Die Lage in Durazzo.
Bibdodas fluchtartiger Rückzug ins Miriditenland unterliegt nunmehr keinem Zweifel mehr. Im Konak herrscht tiefe Bitterkeit. Der Fürst läßt aber darum den Mut nicht sinken. Er wird auf seinem Posten dis zum letzten Augenblick ausharren, komme, was da wolle. Europa wird ihnr wenigstens das Zeugnis ehrlicher Pflichterfüllung nicht versagen können. In den letzten Tagen sind 40 österreichische Freiwillige angekommen, ein karger Ersatz sür die Tausende Bibdodas. Die holländischen Offiziere haben die Freiwilligen unter die besseren Elemente der nationalistischen Freiwilligen eingereiht. Mit den Miri- diten, die.unter Simon Dschona in den Trancheen der Porta Romana stehen, wollen auch die Nationalisten nichts zu schaffen haben; die stehlen und plündern, wo ste können. Kommt es zum Kampf, so werden sie wohl ein übriges dazu tun und nach den ersten Schüffen davonlaufen. Die Kommandanten des internationalen Geschwaders haben mit Rücksicht auf die geringen Streitkräste des Fürsten und auf die Unverläßlichkeit der Miriditen beschlossen, im Falle eines Angriffs zum Schutze des Konaks und der Gesandtschaften 900 Mann zu landen.
Ein Hilferuf an Essad-Pascha?
Nach einer sonst nicht bestätigten, etwas verwunderlichen Meldung der Wiener ,N. Fr. Pr.' aus Durazzo hätten die Minister Turturi und Mufid den Austrag nach Italien mitbekommen, mit Essad- Pascha in Unterhandlungen einzutreten, damit er zugunsten des Fürsten interveniere und ihn vor dem vollständigen Ruin bewahre. Die Minister würden sich dann nach Rom begeben, um zusammen mit Turkhan-Pascha mit der italienischen Regierung zu konferieren.
Prcnk Bibdodas Verrat.
Prenk Bibdoda-Pascha hat seinen Truppen den Befehl gegeben, sich zu zerstreuen. Diese haben fruchtbare Gebiete in Trümmerstätten verwandelt; sie waren darauf angewiesen, von Raub zu leben, da er die Löhnung für sich behielt. Nachdem am 28. Juni sich seine Truppen in ihrer Stellung gegen die Aufständischen fast ohne Verluste behauptet hatten, war der Befehl zum Rückzug völlig unbegründet: er artete dann in eine Flucht aus. In voller Unordnung gingen die Miriditen mit den sie begleitenden Frauen und Kindern unter Mitschleppung von 10 000 Stück Vieh über den Jsmifluß zurück, um in die MIriditia abzumarschieren. Prenk ist es offenbar nie mit der Hilfe, die er dem Fürsten versprochen hatte, ernst gewesen. Es war lediglich ein Raub- und Rachezüg. Sein Verhalten wird von den Albaniern als „beschämender Verrat" gebrandmarkt, zumal ihn auch fremde Einflüsse und fremdes Geld zum Rückzug bewogen haben sollen. Das ihm zugeteilte Geschütz ist von der Geschühmannschaft, dem Engländer' Armstrong, dem deutschen Baumeister Merten und dem Österreicher Pakoste, unter größter Gefahr gerettet worden. Ein Bespannungspferd ertrank im Jsmi, doch wurde die Bepackung gerettet. Da auf den Wegen nach Norden nicht durchzukommen war. wurde das Geschütz in Slinza eingeschifft und nach neunstündiger Meerfahrt in heftigem Sturm an Bv'ch eines Holzschiffes geborgen. Die an der Expedition beteiligten Europäer trafen völlig erschöpft ein. Bei aller Anstrengung hatten sie allein von Waffer und Zwieback leben müffen, während Prenk hinter der Front in bequemen Zeiten es sich an nichts fehlen ließ. Die Nachricht von Prenks Verrat hat in Durazzo sehr ernst gestimmt, es ist nun auf sich selbst angewiesen. Ein Angriff ist unmöglich. Prenks Fahnenflucht wird auch eine Rückwirkung auf die Haltung der Miriditen in Durazzo haben.
F)eer und flotte.
, — Um etwa noch bestehende Zweifel zu beseitigen, wird halbamtlich nriigeieilt, das; nach nrter seit dem 1. April 1914 gültigen Bestimmung sämtlichen Unter- isfizieren und Gemeinen im Falle der Urlaubserteilung
Gestern nock auf stolzen Kossen.
9] Roman von Horst Bodemer.
(Fortsetzung.)
Hoffmann griff in seine Brusttasche, zählte die Summe auf und ließ auch ein paar Scheinchen mehr sehen.
„Nanu? Woher aus einmal der Glanz in Ihrer Hütte?"
