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Guckst de, Settche, haw ich gestern zu meiuer Frää, meiner Settche gesagt, in der Bohnezeit wie jetzt, odder uff Weihnächte, Neujahr, Ostern un Pingste bin ich immer besser uff die Widdereinführung der alte Zinste un deren Consequenze zu spreche und zwar vorab in Bezug uff die Mexter un Bäcker, als wie an gewehnliche pro­fane D8g un Jahrschzeite. Die alt Mexter- un Bäcker­zunft in Frankfort hat Duzende besesse, die der jetzige Generation leider ganz abhande gekomme sin. Ich wollt emal seh, Settche, wann de heut zu Dag unserm Mexter dorch en Dienstmann un uff em Stoßkarrn drei bis fuffzeh große Wäschmahne voll grine Bohne schicke dhest mit em e scheene Complement von der Frää Ham­pelmann un der Herr Mextermääster megt doch dorch sei Frää un sei Döchter die drei bis fuffzeh Mahne voll grine Bohne schneide lasse, des heeßt: aus Gefälligkeit gege die Kunnfchaft un for >Loh, was so e heutiger Mextermääster daderrzu sage dhet un was er for e Gege- complement an die Frää Hampelmann dhet ausrichte lasse? Odder was e Bäcker for e Gesicht derrzu mache dhet, wann em die Frää Hampelmann dorch die Bäcker­mahd ihr groß Verwunnerung dadriwer dhet ansdricke laffe, daß err ihr Bäcker uff Weihnächte, Neujahr, Ostern un Pingste nicht emal zwää große Radankuche, ewesoviel Butterkuche un ääch noch emal en Petzkuche geschickt hält. Ob des e Art wär gege die Kundschaft?

Ja, so sin mit de alte Zinfte'ääch die gute alte Sitte verfalle. Da awer jetzt unser Herr Reichskanzler be- strebt is, des Alte Widder zu verjinge, so kann ich em nicht genuch ans Herz lege bei der Widderverjingung der Zinste ääch des ehemalige Bohneschneide von Seite der Mexter un des Kucheschicke von Seite der Bäcker Widder obligadorischzu mache.Zur Zeit der,Borjerschlacht" e Wort was von der jetzige Generation un von den- jenigte ungebildete Fremdling die in den Geist der Frank, forter Sprach noch nicht eigedrunge sin un meene unner Borjerschlacht" wär entwedder e Schlacht zu versteh, die die Frankforter Borjerschaft geschlage hält odder die Borjerschaft selbst wär geschlacht worn; zur Zeit der Borjerschlacht' hawe ääm ääch Mexterschweiwer un Döchter den Speck geschnitte, gleichfalls aus Gefälligkeit. Ääch dieser scheene Gebrauch is schon längst abkomme. Wann merr jetzt zu so em entartete Frankforter Mexter käm un dhet em sage: Schneide Se merr doch gleich die fünf große Aarte voll Speck, so dhet er ääm wahrschein­lich druff antworte: Schneid' derr e Grieb!

Un ehrscht so e Bohneschnitt in der Familch selwer! die ganz Bewandtschaft, Freindschaft un Nachberschaft war zu so em e Bohneschnitt eigelade, woderrdorch so Bohne ääch noch emal sehr viel Bohne gekost hawe. Un bei em e Speckschnitt im Haus selbst, gungs noch viel hd'cher her.

Bon all dene Familljefeste im alte Frankfort hat sich so gut wie gar kääns mehr erhalte.

Nur von unsere Quadierfeste hat sich noch ääns bis uff die jetzig Zeit erhalte, awer ääch nor dribb im bessere Jenseits von Frankfort. Rühmlich die Brunnefahrt. Die alte Frankforter hatte noch so kää groß Vogels- berjer Regefaß als wie die jetzige un hielte dessentwege große Sticker uff en gute Brunne.

In jedem Quadier befand sich e Brunnemääster mit so un so viel Beisitzer, aus direkter Wahl von de Quadier- bewohner evorgegange. Wer in so e Quadier neueigezoge is, dem ward vom Brunnemääster, in Begläädung von zwei Beisitzende, uff em e zinnerne Deller e Stück Brod un e Hand voll Salz iwerbracht unner allerlää Zermonje, dann ward der neue Quadierbewohner feierlich in die Ouadierroll eigetrage un mußt jährlich so un so viel Beitrag bezahle. Alle Jahr ward von jedem Brunne in der Stadt von dem betreffende Qua­dier des Stiftungfest odder die Brunnefahrt ge­feiert Der Brunne ward mit grünem Reisig un Blumekränz uffgebutzt un es fand e feierlicher Uff- zug in sehr bunte Kostümer un mit ere Musikband an

der Spitz statt. Awends awer war im große Saal, hinner der Ros" e großer Baal, wos unner annern ääch jedesmal en ehrsame Menuet un en kindliche Lichter- danz abgesetzt hat.

Die Brunnefahrte hawe sich, wie gesagt, nor noch in Sachsehause erhalte un ääch da lääfe se schon uff ihre letzte Bää. Sehr sinnig solle awer diesmal pesonnerscht der Parediesbrunne un der Ritterbrunne dekorirt un be­malt gewese sei.

So sahen aus die ersten Menschen,

Sie waren ohne Strümps und Händschen Und nicht nur nackicht im Gesicht Und schämeten sich dennoch nicht.

Sie waren eben alle beide Zwei junge unverschämte Leute,

Und kamen mitten auf dem Feld Schon ausgewachsen auf die Welt.

