Die Radel
1911
2
mm
Dideldum
Der Karneval geht um f Jm Zeichen der Fidulität Einjeder.Saiem Aieikum"Haufen geht, Denn der Humor nach altem Brauch Wiegt am liebsten sich im TabaHrauct i
neu Salem Gold ncu
Goldmundstiickcigaretre N - Pf.
eineiig 2|u-ofjou der alten, neuadligen, angesehe- >>em <>'irnia stand, nicht eiikgeladen ivar, — Der hiltigc Walter, der bekanntlich unter die Aviatiker bat sie fließen lassen nnd srent sich iofleu', bast |ic einem Herrn van R,, der einen sechr wilzi- G'n Namen l,at, mit Aktiven nnd Passiven zn- slvtt. — War die Künstlerin auch nicht ’,iincflcii, so ,sti»g es dach recht „srellich" zn, — So lustig, öaf; ich sehr bedauerte, der Festlichkeit, wo der echteste Mumm in Strömen flos;, fern bleiben z>> inüsseu, dagegen durste ich wieder gesund sein, wenn Herr L, H. Neig, der ivirklich verdienstvolle Vorsitzende des Perwaltnngsrates unseres Zoologischen (Wartens seinen — ich glaube den siebzigsten — (Geburtstag feiert, dem zu Ehren die Woche des Herrn Scher! ivahrscheinlich sein Bild bringen wird, - - — -- Das in acht sich schon besser, wie das .(konterfei einer reichen Dame ans unserer Gesellschaft, deren Verdienst um das Gemeinwohl nur in einem sehr wertvollen Perlenkollier besteht, das Herr Stadtrat Albert von Metzler auf zivei Rciilionen Mark tarierte, - -- ^ Ob ich auf der Festezu Ehren des verdienten Mitbürgers auch der jungen Dame von dreinnd- vierzig fahren tvieder begegnen iverde, die sich >vie ein Babh von ,zwanzig Jahren kleidet nnd
so gerne tanzt? •-
ssdjem mehrfach hatte ich das Vergnügen, die tanzlustige Dame zu treffen, die unlängst auf einem Privatball vergebliche Anstrengungen machte, mit einem Jüngling zn hopsen: Iveil derselbe io unhöflich war, mit einer Dame, die, wie er sagte, seine Grostmntter sein könnte, nicht hernmwalzen zn wollen, Er fürchtete, man ivürde von der Bank der Spötter tvie nach seiner Tänzerin mich nach ihm Pfeile schiesten! - -
llnd d a s kann ich ihm nachfühlen, denn man ist in unseren Kreisen tatsächlich ebenso läster- tvie spotlliistig: erzählte man doch vor Jahren von einer, Ende vorigen Jahres oft ge- naniiten, fchiver reichen Dame, sie bekäme keinen Mann, iveil sie ein schauderhaftes — bitte rümpfen Sie Ihre Rase nicht — Mntterleiden habe,- - Das Mntterleiden war ihre „ent
setzliche" Mama, vor der so mancher junge Mann Reistans genommen haben mag, bis es einer mit der hübschen Tochter dieser Schwiegermutter riskierte,
Hent ist die Dame selbst Schiviegermntter liiid freut sich mit mir, das; Herr v, d, Marivih einen schiveren Unfall von DiPhteritis nach vier Sernineinsprilziiiigeii glücklich überstanden hat. Die Teilnahme aii dem Malheur des einstigen Bockenheimer Hnsarenrittmeisters ivar in High- nnd Blighlife allgemein. Er erfreut sich gros;er Beliebtheit, Nnd das mit Recht; zählt er doch zn den liebenslvürdigsten Kavalieren unserer Stadt,
Die Fackel im Lmser Staätparlament.
