F-rrrrerskäa," 17. gtttti 1915

AVendSkatt der MrnnKfurker Derkung

Nummer 166 Sette S

Der Seekrieg.

Versenkte Handelsschiffe.

A London, 17. Juni. (Priv.-Tel. indirekt. Ctr. Bln.) Zr-uter berichtet: Lloyd meldetaus Milfordhaven, daß das englische Dampfschiff „Strathnairn" auf dem Wege von Penarth nach A r ch a n g e l s k an der Küste von Pem- ' brokeshire torpediert wurde. Der Kapitän und zwölf Mann der Besatzung ertranken. Die „Strathnairn" maß 4336 Tonnen, wurde 1906 gebaut und gehörte nach Glasgow.

Goeteborg, 16. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) Der schwedische Dampfer „Thorsten", der regelmäßig zwi­schen Göteborg und England verkehrt, wurde heute früh bei Vinga von den Deutschen aufgebracht. Der Dampfer hatte Stückgut und sechs Paffagiere an Bord. Ein deutscher Hilfskreuzer führte den Dampfer in südlicher Richtung, wahrscheinlich nach Swinemünde.

Das vor den Dardanellen torpedierte englische Linienschiff gesunken.

% Konstantinopel, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Frkft.) Das am 28. Mai vor den Dardanellen torpedierte eng­lische Schlachtschiff vom Typ „Agamemnon", das nach der Insel Jmbros geschleppt wurde, ist einwandfreier Meldung zufolge Ende voriger Woche in der Bucht von K e- pHalos auf Jmbros gesunken.

Line russische Schiffskatastrophe im Schwarzen Meer 7

h Budapest, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Frkst.) Nach einer Meldung des „Az Est" wurden bei Warna mehrere Rettungsgürtel ans Ufer geschwemmt. Es wurde festgestellt, daß sie von einem russischen Dampfer stammen, den wahrscheinlich eine Katastrophe erreicht hat.

Die „Lujiiama"- Untersuchung.

^ London, 16. Juni. (Priv.-Tel. Jndir. Ctr. Frkft.) Bei der Eröffnung der U n t e r s u ch u n g über die „8 u f i* tani a"-K atastrophe erklärte der Generalstaatsanwalt, Sir Edward Carson, daß untersucht werden müsse, ob und warum die „Lusitania" während der ganzen Reise von den 25 Kesseln, die ihr zur Verfügung standen, nur 19 geheizt ! habe. Wenn sie sämtliche Kessel geheizt hätte, wäre die Schnelligkeit von 24 Meilen erreicht worden, so aber sei das Schiff nur mit 21 Knoten gefahren. Carson sagte weiter, es muffe gefragt werden, ob dieser Umstand der Absicht zuzu­schreiben sei, Kohlen und Arbeitskosten zu sparen. Der „Lusitania" seien von der Admiralität durch drahtlose Tele­graphie einige Vorschriften und Informationen zugekommen. Es müsse untersucht werden, inwieweit sich der Dampfer an diese Vorschriften gehalten habe. Ferner müffe untersucht werden, ob die „Lusitania" alles getan habe, um die Men­schenleben zu retten, als das Schiff torpediert worden war. Kapitän Turner erklärte, daß das Schiff 13 Knoten lief, als es getroffen war, und daß tatsächlich nur 18 von den 25 Kesseln arbeiteten. Auch heute erklärte der Kapitän wieder, daß die „Lusitania" nicht bewaffnet war und daß er, nachdem er die Erschütterung, die durch den ersten Torpedoschuß hervorgerufen worden war, verspürt hatte, noch eine zweite Erschütterung verspürte, die er einem zweiten Torpedo zuschreibt. Das Herablassen der Boote war schwer, da das Schiff Schlagseite erhielt. Die Boote hakten sich fest und die Menschen fielen heraus. Der Kapitän sah keine Panik. 18 Minuten nach der Torpedierung sank das Schiff. Der Kapitän mußte jedoch zugeben, daß die Mannschaften und die Stewarts keine genügende Praxis und keine Erfahrung darin hatten, wie mit Rettungsbooten umzugehen sei. Die Passagiere halfen mit, die Boote herabzulaffen, aber der Kapi­tän mußte zugeben, daß dadurch mehr Unordnung als Hilfe geschaffen wurde, wenn auch ihr guter Wille zu loben gewesen ist. — Die weitere Verhandlung wurde bei geschlos­sene« Türen geführt.

