Mt r - wr. IN».

Msnkfrrr-er Machrrsßte« rmD M<tteMge«z»7yrark

Momag. fl. Januar 19(1 ' ^

Einflüsse von Lew Einfluß der junkerisch-schwer- industriellen Kaste befreie". Soll das heißen, daß österreichisch-ungarische Einflüsse für die Ein» bringung der preußischen Wahlrechtsvoriage mit­bestimmend gewesen sind, oder soll es heißen, daß die Gegenwehr gegen einen vollen deutsche« Sieg, wie sie auch in Deutschland von vielen Kreisen ausgeht, ins geheim von bestimmten österreichisch-ungarischen Einflüssen getragen wird? »Daß ein Tisza und Wekcrie ebensowenig damit zu tun haben wie der österreichische Ministerpräsident, das ist unS klar. Ebenso klar aber ist, was hier deutlich ausgesprochen wird, daß andere ö st erreich isch - ungarische kreise großes Interesse daran haben, tv London darauf hinzuweisen, daß man dort „die treffliche Antwort wob! vermerken werde, weiche man den Leuten der rvetnisch-westfält- schen Zeitung tn Wien erteilt hätte" Wir sind dem Artikelschreiber für dieses offene Geständnis sehr danirmr. Allerdings glauben wir. daß er feiner Sache mit diesem Ausplaudern keinen guten Dienst getan hat: denn bisher wurde es in Deutschland als „alldeutsche Neber- treibung" hingestelit. wenn man auf jene unter- höhlenden österreichisch-ungarischen Einflüsse bin- wies. Jetzt werden diese selbst durch eine eigene Berichterstattung unmittelbar bestätigt.

ES kommt aber noch besser. Wien wird in einen ausdrücklichen Gegensatz gegen Berlin ge­stellt. „Wien habe die Frledensverhandlungcn im Osten nicht angeknüpft, um Nttckenfreiheit nach dem Westen zu bekommen, sondern Brest- Lttowck sollte für Wien die Station zum allge­meinen Frieden werden." Zwilchen diesen Zeilen kann man die Enttäuschung hören, welche die Berbandlunaen in Brest-Litowsk dem Schreiber bereiten. Wir sind gespi-nnt auf die Fortsetzung dieser Aussprache. Der deutsche Leser kann aus diesen nnzensurierten Herzensergüssen mehr lernen ms aus mancher diplomatischen Abhand­lung. Die Frage ist nur beule s'^on erlaubt: Wer hat diese Arbeit bestellt?

Aus Frankreichs Kammer.

Pichons D-örungsverfrrche gegen Brest-Litowsk.

Parts. 1b. Jan. (W.B.) Kammer: Ari­stide B r t a n d: Ich wurde in dem Augenblick, wo die ilmstände schwierig waren, berufen, um namens der Verbündeten Wilson zu antworten. Davon war im Laufe dieser Aussprache die Rede. Die Antwort war schwierig abzn- saffcn. Sie wurde überreicht, und ich glaube, sagen zu können, Albert Thomas, der daina'S mein Mitarbeiter war, der ihren Inhalt kannte, wird mir nicht widersprechen, daß wir uns da­mals einem doppelter, Ereignis gegenüber­sahen. Erstens einem Friedensangriff. der von Deutschland ausging, unter nichtssagenden, ungenauen Bedingungen, die eine verneinend« Antwort heransforderten. Die Antwort wurde gegeben. Dann wandte sich Wilson an die Kriegführenden und sagte zu ihnen: „Gebt mir eure Kriegsziele an". Wir dachten, daß man zu dem Präsidenten der großen amerikanischen Republik der Bereinigten Staaten Vertrauen haben müsie. Wir überarbeiieten unsere Kriegs­ziele im Einklang mit den damaligen '»im­ständen und den Bedürfnissen des Augenblickes. Man kann heute sagen, gewisse Verein­barungen wären besser nicht getros- sen worden, aber bedenken Sie, das? sich, wenn gewisie Vereinbarungen unter dem Druck der Stunde nicht getroffen worden wären, die Fragen nach dem Erfolg Frank­reichs nicht mehr hätten stellen lassen, weil eS dann auf den Schlachtfeldern gegenüber seinem Angreifer vereinzelt geblieben wäre. Die Hauptsache war. alle befreundeten Kräfte gegen den gemeinsamen Feind -usamm,'nzn- fasien. Dieses Vertrauen, das wir WrNon schenkten, erlaubte ihm, sich mit Dokumenten in der Hand wieder an die Mittelmächte z» wenden, die vom Frieden gesprochen hacken, ohne irgendetwas Genaues zn formulieren, und Urnen zu sagen: Hier habe ich das, was Frankreich und seine Verbündeten mir als eure Akten übermittelten. Die Mittelmächte ant­worteten nicht, und die Vereinigten Staa-en

Mussums gefell'chast.

