vrelmivfe-zlgsktt zohqm«.

Ar* 333 erstes Morgenvlatt.

Sonntag, 1. Dezember 1918,

Preis nr Abssumi

Die klein« Zeile 70 .J Abmd^M/Kckiamct Abendblatt Jt 3.,50%Teuerung8ZuscMag f Stelioc- besuche 10»A, Teuerungsztischlag. Familien anieipe» Sondertarif. Platz* u.Datenvörsciir. ohneV ertnnducbf* keit Anzeigen nehmen an: Geschäftsstelle Frank­furt a. BL; Gr. Eschenheimerstr. 33/87, Schiüerttr. JO, Mains Schillerpl.3, Berlin: Mauerstr.16/18, Dresden A: Waisenhausstr.25, Bf Aachen: Perusastr.fi, OBeubaeh: Biel-erorsfcr. 34, Stuttgart: Poststr.7, Zftrich: Nord- straße62. Unsere Agenturen u.d.Asn.*ExpedHioirab Verlag und Druck der Frankfurter Sotiei Druckerei G. m. b. H. Postscheckkonto Frankfurt (Mala)

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und Handelsblall.

JSegr findet o ovl geopolb Sonne«»«

(Frankfurter Handelsxeitaag.) Stadt Tslephm: Aal Haaaa 918L

(Neue Frankfurter Zeitung.) Ftr auswftrts: Aart Hanta 9173.

Der Skaak -es Walen Rechks.

Leitsatz» für eine demokratische schaftSpolitik.

IV. (Schluß) *)

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A. 1 Wir haben bisher ganz grundsätzlich gesprochen, -mabhängig von der durch den Krieg geschossenen Lage der zcutschen Wirtschaft und ihren Erfordernissen. Denn solche Grundsätzlichkeit tut heute not. Lange genug ist die Politik jammervolle Routiniers, die sich mit wahrhaft unberech­tigtem Stolze gern Realpolitiker nannten, verdorben und grade den Besten verekelt worden. Danken wir es der Revolution, baß sie jetzt die alten Parteien und die alten Parteiprogramme -erbricht und für ganz Neues Raum schafft: für eine Politik heißen Wollens und weiter Ziele, die jeden einzelnen Mmgt, neu Stellung zu nehmen und zu bekennen, und die Führer fordert, in denen die Leidenschaft der Gesinnung brennt. Man muß wissen, was man will und warum man eS will; nur solche Klarbeit kann heute bestehen. Kommt es zur praktischen Ar­beit dann zwingt ja gewöhnlich schon der Alltag wieder in den Ällt'aa hinein. Aber man beachte wohl: Für das, was wir als Lcitsätz« einer demokratischen Wirtschaftspolitik hier kurz ffhsierten, wird es diesmal umgekehrt sein. Denn es wird sich eiacn daß die 'brutale Macht der Tatsachen un- mltt'elbar dieselbe Politik erzwingen wird die wir hier g r u n d s ä tz l i ch erörterten. Und die Sorge ist heute nicht, daß die Demokratie nach einigen ersten Schritten zur Verwirklichung des sozialen Rechts sich wieder schnell- besriediat zur Ruhe begeben könnte. Sondern nur die gerade entgegengesetzte Furcht drückt auf uns: daß nämlich unter der unerhörten Belastung mit den Kriegsfolgen,^ die den feinen Mechanismus zu einem unentwirrbaren Knäuel zusammenzu- sch^agen drohen und noch schneller durch die Torheit der Menschen! - der Wirtschastskörper ^ zerbreche, bevor er übet* hauvt noch durch eine solche demokratische Wittschaftspolitik wieder aufaerichtet werden kann. Fürchterliches ladet der Krieg uns auf. Denn auch wenn wir die Demobilisotion und die Durchführima der Wassen^illstandSbedingungen und die ersten, schweren Erschütterungen der Revolution ohne gänzlichen Zu­sammenbruch überstehen ohne Hungersnot, ohne vernichtende Arbeitslostakeit, ohne Anarchie, ohne weiteren Einmarsch der darauf lüsternen feindlichen Heere! dann bleibt die uner­hörte Ausaabe auf uns. das Wirtschaftsleben wieder ganz von neuem in Gang zu bringen und es trotz der ungeheuren Ge- w'chte. die es künftig mit zu schleppen hat, in Gang zu erhal­ten Aber daß es überhaupt gelinge, hängt zu einem großen Teile von den Fri ede n sb e d in gun ge n ab. Und hier ist noch einmal vom Grundsätzlichen zu reden.

