamkomme unn mer e ' bissi beim Kreppelbacke
helfe , wo doch die Lisbeth noch ihr Got ' * ) besucht ! . . . "
Unn so iß ganz allmählich die letzte Nacht des Jahres iwwcr
di « Dächer von der Franksorter Altstadt gekrawwclt komme . In
den « klaanc Gasse hawwe die Buwe ihr paar Penning , die se
der Mutter schmu gemacht hatte , in Feuerwerk und Frösch ' an¬
gelegt . „ Der Vatter Renh iß haamkonnne , sröhlich unn guter
Dinge ; denn er hat ' en Dämmcrschoppe gemacht gehabt , ' s Lis -
bcthchc hat sich cwcfalls cingefunnc , um in der gute Stubb de
Disch zc decke unn der Mutter unn dem Kathrincl > c an die
Hand ze gehe , während der Hoincr unn der Schorsch , die beese
Buwe von der Töngesgaß , wie se die Nachbarn , die von ihr »
Straach geplaagt warn , genannt hawwe , von der Mutter in
eine Wäschzmvwer gcbad ' worn sinn , damit se sauwcr unn
adrett warn , wenn der Besuch kam !
„ Unn daß er mer ruhig seid mit eure beese Mäuler unn
euch aanständig benciUmt , wie sich des ; für die halberwachsene
Söhn ' von < rrt gebildete Handwcrkersfamiljc gehört, " hat se die
Mutter vermahnt . For des ; Lisbcthchc war des ; net mehr nötig ,
die war mit ihre zwanzig Jahr schon groß , unn die Freud '
von der Elter » , besonnerst awivcr vom Herr Papa , der inimer
behaupt hat , sic wä ' c ' stattlich Weibsstück .
Aufmarsch der Verwandten
Allmählich hawwe sich aach die Verwandte cingefunnc , die
Tante Philippine mit der gespaltene Owwcrlipp ' , die Schwester
vom ahle Rentz selig zuerst , dann der Onkel Scppcl mit sei » ,
Karlinche , der Onkel David net ze vergesse , von dein in der
Familie des ; Gerücht ging , daß er cmol e ' reich ' Partie hält '
mache könne , wenn er net die Verlowung verschlafe hält ' , und
ganz zeletzt kam dann noch cn junger Mann , vom Lisbc ' thche
besonncrs hcrzlichst bcgrißt und von der Mutter Rcntz mit eine
extra warm « Händedruck bewillkommnet , der sich Schneider ge¬
nannt hat und von Beruf e ' Koofmich war , wie der vorlaute
Hotner gleich beim Esse zum Schrecke von der gesamte Ver¬
wandtschaft bemerkt hat . Sehr unliebsam iß aach der Schorsch
gleich druff usfgefallc , wie er de » junge blonde Mann gefragt
hat : „ Ei sage Se cmol , Herr Schneider , sinn Sic vielleicht der¬
jenige welcher , der neulich mit der Lisbeth am Mna spazier »
gange iß , wie mer die Staa nach Ihne geschmisse hawwe . . . V "
Vor lauter Usfregung hat sich in dem Aageblick die Lisbeth
an ihrm Heringssalat verschluckt , der Herr Schneider hat e »
rote Kopp krieht .
Die Fraa Rentz hat ihr, , zwaa Sprößling , die im Iwwcrige
gedha » hawwe , als ob se von heunt > värn , cn giftige Blick zu -
. . geschmisse und cn zugcflistcrt : „ Noch aa Wort und ihr kommt
mer ins Bett ! "
„ Prost mitenanncr , des ; Stöffche ist gut . " ließ sich gleich
druff der Onkel Scppel vernehme , den die Tante Karline immer
wieder getuscht Yatt ' , weil er . net soviel vertrage könnt ' . "
Oer Frosch geht los
Jnzwische hatte sich die Buwe In die Kich ' zerickgezoge , aan °
geblich , ui » c ' bissi Holz for der Ose ze hole , was sc aach gleich
druff gebracht hawwe . Mit dem Holz hat sich awwer aach uff
« amul cn Frosch eingeschliche gehabt , der mit « me entsetzliche
Pulvcrdampf unn mit eme Mordsxeknattcr ln der gute Stubb
von der Familje Renh erumgehippt ' s ; ! „ Ihr Säubuwe, " wollt '
der Batter Rentz grad sage unn gleichzettig von seim väterliche
ZüchtigungSrccht uff seine Buwe ihr lange Ohrnlappe Gebrauch
mache , da dhut dcrs en Krisch unn en Schlag zugleich , als wollt
» ) Dialektauldruck sllr Patin .
