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l\v. 1. UNttmoch den 5. Iannae
1910.
Hkal-^achrichten.
Sossenheim, 5. Januar.
— Zum Jahresanfang ein fröhliches Glückauf!
Die Klänge der Sylvester- und Nenjahrsglocken sind
verhallt, die festlichfroh bewegte Menschheit steht
wieder im altgewohnten Geleise des Werktags. Wir
schreiben 1910. Wenn nur ein Teil all der Wünsche
in Erfüllung geht, mit denen man die neue Zeit
am Syloesterabend begrüßt, wenn nur ein Teil all
der Liebe und Güte, die man am Weihnachtsfest
ausgeteilt, der guten Vorsätze, die man zum Dank
für erwiesene Geschenke gefaßt, ins neue Jahr mit
hinübergenommen würde, was würde das für ein
Segen sein — hoffen wirs, daß dem so ist! Auf
jeden Fall sind wir in Ruhe und Frieden ins neue
Jahr hineingekommen, mögen diese Beiden weiter
uns geleite» bis zu seinem Ende. Gedenken wir des
Guten, was das alte Jahr uns gebracht und hoffen
wir vom neuen gleich Erfreuliches. Wie Gott den
Ausgang des alten behütet, so behüte er auch den
Eingang des neuen Jahres, er segne und fördere
das Werk unserer Hände. Hat die Arbeit nach den
Tagen der Ruhe doch jetzt wieder ihr volles Recht
— wirken wir, so lange es Tag ist zum Segen
unser selbst wie zum Heile für Volk und Vater¬
land. Glückauf!
— Die Neujahrsnacht war gegen das Vor¬
jahr etwas lebhafter. Von 8 Uhr abends an knallte
es fortwährend, ganz besonders aber um 12 Uhr
brach ein vollständiges Bombardement los, das
meistens von jungen Burschen veranstaltet wurde.
Auch das Geläute der evangelischen Kirche hörte
sich 'feierlich an und so kamen wir in das neue
Jahr 1910. Möge dasselbe für uns Alle ein
gutes werde.
— Die Witterung im Januar dürfte sich,
wenn man dem allerdings oft recht unzuverlässigen
hundertjährigen Kalender Glauben beimessen will,
in den ersten vier Tagen trübe, dann bis zum 16.
schneereich oder regnerisch gestalten, vom 17. bis 20.
soll es windig werden, am 21. soll heftige Kälte
eintrcten, die dis zum Monatsschluß anhält und
eventuell Schneefälle mit sich führt.
— Auf eine 25 jährige Tätigkeit als Lehrerin
der hiesigen Schule konnte Fräulein Charlotte
Reusch am I. Januar zurückblicken. Die zahlreichen
Schüler und Schülerinnen, die sie im Laufe dieser
Zeit mit hingebendem Eifer unterrichtete, werden
ihrer stets dankbaren Herzens gedenken. Wenn wir
erst heute des Jubiläums gedenken, so geschieht dies
auf ausdrücklichen Wunsch der Jubilarin, die den
Tag am liebsten unbemerkt von der Oeffentlichkeit
begangen hätte. Es hatten aber sowohl eine große
Zahl von Ortseinwohner als auch vor allem der
Gemeinde-Vorstand an Hand der Ortschronik Kennt¬
nis von dem Gedenktage und so erfolgten dann auch
zahlreiche Beglückwünschungen von Privaten, den
Lehrerinnen und Lehrern, sowie der Behörde. Herr
Bürgermeister Bruin überreichte eine hübsche Stand¬
uhr mit Ständer unter einer Ansprache, in der
er für das segensreiche Wirken der Jubilarin in
der Gemeinde Anerkennung und Dank zollte. Gleich¬
zeitig gratulierten Herr Pfarrer Kochem und Herr
Rektor Pötsch als Vertreter der Schulbehörde
resp. des Schulvorstandes. Auch die Kleinkinder¬
schule gedachte ihrer zukünftigen Lehrerin, indem sie
durch eine Deputation unter Leitung ihrer Schul¬
schwester ihre Glückwünsche übermittelte. Möge es
der allgemein beliebten Jubilarin beschieden sein noch
recht viele Jahre zum Segen für Schule und Ge¬
meinde mit der seither bewiesenen Berufsfreudigkeit
zu wirken.
— 25jähriges Dienstjubiläum. Am 27. De¬
zember v. Js. waren es 25 Jahre, daß Herr
Damiau Böhm im Dienste der Familie Johann
! Schreiber steht. Gewiß ein schönes Zeichen des Ein-
! Vernehmens zwischen Beiden.
