der verschwundenen todten „Margarethe" wieder eine lebende 8 „Pauline", welche mit dankbarem Siegeslächeln, außer Lorbeer- I kranz und abermals 1000 Thalerv, auch die Herzensgabe der hohen Anerkennung in Empfang nahm.
Unter den Mitwirkenden zeichnete sich vornehmlich Herr Brandes als „Valentin" aus. Nur sein arg polterndes Hinfallen wirkte geradezu komisch.
Bezüglich der nach dem Abgänge von Fräulein Oppenheimer hier gastirt habenden Damen ist im Allgemeinen zu bemerken, daß Fräulein Korb schon nach der ersten Leistung von Publikum und Direktion einen „Korb" bekam, und daß mau mit dem etwa- brauchbaren Fräulein Winter sich nicht einigen konnte. Die Anfängerin, Fräulein Prell aus München, leistete als „Acuzena" so ErfreulichrS und zu den besten Hoffnungen für Fortschritt Berechtigendes, daß fie eugagirt wurde. Zeichnete fie sich seither als „dritte Dame der Königin der Nacht" und als „Margarethe" in der „weißen Frau" durch stimmlich schönen und geschmackvollen Gesang, auch lebhaftes Spiel auS, so muß man sich doch wundern, daß sie im „Haideschacht" die so recht für sie paffende Partie der „Helge" noch nicht übernommen hat.
Ueber Frau Reger, welche, wie eS hssißt, bloS provisorisch eugagirt ist, haben wir uns schon gelegentlich ihres „Pie- rotto" ausgesprochen. Seither sahen wir fie als „Nancy" in Flotow'S „Martha", welche Partie fie gesanglich meist ansprechend, im Spiele zu matt durchführte. Leider steht ihre Stimmkraft nebst Klang bei den tiefen Tönen in keinem richtigen Verhältnisse zu den schwachen, dünnen, fast metalllosen mittleren und höheren Tönen.
Herr Walter von Wien, ein seit Jahren hier gern gesehener Gast, begann seine Darstellungen mit dem „Georg" in Boieldieu's „weißer Frau". Seine nicht starke, auch nicht mehr ganz frische, aber immer noch sehr angenehm und sorgfältig geschulte Stimme erklingt besonders in wsWa voos reizend. Die Aussprache stört noch immer der österreichische Dialekt mit Endsylbenbetouung, ein gewisse Breite des „ei" und das „gä" bei der Borsylbe „ge". Der GesangSvortrag ist ungemein routinirt und geschmackvoll fein, auch meist innigwarm, erhebt sich aber bei den dramatisch leidenschaftlicheren Stellen nicht ganz zu der vöthigen Tovkraft und Größe und Wucht des Ausdrucks, z. B. bei Gounod's „Faust", den wir, abgesehen von der ganz reizend gesungenen und drßhalb äa. eaxo verlangten Cavatiue: „Gegrüßt sei mir, o heil'ge Stätterc." als die schwächste seiner diesmaligen Partieen bezeichnen müssen. Herr Walter ist eben nur ein lyrischer Tenor, der namentlich jetzt seine Stimme nicht stark angreifen darf, wenn der Ton nicht unschön werden soll, wie z. B. bei mit voller Brust gesungenen: „Gib mir wieder rc." in Flotow'S „Martha", wo er aber den „Lyonel" im Ganzen nach Gesang und Spiel so durchdacht, conscquent, gewandt und schön durchführte, daß wir diese Leistung seine diesmal beste nennen können, wenn gleich er dabei seinen Wiener Vorgänger, den auch hier noch unvergessenen Ander, nicht erreichte, wie er denn ebenfalls den „Georg" noch weniger so vollendet zu gestalten vermochte, als der unvergleichliche Roger, an den die älteren Theaterbesucher jedeSmal bei dieser Partie zurückdevken müssen. Vor Allem fingt und spielt Herr Walter, bei aller Gewandtheit und Humoristik, diesen „Georg" nicht so nobel, und erreicht mit der Hauptarie: „Ach, welche Lust, Soldat zu fein rc.", nicht entfernt solch' unbeschreibliche Wirkung wie Roger, der hier eine entzückende Mannigfaltigkeit von Varianten lediglich in den einen Gedanken deS Thema's legte, und dem Hörer in Touklang, Vortrag und Spiel den Muth und Schmerz, die Freude, Trennung und Wiederkehr, kurz Alles, waS sich mit dem Soldatenleben verbindet, so lebendig und klar, so sinnlich zauberhaft und so graciös dramatisch vorführte, daß Alles hingerissen war. Größere Wirkung erzielte Herr Walter mit dem ungemein duftig-fein gesungenen:
„Komm, o holde Dame rc." — Als „Florestau" in Bert- hoven's „Fidelio" war der Gast recht brav. Für den ausdrucksvollen Vortrag seiner Arie hätte ihm mehr Beifall werden sollen. Bei dem Duett mit „Fidelio", welchen Fräulein Hofmeister wieder meist zu prosaisch und kalt gab, auch im Gesänge viel za wünschen übrig ließ, staub Herr Walter besonders bei den Worten: „namenlose Freude," was Ton- klavg betrifft, gegen seine gewaltig schmetternde Partnerin sehr zurück. Beider Stimmen und beider Art zu singen paffen überhaupt nicht zusammen.