Bartes Sonntagskouzert.

Der Geist Franz Schuberts ist kein sel. teuer Gast in unseren Korizertsülen, wer ihn liebt, braucht seine Ohren nicht darben zu lassen, aber ein ausschließlich diesem Meister gewld- meter Abend ist der großen Mehrheit doch rin willkommener Sondergenuß. Im Banne seiner Poesie träumt sich so wohlig, seine Harmomen formen sich dem empfindenden Hörer zu Mär, chen von heimlichen Wundern und glücklichen Menschen, zu Balladen von Minnesängern und heldischen Taten, zu Bildern und Träumen voll Sehnsucht und schwärmerischer Natnrsrende. Je karger das Schicksal dem Menschen Schubert seine Gaben zumatz, um so reicher baute der Künstler sich seine innere Welt aus. wenn die Menschen modischen Göttern nachliefen und es auS nichtigen Gründen ablehnten, seine Schöp­fungen aufzu führen. so. daß eS schlie" ' gleich­gültig wurde, in wessen zufälligem Besitz seine Handschriften waren, so sang und schrieb er eben für sich «ni, er tauschte dennoch mit niemanden, weuv er im Drange der Eingebung mit der Gottheit redete, die seine Seele erfüllte mit heiligen Schöpferfreuden. Solchem inneren Königtum gegenüber war eS so lelcht, in Din­gen deS Alltags zu verzichten und bescheiden zur Seite zu sieben, wo andere an der Tafel des Lebens schwelgten und damit ihren Lohn dahin hatten. Die Welt kann niemanden nehmen, waS sie ihm nicht gegeben hat und in dieser Erkennt- nis war Schubert in seinem kurzen Eröenleben ein glücklicher Mann.

Der Vortragszettcs war so aufgestellt, daß bie vornehmlichsten Seiten Schubertschen Wesens aufS beste vertreten waren. Die Ouvertüre und Ballettmusik zu Rofärnunde bekundet die Unabhängigkeit der Großen von der zufälligen Materie: während das Ritterdrama der Frau von Ehezy von der Fürstin von Eypern klang­los im OrkuS verschwunden ist, führt die von Smnbert aus gesellschaftlicher Gefälligkeit dazu gelieferte Musik ihr starkes Eigenleben werter.

wußten nun, auf welcher Seite der gute Glaube war. lBeifall.) Ich behaupte, daß die unter diesen Bedingungen abgefatzte Note den Erfor­dernissen Frankreichs diente. (Beifall auf -ah!- reichen Bänkenck

P i ch o n nahm hierauf wieder das Wort: Mein Freund Vriand wird mir bezeugen, daß ich keine Kritik an der Note W i i f o n S übte. Albert Thomas macht uns einen weiteren Vorwurf. Wir hätten, sagt er, nicht wie die Engländer einen Gegenangriff als Antwort auf die Verhandlungen in Brest-Litowfk unternom­men. Dennoch ist es ein solcher, wenn wir von dem Augenblicke an, wo wir von den Vor­schlägen Deutschlands an Rußland erfuhren, sagten, daß sie unS keinen ein­zigen Augenblick aufhielten. Seit­dem ist klar geworden, baß Deutschland, wäh­rend es der Form halber beit Grundsatz des Friedens verkündete, es verstanden hat, die von ihm eroberten Gebiete zu behacken. Es würde also, um zu beginnen. Polen, Litauen, Kurland. Estland und Livland behalten, deren Bevölke- runaen sich» wie es behauptet, bereits ausge­sprochen batten. Es aab anfangs einen großen Rückschlag bei den Marimalisten, und Trotzki verkündete den Abbruch der Verhandlungen. Hierauf schlug er vor, sie in ein neutrales Land zn verlegen. Deutschland lehnte ab, und Trotzt! kehrte wieder nach Brest-Litowfk zurück. Der große Zorn der Maxkmalisteu geaen die deutschen Bevollmächtigten beruhigte sich. Es scheint gegen­wärtig, daß Anzüglichkeiten zwischen Kühl­mann und Czernin einerseits und den maxi- malistischen Vertretern andererseits ausge- tanscht werden. Wird der Friede geschloffen werden? Ob nun Deutschland ihn schließt, oder ob es beim Waffen- still stände bleibt — eS wird sich um die Lösung der Frage gegen unS be­mühen können, die der russische Abfall feiner Entscheidung anbeim- gegeben hat. Es wäre nnklng, sich von der Festigkeit des maximalistischeü Geistes und von den Drohungen mit einem revolutionären Kriege bestechen zu lassen. ES ist bester, dem Schlimmsten zuvorzukommen. Folgendermaßen stellt sich also die Lage dar: Einerseits haben die verbündeten Länder durch ihre Negierungen bekannt gegeben, daß ihre Grundsätze, die eines dauerhaften und gerechten Friedens, den sie er­streben, die Gleichberechtigung, Freiheit, Unab­hängigkeit mrd das Recht auf Wiedergut­machung der erlittenen Schäden und die Schaffung bestimmter Einrichtungen zur Ver­hinderung einer Wiederholung des Krieges sind. Sie haben sich in aller Form bereit er- klärt, unter einander die Vorschläge zu prüfen, die ihnen von den Gegnern etwa g«nacht würden.

