Hus J ' fab und fern .
— Frankfurt a . M . , 25 . Febr . Am Samstag¬
abend wurden während der Slral ^ nvahmahrt von
Sachsenhausen nach dem Schauspielhause einer jungen
Dame Kleid und Mantel vollständig zerschnitten ,
ohne daß es von den Mitsahrenden bemerkt wurde .
Der Bube konnte leider bis jetzt nicht ermittelt
werden . — Der frühere Krankenhausdiener Karl
Suter , der im November v . Js . die Eisenbahn¬
schaffnerin Paula Weigel ermordet hat , gestand
im Untersuchungsgefängnis zu Schwyz , auch an der
Russin Potrc in Zürich einen Lustmord verüb ' t
zu haben .
— Hofheim i . T . , 23 . Febr . Gestern wurde
eine Scheune und mehrere Wirtschaftsgebäude mit
allen Vorräten und Geräten ein geäschert . Bei
dem Feuer kamen auch vier Ziegen und mehrere
Hühner in den Flammen um .
— Eppstein . 22 . Febr . Das Kurhaus „ Taunus¬
blick " am Stauten , das von einer englischen Ferien -
koioniegesellschatt gemietet und diesem Zwecke mehrere
Jahre dienstbar gemacht worden war , ging mit
allem . Inventar für 90 000 Mk . in den Besitz eines
Frankfurter Konsortiums über . Wie verlautet , soll
das Kurhaus vollständig umgebaut werden .
Aus der erdgescbicbtlicDcn kmuMelung
unserer engeren fieimat .
( Lehrer H . Busch - Sossenheim . )
Fortsetzung .
II . Unser Heimatgebiet , ein Binnenmeer .
( Mainzer Becken . )
Der fortgesetzte endlose Kampf der Urelemente ,
Wasser und Erde , wurde gegen Ende der Tertiär¬
zeit noch verschärft durch immer stärkere Ein¬
setzung vulkanischer Kräfte und vermehrte ( tek¬
tonische ) Erschütterungen , wie Einsturz innerer
Erdhohlräume , Erdrutschungen in größtem Ma߬
stabe , Hervorpressuirg und Quetschungen tief¬
liegender Erdgebiete über das Meeresniveau .
Die mächtigsten , massigsten Hochgebirgsketten des
Erdballes entstiegen damals dem Meere und
wurden trockenes Land . Inseln und Inselgruppen
verlandeten zu einem einheitlichen Ganzen und
wuchsen mit der Feste zusammen . Es türmten
sich die Alpen , die Karpathen und die asiatischen
Hochgebirgsriesen himmelhoch über die Fluten ;
Arabien und Oberägypten entstiegen ebenfalls
der Feuchte und unterbanden den geregelten Fluten¬
laus der Tethys ( Mittelmeer ) , deren Sterbestunde
zu schlagen begonnen hatte , und setzten ihr im
aufgetauchten Kleinasien aus ihrem Weitermarsch
nach Osten einen nnübersteigbaren Damm . Ihre
gestauten Wasser schlangen dafür sich um die
ebenfalls emporgestiegenen Alpen , als breiter
Meeresgürtel , der sich vom Rhonegebiete durch -
die Nordschweiz , Oberschwaben und - bayern bis
gegen Wien hinzog . Unter den vulkanischen
Ausbrüchen , die massenhaft erfolgten , zitterte
Deutschlands Boden bald hier bald dort , nicht
zum wenigsten auch unsere engere Heimat . Ge¬
waltige Lavamassen entquollen dem Boden der
Rhön und bildeten die Berge der sogenannten
Kuppenrhön . Und als der 40 Quadratmeilen
umfassende Gebirgsstock des Vogelsgebirges bebte
und flammte , hat unsere Gemarkung gewiß furcht¬
bare Tage miterlebt , denn Ausläufer der Lava¬
massen finden sich noch unmittelbar unter dem
Hüusergewirr des Stadtteiles Bockenheim . Durch
diese furchtbaren Naturereignisse wurde die Ver¬
bindungsstraße der beiden Meere bei Kassel , und
in Süddeutschland wurde durch weitere Hervor¬
hebung und Verlandung des Alpenvorlandes auch
die Verbindung mit der Tethys verstopft . Das
ganze Gewässer , das die oberrheinische Tiefebene ,
den Main - und Wetteraugruud füllte , war zu
einem großen Binnensee geworden . Sein Salz¬
gehalt wurde durch zahlreiche Flüsse mit beträcht¬
licher Wasserfülle nach und nach ausgelaugt .
