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Karl Bäcker m Sossenheim.
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M. 1.
Samstag den 2. Januar
1915.
Bekanntmachung
betr. Verbot des Agiohandels mit Reichsgold¬
münzen.
Vom 23. November 1914.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des
Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu
wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August
1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung
erlassen:
Wer ohne Genehmigung des Reichskanzlers es
unternimmt, Reichsgoldmünzen zu einem ihren Nenn¬
wert übersteigenden Preise zu erwerben, zu ver¬
äußern oder solche Geschäfte über sie zu vermitteln
oder dazu auffordert oder sich erbietet, wird, sofern
nicht andere Vorschriften schwerere Strafen androhen,
mit Gefängnis bis zu einem Jahre und zugleich mit
Geldstrafe bis zu fünftausend Mark bestraft. Sind
mildernde Umstände vorhanden, so kann ausschließlich
auf Geldstrafe erkannt werden.
8 2 .
In dem Urteil sind die Reichsgoldmünzen, die
zu einer nach § 1 strafbaren Handlung gebraucht
oder bestimmt sind, einzuziehen, sofern sie dem Täter
oder einem Teilnehmer gehören.
8 42 des Strafgesetzbuchs findet Anwendung.
§3.
Diese Verordnung tritt mit dem 26. November
1914 in Kraft. Den Zeitpunkt des Außerkrafttretens
bestimmt der Reichskanzler.
Berlin, den 23. November 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers: Delbrück.
Bekanntmachung.
Das Musterungs- und Aushebungsgeschäft
1915 für den Aushebungsvezirk Höchst a. M.
findet in der Zeit vom 4. bis einschließlich 15.
Januar 1915 in Höchst a. M., Hotel Kasino,
Kasinostraße 6, statt.
Zu dem Musterungs- und Aushebungsgeschäft,
das jeweils vormittags um 9 Uhr beginnt, haben
sich sämtliche Militärpflichtige des Jahrgangs
1893 und 1894, die noch keine endgültige Ent¬
scheidung erhalten haben, sowie sämtliche Mili¬
tärpflichtige des Jahrgangs 1895 bei Vermeidung
strenger Bestrafung pünktlich, sauber gewaschen
und in anständiger reinlicher Kleidung zu ge-
stellen, gleichviel ob sie eine Vorladung erhalten oder
nicht.
Sämtliche Militärpflichtige aus der Gemeinde
Sossenheim haben am Freitag den 8. Januar 1915
zu erscheinen.
Die Militärpflichtigen müssen an dem Tage
frühzeitig und spätestens vis 8 Uhr morgens er¬
scheinen, damit ihre Aufstellung und Verlesung bis
zum Beginne des Aushebungsgeschäfts beendigt ist.
Wer im Aushebungslokal unsauber erscheint oder sich
ungebührlich benimmt, wird bestraft.
Militärpflichtige, die sich schon gestellt haben, müssen
ihren Musterungsausweis mitbringen. Für verlorene
Ausweise sind neue Ausfertigungen gegen 50 Pfg.
Schreibgebühr in meinem Bureau, Zimmer Nr. 7,
vorher nachzusuchen.
Wenn Militärpflichtige durch Krankheit am Er¬
scheinen verhindert sind, so haben sie rechtzeitig orts¬
polizeilich beglaubigte ärztliche Atteste über ihre Er«
krankung beizubringen. Kreisärztliche Atteste be¬
dürfen der Beglaubigung nicht.
Das Mitbringen von Stöcken, sofern solche nicht
gebrechlichen Personen als Stütze dienen, ist unter¬
sagt.
Die Vorstellung und Musterung der Militär¬
pflichtigen erfolgt jahrgangsweise.
Höchst a. M., den 28. Dezember 1914.
Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission: Klauser.
Bekanntmachung.
Ueber das Eigentum an der von den eigenen
Truppen und vom Feinde verschossenen Munition
und an erbeuteten Gegenständen sind Zweifel her¬
vorgetreten.
Hierzu wird folgendes bekannt gegeben:
Alle im Eigentum der deutschen Heeresverwal¬
tungen stehenden Gegenstände bleiben im Inland
wie im Ausland auch dann in deren Eigentum,
wenn sie verloren oder wie z. B. auch Munitions¬
teile, bei irgend einer Gelegenheit und aus irgend
einem Grunde zurückgelassen werden.
