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Söetfäffißfeit, die sonst nicht zu dm starken Seiten dieses Blattes i gehört, schon vorher angekündigt.

, Hält man sich diese Gesamtlage vor Augen, die gegen- iwärtig in ganz Finnland eine an Fatalismus grenzende i Stimmung und eine ständig Zunehmende Gärung verursacht ! hat, so ist es nicht uninteressant, daß gerade jetzt, wo das ge- ! nannte Blatt eine neue einschneidende Maßnahme, nämlich die Ausdehnung des russischen Gesetzes vom 2. April 1911 i betreffend die Aburteilung der Beamten vor einem besonderen Gerichtshof in Petersburg, auch auf Finnland ankündigt, ein I Teil der liüew.len russischen Presse ihr Schweigen aufgibt. So bringt das kürzlich in Petersburg neu gegründete Blatt Rußkaja Wolja" zwei Aufsätze, von denen sich der erste mit , den russisch - finnischen Handelsbeziehungen, der zweite nüt 'den politischen Verhältnissen Finnlands beschäftigt. Der letztere s Artikel erhebt offenbar Allspruch daraus, als eine programma- i tische Aeußernng des Blattes zu csslteu. Das Blatt erklärt, t jede Meinung und Maßnahme unterstützen zu wollen, die zu j einer vcrnünstign: Losung der verhängnisvollen finnischen ' Frage und zu einer Befreiung des russischen politischen Lebens voll dieser Frage führen könne Die Ausdehnung der russischen Reichsgesetzgebung auf Finnland wird als der Kern­punkt deS Konfliktes bezeichnet. Nach oer Allstcht des Blattes ist die Lösung der Frage hauptsächlich deswegen zum Miß­lingen verurteilt, weil der finnische Landtag bei der Ein­führung dieser wichtigen Gesetze überhaupt nicht gehört wurde. Die Urheber des Antrages aus Ausdehnung der russi­schen Reichsgesetze auf Finnland haben sich, nach dem Einge­ständnis derRußkaja Wolja", nicht so sehr die von ihnen als notwendig proklamierte Vereinheitlichung des Gesetz- rvesens in allen dem Zaren untertänigen Ländern zum Ziel gesetzt als die Vernichtung der finnischen Autonomie und die Denationalisierung des finnischen Volkes. Der nach dem Kriege notwendige Mederausbau stellt, nach der Meinung des Blattes, sowohl den gesetzgebenden Körperschaften Ruß­lands wie Finnlands die Aufgabe, die künftigen einheitlichen Reichsgssehe aus der lokalen Gesetzgebung organisch zu ent­wickeln. Nur dann könne sich das Band zwischen dem russi­schen Reiche und seinen Grenzmarken wieder festigen. Die als Ideal der Entente verkündete Anerkennung des Rechtes der kleinen Nationen müsse auch bei der künftigen Ordnung der Dinge in Finnland als verpflichtend angesehen werden.

Sehr bezeichnend ist cs, daß sich fast gleichzeitig auch ein Aufsatz in der MoskauerRußkojo Slowo" mit der ! finnischen Frage beschäftigt. Und zwar wird hier die Aeu- lßerung e'nes als Offizier an der russischen Front stehenden i'Finnländers ivisdergegeben, die zunächst feststellt, daß auf russischer Seite im gegenwärtigen Kriege 300 Finnländer als sOfsiz'.ere, sowie einegroße Anzahl" Freiwillige teilnehmen. Die Gesamtzahl der auf russischer Seite kämpfenden Finn­länder sei allerdings, in dem Vergleich zu dem. was Finn­land aufbringen könne, sehr gering. Nach der Meinung des Verfassers müßte aber der Gedanke, im russischen Heer eine freiwillige finnlündische Legion zu bilden, die sich besonders als Schmreschuhtruppe bewähren würde, großen Anllang fin­den. Eine zwangsweise Einziehung der Finnländer würde Allerdings auf allgemeinen Widerstand stoßen.

! Offenbar besteht zwischen diesen beiden Aeußernngen !der liberalen russischen Blätter ein gewisser innerer Zusam­menhang. Unwillkürlich erinnert man sich der vor etwa jzwei Monaten aufgetauchten Gerüchte, daß England und l Frankreich in Petersburg auf eine .Lösung der finnischen iFrage dringen und daß ein Erlaß des Zaren bevorstehe, der »die Autonomie Finnlands bestätigt und zur Bildung >iner sinnländischen Legion im mssischen Heere aufruft. Diese Gerüchte wurden damals als eine Stimmungsmache der En­tente bezeichnet, um bei den Neutralen den Eindruck der Wie­deraufrichtung Polens durch die Mittelmächte zu verwischen. Trotzdem in der letzten Zeit mehrmals von russischen Minister- konsereuzen wegen finnischer Angelegenheiten die Rede war, ist ein praktischer Schritt in dieser Züchtung bisher nicht er­folgt. Stattdessen wurde erst in den letzten Wochen die ein- i schneidende Maßnahme über -die Unterwerfung der finnischen ! .Beamtenschaft unter die Petersburger Gerichte bekannt ge­lgeben.

