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Deutfcbland muß liegen.
Das Stockholmer .Aftonbladet' stellt über die
immer besser werdenden Aussichten der Deutschen im
Weltkriege folgende interessante Betrachtungen an:
.. . . Als Anfang August die Kriegserklärungen
über Deutschland und dessen Bundesgenossen förmlich
Herniederhagelten, sagte die öffentliche Meinung im
allgemeinen den Deutschen eine gründliche Niederlage
voraus. Gegen Rußlands ungeheure Hceresmassen.
gegenüber dem glühenden Nationalhaff der Fran¬
zosen und der mächtigen englischen Flotte würden
sie — so meinte man — sich nicht behaupten können.
Nur in solchen Kreisen, in denen man die Stärke
des deutschen Kriegswesens kannte, war man anderer
Anllcht. _ , ...
Nach einer bald fünfmonatigen Kriegsdauer i>t
zunächst eines vollkommen klar: Das Hervorwälzen
der russischen Heeresmassen nach Deutschland
hinein, dem man in England und Frankreich so hoff¬
nungsvoll entgegensah, hat ein jähes Ende be¬
kommen. Eine Wiederaufnahme des russischen Angriffs
ist jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Vor allem
scheint der innere Zusammenhalt und die Disziplin
im russischen Heer so bedenklich erschüttert zu sein,
datz schon dieser Umstand der Wiederaufnahme einer
Angriffsbewegung gegen die festorganisterlen Armeen
Hindenburgs hindernd im Wege sieht. Unter
solchen Verhältnissen sind die technischen Hilfsmittel
von doppelter Bedeutung für ein Heer. Die Russen
haben aber in einem beunruhigenden Grade diese
Hilfsmittel verloren, ohne Ersatz dafür zu bekommen.
Wahrscheinlich hat das russische Heer nicht allein sein
Angriffsvermögen, sondern auch die Voraussetzungen
einer erfolgreichen Verteidigung eingebüfft. Hat die
Lawine erst zu rollen angesangen, läßt sie sich schwer
aushalten. namentlich weil die deutsch-österreichisch-
ungarischen Heere den Russen keine Zeit zur Reor¬
ganisation übrig lassen. Gleichzeitig beginnen in
Rußland bedenkliche Zeichen eines inneren Gärungs¬
prozesses sich zu zeigen. Rußlands Aussichten sind
somit schlecht. Hinzu kommt, daß die russische
hundertjährige Balkanpolitik eine empfindliche Nieder¬
lage erlitten hat. t m , . • .
Die in Frankreich und Belgien vorhandenen
deutschen Heere haben bisher alle Angriffe der ver¬
bündeten Franzosen. Engländer und Belgier erfolg¬
reich abgewiesen. Wenn die Dreiverbandsmächte im
Wellen einen für sich günstigen Ausfall herbeisührcn
.vollen, müßten sie rasch eine für sie erfolgreiche Ent¬
scheidung erzwingen. Es scheint aber, als sollte der
iranzöstsche „Ärrn" seine Stirn gegen den deutschen
„Schneid" blutig stoßen. Und wenn Hindenburg
bald seine Rechnung mit den Slawen fertig gemacht
haben wird, werden Hunderttausende der bellen und
erprobtesten Truppen der Welt von den Deutschen
vom östlichen nach dem westlichen Kriegsschauplatz
aeführt werden, um eine Entscheidung zugunsten
Deutschlands zu beschleunigen. Die sogenannten
..Millionenheere des Lord Kitchener" werden anderes
zu tun bekommen, als auf französischem Grund und
Boden zu streiten! Wenn eine deutsche Landung
von der Nordküste Frankreichs aus droht, wird es
mit der englischen Ausfaffung der Dinge nicht über-
cinstimmen. das englische Jnselreich der Truppen zu
entblößen!
Die zahlenmäßige Überlegenheit der englischen
Flotte kann das siegreiche Vorrücken der deutschen
und österreichisch-ungarischen Heere nie verhindern.
Die Entscheidung liegt in einem Festlandskrteg. nicht
auf dem Meere. Die Hauptaufgabe der englischen
Flotte wird die sein, die englischen Inseln möglichst
gegen einen deutschen Einfall zu verteidigen.
Die endliche Entscheidung zugunsten Deutschlands
wird nicht allzulange auf sich warten lassen. Rußland
wird die Donaumonarchie nicht Zusammenstürzen,
sondern fester zusammengefügt sehen. Frankreichs
Revancheplan wird niemals die Wiedergewinnung
des deutschen Reichslandes erreichen: es ist vielmehr
zwcuelhait. ob Frankreich die Grubcngebiete in seiner
uovbö iselten Ecke künftia behalten darf. Und Eng¬
land wird fortan die deutsche Reichsflagge als Kon¬
kurrentin auf den Meeren dulden müssen." .
