M6 Drollige CoiMgMiizm.

Soeben geht uns aus Konstantinopel die Nachricht zu, daß Rußland und die Türkei, als Zeichen ewiger Freundschaft, sich gegenseitig verpflichtet haben, Jeder des Anderen Schulden zu übernehmen und den betreffenden Gläubigern schuldig zu bleiben. Die Türkenfeinde werden e« nunmehr mit den Russen, die Russenfeinde mit den Türken zu thun bekommen. Dem gegen die Türkei ge­richteten Dreikaiser-Bündnisse wird, nach Ausscheidung Oestreichs, die Pforte beitreten, welche dadurch selbst zur Turkophobin wird. Oesterreich's Verhältniß zu den beiden Mächten ist das klarste. Von Rußland in seinen Inte­ressen gekränkt, und von Sympathieen für die Türkei erfüllt, ist ihm die Aufgabe zugefallen, den Freund seines Feindes, die Pforte einstweilen kühler zu behandeln, dagegen den Freund seines Freundes, den Russen mit aller Zuvorkommenheit zu begegnen. Graf Andraffy soll bereits in folgender Weise tägliche Uebungen für sein diplomatisches Benehmen anstellen. Note an Gortschakoff : Ew. Exellenz waren so gütig, mit echt russischer An­maßung jede Rücksicht auf die Interessen Oesterreichs außer Acht zu lassen. Empfangen Sie für diese überaus liebenswürdige Dreistigkeit meinen wärmsten tiefgefühltesten Dank! Hoffentlich hat es Sie nicht belästigt, daß wir Ihnen unsere Flotte auf den Hals schickten! Sie werden jedoch erfahren haben, daß wir auf Wunsch Ihres hoch­verehrten Freundes dieselbe sofort wieder zurückbeoiderten. Sollte unsere Armee noch die Ehre und das Glück haben, der Ihrigen den Standpunkt klar zu machen, so seien Sie überzeugt, daß die Kolben unserer Soldaten bei'm Hauen auf die Schädel Ihrer Heldenkrieger die zarteste Rücksicht walten lassen werden. Es hat mir übrigens zur besonderen Genugthuung gereicht, mich von Ihrer tadellosen Unverfrorenheit zu Überzeugen. Genehmigen Sie die Bersicherung meiner zärtlichsten Wuth, mit welcher ich verharre Euer Excellenz ergebenster

Andraffy.

Note an Vefrik Pascha: Ich bedaure, Ihnen mein Befremden über Ihr stets sreundnachbarliches und uns gegenüber wenigstens stets anständiges Benehmen kund­geben zu miissen. In ganz unerhörter Weise haben Sie die herzlichen Sympathien Ihrer Landleute für die weinigen geduldet. Sie werden begreifen, daß unter sol­chen Umständen von herzlichen Feindseligkeiten zwischen uns nicht länger die Rede sein kann, weßhalb ich mich gezwungen sehe, Ihnen im Namen der österreich-ungar- ischen Nation den Friedenshandschuh hinzuwerfen. Die Verantwortung für alle Folgen, welche etwa aus unserem guten Einvernehmen entstehen sollten, werden Sie zu er­tragen haben. Andraffy.

Wie zärtlich sich die Liebe der Pforte zu ihrem rus­sischen Todfeinde und der Haß auf den heiß geliebten Engländer gestaltet hat, ist zu bekannt, um besonderer Erwähnung zn verdienen, das Neueste aber ist, daß die Spannung zwischen Rumänien und Serbien einerseits und Rußland andererseits bereits derartige Dimensionen anzunehmen droht, daß ein Vündniß der ersteren Länder mit der Pforte nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, wo­durch die Türkei in die angenehme Lage geräth, ihr ng'ner Todfeind zu werden und Rußland daraus die Freundespflicht erwachsen könnte, als Alliirter der Türkei gegen dieselbe abermals zu Felde zu ziehen.

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All beit KeichLkKilzler.

Wenn Dich die bösen Tuben locken, Es wäre thöricht folgtest Du;

Recht eifrig strebt man einzubrocken

Dir eine Suppe jetzt partout.

An Eitelkeit und Stolz nicht denke!

Wer heilt die Finger die verbrannt?

Jn's Jnn're Deine Blicke lenke,

Laß Dich nicht ein auf fremden Tand!

Laß Oestreich England sich verbünden,

Laß Rußland geh'n nach Stambul dreist Ob logisch sie ihr Recht begründen.

Es alterir' nicht Deinen Geist!

Sei schlau nur und auf Deinem Posten, Comment nur heißt es jetzt verstehn!

Hier kann ein Wort Millionen kosten Ein Chaos durch ein Wort entstehn.

Nach Deinem haarentblößten Haupte

Weist alle Welt mit Bangen hin,

Als ob man diesem nur erlaubte,

Sich zu bewahren reinen Sinn.

Ist Deinen Lippen erst entquollen Hernach, was die Entscheidung bringt,

Nie, magst Du's später ändern wollen,

Nützt Dir Dein Ruf dann unbedingt.

Ist je es Deine Pflicht gewesen Eorrect zu denken, großer Fürst!