Herr Trotzki hat in Vrest-Litowsk den Friedensvertrag mit geschlossenen Augen unterschrieben; er rechnete auf die W el t- x e v o l u t i o n, die ihn wieder auslöschen würde. Und wenn die Vernunft nicht jetzt doch noch über den Siegestaumel der Westmächte triumphiert, dann kann es wohl kommen, daß diese Weltrevolution auch für uns die letzte Möglichkeit der Hoss- nnng und des Daseins werde. Bis zur Entscheidung aber, ob die Welt auch durch dieses letzte Entsetzen, durch neues Blut und neues, unahnbares Elend hindurch muß, gilt es tätig zu sein. Es gilt, d e m o k r a t i s ch e W i r t s ch a f t s p o l i - tik auch nach außen zu treiben, für den Friedensschluß und für die Zeit nachher. Das aber besagt, daß die Demo­kratie für die Wirtschaft dieselben Grundsätze zu verwirklichen suche, denen sie in der allgemeinen Politik folgen will: die Grundsätze des Rechts, des friedlichen Mit-

und Nebeneinanderlebens gleichberechtigter Staaten und der Völkerverbündung statt der Völkerverfeindung. Die deutsche Demokratie muß deutsche Wirtschaftspolitik treiben, gewiß nicht auf Kosten anderer Völker, was bei dem heutigen Stande der Dinge wohl ohnehin niemand bei diesen mehr fürchtet, aber zur Verteidigung deutscher Lebensnotwendigkeiten und deutschen LebenSrechtS. Sie darf sich nicht dazu erniedrigen lassen, der knechtische Ein- kassierer dessen zu werden, was die Entente unter dem Einfluß ihrer großkapitalistischen Machtgruppen uns aufzuerlegen für gut findet; sie muß mit höchster Kraft unser Vaterland dage­gen verteidigen, daß sein Haus zerstört werde, nur damit die Entente daraus die Bausteine zum Wiederaufbau ihrer Häuser gewinne. Und sie muß sich dafür mit Willen und mit Wissen erfüllen und mit Stolz auf unser Volk, das in viereinhalb Jahrzehnten friedlicher Verflechtung in die Weltwirtschaft sicherlich sein redliches Teil an der wittschastlichen Wohlfahrt der ganzen Welt mitgearbritet hat. als Käufer und Verkäufer, als reicher Markt für die Produkte ftemder Länder und als fleißiger Erzeuger hochwertiger Waren zur Lieferung dagegen.

Die Willonschen Sätze, die wir angenommen haben und auf die auch die Entente sich verpflichtet hat, besagen in

*) Vergl. Erbes Morgenbl. v. 23.. 26. und 27. d. M. Mit dickem Art'kcl schließt die Reihe. Die Aufsätze werden gesammelt als Sonderdruck erscheinen.

Punkt 3, es sollen so weit als möglich alle wittschastlichen Hin- demisse beseitigt und die Gleichheit der Handelsbedingungen festgelegt werden unter allen Nationen, die sich zur Aufrecht­erhaltung des Friedens verpflichten; sie verlangen in Punkt 14 die Errichtung des Völkerbundes. Das müssen auch die Fr»r- derungen der deutschen Demokratie sein. Gleichberech­tigung, Meistbegünstigung und offene Tür muß sie fordern. Und außerdem verlangen, daß der große Gedanke des Völkerbundes auch auf die Wirt­schaftsbeziehungen der Völker ausgedehnt werde, weil er ohne das tot wäre, bevor er entstünde. Wer den Frieden will, muß jede Form des Wirtschaftskriegs ver­werfen. Aber tatsächlich gibt es nur diese zwei extremen Mög­lichkeiten: Entweder es bleibt der krasse National-Egoismus und National-SeparatismuS in der Wirtschaftspolitik Herr-, sckend, der so viel zur Vorbereitung rer Kriegsgefahr getan hat. Dann werden, weil ja alle Staaten vor ganz den glichen ttesigen Problemen stehen wenn auch mit gewaltigem Bor­sprung Amerikas und mit furchtbarer Mehrbelastung Deutsch­lands alle Staaten bestrebt sein, sich mit äußerster Kraft­anstrengung gegen einander abzuschließen, um jeder für sich und jeder unter rücksichtsloser Ausnutzung von Sondervorteilen seinen Wiederaufbau zu versuchen. Das ist dann, auch wenn nmn es nicht so nennt, der Wirtschaftskrieg. Dann werden alle die Einfuhr aufs äußerste beschränken, weil sie ihre Ausfuhr zur Bezahlung ihrer ausländischen Schuldzinsen brauchen, und sie werden gleichzeitig in erbitterter Konkurrenz um die wenigen j freien Weltmärkte ringen, um überhaupt einen genügenden j Ausfuhrüberschuß zu erreichen; sie werden an Rohstoffen und

> Nahrungsmitteln, über die sie verfugen, und an Kapitalien,

, die sie ausleihen können, dritte nur gegen Zugeständnisse auf anderen Gebieten teilnehmen lassen, weil solche j Verfügung über, weltknappe Stoffe ein Machtmittel ist, das i man brauchen kann; und das ganze wird eine Steigerung des

