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Die Waikel

£I)cniiomeier, Brntbiilvender,

.Silanftfinnole, Eieruhrn,

Messerpntzer, Tellerständer Und Maschinen mit viel Tour», Küchenlnstabknhler, sind Hent bekannt Wahl jedein Kind.

Was zur Küche all gehöret.

Was die Hniisfran intressiert, llnn die Lust am Kochen mehret,

Wird nnS wieder vorgcfiihrt.

Reichlicher. als je zuvor,

Hie und da auch mit Humor.

Schauen wird man nngchener Vieles, und ich qlanb sogar,

Ist eS noch nicht allzu teuer Und infolgedessen rar,

Fleisch vom Ochsen und vom Rind,

Auch vom Kalb, dem Rindviehkind.

Ta jetzt sehr viel Leute leben,

Welche solches lang nicht sah'n,

Mög' man sich hinansbegeben Mit ber städt'schen Straßenbahn,

Tort >vo viel dem Auge winkt Und man prächtig ißt und trinkt.

I. B. Mnller-Herfnrth.

Die Frankfurter Kochkunst - Llusftellung.

Wieder findet eine Kochkiinst-Aiisstelliinq in Frankfurt a. M. statt. Wer alle vorhergehenden, auch diejenige, welche in oen sieben,pger Jahren unter der Aeqide beS längst verstorbenen Wirtes zumPariser Hof", Melchior, stattfand, mitge- macht hat, wird etwas wetznnitiq gestimmt, denn

die Präsenzliste weist viele Lucken ans.-So

mancher lustige Wirt, manch fideler Redner in den vorbereitenden Ausschüssen und mancher gut- miitige Krakehler, oer:T i e s i l b e r n e Ac e- d a i l l e a b g e l e h n t" an seinen Ansstelliinqs- stand nnschreiben ließ, ist hiniibergegangen', doch wollen wir von all den einst so fröhlichen Zechern nicht hoffen, daß sie am Ende gar in des Teufels Küche gekommen.-

Hotelier CS. W. Müller, der im Jahre 18!) t die zweite Frankfurter Kochkiinstaiisstellnng in der lanblvirtfchaftlichen Halle mit einer Ansprache an die Kaiserin Friedrich eröffnete, und ihr für die llebernahme des Protektorates dankte, ist vor Kurzem hochbetagt dahingeschieden und die Kai­serin der hundert Tage ist längst nicht mehr.

Es ist eine neue Generation heranfgestiegen, die die Riten abaelöst hat. Viel neue Gesichter, viel neue Ramen! Aber wie die Alten, so

sind auch die Jungen lebbaft von ihrer Ausgabe erfüllt gewesen, denn sie haben auf dem Früheren weiter gebaut und die neueste Kochkiinstousstel- lung größer, schöner und vollendeter ausgestattet. Was zum Teile auch daran liegt, daß im­mer neue Erfindungen gemacht und vorgeführt werten. Ans diesem Grunde muß eben jede fol­gende Ausstellung die vorherige übertreffen. - Tiejenige des Jahres <!H I ist eine geradezu im­ponierende und sensationelle. Wieder einmal eine Veranstaltung, die Frankfurt zur Ehre gereicht und Fremde zahlreich hierher bringen lvird. Taher die vergnügten Gesichter der Hoteliers, die

1911

in diesem Sommer nicht gerade auf Marschall Nielrosen gebettet waren, das freudige Lächeln der Gastwirte namentlich derjenigen von Zeil und Kaiserstraße die auch nicht böse sind, wenn sich die Frequenz ihrer oft so teueren Lokale ein­mal weit über den Durchschnitt hebt. Es ist eben nicht mehr viel los in Frankfurt und namentlich in bezug auf Ausstellungeit hat die Stadt wirklich Imponierendes seit 1891, wo Le­opold Sonnemann die elektrotechnische ins Leben rief, nichts mehr geboten. Selbst dte Jla blieb hinter den gehegten Erwartungen zurückund die Jsa versagte einfach total.

