Dienstag, 1. November 1932
Einzelnummer in Frankfurt a, M. and Umgebung (Rhefn-mabilecher Städtekranz) tO Pfg., außerhatb iS Pfg.
2. Jahrgait ' Nußnaor 257
Mimte
Mimte
Mtiuxa
Voruntersuchung; ReKcn
Uintzc wegen versuchten
Mordes.
Berlin, 81. CK.
JJluAtaedeThgmeäu/iff müV£ßdcheamg
jSporlderNeaeaten" /Reich
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dung / Deine Gesamtheitt
Rundfunk / Hof und Garten
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Als Nachweis des ununterbrochenem
Bezugs Im Postabonnement gelten di«
auf den Vor* und Zunamen des Abou«
nenten ausgestellten Postqulttungea.
Für Trägerabonnements sind die In das
Quittungsbuch eingeklebten Harken ata
Nachweis anzusehen.
Die Unfallversicherung gilt vonrl6.»t)hl
70. Lebensjahr»
die Sterbegeldversicherung für die Bin«
trittsalter vom 16. bis VS. Lebensjahr.
Anmclde-Prlstem (Meldungen an dem
Deutschen Lloyd): für Unfälle: läng»
ateas eine Woche, Jür tödliche Unfälle»
48 Stunden.
Unverzüglich, spätestens am zweitem
Tage nach dem Unfall, Ist ein appro¬
bierter Arzt zuzuziehen.
Sterbefälie sind unverzüglich, möglichst
innerhalb 4 Tagen, anzumelden. Jeder
Abonnent erhält die Vers(eherungs»Be«
dingungen. die über alle Voraussetzun¬
gen der Versicherung Aufschluß geben.
Die Versicherungs-Bedingungen können
außerdem vom Verlag oder von der
Deutschen Lloyd Lebensversicherung!*
bank A.«Q.» Leipzig U Markt 8. be¬
zogen werden.
Der Untersuchungsrichter beim Landgericht UI
bnt_ soeben die Voruntersuchung gegen den
früheren Danfier Hinve, der seine Frau, die
Kammersängerin Gertrud BindernageLHinde,
' ' c Stad'"" - * - • -- -
GOmblts kommt noch Rom,
Wom, 31. Oft.
Der uflßortW« iMiiitstervrößdent GönchöS
wird, wie die „Trlbniin- meldet, t» ollcr-
n-ickster gelt nach Rom fonimen, um mit
Multoltn! zusammenzutressen. Das Blntf totll
Rillen, dab der Besuch gegen Mitte Nodemdeu
tu der Städtischen Oder durch einen Schuft
schwer verletzt hat, wegen versuchten Mordes
eröffnet.
Rcichsmarine und
Kommunisten.
Begesack, 31. OK.
Angehörige der hier fett einigen Tagen zu
Besuch weilenden Schnellboothatbslottille der
deutschen RelchSmarlne wurden ln der Nacht
zum Sonntag von einer größeren Anzahl Koni-
munlsten ohne irgendwelchen Anlaß tödlich an-
gegrlsfen und nicht unerheblich verletzt. Der
Polizei gelang eS. zwel von den Tälern, dar-
unter den Rädelsführer, festzunehmen.
Kaufhaus unter Triinengas.
.Hamburg, 31. OK.
Unbefamite Täler Marsen heule nachmittag
ln die VerfausSräume des ElnbettSvrelSgeschällS
Eva eine Anzahl TränengaSbomben, durch die
die BerlaulSräume völlig unter Gas gesetzt
wurden, so daß Publikum und BerfausSpersonal
flüchten mußten und der Berfaus für etwa zwei
Stunden unterbrochen wurde. El» Mann wurde
seltgenommen, der jedoch bestreitet, der Urheber
der Tat zu sein.
Konto Gemelndewahlen in
England.
Laudon, 1. Stob.
