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Amtliches Dekanntmachungsblatt für die Gemeinde Sossenheim.

Diese Zeitung erscheint wöchentlich zweimal und zwar Mittwochs und SamStagS. Abonnementspreis Monatlich 55.00 Ml. frei ins HauS geliefert oder im Verlag, Hauptstraße 126, abgeholt.

Achtzehnter Jahrgang.

Druck und Verlag von Karl Becker Witwe in Sostrnheim.

Anzeigen werden bis Mittwoch- und SamStag- Bormittag (größere am Tage vorher) erbeten und kostet die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 5.00 Mk., bei Wiederholungen Rabatt.

Ur. 79

Bekanntmachung.

Die Sitzung des Gemeinderats und der Bau- ° Kommission findet nicht morgen, sondern am Freitag abend 8 Uhr statt.

Sossenheim, den 3. Oktober 1922.

Der Gemeindevorstand.

Freiwillige Feuerwehr.

Sonntag, den 8. Oktober, früh 7 Uhr, findet eine Uebung im Schulhof statt. Vollzähliges Erscheinen wird dringend gewünscht.

Das Kommando.

Mittmoch den 4. Oktober

in Kassel die Mitteilung, daß er der Berliner Regierung den Vorschlag unterbreitet habe, zur wirksamen Be­kämpfung des Zuckerwuchers den Jnlandszucker leicht zu färben, damit er nicht mehr als Auslandszucker zu phantastisch hohen Preisen der Bevölkerung aufgeschwindelt werden könnte.

Ein bayerischer Appell an die Reichsregierung.

Die bayerische Staatsregierüng hat an den Reichskanzler eine eingehend begründete Note gerichtet, in der sie die Reichsregierung auf den Ernst unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage hinweist und Maßnahmen anregt, die der Teuerungsnot steuern sollen.

Das neue Metallgeld. Gemäß den Beschlüssen des Reichsrats vom 27. Juli 1922 sind die Prägungen zunächst von Dreimarstücken in vollem Gang. Da sämtliche Münzstätten vorwiegend mit der Ausprägung dieser Münzgattung beschäftigt sind, werden große Mengen alsbald dem Verkehr zugeführt werden können. Auch die Herstellung von Münzen der höheren Nenn­werte steht bevor. Mit Rücksicht auf die Preissteigerung des Materials und die Erhöhung der Arbeitslöhne sowie mit Rücksicht darauf, daß der Verkehr dieser Münzen angesichts der gesunkenen Kaufkraft nicht mehr in dem Umfang wie bisher benötigt wird, ist die Ein­stellung der Ausprägung von Münzen mit geringerem Nennwert seit langem beschlossene Sache.

Fahrpreisermäßigungen auf deutschen Bahnen. Auf der Reichsbahn wird Fahrpreisermäßigung zunächst grundsätzlich für Kinder gewährt. Kinder vom 4. bis zum 10. Jahr zahlen die Hälfte. Jüngere Kinder sind frei, wenn sie keinen besonderen Platz beanspruchen. In den letzten Jahren ist wiederholt die Forderung aufge­taucht, die Freifahrt auf Kinder bis zum 6. Jahr aus­zudehnen, und Kindern bis zum 14. Jahr halbe Fahr­preise zu gewähren. Eine solche Ausdehnung würde je­doch eine Aenderung der Eisenbahnverkehrsordnung be­dingen, die wieder durch internationale Vereinbarungen in ihren Bestimmungen gebunden ist. Ferner gewährt, die Reichsbahn weitgehende Fahrpreisermäßigungen an Jugendwanderer. Sie genießen eine Ermäßigung von 50 Prozent in der 3. Klasse, wenn eine Gruppe von mindestens 10 Personen unter 20 Jahren unter sach­verständiger Führung die Reise beim Abgangsbahnhof rechtzeitig ankündigt. Die Teilnehmer müssen einem be­hördlich anerkannten Jugendpflegeverein angehören. Für längere als dreitägige Ausflüge wird diese Fahrpreis­ermäßigung nicht gewährt. Auch im Interesse der öffentlichen Krankenpflege, an mittellose Kranke, Kriegs­teilnehmer, Kriegsbeschädigte und Wanderarbeiter wird Fahrpreisermäßigung gewährt, über deren Einzelheiten die Fahrkartenausgaben Äuskunft erteilen.