Renandek bestand ans der Frage bezüg. lieh einer gemeinsamen Erklärung der Verbün­deten und betonte die Notwendigkeit, vor allem die Gerechtigkeit der Sache Frankreichs zu ver­künden. Der Redner schloß mit der Forde­rung nach dem Zusammentritt eines Rates der Verbündeten zur Abfaffung einer gemeinsamen Erklärung.

Die Kammer nahm darauf, wie bereits ge­meldet. mit 377 gegen HS Stimmen zugunsten der Tagesordnung Angagneurs Stellung, die von der Negierung angenommen morden war, nnd in der es beißt: Die Kammer billigt die Erklärungen der Negierung und vertraut darauf, daß sie durch tatkräftige Fortsetzung des Krieges die vollständige Wiedergntmackung des Mißbrauchs der Gewalt, die Herstellung einer Herrschaft der Gerechtigkeit in den inter. nationalen Beziehungen und den Triumph der Demokratie weiter erstreben wird nnd gebt zur Tagesordnung über. Diese Tagesordnung wurde durch Handavfbeben angenommen uud daraus die Sitzung geschloffen.

Venn n§lg mW Gewalt.

Rotterdam. 12. Jan. kW. B i Der „Niernve Rottcrdamsche Courant" meldet: Piunkett bat in einer Ansprache in einer Versammlung von Sinnseinern in Dublin erklärt, daß Enaland Irland seiner Lebensmit-

WW>>WWM>WMMMW>MM>WMWlWW«MLSLMW>>>MW>>WWW>MW>>W

vom Wechsel der dramatischen Moden unberührt. Und die H-moll-Sinfonte kommt vielleicht gerade deshalb so oft an die Reihe, weil wir sie nur in zwei Sätzen kennen, die der Zufall nach vier­zig Jahren aus einem verstaubten Winkel hat bergen laffen. Ob sie wirklich unvollendet blieb, wissen wir picht, aber die beiden Sätze kaffen sich leichter einordnen als ein ganzes Werk, und so stellte daS Schicksal auch hier neben den wahr» scheinlichen Verlust einen Gewinn, denn den Freunden der absoluten Poesie kommt diese lyrische Gefühlsoffenbarung, dieser Triumph der einfachen Mittel, nie zu oft. Die Märsche für Orchester mit ihrem blinkenden Zauber und der Freude am Rhythmus gehören zum rassig, sten, das der */* Takt hervorgebracht bat und die Instrumentierung von Franz Liszt hat die Or­chesterfarben reizvoll gemischt.

Kapellmeister Mengelberg nnd da? Or. chester ließen es sich angelegen sein, keine der mitgebrachten Erwartungen zu enttäuschen, jeder Einzelne war mit dem Herzen bei der Sache und bestrebt, in dem Füllhorn der Melo­dik, das über öle Hörer ausgegossen war. seinem Beitrag die zarte Frische des Blütenduftes auch rein zu erhalten. Ein besonderes Wort der Bewunderung verdient der zweite Satz der Sin- fonie, der so weich und warm in der Stimmung, so fein durchgearbeltet in der reinen Klarheit feiner Linien, so dynamisch schmiegsam in jeder Schattierung herauskam. wie« eben au besonders glücklichen Tagen.