Imperialismus und des Nationalismus bringen, daß dem gegenüber der Weltzustand vor dem Kriege wie ein wahrhaft idyllischer Pazifismus erscheinen wird! Das ist die eine Mög­lichkeit. Oder aber und das ist die zweite die Lösung wird aus internationalem Wege erstrebt: die Staaten legen ent­flossen und gerecht ihre Kräfte zu einem wirtschaftlichen

> Weltbündnis zusammen, um nach der gegenseitigen Vernich­tung gemeinsam dem Chaos zu steuern und das, was an Ar­beitskraft, an Rohstoffen, an Schiffsraum, an Kreditmöglich-

, keiten der verarmten Menschheit noch geblieben ist. der ganzen - Menschheit gleichmäßig zuzyweisen; sie vereinigen sich für die Nöte des Wiederaufbaus !n der Erkenntnis, daß alle noch ärmer werden, wenn auch nur einer zusammenbricht, daß alle schlechter verborgt sind, wenn die internallonc.!e Arbeitsteilung durch wilde Absperrung gestört wird. Für diesen zweiten Weg sich kraftvoll einzusetzen, grundsätzlich ebenso wie aus zw'ngen- den praktischen Erwägungen, ist die Aufgabe der deutschen Demokratie. Die Welt wird auch dadurch n'cht zum Paradies werden. Denn was ist nach diesem Kriege noch Eurova? Eine Kolonie für den amerikanischen Kapital'smus! Die ganze Welt wird künftig dem amerikanischen Kapital in riesigem Umfange tributpflichtig sein, Deutschland und Rußland.dam noch dem englischen und französischen; und wie groß diese Last sein, ob sie überhaupt für olle tvogb^r sein w'rd, d-8 ist Idente noch ganz unübersehbar. Aber in jedem Fall ist nur auf. dem 'weiten Weg. bei intern-'t'onaler wirtschaftlicher Verständigung, an die Erbaltung der Existenz ernsthaft zu denken. Und also muß man sie erstreben.

Die deutsche Revolution hat in einer ihrer ersten Prokla­mationen den Achtstundentag verkündet, und sicher ist bk Verkürzung der Arbeitszeit ein aufs äußerste anzustreben­des Ziel. Aber weiß die revolutionäre Regierung schon, wie viele Stunden jedes Tages künftighin jeder Deutsche für die Entente arbeiten müssen wird, wenn diese ihre schmäh­lichen Forderungen auf Kriegsentschädigung in vollem Umfange durchsetzen kann? Die Frage mag den Regierenden zeigen, wie viel von dem künftigen Lose aller Deutschen von ihrer Haltung in der Friedensfrage abhängig ist.

Dieses Los wird ohnehin, auch wenn uns alles weitere Elend erspart bleibt, das jetzt noch im Ungewissen droht, von tiefem Ernste erfüllt sein. Wir muffen jetzt wie im Kriege noch einmal durch eine Periode schwerer Unwlrtschastlichkeit hin- durch, ganz abgesehen von den Milliardenverlusten, die der überstürzte Rück'ug der Truppen durch Lieaenlaffen oder durch Vernichtung und Vergeudung kostbaren Marecials uns auf- er^gt: wir muffen der Arbeitslosigkeit steuern, indem jeder ein­zelneNotstandsarbeiten" vergzbt, ohne Rücksicht auf Preis und wirklichen Bedarsszwang; wir müssen der Hungersnot! steuern, indem wir von Amerika Lebensmittel kaufen, auch ohne Rücksicht auf den Preis und auf die schon dadurch entstehende schwere neue Verschuldung. Um so härter wird nachher der Zwang zu höchster Wirtschaftlichkeit sein. Denn dann heißt eS für das um Millionen Tote und Verstümmelte geschwächte Volk, zu produzieren: für die Entschädigung der Entente, für die! Frauen und Kinder der Hinterbliebenen, fsi- die kttegsbe-! schädigten Soldaten, für die Rohstoffe und Lebensmittel, die!

wir mit entwettetem Geld, zu riesigen Preisen, vom Auslande zu kaufen genötigt sein werden, und für die Abzahlung der Schulden, die wir schon während des Krieges im Auslande gemacht haben. Dann heißt es, wenig konsumtiv verbrauchen, sparen, um neben jenem noch genug Arbeit für die Wiederher­stellung unseres Produktionsapparats übrig zu behalten. Dann kommt die Aufgabe des Neuaufbaus der Finanzen: eine unge­heure Umlagerung von Nationaleinkommen, das für Kriegs- rcnten und für Anleihezinsen in einem früher nie für möglich gehaltenen Umfange in die Reichskasse hinein und durch sie an die endgültigen Empfänger weitergeleitet werden muß. Dann stehen wir vor dem Riesenproblem, diese ganze unerhörte Um- snllung des Wirtschaftskörpers ohne Frise, ohne katastrophale Arbeitslosigkeit bei so drängender Arbeitsmenge zu vollziehen. Dann müssen wir, in Wahrheit, ausprobieren, ob wir überhaupt noch physisch leben können auf dem Raume und in den Wirtschaftsmöglichkeiten, die der Friedens­schluß uns läßt ob wir leben können ohne eine neue Massen­auswanderung wie in vergangenen Jahrzehnten (aber wohin diesmal?) oder irgend eine andere, noch unausdenkbare Explosion.