Ja. ja, das hat den Einsern Dörflern »iebt gepasst, das; i'icli die „Dackel" aas die Seite des grvsteinser Pnbli- tuias stellte nnd de» ;;» Tode geliebte» iitektvr Dr. Höfer nicht ahne Sang und Klang in die Grube fahren ließ, — Sie äraern sich, das; die „Jäckel" dein braven Manne ins Grab leuchtete und ihren Schein auf die blassen Gesichter derjenigen fallen lies;, die mit Nadelstichen einen prächtiaen Menschen, einen ivacteren Lehrer nnd eine Zierde seines hohen schönen Berufes zu Tode gestelzt. --
Die Angelegensten kam auch in der Einser Stndtvcr- ardnetenversaunnliing zur Sprache iind bemerkte der Vorsteher dieses GreniinniS, Herr iitücker, folgendes: „Var Eintritt iii die Tagesvrdnnng iiiüchte ich noch auf eine Angelegenheit zurücktoiuiiien, ivelche uufere Stadl in deii letzten Tagen stark bewegt hat, auf den Tod des Herrn Direktor Hofer, unseres früheren Direktors der Realschule, Herr Dr. Höfer hat fast ä Fahre in unserer Stadt aeivirtt. Er hat sein Bestes für die Schule gegeben, er ivar ein Estrenmann in jeder Beziehung, Dies ist auch stets die Meinung des weitaus überwiegenden Teiles unserer Bürgerschaft gewesen, ich kan» dies mit gutem Gewisse» behaupten. Nur ein kleiner greis von Personen hat gegen Herrn Direktor Dr, Höfer gekämpft. Besonders halte ich es für meine Pflicht, nuszusprcchcn, das; die Stadtverordnelenversamiulung in ihrer weitaus grösste» Mehrheit stets zu Herrn Dr. Höfer gestanden
hak. In auswärtigen Zeitungen, in Blätter», welche mir, teiliveise anonym, zugesandk wurden, ist cs ausgesprochen, das; auch unsere Körperschaft an diesem Drama mikge- ivirtt habe. Sie alle, meine Herren, lvisscn, das; dies nienials der Fall ivar, vielmehr haben die Stadtverordneten „och au, 25. April 1910 offiziell an Herrn Direktor Höfer ein Vertrauensvotum erteilt. Zur Ehre der Stadtverordnetenversammlung »ins; ich dies öffentlich festftellen.
Stadtv. Ermisch erklärt, durch die Zeitungen werde Enis in ein sehr böses Licht gestellt. Darum bitte er die Emser Presse, die Worte des Herrn Rücker wörtlich zu veröffentlichen.
Stadtv. Köttner erklärt, die Angelegenheit stehe nicht auf der Tagesvrdnnng, Damals, als das Bertraucns- votuiii für Dr. Höfer erteilt worden sei, habe liian ihn persönlich angegriffen. Er habe aber nichts weiter getan als seine Pflicht als städtischer Vertreter, indem er gegen die Gehaltserhöhung des Direktors Dr. H. Stellung nahiii, iini die Stadl vor uuuötigeu Ausgaben zu bewahren, Dig Artikel i» den Zeitungen spotten jeder Beschreibung, In der „Fackel" seien Darstellungen erschienen, die^ teils unrichtig, teils verdreht feien, und ein grvster Teil der Bürgerschaft iverde darin beschimpft. Als seinerzeit das von den in die Bürgcrvereiusversammlung entsandten Stenographen verfasste unrichtige Protokoll verleseii ivnrde, sei ausdrücklich erklärt ivordeu, das; zukünftig dieses Verfahre» vermiede» iverde» solle, heute ivürde» aber ivicder Erklärungen abgegeben, die in kei- »em Pusannnenhang mit der Tagesordnung ständen.
Stadtv.-Vorsteher Rücker erwidert, er habe es für seine Pflicht erachtet, eine Erklärung abzugebeu, nachdem durch die Zeitungen die Stadtverordneten'in das Odium gekommen seien, als feie» sie den, Direktor Tr. H. m den Rücke» gefallen. Deshalb habe er festgestellt, das; seiiierzeit ein Vertrauensvotum für Dr, H. von den Stadtverordneten ausgesprochen ivordeu sei. Er habe niemand dabei angegriffen.
Stadtv, Lichte bemerkt, er habe sich ivirtlich als Stadtverordneter geschämt, mit* die Zeitungen über Ems sich äiisterten. Was der Stadtv.-Vorsteher gesprochen, finde seinen Beifall, dagegen hätte Stadtv, Ermisch besser iiichl eine Debatte Hervorgerufe».
