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jetzt „unter dem Tisch" die Karten, und die Schafe, die Kameele und die Esel strömen jetzt herbei, ihre Habe zu setzen. —

In der Regel theilen sich die lustigen Hyänen nach Anleitung des Fuchses (welcher hiefür Statuten verfaßt hat) die Beute, was dann durch den Schriftführer des Fuchsen in den Fachjournalen ziffermäßig der Welt verkündigt wird; — man heißt dies „officielle Berichte". —

Das wiederholt sich ähnlich alle Tage, ausgenommen am Sonntag, dem Tage des Herrn, wo die Großen Thiere ausruhen und Sekt trinken. —

Am Ende des Jahres erscheinen die Schafe, die Kameele und die Esel in Fräcken und langgespitzten Ohren, um den sorgfältig redigirten Bericht des Fuchses zu vernehmen.

Derselbe setzt sich bedächtig eine grüne Brille auf und constatirt der ehrenwerthen

Versammlung, daß Heuer wiederum ein Mißjahr war, wo man sich mit weniger be­gnügen müsse, (wobei er die Hyänen verständnißvoll anblickt) und dabei eine glänzende Perspektive auS seinen grünen Gläsern eröffnet, wobei er die Verdienste hervorhebt, die er sich dennoch erworben rc. rc.

Die Schafe, Kameele und Esel blöcken nnd wiehern zum Zeichen, daß sie vom „Sinai kein Maaß" verstanden; — und der Fuchs constatirt hieraus nach 8 2 die Er- theilung ihrer Dechargen. —

Die Hyänen nnd der Fuchs verfügen sich nun zu einem solennen Diner, wo sie die Häute der Axi-ohn'-Ehre vollends als Ragout verspeisen und der Vorsehung ein Hoch ausbringen, daß sie so Viele mit Blindheit geschlagen.

Hierauf vermacht der Fuchs einen Dukaten für eine wohlthätige Anstalt, und wird hiefür dekorirt. Sapienta. sat!

Woch ein Attentäter.

^eht den Himmel wie heiler!

Mit einem Dolch ein Schneider Lechzt auch nach Bismarck's Blut! Vergiftet ist die Spitze,

Schon bei dem kleinsten Ritze Erfolgt sogleich der Tud.

Seht den Himmel wie heiter,

Ein Schneider, Gott sei bei derr,

Er lechzt nach Bismarcks Blut.

Ihn schlugen die Häscher in Bande, — Was trug er in seinem Gewände?

Es war ein — Fingerhut.

Ha! Waffen führst du solche, Gefährlicher noch als Dolche,

Zu einem Attentat.

Legt ihn in Band und Fessel!

Es ist ein Bombenkessel In Westentaschenformat!

Seht den Himmel wie heiter!

Ach, greinte der arme Schneider,

's ist nur ein Fingerhut!

Und gegen Mörder und Schelme,

Gleich einem eisernen Helme Beschützt er die Finger gut.

Ich wollt' ihn dem Fürsten geben, Zum Schutze für Finger und Leben, Wer lang ihn trägt wird alt.

Ach, hat Er damals im Wagen So Fingerhüte getragen,

Der Pfropf wär abgeprallt!

O welche Lust Demokrat zu sein.

J)a habt Jhr's was es heut bringt ein In Frankfurt Democrat zu sein:

Man sieht sie in Palästen thronen Und wühlen in den Millionen;

Sie reiten aus, sie fahren aus Und eine Equipage hält Vor jedem Democratenhaus;

Der Staat die „Villa Klapperfeld" Zur Verfügung Einem hat gestellt,

Davor 'ne Wache mit Gewehr Geht hin und her zu seiner Ehr'.

Man ließ, um ihre Lust zu mehren,

Bei Niederrad den Wald abscheeren,

Sie lassen dort die Rosse laufen Jndeß sie selbst Champagner saufen Und seh'y von der Tribüne Spitzen Die Renner und die Jockey's schwitzen. Die neue Brück', die Ihr seht ragen,

Für sie allein ward aufgeschlagen,

Daß sie auf ungestümen Rossen,

In goldbeschlagenen Carossen Des Waldes Kühle flugs erreichen,

Jndeß wir noch im Staube keuchen.

In Frankfurt jeder Democrat Im Knopfloch ein paar Orden hat Den Titel Rath, Geheimerath Verleiht an sie allein der Staat.

Für ihre Schiff' zu Berg und Thal,

Für sie baut er den Maincanal,

Denn jeder Democrat hier ist Ein Crösus und zugleich Großist.

w e i G d e n.

An Bismarck.

Verflucht das Blei, das finst'rer Gedanken voll Im Schooß der Nacht blutdürstige Tücke goß Und drachenmilchgenährter Wahnsinn Wider das tapferste Herz geschleudert!

Schaut her, ihr Eiferer, die, Boten nicht Der Gnade mehr, unheiligen Groll gesät,

Schaut her, nun schießt er auf ihn furchtbar Blutigem Frevel, euch selbst zum Schrecken^

So warf am Brunnen, wo der Entgürtete Sich Labung schlürfte, sorgen- und waffenlos, Verruchter Haß einst, feig von hinten

Zielend, den tödlichen Speer nach Siegfried.

