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vergrößern und daß sich die erforderlichen Millionen verzinsen
sollen, ist schwer anzunehmen. Der Magistrat wird sich natur¬
gemäß auf die Erhebung der Marktgebühren und Schlachtgelder
beschränken müssen. DaS Beispiel der Viehmarkl-Actiengesellschaft
ergiebt, daß sich damit kaum die Unterhaltung-- rc. Kosten be¬
streiten lassen. Einen Gewinn hat die Gesellschaft nur durch
Ausnutzung ihrer industriellen Anlagen erzielt,
und daß eine solche Ausnutzung dem schwerfälligen Apparate einer
Behörde nicht gut möglich, braucht kaum erst erwähnt zu werden.
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Frisches Fleisch aus Amerika.
London, ü. Jan. Das zunehmende Steigen der Fleisch¬
preise, veranlaßt durch vermehrte Nachfrage und die Ver¬
heerungen der Biehkrankheiten, welche auch eine Verminderung der
Einfuhr mit sich brachten, hat den schon früher, jedoch nicht mit
dem besten Erfolge, gemachten Versuchen, frisches Fleisch auS
Amerika einznführen, neue Anregung gegeben. In der Weih-
nachtSwoche kamen wieder etwa 40 Tonnen frisches Fleisch, das
von New-Aork abgeschickt worden war, auf den Londoner Markt.
Die Mittel, durch welche dasselbe gut erhalten wird, sind noch
Geschäftsgeheimniß, doch ist soviel bekannt, daß eigene Schiffe
für den Zweck eingerichtet werden, und das Fleisch in Tücher ge¬
hüllt und in große Gefäße verpackt wird, die mit einer Eisschicht
belegt werden. Außerdem soll ein durch Dampf getriebener Blase¬
balg in jedem der Fleischbehälter angebracht sein. Die erste Fleisch-
seudung fand zu 4 Sh. für 8 Pfund schnellen Absatz, und eine
-weitere, größere wird in wenigen Tagen erwartet.
Einsendungen.
Frankfurt a. M., im Fcbr. 1876.
Herr Redacteur! Ich versprach Ihnen vor Kurzem einen
Plan zu unterbreiten, auf welche Weise der hier am Platze herrsch -
enden Theuerung am besten begegnet werden könnte, und will
ich Ihnen heute mit wenigen Zeilen ein leicht ausführbares Project
mittheilen, wie es zum großen Vortheile der Einwohner in anderen
großen Städten schon längst ins Leben getreten ist.
Vorausgesetzt also Ihre Uebereinstimmung mit der Ansicht,
daß der übermäßigen Theuerung aller Lebensmittel Schranken ge¬
zogen werden müssen, soll nicht die Stadt dauernd und immer
mehr durch den Wegzug vermögender, unabhängiger Leute leiden,
und waS dagegen denn auch wohl ins Gewicht fallen dürfte, dem
weniger Vermögenden Gelegenheit geboten werden, sich menschen¬
würdig und seiner Gesundheit angemessen zu ernähren, so giebt es
zur Hebung dieses Uebelstandes einen, jeden Nachdenkenden leicht
überzeugenden, dabei auch nicht schwer ausführbaren Plan. Es
müßten vor allen Dingen Mar kt hallen, sei eS von städtischer
Seite, sei e- in Form einer Pcivatunternehmung, gebaut resp.
geschaffen werden. Den städtischen Markthallen dürfte der
Vorzug zu geben sein. Die jBenutzung derselben müßte einem
Jeden, der Lebensmittel feilhalten wollte, überlassen werden.
Damit allein wäre uns wenig geholfen. Nun haben wir
aber hier am Platze einen seiner Aufgabe bewußten, sehr lebens¬
kräftigen Factor, der hier helfend einschreiten könnte.
DaS ist unser landwirthschaftlicher Verein. In
dieser Beziehung denke ich mir dessen Aufgabe folgendermaßen:
LS bildet sich auS demselben und unter Zuziehung kaufmännischer
Elemente eine Gesellschaft oder Verein, der mit sämmtlichen Land-
wirthen der Umgegend bis auf eine ganz erhebliche Entfernung
Contracte schließt zur Berwerthung der von den einzelnm Oeco-
nomen oder Gutsbesitzern erzielten Produkte. Ich rechne also
dazu: Milch, Butter, Eier, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Geflügel rc.