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Russisches.

Rußland und die Polen.

^ Wien, 16. Juni. (Priv.-Tel., Ctr. Frkft.) Die „Korrespondenz Rundschau" meldet aus Krakau: Der Kommandant der Festung Jwangorod veröffentlicht einen Befehl, in dem bekannt gegeben wird, daß der Stab des Armeekommandanten die Verbreitung und den Absatz der polnischen N at i o n al l i e d er: „Noch ist Polen nicht verloren" und „Gott, der du Polen" im Raume. der Kriegsoperationen verboten habe. In diesem Zusammenhänge zitiert das Blatt „Wiadomosci Polskie" ironisch die Anfangsworte des bekannten Aufrufes des Groß­fürsten Nikolaus vom 14. August 1914: „Die Stunde, in der die Hoffnungen eurer Väter sich verwirklichen sollen, hat in Polen geschlagen."

Der Gouverneur von P o d o l i e n hat der Stadt­verwaltung von Proskurow zur Kenntnis gebracht, es sei für ihn unmöglich, die Wahl des Gemeinderates Dr. S t a w i s k i, der ein Pole ist, zum Bürgermeister zu be­stätigen, deshalb müßten neue Wahlen ausgeschrieben werden.

Von polnischer Seite wird eine Besprechung der traurigen Zustände in Russisch-Polen verbreitet, wobei namentlich die kläglichen Volksschulv<rhältnisse erörert werden.

Die Moskauer Anruhen.

c Berlin, 17. Juni. Wie bk „Voffische Zeitung* mel­det, sind nach einem bekanntgewordenen Geheimbe­richt des Moskauer Höchsckommandierenden an den Mi­nister des Innern die Moskauer Unruhen außer­ordentlich ernst gewesen. Man hat nicht nur tze- lärmt und geschrien, sondern veranstaltete auch po­litisch« Kundgebungen. Auf der Twerskaja Straße entfalteten Arbeiter und Studenten rote Fahnen und riefen: „Nieder mit den Volksmördern und dem blutigen Kriege!" Bei dem Dragomilow-Tor wurden mehrere Poli­zisten schwer verwundet, wobei man schrie: „Das ist Vergel­tung für 1905!" Am Chitrowo-Platz sang man revolutionäre Lieder und brüllte: „Nieder mit dem .Zarismus!" Auf der Lubjanka - Straße rief die Menge: „Die Nikolaie (gemeint sind der Zar und der Generalissimus) lassen uns Hungers sterben! Gebt uns Brot und Fleisch!" Gegen 4 Uhr nachmit­tags wurden die Unruhen so stark, daß man daran dachte, ge­gen die Volksmassen mit Militär vorzugehen. Nur auf in­ständiges Bitten des Bürgermeisters wurden Straßenkämpfe zwischen Militär und Bevölkenmg vermieden. In der Na^t auf Freitag erfolgten gegen 150 Verhaftungen, wobei man Berge von hektographkrten Aufrufen gegen den Zaren, den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch und den Krieg beschlag­nahmte. Die Aufrufe begannen mit den Worten: „Bürger, man betrügt euch! Unser Generalissimus opfert uns!" Aus den beschlagnahmten Papieren war ersichtlich, daß namentlich die Gouvernements Cherson, Odessa und Kiew revolutioniert werden sollten

(Man wird diese Nachrichten mitallemVorbehalt aufnehmen müssen. Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, daß die aus noch neutral gebliebenen Ländern über Rußland verbreiteten Meldungen oft sehr unzuverläffig sind; eine Nach­prüfung ist unter den jetzigen Umständen unmöglich. D. Red.)