— Wissenschaftliche Ballonaufstiege. Am
Donnerstag den 6. Januar, finden in den Morgen¬
stunden internationale wissenschaftliche Ballonauf¬
stiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder un¬
bemannte Ballons in den meisten Hauptstädten
Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten
Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem
Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon
und die Instrumente sorgfältig birgt und an die
angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht
sendet.
— Einen Selbstmordversuch machte hier am
Sylvesterabend zwischen 9 und 10 Uhr der am
Rödelheimer Weg wohnende 18 Jahre alte Joseph
Dstemple mit einem Revolver. Er schoß sich
eine Kugel in die Brust. Lebensgefährlich verletzt
wurde Detemple nach Höchst in Krankenhaus ge¬
bracht. Furcht vor Strafe soll den jungen Mann
zu der Tat veranlaßt haben.
— An Festlichkeiten und Vergnügungen aller
Art war sowohl am Neujahrstag als auch am
Sonntag kein Mangel. Der Männergesangverein
„Eintracht" feierte am Neujahrstag sein Winter¬
fest im „Löwen". Im „Nassauer Hof" war Tanz¬
musik. Im „Taunus" hielt der Radklub „Pfeil"
seine Weihnachtsfeier. Am Sonntag Abend feierte
der Kath. Arbeiter- und der Jünglingsverein ge¬
meinsam ihre Weihnachtsfeier im „Nassauer Hof".
Hierbei erwähnte Herr Pfarrer Kochem in • seiner
Ansprache, daß der Vorwurf nicht berechtigt sei,
der öfters gemacht wird, daß es bei diesen Vereinen
nicht vergnügt und fröhlich herging. Der gemein¬
same Gesang sowie die Theaterstückchen erweckten
eine recht humorvolle Stimmung. Den Schluß der
Veranstaltung bildete der Tanz, der die Teilnehmer
bis zur vorgerückten Stunde vergnügt beisammen
hielt. — Der erste Preis-Maskenball am Sonntag
Abend im Gasthaus'„zum Löwen", veranstaltet von
dem Athletenverein „Germania", war gut besucht.
Zirka 30 Masken waren erschienen. Zur Ver¬
teilung kamen 5 Damen- und l Herrn-Preis.
— Uasfnnische Kirchenchronik 1909. Der Kon-
sistorialbezirk Wiesbaden umfaßt zur Zeit in 20 Dekanaten
oder Kreissynodalbezirken 279 Pfarrstellen und 6 Hilfs¬
predigerstellen. Gestorben sind im Jahre 1909 sieben, in
den Ruhestand getreten sind ebenfalls sieben Pfarrer.
Neu ordiniert wurden sechs Kandidaten. Der Titel Pfarrer
wurde verliehen den Hilfspredigern Schlosser-Griesheim,
Dr. Meinecke-Wiesbaden, Deitenbeck-Sossenheim, Michel-
Geisenheim, Jäger-Köppern und Rohr-Oberstedten. Die
Pfarrer Hein in Marienberg und Keller in Grenzhausen
wurden zu Dekanen befördert. Dem Konsistorialrat Jäger
I in Bierstadt wurde der Charakter als Geheimer Kon¬
sistorialrat, dem Pfarrer Liz. Schlosser in Wiesbaden der !
Grad als Doktor der Theologie und dem Pfarrer
Meinecke-Wiesbaden als Doktor der Philosophie verliehen.
Zu kirchlichen Zwecken wurden 50,663 Mark geschenkt
und an Kirchenkollekten gingen ein 56,949 Mark.
— Fahrpreisermäßigung für Schulfahrten. Die
für Schulfahrten gewährte Fahrpreisermäßigung kann
fortan auch für Erholungsausflüge und Veranstaltungen
von Turnspielen rc. gewährt werden. Von den Lehrern
haben nur die Anspruch auf Fahrpreisermäßigung, die
zur Aufsicht der Schüler erforderlich sind. Sobald auf
je 10 Kinder mehr als ein Begleiter entfällt, muß die
Genehmigung der Eisenbahndirektion zur Gewährung der
! Ermäßigung eingeholt werden.
— Gefunden : ein Schlüssel. Abzuholen auf
dem Bürgermeisteramt.
Mus )Vah und fern.
— Höchst a. M , 4. Jan. Nachdem erst vor
einigen Wochen der Konsumverein Höchst a. M.
und Umgegend in Unterliederbach eine große Ge¬
nossenschaftsbäckerei eröffnet, ist nun auch die
neu erbaute Dampfbäckerei der Farbwerke ihrem
Betriebe übergeben worden. Die Fabrik arbeitet mit
drei Oefen und ist mit den neuesten technischen Er¬
rungenschaften auf dem Bäckereigebicte ausgestattet.