Auch in anderen neutralen Organen, besonders rn
der Schweiz, kommt immer bestimmter die Über¬
zeugung zum Ausdruck, daß Deutschland seiner Feinde
Herr werden wird. Gegenüber den englischen und
fran-ösischen Lüqenberichten haben die durch dre
deutschen Leistungen geschaffenen Tatsachen nunmehr
langsam begonnen, das neutrale Ausland auszuklaren.
Man ist auch dort jetzt wie bei uns überzeugt:
»Deutschland muff siegen!"
« *
*
Verschiedene Krlegsnacbricbten.
Die Zustände in Paris.
Ein Mitarbeiter der .Neuen Züricher Nachrichten'
schildert die Zustände in Paris wie folgt: Aus Schritt
und Tritt wird an private Wohltätigkeit appelliert,
aber aus den mageren Sammlungslisten in den
Zeitungen ist erkennbar, wie groß in dem sonst so
gebeireudigen Paris der Geldmangel geworden rst.
Die reichen Klassen von einst müffen sich ebenso wie
die mittleren und unteren einschränken. Die .Union
des semmes de France' hat beispielsweise ein Rund-
schreiben erlassen, in dein sie erklärt, infolge des Geld¬
mangels müsse demnächst e i n T e i l ihrer S p r t a l e r
für Verwundete geschlossen werden; ihre
Zahl betrug bisher 480 mit 30 000 Betien. Der Auf¬
ruf bittet dringend um Naturalgaben, aber gerade
daran fehlt es. Die Hilfsspitäler des Noten Kreuzes
bilden eine wertvolle Ergänzung der Militärspitaler.
Letztere allein würden ihrer Aufgabe nicht gewachsen
sein. Selbst einige große Hotels sind zu solchen Hilfs¬
spitälern umgewandelt worden, die überall einge¬
richtet werden, wo irgend ein Platz vorhanden rst.
*
— Nach dem Mailänder .Corriere della Sera'
schickt Frankreich nunmehr den größten Teil
seiner Landsturmreserven von den Übungs¬
plätzen des Südens an die Front.
Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt
sich am Vatertande und macht sich strafbar
— Die französische Regierung bemüht sich ver¬
gebens. Nachrichten über die Lage jn M a r o k k o
zu unterdrücken. Es ist zur Bestürzung der Bevöike-
runr bekannt geworden, daß die Aufständischen nun¬
mehr auch Uschda und Taza besetzt haben.
Vom serbischen Kampfplätze.
Jn Serbien ist es in den letzten Tagen nur zu
kleineren Grenz Plänkeleien gekommen.
Die Serben scheinen sich von ihrer Erfchöp.ung noch
nicht erholt zu haben. Sie sprengten aber wieder die
schon früher einmal zerstörte Semliner Brücke über
die Save, die natürlich nach der demnächst bevor¬
stehenden Wiederaujnabme des österreichisch-unga¬
rischen Angriffs sehr rasch wieder hergestellt sein wird.
Serbien hat übrigens, wie die .Rußkoie Slowo' aus
Petersburg erfährt, der griechischen Negierung mit¬
geteilt. daß es aus eine Kriegshilfe, um derentwillen
Unterhandlungen gepflogen wurden, verzichte. Nach
dem Rückzuge der Österreicher aus Belgrad befinde
sich das serbische Militär in einer Lage, die es ihm
ermögliche, aus eigenen Kräften das Land genügend
zu verteidigen. — Es fragt sich nur: aus wie lange?
*
Amerika gegen England.
Unter dem Druck der öffentlichen Meinung hat
nunmehr die Regierung der Ver. Staaten eine Note
an die englische Negierung gerichtet, die zwar freund¬
schaftlich gehalten ist. aber in nicht mißzuverstehenden
Worten fordert, daß die amerikanische Schiffahrt
«„belästigt bleibe. Da Holland bereits eine ähnliche
Note in London überreicht hat, dürfte Amerikas Vor¬
gehen nicht ohne Eindruck auf die englische Negierung
bleiben. ,
Amerika schickt 30 000 Pferde nach Frankreich
Wie die.Baster Nachrichten' aus Boston melden,
sind 30000 von der französischen Regierung in den
Ver. Staaten angekauste Pferde auf griechischen
Schiffen nach französischen Häfen verladen worden.
*
Portugiesische Regimenter in Ägypten.
