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Das aber sehen die gläubigen Anbeter des -Herrn Re­gazzoni nicht ein. Sie sagen vielmehr: R. ist unser Pro­phet, an ihn muß man glauben; „wer nicht-überzeugt sein will, ist nicht zu überzeugen." Wenn dann Andere be­richten, eine unempfindlich Magnetisirte habe vor Schmerz geschrieen, sei aufgesprungen und davongelaufen, so nennen sie das einen durch feige Lüge entstellten Bericht, weitste nur geschrieen hat und aufgesprungen ist, am Fortlaufen aber verhindert ward.

Ueber die Materie selbst ist sich, unserer Meinung nach, mit den Jüngern des Magnetiseurs gar nicht in Federkrieg einzulassen; denn diesen Herren (wenigstens so weit sie aus der Namensunterzeichnung im Jntelligenzblatt bekannt ge­worden sind) geht ja jede naturwissenschaftliche Bildung so weit ab, daß sie nicht allein nicht verstehen, eine natur­wissenschaftliche Beobachtung und Erfahrung zu machen, son­dern daß sie offenbar nicht einmal ahnen, wie viel dazu gehört.

Ueber den Standpunkt dieser sich zu einem Urtheil be­fähigt Glaubenden noch ein Wort.

Manche der Unterzeichneten hielten es für sehr revo­lutionär, wenn Taglöhner u. dgl. Leute eine politische An­sicht haben oder Wahlrechte ausüben wollten. Ist es nicht ebenfalls revolutionär, wenn Leute ohne alle naturwissen­schaftliche Kenntnisse auf das oberstächlichste Zuschauen hin ein Urtheil abzugeben sich erdreiften über „Naturgeheim­nisse"? Ist das nicht die Revolution der Ignoranz gegen den durch tausendjährige Forschungen mühsam erreichten heutigen Stand der Naturwissenschaften? Allerdings ist nirgends fortwährendes Revolutioniren und Bezweifeln noth- wendiger als im Gebiet der Naturwissenschaften; aber nicht von Seiten der Ignoranz, sondern von Seiten der vorwärts strebenden Wissenschaft. Oder ist der Wissensdurst jener weisen Urtheilssprecher etwa so groß, daß sie fortan Physik und Chemie studieren wollen, um sich eine solide Grund­lage zu verschaffen zu einem Urtheil über Magnetismus?

Eine der traurigsten Erscheinungen unserer Zeit ist die auf dem Boden verkehrter Bildung wuchernde Verstachtheit, Blasirtheit und Frivolität. Jede ernste Thätigkeit wird ge­mieden, der Lebensgenuß nicht in der eigenen Weiterbil­dung gesucht, sondern in Sinnenkitzel, sei es durch Pepita oder Regazzoni. Es ist auf diesem Weg eine große Masse geistigen Proletariats herangewachsen, viel tadelnswerther als das Armuths-Proletariat, welches durch die socialen Schwierigkeiten, in welchen es erwuchs, sich nicht durch­arbeiten konnte, während jenes geistige Proletariat, in günstigeren Verhältnissen ausgewachsen, sich nicht durchar- beiten wollte zu Ernst und zu gründlicher Bildung. Die Bildung überhaupt dieser Art Leute muß man zu bessern suchen, sie aber im einzelnen Falle, wie beim Somnam­bulismus, von der Jrrthümlichkeit ihrer Ansichten über­zeugen zu wollen, ist vergebliches Bemühen. Es sind ja dieselben Subjekte, welche an Heren, Gespenster, Berufen, Tischrücken, Klopfgeister und Hellsehen glauben. In dieser Rücksicht finden wir auch, daß mehrere der zu einer Prü­fungs-Commisston des physikalischen Vereins vorgeschlage­nen Herren (u. a. die Herren Prof. Böttger, vr. Söm- merring, Spieß, Varrentrapp) Recht hatten, wenn sie dies Mandat nicht annahmen, indem mit auf Geldertrag berech­neten Kunststücken eine wissenschaftliche Prüfung vor­zunehmen nicht angemessen ist.