Heute finden in 300 Städten und Bezirken
von England und Wales Gemeindewahle» stall,
deren Ergebnis man mit belonderem Interesse
erwartet, well aus ihm ersichtlich lein wird,
wieweit die Bemühungen der Arheltervarlei,
die bet den Aemetndewahlen tm vorigen Jahre
In 80 der größten Städte über 200 Sitze verlor»
von Erfolg gelrönt fein werden. Die wlchltglten
Themata in der Wahtvrovaganda der Kandt.
Voten waren da» ArbeltSIofenvroblem und die
ltrtttlge Frage des Bedürltlgfeitsna»we>leS.
Tls Kommunistische Parte! hat etwa hundert
Kandidaten ausgestellt, also nngesähr dovvelt
laviel wte bei den letzten Wahlen. Um dem
fonzentrterlen Angrill der Arbeiter wtderlteben
zu fönnen. haben die Konlervatlbe» und die
LiLeralen dle Zahl ihrer Kandidaten erhöbt,
und in einer großen Anzahl von Stödten lind
Kombinationen zwilchen den beiden bürger¬
lichen Parteien zustandegelLMinen.
Kommissarischer Kultusminister
Professor Kähler (deutschnational)
Unser Bild zeigt Professor Dr. Wilhelm
Kühler, den Reichskanzler von Popen in
seiner Eigenschaft als Beiehskommissar
für Preußen zu seinem Stellvertreter im
Ministerium für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung ernannt hat. Der rechts-
mäßige deutsche Kultusminister heißt
Dr. Grimme.
ft
Ich habe den Glauben an Papen verloren
44
Da, Ende des Rechtsstaaf es
Bayerns Ministerpräsident ruft zum Kampf
achrtch tendienst der „Neuesten Zeitung u .)
tdarf. 1. November. fteffuttn geleistet fiafie. Das 1
(N
Stuttgart, 1. November.
In zwei Massenversammlungen der Zentrumspartei
sprach gestern abend der bayrische Ministerpräsident
Dr. Held Seine Reden waren Proklamationen gegen das
Vorgehen der Rechtsregie*
rung. In einer bisher noch
nicht gekannten Schärte
sprach das veriassungsmäßige
Oberhaupt des zweitgrößten
deutschen Freistaates gegen
den Reichskanzler von Papen
und die von ihm eingeleitete
Neuordnung der preußischen
Verhältnisse.
Die Rede war von einer
so' unerhörten - Schärfe, daß
sie unweigerlich zu einem,
schweren Staatskonilikt füh¬
ren müßte, wenn nicht die
jetzt herrschende Wahlatmo-
Sphäre den unmittelbaren
Ausbruch des Konfliktes
Bayern—Papen vielleicht
noch verhindert. Das Eine
bann jedenfalls gesagt werden: Nach dieser Rede kann
der Reichskanzler von Papen nicht darauf rechnen, die
Unterstützung des zweitgrößten deutschen Staates für die
von ihm geplanten Maßnahmen zu erreichen.
Die Bemühungen des Herrn von Papen, die mit der
Stuttgarter Konferenz mit den süddeutschen Vertretern be¬
gann, scheinen endgültig gescheitert zu sein. In seiner gestrigen
Rede wandte sich Dr. Held zunächst gegen Hngenbcrg, den er
als den bösen Geist des deutschen Volkes bezeichnete, und
führte dann gegenüber den Plänen der Reichsregierung aus,
er habe nicht die Ueberzengung, daß diese Regierung födera¬
listisch eingestellt sei. Die Rede des Herrn von Gayl am letzten
Freitag mit dem Lobe des Einheitsstaates habe ihn sehr stutzig
gemacht. Der Ministerprästdcnt sprach dann Won einem „merk¬
würdigen^ Kampf Papens gegen die Parteien. Haben denn,
so fragte Dr. Held, die Parteien den Krieg verloren, die Revo¬
lution angefangen, die Inflation nach Deutschland getragen?
stellung geleistet habe. Das sage ich, so betonte Dr. Held, der
ich es immer abgelehnt habe, mit der Sozialdemokratie eine
Koalition einzugehen. Das sage ich um der Wahrheit willen.