Wenn im Herbst die Beete abgeerntet werden,

so ist es vorteilhaft, zu notieren, was auf dem einzelnen Beet für Gemüse gestanden hat, damit dann im nächsten Frühjahr nicht wieder das gleiche darauf gebracht wird, sondern Fruchtwechsel, der uns allein eine gute Ernte verspricht, stattfindet.

Vom Oktober. Rauh, aber meistens klar ist des Oktobers Wettereinstellung. Er gleicht in dieser Hinsicht in vielem dem März, von dem er sich lediglich durch die größere Kürze seiner Tage unterscheidet. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger, dem November, in dem trübes, regnerisches Wetter nahezu die Regel ist, pflegt der Oktober beständig und klarsichtig zu sein. Dem Landmann ist dies allerdings in manchen Fällen nicht wünschenswert. Denn der Wunsch des Landmannes im Oktober geht nach Feuchtigkeit, dennBringt der Oktober viel Regen ist's für die Aecker ein Segen", lautet die Bauernregel. Einen weiteren Anhaltspunkt bietet die Oktoberwitterung für diejenige des übrigen Winters, namentlich für die weihnachtliche Zeit. Allzukühler Oktober pflegt das beste Teil des Winters vorwegzu­nehmen:Oktober rauh" Januar flau", sagt die Bauernregel und trifft damit meistens das richtige. Andere Anzeichen, aus denen sich das winterliche Wetter Bereits im Oktober vorausahnen läßt, sind unter anderem Feldmäuse, Krähen sowie das Laub der Bäume, Krähen­ansammlung sowie das Verschwinden der F'eldmäuse von den Fluren deuten auf baldigen.Frosteintritt. Auch das lange Anhaften des Laubes im Oktober läßt auf einen strengen Winter schließen, während letzterer im allge­meinen lau und lind zu bleiben pflegt, wenn die Laub­bäume noch den ganzen Oktober hindurch ihren bunten Schmuck behalten.

. Herbstwald. In unseren Wäldern ist der Herbst eingekehrt, und das wundervolle Bild, das sich dem Auge bietet, offenbart sich umso unverfälschter, je weiter ab von den Stätten menschlichen Wohnens man seine Schönheit suchen geht. Eine Stunde genügt, um hin­reichend tief in das Waldesinnere vorzudringen. Und dann ist er gerade in gebirgigen Gegenden einfach über­wältigend malerisch. Dunkelgrüne Tannensorsten, durch

1922

die sich rote, braune und gelbe Farbinseln ziehen, wie die Klexe auf des Malers Palette. Bläulich vom Nebel verhangene Gipfel, dünnklare Herbstluft darüber, silber­weißes Sprudeln der talabwärts eilenden Bäche. Sonst aber ist der Herbstwald still. Alle seine kleinen gefiederten Sänger haben längst die Reise gen Süden angetreten. Nur das Hämmern eines Spechts, der Schlag einer Axt oder das leise Knirschen eines Sägeblatts im frischen Holze dringt zuweilen an das Ohr. Und man wandert und wandert, immer aufs neue erfreut von den ständig wechselnden malerischen Eindrücken, die sich dem Auge bieten.

Winterleger. Die Hühner können nur dann im Winter Eier legen, wenn sie eine entsprechende Fütterung erhalten. Soll ein Huhn als Legehuhn seine Pflicht tun, so muß es mehr Nahrung erhalten, als es für die Er­haltung seines eigenen Körpers braucht. Dies den­jenigen zur Mahnung, die am Futter sparen und sich dann wundern, wenn die Hühner auch mit den Eiern sparen. Tiere, die nur so viel Futter erhalten, als sie gerade zur Erhaltung ihrer Körperkräfte benötigen, können einfach nicht legen. Das Futter muß aber auch nahrhaft und abwechslungsreich sein. Es kommt also nicht nur aus die Menge, sondern auch auf die Güte an. Die teuren Körner allein tun es nicht, Knochen­schrot und nicht minder Grünfutter sind unerläßlich. Kleie und Kartoffeln allein genügen ebenfalls nicht. Weiter muß durch Anlegen von Scharräumen für ge­nügende Bewegung der Tiere gesorgt werden, andernfalls hat das gute Futter auch keinen Zweck, da die Hühner alsdann nur Fett ansetzen.