, Die Erörterung des Finnland-Problems ist aber, seitdem,

> besonders in Schweden, nicht mehr zum Schweigen gekommen, i Nur eine wirkliche, politische, wie kultmelle Autonomie Fm- ssands kann für Schweden die Glewähr bieten, daß nach diesem !Kriege nicht auf der anderen Seite des Bottnischen Meeres (ein gegen Schweden gerichtetes Bollwerk übrig bleibt. Unter |*>em Vorwände der Verteidigung gegen einen etwaigen deut­schen Einsall ist Finnland in den beiden letzten Jahren zu ei:« n. solchen Bollwerk geworden..In Finnland selbst hat die sortschreie-mde russische Bedrückung sogar den inneren Streit der schwedischen Volkspartei und der Fennomanen zum Still­stand gebracht, ivenn auch der .Kamps zwischen beiden, zumal in der wichtigen Landbesitzftage, unaufhörlich weitergeht Aber selbst die finnischen Sozialdemokraten setzen auf eine Unterstützung von Seiten ihrer ehemaligen Freunde, der rufst, schen Sozialisten, keine Hoffnung Ehr. Was Schweden an- betrifft, so hofft man hier in allen Lagern, auch in denen der Linken, ans irgend einen nahen entscheidenden Eingriff von außen zu Gunsten der finnischen Autonomie.. Je nach der Richtung der Parteien hier zu Lande erhofft man diesen Schritt entweder von Seiten der westlichen Ententemächte oder von den Mittelmächten. Geivisse weiLschauende Kreise rechnen mit einer künftigen Befreiung Finlands, als Er­gebnis weiterer deutscher Waffenerfolge gegen Rußland. Dank seinen außerordentlich wachen politischen Energien und seinen nicht unbeträchtlichen wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten hätte ein solches befreites Finland, dessen Ge- vrrrtenzuwachs trotz der einstweilen geringeren Volkszahl dov- .pelt so groß ist als der schwedische, die Möglichkeit, sich inner­halb loemgvr Jahrzehnte zum führenden Staat des

Nordens zu entwickeln, falls Schweden sich weiterhin durch seine beiden skandinavischen Nachbarländer die Hände in der Wiederaufnahme seiner alten führenden Politik im Norden binden ließe. In der ZeitschriftSvens! Lösen" ist es dieser Tage offen ausgesprochen worden, daß jedes Streben Schwe­dens, seinen alten Reichsgedanken in neuen Formen zu ver­wirklichen, nirgends eifriger bekämpft wird als auf norwe­gischer Seite. Eine merkwürdige Bekräftigung^ hierzu bildet ein vor kurzem in der hiesigen liberalen ZeitschriftForum" in norwegischer Sprache erschienener Aussatz. Der Verfasser, eilt Norweger, versucht auf Grund seiner eigenen Wahrneh­mungen beu Nachweis zu führen, daß Schweden von Finnland nichts zu erwarten habe, und er beruft sich dabei auf feie an­geblich auch jetzt noch vorhandene ichwedrnfeindliche Stim­mung bei den breiten Massen der nationalfinnischen Bevölke­rung. Auch andere liberale Blätter Schwedens, wieDagens Nyhe'er", nehmen zur finnischen Frage eine ähnliche Haltung ein. Durch ihre eigentümliche Darstellung gewisser, neuerdings von der finnischen Grenze berichteten Zwischenfälle gießen sie fleißig Wasser auf die russische Mühle. Wenn man hinter solchen Aeußernngen nicht direkt russische Einflüsse vermuten soll, so kann die absichtliche Verbreitung solcher Darstellungen, die der Wirllichkeit nicht entsprechen, nur aus innerpolitischen Gründen erklärt werden. Jene Blätter fitiN sich aber wohl im Klaren darüber, daß sie damit weder ihrem eigenen Lande, noch der Sache Finlands eilten Dienst erweisen.