Nicht unerwähnt mag bleiben , daß auch aus dem
östlichen Taunus ein großer Fluß seine Wasser
etwa in der Gegend von Seckbach dem Binnen¬
see einverleibte . ( Forts , folgt . )
Die Sossenheimer 0ngemein < lu « gsfrage .
Auf das „ Eingesandt " in Nr . 6 dieses Blattes wird
Folgendes erwidert :
Es ist erfreulich , datz ein zweiter Einwohner in der
so wichtigen Angelegenheit öffentlich seine Ansicht dar¬
legt . Der Sache ist es nur dienlich , wenn weitere Kreise
der Bürgerschaft sich äußern . Nicht die Meinung engerer
Kreise kann und soll maßgebend sein . Darum versuche
auch nicht ein Einzelner seinen Willen den Anderen
aufzudrängen . Der Bersasser des zweiten Artikels ver¬
mutet richtig , datz der erste Artikel zunächst einmal eine
Anregung fein soll , um die für die Sossenheimer Be¬
völkerung so wichtige Erörterung in Fluß zu bringen .
Es war allerdings eine wohlüberlegte Stellungnahme
für Höchst , fodatz schlechthin von einer „ Höchstbegeiste¬
rung " nicht gesprochen werden kann . Es ist bekannt ,
datz ein großer Teil der Bevölkerung lieber einen An¬
schluß nach Frankfurt sehen würde . Entscheidend dann
aber nur die Nützlichkeit , nicht die Zuneigung sein .
Für Viele ist die Orientierung nach Frankfurt ohne
Weiteres dadurch gegeben , weil Frankfurt das größere
und leistungsfähigere Gemeindewesen ist . Sie glauben ,
datz von dieser Seite ihren Wünschen , die in erster Linie
aus Verkehrsverbesserungen hinauslaufen , am schnellsten
entsprochen wird . Meine Mitbürger , die in schwerer
Tag - und Nachtarbeit ihrem Erwerbe in Frankfurt nach¬
gehen müssen , verstehe ich . Die Wege zu den Arbeits -
ftätten find weit , mit der Bahn recht umständlich . Viele
kostbare Zeit geht ab an ihrer Erholungszeit , sie ist
verloren für die Familie , für die Beschäftigung in Haus ,
Feld und Garten . Und wenn ich hieran denke , dann
fällt mir immer das ergreifende soziale Gedicht von
Dehmel über den Arbeitsmann ein :
„ Wir haben ein Bett , wir haben ein Kind , mein Weib .
Wir haben auch Arbeit , und gar zu zweit ,
und haben die Sonne und Regen und Wind ,
und uns fehlt nur eine Kleinigkeit ,
um so frei zu sein , wie die Vögel sind :
Nur Zeit . "
Nur Zeit ! Ja . die wollen wir gewinnen , und darum
suchen wir das Ziel zu erreichen , datz auch Sossenheim
in den Kreislauf bequemer und schneller Verkehrslinien
hineinbezogen wird . .
Die Frage , welcher Anschluß nach Osten , nach
Frankfurt , oder nach Westen , nach Höchst , der vorteil¬
haftere ist , mag zunächst offen bleiben . Bei der Wahl
spielen auch noch andere kommunalpolitische , soziale ,
wirtschaftliche , steuerliche und Schulsragen mit . Doch
hierüber mag die Ueberlegung und die Zeit eine Klärung
bringen .
Es mutz aber gerade nicht der Anschluß nach Frank¬
furt sein , der Anschluß nach Höchst hat auch etwas für
sich . In dem ersten Artikel ist dies des näheren zu¬
treffend ausgeführt . Da Sossenheim näher am Stadt¬
zentrum von Höchst als an dem von Frankfurt liegt ,
besteht die Gefahr , daß die Gemeinde durch diese größere
Entfernung zunächst eine Vernachlässigung durch Frank¬
furt erfahren könnte . Frankfurt wird naturgemäß erst
die Vororte ausbauen , die seinen : Stadtinnern am näch¬
sten liegen . Doch auch dem ließe sich durch Abmachungen
Vorbeugen .