Deutsche Flieger in Rußland.

SS Wien, 16. Juni. (Priv.-Tel., Ctr. Frkft.) Die Krakauer „Nowa Reforma" meldet: Warschauer Blätter be­richten über neue Fliegerangriffe aus Radom. Durch die herabgeworfenen Bomben wurden acht Personen, damnter drei Kinder, verletzt. Die Ortschaft Sirardow wurde gleichfalls von deutschen Fliegern mit Bomben belegt, von denen eine auf ein voll besuchtes Kinotheater fiel. Es^ er­folgte eine heftige Explosion, durch die sechs Personen getötet, zwei tödlich und 25 leicht verletzt wurden. Es kam zu einer großen Panik, die weitere Unfälle zur Folge hatte.

Der Offiz rersmangel im russischen Heer.

Die Brände in England.

^ London, 16. Juni. (Priv.-Tel., indirekt, Ctr. Frkst.) Sie englischen Blätter melden Einzelheiten über die Brände, die in den letzten Tagen in England stattfanden, und deren Ursache nicht festgestellt werden konnte. Am Sonntag abend spät brach ein Brand im Regent Kanal in Stepney (London) aus. Erst am Montag nachmittag war der Brand gelöscht. Der Schaden beträgt 14000 Pfund. Zwei Schuppen mit Wolle und Holz fingen ebenfalls Feuer. Mit Mühe ^wurden andere Schuppen mit Oelvorräten vor dem Brande bewahrt. Am Montag nachmittag brach ein Brand auf den Güterstapelplätzen des Geländes des Viktoriahafens in London aus. Kisten und Oelfäffer brannten. Nach einer Stunde war das Feuer gelöscht. Etwas später entstand plötz­lich Feuer auf zwei Nachen, die mit Papier beladen waren, und zwar im M i l l w a l l h a f e n in London. Die beiden Barken sanken. In M a n ch e st e r ist die A n i l i n f a b r i k der Claytongesellschaft am Montag nachmittag fast vollständig abgebrannt. In Bootle sind am Montag 200 Ballen Baumwolle und reine große Menge Stacheldraht in einem Lagerhaus durch Feuer vernichtet worden.

Die Munittonsfrage in England.

t Amsterdam, 17. Juni. (Priv.-Tel., Ctr. Frkft.) Reuter rldet aus London: Zweihundert Vertreter der Stahl- erkzeugfabriken und Eisengießereien rhnten gestem einer Versammlung in Swansea ber, wo orschläge zur Unterstützung der Bewegung zur Beschleu- igung der Munitionsanfertigung ^ g^nacht arden. Die Versammlung beschloß, allgemein die Regie- ng in jener Hinsicht zu unterstützen. Lloyd George hielt u Versammlung von Vertretern der Gewerkschaften ab, wo einen Vorschlag darlegte, der die größtmögliche Produktion n Kriegsmaterial zum Ziel hatte. Gestern Zollte Lloyd e o r g e im Unterhause das System seiner ^a^6eln dar­ben, auf Grund welcher die Reorganisation der Mumtions- zeugung stattfinden sollte. Es wurde jedoch rmtgeterlt, daß st im Laufe der folgenden Woche die ErKarung Lloyd evrgcs erfolgen werde, was eine große Enttäuschung her- •rrief. Diese Vertagung der Erklärung ist nach der „Li- c"' unvermeidlich gewesen, da Lloyd George immer noch it einer Anzahl von Fachausschüßen, GewerkschaftSvorstan-

-n usw. unterhandle. _ t _ s .