Was Drusschland anbetrisst. so hat es an der Freiheit und an der staatlichen Selbständigkeit Finlands ein unbedingtes Interesse. Deutschland wird nicht vergessen, daß sich Finland im großen Kriege bisher beharrlich geweigert hat, seine 300 000 Wehrfähigen im Dienst des russischen Molochs gegen die Mittelmächte aufzustellen, und daß dieses Finland in seinen breitesten, nationalen Schichten, nicht nur den schwe­dischen Kreisen der sogenannten Kulturschicht, die teilweise bereits der Vernissung in moralischer imfe kultureller Hinsicht anheimgefallen sind, entmutig gegen Petersburg Stellung nimmt und mit Ungeduld den Helfer aus dem Westen erwar­tet. Deutschland dürfte beim Friedensschluß in der Lage sein, seinem Interesse an der staatlichen Zukunft Finlands Aus­druck zu geben. Freilich, noch größer ist das Lebensinteresje Schwedens daran, daß das einst freie Finland nach dem Kriege nicht als ein russisches Gouvernement vor seinen Toren liegt. Die in Finland herrschenden Verhältnisse und bitteren Stimmungen können nur von solchen Schweden mit Schweigen übergangen werden, denen nicht davor bange ist, daß einst ihr eigenes Land das gegenwärtige Schicksal Fin­lands teilen könnte.

Die Innere Anleihe.

t Haag, 15. Febr. (Priv.-Tel., zs.) Das Amsterdamer Handelsblaad" erfährt aus Petersburg, daß die Zeich­nung auf die russische Kriegsanleihe von 3 Mil­liarden Rubel gestern geschlossen und die Anleihe gänz­lich untergebvacht wurde.

Der Hilfsdienst der asiatischen Mohammedaner.

Wie dieNachrichtenstelle für den Orient" meldet, werden immer mehr zmtralastatische Hilfsdienstkflichtige, namentlich Sarten, nach Rußland übergeführt, wo man im Südwesten die dringende Arbeiternot aus diese Weise zu mildern sucht. Charkow allein sind 12 000 Mann zugewiesen worden, ver­schiedene Abteilungen sind nach Odessa, Kiew, Jekaterinoslaw gekommen. Aber auch in Petersburg haben Sarten aller Altersklassen im Bereich der E i f e n b a h n v e r w a l t u n g zu arbeiten begonnen. Nach russischen Zeitungen leiden sie schwer unter dem nordischen Klima. Neben den Sarten sind auch Tara nt schen aus dem Kreise Dscharkend des Semirelschjegebietes nach Europa geschickt worden.

lieber die temporären Regeln für mohammedanische Heeres­arbeiter, die den d west b ahnen bereits in großen Mengen zugeführt werden, meldet ein südrusstsches Provinz- blatt folgende Einzelheiten: Die Arbeiter sind in Drushinen von je hundert Mann eingeteilt, denen ein Vorsteher, ein Schreiber, ein Ueberfttzer und ein Koch, sämtlich Mohamme­daner, beigegeben sind. Die Drushinen an einem jeden Orte sind einem russischen Arbeitsleiter unterstellt, der mit den weit­gehendsten Vollmachten ausgestattet ist. Die Arbeiter erhalten Wohnung, Kleidung, Verpflegung, ärzliche Hilfe unb pro Tag und Kopf den Arbeitslohn von 1 Rubel. Der Preis kann je nach der Leistung herauf- oder herabgesetzt werden. Als An­sporn soll die Verleihung von Medaillen für fleißige Arbeiter dienen. Der Gottesdienst am Freitag soll den Leuten stcher- gestellt werden. Der S e m st w o v e r b a n d ivill, wie es scheint, auch diese Angelegmheit in seine Hand bekommen und hat deshalb eine besondere Abteilung für Aröeiter- drushinen der Fremdvölker in Moskau begründet.

Italiener für den Frieden.

Budapest, 14. Febr. (W. B.) Im Namen der in Tapio- süly ^internierten i t a l i e n i s ch en Staatsan­gehörigen haben Dr. Rocco und andere anläßlich des Friedensvorschlages der Mittelmächte die ungarische Regierung ersucht, folgendes Telegramm an den italienischen Ministerpräsidenten gelangen zu baffen:

Die italienischen Zivilinternierten in Tapiosülh, die gehört haben, daß die ungarische Regierung auch an ihre Regierung ein offizielles Friedensangebot gerichtet hat, hegen die wärm­sten Wünsche für dessen Verwirklichung, damit diese Initia­tive von jenem Erfolg gekrönt werde, den die Mensch­heit aus ethischen Gründen ersehnt. Sie hoffen, daß ihre Heimat, die Mutter der Gesittung, nicht verfehlen wird, sich ihr auzuschließen und zu ihrem Erfolge beizutragen.

Sie Ielershnrger Konferenz.

Englische Forderungen au Rußland.

