130
Hampelmann.
Der Metz-Held Bazaine is verschwunne! - Die Nemesis verschont doch kään!
Er hat zuletzt sein Strick gefunne,
Den er verdient! — Un was for ään!
Er hung an Strick sich selwer ehrlich Un ääch noch iw'ren Abgrund keck, -- Doch lang gezawwelt hat er schwerlich, —
Bewahre! — Er war gleich eweck!
So schleunige Verlääf, — mitunner Kimmt so was for bei Alt und Jung.
Korzum, er war eweck, — e Wunner!
Un hat erausgestreckt die Zung.
Sei letzte Wort' am Fenstertrittche,
Als er sein Fuß dadruff gesetzt.
Die warn gewiß: Leb wohl, Margrittchc Ich muß zur — Madamm Bazaine jetzt.
Ich kann net ewig bei dir hocke,
Wie annere gewisse Herr'n,
Die in der eisern Mask gestocke, —
Ich Hab doch nor e eisern — Stern!
Ich Hab e Frää, — was will ich mache?
E lebhaft Mexikanerin, —
Da drunne waart se schon im Rache,
Ihr Vetter Roul sitzt bei er drin.
Sie is sor mich in's Wasser gange Mit aller Vetter Inbegriff, —
Was is da besser aazufange?
Ich setz mich ääch zu ihr in's Schiff!
Leb wohl, Margritt! Hier an des Eise Häng ich den Strick, — mich ewefalls.
Fort is err! — Was segt derrzu e Gewisser? Mac-Mahon, hat ihn schon? nää er hat en net! — Un wozu der Lärme? Wann die Biene schwärme um den junge Bonnepaart, — kimmt er Widder! — Abgewaart't!
Fort is err! — Des falsche Element, Doch hält' sich e brav un ehrlich Haut
Wie merr des Meer gewehnlich nennt, Bei so em e Storm dem Meer vertraut,
Hat's treulich gemeent un offe, — Dann war die ganz sicher — versöffe.
Bazaine soll bereits glicklich in Briffel aakomme sei. Was er da treibt, um sich Widder en gute Name zu mache, ob er unner die belgische Ultramontane geht odder unner die Grinder, odder ob er nach Deutschland kimmt um die Böttcherei zu lerne un des Handwerk Widder zu Ehrn zu brenge, is noch unbestimmt. For den letztere Fall wär's dem „evangelische Küfer" Philipp Rau in Leutkirch sehr aazurathe, sich bei Zeit dem Bazaine sei Photographie zu verschaffe, damit sem net geht wie mit dem Kullmann. Am End mißt er da Widder öffentlich erklärn: Der bei mir in Arbeit gestandene Küfergesell war zwar katholischer Religion, hieß awer nicht Achille Bazaine, sondern Hans Spundloch, war nicht aus Paris, sondern aus Bandmefferitz, Ober-Amt Daubenholzhausen gebürtig, befaßte sich weder mit Kriegskünsten noch mit Philosophie, Astronomie und sonstigen verwandten Wissenschaften, stand auch in keinem Verkehr und Briefwechsel mit der Kaiserin Eu-Genie oder sonst einer Frau Ratazzi, war überhaupt harmloser Natur und sah ich außer einem Küferhammer, (die Schuitzer führe ich allein) nie einen Marschallsstab in seinen Händen. Die ausgestreuten Gerüchte entbehren auch diesmal wieder jeder thalsächlichen Grundlage und können blos die Erfindung teuflisch-böser Menschen und mit der Absicht verbreitet worden sein, meine Anhänglichkeit an Kaiser und Reich in der „Latern" in ein schiefes Licht zu setzen und mir Hampelmann auf den Hals zu hetzen. Indem ich dieses erkläre, füge ich die Warnung bei, daß ich jeden, der jetzt noch den Hans Spundloch für den Achille Bazaine hält, gerichtlich belangen werde. Philipp Rau,
»evangelisch-confussioneller Küfer.
Des wär was for unfern Neue zoologische Gaarte, so e evangelischer Kiefer! der könnt beim heutige Jahresfest uff em leere Bierfaß des große Schlachtetrommelconzert mitmache, odder sonst zur Vermehrung des Thierparks beitrage. — Punkt Zehe krieht bei bengalischer Beleuchtung der Leopard vom Verwaltungsrath e Dankaddress iwerräächt, daß er von selbst Widder in sein Käwig gange is. — Kinftige Donnerschdag großer Palmegaarte-Awend zum Benefiz for uusern Käpellmääster Stasny, un zwar ohne Rege, dann des große Regefaß, wollt ich sage: der Schweizersee hat noch kään feste Boddem. Des verehrte Bubblikum wird sich zahlreich eifinne, mn so mehr, das des viele da capo Spiele des ganze Jahr dorch net in dem Herr Stasny seiner Jahrbestallung mitinbegriffe is. — So e Sommernacht im Palmegaarte! die Musik in Blumme gesetzt un die Blumme in Musik gesetzt, f
Owe Stern un unne Blumme Un de Grade un de Krumme
Un der Stasny newe draa Fängt des Herz zu danze aa.
Korrespondenz unsrer Special-Somnambule,
bei Gelegenheit von Bazaine's Flucht.
Das französische Gouvernement gibt augenblicklich Befehle die in Arbeit befindliche Corvetten „la justice aveugle“ und „le Chevalier rose“ schnellmöglichst ihrer Vollendung entgegen zu führen, um vor Beginn der Herbststürme der Rettungsbarke nachsetzen zu können.
* *
*
Die unwachsame Garnison in St. Marguerite wird von Truppentheilen des Observationscorps an den Pyrenäen abgelöst und der Festungskommandant durch den Präfecten Nadaillac ersetzt.
