„Jeauue, Irauuette md Jeauuetun".
«Schlüße
Liebe Bärbelchen!
wann Dich Gegenwärtiges schraiben Bei guter xund- heit trist, so soll es mir lieb sein was mich betrift. So bin Ich gott lob Und dank noch xund und Munter.
Liebe Bärbelchen, daß noch vorm schluß vom zweiten akt der Oberst Noce sich mit der Jeannetton verlobt hat, das war der gräfin du bary ihr glück, denn sonst wäre diese geliebte des königs Bei Ihm in Ungnade gefallen (dem könig) denn sonst wäre Es ja wahr gewesen, daß Sie nach dem Schluß vom Ersten akt mit einem Gemeinen soldat In's gebisch gegangen, wie es in der Zeitung Gestanden, So aber war's nicht der Gemeine soldat, Sondern Ein Oberst von adel Und Da hat das nichts zu sagen. — der Prinz von Soubise hat alles Beim könig wieder in ordnung gebracht Und dessentwegen Bedankt Sich auch die gräfin du Vary Bei ihm vielmals Und sagt Ihm, daß Ihn die Jeannette, — (die Balltänzerin) aber Auch sehr liebe, Und da sagt Der Prinz bei Seite, sie kostet mich auch ein schönes Geld. Sie liebt ihn, — ja Wohl Bärbelchen, — Als wenn sie nicht kurz vorher Gesungen hätte:
Ja, zwei Galane Hab ich halt Der Eine jung, der Andre alt,
Der Alte zahlet mit Geschick,
Der Junge ist mein ganzes Glück.
O Männer! Männer! wollt' ich sagen Weiber, na- dirlich mit Ausnahmen liebe Bärbelchen, — ich Bin Stoltz darauf, nicht vom Ballett zu sein. — Jetzt wo der du Vary Ihre ehre wieder hergestellt ist, kann Sie im driten akt bei Hof vorgestcllt werden, womit der Vorhang fällt. — Dritter akt. der Feldwebel mit der betrunkenen rothen nase, er heißt Laprenade tritt auf mit einem Chor der Garde franoais welche Er kommantirt Vorwärts marsch.unter diesen französischen gardisten ist auch Der briolet. Sie maschirn im Kreis herum und singen: Wir geben acht, ja, Zwei und Zwei, daß unsre Haltung nobel sei. Kopf hoch, heraus die Brust, worauf der Feldwebel mit der betrunkenen nase sagt: Die damen bei Hof sehen es mit Lust, — was wir ihm glauben wollen, liebe Bärbelchen, — Nun wird der briolet von dem Feldwebel auf Posten gestellt Und ihm Seine instructiong (verhaltungsregel) eingeschärfft. alles Mit Gesang. Biel schöne Damen würden hier passiren, doch wenn ihn (briolet) Auch Der schnitt der kleider Wundern Sollte, weil
nach oben der stoff fehlte (zu stark ausgeschnitten, liebe Bärbelchen) und nach unten fehlt'« noch mehr, (zu kurze röck liebe Bärbelchen) So solle er Sich dadurch nicht verführen lassen, worauf Der briolet Ganz verschämt wird Und Singt er würde Sich Sehr genieren. Feldwebel und solvaten ab. Kaum sind Sie fort, so kommt die Jeannetton, Die ihn gesucht hat, (nicht der Feldwebel mit der betrunkenen rothen nas wie Du Dir denken kannst) Sondern Den briolet. Und da läßt er seinen Posten im Stich und läuft mit Ihr fort- Denke Dir liebe Bärbelchen die Jeannetion hat sich kaum vor einer Viertelstunde mit dem Oberst Noce verlobt Und jetzt läuft Sie schon wieder mit dem Briolet. O Männer! Männer: —Nun kommen viele Hofherrn und Hofdamen, denn die gräfin du Vary soll heute bei Hof gestellt werden- Sie kommt auch Gleich drauf Und wird vom Cyor als Königin schönhcit begrüßt. Alles Mit gesang. — ja liebe bär- belchen So geht's, mag so Eine Noch so eine getriebte Vergangenheit hinter Sich haben Und hat etwas Bor sich gebracht, So ist Alles vergessen Und es ist Eine geachtete Person Bei Hof und Denkt spielt Mir Ein Walzer-Rondo Und das thut Sie auch Solo mit Chor:
Wohl Königin war ich geworden!
Zwar ist der könig nicht Mein Mann.
Doch wie man sieht fehlt Wenig dran.
Amor allein verdient einen Orden,
Sonst war ich Nichts, — jetzt obenan!
Aber fort an welch ein Geschwätz Wie viel Pamphlets!
Was kümmerts mich und was könnt es auch schaden? Schwätzet nur hin.
Wisset, was ich bin,
Bin Königin Von Amors Gnaden.
Was sagst Du denn nun daderrzu?
liebe Bärbelchen, — Jetzt wird Aber von dem Feldwebel mit der betrunkenen rothen Nase der briolet am Kragen herbeigeschleppt wodurch ein quintett entsteht zwischen dem Feldwebel, dem briolet, der Jeanne, Jeannette und Jeannetton, Und in welchem die Jeanne den Feldwebel fragt was ihm der briolet geihan hätte, worauf ihr dec Grobe Mensch sagt, was geht das S i e an lassen Sie Mich in ruh. darauf gibt ihm aber die Jeanne mit sittlicher entristung ihre hohe Herkunft zu erkennen Und sagt Ihm,
Das noch dazu Trotzig wie nie Gegen die Gräfin du Barry
liebe Bärbelcheu, da kriegt Aber der Feldwebel keinen kleenen fchreken. die Gräfin du Vary muß aber doch sagen, daß es Nicht recht Gewesen sei daß der briolett seinen Posten verlassen hält. Er soll es aber verziehen bekommen.