Reuter meldet aus London: Wre verlautet, haben die ertreter der Trade Unions versprochen, daß die Plane loyd Georges, nämlich daß Versetzen von A r b e i t e r n rs ihren Fabriken in andere, in denen Munition ange- rtigt wird unterstützt werden, und sie haben ebenso be­soffen, alles zu iun, um Konflikten im Lande vorzubeugen erner verlautet, daß man sich einig Sewordm sei über ^ rt eines Schiedsgerichts, dem sich die Arbeitgeber ad -Nehmer zu unterwerfen haben, und daß rem Konflikt isbrechen darf, bevor nicht ein schiedsgerichtlicher Ausspruch zielt worden ist.

SS Wien, 16. Juni (Priv.-Tel. Ctr. Frkft.) Die „Poli­tische Korrespondenz" meldet über Sofia: Aus Odessa sind Nachrichten etngetroffen, nach denen sich im russischen Heere infolge der außerordentlich schweren Niederlagen die Verluste an Offizieren überaus stark fühlbar machen. Die russische Heeresleitung soll daher versuchen, zur Ausfüllung der Lücken Freiwillige aus neu­tralen Ländern anzuwerben, wobei für einen Leutnant angeblich ein Monatsgehalt von 1000 Rubel zugesagt wird.

Der „Bund" über die Kriegslage in Galizien.

dt Bern, 16. Juni. (Priv.-Tel., Ctr. Frkst.) Ueber den Angriffsdruck der Verbündeten schreibt der „Bund": Die ganze russische Front, deren Flügel immer weiter nach Osten zurückgebogen werden, unterliegt dem Angriffsdruck der Verbündeten. Die in Galizien bereits sichtbar ge­wordene Zerreißung ist von den Russen durch den Flanken­angriff von Zurawno um den Preis des Pruthabschnittes in letzter Stunde verhindert worden, doch droht nun der Durch­bruch in nordöstlicher Richtung zwischen der Sanmündung und Grodek. Wie die Russen diesen und die an andern Orten erfolgenden Teilaktionen abwehren wollen, muffen sie uns selbst sagen.

Schwedische Drohungen.

Stockholm, 17. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Aftonbladet" tritt die „Nya Dagligt Allehanda" in Leitartikeln für entschiedene Gegenmaß- regelnSchwedenS gegen die ihm von einzelnen Krieg- führenden zugefügtcn Vergewaltigen ein, die der Lohn flir Schwedens strenge, untadelhafte Neutralität seien. Pro­teste seien nutzlos. Schwedens habe den Verbandsmächten als Durchgangsland für Waren gedient. Zum Dank dafür laffe man jetzt das, was Schweden selbst brauche, nicht ins Land. Die Blätter begrüßen daher die neuenAusfuhr- v erb o t e der schwedischen Regierung, die gleichzeitig als Durchfuhrverbote gegen Rußland wirken. Sie fordern auch, daß der durchgehende Post- und Telegrammverkehr eingestellt wird, solange England und Frankreich schwedische Briefe und Telegramme im Durchgangsverkehr beschlagnahmen. „Aston- bladet" sagt: „Unsere Geduld muß ein Ende haben!" „Alle- brnda" wünscht eine tatkräftige Neuttalität, die den Krieg- führenden klar macht, daß, wer Schwedens Recht verletzt, Ge­fahr läuft, es zum Feinde zu bekommen.

Von den Fremdenlegionaren.

+ Paris, 16. Juni. (Priv.-Tel. Jndir. Ctt. Frkft.) Das Amtsblatt der stanzöffschen Republik veröffentlichte gestern eine neue Liste von 21 aus Deutschland und Oesterreich stam­menden ehemaligen Soldaten der Fremdenlegion, denen die ftanzösische Nationalität abgesprochen wird, weil sie beim Ausbruch des Krieges Frankreich verlassen haben.

vom Vreotzischen Landtag.

Berlin, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Bln.) Nachdem die Fischereigesetz-Kommission des Herrenhauses beschlossen hat, sich bis zum 5. Juli zu vertagen, ist das Gesetz für diese Session gescheitert. Man nimmt aber an, daß das Gesetz in der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Fas­sung, die auch von der Regierung gebilligt wird, in der näch­sten Session sofort dem Herrenhaus vorgelegt und dann schnell erledigt werden wird.