* * *
Sämmtliche geistliche Orden sowie der Jardin Mabille werden bei Schädigung ihrer Reputation gewarnt, dem Flüchtlinge ihre Pforten zu öffnen.
* *
*
Der Kriegsminister Cissey erläßt einen Corpsbefehl Bazaine, sobald er in Uniform erscheint nicht zu salutiren.
* *
*
Marschall Mac-Mahon läßt seinem wiedergefundenen Collegen privatim ersuchen nicht gegen das Septenat zu conspiriren und verspricht ihm dagegen seine Mithülfe zur Erlangung der nächsten 7 Jahre für ihn.
* *
*
Rouher nebst Plon-Plon gedenken mit der übrigen Elite des kaiserlichen Adels die Zuchthäuser in einem unbewachten Augenblicke zu forciren und dem Entronnenen mit fliegenden Fahnen entgegen zu eilen.
Eugenie steckt die seit dem Todestage ihres Gemahls verborgene Tugendrose in ihre ungebleichten Flechten und ist Tag und Nachts mit Anordnungen zum Empfange und mit Bettaufschlagen beschäftigt.
-i- *
*
Die schöne junge Ex-Marschallin sucht ihre Unterstützung bei der vollführten Flucht damit zu entschuldigen, daß sie ohne männlichen Schutz, zu schwach sei, den vielen Anfechtungen länger Stand zu halten; auch meint sie, die nächste Winter-Saison, ohne sich zu comprimittiren, nicht wieder gut mit der Jeunesse doree verleben zu können.
* *
Bazaine soll zum Gegensatz seines vorher durchgekniffenen Rochefort seine wiedererlangte Freiheit nicht als kawphletaire zu vergeuden beabsichtigen, sondern gesonnen sein, seinem abgemagerten Ehrgeiz und Körper als Conspirateur und Mangeur zu huldigen.
* * *
Die während der Gefangenschaft verfaßten Memoiren des Ex-Marschalls werden zur Veröffentlichung nur der Norddeutschen Allgemeinen und Spener'schen anvertraut; auch sind dieselben ermächtigt, die Nachricht auf das Bestimmteste zu dementiren, daß der Capitulant vom Prinzen Carl ein Glückwunsch-Telegramm erhalten noch von demselben eine Residenz angeboten bekommen habe.
* «■
Kullmann wünscht seine voraussichtliche Haft auf der Insel St. Marguerite absitzen zu dürfen.
* *
Das Comite für die Sedansfeier fordert zu allgemeiner Theilnahme auf, da die Freude nunmehr nicht durch das Blut und die Freiheitsentziehung Unschuldiger getrübt würde.
England befürwortet und begründet in einer Circularnote seine Gewohnheiten des sofortigen Hängens.
* * *
Die Dortmunder senden als Zeichen ihrer Verachtung dem Durchbrenner sons bände ihre beste Hymne.
-i- -t-
*
Man warnt den biederen Ex-Marschall auf anonymem Wege seine Briefe nicht durch Baiern gehen zu lassen, sondern die Route Svener—Braun zu wählen.
J. M.
Leiden und Ireuden der Uri-ohü-Lhre!
Meit Darwin'S Lehre unserer Abstammung, kann es keinem „Gebildeten" mehr einfallen, etwas Anstößiges daran zu finden, sich oder seine Eigenschaften mit Thieren verglichen zu sehen, daher wir uns — zur besseren Veranschaulichung eines Lebensbildes — einer ähnlichen Allegorie bedienen. —
Man kann füglich die Axi-ohn'-Ehre in 3 Klassen eintheilen und zwar:
1) in Solche, welche sich Actien als Futter hinlegen, um deren Dividende zu verzehren. —
Das sind „die Schafe", weil an ihnen alljährlich die regelmäßige Schur vorgenommen wird. —
Der öffentliche Markt, wo dies geschieht, heißt ironisch die Börse. —
2) diejenige Categorien, welche von diesem Futter ganze Vorräthe auf längere Zeit zu sich nehmen, und sie hernach auf Banken aufspeichern, heißen: „Kameele", obgleich sie zumeist nicht dieselbe Verdauungskraft besitzen, wie das Kameel in der Wüste, und gemeiniglich wieder Vieles auf den Markt ausspeien, oder „exekutiren".
Aus dieser Ueberladuug des Magens entstehen ihnen die vielen Uebelkeiten, als da sind: Bauchzwiüen, Brechreitz, Metallabfluß, Exekution in allen „Differenz"-Kanälen und Gedärmen, und schließlich Congestionen nach dem leeren Geldbeutel. —
Die dritte Sorte, sind die „Esel" (asinus Ordinarius) oder Lastträger, (auch Jobber genannt) weil diesen die Aufgabe zufällt, immer neue Lasten Geldes herbeizuschleppeu. —
Wenn dieses Haupt-Contingent aller Börsen versammelt ist, so beginnt mit feierlichem Einläuteu das Spiel. —
Oben, am Parqnet-Tisch sitzt als Präses der Fuchs, und läßt sich von gefräßigen Hyänen (in der Sportsprache: Verwaltungsräthe genannt) sekundiren. — Letztere mischen
, HE
Merr kann, wann alle Strick verreiße, Mehr breche net als wie den Hals.
Hoch geht die See, die Stormwind schnaufe, Un hält der Strick, — was weiter noch? Merr kann net mehr als wie ersaufe, Lewendig-dodt bin ich ja doch!
Leb wohl, Margritt! ich muß verdufte! — Un grüß' mit Collegjalideet Im scheene Frankreich all die Schufte, For die noch is kää Strick gedreht!