Von
Rodert Mösinger
deß Haus zusammensterze . Der Frosch war uff der Tante
Philippine mit der gespaltene Owwcrlipp ' ihr zwnatbcst ' seide
Klaad gchippt , grad uff ihrn jungfräuliche Schoß , um dort ze
explodieren uitn sei Spur » in Gestalt von cnie mordsgroße
Loch zcrickzelasse , so daß me der baumwollbibcrnc rote Unncr -
rock gcsehn hatt ' l
Der Zwlschcfall war awwer schnell vergesse , nachdcin die
Blöße von der Tante Philippine mit er « große Kicheschcrz vom
Kathrinche halbwegs zugedeckt war , unn mer hält ' sich noch
mehr wie seither de leibliche Grnüss hingewwc könne , wenn
net beim Pandoffelwcrfe , um scstzustelle , ob mcr im neue Jahr
Glick oddcr Pech hat , der Galosche vom Vatter Rentz aus Ver¬
sehe in die Glasschcib ' vom Regulator gefalle war ' , die sich mit
Donnergcpoltcr uff der Glatz vom Onkel Scppel nicdcrgclasse
hat . Hcftplaster war zum Glick im Haus , unn nach acht odder
neun Kognak hat sich der Verletzte Widder einigermaße mobil
gcfichlt , um die Strapazze des Silvesterabends weiter iwwcr
sich ergehe ze lasse .
Jnzwische iß c ' ffcia Erdbcerbawlchc angcfahrn worn , es
hat Wein gewwe unn e ' Schnäpsche dcrzwische , die Fraa Rcntz
ließ durchs Kathrinche belegte Brote unn mächtige Schissele mit
Krcppel servier » , was den Onkel David zu der Bemerkung ver¬
anlaßt hat , daß en gute Achelputz noch immer Leib unn Seel
znsammehalte dhät . ' s Lisbcthchc iß ganz allmählich dorch
Jtvwerhippclc von mehrere Stihl zum Herr Schneider gerickl ,
der die Aage gerollt hat so verliebt , wie en Wcißfiscl ; im Maa ,
wenn er cn rechte fette Rcgeworm crivischt hat . Das ; die Tante
. Karline dabei allerdings aach cmol gefragt hat : „ Ei , Herr
Schneider , ivarnm dricke Sc dann mein Hand soll " war sicher
c ' Mißverständnis , des ; bei dem starke Alkoholverbrauch vor -
kommc könnt ' !
Die Uhr iß weitcrgcrickt aach ahne Glas , die Rcntzc sinn
immer fröhlicher geworn , sinf Minute vor zwölf hawwe die
Buwe der Christbanm aangestcckt , nun wie vom Parrtorm die
Earolusglock ' unn die dick Gloriosa ihr ehern Gebrumm iwivcr
der Stadt ertöne ließe , während Stakete ans alle Gasse in die
Luft gestiegc sin » nun die Schwärmer gezischt hawwe , grad > vic
beim Feuerwerk uff der Roscausstellung , dem schcenste , deß der
Vatter Rcntz je gcschc gehabt hat , da hat sich die ganz Familje
an de Fenster versammelt , um der Nachbarschaft „ Prost Neu¬
jahr ! " zc winsche . Unn der Onkel David hat gedrillt , daß mc ' s
an der Konstabler Wach ' gehört hat : „ Prost Neujahr , ihr
Berjer , von Adam Eva bis uff die heutige Zeit , prost Neu¬
jahr . . . ! " Uff alle Ecke » nn Ende von der Tögcsgas ; hat sich
der Ruf fortgesetzt , iwwcrall hawwe se mit der Gläser gewinkt ,
denn die Familie Rcntz war beliebt und bekannt zugleich .
