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Der fernflug Berlin—Men.
© Das Ergebnis des Fernfluges Berlin—Wien stellt sich nunmehr wie folgt dar: Als einziger der acht gestarteten Flieger hat der Deutsche Hirth das Ziel, den Flugplatz Aspern bei Wien, erreicht. Sein Mitbewerber. der Österreicher Csakay, muhte nach einem Fluge durch Gewitterstürme infolge Nebels 14 Kilometer vor dem Ziel landen, wobei sein Apparat so schwer beschädigt wurde, daß an einen Weiterflug nicht zu denken war. Der Österreicher Bergmann verflog sich auf der Fahrt von Breslau nach Wien in der Nähe von Troppau und landete auf eine Waldlichtung, von wo aus er keinen Abflug hatte. Der Deutsche Krieger hat in Breslau die Weiterfahrt aufgegeben. Die andern vier Teilnehmer (8 waren von 11 verblieben) gaben bereits nach der Abfahrt auf. Dementsprechend findet die
Preisverteilung
wie folgt, statt. Da der Sieger Hirth, der nach den Forderungen des Wettbewerbes eigentlich allein für den ersten Preis in Frage kommt, in ritterlicher Weise auf Protest verzichtet hat, konnte das Preisgericht, das Csakay als in Wien gelandet erklärt hat, die Summe von 47 060 Kronen zwischen Hirth und Csakay (Leutnant Blaschke) im Verhältnis von 7 :1 teilen. — Von dem Kilometerpreis (20 000 Mk.) erhalten Hirth 6100, Csakay (Leutnant Blaschke) 6000, Bergmann 4350, Krieger 850 Mk. Von den Preisen der Städte Berlin und Breslau erhalten Hirth 5000 Mk., Csakay 3000 Mk., Bergmann 2000 Mk.; ferner erhält Hirth 5000 Mark als erster in Wien Angekommener. Der Start- preis von 5000 Mark soll als Trostpreis verwandt werden, wobei auch Krieger berücksichtig^ werden dürfte. — Den ersten Preis des preußischen Kriegsministeriums von 6000 Mk. erhält Hirth, außerdem erhält er den Ehrenpreis der Stadt Wien und den Ehrenpreis des Prinzen Friedrich Sigismund von Preußen. — Csakay erhält den Ehrenpreis des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, außerdem den Preis des Landes Niederösterreich. — Für vorzügliches Führen der beiden Sieger erhalten Husarenleutnant Schüller den Ehrenpreis von Baron Konstantin v. Eco- nomo, Oberleutnant Nietner den Ehrenpreis des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. — Es
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erblicken und sie demgemäß viel mehr als bisher unter- stützen müßte. _
politifcbe Rundfcbau.
Deutschland.
*Kaiser Wilhelm hat in H a n n o v e r die Königs-Ulanen besichtigt. Der Monarch trifft am 16. d. Mts. in Hamburg ein, von wo aus mit der „Hohenzollern" die Fahrt nach Brunsbüttel erfolgt, wo der Kaiser an der Segelwettfahrt des Norddeutschen Regattavereins und • dem Regatta - Festmahl auf der „Viktoria Luise" der Hamburg-Amerika-Linie teilnimmt.
* Der ehemalige Reichskanzler Fürst B ü l o w ist mit feiner Gemahlin zu längerem Kurgebrauch auf Norderney eingetroffen. Die Blättermeldungen, daß auch der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg während der Monate Juli und August auf der schönen Nordsee- Insel Aufenthalt nehmen wird, bestätigt sich nicht.
Freiherr v. Erffa f.
Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, Frhr. v. Erffa, ist bald nach dem Schluffe der Session, in der er unter aufsehenerregenden Konflikten mit den Sozialdemokraten die Verhandlungen des Hauses geleitet hat, nach einem Schlaganfall verschieden. Herr v. Erffa wurde am 31. Juli 1845 zu Ahorn geboren. Er studierte Nationalökonomie, Jura und Landwirtschaft und machte den Krieg gegen Frankreich mit. Als Vorstand der sächsischen Landwirtschaftskammer, des Deutschen Landwirtschastsrates und des Landesökonomiekollegiums sowie andrer Körperschaften gehörte er zu den Führern der deutschen Landwirte. Im Abgeordnetenhause vertrat er den Wahlkreis Erfurt; er gehörte der konservativen Partei an.
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man in Betracht zieht, daß Wind und Wetter die Erfolge der Flugtechnik immer beeinträchtigen werden, wenn man nicht verlangt, aus der Flugmaschine schnellstens ein Beförderungsmittel gemacht zu sehen, so darf man den Wettbewerb Berlin—Wien als einen Erfolg bezeichnen; , denn vier von acht Maschinen haben den Beweis erbracht, daß sie zur Aufklärung und Nachrichten- Vermittlung im Ernstfälle sehr wohl geeignet sind. Was der deutschen Flugtechnik fehlt, das ist die Begeisterung des ganzen Volkes, das, wie in Frankreich, in der Flug- fechnik einen bedeutsamen Teil der Landesverteidigung
* Wie verlautet, wird der Bundesrat noch vor der Sommerpause, also im Laufe dieses Monats, Vorschläge zu einer Verordnung über das Inkrafttreten der noch nicht in Geltung gesetzten Teile der Reichs-Versicherungsordnung beschließen. Man wird damit rechnen müssen, daß mit Rücksicht auf die außerordentlich umfangreichen Vorarbeiten, die in den größeren Bundesstaaten für die Neuordnung der Krankenversicherung zu bewältigen sind, das zweite Buch der Reichs-Versicherungsordnung — die Krankenversicherung — erst am 1. Januar 1914 in Kraft treten wird. Die in den nächsten Wochen zu erwartende kaiserliche Order wird hierüber Klarheit bringen. Das dritte Buch der Reichs-Verfichernngsordnung, die Unfallversicherung, wird jedenfalls am 1. Januar 1913 in Geltung gesetzt werden.
* Im Reichsamt des Innern ist man schon fetzt mit' der Vorbereitung der neuen Handelsverträge beschäftigt, die noch vom jetzigen Reichstage • (falls er fünf Jahre beisammenbleibt) zu verabschieden sein werden. Es ist von der Regierung nicht beabsichtigt, wieder einen neuen Zolltarif aufzustellen, vielmehr soll der bestehende, der sich im ganzen bewährt hat, nur im einzelnen verbessert und ergänzt werden, sei es infolge technischer Fortschritte oder praktischer Erfahrungen auf dem Gebiete der Handelsverträqe oder infolge Verschiebungen der Produkiionsverhältnisse der in Betracht kommenden Länder sowie auch Deutschlands selbst. Es wird der Anspannung aller beteiligten Kräfte bedürfen, um sie so rechtzeitig fertigzustellen, daß die neuen Handelsverträge vor Ablauf der jetzigen, also vor dem Jahre 1917, abgeschlossen werden können.
* Die zur Vorbereitung des Antrages auf Schaffung einer Landesflagge für Elsaß-Lothringen eingesetzte Kommission der Zweiten Kammer hat beschlossen, die Regierung um Fertigstellung einer bezüglichen Vorlage für die nächste Session zu ersuchen. Dieser Beschluß ist durch die Frage entstanden, welche Stelle befugt ist, über die Landesflagge Elsaß-Lothringens zu bestimmen. Zugleich hat die Kommission einen Beschluß gefaßt, der die Regierung ersucht, der Landesflagge Elsaß-Lothringens die Farben Weiß-Rot-Gelb in wagerechter Anordnung zu geben.
* Vor einigen Tagen ist in L ü d e r i tz b u ch t (Deutsch - Südwestafrika) eine Funkentelegraphen st ation (Küstenstation) für den allgemeinen öffentlichen Verkehr mit Schiffen in See eröffnet worden.