Für phantastische Arbeitslöhne, wie manche Arbeiterräte sie heute fordern, für eine Reduktion der Arbeitszeit noch weit unter den Achtstundentag, von der die Spartakusleute jetzt reden (die, wie derVorwärts" gut gesagt hat, sich schon demNull­stundentag" nähern), wird da kein Raum sein. Man kann eine ganze Weile vom Kapital leben, und wir tun es ja seit dem August 1914 gründlich genug, aber auf die Dauer lebt man nur von der Produktion: es muß erzeugt werden, was verteilt werden soll. Sozialismus ist Arbeit, das war niemals wahrer als für die Zeit, die uns bevorsteht. Aber man täusche sich nicht: allein dieArbeitin der altenWeisewird eS nicht leisten, und sie wird nicht geleistet werd en. Es wird praktisch nicht gehen obne die wirtschasts- politischen Maßnahmen tiefgreifender sozialer Umgestaltung, die wir hier vorschlugen. Und es wird vor allen! seelisch nicht gehen. Mehr als je wird ja für die kommende Zeit die Er­kenntnis gelten, daß es sich bei der Demokratie gar nicht in erster Reihe um Rechte handelt, sondern um Pflichten, darum, daß jeder einzelne sich bei allem, was er tut, dem Ganzen ver­antwortlich fühle und danach handle. Aber so viel Pflicht­erfüllung, so viel Leistung bei so viel Genügsamkeit wird nie gewährt werden, wenn nicht auch in Wahrheit das Recht ver­wirklicht wird wenn wir nicht aus dem Chaos dieses Krieges wie politisch so auch sozial eine neue Gesellschaft auf- ba,en. die dem alten Unrecht, der alten Ausbeutung der alten Beherrschung durchaus entsagt und mit radikalem Ernste und absoluter Rücksichtslosigkeit als neuer Staat des sozialen Rechtes aufersteht.

Nur: Voraussetzung dafür ist eine starke Reichsge­walt, die den legitim zu erkundenden Volksw'llen kraftvoll durchzufübren imstande ist; Voraussetzung dafür vor allem anderen ist die Erhaltung Deutschlands in freier, unver- stümmelter Selbständigkeit. Wird Deutschland zum bloßen Objekt feindlichen Machtwillens, der uns unser künftiges Schick­sals diktieren kann, dann sind alle Entwürfe für den neuen so?i"len deutschen Dolksstaat Makulatur. Daraus aber ergeben sich die nächsten und zwingendsten Ausgaben der deutschen Demokratie und der deutschen Revolution von selbst.

Die ZrleSesrkosfttes;.

Die Teilnahme der Mu ralen.

dt Bern, 30. Novbr. (Priv.-Tel.) Der sckwer zerisciöe Bundes rat ist, wie dieNene Zürcher Zeitung" mitteilt, noch vollsrondig in Unkenntnis darüber. wer zu den bevor­stehenden Friedensverhandlungen überhaupt oinae- lad?n bezw. zngelasscn wird, wo sie statt sin den und wann sie beginnen. Nach der Auffassung dcS Buridesrats sollten aber auf der Friedenskonferenz auch die Neutralen gehört werden. Man sei dcrher in hohem Grade gespannt, z>u vernehmen, ob und- inwieweit das Projekt der Konferenz den Erwartungen der Neutralen Rechnung trage.

Sozialpolitische Hr'iedenssvrderungen.

IV Berlin, 30. Novbr. (Priv.-Tel.) Auf Anregung der mit der Friedensvorbereitung betrauten Stellen hat, wie dieso­ziale Praxis" mitteilt, die ReichZleitung das und

das Auswärtige Amt veranlaßt, sozialpolitische F r i .> « densforderungen aufzustellen. Die am^ichen Bera­tungen haben unter LeAung Von Unterstaatssekretär Dr. Cas',..c und Zuziehung vcm Sachverständigen (Prof. Dr. d-ancke von. der Gesellschaft für soziale Reform, Redakteur Jnfson von der Generalkommission der Gewerkschaften, Brofestor Dr. Mancs vom Deutschen Komitee für mternationate ^oziale Bersichernrrg) bereits stattgefunden.

London, 30. Novbr. (W. 33.) Ter Finanzredaktenr desDaily Lhronw'e" schreiet. Sachverständige glaubwn. Deutschland werde mindestens 5000 Millionen an Zinsen oder Ent­schädigung zahlen können. Wenn e8 notwendig sei, müsse es Hypotheken auf seine Erzgruben und anderes anf- nehnien, bis die Schuld getilgt sei.

Tie Vahle« zur Nationalversammluug.