Das Herrenhaus verhandelt am Samstag die Inter­pellation betr. Verteilung der neuen Ernte.

Das Abgeordnetenhaus hält am Dienstag seine letzte Geschäftssitzung ab, und am Mittwoch soll die ge­meinsame Schlußsitzung stattfinden.

Dänischer Reichstag.

» Kopenhagen, 16. Juni. (Priv.-Tel., Ctr. Frkst.) Der Minister des Auswärtigen Scavenius gab i^ der heuti­gen geheimen Sitzung beider Reichstagskammern befrie­digende Mitteilungen über die außerpolitische Lage Dänemarks.

Ministerpräsident Zahle machte den Parteiführern Mit­teilungen über die Verhandlungen der Regierung mit dem isländischen Minister. Diese sicherten ein dänisch-islän­disches Uebereinkommen in der Flaggen- und Ver­fassungsfrage.

Griechenland.

Stockholm, 16. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Pariser Meldung des ententefreundlichen „Socialdemo- kraten" erwartet die Entente wenig von der Wie­de r k e h r des früheren griechischen Ministerpräsidenten V e n t s e l o s in das Amt. Man hält in Paris seine etwaige Rückkehr zur Macht keineswegs für gleichbedeutend mit der Wiederaufnahme seiner früheren kriegs- oder ententefreund­lichen Politik, weil sich die Verhältnisse inzwischen geändert haben, vor allem infolge der italienischen Intervention. Es gebe niemanden in Paris, der eine kriegerische Intervention Griechenlands als nahe bevorstehend ansehe.

Rumänien.

d Budapest, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Frkft.) Die rumänischen Geistlichen des Szatmarer Komitats haben in einer an den Szamosujvarer griechisch-katholischen Bischof Hoßzu gerichteten Eingabe das Ersuchen gestellt, die Pfarrer Ladiszlaus Lucaciu und K o n st a n t i n Lucaciu, die ihr Vaterland verraten und verleugnet, und die heilige Sache der im Lande der Stcfanskrone lebenden Rumänen dadurch beschmutzten, als Vaterlandsverrätrr aus der Reihe der Priester zu streichen, damit auch nicht eine Sekunde lang der Verdacht bestehe, als ob die übrigen Geistlichen sich mit die­sen bedauernswerten Verirrten, die für sie gestorben seien, identifizieren würden. Ladislaus Lucaciu, der früher Mit­glied des ungarischen Reichstages war, hat sich vor einigen Monaten mit dem rumänischen Dichter G o g a nach Buka­rest begeben, wo er als Vizepräses der rumänischen Kultur­liga eine gehässige Agitation gegen Ungarn leitet.

Albanien.

Paris, 17. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) Der „Petit Parisien" will wissen, daß der italienisch - serbische Zwischenfall bezüglich Albaniens bereits geregelt sei. Serbien habe Italien über die Bedeutung des Vormar­sches in Albanien aufgeklärt und gleichzeitig erklärt, daß der Vormarsch aufgehalten würde.

Vermischte Meldungen.

v Stuttgart, 17. Juni. (Priv.-Tel.) Die Zweite Kammer beginnt ihre Beratungen am 2o. *jum. der ersten Sitzung wird sich das Haus mrt der Verlängerung der Gültigkeit des Gesetzes über den Denkmalschutz Leschaf-

^ w Schaffhausen, 16. Juni. (Priv.-Tel.) ^An die in Schaffhausen und Neuhausen wohnhaften Famrlr en deutscher Wehrmänner wurde brs zum 31. Mm die Summe von 193 645 Frs. an K r i e g s u n t e r st u tz u n g e n durch das Deutsche Reich ausbezahlt. Der Deutsche Hufs­verein besorgt die Auszahlungen. . -, 1