Stockholm, 15. Febr. (W. V.) Schwedische Blätter erfah­ren aus zuverlässiger Quelle über die Petersburger Konferenz Angaben, die von einem Teilnehmer der Konferenz selbst hercühren. Es ergibt sich daraus ein merk­würdiges Bild von den Bestrebungen der Westmächte. Bei der Konferenz steht die Lösung finanzieller Pro­bleme für Rußland im Vordergrund. Es will und muß Geld von England bekommen und zwar bald. Aber es ist begreiflich, daß der russische Finanzminister die finanziellen Fragen ebenso wie die militärischen gleich endgültig geregelt wissen will. Lord Miln er setzt diesen Bestrebungen ^ Wi­derstand entgegen; er will die russischen Wünsche lediglich :i« referendum nehmen. Rußland versucht natürlich, eine möglichst hohe finanziell« Unterstützung zu erreichen. Die Ge­genseite aber will die Leistungen an Bedingungen knüpfen, die auf eine den Engländern genehme Orientierung der inneren Politik Rußlands und auf Garan­tien für die Verwendung der gelieferten Mittel abzielen. Den englischen Delegierten schwebt der Gedanke vor, die Reise zu benutzen, um bei dem Zaren auf die innere Lage einzuwirken. Der Botschafter B u ch a n a n hat das bekanntlich schon öfter getan. Die Delegierten haben den Auftrag, sich Gewißheit über die Verwendung der Mu­nition und Artillerie in Rußland zu verschaffen, um zu beur- teileu, ob man sie nicht besser auf einer anderen Front ver­wendet, anstatt sie nach Rußland zu schicken.

lieber definitive Forderungen, die England bei diesem Anlaß an Rußland stellt, verlautet ganz authentisch folgendes: England verlangt erst.ns eine Kontrolle über die Verwend ung des Geldes durch englische Agenten, zweitens eine Änderung der inneren Po­litik Rußlands nach den englischen Wünschen und drit­tens Besetzung der russischen maßgebenden Regie­rungsstellen durch Männer, die der englischen Regierung genehm sind.

Der Atteniatsversuch gegen Lloyd George und Henderson.

stadt besonders geläufig waren. So bestand vor Ipern eine vorzüglich ausgebaute Winterstellung, die »in sächsisches Re­serve-Regiment monatelang innehatte. Dort fand man in den Laufgräben, sauber auf Holztäfelchen geschrieben, fast alle bekannten Straßennamen Leipzigs, von derGrimmschen"- -undPetersstratze" bis zumSalzgäßchen". Eine Landstraße hinter der dortigen deutschen Stellung, die als Zufuhrstraße von Bedeutung war, trägt noch jetzt, nachdem das Regiment längst aus diesem Gefechtsabschnitt herausgezogen ist, den Namen seines Kommandeurs.

Mit der Benennung von Gräben und Straßen haben sich unsere Feldgrauen in fast keiner Stellung begnügt, auch die einzelnen Unterstände erhielten von ihnen Bezeichnungen und !Namen. Eine einfache Durchnumerierung der Unterstände ist, soviel bekannt geworden ist, nirgends durchgeführt; mit armso größerem Eifer aber gaben sich unsere tapferen Vater- tändsverleidiger der mehr oder weniger witzigen Benennung ihrer Erdwohnungen hin. Namen und Inschriften sind so mit der Zeit in Menge entstanden, und wer eine poetische Ader in sich fühlte, der glaubte feinen Gefühlen wohl auch in Wersen Ausdruck geben zu müssen Viele dieser Namen iitn£> Inschriften verdienen als Erinnerung an die schwere Zeit, die unsere deutschen Männer jetzt durchmachen müssen, unvergessen zu bleiben. Sie sind in ihrer Einfachheit die heften Dokumente für den Geist unserer Truppen in den -Schützengräben.

Ihr oft ernster Inhalt legt beredtes Zeugnis von dem uncr, -schütierlichen Gottvertrauen unserer Soldaten ab. Das Einfache «Gott mit uns" wechselt mit dem Bismarckschen »Wir ! Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt." In !«hnlicheu Sprüchen kommt zugleich die feste Ueberzougnng von «nse-rem schließlichen Sieg zum Ausdruck:

Der Herr hat geholfen.

Der Herr hilft noch.

Der Herr wird weiter helfen!"

Tor muß unterliegen.

Dem Gott ein Spott.

Wir werden siegen Mit Gott, mit Gott!"

Mtv nicht zuletzt in dem Bismarckschen Wort:

Derjenige, welcher die deutsche Nation irgendwie an­greift, wird sie einheitlich gewappnet finden und jeden Wehrmann mit dem festen Glauben im Herzen: Gott wird mit uns sein!"

Neben diesen ernsten Sätzen finden sich gar viele heitere, /manchmal auch etwas derbe. Allgemein kommt immer dabei -ein gesunder Humor zum Ausdruck. Als Beispiele 'eien j einige von den Inschriften aus den Schützengräben, an Gra- benfpiegeln und Schießscharten hier aufgezählt:

.Direkter Weg nach Armentiäres, % Stunde, bitte leise auf- 'Dreienl" (Arnmntiercs gehört bekanntlich den Engländern.)