Das stück eilt Nun zu seinem schlusse und ich lege Die Befriedigte feder Nieder Um dir Nur noch zu sagen, daß jetzt Masken erscheinen, darunter auch der Oberst Noce Und der Prinz Loubisc, welcher Zwei schreiben vom könig überbringt, in welchem der briolet im einen von den soldaten Wieder loskommt Und Nun die Jeannetton heirathen kann Und im Andern bries dec oberst In den Krieg geschickt wird.
Ende, das stück wurde Sehr gut gegeben Und Alles herausgerufen.
Deine dich liebende
A nn a Maria Adelung.
>nm Couplet aus „Hrinz UHusalcm".
Des Briten Flotte steht bereit Vor Stambul jetzt im Meer,
Gleich kommt auch von der L.-ndesseit'
Des Russen große« Heer.
Zum Schutz der Christen thut's der Brit,
Da hält der Russe mit.
Entsetzlich, wenn das Schnüpferl Zum Laufen bald gedieh'
Durch einen Schuß, das Tipferl,
Das Tipferl auf dem I. —
Wann wird man endlich aus der Welt Des Friedens sicher sein?
Wann wird der Hader kaltgestellt Und Bürgerglück gedeih'n?
Da« Raufen ohne Unterlaß Daö macht doch keinen Spaß!
Die Ruh' in jedem Wipferl,
Wie fehlt dem Glücke sie! —
Der Frieden war' das Tipferl,
Das Tipferl auf dem I. —
1-
Feuilleton.
Koten und Studenten.
Eine Erzählung aus -er vemagogeuzeit von
Friedrich Gtoltze.
(Fortsetzung).
Die Spengler hatte schon am Vormittag völlig ausverkääft. — Awer ehrscht gege Awend kam die Sach in's rechte Treiwe.
Jwerall wurde Laterne gebutzt, von de kläänste bis zu de größte. Es hatte sich in unglääblich korzer Zeit ganze Gesellschafte gebildt un verabredt den Awend gemään- schaftlich en feierliche Laterne-Uffzug uff der Zeit zu halte. —
Mehr als fuffzig „Laterne-Verei" warn in wenige Stunne entfianne. Alle Buchbinner warn volluff mit der Fabrikation von Babbierlaterne beschäftigt, unner dene die meiste wahre Rieselaterne warn. In alle Forme wurde Laterne hergestellt, als Portchaise zum Trage for zwää Mann; als große Kietze for Esel; Laterne als Schubbkerrn un als Stoßkerrn; ää-, zwää- un vierräderige Laterne. —
Wo merr uff der Gaff higeguckt hat, links odder rechts, vor sich odder hinner sich is Ääner mit ere Latern gelääfe um se hääm zu trage for den Awend.
Hinnerm Haus im Gärtche awer vom Gasthaus zum Rewestock war e ganz befonner Dhätigkeit im Aafertige odder Herrichte von Laterne.
Mehr als zwanzig von alle Arte un Dimensione stanne bereits schon fix un fertig uff de Disch unnerm Zelt.
Besonnerscht uffgefalle sin zwää schwarz-roth-goldpapiererne Latere, die dorch en Stock mit enanner verdünne warn- Die warn vor en Pudel bestimmt, der se im
Maul den Awend iwer die Zeil trage füllt. So e Hund mit so verbottene Farm war schwer zu arretirn.
Kurzum, in die ganz Borjerschaft vom Höchste bis zum Geringste, vom Reichste bis^zum Aermste war der Laternedeiwel gefahrn. Uff der Zeil hat merr am Awend Laterne geseh,' die mit dem frankforter Adler uff e Art geziert warn, daß sie diesem ohnedeß so friedfertige Raubvogel ääch noch en ganz mortialische Zopp aagehängt halt. Und wer warn die Träger von derartige Laterne? Merr soll's nicht for meglich halte, awer es hat sich speter als nor zu wahr erausgestellt: Die eigene Bollezeibeamte der Stadt un sonstige Beamte ja sogar hohe Senatmitglidder warn'«, die sich mit dene Addlerlaterne e Spässi eelääbt hatte un mit hochuffgeschlagene Rockkrage mit ihrer Latern uff der Zeil uff- un abgewannelt sin. -
Mit eibrechender Dunkelheit is es — hell warn in Frankfort, sehr hell. Aus alle Häuser, aus alle Hausdhirn quolls mit brennende Laterne eraus uff die Gasse; Männer, Weiwer un Kinner, die ganz Hausbewohnerschaft von der mahd ihrer Bodenkammer erunner bis in's Parterre. Ja, merr hat sogar Männer mit Krücke un Stelzfüß geseh, die ihr Latern getrage hawe. Und wo sich der e Hofdhor öffne dhat, da fuhr e Kutsch eraus nicht etwa mit zw Sä brennende Laterne, sonnern gleich mit em halwe Dutzend, Dann der Kutscher vorne uff dem Bock hat e brennend Latern in der Hand gehalte un der Bediente hinne uff dem Tritt ewefallS un die Herrschaft in der Kutsch drin hat ääch jedes e brennend Latern in der Hand gehat, Wann merr so owe an ere Gaff gestanne hat un hat der Gaß enunner geguckt, so is am e lang lang Schlang von lauter brennende Laterne entgegenkomme In alle Gasse, merr macht hi wohi merr wollt. Un iwerall hatt sich ja so ere himmellange feuerige Schlang ääch gleich als Kopp e Aafihrer gefunne, dem die annern Laterne im GünSmarsch als Leib nachgefolgt sin un seim Komando gefolgt hawe.
(Fortsetzung folgt.)