Doch ich denke noch weiter . Ich glaube , daß nicht
die Wünsche der Bevölkerung allein entscheiden , sondern
daß auch Gesichtspunkte der allgemeinen Landesver¬
waltung maßgebend sind ; datz ferner maßgebend ist die
Beziehung der Gemeinde zu anderen Nachbargemeinden ,
z . B . Nied , und vor allen Dingen zur Nidda . Es ist
allgemein bekannt , und die Verkehrsnöte des Krieges
haben es uns wieder eindringlich gezeigt , welche Be¬
deutung den Wasserwegen zukommt . Wenn heute der
Mittellandkanal gebaut wäre , wie es seiner Zeit unser
Kaiser und seine Regierung wollten , dann gäbe es nicht
die großen Transportfchwiertgkeiten und viele hätten
heute wenigstens ihre warme Stube . Nach dem Kriege
kommt aber der Ausbau der Wasserwege sicher . Der
Bau des Main — Donau - Kanals , des Rhein — Main -
Kanals und wie die Projekte sonst noch heißen , bringt
es aber mit sich , daß die Wasserläuse um Frankfurt
eine erhöhte Bedeutung gewinnen . Der Ausbau der
Nidda ist dann aber auch nur eine Frage der Zeit . Am
unteren Lause der Nidda liegt neben Nied , über dessen
Eingemeindung nach Frankfurt oder Höchst Verhand¬
lungen schweben , aber auch die Gemarkung Sossenheim .
Grundstücke von Sossenheim liegen auf der Nieder ,
solche von Nied aus der Sossenheimer Seite . Wenn
man also diesen Fluß regulieren und ausbauen will ,
braucht man beide Gemeinden .
Weiter kommt hinzu , daß das untere Niddatal
einer Ausschließung durch Straßen bedarf , um die Ver¬
kehrs - und die wirtschaftlichen Verhältnisse der an¬
grenzenden Gemeinden zu heben . Eine Fülle neuer
und umfangreicher Ausgaben harren hier ihrer Er¬
ledigung , damit neue Verdienst - und Arbeitsmöglich¬
keiten geschaffen werden , die auch unseren vielen , einst¬
mals wieder heimkehrenden Soldaten zu Gute kommen
sollen . Diele von ihnen müssen wieder von vorne an¬
sangen und wieder neu aufbauen . Dazu benötigen sie
ein Betätigungsfeld . Jede Eingemeindung hat , wie
jede andere irdische Sache , zwei Seiten . Es ergeben
sich Vorteile und es zeigen sich Nachteile . Das Auf¬
zählen und das gegenseitige Abwägen dieser wird für
später Vorbehalten . Nur einen Punkt will ich vorweg
herausnehmen : Für volkreiche Städte und Industrie¬
orte ist es sehr wichtig , wenn sie sich durch Eingemein¬
dung ländlicher Orte ein Versorgungsgebiet für die Er¬
nährung ihrer Bevölkerung schaffen ; wertvoller wird
die Eingemeindung aber dann , wenn die die Einge¬
meindung vornehmenden Orte dadurch in den Besitz
größerer Ländereien kommen , die sie landwirtschaftlich
und gärtnerisch und in Bezug aus Viehhaltung aus¬
nutzen können . Denn auch hier stehen die Gemeinde¬
verwaltungen vor neuen Ausgaben . Die Zeiten sind
hoffentlich vorüber , wo eine Verwaltung sich nur büro¬
kratisch betätigt . Und wenn es das allgemeine Wohl
verlangt , dann mag man die „ kleine Selbständigkeit "
ruhig dafür opfern , denn manchmal ist es gar keine
wahre Selbständigkeit , nämlich dann , wenn es an der
Leistungsfähigkeit mangelt . Oftmals ist diese nur ein
schönes Wort .
Ein Bürger .
Kathol . Gottesdienst .
Wochentags : a ) 6 J / 4 Uhr 1 . hl . Messe ,
b ) 7 Uhr 2 . hl . Messe .
Freitag Abend 6 Uhr Fastenandacht .
Donnerstag : a ) best . hl . Messe für
Peter Brum 2ter , Ehest . Kath . geb . Fay ;
b ) 2 . Sterbeamt für Friedrich Schmidt .
Freitag : a ) best . hl . Messe f . d . gef .