Heut' sei eorrect Dein ganzes Wesen, Triumph ist's, was Du ernten wirst.

Bei Dir jetzt stehet Krieg und Frieden, Reiß fest der Zwietracht Wurzel aus!

Ein hohes Amt ist Dir beschieden,

Nur sprich kein schnelles Urtheil aus!

Noch Keinem sah ich eine Rolle Terrib'ter jemals zugedacht;

Doch nie auch hat so wundervolle Erkenntniß einem Geist gelacht.

Raff' alle Kräfte d'rum zusammen

Oft stärkt ja mächtig die Gefahr,

Hab Acht, daß dieses Krieges Flammen Nicht Deutschland noch erfassen gar!

Erlöse uns aus schwerem Bann,

Nimm keine Richterbürde an,

Ob sie auch ziemt dem klugen Mann! Thu' was Dein Herz vertreten kannI Hör' nicht auf Rußland's Schmeichelworte,

In seiner Presse ausposaunt!

Nicht stützen wird Dich diese Sorte

Siehst Du dein Glück einst mißgelaunt.

Erhalte unser'm Reich den Frieden In jedem Fall um jeden Preis!

Nur wenn zu nichts Du Dich entschieden

Umringt Dich der Bedrängten Kreis. Nachdem das Wort dem Mund entfahren, Gellt Hohn und Undank an Dein Ohr ; Laß alle Lust, zu glänzen fahren,

Und nimm Dir, nur zu nützen, vor!

Ein allgemeiner, reichbeschicker Congreß entscheide diesen Strauß!

Krakehle macht man nur verzwickter,

Rück man mit eig'ner Ansicht 'raus. Erhalte Dich uns wenig Wochen Noch zugeknöpft bis an das Kinn!

Nicht leicht zu Markte seine Knochen Trug je ein Weiser mit Gewinn.

Um trotz des neuen Freundschaftsbündnisses mit Rußland den Engländern einen Beweis seiner Sympathie zu geben, hat der Sultan als letztes Auskunftsmirtel beschlossen, sich englisch zu empfehlen.

Falls wegen der Retroceffion an Rußland in Bess- arabien eine Volkserhebung ausbrechcn sollte, werden sich die dortigen Israeliten schwerlich daran betheiligen, da in den betreffenden Kreisen die Aeußerung immer mehr gang und gäbe wird „Wir stehen für die Wahl nicht auf

Monolog von „Omelette ä la bourse“.

Kaufell oder Verkaufen? das ist jetzt die Frage,

Ob's richtiger von Urtheil, die Ränk und Tücken Der lügnerischen Contremine erdulden, oder Sich waffnend gegen eine See von falschen Nachrichten, Durch Widerstand sie lähmen. Kaufen — Verkaufen, Nichts weiter! — und wir wissen, ob ein Kauf Das Herzweh und die tausend Aengsten endet,

Die unserer Börsen Erbtheil — 'S ist ein Ziel Auf's innigste zu wünschen. Kaufen — verkaufen, Verkaufen! — Warum gleich fixen? Ja da liegt's:

Was bei dem Fixen für Chancen kommen mögen,

Wenn wir dem Drang des Speculirens folgen Das zwingt uns still zu stehn. Das ist die Rücksicht Die Elend bei dem Nichtgelingen schafft. —

Denn wer ertrüg' der Fixer Spiel und Tücken,

Der Russen Sieg, der Türken Niederlagen,

Geprellter Briten Wuth, Rumäniens Zorn.

Den Wankelmuth der Serben und alle Chancen,

Die Hausse und Baisse als ihr Gefolge bilden,

Wenn man nicht Hoffnung hält', sich mit Profit zu decken. Durch doppelte Parthie? — Wer würde Mobil' kaufen, Und glaubt und hofft auf sicheren Gewinn?

Nur daß die Furcht vor Europäischem Krieg —

Das dunkle Räthsel, ach, von dessen Lösung Selbst kein Bismark weiß — der Willen irrt.

Daß wir die Obligo's, die wir haben, lieber Prolongiren, als zu noch größer» schreiten. —

So macht die Vorsicht Feige aus uns allen,

Dem angebornen Muth der Agiotage,

Wird des Gedankens Blässe angekränkelt,

Und Speculationen voll Mark und Nachdruck,

Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,

Verlieren so der Handlung Name. — Still'

Mein Makler kommt.—Jetzt rasch Entschluß gefaßt,

Ich glaube nicht an Krieg! — Makler schließ'

In der Huck, den Kauf von 100 Mobil ab! —

8. H.

Der Madarajah von Kalkutta hat sich eine silberne Staatskarosse bauen lassen, welche mehr als 25000 Tho- leh's Silber enthält. Ein sparsamer Bewohner Kalkutta's soll hierzu bemerlt haben, der Wagen scheine ihm unge­mein nutzlos, denn wenn der Madarajah so fortfahre, werde er bald pleite gehen.

Auch die Schneider haben sich entschieden gegen die Robe und für den Frack der Richter ausgesprochen. Ihre Bedenken verdienen schon darum bte allgemeinste Beach­tung, weil ihr Urtheil jedenfalls einschneidend und st i ch h a I t i g ist. —

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