Wer gegen das Parlament kämpft, kämpft gegen das BoÜ. Den
Zustand, daß in Deutschland wieder eine Oligarchie Herrscht,
die dann auch wie früher den Katholizismus an die PLand
drückt, können, wir nicht herbcisehnen. Dr. Held sagte weiter,
die vom Reichskabinett gepalnten Reformen müsse er entschieden
ablehnen. Der Reichsrat dürfe nicht zu einem Prästdialrat
herabgedrückt werden, sondern müsse vielmehr die Rechte des
alten Bundesrats wieder erhalten.
Die Unzufriedenheit mit dem Scholz-Rundfunk greift um sich
123000 Radio*Abgängel
Wer im Südwestfunk spricht, sollte eigentlich gutes Deutsch sprechen können
(Nachrichtendienst der „Neuesten Z ei tun g“.)
Dr. Held,
hagrischer Ministerpräsident.
Für das Parlament!
ES müsse anerkannt werden, daß auch die Sozialdemokratie
nach dem Kriege dem Staate in vielen Dingen sehr gute Hilfe-
Oer Kampfruf
Die Bestellung und die Tätigkeit de» Rcichskommisschs in
Preußen halte er nach wie hör als nicht der Berfassung ent¬
sprechend. Entgegen dem Rat des Staatsgerichtshofes gehechie
Reichsregierung gerade heute daran, ihren Willen in Preußen
durchzndrücken, und zwar ohne die Einwilligung der Länder.
Frankfurt, 1. November.
Di« Unzufriedenheit, die sich nach der Einsetzung des Papen-
Kommiffors Dr. Scholz bei den deutschen Rundsunkhörern bemerk¬
bar machte, greift immer mehr um sich. Bei allen Postämtern lau-
j fen Abbestellungen auf Abbestellungen ein, und wenn setzt die
Reichspost eine Statistik herausgibt, die nur einen Abgang von
42 000 Hörern bestätigt, so darf man dieser Verlautbarung nur
> mit einiger Vorsicht gegcnübcrtrcten.
I In Wirklichkeit haben, wie wir von bestunterrichteter Seite
'erfahren, 123 000 Rundsunkhörer in den letzten Monaten gekün¬
digt. Diesen Kündigungen sollen angeblich auch Neu-Amneldungen
gegcnübcrstehen — von interessierter Stelle wird eine Zahl von
80 000 genannt — aber auch diese Angaben sind schwer nachzu¬
prüfen. . • ■ • •
Dieses Vorgehen bedeutet, so behauptet Dr. Held,
das Ende des Rechtsstaates. Wer aber den Rechts*
Standpunkt verlasse, müsse damit rechnen, daß er
den stärksten Widerstand entgegengesetzt bekomme.
Die Tage seien so ernst wie kaum jemals seit 1918.
Was man wolle, sei offenbar geworden, nämlich die
Verpreußung des Reiches.
Die Maßnahmen in Preußen kehrten die Grundlagen der
Reichsverfassung völlig um. „Ich Halle jetzt/ sagte Dr. Held,
„den Gsaullen an das Kabinett von Papen verloren. Ich muß
bekennen, daß ich heute auf das Schwerste enttäuscht bin. ES
ist unmöglich, auch nur eine einzige Minute dazu stillzu-
schwelgcn.
Wenn ich meine Pflicht als bayrischer Ministerpräsi¬
dent, als Anhänger verfassungsmäßigen Lehens er¬
füllen will, dann bin Ich gezwungen, öffentlich
gegen Papen aulzutreten und znm Kampf
gegen seine Maßnahmen aufzuiordern.