Den berufenen staatlichen Organen steht
ferner für das Inland wie für das Ausland die
ausschließliche Befugnis zu, das Aneignungs¬
recht an der „Kriegsbeute" d. h. an der Ausrüstung
des Feindes und an den von ihm zurückgelassenen
Munitionsteilen, auszuüben.
Ebenso wie deshalb der Soldat, der feindliches
Eigentum erbeutet oder die Behörde, die es beschlag¬
nahmt, zur Ablieferung verpflichtet ist, muß jeder,
der solche Gegenstände im Inland oder in dem von
deutschen Truppen besetzten Ansland an sich nimmt,
sie unverzüglich an die nächste Militär- oder Zivil-
behörde abliefern, die ihrerseits verpflichtet ist, alle
Beutestücke den zuständigen Beutesammelstellen zu¬
zuführen. Für das 18. Armeekorps ist sie in
Darmstadt.
Wer als Privatperson Fundstücke von der Aus¬
rüstung der kämpfenden Truppen abliefert, hat im
Inland Anspruch auf den gesetzlichen Finderlohn;
im feindlichen Ausland wird ein Finderlohn in der
Regel gebilligt werden.
Nach dem Reichsstrafgesetzbuch muß jede wider¬
rechtliche Aneignung von Beute- oder Fundstücken
als Diebstahl (8 242 ff.) oder Unterschlagung (8 246),
nach dem Militärstrafgesetzbuch gegebenenfalls als
„eigenmächtiges Beutemachen" (8 128) mit harter
Gefängnisstrafe, unter Umständen sogar mit Zucht¬
hausstrafe belegt werden, und zwar nach §8 7 und
161 des Militärstrafgesetzbuches auch dann, wenn
die Tat in einem von deutschen Truppen besetzten
ausländischen Gebiet begangen wird.
Wer sich widerrechtlich Beute- oder Fundslücke
aneignet, erwirbt selbst kein Eigentum daran und
kann es auch nicht durch Verschenken oder Verkaufen
an andere Personen übertragen. Die Militär- und
Zivilbehörden sind deshalb zur Beschlagnahme befugt.
Wer solche Gegenstände durch Geschenk oder Kauf
an sich bringt, kann sich dadurch der Hehlerei schuldig
machen.
Es wird daher vor Aneignung und Kauf dringend
gewarnt und hiermit die Aufforderung verbunden,
alle bisher aus Rechtsunkenntnis ohne Anzeige eigen¬
mächtig in Verwahrung gehaltenen oder erworbenen
Beutegegenstände unverzüglich an die Militär- oder
Ortspolizeibehörde, im Ausland an die nächste Mili¬
tärbehörde, abzuliefern. Wer ohne Befugnis im
Besitz solcher Stücke betroffen wird, setzt sich und
die an der Aneignung etwa Mitbeteiligten der Ge¬
fahr unnachstchtlicher strafrechtlicher Verfolgung aus.
Frankfurt a. M., den 18. Dezember 1914.
Stellvertretendes Generalkommando.
18. Armeekorps.
Der kommandierende General:
Freiherr von Gall, Genera! der Infanterie.
Bekanntmachung.
Morgen Sonntag den 3. Januar, nachmittags
2% Uhr, findet im oberen Schulhofe die Uebung
zur militärischen Vorbereitung der Jugend statt.
An alle jungen Männer im Alter von 16 bis
20 Jahren ergeht die dringende Bitte, hierzu er¬
scheinen zu wollen.
Sossenheim, den 2. Januar 1915.
Der Zugführer: Wagner.
Lofcal-Nacbricbten.
Sossenheim. 2. Januar.
— Versetzung. Herr Kaplan Bretz ist, wie be¬
kannt und mitgeteilt wurde, mit dem 1. Januar von
hier nach Frickhofen versetzt. Die katholische Kirchen¬
gemeinde hat den eifrigen Priester und im Verkehr
mit der Bevölkerung stets liebenswürdigen Herrn un¬
gern scheiden sehen; insbesondere hat der Jünglings¬
verein in ihm einen tüchtigen Präses, der den Verein zu
hoher Blüte brachte, verloren. An seine Stelle ist Herr
Kaplan Orth, seither in Nied, getreten.
