die meisten Hoffnungen gebaut «ahm ein böseS, uubuß- fertiges Ende. Er starb einen blutige» Tod in Folge einer wilden Liebesgeschichte entweder im Duell, oder als Selbstmörder, oder endlich durch Mörderhand. Mau fand ihn eines Tages in seinem Blut, eine Kugel in der Brust und er hauchte sein Leben auS, hartnäckig jede Auskunft und die Sterbesacramente verweigernd. So fiel die ganze reiche Erb­schaft der Kattenau's dem Baron Andreas zu, denn Fräulein Ursula erhielt nur den Autheil einer Tochter; er war damals Gesandtschafts-Attaches in Paris. Aber eS gefiel ihm nicht in Westphalen, er verkaufte sein Erbgut und kaufte sich hier au. Es gibt zwar auch hier viele Katholiken," belehrte mich Frau Ludmilla,aber die Pfaffen herrschen nicht, und das ist ein großer Unterschied."

Mir schwindelte der Kopf, während die Alte sprach und ich dem überreichen Mahl nur wenig zusprecheu konnte. Sie sah mir die Erschöpfung an meinen immer größer und starrer wer­denden Augen au und stand plötzlich auf.

Du mein herzliebster Heiland, waS würde Baron Andreas sagen, wenn er Sie sähe! Nur schnell zu Bett, liebes Kind! Ich schlafe neben an, wenn Sie etwas brauchen, so ziehen Sie nur die Glocke!"

Ich glaube, ich war entschlafen, «och ehe ich ganz im Bette lag. Noch eine Weile hörte ich im Halbschlaf die Alte ab- und zugehen, mit den Tellern klappern. Dann hörte ich nichts mehr und endlich träumte ich von den vier Geschwistern Kattenau. Ich sah den wilden Carl Friedrich fich in seinem Blute wälzen, während Haus Jacob das Crucifix über ihn hielt und Ursula die gefalteten Hände rang. Baron Andreas aber lehnte au einem Baum, sah mit halbgeöffneten Augen auf seine Geschwister, zuckte die Achseln und strich die Asche von seiner Cigarre. Dann kam ein Zug von Ursulinerinnen, der, seltsam genug, von Ignaz und Johann geführt wurde. Johann trug die gestickte Klosterfahne. Nachdem mich das Alle- nicht im Geringsten in Verwunderung gesetzt hatte, wie es im Traum zu geschehen pflegt, verschwand auch dieser bunte Zug und mein Schlaf wurde selbst für Träume zu tief und zu fest.

Die Klosterregel lag mir noch im Blut, sie war stärker als die Erschöpfung von der Reise, mit dem Glockenschlage sechs wachte ich auf. Ich sah mich verwundert, befremdet um. In der Strafzelle des Klosters Heiligenkreuz hatte ich zuletzt geschlafen, der Uebergang war zu plötzlich geschehen, ich konnte mich in die neue Umgebung nicht sofort finden. Einige ver- rätherische Lichtstreifen fielen in daS Zimmer, dieser kostbare Toilettentisch, dieser schwellende Teppich, dieser blitzende Spiegel waS hatte ich mit ihnen zu thun. Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen, mich freuen oder ärgern sollte. Ich hatte große Lust, meinen Onkel um ein einfaches Zimmer zu bitte». Dann wieder fiel mir ein, daß er eS als Undankbarkeit empfinden oder eS unpassend finden könnte, ich mußte mich also schon ergeben. Ich stand auf, kleidete mich an und da im Hause noch Alles still blieb, wagte ich nicht, mein Zimmer zu verlassen, ich zog daS Rouleau auf, öffnete das Fenster und sah hinaus.

(Fvrtsetzmrg folgt.)

Gesetz imd Fr«.

41) Roma» von Wilki« Colli« s.

«us de« Englische« von «. v- Wist er selb.

VierundzwavzigsteS Capitel.

Meserrimus Derter. Erste Begegnung.

Die Sonne verbarg fich hinter schweren Wolken, und die frühe herbstliche Dämmerung begann hemiederzufinken, als wir noch unterwegs waren.

Wir nahmen, wie ich bemerken konnte, dleMichtuug nach der großen nördlichen Vorstadt Londons.