„Kein Wunder — bei d e m Programm"
Die Hanpinrsach« des immer offenbarer werdenden Mißerfolges
ist di« neuerdings rftigefuhrte politische Färbung des Rundfunks
und di« Langeweile, die seinem Programm entströmt. Was auf
diesem Gebiete geleistet wird, haben die verschiedentlichen Ver¬
öffentlichungen und Klagen in der „Neuesten Zeitung" zur Ge¬
nüge erwiesen. Noch heute häufen sich auf unseren RedoktionS-
tischen die fast täglich einlousenden Beschwerden.
Daß die neuen Kräfte im Rundfunk noch nicht einmal richtiges
und gutes Deutsch sprechen, ist allerdings noch nicht zur Genüge
dargetan worden.
Hier entscheidet allein unser Rechtsbvwnßtsetn und das
LebenSinteresse der deutschen Länder. Di« Einstellung der Koü-
servativen, die den Kanzler mahnen, „doch nicht über juristische
Zwirnsfäden zu stolpern", ist geradezu revolutionär. Gegen
solche Aeußerungen einer gewissen Rechtspresse hätte der
Reichsjustizniinister längst einschreiten sollen."
Papen hafs geschafft . . .
Und Hindenburg hat die neuen Minister ernannt
Berlin, 31. Oktober.
Dt« Ernennung der Herren Dr. Bracht und Prof.
Dr. Popitz zu Reichsministern ohne Portefeuille, unter
gleichzeitiger Betrauung mit der kommissarischen Berwal
tung des preußischen Innen- und Finanzministeriums, und des
GrelfSwalder UniversitätsprofessorS D. Dr. Kähler zum kom
missarischen Leiter des preußischen UnterrichtsministeriuniS ist
DiePreußtscheKommissariatsregiernng setzt sich
nunmehr folgendermaßen zusamnien:
Reichskommissar: Reichskanzler v. Pape n
Stellv. Reichskommissar für Inneres: Reichsminister
Dr. B r a ch t
Stellv. Reichskommissar für Finanzen: ReichSminister Professor
Dr. Popitz
Stellv. Reichskommissar für Unterricht: Prof. O. Dr. Kähler
Stellv. Reichskommissar für Justiz: Staatssekretär Hölscher
(wie bisher)
Stellv. Reichskonunissar für Wirtschaft lind Arbeit: Staats¬
sekretär Dr. Ernst (wie bisher)
Stellv. Reichskommissar für Landwirtschaft: Reichsminister
Freiherr ».Braun.
Reichsrat einberufen
Auf Donnerstag, den 3. November
Berlin, 31. Oktober.
Zur Vorbereitung der Wiederaufnahme der Reichsratsarbeiten
hat der Reichsinnenminister den Reichsratsausschüß für
Verfassung und Geschäftsordnung schon auf Don¬
nerstag, den 3. November, 10 Uhr, einberufen. Mit dieser Einbe¬
rufung des Verfassungsausschnsses entspricht Herr von Gahl einer
Forderung der preußischen Staatsregierung, die der Absicht der
Reichsregierung, den Steichsrat erst nach den Wahlen zusaimnen-
treten zu lassen, Ividersprochen hatte. Auf ihren Antrag hin wurde
die Ausschußsitzung für nächsten Donnerstag einberufen. Dabei
soll die durch >as dreimonatige Ruhen aller Sitzungen entstandene
Geschäftslage besprochen und die weiteren Sitzungen vorbereitet
werden.
Bis zu drei Stimmen . . -
Wie sich Gayl sein Plural-Wahlrecht vorstellt
(Nachrichtendienst der „Neuesten Zei tun g".)
Berlin, 31. Oktober.
Die Ausführungen des Reichslnnenministers von Gahl
über die geplante Wahlrechtsreform in seiner program-
mattschen Rede voin vergangenen Freitag haben zu zahl¬
reichen Ziveiselsfragen Anlaß gegeben, insbesondere natürlich
seine Ankündigung eines PluralwahlrechteS für Kriegsteilnehmer
und selbständige Familienväter. Das Reichsiniten»
minlsterium läßt nunmehr heute dazu offiziell erklären, daß keines¬
wegs eine Entrechtung der Arbeitslosen beabsichtigt gewesen sei.