Verlobung und —
Unn wie bann der dampfende Grog in de beste Gläser von
der Fraa Rentz erschien « iß , hat der Schreinermaaster Rentz
hochfcicrlich sein Rock aangczoge unn Kathrinche gesagt :
„ Bleiwe Sc doch emol da , Kathrinche , ich Hab e ' Mitteilung zc
mache , die Sic aach sicher indrcssicrt ! " Da iß cs uff aamol
» lucksmänschcstill geworn in der Stubb , und alle hawwe sehr
erstaunt gcdhan , wie der ahle Rcntz vcrkind ' hat , daß er gewillt
sei , sein annzig lieb ' Döchterchc dem aanwcsendc Herr Schneider
zur Fraa ze gewwe . Die Wcibslcut hawwe in ihr Sacktücher ge -
schnuffclt unn gcdhan , als ob se wcge dcre Nachricht fcrchtcrlich
iwwcrrascht wärn , c ' groß Gratulicrerei hat sich usfgedhan , ge -
kißt hat incr sich nach Note , erst des ; Lisbcthchc der Herr
. . . doch derlicicM könnt ’ net » nsgelilirtwem , weil inzwis . die
in der Speisekammer die Sclircincrincistcr Hcntz ' srho Schevkel
ausgerechnet den Stutzivcckkorli als ihr Wochenbett nuserkorn
gehabt hot !
Schneider , bann die Eltern , dann die Onkels mehrfach des
Lisbethch « , denn sowas läßt me sich aach in der Familje Rcntz
net entgehe , wenn m ' cs uff c ' einigermaße aanständigc Art
hawwe kann , während die Männer , mit Ansnahm ' vom Herr
Schneider , der sich lieb ' Kind mache wollt ' , die schamhaft gc -
„ Ich versink ’ in die Erd ’ ! “
spitzte Lippe von de ältere Dame nach Möglichkeit iwwcrsche
Hawwe !
— Geburt
Nor der Hoincr unn der Schorsch hatte sich gedrickt , weil
sc for des ; junge Paar unn ihrn neue Schwager Blei gieße
wollte . Zum Neujahrsgrog gchörn in Frankfurt awwer aach die
Stutzweck , die die Fraa Rcntz dem Kathrinche crcinzcbringe
usfgetrage hat . Doch der Befehl könnt ' net ausgesihrt weru ,
weil inzwische in der Speisekammer die Schreinermaaster
Rentzsche Schcckel ausgerechnet den Stntzweckkorb als ihr
Wochebctt auserkorn gehabt hat . Sechs junge , graue Katze läge
friedlich ncwe der Alte , ' s war schad um die schecne Stutzweck ,
awwer was wollt me mache ?
Bleigießen
Zum Glick sinn gleich druff die beide Buwe Widder er¬
schiene mit eine ganz kuriose Gebild aus gegossenem Blei . Die
ganz ' versammelt Familje einschließlich vom Kathrinche hat die
, K öpp zcsannncgcstcckt , um festzustclle , was des ; Blcigcbrockscl
denn sein könnt ! Der Hoincr nun der Schorsch selbst hawwe
behaupt ' , daß es en K ' opp von eine Blaltfußindiancr wär , der
Onkel David hat ' s vor en Drache gchalte , was vom Onkel
Scppel mit der bezeichnende Frag ' an sein Karlinche unncr -
slriche worn iß , ob deß Blei vielleicht ihr Photographie wär ,
während die Fraa Rcntz behaupt ' Hut , des ; oosigc Blciding dhät
cre Kinncrwicg net ganz unähnlich sehe , worauf die Lisbeth
unn der Herr Schneider rote Köpp krieht hawwe .