Wir brauchen ivohl kaniii zii betoueu, das; es uns *-man vergleiche die verschiedene» Artikel —niemals eingefallen ist, die Stadtverorducteuversammlnng oder die Grosteniser Bevölkerung, de» Kern der tüchtigei, Bürgerschaft des alten liassanischen Badeortes, für die aii dem armen, zn Tode geheizten Faniilieuvater verübten iiu Dunkel der Nacht schleichenden moralischen Misthandluiigeii verantiuortlich zn machen, denn die verschiedene» Verfasser der Artikel ivissen ganz genau, das; Grostems deii Aermsteu, dessen hiuterlasseue Wiltive und sechs Waisen als eine lebendige, furchtbare Anklage oeu llrhebern der .Katastrophe stets vor dem geistigen Auge schiveben müssen, nicht in den Tod getrieben h.n,
Herr Stadtverordneter Köttner irrt >ich m*nn er sagt, wir hätte» teils verdreht, teils unrichtig dargcstetlt, als Ivir unser J’atcuse! — den Verfolgern des Rektors Höfer ins fahle Antlitz schleuderten und mit Don Ear- los sagten: Sieh hierher; — Das ist Dein Werk!" - Wir haben iiicht verdreht iint> nicht gelogen, »in- die krasse, deii in Betracht komnienden Bnnausen allerdings lästige Wahrheit gesagt, — Die Freude über unsere Artikel »ins; unter de» marmherzigeu uiid gute» Menschen in Enis eine allgemeine gewesen sein, denn sonst wäre», die jubelnden Zustimmunge» braver Einser Bürger uns iiicht d u h e » d iv e i s e uon der Post inS Haus gebracht ivordeu. — - Das von nnS stets geübte und hochge- hnltene Redaktiousgeheimilis verbietet uns Nnnien zu neunen! — Dürste» ivir sie veröffentlichen, ivürde Herr Köttner wahrscheinlich überrascht sein,-
Aber mich n i ch t e i n Einzig e r schrieb, ivir hät- teii das fürchterliche Drama falsch dargestellt oder tendenziös herausgearbeitet. — — Eiiis wollen ivir Herrn Köttner zugebe»: „Das; die Artikel in den Zeitungen jeder Beschreiblmg spotten! Das kommt aber einfach daher, iveil die gegen Dr, Höfer angewendele Tortur jeder Beschreibung spöttele", — Die Artikel sind ein getreues Spiegelbild der Tatsachen, Deshalb konnten sie nicht anders nnsfallen!
Wenn uns, die ivir den Ereignissen fern stehen, nicht der blutige Leichnam des braven gemarterten Lehrers davon abhielt, ivürde» wir den in Betracht kom- mende» Einser Banausen in der Knrncvalsnuininer eine Fackel anzünde», deren grimmiger Humor, deren bittere
Satiire sie wie die Eumeniden verfolge» sollte. —-
Wir überlassen die Gesellschaft deii Oualeu ihres Gewissens! — i
Die papiernen „LchenKammen"
Die zwei Verschentaiistalten in der Eschenheimerund i» der Galgengasse fahren fort, die Fahiie der Schleuder- und Schinuhkonkurreuz hoch zu halten. Aber einen Fortschritt dürfen ivir heute doch mit einigem Stolz tonstatiereii. Wie ivir genau ivissen, sind die Herren Hof- jnivelier Koch liiid Direktor kllliiiann ans dem Konzern der Frankfurter Nachrichten ansgeschieden. Wir nehmen davon mit Freuden Notiz, haben doch die Herren dadurch beivieseü, das; ihr Name als geachtete Frankfurter Geschäftsleute ihnen zn gut ivar, um länger den unlauteren Wettbeiverb des von ihnen mitgegrüudeten Blatte? damit zu decken. Alle Achtung, meine Herren! Es macht Ihrem Empfinde» für geschäftlichen Anstand Ehre, das; Sie Ihre Hand von den sonderbaren Geschäftspraktiken dieses Zeitungsunternehmens zurückgezogen habe». Bedanken Sie sich bei Herrn Hink, wenn Sie von der Frankfurter Geschäftswelt seither ein bij;chcn über die gezuckte Achsel angesehen wurde». Auch Herr Hiick soll sich ja schon salviert haben heisst es. Ob's wahr ist? Wundern täts
uns nicht; den» das Wundern mus; mau sich bei dem
berschenlte» Blatt und seinen Machern nachgerade abge- ivöhne». Was das neueste ist, -- fast sollte man es nicht
glaube», kauflustige Geschästsmänner finden sich
offenbar nicht mehr, die bereit waren, zu diesem eigenartigen Geschäftsbetrieb zuzubutteru. So soll mnn denn, ivie ivir hören, darauf gekommen sein, drei hiesige D a m e » in die Gesellschaft a u f z u n e h m e ». Drei mehr oder weniger ahnungslose Frauen hat man in
die (Gründung hineiugelotst, --Auch ihr Geld ist
kein Blei, denken die Herren Gründer. Wir haben über die Namen der betreffenden Damen, trotz einiger Recherchen noch nichts in Erfahrung bringen können, aber wir haben so unsere Bcrbindnngen und verlasse» uns darauf.