Herr Walter ward im ganzen Verlauf seines abgekürzten Gastspieles bald mehr oder weniger durch Beifall, Hervorruf, auch einen Kranz geehrt. Der Besuch dieser 4 Vorstellungen war, selbst bei nicht aufgehobenem Abonnement, meist auffallend schwach, besonders in Logen und Sperrsitzen. Die „Fidelio"-Vorstellung zeigte daS zahlreichste Auditorium.
Fraulein Ruzicka zeichnete sich neben dem Gaste besonders wieder als „Martha" aus. Ueber ihre im Ganzen sehr ansrkeunungswerth durchgeführte „Margarethe" soll später Näheres gesagt werden. Da Frau Barnay die „Anna" („weiße Frau") für Fräulein Ruzicka schnell übernehmen mußte, so sei hier jeder Tadel unterlassen, und nnr in die verdiente Anerkennung eingestimmt. Die Leistungen der übrigen Personen in den genannten Opern find bekannt. Was die Besetzung der Märmerrollen in „Fidelio" betrifft, so dürfte eS besser bei der früheren bleiben. —s—
Frankfurter Kunstverein.
Neu ausgestellt: L. v. Hagen in München: Boccia, spielend, Mönche. — E. PeiprrS in Frankfurt: Aquarells aus Nürnberg. — Lina v. Ruhten in Paris: Der heimkehrrnde Landwchrmann.
Fr. Jäger in München: Heimkehr am Abend. — A. Stadrmann in München: Rückkehr von der Jagd. Uetz in Frankfurt: Portrait.— E. Schürmann u. Eo. in Frankfurt a. M. r Tafelaufsatz, silberne Hochzeit darstellend mit allegorischen Figuren.
Stiidel'sches Kunstinstitut.
Neu ausgestellt: (sio!) Eänsliche Verstrickung, Oelgemälde von Sustav Süß in Düsseldorf. — Anbetung der heiligen drei Könige, Orlge- mäldr von G. A. LastnSky. — Portraitbüsten modrllirt und in Marmor auSgrführt von I. Kopf in Rom. — Ferner aus den Sammlungen des Instituts: Kupferstiche von Hans Sebald Beham. — Blätter nach Carle und Horaes Lernet.
Kleine Chronik.
"Berlin, 28. April. Fürst Bismarck kann, wie die Berl. „Bürgerztg." hört, im Park des ReichökavzleramteS nicht mehr spazieren gehen, ohne durch zudringliche Neugier in unleidlichster Weise behelligt zu werden. Aus den oberen Stockwerken der benachbarten, brzw. gegenüberliegenden Gebäude, die einen Einblick in den Park gewähren , hat mau nämlich die Stunden abgelamrt, in welchen der Fürst dort Erholung zu suchen pflegt. Diese Stunden werden nun an den zu diesem Zweck zu erheblichen Preisen gemiethrtsn Fenstern srner Stockwerke von schaulustigen Fremden, namentlich von Engländern abgewartrt, welche den Reichskanzler durch riesige Doppelprrspec- tive und sonstige Augrnwaffen während seiner Promenade aus das Genaueste „besichtigen*.
* Im Jahre 1874 wurden in München von 18 Bierbrauereien 574,464 Hektoliter Malz zur Bierbrauerei verwendet und veraus- schlagt. Der Local-Malzaufschlag hierfür betrug 670,208 fl. Di« größte Production wüst der Spatmbräu Gabriel Sedlmayr mit 141,492 Hektoliter, und dis Actienbrauerei szum Löwen) mit 96,793 Hektoliter, dis geringste das Kloster der k. k. Franziskaner mit 1086 Hektoliter und die erst seit kurzer Zeit bestehende Maximilians brauerei in Haidhausen mit 459 Hcktottter nach. Die Einfuhr betrug aus den Eisenbahnen 5532 Hektoliter, auf der Landstraße 5473 Hckt., der dafür entrichtete Localausschlag 9i70 fl. Außerdem wurden an Malz verbraucht von einer Weißbterbrausrei, 5 Branntwein > Brennereien, 4 Essig- und Germ-Siedereien 3293 Hell, und dafür Aufschlag entrichtet 3842 fl.
* Appenzell I. Rh. Bei der LandeSgemeinde, die Herr Landammann Rechstsiner eröffnet«, machte einer einen Vorschlag. Da ihn der leitende Landammann wegen des Getöses überhörte, wurde der „freie" Schweizer fuchswild und ries ganz laut: „He, Landammann, HSst kei Ohra meh?"
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