Frau Lula MySz-Gmeiner hatte bei der Auswahl ihrer Lieder Bedacht genommen, den immer wiederkehrenden Gesängen auS- zuweichen und aus der gewaltigen Zahl ihren Strauß nach eigenem Geschmack zu binden. Ihre, reifen Kunst liegen die innigen, zarten und hei­teren Schöpfungen am besten. „Der Sieg" und „Liebe schwärmt auf allen Wegen" wurden ideal schön gesungen, die Delphine, die Verklärung, der Schiffer und Mignons Gesang standen dem kaum nach. So wurde sie denn auch nicht ohne Zugabe entlasten. Das Ständchen, an dem wieder die Damen des Cäcilienvereins beteiligt waren, wurde auch diesmal wiederholt. Au»

tei zu berauben drohe, die daS Land für feine Bevölkerung notwendig brauche. Die Iren würden Mangel leiden müssen^ wenn sie diese Lebensmittel nickt im Lande behielten. Es sei deshalb Aufgabe der Iren, dafür zu sorgen, öaß die Sacken im Lande bleiben, wen« nötig, mit Gewalt.

Llemenceau wird umbilden.

* G e »f, 14. Ja«. Die dem Ministerium Elementes« angehörenden Radikalfozialisteu sind durch das Ergebnis der letzten Kammer» abstimmung in eine schwierige Lage geraten. D'e Umbildung des Ministeriums gilt als wahrscheinlich, doch erst nach , der neuen KammerauSsprache über die wach,

' fende Werbearbeit der Konservativen an nnd hinter der Front. Man rechnet mit der bevor­stehenden Verhaftung Caillanx.

Die kabelnde Presse.

Paris, 18. Jan. (W. ©.) In den Besprechungen der Aussprachen über die Anfragen und be­sonders der Siede Pichons zeigte ckich die f r a n- z ö f i s ch e Presse, wie es nach dem Verlaus der Kammersitzung nicht anders zu erwarten war, in zwei Lager ge» palten. Wäh- rend die reaktionären, zentral in ertön und die rechtsradikalen Blätter Pichon für feine Aus­führungen groben Be fall zollen und auf die Sozialisten schelten die tim anmaßten, eine laute Sprache im Namen deS Vaterlandes zu führen, ist die „Hum-nitb" enttäuscht darüber, daß Pichon immer noch d'e Diplomatie im Ge­heimen betreibe. Mau könne nach der Weite­rung Pichons. den diplomatischen Briefwechsel über bie neuen Gesamtnoten deS- Verbandes «bekannt zu geben, w rkiich nicht mene von einer Ein he ti ichkeit -er Ziele deS Verband s und von einer Einheitl'chke t der Ziele des Verbandes und von einer Uebereinstimmuug mit Wilsons Ideen sprechen.

Die „Lanterne" sagt: Als Clemenceau M nisterpräsibent wurde, verurteirre er uns zum Stege oder zum Tode. Pichon hat keine anderen Ziele und Gedanken alS Clemenceau. Gestern erkannte man. daß Pichvn nicht wie W"ckon denkt. Pichons Rede beunruhigt durch Zue fei und Pessim smus und er,na»geck des Hinweises aus die Frie­denstaube. Der „TempS" schreibt, wie vor einem Jahre, so seien auch heute Schmier g- feite«i zu überwinden, um die Forderungen uno Wünsche der Alliierten in eine gerne n- schaftliche Form zu bringen. Daß keine ernst­haften Schwierigste« zur gerne nschrftlichen Abfaffung der KriegSziele Frankreichs. Eng- kandS und der Vereinigten Staaten bestehen, erhellt auS den R'den Lloyd George?. W'lfons BalfourS und PichonS. Aber Frankre ch nrd England fe'en kn Jta'ien. Serbien. Rumänien und Belgien vertraglich gebunden. Alle diese Kräfte müßten, so wie sie grnpp erl seien einig bleiben. England und Frankreich leien nicht in der Lage, gewisse Allii'rte zur Belch^än*ung der Krieasz'ele oder zu einer anderen Fassung zu zwingen. ES liege bei diesen Alliierten selber, ihre Wünsche und Interessen nick den gemeinsamen Interessen der All irrten in Ein­klang zu bringen. Ein gemeinsames Pro­gramm müsse, wenn eine neue Fassung wirklich notwendig werde, vor allem kms Be'-trauen stärken und die Eneraien ve'-v'eksd'ck'gen.