Österreich-Ungarn.
*Jm Laufe der Untersuchung wegen des Attentats auf den königlichen Kommissar C u n a j ergab sich, daß noch weitere Attentate auf hochgestellte Persönlichkeiten geplant waren. Der Attentäter Jukic erklärte, daß ein Komplott zur Ermordung bestimmter Personen bestand. Es sind bereits mehrere Mitschuldige verhaftet worden.
Baltanstaaten.
© Beunruhigende Meldungen kommen von der russisch-türkischen Grenze. Es heißt, Rußland sowohl als die Türkei ziehen dort Truppen zusammen und treffen auch sonst Vorbereitungen, die kriegerischer Natur sind. In der Türkei stehen augenblicklich eine halbe Million Mann unter Waffen. Sie sind zum Teil zur Bekämpfung des Aufstandes in Albanien, zum andern Teil zur Abwehr eines (mit jedem Tage wahrscheinlicher werdenden) italienischen Einfalls und endlich zum Schutz der Grenze gegen Rußland, das man in der Türkei mit großem Mißtrauen betrachtet, bestimmt.
Afrika.
* Auf Grund der Vereinbarungen zwischen der französischen und deutschen Gesandtschaft in Tanger tritt in Larrasch eine Kommission zusammen, um die Angelegenheit des Überfalles auf die Farm Renschhausen und die Gefangennahme mehrerer Deutschen in Nord-Marokko gemäß dem deutsch-franzö- sischen Abkommen zu regeln.
Die Verufsverhaltnifse studierter zrausn.
Die von der Abteilung „Frauenstudium" seinerzeit in Umlauf gesetzten Umfragen hatten u. a. auch zum Gegenstand die Berufsverhältnisse der auf dem Universitätsstudium beruhenden Frauenberufe. Die Ergebnisse dieser Umfragen werden jetzt veröffentlicht und sind folgende: An medizinischen Instituten fanden bisher Frauen Beschäftigung in Heidelberg, Greifswald, Jena, Berlin, Marburg und München; an naturwissenschaftlichen Instituten sind Frauen beschäftigt in Bonn, Halle, Jena, Heidelberg, Würzburg und Münster. Von 172 erprobten Ärztinnen, die es am 1. Januar 1912 in Deutschland gab, liefen auf die ausgesandten Fragebogen nur 123 Antworten
K Siegende Liebe.
13j Roman von Paul Bliß.
iFortseemig.
Tannhäuser im Venusberg . . .
Und dazu eine Musik, so voll von schwüler und berauschender Leidenschaft, daß eine selige, schaurige Wonne durch die Herzen der Hörer bebte.
Elsbeth saß da wie verzaubert — auch sie erbebte in heimlicher, seliger Wonne, auch sie war hinübergehoben ins Reich der märchenschönen Phantasie, in den prachtstrahlenden Zaubergarten, in das herrliche, prangende Reich dieser Liebesgöttin . . .
Plötzlich fühlte sie den Druck einer Hand — plötzlich spürte sie an ihrem Ohr einen warmen Hauch und hörte leise, kaum hingehauchte Worte.
Er war esl Er! Erl — Sie erbebte vor Wonne.
Und wieder einen Händedruck, lange und innig . . . und wiede? leise -flehende, zitternde Worte.
„Ich Hab' dich lieb I Unsagbar lieb Hab' ich dich I"
Sie saß da wie in Verzückung — sie schloß die Augen, sie wagte nicht, sich zu bewegen — wie in einem Feenreich, so lebte ihre Phantasie auf und schwelgte in trunkener Freude.
Wieder erklang die leise Stimme, flehend in bebender Leideuschaft: „Elsbeth, ich habe dich lieb, unendlich lieb! Sei mein! Sei mein, du süßes Mädel I Sei mein!" -
Und sie fühlte seine zitternde Hand in der ihren, sie fühlte den festen, innigen Druck — und auf einmal, ehe sie noch recht wußte, wie es gekommen war, hatte sie seinen Händedruck erwidert, ebenso fest, ebenso innig.
