Beiblatt zum Frankfurter Beobachter
M 1.
ftxant :tt, 1« Januar
1876 «
In Sachen der Bogelsberger Quellwasserleitung
erhielten wir von Herrn Ingenieur Schm ick die folgende Zuschrift:
Frankfurt a. M., den 23. December 1875.
An die Redaction des Frankfurter CommunalblatteS.
Anf Grund des Gesetzes vom 7. Mai 1874, § 11, ersuche
ich Sie, folgende thatsächliche Berichtigungen des in den» Franks.
Eommunalblatt vom 28. November enthaltenen Artikels über die
hiesige Quellwasserleitung in Ihre Zeitung aufzunehmen.
Es ist unwahr, „daß die Herren I. u. A. Aird in ihrein
Streite mit mir schon im Jahre 1871 fort und fort auf die
völlig unzureichende Stärke der bei der Wasserleitung verwendeten
Röhren hinwielcn." Am 7. Juni 1871 schrieben mir die Herren
-I. u. A. Aird: „Wir haben uns hierbei überzeugt, daß die Fest¬
setzung der Stärke der eisernen Röhren nach Erfahrungsregeln
geschehen ist, welche von wissenschaftlichen Autoritäten als Norm
für die Construetion von eisernen Röhren aufgestellt und seither
allgemein als richtig anerkannt und benutzt worden sind."
Wenn in dem Artikel vom 28. November ferner gesagt ist,
daß die Herren I. u. A. Aird für die Richtigkeit ihrer Prophe¬
zeihungen die Gutachten einer Reihe von unpartheiischen Waffer-
technikern beigebracht hätten, so widerspricht diesem derselbe eigne
Brief der Herren I u. A. Aird vom 7. Juni 187 l an mich,
in welchem die Herren I. u. A. Aird sich folgender Maßen
äußerten: „Wir unterließen eS jedoch nicht, noch vor Abschluß deS
Bertrages auch das Gutachten des General-Dircctors eines der
größten und tüchtigsten Werke für Fabrikation von gußeisernen
Röhren über die Stärke derselben einzuholen und wurde uns auch
von dieser Seite durchaus kein Bedenken entgegengebracht, daß die
Stärke der Röhren nicht ausreichend sei, um den in Aussicht
genommenen Druck auSzuhalten."
Schnurstracks also das Gegenthcil von dem, was der Be¬
richterstatter der Herren I. n. A. Aird diese über die Stärke der
Röhren sagen läßt, sagen die Herren I. u. A. Aird selbst in
ihrem Briefe an mich.
Dieser Brief findet sich abgedruckt in der „Darstellung deS
Verhältnisses der Frankfurter Quellwasserleitung zu den Herren
I. u. «. Airb, Frankfurt a. M. 1871."
Ich erwarte, diese meine Berichtigung in die nächste Nummer
deS Frankfurter CommunalblatteS ausgenommen zu sehen.
_ P Schmick.
Wir haben in der Zwischenzeit Anlaß genommen, Er¬
kundigungen über den Sachverhalt einzuziehen und bringen zunächst
die nachstehende Erklärung der Herren I. u. A. Aird in Berlin
zum Abdruck, indem wir die eigene Beurtheilung der Sache,
welche gerade jetzt durch die Schlag auf Schlag folgenden Röhren¬
brüche und die außerordentlich schlechte Beschaffenheit deS VogelS-
berger QuellwasserS ein leider nur zu große- Interesse beansprucht,
uns für ein anderes Mal Vorbehalten:
Berlin, den 29. December 1875.
An die Redaction deS Frankfurter Tommunal-BlatteS.