Monatlich 50 Pfg. T «
WV Neu hinzutretende Abonnenten erhalten den Rest des Monats Februar einschliesslich der Faschingsnummer die 20 Pf. kostet gegen Einlösung der März - Quittung gratis.
bnf; ivir sie schon kennen lernen. Einstweilen erlauben wir uiiS, dieser Art Verlegerkollcginncn unser allerhcrz- uchstes p. c. zu tviiftcn zu legen. Unser aufrichtiges Beileid! —
Trauer im Hause Rotschilü.
Bei Leid „iid ftreub, die das Haus Rothschild, betrifft, tvird das Altfrankfurtertnin mitberührt, dein, aus dem hiesigen Ghetto führte der Weg des Bankhauses hinaus in die Welt, in die ganze weite, weite Welt. — Wie die Rothschilds Frankfurt nie vergessen habeu, so denkt auch die alte Kaiserikadt au sie, die so viele Spurei; ihrer Tätigkeit ailfiveift. ■—
Mag es Leute geben, die in gelehrten Ans- eiuaiidersetzungeu det, Schaden der Rothschilds mehr oder weniger geistreich erläuterten, Frankfurt hat davon nie etwas empfundeil, - Tie Rothschilds loa re» mit ihrem alten Heimatsorte, Ivo einige davon graste Popularität besahen, stets befreundet geblieben imd haben Vieles für Wohltätigkeit getan. . - — Rnn ist wieder Trauer ins Hans Rothschild eingekehrt: Baron Albert von Rothschild in Wien ist gestorben. - • Baron Albert Rothschild war nicht nur dem stöamen itach, sondern in Wirklichkeit der Ehef seines Hauses. Er nahm diese Aufgabe so ansterordent- lich ernst, das; er ohne Unterlast und mit vollster Hingebtuig in dieser geschäftlichen Tätigkeit atis- guig. Seine gesellschaftliche Zurückhaltung kann nniso höher veranschlagt werden, als ihn; schoit vor langen Jahren und ganz ausnahmsweise die Hoffähigkeit für Wien erteilt tvorden war, imb der König ihn wiederholt mit den höchsten Ans- zeichnnngen bedachte. Ebenso ist Baron Albert Rothschild politisch niemals hervorgetreten. Er gehörte dem österreichischen Herrenhanse nicht an, .obgleich seine Ernennung znm Mitgliede desselben ihm tviederholt angeboten wurde, Tas hinderte nicht, das; er die intimsten Beziehungen zt>r hohen Aristokratie Wiens unterhielt und die Träger der ältesten Ranken in seinem Hanse verkehrten. Man erinnert sich, das; der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand erst vor einigen Monaten das herrliche in Riederösterreich gelegene Fagdgnt des Barons Rothschild anfstichte nnd einen Tag lang der kvillkommene Gast des Geldfürsten gewesen ist. Baron Rothschild hat mif jenem Territorium nicht nur ein Paradies für Jäger, sondern auch ein trauliches Heim geschaffen, das seinen Besitzer in jeder Beziehung als wirklichen Grandseigneur rühmte nnd in dem sich dennoch jeder, der es betrat, wohlig nnd heimisch fühlte. Seine gesellschaftliche Zurückhaltung tvnrde in den letzten Jahren wenn möglich eine noch gröstere, seitdem die Partei des Wiener Janhagels nicht nur in der österreichischen Haupt- nnd Resideitzstndt die Herrschaft m; sich gerissen, sondern auch im Parlament tmd in der Regierung zn einem mastgebenden Faktor sich emporgerungen hat. Von dieser Seite sikid gegen den ernsten nnd tiesenipfindenden Mann, der abseits von den; Lärm des Tages die herrlichsten Werke der Wohltätigkeit in ungeahnten Timensionen übte, die unflätigsten Angriffe gerichtet worden, die dem Baron Rothschild näher gingen, als man bei seiner hervorragenden Stellung »nd bei seiner minutiös abgegrenzten, tintadelhaften Lebensführung vermutet hat, Baron Albert tlioth- schild ivar tiefglänbiger Jude. Als vor Jahren seine Genknhlin, eine Tochter des Pariser Rothschild, ans dem Sterbebette lag, sprach ihr der schivergebeugte Gatte das Totengebet vor, mit dessen letzten Worte sie auch ihren letzte» Atemzug verhauchte.
Fik Baron Albert von Rothschild ist ein edler, kunstsinniger nnd ivohltätiger Mensch dahin gegangen, deni seiik Vaterland Oesterreich, wenn es nicht undankbar ist, ein warnkes nnd ehrendes Andenken beivahren nikist, .-