Un die Fraa Rentz hat recht behalte
Der Lisbeth ihr Hochzeit mit cm Herr Schneider hat
schon uff Ostern mit jedem nor mögliche Töngcsgässcr
Prunk stattgcfunnc , unn » ff cm nächste Silvester hat
der Onkel David ividdcr gckrischc : „ Von Adam unn
Eva bis uff die heutige Zeit , ihr Berjer , Prosit
Neujahr ! " doch » cmchr ganz so laut , denn bei der
Familje Rentz - Schneidcr war Widder grad uff Neujahr e '
Wochebctt nsfgcschlagc , allerdings net von der Schcckel im
Stntzivcckkorb . Unn der Hoincr unn der Schorsch sinn uff Zehe -
spitze gange , um ihrn klaanc Nesse net im erste Schlaf ze stör » .
Di6 Frankfurter Polente
— mit und ohne Uniform
Frankfurt a . 901 . , 31 . Dezember
Die Polente ! Sonderbares Wort . Zum erstenmal soll das
Wort in der Berliner Unterwelt aufgetaucht sein — später über¬
trug cs sick ) aus ganz Deutschland . In welchem Zusammenhan, ;
mit der Polizei und aus GrMid ivclcher Ereignisse dieses Wort
entstanden Ist , darüber werden nicht viel Menschen eine aus -
reichende Antwort geben können . Polenta heißt auf italienisch
Minisbrei — das hat aber wohl sehr wenig mit der Polizei zu
tun . Aalürlich habe » sich die Schupos daran gewöhnt , » lkigcrwcisc
„ Polente " genannt zu werden — ob cs aber auch Schupos g ' bl ,
meincn mit „ grobem Unfug " bezeichnet . Natürlich war es jetzt
mit dem „ . groben Unfug " so ziemlich ans . In Uniform konnte ich
mir den Mann vorstellen . Im Laufe der Unterhaltung erzählte
dann die junge Schupo - Gattin , > vie schwer cs sei , Schupo - Gattin
z » sein . Ihr Mann sei Verkehrs - Schupo . Zn Hanse lebe man ,
während er ini Dienst ist , ständig in Angst . Bei den unruhigen
Zeilen sei cs doppelt schlimm . Wenn er auch „ nur " Verkehrsjchnpo
sei , so müsse er doch auch zum Sonderdienst und dann . . .
Die junge Frau hatte recht . Das weis ; ich noch von einer
anderen Schupo - Gattin . Vor einiger Zeit wohnte ich i » Sachsen -
Hansen . Im dritten Stock . Im vierten Stock wohnte eine Schupo -
Familie ( das ist immer günstig für die anderen Hausbewohner ,
schon deshalb , iveil die Bettler solche Schupo - Wohnungen wie die
Pest meiden ) . Ich kan » mick entsinnen , wie oft nachts die junge
Frau vom vierten Stock uns an der Decke kiopstc ; ob wir noch
nicht im Belt seien , sic möchte nämlich auch gerne am Radio „ , » -
hüren . Freilich konnte sic mithörc » . Aber sie kam nickt wegen
des Radio zu uns — Nein , die junge Fra » halte Angst nm ihren
Mann , da kam sie zu uns und Holle sick Mut — denn eine Fra »
bleibt immer eine Fra » , auch wenn sic die Gattin eines wackeren
SchupowanneS ist .
Jetzt wissen Sie wohl auch , warm » der Schupo nur in einem
bcslimnctcn Alter heiraten darf . Man nimmt nämlich bei Schupos
aus verheiratete immer Rücksicht . Verheiratete Scknpos werden
in die unmittelbare Gefahr nur dann geschickt , wenn cs dringend
notwendig ist . Ta aber eben dafür viele Schupos gebraucht
ivcrdcn , so ist fast die ganze Bcrcitschastspolizci nnverhciralet .