W Wien, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctt. Frkst.) In Mühlendorf bei Wiener Neustadt brach ein Brand aus, der von 205 Häusern 127 einäschertt. Viele Feuer­wehrleute und Ortsbewohner erlitten bei den Rettungsarber- ten schwere Brandwunden, einige wurden unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben. Der Ge- s a m t s ch a d e n, der teilweise durch Versicherung gedeckt ist,, wird auf eine Million Kronen geschätzt.

h Budapest, 17. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Frkst.) Wie aus Sofia gemeldet wird, berichtet das serbische Preßbureau, daß ein feindliches Flugzeug über Poscharewatz erschien und neun Bomben abwarf. Mehrere Personen wurden getötet und verwundet. Ueber Egri Palanka wurde angeblich ein deutsches Flugzeug gesehen.

Mailand, 16. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) „Cor- riere della Sera" meldet aus Rom: Der Verband der römi­schen Kaufleute hat beschlossen, eine außerordentliche Versammlung einzuberufen, um die Richtlinien fefttustellen, denen die italienischen Kaufleute während des Krieges in den Handelsbeziehungen zu den Zen'tral- m ä ch t en folgen sollten. Der Versammlung werden be­kannte Professoren des Handelsrechtes beiwohnen.

Paris, 17. Juni. (W. T. B. Nichtamtlich.) Der „Temps* meldet aus Madrid: Die Unterhandlungen zwischen der englischen und der spanischen Regierung über die Einfuhr englischer Kohlen nach Spanien, die bic^eng­lische Regierung untersagen wollte, scheinen nach beiderseitiger Erklärung, daß die Regierungen die freundschaftlichen Be­ziehungen aufrechtzuerhalten beabsichtigen, zu einer befrie­digenden Lösung gelangen zu können.

Tübingen. 13. Juni. Im Laufe des Kriegs ist in der schwäbischen Universitätsstadt in treuem Zusammenwirken privater und öffentlicher Kreise ein Bauwerk errichtet und ausgestattet worden, das als rühmliches Zeichen lange in die Friedenszeit hinübcrragen, und eine von Bürgern und Stu­denten bisher entbehrte würdige Stätte der Unterhaltung und der Geselligkeit sein wird. Die Museumsgesellschaft errich­tete an Stelle ihres bisherigen unzureichenden Gesell­schaftshauses auf denr bisherigen Grundstück am Bota­nischen Garten einen Neubau, der einen Theaters aal mit vorerst 1000 Sitzplätzen und für Konzerte, Kommerse und Versammlungen Räume für 2000 Personen enthält. Die Er­öffnung erfolgte am 11. Juni mit einem Gastspiel des Stutt­garter Hofthcatcrs (Torquato Tasso von Goethe), das auch in künftigen Friedenszeiten hier regelmäßig Vorstellungen geben wird.

Ulrich Rauscher hat unter dem Titel „Belgien heute und morgen" die Reihe seiner Artikel, die in der „Frankfurter Zeitung" kürzlich veröffentlicht worden sind, in eitlem gefällig ausgestatteten Bändchen vereinigt und durch zwei weitere Aufsätze vermehrt, im Verlag von S. Hirzel (Leipzig) erscheinen lassen. Glänzende Form und scharfer kritischer Blick sind der starke Reiz des Buches, in dem neben der temperamentvollen Beschreibung von Land und Leuten die wesentlichsten Probleme Belgiens in einheit­licher Betrachtungsweise und in sachlich wertvoller Gestaltung dargestellt werden.

Tuberkulosebekämpfung.

