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Sitzung ärs nNurnlosen chuslremns.

Bericht unseres Special-Nationalliberalen.

Der Vorsitzende, Herr vr. Lucius, stürzt sich nach Eröffnung der Sitzung sofort in den Vorstandsbe­richt, aus dem er kaum herauskommt, und verliest unter allgemeiner Rührung die mit der Fortschrittspartei ge­tauschten Liebesbriefe. Der Vorstand überlaffe es der Ver­sammlung sich hierüber zu ärgern, und proponirt die Wiederwahl des Abg. Lasker, sowie Ausschreibung einer Belohnung für den redlichen Finder eines zweiten Can- didaten. Mit den Ausführungen des Vorsitzenden stimmt nicht blos Herr Hob recht, sondern auch Herr vr. Gustav Geh überein. Letzterer definirt das Leiden der Fortschritts­partei als eine, durch persönliche Rücksichten veranlaßte Unklarheit der Auffaffungs-Organe (Beifall), die Fortschritts­partei habe nicht allein Freude am Reich, die habe der Wahlverein auch, nur habe das Reich keine Freude au der Fortschrittspartei. In dem breiten Graben, der die Fort­schrittspartei von den Demokraten trenne, sei kein Waffer, der Wahlverein aber sei sehr wäfferig, obgleich der Wafser- träger sich zurückgezogen habe, der zweite Kandidat müffe ein Kaufmann sein, damit er in Berlin h and eln könne. Wenn aber bei den schlechten Zeiten keiner zu finden sein sollte, so genüge auch ein Stadtverordneter.

Herr vr. Lucius hält es als Präsident für seine Pflicht zu constatiren, daß er sowohl Kaufmann, als Stadt­verordneter sei (allgemeines Erstaunen) Herr vr. Jucho stzrigt auf den Tisch um eine große Rede zu halten, und überragt Herrn Hobrecht um Kopfeslänge. Wir haben dem Fortschritt Arnr und Geleit: angeboten. Er hat aber geantwortet: „Bin weder Jucho, weder schön, kaün ohne Geleite nach Hause geh'n". Nun gut, gehen wir auch ohne Geleite und laffen wir uns auf den Stuhl nieder, den man unS vor die Thüre gesetzt hat! Herr vr. Schräder hat von einer Gefahr gesprochen, die der Selbstständigkeit

Frankfurts drohe. Ich sehe weder eine Gefahr, noch die Selbstständigkeit Frankfurts. Ich bin doch sonst nicht so dumm (Sensation) aber das verstehe ich nicht. Ist einer von den Herren klug genug um zu wiffen, was Herr vr. Schräder gemeint hat??

10 Minuten Todtenstille.

vr. Jucho. Keiner? ?

Ein Geist erscheint, was allgemeines Erstaunen hervorruft, da es im Wahlverein noch nicht vorgekommen ist, und spricht mit hohler Stimme: „Den Anschluß an den Nassauischen Communalverband".

Herr Hobrecht. Entweder irrt sich Herr vr. Jucho oder der Geist. Dieser Anschluß ist keine Gefahr (der Geist: Gott bewahre!) sondern ein Segen. Er wird die Armuth beseitigen, also die sociale Frage lösen. Die Regierung und unsere neuen Freunde, die Herren Frohme und Hasselmann, theilen diese Ansicht. (Lebhafter Beifall.)

Herr Oberst a. D. Schalk. Meine Herren! Da von Geist die Rede ist, die Demokratie s. v., mit Re- spect zu melden, existirt nicht mehr, wie sie selbst zugibt. Ich spreche von den Demokraten der Straße, ich würde sagen: Gasse, aber ich bin ein gebildeter Mann. Ich habe zwar seinerzeit in der Laskerversammlung „hinaus" ge- schrien, als ein Gegner sprechen wollte, aber das war in einem Saal, nicht auf der Straße. Die Demokraten* herrschen nicht mehr auf der Straße, wir müffen ihre Erb­schaft antreten. (Stürmischer Beifall). Unser zweiter Can­didat muß gute Zeugnisse aufweifen können, man müffe ihn vor der garzen Wählerschaft auf einen Stuhl setzen köunen, ohne daß er umfällt, er muß ein schöner Mann und anständig angezogen sein, damit man ihn presentiren kann. Auch einige Kenntnisse der Orthographie wäre er­wünscht. Nun komme ich auch zum letzten Theil meiner Rede, den die „N. Franks. Presse" auslassen wird, nämlich zur breiten Grundlage. Wir müssen die „Notabele" zusammenberufen. (Sturm der Entrüstung, Rufe: Der- rath).

Herr vr. Spieß. Mit der Notablenversammlung hat die französische Revolution angefangen. Herr Oberst

Schalk ist ein Republikaner. Er will die Quillotine, (Sturm. Der Präsident klingelt sich heiser. 61 rechte und 61 linke Fäuste erheben sich gegen den Herrn Oberst. Er verläßt den Saal. Herr vr. Spieß fährt fort: Zur Can- didatenfrage meine ich, wenn wir das Ideal des Vorredner? nicht finden, so müffen wir mit Geringerem vorlieb nehmen (Uebereinstimmung). Ich will keinen Namen nennen, aber die Herren vr. Lucius und vr. Getz werden mich verstehen.

Auf die Anfrage eines Mitglieds, ob Herr vr. LaS- ker annehme,erklärte Herr vr. Getz es sei unvernünftig, von Lasker zu verlangen, daß er wisse, was er wolle.

Die Anträge des Vorstands werden hierauf begei­stert acceptirt und der Gegenstand verlassen. Nunmehr be­ginnt Herr vr. Moldenhauer einen Jahrgang der „N. Franks. Presse" zu verlesen. Sein Vortrag setzt die ganze Versammlung in Bewegung; der Saal leert sich rasch. L. I.