„Das werde ich Ihnen nicht unter die Nase reiben, Herr Paunitz!"
Ja, da mußte er gute Worte geben, sonst verlor er den Wrütten aus den Fingern.
„Machen wir die Sache auf gemeinschaftliches Risiko!"
«Nein, entweder — oder!"
„Ich laß mich nicht kommandieren, also her mit den Tausendern, hier der alte Wechsel und Wrütten gehört Ihnen!"
„Schön — einverstanden! — So! — Kellner, zahlen! — Adieu, Herr Paunitz!"
Der blinzelte Hoffmann nach und murmelte vor sich hin:
„Warte nur, Jungchen, dir komm ich schon noch auf die Sprünge, und der Wrütten ist immer zu haben!"
„Kellner!"
„Herr Paunitz. Sie wünschen?"
„Sie kennen doch Herrn Hoffmann, der mit mir zusammensaß?"
„Ja wohl, sehr gut sogar!"
„Hm. wenn Sie mir das nächstemal sagen können, was er eigentlich treibt, haben Sie ein Zwanzigmarkstück verdient!"
Paunitz wußte, wie man die Kellner in dem Cafä zu „nehmen" hatte, wenn man Tatsachen erfahren wollte.
in die Heimat oder nach dem Wohnsitz der Eltern und nächsten Angehörigen in jedem Dienstjahr eine freie Hin- und Rückfahrt auf den Eisenbahnen innerhalb Deutschlands zum Militärfahrpreis bewilligt werden darf. Die Geldmittel dazu sind durch den Reichshaushaliseiat bereitgestellt worden. Die Kosten werden, einschließlich derer sür die Rückreise, nach einer bereits einige Monate geltenden Bestimmung, grundsätzlich vor Antritt der Reise gezahlt. _
politische Rtmdfcbau.
Deutschland.
'Kaiser Wilhelm hat infolge einer leichten Erkrankung die Reise nach Wien aufgegeben.
"Kaiser Wilhelm wird am 19. August auf dem Truppenübungsplätze Ohrdrup eintreffen und von dort aus die Veste Koburg besuchen.
* Die Arbeiten sür die Aufstellung einer sorgfältigen. bis in alle Einzelheiten durchgearbeiteten Statistik über die im Jahre 1913 in Preußen stattgefundenen L a n d t a g sw a h l e n sind soweit vorgeschritten, daß im Herbst d. Js. diese Wahlstatistik vorliegen wird. Die umfangreiche Darstellung erstreckt sich auf die vorhandenen Wähler, auf die Wahlbeteiligung. Alter und Stand der Wähler, auf die Verteilung nach den einzelnen Wahlabteilungen, auf die Steuerverhältnisse, auf die Wahlbezirkseinteilung usw. Die Statistik dürfte wertvolle Aufschlüsse über die Wirkungen des Dreiklassenwahlrechts ergeben.
* Die bayrische Regierung hat die Handelskammern zu gutachtlichen Äußerungen aufgefordcrt, ob nicht für die durch Prcßerzeugnisse hervorgerusenen Vergehen auf dem Gebiete des unlauteren Wettbewerb es die in Bayern bestehende Zuständigkeit der Schwurgerichte beseitigt und durch die Strafkammern der Landgerichte ersetzt werden sollte. Die Augsburger Handelskammer bejahte diese Frage unter Ausdehnung aus die gegen die Gesetze zum Schutze des gewerblichen Eigentums gerichteten Vergehen.
* Der badischeLandtagist geschlossen worden. Der Präsident des Staatsministeriums Freiherr von Dusch erklärte in einer Ansprache, daß der Landtag nach einer arbeitsreichen Tagung im Bewußtsein treuer Pflichtersüllung in die Heimat zurückkehren dürfe. Der Staatsvoranschlag zeige eine ersreuliche Weiterentwicklung der staatlichen Tätigkeit auf allen Gebieten des Staatslebens. Daß "die kräftige Förderung wichtiger staatlicher Aufgaben bei erhöhten Anforderungen an die Steuerkräfte des Landes möglich gewesen sei. könne die großherzogliche Regierung mit besonderer Genugtuung teststellen. Die Erledigung der Denkschrift über die Versorgung des Landes mit elektrischer Energie und der Darstellung der Regierung über die Schiffbarmachung des Rheins habe die vollkommene Übereinstimmung zwischen Regierung und Landständen in diesen sür die wirtschaftliche Entwicklung der Heimat so bedeutungsvollen Fragen ergeben. Der Staatsm'nister schloß init den Worten: „Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat mich zu beauftragen geruht, Ihnen am Schluß der Tagung seine freundlichen Grüße mit dem Wunsche zu entbieten, daß Ihre Arbeit unserem teuren Heimatlande zum Segen gereichen möge, indem ich diesen allerhöchsten Auftrag vollziehe, erkläre ich hiermit auf Befehl des Großherzogs den Landtag sür geschlossen."