Doch besser traf den Helden im Odenwald Der Stahl; die felsher sprudelnde Welle trank Sein strömend Blut und nicht erweckt' ihn Fürchterlich schreitend die späte Rache.

Rein blieb von solchem Greuel der Saale Fluth,

Die freudig aufgohr, als die Verrätherfaust Versagt', und dankbar jubelt Deutschland,

Daß ihm das theuerste Haupt gerettet,

Das Haupt, das schlaflos sinuend den Riesenbau Entwarf des glorreich einigen Vaterlands Und unter'm Zelt des Kaiserpnrpurs Große Gedanken zu denken wagte,

Der Eisenarm, der Pöbel- und Pfaffenwuth Zu zügeln Kraft fand und die gewaltige Dem Atlas ähnlich mit des Reiches Eherner Wölbung belad'ne Schulter.

Verkünden hört' ich, daß der gewappnette Erzengel, der das Banner der Kaiser einst Umrauschte, mit dem Demantschilde,

Michael selber, den Liebling schützte.

O rühre jetzt sein schimmernder Fittich auch Die Fluth des Heilborns, daß sie gesegnet sei Dem Wasser gleich, das zu Bethesda Von der Berührung des Cherubs brauste!

Doch Er, dem Deutschlands Liebe der Wunde Schmerz Wie Balsam kühle, trinke Genesung dort Wo über längst entsühnten Gräbern Heute die Rosen des Friedens duften.

Der Hauch des Lebens, welchen die salzige Wie Rebenschaum aufperlende Wogen sprüht, Durchström' ihn ganz und wie ein Adler Kehr' er verjüngt in den Kampf zurück uns,

Den deutsche Freiheit wider das Römerthum Standhaft, wie einst im Walde der Teutoburg,

Nicht lim den Glauben, wie sie lügen,

Nein, um die Krone der Herrschaft aussicht;

Und hoch wie Hermann wieder, der Bändiger Der riesigen Wölfin, rag' er ob allem Volk,

Europas Friedenshort und Deutschlands Mächtiger Pfeiler, der Mann der Männer.

Schwartau, im Juli 1874.

j An Emanuel Geibel.

! Verfluchter Kerl, der, tückischer Freude voll ! In Dortmunds Mauern jenen Gedanken schuf,

! Zu setzen tausend blanke Thaler,

\ Auf die gelungenste Bismarck-Hymne!

Schaut her, ihr Leute, wer in Verliebtheit je Mit Herz auf Schmerz ein Verschen gereimt, schaut her, Der schießt jetzt eine Ode los und Fürchterlich schießt er, der Welt zum Schrecken!

Unzählig ist die Schaar, die entgürtet jetzt Zum Wettkampf eilt; ein Jeder die Feder spitzt Und wirft von vorn, nicht feig von hinten Zielend, den Speer nach dem fetten Preise.

Am besten aber, mitten in's Centrum traf : Der Held von Schwartau, — zuckende Blitze sind

Dagegen nichts, und alle Neider ; Fürchterlich schreien sie auf um Rache.

Er kam zum Wettkampf! Nennt mir die Wasserfluth,

Die froh nicht aufgohr, als sie das Botschaftswort ! Vernahm, und dankbar jubelt Deutschland Daß ihm das theuerste Haupt nicht fehlte,

Das Haupt, das sinnlos schlafend so manchen Bau Entwarf von Versen, zierlich und mädchenhaft,

? Und unterm Zelt, das ihm der Kaiser

Schenkte, Gedanken vergaß zu denken,

( Der Arm, der über Pöbel- und Pfaffenwuth Scheltworte zu verzeichnen gewaltig ist,

( Doch wenn's der Freiheit gilt des Reiches,

Schlenkert er lahm von gewölbter Schulter!

Verkünden hört' ich, daß wie den Kanzler jetzt i So einst den Wittelsbacher der Schwartan-Held i Umrauschte, und nach dem demantnen

t: Michael selber, dem Orden, schielte.

Doch rührte sich der schimmernde Fittich nicht Des Engels und der goldene Heilborn schwand; i Dem Wasser gleich, das abwärts rieselt,

Rutschte der Geibler vom Fels zur Düne.

, Nun treibt er, statt wie ehmals der Liebe Schmerz Wie Balsam kühlend, feile Abgötterei Und schreibt mit byzantin'schem Griffel Hymnen im Wettstreit um tausend Thaler.

Er hat sie brav verdient! So gesalzen war ; Mit Schmeicheleien nimmer ein deutscher Sang, —

5 Gebt ihm sein Geld und rasch nach Schwartau ] Kehr' er zurück, um den Mund zu halten

I Von deutscher Freiheit wider das Römerthum,

Vom Kampf, wie einst im Walde der Teutoburg; — Nein, nicht der Freiheit, wie sie lügen, ^

Nein, nur der Krone der Herrschaft gilt er.

Und dort in Schwartau wieder, den großen Preis j Von tausend Thaler getg T er dem ganzen Volk,

Und eff und trinke satt sich, Deutschlands < Mächtigster Geibler, der Mann der Weiber.

-ö-

Emanuel Geibel.