Ueber eine Stunde laug rollte der Wagen durch ein Labyrinth von Straßen, die immer enger und enger, immer schmutziger und schmutziger wurden. Daun kamen wir bei zunehmender Dunkelheit über wüste unbebaute Flächen. Und hinter diesen lagen einige zerstreute Häusergruppen dunkel in der dunkelnden Atmosphäre. Der Anblick wurde immer trauriger, bis der Wagen endlich hielt, und MrS. Macallan mir mit scharfem, ironischem Tone aukündigte:

Wir find am Ziele unserer Reise. Dies ist Prinz Dexter's Palais. Wie gefällt eS Ihnen?" Ich blickte mich um und wußte nicht, waS ich davon denken sollte.

Wir verließen den Wagen und standen nun auf einem un­geebneten KieSpfade. Rechts und links erblickte ich im Abend­dunkel mehrere im Bau begriffene Häuser, im ersten Stadium ihres Daseins. Ueberall lagen Bretter, Balken und Steine umher, und riesenhafte schaffotähnliche Gerüste erhoben fich aus dieser Einöde, wie große Bäume ohne Zweige und Aeste. Hinter unS breitete fich ei» noch gänzlich unbebauter Platz auS, aus dem weite Kalkgruben geisterhaft emporleuchteten. Vielleicht hundert Schritte vor uns unterschieden meine, fich an das Dunkel gewöhnende Augen ein niedriges langes Haus mit einer Hecke von wucherndem Immergrün vor seiner Front. Der Diener ging unS voran und führte uns durch Steinhaufen, über Austernschaalen und zerbrochenes Küchengeräth dem Gebäude zu. Und dies war Prinz Dexter's Palais.

Mt Mühe fanden wir eine Klingel. Als der Diener fie zog, klang fie beinahe so laut wie eine Kirchenglocke.

Während wir darauf warteten, eingelaffen zu werden, deutete Mr. Macallau auf das alte Haus.

DaS ist auch eine von seinen Thorheiten," sagte fie. Speculanten haben ihm für den Grund und Boden, auf dem die alte Baracke steht, mehrere tausend Pfund geboten. Sie war ursprünglich das herrschaftliche Gebäude dieses Difiricts. Dexter kaufte es vor vielen Jahren in einer seiner abenteuer­lichen Launen. DaS alte Ding fällt ihm beinahe über dem Kopf zusammen, und das gebotene Geld würde er gut ge­brauchen können. Aber nein! Er wkeS die Speculanten mit folgenden Worten ab:Mein HauS ist ein stolzes Monument deS Pittoresken und Schönen zwischen den häßlichen, entwür­digenden und abgeschmackten Constructionen einer häßlichen, entwürdigenden und abgeschmackte» Zeit. Ich behalte mein Haus, Gevtlemen, als eine lehrreiche Lectio» für Sie. Be­wachen Sie es, während Sie rund um mich her bauen, und erröthen Sie, wenn Sie es können, über Ihr eigenes Werk."

Doch still! Ich höre Schritte im Garten. Da kommt feine Cousine. Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, weil Sie fie sonst im Dunkeln für einen Mann halten könnten." Eine rauhe tiefe Stimme fragte von jenseit deS ThoreS. Wer ist da?"

Mrs. Macallau", antwortete meine Schwiegermutter.

WaS wünschen Sie?"

Wir wünschen Herrn Dexter zu sprechen."

Sie können ihn nicht sprechen."

WeShalb nicht?" '

Wie war Ihr Name?"

Macallan. MrS. Macallan. Eustace MacallanS Mutter. Nun werde» Sie mich verstanden haben."

Die Stimme murmelte Etwas vor fich hin, daun knarrte das Schloß der Gartenthür, und wir wurden eingelaffen.

In dem Dunkel der Gebüsche konnte ich nur unterscheiden, daß die Cousine einen Männerhut trug. Nachdem fie das Thor wieder geschloffen, führte fie uns, ohne ein Wort der Bewill­kommnung nach dem Hause.

Eine hübsche Familie," flüsterte mir meine Schwiegw- mutter zu.Diese Coufine ist daS einzige Frauenzimmer im Hause und außerdem schwachsinnig."

Wir traten in einen geräumigen Flur mit niedriger Decke,

8 welcher von einer kleinen Oellampe uothdürftig erleuchtet war.