A Berlin, 16. Juni. (Priv.-Tel. Ctr. Bln.) Im Reichs- tagsgebäude fanden heute Vormittag die Generalversammlung und Ausschußsitzung des Deutschen Zenttalkomitees zur Be­kämpfung der Tuberkulose statt. Beide Ver­sammlungen dienten der Erledigung geschäftlicher Angelegen­heiten. Der stellvertretende Vorsitzende, Graf v. Lerchen­feld, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache. Dann erstattete der Generalsekretär Dr. Helm den Jahresbericht. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1915: 1466. Die Zahl der H e i l st ä t t e n für Erwachsene beträgt jetzt 161 mit 16 083 Betten, so daß bei einer durchschnittlichen drei­monatigen Kurdauer 64 332 Kranke jährlich ausgenommen werden können. Weiter sind 161 Kinderheilstätten, 139 Wald­erholungsstätten und 16 Waldschulen zu verzeichnen. Es be­stehen z. Zt. fünf ländliche Kolonien für Erwachsene und Kinder, 37 Genesungsheime, 77 Beobachtungsstationen und 14 Durchgangsstationen, 314 Tuberkulosenkrankenhäuser und Tuberkuloseabteilungen in allgemeinen Krankenhäusern, Jn- validenheime und Pflegestätten. Die Zahl der Auskunfts­und Fürsorgestellen beträgt jetzt 1145, ungerechnet die 604 badischen Tuberkuloseausschüffe, die 154 thüringischen Hilfs- fnr sorgestellen, die 83 bayrischen Beratungsstellen und zahl­reichen Tuberkuloseausschüsse im Königreich Sachsen. Eine große Anzahl von Heilstätten ist z. Zt. für militärische Zwecke in Anspruch genommen. Im Anschluß an den Kassenbericht erfolgte die Neuwahl des Ausschusses. Das bisherige Präsidium wurde wiedergewählt.

Das humanistische Gymnasium.

O Dresden, 16. Juni. (Priv.-Tel.) Ueber die Bedeutung des humanistischen Gymnasiums auch für die Aufgaben der harten Gegenwart und der Zukunft sprach Kultusminister Dr. Beck bei der gestrigen Feier des vier- hundertjährigen Bestehens des Freiberger Gymnasiums. Der Redner führte aus, es müsse anerkannt werden, daß unsere Gymnasien mit allen Kräften das zu erfüllen suchten, was der Kaiser als Ziel gesteckt, nämlich nicht junge Römer oder Griechen, sondern deutsche Jünglinge zu erziehen. Der Minister betonte weiter: Gott erhalte uns die humanistische Bildung. Die Unterrichtsverwaltung habe sich aber nicht an der unveränderten Erhaltung dieser Bildungsart trotz ihrer altehrwürdigen Bewährung genügen lassen, vielmehr als ihre ernste Pflicht erachtet, die Sicherung der hohen Werte der gymnasialen Bildung mit der notwendigen Anpassung an die berechtigten Forderungen der Zeit in vollen Einklang zu bringen und dadurch die Gymnasialjugend frisch und leöensttästig zu erhallen. Ein jeder, der die zeit­gemäßen Reformen mit Aufmerksamkeit und Verständnis verfolge, werde fteudig anerkennen müssen, wie diese in Ver­bindung mit der ebenso notwendigen Betonung der zugleich für den Heerescrsatz die günstigsten Zahlen aufweisenden Körperpflege auf unseren Gymnasien zur erfolgreichen Er­füllung ihrer höchsten Aufgaben befähigen, dem Vaterlande sittlich, religiös und monarchisch, vaterländisch gefestigte, wissenschaftlich vertiefte, staatsbürgerlich empfindende, inner­lich und äußerlich kerngesunde, jugendfrohe, charaktervolle und kemdeutsche Jünglinge zu ertüchtigen.

Anwahre Erzählungen.

Zu unserer gestrigen Notiz aus Dresden erfahren wir, daß tatsächlich eine Tochter von Sir Henry Howard, dem britischen Gesandten am Vatikan, mit einem deutschen Offizier verheiratet ist, sich mit ihrem jüngsten Sohne und Bedienung seit einigen Monaten im größten Hotel des Luftkurortes König st ein im Taunus be­findet und von dort in regem Gedankenaustausch mit ihren Angehörigen steht. Di- in Nom verbreitete Darstellung, daß sie in der Festung Königstein in Sachsen eingekerkert und von jeglichem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten sei, muß also als eine böswillige Verdrehung der Tatsachen gekenn-! zeichnet werden.

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