Jllustrirtes-satyristhes, humoristisch-lyrisches, kritisch-raisomireudes, ästhetisch-annoncirendes
Wochenblatt, wo die Woch' zehn Tage hat.
Jt°. j 6. IranKfurt a. M., 29. April 1861. Zweiter Jahrgang.
Diese Laterne wird im 2. Quartal 1861 an folgenden Abenden augesteckt werden: am 9.» 18., 29. April, 8., 18., 28. Mai, 5., 14., 22., und 30. Juni, wovon die am 18. Mai und SO. Juni erscheinenden Nummern Doppelnummern werden. — Das Laternengeld beträgt per Quartal, i-esp. 12 —13 Nummern, sowohl hier als durch die Post bezogen, nur 1 fl. 12 kr. — Man abonnirt bei allen Postämtern und Buchhandlungen. — Sine einzelne Laterne kostet 9 kr. — Beiträge, sowohl literarische als artistisch«. werden angenommen und anständig honorirt.
An das Iranlifurter Journal.
(Siehe den Artikel: „□ Hanau, 17. April" in der 1. Beilage zu Nr. 109 des Frankfurter Journals.)
es vagen Daseins und der Batzen froh, Die Euch noch Nachsicht und Gewohnheit spenden. Seid ihr bestimmt, als uferloses Stroh Im Zeitenmeer zu faulen und zu enden.
Ja, Euer Losungswort ist: „uferlos";
Nie seht Ihr eines Zieles Hafen winken;
Dafür entgeht Ihr auch dem Wellenstoß,
Durch welchen Schiffe siegen oder sinken.
Nie trifft das Stroh und Euch der tiefe Fall, Den durch den Schiffbruch leiden Gold und Eisen; Dafür wird Euch auch nicht wie das Metall Die treue Taucherhand zum Lichte reißen. Zufällig Futter manchem kleinen Fisch,
Woran die nichtgezähnten saugend zehren.
Bleibt Ihr den größern immer nur ein Wisch, An dem die junge Brut sie spielen lehren.
Ihr fühlt das selbst. Indem Ihr einen Streich Gedachtet gegen unser Blatt zu führen,
Rieth diesem selt'nen Muth die Feigheit gleich, Die blankgezog'ne Waffe zu maskiren.
! Ihr heuchelt Tadel, daß Eorrespondent Das arme Kindlein mit dem Bad verschütte:
! Ei, wer erschloß ihm Euer Losament?
Wer ließ den Wolf denn in des Esels Hütte?
Nur Ihr als Eigenthümer! Und weßhalb? Laßt uns einmal. von Euch das Beste denken, Daß nämlich nicht wie sonst das gold'ne Kalb Und Neid und Eifersucht die Feder lenken. Was ficht Euch an? Daß wir mit fester Hand Die Thorheit und die Halbheit Niederschlagen Und für ein freies deutsches Vaterland Nicht hohle Worte, sondern Thaten wagen?
Daß wir von Freiheit und von Republik [ Nur mit dem letzten Odemzuge lassen.
Jedoch in diesem schweren Augenblick Nur Eins, das nächste Ziel, ins Auge fassen; Daß wir bei diesem großen Menschheitskampf Mit einem sitt- und bodenlosen Schurken Nicht kindisch streiten, wo schon Pulverdampf, Ob man zum Beefsteak Senf nehm' oder Gurken?
Deßhalb seid Ihr uns gram? Doch weil verbannt Aus Euerm Brauch die männlich off'nen Hiebe, So wandelt sich in der Gemüsfrau Hand Der Donnerkeil zu ■ einer gelben Rübe.
Und tapfre Groschenhelden, die Ihr seid, Wähnt Ihr, an unfern Kreuzern uns zu strafen, Kraft pseudonationaler Herrlichkeit Bei ein'gen unzurechnungsfäh'gen Schafen.
Wem in der Schöpfung endenlosem Ring So ein beschränkter Raum ward zugemesfen, Ein solch verkrüppelt Wesen oder Ding Sollt', wenn es klug ist, nimmermehr vergessen. Daß jeder Kampf mit irgend einer Kraft Nur kann mit seinem Schimpf und Schaden enden, Und daß, wenn's Andern die Maronen rafft, Es sich verbrennt an Füßen und an Händen.
Daß wir „Monarchisch-Coustitutionell"
In einem weißundschwarzen Kaisermantel Erachten mit dem grüngemalten Fell Für einen und denselben schlimmen Handel, Weil, wie von jenem graugebor'nen Thier Ein Regen wusch die leichte Farbenhülle,
Grad' so papierner Charten lockre Zier Vom Einheitsstaate streift des Herrschers Wille?
Genug! Wozu erheben wir den Schild,
Und lüften das Panier in Bierhaus-Schwüle? Was wir begehrten ist bereits erfüllt, ^ Der Esel heimgetrieben in die Mühle.
Nun, nichts für ungut, hochgelahrte Herr^! Glück und Verstand sind zwei verschied'ne Sachen, Eins hat's Journal und's Andre die Latern, Und beide Theile haben Grund zu — lachen.