Wahltag 16 . Februar.

Berlin, 30. Novbr. (W. B.) Drr Rat der Volksbeauftrag- ten nahm in seiner gestrigen Sitzung eine Verordnung über die Wahlen zur verfassunggebenden Nati».« nalversammlung (Reichswahlgesetz) an. Das Wahlv recht wird den Gimndsützen des Aufrufs vom 15. November 1918 entsprechen. Das Reich wirb in dem Gebretsumfang vom 1. August 1914, ohne daß damit der Entscheidung der Frie­dens Verträge vorgegriffen wird, in 38 Verhältnis­wahlkreise ein geteilt, in denen nach der Einwohnerzahl je sechs bis zehn Mgeordnete zu wählen sein werden. Die Wahlen sollen, vorbehaltlich der Zustimmung der am 16. Dezember 1918 zusammentretenden Reichsversammlnng der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands, am 16. Fe­bruar 1919 stattfinden. Das Reichswahlgesetz und die dazu gehörige Wahlordnung werden morgen im Reichsgesetzblatt verkündet werdm.

X Berlin, 30. Novbr. (Priv.-Tel.) Die Wahlordnung zur konstituierenden Nationalversammlung bestimmt, daß auch Personen des Soldaten st and es berechtigt sind, an der Wahl teilzunehmen. Ausge«. schlossen vom Wahlrecht ist 1. wer entmündigt ist ödes unter vorläufiger Vormundschaft steht, 2. wer kraft recktskräfs tigen Urteils der bürgerlichen Ehrenrechte ermangelt. Armew Unterstützung und Konkurs sind nicht mehr Gründe für den Vcr-> lust des Wahlrechts. Voraussetzung der Berechtigung zur Wahl ist cinjährrge Reichsangehörigkeit. Auf durchschnittlich 160 00^ E-inwohner, berechnet nach der Volkszählung vom 1. Dezember' i 910, fällt ein Abgeordneter. Ein Ueberschnß von mindestens 75 000 Einwclhncrn im Wahlbezirk wird den vollen 150 000 glcichgesetzt.

Der Termin, bis zu dem die Wahllisten auszulegen sind, ist noch nicht festgelcgt. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens 100 Wahlberechtigten des Wahlkreises unterzeichnet sein. Si« dürfen nicht mehr Namen tragen, als Abgeordnete im Kreise zu wählen sind. Mehrere Wahlvorschläge können mit­einander verbunden werden. Die Verbindung muß von den Unterzeichnern der betreffenden Wahlvorschläge oder ihren Bevollmächtigten übereinstimmend bis zu einem bestimmten Termin, beim Wahlvorsteher <mgemeldet werden. Eine solche Verbindung kann nur gemeinsam zurnckgenommen werden. Zur Prüfung der Wahlvorschläge und der Verbindung der Listen wird in jedem Wahlkreis ern Wahlausschuß aus einem Ver^ sitzenden und vier Beisitzern gebildet, der mit SAmmenmehrh^t entscheidet.

Der Grsß-Veriiner Arbeiierrak.

Berlin, 29. Novbr. (W B.) Beratung des Grotz--Ber-- liner Arbeiterrats. . (Schluß Seriös.) L o e wr Wäre die Revolution durch ein klussenbewußtes Proletariat voll­zogen worden, dann hätte eS nicht vor den Geldsi'cken des Ka­pitals Halt gemacht. Die Menschheitsöcsreimrg,Lann nicht von Ebert und Scheidenwnn ausgehen- Busse: Die Mehrhert«^ Sozialdemokratie trägt mit Schuld am Völkermord (Beirall uns Widerspruch), weg mit den Leuten, die uns während der ! --n

.nriegszeit verraten uud bezogen bähen l ReichZtagsabg. Hermann Müller (Reichenbach): Im Reich ist die^Miß­stimmung gfgen Berlin ungeheuer. Das politische Leben''läßt sich durch Dekrete regeln, nicht aber das Wrrilchaü.Slrben, sonst kommen mir -habin, *"t* Rußland durch seinen Dekretrsmus'hrsi- aekommen ist (Znr'n.f: Wo lr - es denn? Rußland ist tot, Ruse Durch deutsche Machi). i-deui, durch die Vorgänge im Wirtschafts­leben. Wir müssen zu einheitlichen Richtlinien kommen/ wir müssen ?luiorität haben, das durchzusetzen, was beschlossen wird. Sonst segeln wir unrettbar in die Anarchie. Achten Sie ani den- Zerfall des Riiches. . Wenn in Süddeutschland und im Nhcinlande diese Te"deuzen zum Siege kommen, so'wird du-- aus andere Provinzen weitcrgreisen, ".ud in ^?t>n Provinmn komm' ; 'elleicht das Wirtschustslebctt eher zu., -z.rfbtln als ui Be'i'n.