Wann soll man sich die Zähne putzen? Täglich mindestens einmal. Und wann? Vor dem Zubettgehen. Warum? Weil nachts die Gährung und Fäulnis der Speisenreste am ungestörtesten vor sich geht. Welche Zeit ist weiter zum Zähneputzen geeignet? Die nach dem Mittagessen. Welches Nahrungsmittel verunreinigt die Zähne am meisten? Käse. Am wenigsten? Früchte, die sogar reinigend wirken. Wie muß die Zahnbürste beschaffen sein? Nicht zu hart, nicht zu weich. Das Wasser? Nicht zu kalt, nicht zu heiß. Ist Schlemmkreide geeignet? Nein; denn sie reinigt die Zahnlücken nicht vollständig und ist dem Schmelz der Zähne nicht dienlich. Auch Säuren greifen an. Eine gute Zahnpaste dürfte am empfehlenswertesten sein. Im übrigen: Schon ein dreijähriges Kind muß gelernt haben, sich die Zähne zu putzen und zu gurgeln. Jedes Familienglied soll sein eigenes Zahnbürstchen besitzen. Nach dem Gebrauch ist das Bürstchen gut abzuspülen und am Tuche zu trocknen. Gebisse sind allabendlich zu reinigen. Kleine Gebisse müssen abends unbedingt aus dem Munde genommen und in ein Glas mit Wasser gelegt werden, schon, weil sie sonst im Schlafe verschluckt werden könnten.

Die neue Fassung. In der Schule hat der Lehrer für den deutschen Aufsatz das zeitgemäße Thema gestellt:Wer den Pfennig nicht ehrt ist des Talers nicht wert!" Darauf gibt Moritzchen folgenden Aufsatz ab: Sehr geehrter Herr Lehrer! Leider ist Ihnen mit dem Aufsatz ein Irrtum unterlaufen. Was ist heute ein Pfennig? Ein Kuperpfennig, wie meine Mutter noch zwei Stück hat, ist in unserer gesegneten Papier­zeit rund drei Mark wert, also ausgerechnet einen Taler. Wenn Sie vom Pfennig reden wollen, wie in dem schönen Sprichwort, dann müssen Sie immer nur Mark sagen. Die ist ja doch längst keinen Pfennig mehr wert. Da nun ein Papiertaler gerade soviel wert ist wie ein Pfennig, muß es heißen:Wer die Mark nicht ehrt, ist des Pfennigs nicht wert."

Riesenlöhne in Danzig. Der Tagelohn der Danziger Hafenarbeiter beträgt nunmehr 1200 Mark. Ueberstunden werden mit 300 Mk. aufwärts pro Stunde, Sonntag mit 375 Mark pro Stunde vergütet.

Sport.

Fußball. Am vergangenen Sonntag weilte die junge Pokalmannschaft in Kriftel und trug gegen den F.-C. 07 das fällige Kreispokalspiel aus. Durch die körperliche Ueberlegenheit Kriftels stellte sich das Resultat 7:1. Dieses Resultat entsprach aber nicht dem Spiel­verlauf. In der 38. Minute gelang es Kriftel erst, das 1. Tor zu erzielen. An Technik waren die Jungen von Germania Kriftels 1. Mannschaft vollkommen gleich­gestellt, nur die Kraft der Spieler war sehr unterschiedlich, wodurch auch sämtliche Tore gedrückt wurden.

Am kommenden Sonntag, auf Nachkerb, tritt die 1. Mannschaft gegen die gleiche von F.-C. 1910 Königstein zum 4. Verbandsspiel an. Königstein hat durch Neu­einstellung seine Mannschaft viel verbessert und ist die­selbe nicht zu unterschätzen. Anstoß 3 Uhr hier auf dem Platze an der Frankfurterstraße. Morgens 10 Uhr spielt die 1. Jugend Königstein gegen 1. Jugend Germania. Näheres Inserat in der Samstagnummer.

Lokal-Nachrichten. *

Sossenheim» 4. Oktober.

Herr Kaplan Linscherd wurde mit dem 1. Okt. nach Höhr versetzt und Neupriester Hamm zum Kaplan von Sossenheim ernannt.