Daß Herr Regazzoni eine Prüfung überhaupt nicht wollte, hat er übrigens nicht nur in seinen Vorstellungen, sondern auch durch seine Erklärung an den physikalischen Verein gezeigt. Im Jntelligenzblatt vom 11. d. hatte er erklärt, gerne vor dem physikalischen Vereine seine Ver­suche wiederholen zu wollen; als aber von der Commission dieses Vereins die Forderung gestellt wurde, daß sie die Personen und-den Ort für das Erperiment bestimmen könne, schrieb Herr R. ab, und die Commission gab, diesem Flüchtling gegenüber, ihr Mandat in die Hände des Ver­eins zurück.

Wer sich weiter für- die Sache interessirt, dem rathen wir zum Schluffe noch, verschiedene Artikel in Züricher und Baseler Zeitungen über Herrn R. und dessen polizei­liche Ausweisung aus Zürich zu lesen; sie finden sich in der letzten Nummer des „Volksfreundes" abgedruckt.

Kartoffelverkauf.

Der Kartosselverkauf in kleinen Quantitäten zu dem Einkaufspreis, der von einigen hiesigen Bürgern unter­nommen ward, um der durch Hemmungsmaßregeln benach­barter Regierungen künstlich hervorgerufenen Theuerung entgegenzuarbeiten, scheint von gutem Erfolg gekrönt zu werden. Die Preise auf dem Markte sind seit der Eröff­nung des Kartosselkellers auf der Langenstraße No. 4 eher herabgegangen als gestiegen, was sonst, namentlich in Folge der neuesten verschärften Ausfuhrbeschränkung im Groß- herzogthum Hessen (vom 25. Oktober) gewiß in bedeutendem Maße der Fall gewesen sein würde. Sie stellen sich gegen­wärtig durchschnittlich auf 4 1 /» fl. das Malter. Es wur­den am 23., 24., 29., 26., und 27., so viel wir erfahren haben, ungefähr 110, 118, 125, 80 und 84 Malter im Kartoffelkeller verkauft, und zwar der großen Mehrzahl nach in Quantitäten von 2 und von 4 Gescheid. Da hierzu fortwährend 3 Waagen im Gange waren und genaue Beaufsichtigung beim Wägen ,und Geldeinnehmen nothwendig ward, gesellten sich den ursprünglichen Un­ternehmern mit größter Bereitwilligkeit noch mehrere andere hiesige Bürger zu; das Recheneiamt deputirte einen seiner oberen Beamten dazu. Die Eisenbahn- Beamten der hiesigen wie der benachbarten Stationen wetteiferten in Bereitwilligkeit, obgleich sie außerordentlich viel in Anspruch genommen sind, so lange die Ausfuhr jeder einzelnen Quantität Kartoffeln großen Erschwerungen und Weitläufigkeiten unterliegt. — Allen diesen vereinten Bemühungen wird es sicher gelingen, den Bewohnern Frankfurts zu mäßigem Preise Kartoffeln von vorzüglicher Qualität zu verschaffen. Wahrscheinlich werden bis Ende nächster Woche die nöthigen Vorkehrungen getroffen sein, um auch bis zu 5 Malter an einen Abnehmer abgeben zu können.

Frankfurt. (Irrenhaus.) Die Zusammenstellung der einzelnen Unterzeichnungsliften ergab nach der Mit­theilung, welche dem größeren Comite in seiner Sitzung vom 27. d. gemacht wurde, etwas über fl. 43,000, welche bis jetzt zur Errichtung eines neuen Irrenhauses außerhalb der Stadt hier gesammelt worden sind.

Für den verantwortlichen Redactionsausschuß: vr. Jucho. — C. Naumann's Druckerei.