Da hielt er bebend ihre Hand fest und flüsterte:
„Hast du mich lieb? Nur ein Wort, bitte, ein einziges Wort I"
Und da antwortete sie mit einem glückvollen Blick und nickte ihm zu.
„Dank! Dank!" — Zärtlich streichelte er ihre Hand.
Aber da räusperte sich der hinter ihnen sitzende Hörer, und von nun an waren sie still.
Elsbeth saß da und rührte sich nicht — sie lebte wie in einem herrlich schönen Traum, aus dem sie nie, nie wieder zu erwachen wünschte.
Von Akt zu Akt wurde sie bewegter, und als im letzten Akt der heimatlose Tannhäuser an der Bahre Elisabeths zusammenbrach, da rannten ihr die Hellen Tränen über die Wangen.
Erst als sie draußen waren und die frische Luft ihnen entgegenflutete, da erst kam sie nach und nach wieder zu sich.
„Meine Damen, wenn wir jetzt noch mit dem Zug mitwollen, dann ist es hohe Zeit," mahnte Fritz Fröhlich. „Oder wollen die Damen über Nacht in einem Hotel logieren und dann morgen mit dem ersten Zug fahren?"
Entsetzt rief die alte Frau: „Um Gottes Willen nicht! Dann ließen die Nachbarn kein gutes Haar an uns I"
Man stieg also in eine Droschke und fuhr zur Bahn, wo sie gerade noch zur rechten Zeit ankamen.
Im Coups saß das junge Paar nebeneinander, Frau Bürger ihnen gegenüber in der Ecke.
„Ach, nun geht's wieder zurück in das Nest!" stöhnte Elsbeth, als sie abfuhren.
„Sei nicht undankbar, Kind," ermahnte die Mutter sie, „wir haben es nicht schlecht dort."
„Zu hungern freilich brauchen wir ja nicht, denn
unsre Arbeit ernährt uns — aber geistig verkommt man doch vollständig," sagte Elsbeth bitter.
„Mein Kind, du bist jung, das Leben liegt noch vor dir, du kannst noch genug hören und sehen."
„übrigens ist es ja gar nicht so weit nach Berlin, wie Sie nun gesehen haben," rief Fritz herüber.
Mit glückstrahlendem Blick sah Elsbeth ihn an, dann reichte sie ihm die Hand hin. — „Sie haben mir einen so großen Genuß verschafft, daß ich dieses Erlebnis nie wieder vergessen werde! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür!"
Auch die alte Frau dankte ebenso herzlich.
„Aber meine Damen, ich bitte Sie! Das war doch nur eine schwache Gegenleistung meinerseits; Fräulein Elsbeth hat mir durch die Sitzung ja viel mehr gewährt!" — Er hätte der Kleinen gern mehr gesagt und hätte auch versucht, seine Blicke reden zu lassen, aber er wagte es nicht, denn die Mutter hatte während der Oper etwas gemerkt und achtete seitdem mit scharfen Augen auf alles, was geschah. So mußte er also auf einen unbewachten Moment warten.
Aber er wartete umsonst. Die alte Frau, obschon , sie in der Ecke saß und den Kopf anlehnte — sie | schlief nicht ein. - j
So drehte sich während der ganzen Fahrt das ! Gespräch um alles, was man heute gehört und gesehen ; hatte, und nicht einziges Mal konnte er feiner Kleinen ! verstohlen die Hand drücken. j
Kurz vor Mitternacht kamen sie daheim an.
„Wenn nur kein Mensch da sein möchte!" flüsterte j die Mutter der Tochter zu, die lächelnd die Schüller j zuckte. r
Und sie hatten Glück. Der Bahnsteig war leer. Nur allein der Herr Vorsteher mit einem Schaffner war da. Aber als der die drei Personen aussteigen sah,
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