Endstation!" (Bezeichnung für ein in einer Sappe aus­laufendes Grabenstück; der die Inschrift anbrachte, ist in seinem Zivilberuf Straßenbahn'chaffner.)

Zum stillen Beobachter".Schießbude, drei Schutz 10 Pfennig, für jeden Treffer ein Geschenk!"Welttheater". Panorama".Lebende Bilder vom Weltkriege".Ein Blick ins Feindesland!"Museum für Völkerkunde! Ab­teilung: Menschenrassen; Unterabteilung: Weiße und farbige Engländer'"

Ein längerer poetischer Erguß befindet sich an einem Graben'piegel, und zwar haben, wie die Verschiedenheit der Handschrift ergibt, mehrere Verfasser ihre dichterische Gestal­tungskraft geübt; zunächst haben nur zwei Zeilen dagestand<n:

O, dieser Feldzug,

Das ist kein Schnellzug."

Dann geht es weitere

Nein, Sekundärbahn,

Denn er hält lang an.

Hält' ich das gedacht,

War' ich nicht nach Frankreich gemach.

Gälte hier mein eiorrer Wille,

Herrschte hier bald Friedensstille.

Doch Kameraden laßt das Klagen.

Da habt Ihr ja nichts zu sagen.

Gebt Euch zufrieden, liebe Leut',

Im September rst groß Freud'.

Dann ist der Frieden da.

Hurra!

Und trifft der Frieden dann nicht ein.

So soll er doch zu Ostern sein;

Denn die Maus sitzt vor der Falle,

Geht sie 'rein, dann ist es alle.

Wenn Ostern noch nicht Frieden ist,

Bringt ihn vielleicht der heilige Christ.

Ob neunzehn'hundecrsieben und zehn Wir immer noch hier draußen stehn?"

Man sieht daraus, daß bk Truppen wohl Sehnsucht nach Frieden haben, jedoch mit Humor das Kommende zu ertragen wissen und sich von einem in Aussicht gestellten Friedenster- min zum anderen zu trösten suchen.

Die Namrn der Unterstände selbst sind so zahl­reich, daß es schwer fällt, eine Auswahl zu treffen. In bunter Reihe sollen hier angesührr werden:Granaten­schloß",Gruppe - Länsesrei",Marthah-eim (zu vermieten)".

Zur Tropfsteinhöhle. (Das Ideal schlafloser Nächte)",Her­berge Silberne Laus",Zum Flachbahner",Rattennest". Letzte Rettung",Aquarium".Zum bayrischen Löwen", Schneidersruh: Atelier für moderne Serrenschneiöerei", Veranda: Sommersruhe". ,.Zum Arzeberch",Villa Sckützenliesel",Villa Dunkelkammer" usw. Ein Unterstand heißt dem Hauptgetränk zu EhrenKasfeeklappe", ein anderer nach den ungebetenen MitbewohnernNattenslblucht". Wieder einer verdankt seinen NamenZur schlanken Minna" einem in der Nähe aufgestellten kleinen Minenwerfer. Die Grotte der Schuster uno Schneider führt den Namen Künstlerherm", die der MineureBergmannsrwh". Daß die Vornamen der Gattin und Braut in der Unterscheidung der einzelnen Unterstände eine große Rolle spielen, ist wohl un­nötig zu betonen.

Immer wieder kommt der unverwüstliche Humor unserer Soldaten in den Inschriften zum Durchbruch. Wenn über dem Eingang zu einem Unterstand geschrieben steht:Bitte Zylinderhut abnehmen", so soll das wohl nur eine Mahnung sein, die Erwartung, die man an die Höhe des Raumes stellt, nicht allzu hoch zu spannen. Die resigniert zum Ausdruck ge­brachte Quintessenz des^ Soldatenlebens:Was besohlen wird, wird gemacht", ist mit der Unterschrift versehen:Mensch ärgere Dich nicht!" In Anlehnung an die im besetzten Ge­biets häufig zu findenden Tür-Anfschristen an den Wohn- häu'ern der Einheimischen ist sicher die Inschrift entstanoen: Nicht stören! Gute Leute." Für die Schlafverhältniffe unserer Soldaten ist folgendes Verscherr charakteristtsch:

Der Emil der besitzt den Ballen Der größten Ruhe doch von allen,

Wenn aus ihm 'rum die Natten losen,

So tut er ruhig weiterbasen."