Lichtblicke im Frankfurter Ausstellungswesen lvaren aber immer die leider nur zu kurzfristigen Kvchkunftansstellungen gewesen, sie versagten nie und veraulaßten die Besucher stets nur zu Wor­ten der Anerkennung.- Mehr wie früher dürfte es diesmal der Fall sein, denn die Ausstellung des Jahres 191 i in der Festhalle läßt nichts zu wünschen übrig.

Die Sitte ihre Nos, hinein,

In Sachen, wo ein Bürgersmann, lind war er selbst Moraltyrann,

Die seine, die das Aütlitz ziert Sehr ungern nur hineinplazicrt.

Warum in Mainz man über Nacht So sehr in Sittlichkeit gemacht,

Das will mir und der Wacht am Rhein Bei Bingen, nicht in Kopf hinein.

Denn Mainz galt stets als Klein-Paris Und Jnnggesctlen-Paradics,

Weil sich ein Marin zu jeder Stund'

Dort riesig amüsieren knnnt'.

Wenn Ihr ans Mainz ein Kloster macht,

Dann gute Nacht! Futsch ist die Pracht,

Links liegen lästts dann Jedermann,

Wie unsre Stadt die Bndcrbahn.

,F I. B. Müller-Hcrfurth.

Kochkunst-Ausstellungs Aphorismen.

Wo man säuft, da lasse ruhig dich nieder, Böse Menschen trinken keinen Cyber.

Zeige mir, wie du ißt, und ich sage dir, wer du bist.

Die Besprechung der Koch- kunstausstellung im Allge­meinen und der Aussteller im Besonderen erfolgt in der nächsten Nummer.

»'»um Mainzer Sittlichteitsprozes;.

In Mainz, verehrtes Publikum,

Ging lang die Sittlichkeit herum ' Und sah, ob es gelinge,

Das; sie etwas vollbringe, isie sah am Tage, wo es hell,

Sowie bei Nachts in die Bordell,

Weil es, ivic man erzählet,

Dort an Moral sehr fehlet.

Traf sie ein Mädchen mit 'nein Off­izier, das Stempclblättchen soff.

Nahm sic durch des Gesetzes Kraft,

Die kleine Sünderin in Haft,

Denn Mädchen weiblichen Geschlechts Die werden zweifellos nichts rechts,

Wenn sie mit Offizieren In Kneipen poknlieren.

Hygienische Artikel auch In gottgefälligem Gebrauch,

Sowie zu andern Zwecken,

Die wir hier nicht entdecken,

Weil Lausbub, Mann sowie der Greis Dies schon von ganz allecne weis;,

Erregten in der» goldne» Mainz,

Am linken Ufer unsres Rheins,

Ich bitte

Viel Aergcr bei der Sitte !

Mit anonymen Karten hat Man in der alten Bischofsstadt,

Wo man daS offne Wort üoch liebt Und e i n w a n d f r e i e Sachen schiebt,

Gar operiert das war nicht nett Und zeigt der Menschheit doch komplett,

Das; es der Sitte hie und da,

Auch an Moral fehlt, hoppsassn.-

Gewiß geschnüffcjt wurde nicht,

Wie sich ergeben vor Gericht,

Dock steckte oft in Mainz am Rhein

Wer mit dem'Messer, onstott mit der Gubel die Bissen zum Munde führt, sollte überall gesell- schoftlich geschntttew lverden.

Sarah Bernhard, die große französische Tra­gödin, gehört zu denjeniaen Frauen, an denen man sich nicht r-r satt sehen kann. Sagt man einem Menschen nach, er saufe lvie's Vieh, so ist das eine Schmeichelei, denn das Tier trinkt nie über seinen Durst.

Ter Kater bat mit dem Menschen die Eigen­schaft gemein, daß er vom Affen abstammt.

Wo so schlecht eingeschenkt wird, wie in Mün­chen, können die Verehrer des Könias Gambri- nnS nie ü b e r s Maß trinken.

Das Genie, sagte Madame de Staöl, ist ge­schlechtslos, und wir behaupten es von den alko­holfreien Getränken.