Nach den bestehenden Eisenbahngesctzen werden nämlich
Lebensmittel auch mit Personenzügen ohne erhöhte Fracht be¬
fördert, und so könnte den Herren Producenten der Weg zur
Berwerthung ihrer Producte auf eine sehr wenig kostspielige Art
gezeigt werden, indem ihnen gleich baareS Geld nach geschehenem
Verkaufe ihrer Producte übersandt wird, und wenn dieses
Geschäft, welche- mehr als ein gemeinnütziges, als des Erwerbes,
halber betrieben werden müßte, nur richtig eingerichtet wird, so wäre
dadurch den bestehenden Einrichtungen eine Concurrenz geschaffen,
die unS dem gestellten Ziele sehr nahe bringen würde.
Ich enthalte mich für heute der näheren Ausführung deS
ganzen Planes, der in dieser Scizze nur in den Hauptzttgen
berührt worden ist und füge nur noch bei, ob es auch nur die
geringste Berechtigung hat, daß Brod, Fleisch, Obst rc. bei uns
hier 30 bis 100 °/ 0 theurer ist, als in unserer Nachbarschaft!
Hier helfend einzuschreiten, dürfte an der Zeit sein, und
mit diesen wenigen Zeilen möchte ich dazu anregen und diesen
Gegenstand, wenn möglich, in Fluß bringen.
„Hilf Dir selbst" ist nirgends besser anzupaffen, als in
dieser Lcbensmittelfrage, die durch apathische Klagen, wie man sie
täglich vernimmt, um keines Haares Breite gefördert wird.
Also selbst die Hand ans Werk. Paris, Brüssel und
viele andere Städte liefern den Beweis, wie man durch Herstellung
eine- geregelten Verkehrs in Markthallen die besten Producte zu
billigen Preisen liefern kann. Dieser Punkt ist gering genommen
so wichtig wie die Etablirnng von irgend welchen Vergnügungs¬
localen, für welche eS bei unserer städtischen Verwaltung nie an
Bewilligung der dazu nöthigen Mittel gefehlt hat. Wenn dies
ganz richtig in wohlverstandener Erwägung der Interessen unserer
Vaterstadt geschah und geschieht, um wie viel mehr Berechtigung
hat eine Einrichtung, die sich durch ihre richtige Etablirnng und
Ausbeutung gut rentiren wird und dabei in diesen schweren Zeiten,
deren Ende noch nicht abzusehen ist, für Jeden eine bedeutende
Erleichterung durch Schaffung billigerer Lebensmittel bieten würde!
Um mich noch vevständlicher zu machen, diene Folgendes:
Bor wenigen Tagen frühstückte ich in einen! feinen Locale auf den
Boulevards von Paris. Für Serviette, Brod, ausgezeichnete
Suppe, gebratenes Ochsenfleisch und Conipott mit J / 4 Flasche
Bordeaux zahlte ich 1 Franc 2ü cent. ----- 1 Mark.
Diese Zahlen dürften mich jeden weiteren Vergleichs mit
hiesigen Preisen überheben. Und doch dürfte hier leicht ein
Gleiches wie in Paris geboten werden können! Daher der Wunsch und
das Verlangen an Sie, der Einrichtung von Markthallen das Wort zu
reden, um dadurch dem Pnblikum die Vortheile zu bieten, in deren
Genuß cs anderweitig schon längere Zeit ist.
Die Vortheile, die den Landwirthen, sowie dem cou-
sumirenden Publikum dadurch geboten tvAden, sind zu einleuchtend,
um nähere Aufklärung zu bedingen.
Es dürfte sich daher empfehlen, den Herren Stadtverord¬
neten den Wunsch auf Errichtung von Markthallen zu
unterbreiten mit Zugrundlegung eines Plans der Regelung des
Verkehr- in denselben.*)
*) Dir bemerken hierzu, dag die Errichtung von Markthallen im
Prinzip seit Jahren von den städtischen Behörden beschlösse»! worden ist;
eS bekümmert sich aber heute kein Mensch »nehr um die Sache und die
betreffende Commission hat sich in aller Stille augelöst. Mehrfache be¬
zügliche Anfragen auS der Mitte der Stadtverordnetenversammlnng haben
nicht einmal eine Beantwortung gesunden! Red. de» Beob.
Für die Redactiav verantworttich L. Ataagmann — Lrnck und Verlag von Ltto Lanngieher in Zranlsun i, tvr.