Die Turiner .Siampa' erfährt, daß am 20. De¬
zember z w e i p o r t u g i e s i s ch e I n s a n te ri e - R c -
qim enter in Kairo eingetroffen und rn den neu¬
erbauten englischen Kasernen untergedracht worden
sind. Wie verlautet, wird die amtliche Erklärung
des Kriegs zu st andes Portugals anr 18. zzanuar
erfolgen. ___ -
polMcke Rundfebam
Deutschland.
* Die ungarische Schwestervereinigung des Mittel-
uropäischen Wirtschaftsverbandes erörterte unter
Vorsitz des ehemaligen Ministerpra,identen Dr. We-
kerle die Frage, wie sich das handelspolitische
Verhältnis zu Deutschland nach Beend,-
gunq des Krieges und nach Ablauf der gegen¬
wärtigen Verträge gestalten werde. Das Ergevnis
war 'folgender Entschluß: Die Eriahrungeir und
Lehren des Krieges und die daraus sich entwickelnde
poiiiische Lage gleichwie die gegenseitigen wir.,chaft-
licken Interessen erfordern, datz O,terreich-Ungqrn
und Deutschland festere wirtschaftliche
Bande anstreben und diese rechtzeitig vorbereiien.
natürlich ohne Beeinträchtigung der handelspolitischen
Freiheit beider Vertragsteile, deren Aufrechterhaltung
beiderseits erwünscht ist.
* Die Kriegstagung des preußischenLand-
tags im Oktober 1914 ist durch vertrauliche Vor-
besvrechungen der Stcmtsreg'ierung mit den lyu'irein
der verschiedenen Parteien vorbereitet worden. Man
wird in der Annahme nicht fehlgehev. daß die am
9 Februar bevorstehende Frühiahrstagung
des Landtages in ähnlicher Weise vorbereitet wer¬
den wird. Die Hauptaufgabe vieler Tagung wrrd
die Feststellung des Staatshaushaltplans für 1918 ,ein.
* Der preußische L an d t a g s ab g e or dn e t e
Wolfs (Biebrich) ist in Biebrich gestorben. Seit
1897 vertrat er den heimatlichen Wahlkreis rm vreußi-
scken Abgeordnetenhause. Wolff. der früher Burger-
messier seiner Vaterstadt war, gehörte der nattona-
tiberalen Partei an.
Österreich-Ungarn.
* Das österreichisch-ungarische Ministerium des
Äußeren hat beschlossen, ein Rotbuch mit emer
Sammlung diplomatischer Aktenstücke
herauszugeben, die sich auf Ursachen und Uusbrurh
des Krieges beziehen und die darüber zwischen den
Mächten geführten Verhandlungen mitteilen.
Frankreich.
* Ein merkwürdiges Licht auf die vielbesprochene
Reife des ehemaligen F in a n z m in r st ers
C a i l l a u x nach Südamerika wirst ein Beschluß, den
das Exekutivkomitee der radikalen und radikalsoziall-
slischen Partei in einer Vollversammlung aemßt hat.
Es wurde beschlossen, die Stellung des Präsidenten,
die Caillaux bisher inne halte, zu streichen; bis aut
weiteres wurde der Generalsekretär der Pariei mit
der Wetterführung der laufenden Geschäfte beaustragt.
England.
* Die englische Regierung hat sämtliche in England
einberuftnen Friedenskundgebungen der
Arbeiterparteien verboten.
Italien.
* Die Anwesenheit des Fürsten Bülo w in
Rom beunruhigt die Dreioerbandspresse nach wie
vor auls höchste. Man steht einem Umschwung der
Doeb glücklich geworden.
231 Roman von Otto Elster.
kForts-hmig.t
»Nein — es handelt stch auch nicht um meine
Schwester, sondern um mich."
»Um Sie?! — Was Sie sagen? — Wenn ich
Ihnen helfen kann . . ."
»Das können Sie allerdings, indem Sie mir
sagen, wie Sie dazu gekommen sind, mich in den
Verdacht der Wechselfälschung zu bringen."
»Ei. ei." machte Martini einigermaßen überrascht.
.Hat Trude geplaudert?"
»Trude bat mir gesagt, daß Sie einen Wechsel
von mir in den Händen bätten, den ich unberechtigter¬
weise mit dem Namen unseres Vaters unterzeichnet
hätte."
„Hm — ja. — Da hat Trude Ihnen allerdings
die Wahrheit gesagt."
„Trude hat gesagt, was Sie ihr mitgeteilt haben,
aber Sie haben die Unwahrheit gesagt!" ries Herbert
erregt aus.
Martini sah ihn mit einem boshaften Seitenblick
an. Es mar ihm durchaus nicht angenehm, daß diese
Angelegenheit jetzt zur Sprache kam. Er hätte sie
lieber mit Stillschweigen übergangen und den Wechsel
als fortwährende geheime Drohung behalten. Aber
jetzt mußte er doch mit der Sprache heraus.