Die nichtverheiralete » Scknpos müssen in ocr Scknpokascrnc
wohne » , in Frankfurt i » der Gntlenlstraßc . Ta wohne » die ganz
inngen Grünen , die Lieblinge der Frankfurter weiblicke » Bevölke¬
rung . Die Kaserne ist fast keine . Kaserne wehr , mehr sckon eine
größere Wohnung . Die Schupos schlafen zu viert oder zu sechsi in
einen , Zinnncr . Man führt ein gemcinfchastlich - kameradschnftlichcs
Lebe » . Die Scklasränme werde » von den Bewohnern nach ihrem
eigenen , Geschmack . eingerichtei , so daß die unfisorme » Möbel fast , nicht
Nahmen gemeinschaftlichen Gedankennnslnusches sich sachlich
mit den Problemen der Zeit befassen .
Das ; es im allgemeinen nicht nur ivie oben gesckitderi zngeht ,
kann man sich ja denke » . In erster Linie tvird Dienst gemacht .
Außerdem AnSbildung i » > Fach - Auch bei der Polizei gibt es Mon¬
teure , Chauffeure , Funker , Pioniere , Handwerker » stv . Und dann
kommt der Sport . Ter Schupo muß Spori treiben . Jeder
Schupo , sei er verheiratet oder nicht , treibt Sport . Der Polizei -
Sportverein hat Abteilungen für Motorradfahrer , Turner , Reiter »
Lcichinthleten nslv . Wer im Sommer bei dem Niederräder Polizei -
fest war , kann sich noch der hervorragenden Spartleisiunge » der
Frankfurter Schupos entsinne » . Und tvas für Sportsanatiker gibt
cs darunter . Ich muß lache » , wen » ich an eine Benennung im
Polizeipräsidium denke . Ta sah ich durch die Säle einen den Frank¬
furtern gut bekannten Sport - Schupo , der sonst seinen Dienst bei
der Kriminalpolizei macht . „ Ra , wohin denn so eilig ? " „ Also
stellen Sie sich mal das vor, " sagte er aufgeregt , „ wir tvoilen
bei dem nächsten Polizeifest in der Festhalle Motorrad - Rennen
veranstalten , und die Baupolizei erlaubt c S nicht . Toll ,
tvas ? " Da ivar der Sportler in ihm Ivnchgeworden . Sportfest
ohne Motorradrennen , wo wir in ' Franksurt eine so fabelhaste
Motorrad - Mannschaft haben . Da hört Verschiedenes auf , Herr ,
vcrstchense ? "
„ Also Polizei gegen Polizei ! Na vielleicht wird sich doch etwas
machen lassen , cs handelt sich sickcrtich nur » » > banlcchnischc Hin¬
dernisse , die eventuell beseitigt werden können . Nur nicht so ani -
geregt , gegen die Motorräder Hai die Baupolizei bestimmt
nichts . . . "
„ Ja , sicherlich . . . bnnieckmische — ivie Sie sagte » - . . tolle
Rnimner so ein Moiorradrennen — haben Sie die Grasrenne » m
Niederrad gesehen ? I A . . . " Seine Augen fmikeiten und sein
Gesicht strahlte .
Haben Sie auch gemerkt , lieber Leser , ivenn » m » so liest , was
der Schupo in , Zivil , reibt , da inerkt man erst reck » , das ; die Zeit ,
zn der ein Sckmpo der Vertreter der „ Obrigkeit " loar , ganz vor¬
bei ist . Heute schau , man mit anderen Augen zu dem Grünen ,
de , an der Hanpttvache oder am Hpernplav den Verkehr regelt ,
als vor sü » s „ „ dzwaii ; ig Jahren . Das , verde „ Sie icho » zu Hanse
gemerkt habe » , , ve » n Sie Familienvater sind . Heute kam , man nicht
mehr sagen „ Bnbi . bist im gleich still , oder cs holl dich der Schutz »
man » ! " Ta wurde Bubi Sie hnbsck , anSiachcn , daß Sie eine solche
Angst vor dein neue » Sckmpo haben , der ihm , Bnbi , gestern ganz
. . ei » her ! , der eiuliud , wundervoll Skiläufen konnte !
die eh wisse » warm » sie „ eine Polente " sind , das müchlc de ,
Schreiber dieser Zeile » bezweifeln . Das Wor ! ist durckmuS iiieht
schön . Man muß aber schließlich schmunzeln , wen » man daran
denkt , daß cs beispielsweise eine vcrkehrsrcgelnde sowie eine
Berciisckasispolentc gibt . In Franksiir ! benützt , » » » das Wor !