Der Vorsitzende gab weitere Anträge bekannt, die die Abstmrna der Gewerkschaften durch die Staatsgewalt und V.u harchßnmcn der Zeh-u Dm,-llsiiLU mit den Unternehmungen, Gewerkschaften und dem Vollziigsrat fordern. 'Bock öerichteie üier die Bildung eines Z c nt r a l a r b e i t e r rat s in öeu StaarsdetrievLU in Spandau und gab Eiugelheiten über dessen Tätigkeit. Bei der W u m b a war 'Zngreifen nötig, b^rtn eS Vl.

\ Ans technischen Grürrdm', die mit dem Papiermangel f i Zusammenhängen, werden bis auf weiteres von Sonn- j

I tag, den 8. Dezember ab das .,Literaturblat^ r

!> undAus Technik und Industrie" gesondert ;

! erscheinen, abwechselnd alle vierzehn Tage. Diese c

Sonderdrucke werden nur denjenigen Abonnenten zu- j

gestellt, die Wert darauf legen und uns dies mittelleit. !

Die Dominante des Lebens.

Von Adolf Koelfch.

In den Tagen, da das Deutsche Reich noch kein Kaiserreich war. seine Idee aber bereits in der Luft! lag und gewi>se schwärmerische Köffle sich schon beunruhigt fühlten, weil ibre Dlütenträume ihnen nicht schnell genug reisten hat ein Mann, dessen hundertsten GeburtsDg man Anfangs November ge­feiert hat, Emil du Bois - Reymond, vor der Berliner Akgdemie der Wissenschaften eine politische Rede gehalten, die unter dem TitelAus den Tagen des norddeutschen Bundes" seinen gesammelten Schriften einverleibt ist. Sie enthält felgende Sätze:. . . Es könnte uns auch betrüben, wenn wir glauben müßten, die Neugestaltung Deutschlands werde, wie tuen nicht selten versichern hört, einen ungi'nstigen Einfluß auf das deutsche Geistesleben im Ganzen und Großen üben.

wäre traurig, wenn Deutschland seine Stelle unter den Völkem nur erringen sollte auf Kosten der Güter, die ihm sonst die teuersten sind;" die in Zeiten der Erniedrigung ihm Trost gewährten und als Fcuersäule den Weg durch die Wüste wie­sen; wenn «s die 5tteinstaaterei nicht loswerden könnte, ohne ron der geistigen Höhe herabzusteigen, die <8 zum Teil aller­dings ihr verdankt; wenn es nicht aufhören konnte, zerrissen zu fein wie Hellas, ohne barbattsch zu werden wie Rom". DaS war am 18. März 1869.

Am 24. März 1877 sprach derselbe Du Vois-Reymond in Köln überKulturgeschichte und Naturwissenschaft", aber er sprach bereits als ein teilweise Betrübter.Wollen wir uns nicht einer der neuerlich bei uns so beliebt gewordenen Selbst- läuschungen hingeben, so müssen wir gestehen, daß wir in der Amerikanisierung" worunter er die Vergötterung des Nützlichkeitsprinzips verstehtschon beunruhigende Fort­schritte machten. Deutschland ward einig und stark, und erfüllt ist unser Jugendwunsch, den deutschen Namen wieder geachtet zu sehen auf Land und Meer. . . . Versetzen wir uns aber in Gedanken zurück in das zerrissene, ohnmächtige, arme, llein- bürgerliche Deutschland unserer Jugend fehlt uns da nicht ttwas in drr uns glänzend und betäubend umrauschenden Gegenwart? Müssen wir nicht wie im Schwabenlied seufzen: Oh wie liegt so weit, was mein einst war?" Wurde nicht viel­leicht bei Deutschlands Umgestaltung während des letzten i/!enschen"!1ers das Kind mit dem Bade verschüttet? Ging nicht mit der unbestimmten Sehnsucht, dem unbefriedigten Streben, dem nagenden Zweifel am eigenen Können dem deutschen Volk auch viel verloren von seiner Begeisterung für Ideale, seinem, uneigennützigen Streben nach Wahrheit, seinem stillen und tiesen GemütZ.leben?" Und er kommt zu dem Schluß, d^ß bei allem äußeren Glanz Im politischen und wissenschaft­lichen Lehen doch nichts binweatäuschen könne über die rasch

wachsende'Gleichgültigkeit der Jugendgegen alles, was nichts ein- und vorwärtsbringt".

Typisch für die Geistesverfassung Du Bois-Rehmonds ist nun allerdings, daß er kein anderes Heilmittel gegen das Uebel weiß als eine Reform des Gymnasialunterrichts.Kein griechisches Skriptum mehr!" ruft er aus.Bitte, mehr Kegel­schnitte!" So sehr ist der berühmte Mann, wie auch aus seinem durchaus ernsthaft gemeinten Mort erhellt, Faust hätte,statt an den Hof zu gehen, ungedecktes Papiergeld auszugeben und zu den Müttern in die viette Dimension hinabzusteigen. besser getan, Gretchen zu heiraten, sein Kind ehrlich zu machen und Eleltnsiermaschine und Luftpumpe zu erfinden" so sehr ist er ein Kind seiner ganz nach außen überhängenden, in grenzen­losen Prahlereien des Intellektes und der Vernunftordnung sich betäubenden Zeit, daß er meinte, der Mensch werde, auf einem wtionellen Lehrplan angesiedelt, wie ein umgepflanztes Bakterium seine angestammte Natur verleugnen lernen und sich in eine neue und glückhaftere Mutationssorm verwandeln.