„Sie führen eine sehr scharfe Sprache, junger
Herr," sagte er spitz. „Ich habe nichts behauptet,
was ich nicht beweisen kann."
»Zeigen Sie mir den Wechsel!"
„Vorläufig werde ich ihn in meinem Geldschrank
da veitalten. Oder sind Sie gekommen, um ihn einzu¬
lösen ?"
»Nein — ich werde ein gefälschtes Papier nicht
Untösen. Wie sind Sie zu dem Wechsel gekommen?"
„Nun. ich habe ihn mit anderen gekauft."
„Sie haben ein falsches Spiel getrieben, Herr
Martini — oder Sie find selbst betrogen — auf alle
Fälle muß ich darauf bestehen, daß sie mir den
Wechsel zeigen und mir denjenigen nennen, von
dem Sie ihn gekauft haben."
»Ich werde Leides nicht tun. Herr Hammer."
»So werde ich Sie dazu zwingen!"
»Durch wen?"
»Durch das Gericht."
»Sie wollen die Sache anhängig machen?"
»Ja . . ."
„Nun, mir kann es recht sein, wenn Sie sich in
der Leute Mäuler bringen wollen. Aber um Ihnen
zu zeigen, daß ich es gut mit Ihnen meine, will
ich Ihnen einen Vorschlag machen. Der Wechsel
lautet, wie Sie wohl wissen werden, über zwei¬
tausend Mark. . ."
„Ich weiß von nichts!"
„Nun gut — dann hören Sie es jetzt. Also der
Wechsel lautet über zweitausend Mark. Sagen Sie
Ihrem Vater oder Ihrer Schwester, daß er oder sie
mir diese Summe zahlt und ich überliefere Ihnen
den Wechsel. Dann ist die Geschichte aus der Welt."
„Weshalb haben Sie, als meine Schwester sich er¬
bot. meine Schulden zu tilgen, ihr den Wechsel nicht
mit überliefert, wenn Sie so fest überzeugt waren,
daß ich ihn ausgestellt hatte."
Herr Martini lächelte schlau.
„Nun." sagte er boshaft, „inan gibt nicht gern
seine letzte Waffe aus der Hand."
„Ah — Sie sind ein. . ."
„Halt, junger Mann." zischte der Alte, seine dürre
Hand auf den Arm Herberts legend, „sprechen Sie
lieber das Wort nicht aus. Es könnte unserer
Freundschaft endgültig ein Ende machen. Ich habe
alles getan, um Ihren leichtsinnigen Streich nicht an
die Öffentlichkeit zu bringen . . ."
„Ich habe die Öffentlichkeit nicht zu scheuen!"
„Wirklich nicht?"
„Nein — der Beweis mag Ihnen sein, daß ich von
Ihnen direkt zum Staatsanwalt gehen werde, um
mich selbst zu denunzieren, damit eine Untersuchung
eingeleitet wird. Ob Ihnen das angenehm sein kann,
weiß ich nicht — ist mir aber auch gleichgültig. Ich
will meine Ehre nicht durch heimliche Verdächtigungen
beschmutzen lassen."
Martinis Augen schweiften unruhig umher. Eine
Untersuchung der Angelegenheit war ihm durchaus
nicht angenehm: es konnten da Dinge seines Ge¬
schäftsbetriebes zur Sprache koinmen, die höchst pein¬
lich für ihn werden mußten.
„Wollen wir die Sache doch nicht lieber unter
uns abmachen?" fragte er.
„Nein," war die entschiedene Antwort Herberts.
„Was verlangen Sie denn?"
„Ich will den Wechsel sehen."
„Nun, der Wunsch soll Ihnen erfüllt werden."
Damit schlich er zum Geldschrank, öffnete ihn und
holte mehrere Papiere hervor.
„Da — sehen Sie den Wechsel. Er trägt die
Unierschrlst Ihres Vaters: und hier ist das Protokoll
des Protestes, in dem Ihr Vater erklärt, daß seine
Namensunterschrlst gefälscht sei."
„Aber wie kommen Sie aus den Gedanken, daß
ich diese Fälschung begangen haben sollte?"
„Sehr einiach. Der Mann. dem ich den Wechsel
abkauste, sagte mir. daß Sie ihm den Wechsel selbst
übergaben."
„Wie heißt dieser Mann?"
„Karl Wilhelm Vollmerding..."
„Ich kenne den Mann nicht. Wo wohnt er?"
»Jn Berlin, Nothenturmstraße ..."