Es handle sich vielmehr um die Gewährung von einer Zusatz¬
stimme an die Männer oder Frauen, denen die Sorge für die Er¬
nährung einer Fanitlie selbswerantwortlich obliege. Ob er den Un¬
terhalt durch Arbeit oder Unterstützung bestreite darauf komme
es nicht an, sondern daraus, daß jeniand außer für sich auch
noch für ein Kind oder mehrere Kinder zu sorgen habe. Nach
dem Tod des Familienvaters gehe die Stimme auf die Witwe über.
Auch wenn die Kinder bereits erwachsen und wirtschaftlich selb-
ständig seien, bleibe die Zusatzstimme dem Familienhaupt erhallen.
Der Begriff des Kriegsteilnehmers, dem ja ebenfalls
eine Zusatzstimme in Aussicht gestellt wurde, müsse noch näher
Umrissen werden, doch soll die Begriffsbestimmung nicht in klein¬
licher Weise vorgenommen werden. Beim Zusammenlresfen der
Eigenschaften eines Kriegsteilnehmers und Familienoberhauptes
finde eine Häufung bis zu drei Stimmen statt.
Was sich der Südwestfunk leistet
Sehr hübsch schildert Joseph Roth im „Tagebuch", wie einer
dieser „neuen" Leute im Frankfurter Rundfunk die deutsche
Sprache nnßhandelt hat. Der S.W.R. hat bekanntlich beschlossen,
einen Zyklus „Deutsche Ansprachen" zu veranstalten. Die erste
deutsche Ailsprache sei von einem Mann munens Hanns Jost ge¬
halten worden, sie habe den Titel „Fortschritt und Standpunkt"
gehabt und sei in einem miserablen Deutsch gesprochen worden.
Roth zitiert dann die Aussprüche dieses Redners:
3. „,,.die Schrüt ist das heimliche Kabel, das die..»
Energien in den ... kaum schleudert ..
4.. Es ist nämlich eine Erfindung von Köpfen, die den
Boden unter den Füßen verloren haben ..
5. „Es gibt nämlich nicht nur einen Kampf ums tägliche
Brot, sondern auch einen Gewissenskampi..."
6. „Der Marsch-Schritt des Fortschritts ist ins Stolpern
gekommen ..."
7. „Gott wollte uns nicht unsterblich, sonst hätte er un,
unsterblich geschaffen..."
*
Fürwahr, eine wohlgelungene Sprache: die Anschauung nimmt
einen Standpunkt ein;'der Mensch bezieht seine Kraft aus dem
Nährboden des Standpunktes; ein Kabel schleudert Energien; eS
gibt in Deutschland Köpfe, die den Boden unter den Füßen ver¬
lieren! Roth meint, daß ein solcher Sprecher als Nachfolger
Fichtes nur in den Augen des Südwestdeutschen Rundsunks gelten
kann.
72 Prozent Abbestellungen wegen
Unzufriedenheit
1. „ ... und das liegt daran, daß sie (die Anschauung) einen
Standpunkt einnimmt ..
2. „... er (der Mensch) zieht seine Kraft aus dem Nähr¬
boden seines Standpunkts ..
Kann man sich unter diesen Umständen^ - wundern, daß in
Frankfurt der Rundfunk mehr abgeschaltet ist als eingeschaltet
wird? Und da kommt die Reichspost niit ihrer Staiistik und be¬
hauptet, daß nur 2 Proz. der Abbestellungen wegen Unzufrieden¬
heit mit dem Programm erfolgt sei. Wre es in Wirklichkeit aus¬
steht, mag ein Versuch zeigen, der von privater Seite in einem
Arbeiterviertel, einem Wohnviertel und in einem MttelstandS-
viertel einer deutschen Großstadt gemocht wurde. Von 300 Per¬
sonen haben abbestellt: 72 v. H. wegen Unzufriedenheit mit dem
Programm. 11 v. H. wegen politischer Dinge,- 6 v. H. wegen
Umzugs usw., 5 v. H. wegen vorübergehender Mweseuheit oder
Krankbeit, und nur der Rest wegen wirtsebafiliilier Notlage.