DaS „Journal des Debüts" betont so lange von den Alliierten die Schmieria'ecken. dir einer geme'nlchacklich''n Ncuformnli rung der KriegSziele entgegenständen n'cht überwunden seiet,. fehle den Alliierten ei» weseut« licheS Element -um Siege.

Rückreise der polen.

Wie«. 18 . Jan. lW. B.i Die Mitglieder des polnischen Regentschaftsrates und Ministerpräsident v. Kucharzewski und die Begleitung sind heute nachmittag nach War- a'cha u abgereist.

Klavier begleitete Frau Fioreuce Baffer- manu sehr ichöm ick. M.

Nürnberger Tbeater. DaS Stadttheater brachte mit großem Erfolg Eurip des Tr-gödie „Medea" in der Ueberrragung von Wila- m o >v i tz - M o e l l e er d o r f. die damit zum erstenmal auf einer deutschen Bühne erschien. Gemessen an dem harmvn sihen SophockeS. der nach seinem Tode unter die Halogötter versetzt wurde, ist Euripides. der Sohn eines Kräme.s und einer Gi.müsefrau. ein Revolutionär nnd ?lltarsrürzer. Er gestaltet die Menschen, w e sie sind und verwendet die Götter höchstens zu szeni'chcn Effekten. Der Schauplatz feiner Tragödien ist das menschliche Herz und aus menschlichen Leiden'chaften geb'ert sich de Handlung. Unerhörtes Schauspiel für die Griechen des Pericleischen Zeitalters: die trotz'ge G.tter nicht fürchtende Kolcherin. die km gewaltigen Kampf urmenschl cher Gefühle, zwischen Mutterl ebe und geshänöetem Jch- ge ühl hin- und Hergetrieben, wider das eigene Blut wütet und triumphierend über die Leichen ihrer Kinder stolzen Nackens ins Elend schrei­tet. Doch nicht d'es ist es. was unser Herz so stark bewegt, daß wir von einem Erlebnis sprechen könnten. Erst dort ragt die Eurt- pideische Mcdea in das Erleben unserer Tage, wo sie sich über ihr e'genes Leid erhebt und daS gewaltige Klagelied anstimmt vom Leid der Mütter, der Gebärerinnen und. anklagend das tyrannische Geschlecht der Männer, die Hände zum götterloseu Himmel hebt. Wie Po^aunenschall dröhnt an unser Ostr Medeas Schrei, die lieber dreimal im Kampfgewühl stehen will, als einmal gebären. Und sprickt bann Jason a«S. öaß alles Nebel in der Welt vom Weibe herrühre so denken wir an Strind- berg. Feindschaft ist von Anfang an gesetzt zwischen Weib und Mann. So sind der Be­ziehungen manche -wischen Euripides und unserer Zeck. — Die Uebersetzung von Wila- mowitz-Moellendorff ist i« erster^ Linie wissen­schaftlich orientiert. Sie will mindestens so verständlich fein, wie de» Athenern da» Original

Zum Zahreskag der Schlachk bei Soissons.

(12. bis 14. Januar 1915.)

Das Jahr 1914 hatte uns durch unsere Siege in Belgien und Nordfrankreich zwar vieles ge­bracht. der Endzweck, die Franzosen entscheidend zu schlagen und damit zum raschen Frieden zu zwingen, war jedoch weaen der Ereignisse im Osten nicht erreicht worden. Immerhin war bas nördliche Frankreich bis zur Aisne in festem deutschen Besitz, ebenso fast ganz Belgien.

Das besetzte Gebiet, in der Hauptsache wert­volles Industrieland, war für den Feind ein besonders schmerzlicher Verlust, für uns batte es hohen wirtschaftlichen Wert.

Der größte Wert dieses Faustpfandes aber war und ist noch der. daß der jkrlegsschau^latz in Feindesland verlegt worden war, die un*

iissönv

p»> Pra:;:».Angriff «■» Oeufsch Gegenangriff

mittelbaren Schäden des Krieges hat nicht Deutschland, sondern haben seine Fttnde nu Westen zu tragen.

So konnte es unserer Heeresleitung gleich­gültig sein, wenn dort im Westen zunächst ke'ne weiteren Entscheidungen fielen, wir suchten und fanden unsere Entscheidungen im Osten, wo vir am <i. Dezember 1914 die große geplante ruff s he Offensive in der Schlacht bei Lodz zerschlugen.