Zu einem unter'm 7. Juni 1871 von uns an Herrn
Schmick gerichteten Schreiben, welche- Sie — nachdem
schon in der »Darstellung des Verhältnisses der Frankfurter »um
Wasserleitung zu den Herren I. u. A. Aird" veröffentlicht wurde
— aus Ansuchen des Obengenannten von Neuem in Ihrem
Blatte zum Abdruck bringen, erlauben wir unS erläuternd Folgende»
zu bemerken, wodurch namentlich die Behauptung de- Herrn
Schmick entkräftet werden wird, „eL sei unwahr, daß wir schon
im Jahre 1871 fort und fort auf die unzureichende Stärke der
bei der Frankfurter Quellwafferleitung verwendeten Röhren auf¬
merksam gemacht hätten."
Jedem, der mit den Differenzen zwischen Herrn Schmick
und unserer Firma einigermaßen bekannt ist, wird eS zunächst
elwaö auffällig erscheinen, daß Herr Schmick plötzlich Werth auf
eiitc nochmalige Veröffentlichung unserer in dem beregten Schreiben
ausgesprochenen Ansichten über die Verwendung dünnwandiger
Röhren legt, wofür nur der Umstand aufklärend wirken kann,
der Brief vom 7. Jnui L87L Herrn Schmick
feine Entstehung verdankt, und in feinem Lvort-
IfiJit vo« ihm selbst verfaßt ist. Herrn Schmick aber,
nachdem wir diesem Schreiben unsere Unterschrift gaben, eine
willkommene Handhabe für seine Insinuationen gegeben ist, um
zu versuchen, eine Verantwortlichkeit, die ihn unter den in
Frankfurt besteh enden Verhältnissen schwer treffen
würde, auf die Schulter eines Anderen zu laden.
Um für diesen Vorgang, daß wir uns herbeiließen, dieses
von Herrn Schmick entworfene Schreiben zu unterzeichnen, eine
genügende Erklärung zu geben, ist es zuerst nothwendig, auf die
Stellung eines Unternehmers, welcher einen in seinen Berpflich.
tungen so einseitigen Vertrag, wie den für Frankfurt vorliegenden
eingegangen ist, aufmerksam zu machen, und ist bezeichnend für
diese Situation eine im Beiblatt 16 unserer Antwort auf die
Darstellung der Verhältnisse durch die Frankfurter Quellwasser¬
leitungs-Gesellschaft wiedergegcbene Aeußerung eines Mitgliedes
der Direction: „es besorge, daß, wenn wir nicht auf
den uns offerirten Ausgleich eingingen, die Ge¬
sellschaft bestrebt sein werde, unS täglich Schwierig¬
keiten zu bereiten, und durch Maßregeln solcher
Art uns die Bauausführung zu vertheuern."
Anlaß für Herrn Schmick, ein Schreiben gedachter Art
von uns zu besitzen, um sich gegen alle Eventualitäten damit zu
decken, bildete ein Artikel der Frankfurter Zeitung vom 7. Jnni
1871, welcher die Wiener mit den Frankfurter Röhren genau
verglich und zu beni Resultate gelangte, daß die von der Wiener
Sachverständigen-Enquete verlangte Minimalstärke der Röhren in
Frankfnrt bei Weitem nicht angewendet worden sei.
Unser Herr Alexander Aird wurde am Tage des Erscheinen-
dieses Artikel- veranlaßt, den Eonferenzen von Vertretern der
Gesellschaft, bei denen sich große Aufregung über die gedachten
Mittheilungen de- Frankfurter Blatte» kundgab, beizuwohnen,
und bezeichnete Herr Schmick bei dieser Gelegenheit den Artikel
als keineswegs sachlich, führte ihn vielmehr auf einen gegen ihn
persönlich gerichteten Angriff zurück; — Herr Sonnemann
sollte selbst der Verfasser de- Artikel- sein, und dieser einem
persönlichen Uebelwollen gegen ihn damit Ausdruck geben.
Herr Schmick berief sich auf da- Gutachten de- Herrn
Geheimrath Reuleaux, dessen Stellung als Autorität auf dem
Gebiet« der Technik nicht in Zweifel zu ziehen war und der die
stressend«! Schmick'schrn Berechnungen in bestimmtester Weise