» ich ! allzuoft . Hier werde » die Blanc » ciiifnch Grüne genannk .
Ta beißt eS bcr Grüiic nn der Hanpitvachc oder der Grüne an
der Konstabler — es ist nicht immer derselbe , aber sie sehen sich alle
so ähnlich .
Wenn Nämlich jemand zu Ihnen sag ! „ Du , da limmi ’ n
Grüner ! " so stellen Sie sich sofort den Frankfurter Grünen vor :
jung , kräftig , glattrasiert , freundlich lächelnd , in » blauer Uniform
und weiße » Handschuhe » . Natürlich muß er den Tschako ans haben .
Man stellt sich also sofort den Schupo im Dienst vor . Für das
Piiblikiin , hört somit der Schupo n » s , ein Schupo zu sei » , sobald
er statt des Tschakos einen weiche » Hut nnssrtzt .
Da passiert es Ihne » tvie mir vor eine » , Jahr im Schwarz¬
wald bei » , Skilnnfe » . Wir tvnre » eine lustige Ski - Gesellschaft bci -
sainincn und unter uns befand sich auch ei » Pärchen , das einfach
wundervoll Ski laufen konnte . Er breitschultrig und mit rosigen
Backe » , ein Mann von etwa dreißig Jahren und sie etwas jünger ,
kleiner , gleichfalls hübsch und gesund . Es waren zwei Sport -
fanatiker « Nd nußerde » , schienen sic mächtig verliebt zu sei » . Erst
i » > Zug zwischen Nagold » nd Stuttgart stellte sich heraus , daß es
sich um einen Schupo auf Urlaub nnd desie » Gattin handelt . Da
wollte es mir einfach nicht in de » Kopf hinein , wie ein Schupo
ein so ausgezeichneter Gesellschafter sein kann . Wir anderen hatten
uns bis dahin die tollsten Streiche in den Bahnhöfen geleistet . I »
Nagold noch hatten wir n » s sogar das erlaubt , tvas man In , allge -
J,inks : Der Verkehrssünder muH » » Ixesebrjebe » werden
zei - Sportvercins beim Training um ft
mehr zu bemerken sind . Manche haben Bilder an de » Wände » , ofl
sind am Fenster Blumen , die manchmal < » nr manchmal ? ) von den
betreffende » „ Bräuten " stammen . ES tvird gelesen , » nd zwar a » S
der leider nicht allzu » msangreichc » Bibliothek der Untcrknnst .
Große Büchcr - Liebhaber laufen sich auch selbst Bücher . Und was
tut » > an » och „ im Zivil " ? Man spielt Fußball in dem Kasernen «
Hof , man löst Kreuzworträtsel » nd unterhält sich über . . . . Freilich
darf i » der . Kaserne nicht „ polillstcrt " werden , aber man darf I » ,
. — Hechts : Als Fahrer der Motorrndnbteilung des l * oli -
, » » „ dünn selbst hübsch nul | > asscn
schnell den schone » Witz mit dem TiinneS und Schäl erzählt hatte ,
als er von seine, » Roller gefallen Ivar und bitterlich heulte . Und
wenn Sic » achtö » m zwölf Uhr den kleinen Bubi wecke » , damit
er die Silvester - Schüsse höre nnd ihm anck „ Prost Neujahr ! "
wünschen , so wird Bnbi am Fenster in die weite Nacht auch mal
kräftig „ Prost Neujahr ! " schreien » nd wird dabei an seinen
Freund von gestern denke » — de » Grünen von der Ecke in » dem
blauen Mantel » nd de » tveißcn Handschuhen . . . * il — •
v