Wenn die studierende Jugend nur noch Wasser trinkt, ersaufen ihre Ideale.

Als auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein nmgewandell wurde, hatte man es mit einem M i r a k e l zu tun, geschieht heutzutage das Um­gekehrte, so handelt es sich um ein S ch m i e - r a k e l.

Tie Pfaffen trinken viel Wein. Aber offen­bar noch nicht genug, denn man merkt ihnen nicht an, daß im Weine Wahrheit liegt: Sie lügen weiter.

Heerführer dürfen.nicht zu viel trinken, weil sie sich sonst leickn übergeben.

illicht mit Feuerwaffen, sondern mit Fener- lvasser eroberten die Yankees die großen Jagd- griinde der Indianer.

Das tägliche Brot lvird vielfach bei Nacht ver­dient.

Menschen, die uns zum Fressen gern haben, kriegen wir bald satt.

Ter Hunger ist die Bestie im Menschen. Schon aus der Bibel ergibt sich, daß die Weinpantscherei verboten sein muß, denn. Noah pflanzte den Weinstock erst, als die Wasser sich verlaufen hatte».

Es gibt viele Trunkenbolde, die ungemein

-nüchterne Naturen sind.

Richtig eingeschenkte Maß macht den Zecher maßlos glücklich.

I. B. Müller-Hcrfurth.

Feuilleton.

IHadame Tofelli über die (Ermordung des Kronprinzen und eine andere Stimme über den HTord in THayerUng.

Pe»> allen bisher über den Tod des Kronprinzen Rndolph von Oesterreich erschienenen Schriften hnt nur eine Broschüre, die vor Jahren im Vertane des Herrn Müller-Herfnrth erschien nnd sofort nach ihrem Erschei-i ne» in Österreich verboten wurde, die Wahrheit über das I Drama in Mayerling gebracht, die der Darstellung der! Madame Toselli ähnelt.'Madame Toselli gibt zu, das;' Rudolph mit einer Ehnmpagnerslnsche erschlagen worden, weis; aber nichts Näheres darüber, wie die Zechgenossen dazu kamen, den Kronprinz zn tüten.

Da das interessante Thema von der ehemaligen Thronerbin des Königreichs Sachsen wieder anfgerollt wurde, glauben wir, die Darstellung der oben erwähnten, so gut wie vergessenen Broschüre, hierher setzen zu sollen:

Im Schlosse zu Mayerling waren bereits im Speise­zimmer die Gäste, Vetsera, Baltazzi, sowie Luskos ver- sammell, als der Kronprinz einlrat. Erstcre war bereits im Laufe des 29. Januar, vormittags gegen zwölf Uhr, eingetroffen, Bratfisch halte sie von Wien in seinem Fiaker nach Mayerling gefahren, ivährend die Letzteren gegen 4 Uhr nachmittags im Schlosse anlangten. Sie hatten den Wagen, welcher sie brachte zurückgeschickt, da verabredet war, gemeinschaftlich mit Vetsera am Abend nach dem Souper nach Wien in dem Wagen Bralfisch's zurückznfahren.

Kronprinz Rndolph begrüßte jeden der Anwesenden kurz, aber liebenswürdig, nahm ans den Händen Vet-

sera's ein für ihn bestimmtes, kurz zuvor cingclaufcnes Telegramm in Empfang, las; nnd zerriß es. Erzherzog Earl Ludwig hatte es von Wien gesandt, und seinen Neffen dringend gebeten, sicher an dem an diesem Abend stattfindendcn Familiendiner, welches das Kaiscrpanr in der Hofburg gab, zu erscheinen.

Vetsera hatte die Tafel für den Abend hcrgcrichtet. Die Diener, von welchen der Lcibkammerdiener Löschet nur im Schlosse wohnte, hatte man ferngchalten, wie es bei solchen Gelegenheiten stets geschah. Ein kalter Aus­schnitt mit Wein nnd Ehampagner wurde in diesen Fäl­len für genügend erachtet, um ungestört und unerkannt von de» Domestiken und dergleichen die Stunden unge­zwungen verbringen zu können.