Diese Statistik steht wesentlich anders auS als die der Reichs¬
post. Nicht 2 sondern 83 Prozent der abgesprungenen Hörer haben
so viel am Programm des Nundstmks auszusetzen gehabt, daß sie
lieber verzichteten. Ob man daraus, auch In Frankfurt» endlich
seine Lehren ziehen wird? Oder wird man weiter die Programm¬
beschwerden einfach Ignorieren und sich aus den Standpunkt stellen»
daß der Slundsunk-Abonnent zwar zu zahlen aber nichts zu
sagen hat?!
Kundgebungen gegen Herriot - in Spanien
Während Frankreichs Ministerpräsident kleine Kinder abküßte und ihnen
Orangen schenkte ...
(Nachrichtendienst der „Neuesten Zeitung“.)
Paris, I. November.
Wie die Blätter aus Madrid melden, wird die spartische Re>
, um die Verleihung des GroßlreuzeS der Ehrenlegit
. ----- Ministe
en Präsidenten Alcala Zamora zu erwideni, dem
, on an
ünisterpräsi
ttfl ..
Die Morgenblätter schildern ausführlich, wie Herriot sich die
Herzen der spanischen Bevölkerung erobert hat, indem er sich in
den Straßen mit Arbeitern und Bauern unterhielt, auf ösfent»
lichen Platzen kleine Kinder abliißte und ihnen Orangen schenkte.
An die überschwcnglidien Schilderungen über die begeisterte
Aufnahme, die der französische Mlnisterpräsidrnt in Madrid ge¬
funden hat, mischen sich jedoch hi« und da Berichte, die mit einer
gewissen Bitterkeit von den Zwischenfällen sprechen, die der
Besuch HcrriotS hervorgerufen hat. Schon bei der Ankunft des
Ministerprästdentcu in Madrid »rußte eine kommunistische Kund¬
gebung von der Polizei unierdriickt werden. Am Miontag nachmit¬
tag empfingen anardiistische Stndenten ans einer der Hauptstraßen
das Automobil Herriois mit gclletiden Pflsfe». An der Univer¬
sität kam «8 zu ernsten Zusammeustößc» zwischen royaftstlschen
u,«d katholischen Studenten, die gegen den Besuch Hcr¬
riotS und die dabei verfolgten Ziele protestierten, mit repnbli-
kantschcn Stlrdenten. Diese Zwischenfälle endeten damit, daß die
Vorlcsnngcn des bekannten sozialistischen RcchtslehrerS Prof.
Jimenez de Asua nicht abgehaltcn werden konnten. Die Studen¬
ten haben einen dreitägigen Proteststreik beschlossen.
Am Montag abend schließlich versuchten Studenten zu einer
Kundgebung vor die sranzöslsche Botschast zu ziehen. Sir wurden
jedoch von der Polizei daran gehindert.
Während die ganze französische Presse der vom Oai d'Orsay
auSgcgebenen Parole folgend nach wie vor der Reise Herriois
jede politische Bedeutung abzusprechcn versucht, schreibt heute der
„Matin", eS zeige sich klar, daß im Augenblick des Wendepunktes,
an dem sich Europa gegenwärtig befinde, gewöhnliche Höflich-
kcits- und AuSflugszelsen nicht möglich seien. Gewiß schließe daS
BcsuchSprogramm Herrlots jede Möglichkeit zu pollttschen Be¬
sprechungen auS und die Reise habe den Zweck einer Fühlung¬
nahme, aber offcnsidiilich niit der geheimen Hoffnung, baß daS
gegenseitige Verstehen eines Tage» die Prüfung von Lösungen
begünstigen werde, die für die Ausrcchterhaliung des europäischen
Friedens notwendig seien. Trotz allen protokollarischen VorsichlS-
maßnahmen werde der politische Eljarakter der Reise be¬
reits am ersten Tage betont unterstridjen »nd sogar übertrieben.