Ein Schneider in Baku wollte durch einen Droh­brief, den er im Namen einergeheimen Commission" an einen reichen Kaufmann richtete, seinen Schnitt machen, hat sich aber nur selbst geschnitten und mußte die traurige Bemerkung machen, daß es auch mit dem Metier der Erpressung seinen Faden habe.

*

Wenn :die Pforte glaubte, bei dem Schlage, den sie dem neuen Khedive versetzte, für sich etwas heraus­zuschlagen, so hat sie sich, nach dem Benehmen der Westmächte zu urtheilen, getäuscht. *

Wie Hirsch's Telegraphen-Bureau meldet, sind die Verhandlungen der preußischen Regierung mit dem Va- tican abgebrochen. Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, so ist der Abbruch wahrscheinlich erfolgt, weil ein Leo die Geschichte nicht eben zart angefaßt hat. *

Auch das Unterrichtsgesetz wird man so lange liegen lassen, bis es schwarz wird. *

Den abgegangenen drei Herren Ministern wäre vielleicht der liebste Adel, wenn sie baronisiren könnten. "

Feuilleton.

Molen und Studenten.

Eine Erzählung aus der D e m a g o g e n z e i t

von

Friedrich Stoltze.

(Fortsetzung.)

Unter anderen bekannten Personen waren Graf Benzel-Ster nau, Dr. Gärth, Dr. Friedrich Siegmund Jucho,Hinkel, Advocat vr. Reinganum, der damalige Apo­theker, jetzige Hammerbesitzer Friedrich Döring aus Marburg, so wie der schon zu jener Zeit steckbrieflich verfolgte vr. v. Rausch enbl a tt und zwar unter diesem seinem Namen gegen wärtig, wie ein gleichfalls anwesender Theilnehmer bekundet. Ueber politische Gegen­stände und die Bundesbeschlüsie sei, so sagen v. Rotteck und Welcker, gesprochen, und der Wunsch geäußert worden, jeder Patriot solle im Wege des Gesetzes das Seinige zur Herbeiführung eines bessern Zustands beitragen. Welcker setzt hinzu, es habe Jemand geäußert, daß Graf Benzel-Sternau sich mit der Idee zu politischen Vereinen trage, und da ein junger Mensch sich darüber vorlaut habe hören lassen, habe er entschieden gegen geheime Vereine sich ausgesprochen und erklärt, daß nur gesetzliche Mittel angewendet werden dürften. Ein bei jenem Mahle gleichfalls Gegenwärtiger hat gerichtlich ausgesagt:es sei bei demselben der Beschluß berathen und gefaßt worden, Flugschriften unter das Volk zu verbreiten."

Ganz gleichzeitig entstand auf einem andern Punkte Deutschlands ein gefähr­licheres und folgenreicheres Complott. Es war dieß die im Sommer 1832 begonnene Militärverschwörung im Königreich Würtemberg, deren Urheber der Oberlieutenant Ernst Ludwig Kose ritz war. Die Ansichten, Gesinnungen und Bestrebungen der

Faetion, die durch eine Revolution Deutschlands Einheit mit republikanischer Re­gierungsform herbeizuführen trachtete, thcilte er. In seinem Garnisonprte Ludwigs­burg stiftete er einen Club, durch welchen er Officiere und Bürger in politische Ver­bindung zu bringen suchte. Den Feldwebel Samuel Lehr sah er sich zum Gehülfen aus. Durch diesen gelang es ihm, eine Anzahl gedienter und tüchtiger Unteroffieiere für sich zu gewinnen, die ihm versprachen, bei dem nahe geglaubten Bolksaufstande die Fahne des Aufruhrs aufzustecken und sich der Volkspartei anzuschließen. Erleich­terung des Abgabendrucks spiegelte er ihnen als Zweck vor, forderte sie auf, in der Stille vertraute Kameraden zu werben, und bei dem Ausbruch die unter ihnen stehende Mannschaft den Aufrührern zuzuführen. Der Sammelplatz, wo sie seine Befehle ab- warten sollten, wurde ihnen bezeichnet, der Berräther mit dem Tode bedroht. Koseritz ging weiter; er theilte das Complott Officieren mit, und stellte ihnen das nur von Einem derselben abgelehnte Ansinnen, in gleicher Weise auch in ihrem Regimente zu wirken und die Unteroffieiere zum Treubruch zu verleiten. Andere Offi­ciere ließen sich so weit von ihm bringen, unter Mißbrauch ihrer Dienstgewalt, durch Einfluß auf die verführten Unteroffieiere, diese in ihrer Untreue zu bestärken. Der, auf Kose ritz Anstiften, auch in Stuttgart gemachte Versuch mißlang. Jndeß erhielt er von Lehr Kunde, daß die Zahl der Meuterer, mit denen zugleich ihre Mann­schaft gewonnen schien, 50 bis 60 betragen, und er glaubte auf 200 Unteroffieiere von allen Waffengattungen rechnen zu können. Zehn Unteroffieiere haben ihre Zusiche­rung an dem Aufruhr Theil nehmen zu wollen zugestandeu.Nur in der allgemeinen Aufregung der damaligen Zeit", so heißt es in einem Artikel der Stuttgarter Zeitung, welche am Tage der Veröffentlichung des Urtheils am 26. April 1835 erschien,in der revolutionären Presse, die ihre Wirkung auf die Unteroffieiere nicht verfehlte, insbesondere aber in der Sympathie für die Polen und für die Flüchtlinge dieser Nation, läßt sich der Erklärungsgrund finden, wie es gelingen konnte, die Treue eines Theils des Württembergischen Militärs, die seine Menschengedenken nicht er- schüttert worden war, wankend zu machen." (Fortsetzung folgt.)