Nummer 32
\ 6 . Jahrgang
Frankfurt et. 211
8. August \y\7.
3n Verbindung mit den Pfarrern
Bornemann, Dechent, Lschenröder, Foerster, Gronhoff, ^einz, Aübel, Lueken, Manz, Meyer, Pauly
herausgegeben von Pfarrer Willy Veit.
Der einsamen Glocke.
Nun ist es still; — die Glocken sind zerschlagen! — Verhallt ihr Ton, der mich so .oft entzückte, und meine Seel' zu Gott entrückte. —
Sein Will' gescheh'! Ich darf nicht Klagen.
Nur eine noch! Nun hängt sie einsam droben, der Glocken Kleinste hat mich nicht verlassen; sie will mich lieben, trösten und erfassen, wenn ich von Lebensleid bin rings umwoben. —
So bleibt mir noch auf meinem Pilgergange ein fernes Lieb — o daß ich's recht umfange, und Himmelston von ihm ersehne und erlange:
Nun schlage an zu allen meinen Zeiten, die ich. erlebe unter Gottes Leiten! —
Und aus dem letzten Weg gib mir Begleiten.
Max Kühnlein.
Die Deutsche Rraft.
Die deutsche Kraft wird nicht zu schand, zu Meere nicht und nicht zu Land:
Sie ist die Heldenkrast aus Gott; dran wird all' Teuselsmacht zu Spott.
Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß: wir sind die deutsche Kraft. Ein jeder lebt einen Teil dieser Kraft. Und wie wir alle sie leben, so ist sie, so wirkt sie. In den Tagen vor -dem Weltsturm gab es viele, die lebten sich fort von dem Kern der Kraft; sie schlugen sie in sich verblendet zu Stücken oder lebten sich niederen Sinnes mit ihrem Teilchen zugrunde. Darob war ein Trauern in den Seelen derer, die mit reinen und wachen Sinnen die deutsche Kraft erlebten. Mit heiliger Liebe warben sie um die abfallenden und zerfallenden Teilchen. Sie wollten ein Gesunden der Kraft bis ins Mark. Eine deutsche Allkraft wollten sie.
Da kam der Sturm, da kam die Not, jäh und furchtbar. Doch die deutsche Kraft war da, jäh und furchtbar! Die Allkrast! Es war. ein Sich-zusammen-
glühen der Millionen, ein wunderbares Sich-in-eins- leben. Kraft, Kruft, eine'Kraft! Und jeder wollte nichts anderes sein als ein Teil dieser herrlichen Kraft, dieses organischen Seins. Verschüttete Quellen waren ans Licht gebrochen. Tiefen taten sich £u.f, und verborgenes Gut wurde emporgehoben von unsichtbaren Händen, und das Gut war strahlend wie reines Gold. Die deutsche Allkrast war ein Sturm der Liebe, ein Feuer der Begeisterung, ein heller, erzener Klang des Treuschwurs. Dreimal gesegnet die deutsche Kraft!
Bruder du, Schwester du, und ihr Millionen aus deutschem Sproß, wir sind die Kraft: Unsere Seele, unser Gotterleben, unser Leib, unsere Tugend und Sittlichkeit, unsere Liebe und Sehnsucht, unsere Tapferkeit und Treue.
O wie flutet und glüht es in der deutschen Kraft! O wie stürmt sie — zu Lande und zu Meere — gegen eine Welt voll frevler Feinde! Sie muß siegen, sie ist die gottdurchdrungene, freie, sonnen- lichte Kraft. Schaut zu unfern Feinden hinüber! Hat einer von ihnen diese wundervolle, erhebende Allkraft? Keiner, keiner! Nun, so siegen mir! —
Dann aber, wenn des Sieges volle Sonne strahlt und der Friede unsere Gaue wieder segnet, dann laßt uns alle, Mann wie Weib, in dieser Kraft bleiben mit demselben Streben zur heiligen Einheit, mit demselben hohen Willen zur Tat wie in den Stunden des Sturmes! Nicht erschlaffen! Nein, nicht erschlaffen! Die deutsche Allkrast mutz Erdbewegerin, Segensspenderin für die Welt werden.
Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß: wir sind die Kraft, und unsere Kinder und Kindeskinder werden die Kraft. Lasset uns leben mit reinem Leibe und mit reiner Seele, dann steht es gut um die Kraft. Ob du im Brand des Sommers, im Frost .des Winters armselig tagelöhnerst, ob du die magere Scholle pflügst, ob du vom Kriege her als ein Krüppel lebst, ob du Künst-