Zwei Beispiele, die zeigen, daß solche Ergüsse fast jedem Gegenstände, der im Schützengrabenleben eine Rolle spielt, zu- gedacht werden, sollen den Schluß bilden. Ein mächtiger fran­zösischer Blindgänger, der sich aus das Gelände hinter einem deutschen Graben verirrt hat, wird mit Kreide von je­mandem befragt:Du bist wohl nicht von hier, du siehst so blaß aus." Und an einem Feldpostbriefkasten in einem Schützengraben liest man:

Kameraden seid riicht träge Und öffnet oft diese Tür, '

Daheinr eine treue Seele Ist stets eines Mannes Zier.

Und kommt Dein liebes Briefe!

Zu Haus bei Muttern an,

Dann packt sie ein Pakete!

Zum Dank für ihren Manu."

Seß§xkslchiW'Sr?sßei?ch§A ZZ??chl.

Wie«, 15. Febr. (W. B.) Amtlich wird verlautöm^

OsMcher kriegsjchau latz.

Bei F o c s a n i wiesen wir einige russische Kompanie ad An der Pu Ina Betätigten sich unsere PatromAen ^it Erfolg im Vorgelände.

Heeresfront des Generaloberst Erzherzog Joseph.

Südlich des Mestecanesci-Tunnels wurde eia russischer Vorstoß vereitelt.

Heeresftont des Generalfeldmarschallö Prinz Leopold von Bayern.

Nördlich der Bahn Z l o c z o wT arnvpol und Lei S w i d n i k i in Wolhynien überfielen SLoßtrupprn die ruh fischen Gräben. Die Unternehmungen glückten. Ter F e i n H erlitt st a r k e Einbußen an Menschen und KriegsgerLt. Oestlich von Z l o c z o w wurden überdies 6 russische Ossi,: ziere und 275 Mann als Gefangene ab geführt. !

Italienischer und südöstücher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von Hofer, Feldmarschallrntnant.

t Haag, 15. Febr. (Priv.-Tel., zs.) DveTimes" bringt einen Bericht über die vorläufige Untersuchung in Derby gegen Frau W e e I d o n, ihre beiden Töchter und ihren Schwiegersohn Mason, die des Gistmordversuchs an Lloyd George und Minister Henderson beschuldigt werden. In die­sem Prozeß spielt ein Polizeispitzel namens Booth eine große Rolle. Frau Weeldon, die einen Laden in Derby besaß, ihre Tochter Hetty, eine Lehrerin und ihre andere Tochter, Frau Mason, die mit ihrem Mann in Southampton wohnte, ge­hören zu der Jndependence Workers os World, eine Vereini­gung, über deren Zwecke und Ziele mchts mitgeteilt wird. Vor dem Kriege gehörten die angeklag en Damen zu den Suffragetten. Der Lockspitzel der Regierung Booth er­klärte, er habe gehört, daß Frau Weeldon gesagt habe, sie habe im Juni 1914 die anglikanische Kirche in Broadsall an- gesteckt. Lluch will Booth gehört haben, daß Frau Weeldon gesagt habe, sie habe seinerzeit von den Suffragetten 300 Pfund erhalten, um Lloyd George zu vergiften. Es sei ge­plant getvesen, in dem Hotel, in dem Lloyd George wohnte, ihm einen vergifteten Nagel in seine Schulter zu treiben, aber Lloyd George sei nach Frankreich abgereist und so dem Anschlag entkommen. Auch sei beabsichtigt gewesen, M c Kenn« zu töten. Man habe jedoch diesen Plan aufge­geben, da man gefürchtet habe, einen Unschuldigen zu treffen.

Ein anderer Lockspitzel, namens Gordon, der jedoch nicht als Zeuge verhört wurde, verkehrte viel im Hause der Frau Weeldon und sagte, sie habe einen großen Haß auf Lloyd George gehabt, dem sie vorgeworfen habe, er trage am Tode von Millionen Menschen die Schuld. Henderson aber habe seine Partei verraten. Asquith sei der denkende Kops der Kriegspartci gewesen, aber er sei doch nicht so weil ge­gangen wie Lloyd George. Es wäre ein Segen für das Land, wenn Lloyd George und Henderson verschwänden. Aus un­terschlagenen Briefen der Frau Mason und der anderen Da­men, die verlesen wurden, ging in der Tat dieser Haß gegen Lohd George hervor. Sr richtete sich gegen alle die, die dK Kriegspolitik in England schürten. In einem Briese der Tochter Hetty heißt es:Wer kann es den Deutschen übel nehmen, wenn sie sich an dem dickhäutigen oder falschen und beulerischen England rächen!" Fran Mason schreibt:Ihr wißt, welch üble Feiglinge diese frommen christlichen Eng­länder sind, wenn ihre schmutzige Haut in Gefahr gerät" Bon Lloyd Georae wird gesagt:Gott strafe seine verfluchten Augen." Dem Schwiegersohn Mason wird vorgeworfen, daß er das Gift, nämlich Strychnin und Curare besorgt habe. DieDaily Mail" fügt noch hinzu (dieTimes" läßt die Stelle weg), daß Frau Weeldon die Beschuldigung erhob, bte ganze Angelegenheit sei ausgeheckt worden, um gegen sie Vor­gehen zu können, denn ihr Sohn sei ein sogenannwr conocientious objectar. (Ein Mann mit Getvissensbedenken gegen die Dienstpflicht.)