Von äen Antipoden.

In Australien gibt es einen Bismark, der eine Goldgrube ist. Glückliches Land! —

In Gympie, Queensland, hat ein Arbeiter mit einer Goldbarre, die sein war, einen Advokaten zu Boden geschlagen.

Eine solche Verschwendung wird die Socialisten auf unserer Erdhälfte in gerechtes Erstaunen versetzen. Die „Australische Zeitung" bemerkt deshalb auch spar­samer Weise: „Ein rechtschaffener Knüppel hätte wohl die­selben Dienste geleistet." —

Die Eingeborenen von Natewa Bay, die zum Christenthum bekehrt waren, haben dasselbe wieder aufge­geben. Der Missionär hatte sie versichert, die Macht des christlichen Gebetes sei so stark, daß ihm keine elementare Gewalt wiederstehen könne, selbst Feuer nicht. Zur Probe steckte er ein Haus an und überredete hundert Natewa Bayern hineinzugehen. Er selber aber ging nicht mi

Feuilleton.

Iolen und Studenten.

Sine Erzählung ans der Pemagagenjeit von

Friedrich Stsltze.

(Fortsetzung.)

„Mein Herr", sprach derDoctor im reinste Hochdeitsch un vertrat dem Rothbart un seiner Tänzerin, die grad an em vorbeidanze wollte, den Weg, „mein Herr, Sie find ein Unverschämter! Augenblicklich entfernen Sie sich aus dem Saal oder ich werfe Sie zum Fenster hinaus, daß Sie den Hals in der Luft brechen.

Daderrdorch awer daß der Docter den. Rothbart un sei Dänzerin im Weiter- danze uffhielt, wurde ääch die annern Danzpaar, die sich hinner dem Rothbart un der Jule befände, uffgehalte Ää Paar is wider des annere gedanzt un gerennt, so daß sich zuletzt e langer dichter Klumpe gebildt hat. Niemand awer wußt die Veraalassung von dere allgemääne Unnerbrechung, denn die Musik hat immer weiter lustig druff los ge- pielt. — „Platz da vorne! Was gibts? — riefe die hinnere Dänzer.H

Der lange Rothbart stand da wie verdunnert uff dem Docter sei Aasprach uu war käänes Wortes mächtig, hielt awer fest die Taille von seiner Dänzerin umschlunge. — Die Jule herngege war kreideweiß im Gesicht worn un hat dem Docter en sehr ver­ächtliche Blick zugeworfe.

Augenblicklich laffen Sie die Dame loS, oder es gibt ein Unglück! schrie der

Docter.

Oho! hat's von alle Seite getönt un Alles hat's sich ebeigedrängt.

Der Rothbart stand noch immer sprachlos, doch gab er sich Mih sei Gesicht zu em e spöttische Lächle zu verziehe, daderrbei zog er awer doch sein Arm von der Taille seiner Dänzerin zurick.

Hinaus! rief der Docter ermuthigt un hat mit weit ausgestrecktem Arm gebie­trisch nach der Saaldhir gewisse.

Net so hitzig! Nor langsam! Gelinder schreibt der Kalender! liefe sich e Paar Stimme vernemme. — Still! still! riese Widder Annere. Des awer bezog des Orchester uff sich un die Musik kämm in's Stocke. Zuletzt hat nor noch der Baß gebrummt un die Trombeet geschmettert, bis ääch die verstummt sin.

Der Rothbart awer, der den Ruf: Npr net so hitzig! Nor langsam! un Ge­linder schreibt der Kalender sich zu seine Gunste ausgelegt hat, gewann daderrdorch e bissi Coraasch un sprach, wann ääch noch net ganz herzhaft: „Aus Ihnen spricht man der Wein." —

Er Hot! erscholl sogleich e Stimm in der Näh. —

Allgemää Heiterkeit.

Ha! ha! der Wein! Ich habe kaum ein Glas voll getrunken. Aus Ihnen aber spricht die Roheit, bie Betise.

Ehrscht en halwe Schoppe un schon Franzeesch! erscholl awermals e Stimm. — Kff! lfs! — liefe sich mehrere Hetzer vernemme. — Groß Gelächter! in des sogar lieb­loser Weis die Jule mit eigestimmt hat.

Der Docter awer, wie er sei Jule, sei eige Braut so lache sah, warf er ihr en Blick zu so vorworfsvoll, so schmerzlich, so voll entteischter Liewe, daß em sei Verlobte voll Beschämung den — Ricke zugekehrt hat. — An den Rothbart awer ward von mehere Seite zugleich die Frag gericht: Was is dann vor? Was is dann eigentlich?

Ja, juter Jott wer dat wüßte! hat der Rothbart dadruff erwiddert un mit der Achsel gezuckt. Wer dat wüßte! — Der Herr hat mir vorhin schon beleidigt ohne jede Veranlassung. Ich habe mit die Dame da einen Tanz jetanzt und das war ihm schon nicht recht. Un wie ich mit die Dame ooch den nächsten Tanz tanzen wollte, so sagt er mir so jrob wie möglich, die Dame sei schon engagirt, was gar nich der Fall niche war, denn die Dame hat selbst zu mich jesagt, sie tanze den Tanz mit mich.

Das ist gelogen! schrie der Docter. Das hat Ihnen die Dame nicht gesagt! Die Dame ist meine Braut und ohne meine Erlaubniß hat sie mit Niemand zu tanzen. Sie sind ein zudringlicher, unverschämter Geselle, Sie! Wiffen Sie das?

Kff! kff! kff!

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