Anders mutzten die Franzosen, mußte Jo ff re denken.

Für ihn kam es öaranf an. eine Entschei­dung zu erzwingen, uns aus Frankreich durch offensive Maßnahmen baldigst zn ver­treiben'. und gleichzeitig damit die Russen zu entlasten. Dies konnte er nur durch Abkö'u^.g des Stellungskrieges durch den V'wegnngslrlsg erreichen, und so ergab sich das Bild, daß wir im O st e n die Entscheidung durch den BewegungLi.'rieg suchten und fanden, die Fran­zosen in Gemeinschaft mit den Engländern die Entscheidung im Westen suchten und nicht faulen.

In der Kette der Joffreschen Durchbruchs« und Abknabberungsvermche des Jabres llckss bildet die Schlacht bei Soissons ein Glied. daS sich durch die Angriffe von Nerrve Cbave^'e. n der Champagne, im Priesterwald und bei ArraS und La Bossee zu einer in Blick aetancstck-l; Kette nutzloser französischer Anstrengungen ver­längert.

Schon seit Mitte Dezember 1914 betrieb der französische General Maunourn in dem Vrtt.len- kovf von Soissons au der Aisne die Vorberei­tungen zu einem arvtzzüqigen Durchstoß unserer Linie ans dem nördlichen Aisne-iifer zwischen Bregny nnd Cnsfies. Zwischen beiden genann­ten Orten mündet das Joffenne-Bachtal in die ?kisne. Wurde dieses nach Neberrennung der deutschen Gräben, die das Tai sperrten, genom­men. so war der Durchbruch in Richtung auf den -ltllettegrund. auf Laon, in areiibare Nähe gerückt und konnte die ganze deuZcke Westfront mm Wanken bringen: denn eine Tiefe der Berteidiauno. wie sie jetzt unsere West­front aufweist. kannte man damals noch nicht.

So ballte die französilche Führung in dem nach Norden bei Soissons breit auslaöendsu Aisne-Becken ihre besten'Angriffstruppen zu­war und will denen dienen, die ungebildet nach dem Lebenswasser einer großen reinen Kunst dürsten. Wir geben gern zu. daß sie das tut. Damit, ist ihr Verdienst gekennzeichnet. Des Dichters Aufgabe wico es sein, darüber hinauszuschafsen und dem großen griechische» Dichter eine Auferstehung iu unserem Ge ste zu bereiten. k.

Wiener Theater. Starke Zumutungen wurden ln den letzten Tagen an die Kritik gestellt. Zwei Stücke jenseits aller Literatur, das eine von einer bedenklich rohen Mache, das andere von firupsüßer, l manadematter Geschmacklosig­keit, sind das «ine im Sta^ttheater, das andere im Deutschen Lolkstheater dem lieben Publi­kum aufgetischt worden. Dem „lieben Publi­kum!" Es besteht heute leider in se ner Mehr­heit aus während des Krieges Emporgekom­menen, denen das richtige Urteil fehlt und für die das Albernste gerade klug genug ist. Mar» kann angesichts des äußeren Erfo ges de» beide« Stücke sagen, daß beidemal das Publi­kum durchgefallen ist. Den in Budrpest mit beispielloser Schamlosigkeit kultivierten Mäd­chenhandel führt das. Schauspiel .Mengerka" von Alexander Goth und Pastor vor Augen, DaS arme, hochanständ ge Mädel aus dü f- tigem Kleinbürgerhaus wird unter den üb­lichen Versprechungen als Tanz'ängerin für ein Bariets in Moskau gewonnen, wehrt sich erst gegen die an sie herantretenden Verlock­ungen um dann die Geliebte e nes id'ocks en, faunartigen russischen Fürsten zu werden, der sie heiraten will. Sie kehrt zuvor nach Hause zurück, um ihre Mutter an ihrem Glück teil­haftig werden zu lassen, vergiftet sich jedoch, da sie erfährt, daß d e arme Frau die Schande ihrer Tochter nicht überleben konnte. . . Die Verfasser der roh.sten Kinoüramen könnte» sich ein Beispiel an der vor keinem M'ttel zurückschenenden Dramatik dieses „Schau- sp'eles" nehmen. Das gefürstete Mädch » spielt ein Berliner Gast. Fräulein Johanna Arnstadt, mit verführerischem Reiz und einer wohltuend berührenden Jntterl'chkc t: f erlich ist' die Lünüieriu »eür UU das Lack tex