Ihre Gesellenprüfung als Scheiderin hat Frl. Käthe Markart, gelernt bei der Firma Ohmeis-Maucksch in Frankfurt, mit der Notesehr gut" bestanden, und ist jetzt bei der Ausstellung von der Frankfurter Innung mit einem Diplom ausgezeichnet worden.

Die beiden Kirchweihtage sind vorüber. Das Wetter war nicht ganz einwandfrei, am Sonntag abend stellte sich Regen ein, der bis Montag früh anhielt, aber dann wieder freundlicherem Wetter Platz machte. Aus Nah und Fern waren viele Kerwegäste herbeigekommen und in unserem Dorfe herrschte starker Verkehr. Alle Wirtschaften und Tanzsäle waren gut besucht. Das alte getreue Wahrzeichen, der Kerwebaum, geziert mit Wimpeln, Fähnchen und allerhand sonstigen Gegenständen, war an zwei Schankstellen wahrzunehmen; aber auch der Kerweburjch in Form einer Puppe und in seiner originellen Aufmachung fehlte nicht. Auf dem Juxplatz, wo ein Karussell, eine Schiffschaukel und allerlei, andere Buden aufgestellt sind, amüsierte sich die Jugend unge- 4 zwungen und nach Herzenslust.

Drei Weihnachtsfeiertage stehen uns diesmal bevor, da der erste Weihnachtstag auf einen Montag fällt. Im folgenden Jahre wird Weihnachten aber gar vier Tage dauern, denn der 25. Dezember (1. Feier­tag) fällt auf einen Dienstag, der 23. ist also Sonntag; so kann man vom 22. mittags bis 27. Dezember früh im nächsten Jahre Weihnachten feiern, da der zwischen­liegende Montag als Arbeitstag kaum in Betracht kommen wird.

Der Hohenastheimer entwickelt sich diesmal vorzüglich. Infolge der günstigen Wachstumsbedingungen enthielten die zur Mostbereitung benutzten Aepfel nicht nur viel mehr Saft als voriges Jahr, sondern vor allen Dingen auch die nötige Säure, woran es den 1921ern fehlte. Der hinreichende Säuregehalt verbürgt eine gute Haltbarkeit des Neuen.

Zur Herbstkartoffelversorgung wird von wirt­schaftlicher Seite geschrieben: Die Spätkartoffeln, deren Ernte in normalen Jahren gegen Ende September be­ginnt, sind infolge der anhaltenden nassen Witterung noch grün; es verbietet sich, die Spätkartosfeln vor der Reife auszumachen, weil die Haltbarkeit der unreif ge­ernteten Kartoffeln sehr gefährdet ist. Es heißt ange­sichts dieser verhängnisvollen, aber durch kein Mittel zu bessernden Lage:Die Ruhe bewahren"! Es wird die ernste Sorge der Verkehrsorganisationen fein müssen, wesentlich vermehrte Transportmittel bereitzustellen, um die Beförderung der Spätkartoffeln in der verbleibenden frostfreien Zeit rechtzeitig zu bewirken.

Die innere Not. Der Ausschuß des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hat in seiner Sitzung am 29. 9. eine Entschließung zur wirtschaftlichen Lage angenommen, in der eine Aenderung der Wirtschaftspolitik in der Richtung zur Gemeinwirtschaft gefordert wird. Es sei eine wirtschaftliche Organisation herbeizuführen, die der kapitalistischen Ausbeutung durch Privatmonopole ein Ende mache und den wahren Zweck einer organisierten Wirtschaft, die Deckung des Bedarfs der Gesamtbe­völkerung zur Erfüllung bringe. Der Ausschuß verkenne jedoch nicht, daß die Hauptursache der wirtschaftlichen Notlage des deutschen Volkes in dem außenpolitischen Drucke liege. In Uebereinstimmung mit dem Beschluß des englischen Gewerkschaftskongresses fordere deshalb der Ausschuß des Allg. Deutschen Gewerkschaftsbundes, daß im Interesse des Wiederaufbaues Europas die die Gewaltpolitik gegen Deutschland endlich aufhöre und der Weg zu einem wahren Frieden und zur Versöhnung der Völker eingeschlagen werde.

Zur Bekämpfung des Zuckerwuchers. Ober­bürgermeister Scheidemann machte in einer Versammlung

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