Um die kleinen Bäckereien nicht zu schädigen, sollen
die Backwaren nur an Beamte und Arbeiter der
Farbwerke abgegeben werden. — Dem Kreisarzt
Medizinalrat Dr. Bein Hauer ist der Titel Ge¬
heimer Medizinalrat verliehen worden. — Der seit
Mitte November ausgebrochene Holzarbeiter¬
streik in den hiesigen Möbelfabriken, dem mehr als
500 Arbeiter angehören, dauert immer noch fort,
da bis jetzt eine Einigung zwischen Arbeitgebern
und Arbeitern nicht erzielt werden konnte. Die
Arbeitgeber haben einen neuen Lohntarif aufgesetzt,
welcher, wie die Arbeiter behaupten, eine Ver¬
schlechterung des alten Lohntarifs darstelle und in¬
folgedessen in dieser Form nicht annehmbar sei.
— Eschborn, 4. Jan. Wegen Verleumdung
des Polizeisergeanten Gaus hatten sich die Nacht¬
wächterseheleute Ch. Dietz vor dem Höchster Schöffen¬
gericht zu verantworten. Das Ehepaar hatte be¬
hauptet, Gauf habe mit der Frau Dietz verbotenen
Umgang gepflogen. Auf Antrag des Beleidigten
fand die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffent¬
lichkeit statt. Gauf bestritt unter Eid mit der Dietz
verkehrt zu haben. Die Frau wurde hieraus zu
zwei Wochen Gefängnis, ihr Mann zu 75 Mark
Strafe verurteilt. ■.
— Münster i. T., 4. Jan. Auf der Bahn¬
strecke zwischen hier und Oberliederbach gab es am
. Montag vormittag eine kleine Betriebsstörung, durch
zu schnelles Nehmen der Kurve; der hintere Wagen
eines Zuges sprang aus dem Geleise und wurde
zirka 100 Meter weit geschleift. Personen wurden
nicht verletzt. Der Materialschaden ist gering.
— Frankfurt a. M., 4. Jan. Mehrere Hand¬
werksburschen entwendeten dieser Tage in einem
Frankfurter Spezereiladen eine mit Schnaps gefüllte
Korbflasche und machten sich auf ihrer Flucht nach
Langen über das edle Getränke her. Zwei der
Walzbrüder sprachen der Flasche so reichlich zu,
daß sie schon unterwegs an Alkoholvergiftung
verschieden. Ein dritter im Bunde wurde derart
krank, daß er im Kreiskrankenhause in Langen Hilfe
suchen mußte. Sein Zustand ist in hohem Grade
bedenklich.
— Frankfurt a. M., 4. Jan. Ein in den
20er Jahren stehender Postbediensteter in den
Rödelheimer Landstraße machte am Montag morgen
in seiner Wohnung seinem Leben durch Erhängen
ein Ende. — Eine in der Rotlintstraße wohnhafte,
35 Jahre alte Frau trank ani Samstag Abend
nach einem Wortwechsel mit ihrem Galten ein
Fläschchen mit 50 Gramm Chloroformöl. Die
herbeigeholte Rettungswache nahm sofort die er¬
forderlichen Magenausspülungen vor und brachte
die Lebensmüde nach dem Marien-Krankenhaus.
— Der 11 Jahre alte Sohn eines Feuerwehrmannes
steckte am Sonntag Nachmittag einen Kanonenschlag
au und blies auf den glühenden Zünder, sodaß der
Kanonenschlag explodierte und dem Knaben das
das rechte Auge ausgeschossen wurde. Der
Verunglückte trug außerdem Brandwunden im Ge¬
sicht davon und mußte der Augenklinik im Marien-
Krankenhaus zugeführt werden. — In der Sylvester-
nacht wurde im Laden des Trödlers Jak. Marx,
Mainkurstraße 4, ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die
Diebe raubten eine größere Partie neuer Schuhwaren.
— Ebenfalls drangen Einbrecher in der Weid¬
mannstraße in eine Wohnung ein, während die
Familie sich bei einer Sylvesterfeier befand und
stahlen Schmucksachen im Werte von 1500 Mark.
Hus dem Gerichts Paal
— Höchst a. M., 29. Dez. (Schöffengericht.)
Der Arbeiter A. H. aus Sossenheim, hat seiner¬
zeit am Eingang der Höchster Gelatinefabrik einen
Kollegen mißhandelt. Für diese Mißhandlung erhält
er 1 Woche Gefängnis. Der Mitangeklagte I. L.
aus Griesheim wurde freigesprochen.
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| Fronkfort OW MctnJ