— Die Neujahrs- bezm. Sylvesterfeier hat
sich den augenblicklichen Zeitverhältnissen entsprechend
in ruhiger Weise abgespielt. Im allgemeinen war
jedoch auch die Stimmung erklärlicherweise eine ge¬
dämpfte; und es kann mit besonderer Genugtuung
darauf hingewiesen werden, daß Ausschreitungen
nicht vorgekommen sind.
— Verkauf von 5% Kriegsanleihen durch
die Nassauische Landesbank. Wie bekannt, hatte
die Nassauische Landesbank vor etwa 6 Wochen damit
begonnen, aus ihren Beständen 5% Kriegsanleihen
zuletzt zum Kurse von 98% profistonsfrei abzugeben,
falls der Käufer sich einer einjährigen Sperre unter¬
warf und die Papiere bei der Landesbank hinter¬
legte. Inzwischen ist der ganze hierfür zur Ver¬
fügung stehende Bestand an 5% Reichsanleihen
ausoerkauft. Es können nur noch 5% Schatzan¬
weisungen abgegeben werden. Die Abgabe erfolgt
zu den bisherigen Bedingungen an der Hauptkasse
sowie bei den 28 Landesbankstellen. Diese Schatz¬
anweisungen bieten eine besonders günstige Ver¬
zinsung, da sie spätestens am 1. Oktober 1920 zu
pari zurückgezahlt werden. Der Käufer erhält also
nicht nur während dieser Zeit für sein Kapital 5%
Zinsen, er gewinnt auch noch die Kursdifferenz von
2%, da die Abgabe bis auf weiteres wenigstens zu
980/g erfolgt.
— Neue Darlehnskassenscheine. Im Hinblick
auf den starken Bedarf de? Verkehrs an Zahlungs¬
mittel zu 20 JL ist jetzt auch mit der Veraus¬
gabung von Darlehnskaffenscheinen zu 20 JL be¬
gonnen worden. Bisher waren bekanntlich nur Dar¬
lehnskassenscheine zu 5, 2 und 1 JL im Umlauf.
— Unseren Mitarbeitern aus Leserkreisen, die
uns im vergangenen Jahre durch Uebermittelung
von Nachrichten u. dergl. in liebenswürdigster Weise
unterstützt haben, sagen wir an dieser Stelle noch¬
mals unseren herzlichsten Dank für die wertvolle
uns geleistete Hülfe und bitten, uns ihre bewährte
Mitarbeit auch in diesem Jahre nicht vorenthalten
zu wollen, damit wir nach wie vor in der Lage
sind, der Einwohnerschaft mit einer erschöpfenden
Berichterstattung über alle Tagesereignisse des Ortes
dienen zu können.
(Deutschland steht gegen eine Welt von Feinden,
^2^die es vernichten wollen. Es wird ihnen nicht
gelingen, unsere herrlichen Truppen niederzu¬
ringen, aber sie wollen uns wie eine belagerte
Festung aushungern. Auch das wird ihnen
nicht glücken, denn wir haben genug Brotkorn im
Lande, um unsere Bevölkerung bis zur nächsten Ernte
zu ernähren. Nur darf nicht vergeudet und die
Brotfrucht nicht an das Vieh verfüttert werden.
Haltet darum haus mit dem Brot, damit die
Hoffnungen unserer Feinde zuschanden werden.
Seid ehrerbietig gegen das tägliche Brot, dann
werdet Ihr es immer haben, mag der Krieg noch
so lange dauern. Erzieht dazu auch Eure Kinder.
Verachtet kein Stück Brot, weil es nicht mehr
frisch ist. Schneidet kein Stück Brot mehr ab, als
Ihr essen wollt Denktimmeran unsereSoldaten
im Felde, die oft auf vorgeschobenen Posten
glücklich wären, wenn sie das Brot hätten,
das Ihr verschwendet.
Eßt Kriegsbrot; es ist durch den Buchstaben K
kenntlich. Es sättigt und nährt ebensogut wie anderes.
Wenn alle es essen, brauchen wir nicht in Sorge
zu sein, ob wir immer Brot haben werden.
Wer die Kartoffel erst schält nnd dann kocht, ver¬
geudet viel. Kocht darum die Kartoffeln in der
Schale, Ihr spart dadurch.
Abfälle von Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, die Ihr
verwerten könnt, werft nicht fort, sondern sammelt
sie als Futter für das Vieh, sie werden gern von
den Landwirten geholt werden.
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