* Die vorläufigen Ergebnisse der Schweinezählung vom 2. Januar d. Js., der sogenannten Zwischenzählung. liegen nun auch für Preußen vor. Gegen das Vorjahr war der Bestand um 2,45 Millionen höher, die Vermehrung betrug danach 16,85 Prozent und erstreckte sich aus alle Klassen, auch die Zahl der Zuchttiere und Ferkel zeigt eine erhebliche Steigerung. Ebenso bat die Zahl der Haushaltungen mit Schweinen um 127 651 (4,51 Prozent) zugenommen. Gegen die Viehzähtungsergcbniffe vom 1. Dezember 1913 ist im Gegensatz zu Süddeutschland, wo schon wieder ein größerer Rückgang eingctreten mar, in Preußen keine wesentliche Veränderung zu verzeichnen.
„Wenn Sie rnorgen kämen, so gegen zehn Uhr abends" ...
„Gut, gut! — Wo sitzt er da?"
„Hier in der Ecke!"
„Ich werde am Eingang in der Nische links auf Sie warten — um zehn!"
9.
Während in Karlshorst in erster Linie Hindernisrennen geritten werden, gehört Hoppegarten dem Flachrcnnsport. Dort steigen die Jockeys in erster Linie in den Sattel. Die edlen Vollblüter tragen zum größten Teil, wenn sie nicht alte bewährte Kämpen sind, nur ein Gewicht von 48 bis 56 Kilo auf dem Rücken und dazu ist ein Training nötig, das Offiziere und andere Herren nicht durchführen können. Außerdem gehört aber auch eine Meisterschaft dazu, die zürn Teil sehr hohen Preise nach Hause „zu tragen", die nur durch eine Vorbereitung von Kindheit an erlangt werden kann. Früher ritten „Herren" und Jockeys in Deutschland oft zusammen, aber seit ungefähr dreißig Jahren ist eine reinliche Scheidung eingetreten, da es mancherlei Reibungen gab und naturgemäß die Berufs- den Herrenreitern m der „Kunst" weit überlegen waren.
Noch heute herrscht vielfach bei den Leuten, dre wenig von den Dingen verstehen, die Ansicht, daß es schwerer sei, ein Pferd gut über die Hindernisse M. steuern, wie über die flache Bahn. Ein Irrtum! Dre Berechnung, die besten Pferde, je nach Temperament und Leistungsfähigkeit „auf Warten", das heißt mr Hintertreffen zu halten und dann kurz vor dem Ziele „vorzuwerfen" und zu „führen", muß genau ausprobiert sein, denn es gibt Vollblüter, die nicht die Tete nehmen wollen und wieder andere, die sofort versagen, wenn ein anderes Pferd ihnen an die „Gurten kommt", das heißt neben ihnen im Rennen
Balkansiaatcn.
"Nach kurzem Kampfe mit den Rebellen bei Mal« puzi ist Prenk Bibü o da, auf dessen Vorrücken zum Entsatz Durazzos in Hofkreisen Durazzos große Hoffnungen gesetzt wurden, nach Jsmi zurückgcgangen. Auch von dort ist er fast kampflos geflüchtet und hat sich nach Alessio zurückgezogen. Damit ist die Stellung des Fürsten unhaltbar geworden.
"Die mannigfachen Nachrichten von einer Vereinigung Serbiens und Montenegros sind nach halbamtlichen Erklärungen verfrüht. Die serbische Regierung erklärt, daß sie amtlich noch nicht in der Lage sei, sich zu diesen vielbesprochenen Plänen zu äußern.
Amerika.
"Nach einer Besprechung mit Staatssekretär Bryan bezeichnete Präsident Wilson die Lage in Mexiko als so günstig, wie sie es den Umständen nach sein könne. Er hoffe trotz aller gegenteiligen Meldungen immer noch, daß die Vermittlung zum Frieden führen werde und glaube, daß schon viel Gutes dadurch erreicht sei, daß das gute Einvernehmen zwischen den Ver. Staaten'und dem lateinischen Amerika sich be- festigt habe.__
Der. neue „f^auticus".
über die interessantesten Einzelheiten aus dem neuen, soeben erschienenen 16. Bande des „Nauticus" wird aus Marinekreisen geschrieben: Das ausgezeichnet angeordnete Material des neuen „Nauticus" ermöglicht einen eingehenden Vergleich der Stärke der acht größten Seemächte. Legi man den Besitzstand vom 15. Mai 1914 zugrunde, so gelangt man zu folgenden Ergebnissen: Welche Schiffskategorie man auch der Betrachtung unterwirft, sie ist numerisch am stärksten immer in der englischen Flotte vertreten. Beginnen wir mit den Linienschiffen, so hat England deren 60 fertig, denen weitere 16 im Bau befindliche folgen werden. Die gesamte Wasserverdrängung der englischen Linicnschiffsklasse beläuft sich nach dem „Nauticus" auf 1462820 Tonnen. Obwohl Deutschland an zweiter Stelle folgt, ergibt sich doch ein nicht unbeträchtlicher Abstand vom englischen Status.