Sand drüber, Sand und Schwamm, Säue, ätzenden Kalk und alles, was Verwesenes zudeckt oder zerstäubt in Atome! >r>enn sind nicht alle Forderungen Du Bois-Reymonds und seiner Geistesverwandten in Erfüllung gegangen? Ist nicht die Ansiedlung auf demrationelleren Lehrplan" geschehen? ' Ach, in.allen Ländern wurde man nicht nur erzogen beimehr Mathe­matik und Naturwissenschaften", soviel Kegelschnitten, Tangen­tentheorie und Gleichungen zweiten Grades, als man nur haben wellte; sondern über dieses hinaus wurden tausend Reformen in Dingen des sozialen, pädagogischen, reltgiö'en und hygieni­scher Lebens ins Werk gesetzt. In größter Freibeit konnte daneben jeder, ganz nach eigenem Bedarf,mit der hochge­stimmten Gesellschaft" der Dichter, Philosophen und Propheten aller Jahrtausende Umgang pflegen, konnte sich unter ihnen seinen Lebenskameraden mit derselben Freiheit wählen wie sei­nen Coiffeur.

Und trotzdem: Wo stehen wir heut? Was ist aus uns ge­worden? Aus uns allen in allen Ländern und allen Na­tionen, nicht auS den Deutschen allein?

Nur eins läßt sich sag»rn. was für alle gilt- wir haben die Dominante des Lebens auf der falschen Seite ge­sucht Nicht auf der falschen Seite unserer Begabung. Aber auf der falschen Seile unserer Eignung. Zugegeben, daß jene den Menschen btt nun zusammenbrechenden Zeit verleum­den, die in roher und summarischer Schätzung von ihm behaup­ten, daß er' bloß der Jagd nach Erfolg, materiellem Gewinn, Rang, Stellung, Stand, Tüchtigkeit. Brauchbarkeit usw. ergeben gewesen sei und diesem seinem Götzen alle Ideale früherer Perioden geopfert habe: es ist schließlich doch und das fft nicht minder wahr an allen, auch an den Unberührbarsten, etwas davon hängen geblieben, daß wir groß wurden in einer Zttt. der die genaue Beschreibung der Körperwelt, die wissen­schaftliche Registrierung «fet noch so gleichgültigen Zustände

des Seins und ihre Abbildung in der Kunst (des NaturaliLmus) i als das wichtigste Ziel des Slrelens und Schaffens vorgr schwebt haben. Nicht nur wurde dadurch der Blick von uns. selber weggelenkt auf di« Außenwelt, sondern es wurde durch dieses beständige Ueberhängen nach Außrn auch die Neigung befördert, der künstlichen Wirklichkeit, welche Menschen in ge­sammelter Arbeit der Zeiten geschassm haben, die gleiche Voll­wertigkeit und Geltungskraft zuzugestehen, wie jener einzig­artigen Innenwelt, in welcher sich der Begriff des Indivi­duums. der Persönlichkeit des Eigenwesens verwirklicht.

Es ist Sitte geworden, unter dieser künstftchen äußeren Wirklichkeit, mit der sich die Menschen umgeben, ausschließlich die Wunder der Technik und Industrie zu verstehen, von denen weithin sichtbar unser Lebensschauplatz bevölkert wird, und den Houptleil unseres Ungemachs darin zu finden, daß sie. zur Entlastung unseres Daseins ersonnen, uns über die Köpfe ge­wachsen und zu unseren Vögten geworden sind. Gar nicht scheint man bemerkt zu haben, daß neben dieser künstlichen Wirklichkeit k ö r p e r Hafter Dinge außerhalb von uns noch ein« zweite solche Wirklichkeit seelischer Gebilde erstand, von der man nicht minder empfindlich geplündert wurde, weil die Idee, daß das Leben im wesentlichen ein Prozeß des ewi gen Wegstrebens von sich und des Zusammenstießens mit allen Werten sei, die sich außerhalb des Individuums auffinden lassen, uns bereits so in Meisch und Blut übergegangen war, daß wir an Widerstand gar nicht dachten. Diese selbstgeschasfene Wirklichkeit seelischer Gebilde bestand aus den Anforderungen der Gesellschaft und des Staates, den Anforderungen ihrer Moral an unsere Moral.