Welchen Anteil die Lockspitzel selbst an der Zusam­menstellung der ganzen Geschichte haben, muß sich erst heraus- stellen. Dies kann erst geschehen, wenn die Sache vor dem Strafrichter in London verhandelt wird. (Wir möchten be­merken, daß dieser Booth der nämliche Mann ist, der dem ursprünglichen Deutschen und dann naturalisierten Engländer Gruban den Aktienbesitz einer Gesellschaft abpreßte, indem er Gruiban mit der Internierung bedrohte, wenn er ihm den Aktienbesitz nicht übergebe. Booth trat als Regierungsinspektor auf und eignete sich dann in diebischer Weise den Aktien­besitz an. Gruban wurde aber doch interniert, um ihn aus dem Wege zu schaffen. Das englische Gericht setzte Booth trotz des belastenden Nkaterials einfach außer Verfolgung,da es keinen Anlaß fand, einzuschreiten". Der Berichterstatter.)

Zeslschlmd tstrt China.

® Koprchagen, 15. Febr. (Priv.-Tel., zf.) ^londoner! Meldungen besagen, daß innerhalb der ch in es ischen g i e r u n g ursprünglich eine starke Stimmung gegen einen > entscheidenden Schritt gegenüber Deutschland bestanden habe. Nach Empfang der Botschaft Wilsons Hütten jedoch nur, zwei Mitglieder gegen Abbruch der Beziehungen gestimmt.; Die Deutschen in Peking machten energische Versuche, um eine lediglich passive Rolle Chinas zu sichern. Die chinesische > Presse sei, im ganzen gesehen, für den Bruch mit Deutsch-- land.

D Kopenhagen, 15. Febr. (Priv.-Tel., zf.) Ueber die' deutsch-chinesische Situation hatte ein Vertreter desEkstra- - blabet" eine Unterredung mit dem hiesigen chinesischen Ge­schäftsträger, Prinz Tchai. Dieser erklärte, da, falls der deutsche Gesandte in Peking wirklich, wie dieMorning Post" meldete, seinen Paß erhalten habe, so müßte er vor der Ankunft der chinesischen Note in Berlin Weisungen erhalten haben. Die chinesische Note an Deutschland sei erst Dienstag Nacht hier in Kopenhagen umchrifsriert worden. Kopenhagen und Haag dienten bisher abwechselnd als telegraphische Sta­tion zwischen Peking und Berlin. Wenn China die Ver-i bindung mit Deutschland abbreche, so werde der Berliner chinesische Gesandte wahrscheinlich zunächst nach Kopenhagen kommen, jedoch möglicherweise nicht hier bleiben. ;

*

I* Stockholm, 15. Febr. (Priv.-Tel., zf.)Djen"'meldet! aus Tokio, die Verhandlungen über eine chinesische. Sondergesandtschaft nach Japan sei anläßlich der Beilegung des Tsengtsiatung-Zwischensalls wieder ansgenom-i ,men worden.

Nach der Petersburger Telegraphenagentur nrißt die Presse in Tokio dem Entschluß Nordamerikas, sich dem S y m dikat der vier Ententemächte in China anzuschli.ßen, große Bedeutung bei, namentlich in Bezug auf die gemeinsamen Interessen der japanischen und amerikanischen Finanzgruppen' an dem Ausbau des Schantung - Kanals. Ein Teil der Presse erblickt in dem angeblich vollzogenen Abkommen ein Vorzeichen des künftigen amerikanisch-japanischen Zusammen­arbeit ens in China.

Weiter wird gemeldet, daß bereits in ganz Japan die Werbearbeit für die neuen Parlamentswahlen beginnen. Als. Kandidat für Tokio wurde der in Wladiwostok. wohnhafte Politiker O g i no ausg:stellt. _ D ^

E® Stockholm, 14. Febr. (Priv.-Tel., zf.) Aus Peking meldet die Petersburger Telegraphen-Agentur: Der Mnister- rat genehmigte den vom Verkehrsminister ausgöarbeitete, Entwurf einer Anleihe von 200 Millionen für die Ent­wickelung der Industrie und für Bahn bauten. Die, Anleihe soll durch japanische und amerikanische Firmen ge­deckt werden.

sea AnauzbrzietzMsrn.