Kronprinz Rudolf unterhielt sich, ehe man sich zur Tafel setzte, es >var ja noch lange nicht Essenszeit, unge­zwungen mit diesen Herrschaften, über gleichgültige Dinge, nahm Gelegenheit Vetsera in das Nebenzimmer zn bitte» nnd tonferierte dort längere Zeit mit ihr. Als die beiden in das Speisezimmer wieder eintrnten, schien Rudolf sehr aufgeregt, während die Baronesse eine er- zwnngene Heiterkeit aber Ruhe nnd Ueberlegenheit zur Schau trug nnd ihrem Oheim mit dem Kopfe ein ver­neinendes Zeichen gab.

Bald darauf setzte man sich zn Tische. Kronprinz Rudolf war während des Essens nnd nachher, trotzdem, das; die Gäste sehr heiter nnd ausgelassen lvaren, der Fiaker Bratfisch die Tischmnjik machte, einige Lieder sang nnd pfiff, dann aber nbtrat, ruhig, scheinbar niederge­schlagen. Er entschuldigte sich mit Kopfschmerzen. All­gemach aber, besonders als Baltazzi Gelegenheit nahm ex abrupto das Verhältnis Vetsera's zu dem Kron­prinzen näher zn besprechen, nnd Vetsera die Rede auf ihre Zntunft brachte und im Falle einer Trennung von Rndolph, von passender Heirat, die durch den Kronprinzen zustande tommen müsse, den Herzog von Braganza hatte sie im Auge, von weiterem gesellschaftlichem Verkehr, von horribeler Abfindung, besonders für ihren Anhang, usw. und Skandal sprach, griff ber Thronfolger in die Unter­

haltung. Er erklärte kurz und bündig den Anwesenden, das; er für die Zukunft mit ihnen und sonstigen Personen der Art nichts mehr zu tun haben wollte, und das Ver­hältnis mit Vetsera, wie er ihr heute Abend unter vier Augen bereits mitgekeilt, als gelöst betrachte. Als die Gesellschaft eine solche noch nie vernommene Sprache des Kronprinzen hörte, erhob sie sich von ihren Sitzen, er­griff die ansgelecrten Wein- nnd Champagnerflnschen, fiel über den Kronprinzen, wie ans Kommando, her nnd schlug auf ihn los. Kronprinz Rudolf wußte natürlich nicht wie ihm geschah. Entschlossen langte er nach dem in seinem Jagdrock befindlichen Revolver nnd feuerte im Drange der Gefahr n u s N o t w e h r zwei Schüsse, mehr vermochte er nicht, gegen die Angreifer ab, ohne eine bestimmte Person aufs Korn zn nehmen. Ein Schrei er­tönte nnd Bk a r y Vetsera stürzte tot zn Boden.

Als dies die Komplizen sahen Baltazzi durch den zweiten Schuf; leicht verwundet hieben sie mit vollen und vereinten Kräften erst recht auf den Kronprinzen ein, solange bis er entseelt am Boden lag.

Ohne ein Wort z» sprechen, entkleideten die Mörder die Leichen, überführten sie in dab an den Speisesäal anstoßende Schlaf- nnd Arbeitszimmer nnd legten den Revolver auf das an der linken Seite des kron- prinzlichen Beltes befindliche Nachtkästchcn.

Der Skandal, der Schuß, nichts wurde von der Die­nerschaft gehört. Es war schon spät am Abend des 29. Januar, der neue Tag begann hcranfznziehen.

Sachte und ruhig, unbehelligt und unbemerkt ent­fernten sich die Mörder und jagten durch die Frühe.*)

*) Heinrich Baltazzi, der Haupttäter, wurde durch den zweiten Schuf;, den der Kronprinz abgegeben, am Oberschenkel in der Nähe der Leistengegend leicht ver­wundet, legte dieser Verletzung keinerlei Bedeutung bei und starb an derselben am Vormittage des 19. April 1889 IN Uhr in Bade» bei Wien, wo er unangetastet wohnte nnd gepflegt wurde.