Wenn mir recht ist, hat man uns von Kindesbeinen an in sämtlichen Anstalten der verflossenen Staaten gelehrt, wir müßten uns bemühen, dieMenschheitsidee" in einem höheren Sinn zu verwirllichen, als es den vorausgegangenen Genera­tionen und Völkern der weißen Rasse möglich gewesen war. Wir müßten dafür sorgen, daß jeder einzlene von uns und nach ihm die 'Familie, die Gemeinschaft mehr und mehr vollkommen durch- dmngen werden von jener eigentümlichen Bildung des Geistes und des Herzens, die man bis dahin nur im Eigentum und Besitz einiger weniger und bevorzugter Träger des Kulturideals gesehen hatte. Deutlich genug hat man uns dargestellt, daß noch nie in der Geschichte jener Zustand erreicht worden sei. wo ein Volk in seiner Gesamtheit jener positiven Werte, in denen der Begriff der Kultur verkörpert ist, so weit teilhaftig gewesen sei, daß sich nicht leibliches Elend, geistige Roheit und alle Aus­schläge eines unfreien und niedrigen Treibens wie ein breiter stinkender Sumpf neben der Vollkommenheit und den ver­schiedenen Abschattierungen des Erfreulichen ausgedehnt hätten Aber wenn auch die Geschichte die Schwerfälligkeit des Menschen bezeuge, so dürfe man doch nicht verzweifeln. Wenn jeder ein­zelne für sich den Ehrgeiz besitze, es den wenigen großen Vor­bildern .der Vergangenhett an Selbstzucht und Äebensbilduna

nachzulun, so werde eS notgedrungen eben doch ,yi lener Hebung des menschlichen Durchschnitts kommen, die als Entwicklungs- ziel vorschwebt.

Es ist eine Lüge, wenn man behauptet, daß diese Att van Idealismus nicht in zahllosen Herzen Wurzel geschlagen habe und nicht auch in vor gegenwättigen, ins Mannesstadium ge­ratenen Generation dieser Moralität mit Leidenschaft nachgelech worden sei. Aber es sieht doch wohl aus, als ob gerade nrit diesem wettvollsten europäischen Menschenmaterial in den gegen­wärtigen Zeitläuften der schlimmste und gedankenloseste Miß­brauch gettteben worden sei und es ausgerechnet der Staat, die Gesamtheit" eines Volkes oder einer Nation gewesen sei, die diesen Mißbrauch geduldet, begünstigt, veranlaßt hat: man machte aus den geistigsten und moralischsten Menschen Sol­daten, in Europa, soweit der Blick reicht . . .

Die Ansicht, daß es notwendig gewesen sei, ist nicht zu wider­legen. Aber wie hat diese Notwendigkeit sich gerächt! Wie hat es sich gerächt, daß man von heute auf morgen bereit wer, die Ansprüche des einzelnen Gewissens für nichts zu achten, nachdem man eben noch das Individuum und sein hohes Selbstverantwottlichkeitsbewußtsein als einzig möglichen Träger des allgemeinen Mensa)heitsfortschcittes gefeiert hatte! Wie hat es sich bezahlt gemacht, daß der mit so viel Aufwand pro­pagierte und mit so viel Geistesschärfe als Etträanis philosophi­scher und kulturgeschichüicher Forschungen verkündete Glaubens­satz vom Gewissen als derlebendigen Stimme Gottes iw Menschen" auf den Schindanger getan und unter dem Beifall, nicht zuletzt der Prälaten, als alleinseligmachend die rücksichts­lose Unterwerfung unter die Rutenbündel derStaats- moral" gepriesen wurde! Es lag durchaus auf der Seite unserer Begabung, uns diesen plötzlichen Anforderungen derseelischen Wirklichkeit außerhalb von uns" zu unterwerfen undim Interesse der Gesellschaft" unseren Wert als Einzel­person abzuschwörrn, wie es auf der Seite unserer Begabung gelegen hatte uns vonmehr Kegelschnitten" geistig zu nähren« Aber es lag nicht auf der Seite unserer Eignung, ungesttäst von zwei Möglichkeiten des Wegs gerade die zu wählen, die nicht durch die Lebensbewegungen der Vergangenheit aus der Tiefe des menschlichen Willens gehoben und zum Wachstum gebracht worden war!

Für eine Zeit, die erkennt, was für ein Krüppel sie kn Ge­meinschaft mit sich selber geworden ist, kann es an Gesundung nicht fehlen. Denn indem sie ihre Gebresten durchschaut und die Erreger ihrer Gebresten bestimmt, begibt sie sich schon von der Krankheit weg und nötigt jeden einzelnen Menichm, daß er heim--, kehrt zu sich selbst Die Heimkehr zu sich aber ist schm ein Rücken­wenden gegen die ganze Summe von künstlichen und äußeren'' Merten, die dem Verräter ^n uns geschnreicheli haben, und ein Versuch, sich jene Ergänzung zu geben, ohne die das Leben i seine an gestrebte Rundung nicht finden kann. ~ --