Krieger Karl Klüber ° , b ) 1 j i vor 7 Uhr :
best . Amt f . Marg . Hescher , als Herz Jesu
Amt .
Samstag : a ) best . hl . Messe f . d . gef .
Krieger Karl Kretsch ( Schwesternkapelle ) ;
b ) best . Jahramt f . Elisabeth Matern .
Beichtgelegenheit : Samstag Nach¬
mittag 4 und abends 8 Uhr , sowie Sonn¬
tag früh von 6 % Uhr ab . Donnerstag
Nachmittag 5 Uhr wegen des Herz Jefu -
Freitags .
Das kath . Pfarramt .
Gvangei . Gottesdienst .
Donnerstag , den 28 . Februar 1918 .
Abends 71/2 Uhr Passionsgottesdienst .
Evangel . Pfarramt .
Acker auf der „ Meid "
? u kaufen oder zu pachten gesucht .
Lor . Knobling,Höchst,Kl . Taunusstr . l 3 .
Buchdrucker ^
Lehrling
gegen wöchentl . Vergütung gesircht .
Buchdruckerei K . Becker .
» ine gelbe Pferde -
‘ Wvivvvfl frcdte , gezeichnet mtt
I . K . X . , auf dem Wege nach Eschborn .
Abzugeben geg . Belohn . Hauptstraße 114 .
Danksagung .
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit
und bei der Beerdigung meines lieben Sohnes , Bruders , Kousins , Neffens
und Paten
Friedrich Schmidt
sagen wir hiermit Allen unseren innigsten Dank . Ganz besonders danken
wir den barmherzigen Schwestern im Höchster Krankenhause für die
liebevolle Pflege , den Lehrpersonen und seinen Schulkameraden für die
Beteiligung und Kranzniederlegung und für den erhebenden Grabgesang
sowie für die übrigen Kranz - und Blumenspenden und allen denen , welche
dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen haben .
In tiefer Trauer :
Jakob Schmidt und Tochter
nebst Angehörigen .
Sossenheim , den 27 . Februar 1918 .
Warenverkauf im Rathaus .
Am Donnerstag , vormittags von 9 — 10 ^ 2 Uhr ,
Zmteback , 1 Paket 25 Pfg . , nur für Kinder bis zu 2 Jahre alt , unter Anrech¬
nung auf die Brotkarten .
Am Freitag :
Ketegsmurst , 1 Pfund Jl 3 . 20 , an Nr . 501 - 650 von 9 — 10 Uhr , Nr . 650 - 850
von 10 — 11 Uhr , Nr . 850 — Schluß von 11 — 12 Uhr .
Die Reichsfleischkarten sind vorzulegen .
Am Samstag , nachmittags von 3 — 4 Uhr ,
Mbeusauerkraut , 1 Pfund 30 Pfg .
Die Zeiten sind einzuhalten . Das Geld ist abzuzählen .
Waren - Verkauf bei den Geschäftsstellen .
Am Freitag :
Marmelade . Jede Person erhält * / * Pfund .
Sossenheim , den 27 . Februar 1918 . Brum , Bürgermeister .
kommenden Sterbefällen
bringe mein reichhaltiges Lager in
‘ ~ 3h
ZK ,
fertigen Särgen
in allen Preislagen , sowie
perl - Kränze ,
Taiare , Strümpfe u . s . w .
in gefällige Erinnerung .
Johann Fay ,
Schreinerei , Taunusstrasse 13 .
5 " verkaufe « . Zu er -
WMv fragen im Gasthaus zum
Deutschen Haus . Frankfurterstraße 20 .
Einige ab zu geben .
Zentner Feldbergstr . 7 .
Eine Brosche verloren .
Abzugeben geg . gute Bel . im Verlag d . Bl .
Ein schönes , leeres Zimmer zu ver -
mieten . R iedstraße 6 .
Eine 2 - oder 3 - Zimmer - Wohnung
oder ein kleines Häuschen zu mieten
gesucht . Näheres i m Verlag d . Bl .
Junger reinl . Arbeiter sucht Schlaf -
stelle mit Kost . Näheres im Verl ag .
Eine 2 - und 3 - Zimmer - Wohnung
zu vermieten . I . Eigelsheimer , Frank¬
furterstraße , Ziegelei W . Nicol .