KonstantmopÄ, 14. Febr. (W. B.) Der Senat hat das gestern bereits von der Kammer bewilligte Gesetz ange-, nommen, wodurch die Regierung ermächtigt wird vuu der deutschen Regierung eine V o r s ch u ß a n l e i h e im Betrage von 42 14 Millionen Pfund abzuschließrn und Geldnöten im Betrage von 32 Millionen Pfund auszugeben. Im Laufe der Verhandlungen zählte der F i n a n z m i n i- st e r in einem längeren Expose die seit Beginn des Krieges in Deutschland und Oesterreich-Ungarn aufgenommenen Vor­schüsse auf, die sich im ganzen aus 79 Millionen Pfund bc-, lausen, alle rückzahlbar spätestens elf Jahre nach dem Kriege.

Der Minister führte aus. er glaube, daß das. Bündnis und die Waffenbrüderschaft, die sich mit Deutschland während des Krieges herausgebildet hätten, auch nach dem Kriege sort- dauern würden. Damit nun das von der deutschen Regie­rung im Laufe des Krieges mit der Türkei abgeschlossene, Bündnis auch nachher fortdauern könne, dazu sei zweifellos nötig, daß Dutschland der Türkei die Mittel liefere, um im Lande Verbesserungen durchzusühren, und daß der Türkei Zeit lasse, die ganzen Summen zu bezahlen, die sie schulde. Der Minister fuhr fort: Bei den Reisen, die ich seit Beginn des Krieges nach Berlin unternommen habe,! bin ich demselben Wunsche bei fast allen deutschen Staats­männern begegnet- Sie haben mir zu wiederholten M-rieu" erklärt, daß sie alles Nötige tun würden, der Türkei, einer> Macht, die sie nicht vernachlässigen wollten, die Bezahlung! der Staatsschulden zu erleichtern, ja, daß die Deutschen' selbst außer den bis jetzt vorgeschossenen Summen das nötige, Geld zu geben gewillt wären, um die Türkei zürn Aufblühen-' zu bringen. Wenn sich diese Hoffnungen verwirklichen.: wenn wir dieses Entgegenkommen finden und wenn es uns: gelingt, während der Jahre, die dem Kriege folgen, Kapi-! talien in der Höhe von 100 oder 150 Millionen Pfund ins Land zu bringen, dann ist. unter der Bedingung, daß dieses > Geld für Ackerbau, Eisenbahnen, Straßenbauten. Fabrileu j usw. gute Verwendung findet, die Türkei zehn Jahre später j imstande, ihre ordentlichen Ausgaben zu decken, sowie die! Zinsen und Amortisierung der Staatsschuld, die vor dem' Kriege bestand, als auch derjenigen Staatsschulden, die i^l Laufe des Krieges hinzukamen. Es genügt aber nicht, daß { uns Deutschland Geld leiht, es tut auch not, daß wir eine j gesicherte finanzielle und wirtschaftliche Politik befolgen. Dies, ist meine Ueberzeugung.

Der Minister verbreitete sich sodann über die Einzelheiten ^ der aufgenommenen Vorschüsse und sagte: Keiner der Vor* j schüsse ist durch irgendwelche Einkünfte gedeckt. Erst wenn ' in eine konsolidierte Anleihe konvertiert werden, wird daraK ! zu denken sein, ob es nötig ist, Sicherheiten zu geben odet; nicht. Der Minister legte dar, die ausgegebenen Geldnoleck i seien kein Papiergeld, sondern Noten, die von Deutschband, ^ das seine Verpflichtungen erfüllen werde, in Gold würden j eingelöst werden. Aus d'esrm Grunde sei es erstaunlich, daß ' der Wert dieser Noten sinke und die Bevölkemng drei Papier- pfunde für ein Goldpfund hergebe Me Summen, die die Türkei von Deutschland als Vorschüsse erbalten habe, wür­den eine nicht ftüher verzinsl'che Schuld darstell'n. als erst von dem Auoenblick an. wo Deutschland jene G-eldnoten in Gold eingelöst babe Sobald Deutschlonnd die aus gegebenen Geldnoten in Golfe eingelösi habe, werde es der Türkei frei* stehen, die gesamte Summe in Ban sei es durch Konversion in einer langfristigen Anleihe, zuruckzuerstaften.

Posen, 13. Febr. Der frühere polnische LandtagZ' abgeördnete Professor Dr. Franz S ch r 0 e d e r, der durch eine Reihe Legislaturperioden den westpreußischen Wahlkreis Reustadt-Putzig vertrat» ist im Alter von 86 Jahren gestorben.^