— Im Zusammenhang damit teilt der Sonderberichterstatter de4
Blattes mit. daß die Mauern in den Straßen der Madrider Vor¬
städte mit Zetteln beklebt und mit Kreide-Inschriften beschrieben
worden sind, in denen „die Dcutschlnndfrcunde in Geinelnschaft
mit den Kommunisten" gegen ciwaige französische Gelüste auf die
Balearen protestierte».
Dar Mißgeschick der D 2500
Das Riesenflugzeug muß überholt werden
(Nachrich tendienst der „N eueste n Z ei tung".)
Berlin, 1. November.
DaS Junkersflugzeug D 2500 G 38, das bei seinem Nordmark-
BesuchSflug auf dem Flugplatz Kiel-Holtenau Im Schlamm stecke»
geblieben war, tmf gestern um 13.40 Uhr auf dem Tcmpelhofer
Feld ein- Das Flugzeug wird nun aus dem Strcckenverkehr
herausgezogen werden und kommt auf die Werft zur Ueberholung.
Im Frühjahr bei der Eröffnung der Sommerslugplans wird e»
zum' regelmäßigen Flugverkehr, voraussichtlich auf der Strecke
Berlin-London, eingesetzt werden.
Die Kundgebung in London
Große Vorsichtsmaßnahmen für den heutigen Tag
(Nachrichtendienst der „Neuesten Z eitun g“.)
London, I. Nov.
Angesichts der für heute augekündigten neuen Masseudeutoii-
strationen hat die Leitung der Londoner Polizei umfangreiche Vor¬
sichtsmaßnahmen angeordnet. Sämtlich« Urlaub«, die fUr heute
bewilligt waren, wurden rückgängig gemacht. Nahezu die gesamte
Londoner Polizelmacht wird in der Umgebung des Parlaments
konzentriert werden, während die Regelung des Straßenverkehrs
mehreren tausend Reseroepollzisten, die für heute
elnberusen wurden, überlasien bleibt. Jeder Demonstrationsversuch
In einem Umkreis von einer Meile vom Parlament wird mit aßen
Mitteln verhindert werden. Die Polizeibehörden haben heute eine
erneut« dringend« Mahnung an das Publikum erlassen, den Kund¬
gebungen sernzublriben und dadurch die Arbeit der Polizei zu er¬
leichtern-
Arbeitslosenkundgebung in Chicago
1000 Polizisten gegen 1300 Demonstranten
(Nachrichtendienet der „Neuesten Z ei tun g“,)
6 hlcago, 31. Oktober.
1300 Arbeitslose veranstalteten heute auf dem Michigan Boule¬
vard, der von Wolkenkratzern und Luxushotels flankiert Ist, einen
Demonstrationszug. Aus mitgesiihrten roten Fahnen und Bannern
waren die Jnschristen zu lesen wie: „SBenigtr Polizei und mehr
Brot!", „Stimmt kommunistisch!". Hunderte von Schulkinder hat¬
ten sich den Demonstranten angeschlossen. Auch diese trugen Fah¬
nen mit Jnsä>risten, aus denen Bücher, Kleidung Mahlzeiten und
Traniltahnsahrten ohne Entgelt verlangt wurden. Eine weitere
Inschrift forderte, daß die Ausweisungen von Arbeitslosen au»
Ihren Wohnungen aushören sollte». Die Kundgebung nahm Ihren
Verlauf unter Aussicht von nicht weniger als 1000 Polizisten, dle
mit Revolvern, Karabinern und TränengaSbomben ausgerüstet
waren. ES kam aber zu keinem Zwischensall.
2L