Die Zahl der fertigen deutschen Linienschiffe beträgt 35; ohne die 7 im Bau befindlichen gerechnet. Das Deplacement ist dementsprechend auch viel geringer, es beträgt 737 770 Tonnen, wird somit von den Ver. Staaten überboten, deren 35 fertige und 6 im Bau begriffene Linienschiffe eine Gesamtwasser- verdrängung von 762 890 Tonnen ergeben. In diesen drei Staaten haben wir also die führenden Seemächte zu erblicken. Es folgen, der Stärke nach geordnet, Frankreich, Japan, Rußland, Italien und Österreich-Ungarn. Frankreich besitzt 24 fertige. 12 im, Bau befindliche Linienschiffe, Japan 16 bezw. 4 Rußland 12 bezw. 8, Italien 17 bezw. 6. Österreich- Ungarn 15 bezw. 5. Sehr interessant ist die vergleichende Übersicht des „Nauticus" mit Bezug auf den Besitzstand der Seemächte an Großkampsschiffen. Aull hier wieder stehtEngland selbstverständlich an der Spitze. Seine 29 fertigen und 17 im Bau befindlichen Dreadnoughts sichern ihni noch aus lange Zeit hinaus einen absoluten Borsprung. Deutschland versügt zurzeit über 17 Großkampfschiffe, die noch um weitere 11 vermehrt werden. Der Besitzstand der anderen Staaten ist der Reihenfolge nach der folgende: Amerika und Frankreich besitzen je 10.
Doch während die Zahl der noch zu erbauenden Dreadnoughts in Frankreich zwölf beträgt, begnügt sich Amerika nur mit der Hälfte. Japan ist Herr von sechs Großkampfschiffen und will diese Schisfsklasse noch um weitere sechs steigern. Der russische Besitz an modernen Großkampsschiffen ist vorläufig mehr illusorisch als faküsch. Fertig hat das Zarenreich überhaupt noch keinen Dreadnought, dagegen liegen zwölf solcher Riesen auf russischen Wersten auf Kiel gestreckt. Italien mit vier bezw. sechs und Österreich- Ungarn mit drei bezw. fünf beschließen den Reigen. Aus diesen Zahlen ergibt sich. daß. wenn eininai die Floltendauprogramme ihre Erledigung gefunden
„liegt". Daher sagt man auch, das eine „kämpft sich treu nach Hause", das andere „steckt den Kampf auf".
Unter den Jockeys gibt es eine große Zahl, die Riesensummen erhallen, jährlich bis zu fünfzig-, in hunderttausend Mark. Solche Honorare können sich natürlich nur Ställe leisten, die über ein großes und vorzügliches Pserdematerial verfügen! Aber bei den hohen Preisen, mit denen die Flachrennen zum Test ausgestattet sind, verlohnt es sich, für die „Routine" ein so hohes Geld anzulegen.
Und weil an diesem Donnerstag ein Preis von 40 000 Mark zum Austrage kam. war die Hoppe- gartencr Rennbahn überfüllt. Da es sehr zweifelhaft war, welches Pferd siegen würde, redete man von einem „offenen Nennen". Es gab keinen „Favoriten", nicht eines wurde bevorzugt, sondern drei, vier in dem sieben Pferde starken Felde der „Union", die ein Vorexamen für das in Hamburg ein paar Wochen später zu laufende „Derby", der großen Zuchtprüfuug der Dreijährigen war. Die Wetter hatten ihre Lieblinge. Soviel war schon sicher, als der Starter, die rote Fahne senkend, das Feld entließ, der Sieger würde seinen Anhängern gewiß mindestens vierfaches Geld am Totalisator auszahlen lassen. -
Dce Damen Hohlsioone waren auch anwesend, ln ihrer Begleitung befand sieb der Baron Vingstorsf. Sie hatten ihn gebeten, auf ein bestimmtes Pferd mm der t Mark Sieg zu setzen. Er hatte den blauen Schern genommen und sich entfernt. Als das Rennen begonnen hatte, war er noch nicht wieder zu ihnen zurückgehrt. Nun. das war kein Wunder bei dem Menschengedränge.
Er lies am Sattelplah Wrütten über den Weg. und dem blieb nichts anderes übrig, als mit dein Tagedieb ein paar Worte zu wechsestl.
.Wohin so eilig?"

