Seite
Sossenbeimer Zeitung
Amtliches MWMkchUHÄÄ fit ilik KemM Lchecheim.
WSchewtlichr Gratis-Sritagr: Mukrierte« U«trrhatt»« 8 »t»tstt.
L-.eje Zeitung erscheint wöchentlich zweimal urw zrr ar
Mittwochs und Samstags. AbonnementSpreir
monatlich 35 Pfg. frei ins Haus geliefert oder im
Verlag. Hauptstraße 126, abgeholt.
Elfter Jahrgang.
Verantwortlicher Herausgeber. Druck und Verlag
Karl Becker in Sofsenheim.
Anzeigen werden bis Mittwoch- und Samstag-
Vormittag (größere am Tage vorher) erbeten und
kostet die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum
10 Pfg., bei Wiederholungen Rabatt.
Ur. 96.
Mittwoch den 1. De;emver
1915.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Das Verzeichnis über den in der hiesigen Ge¬
meinde vorhandenen, nach § 12 ff. des Gesetzes
vom 12. März 1881, betreffend die Ausführung
des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unter¬
drückung der Viehseuchen, abgabepflichtigen Pferde-
und Rindviehbestand liegt in der Zeit vom 1.
bis 14. Dezember d. Js. im Rathause, Zimmer
4, während der üblichen Dienststunden zur Ein¬
sicht der Beteiligten auf.
Anträge auf Berichtigung dieses Verzeichnisses
sind binnen 10 Tagen nach Ablauf der Auslegungs¬
frist bei dem Unterzeichneten anzubringen.
Sossenheim, den 29. November 1915.
Der Gemeinde-Vorstand.
Lokal-Nachrichten.
Soflrrchetm, 1. Dez.
— Vom Dezember. Der letzte Monat des
Jahres 1915 hat nun begonnen. Der Monat der
uns kalendermäßig den Winter bringt, obwohl dieser
schon früher seinen Einzug zu halten pflegt. Als
Weihnachtsmonat genießt der Dezember große Ver¬
ehrung, nicht nur bei den Kindern, die von ihm
allerhand Ueberraschungen erwarten, sondern im
engen Zusammenhangs damit auch bei unserer Ge¬
schäftswelt. Hofft diese doch zum großen Teile,
namentlich soweit sie Geschenkgegenstände und der¬
gleichen vorrätig hält, durch einen guten Weihnachts¬
umsatz den im Laufe des Jahres teilweise flauen
Geschäftsgang noch auszugleichen. Bekannt ist, daß
die drei letzten Sonntage vor Weihnachten als
kupferner, silberner und goldener Sonntag das
Hauptgeschäft bringen sollen.
— Höchstpreise für Großviehhäute und Kalb¬
felle. Mit dem 1. Dezember 1915 tritt eine Be¬
kanntmachung in Kraft, die für alle der Beschlag-
nähme unterliegenden Großviehhäute und Kalbfelle
Höchstpreise festsetzt. Die Bekanntmachung be-
stimmt nur den Höchstpreis, den die Verteilungs¬
stelle des beschlagnahmten Gefälles, die Kriegsleder-
Aktiengesellschaft, an ihre Lieferanten zahlen darf.
Im übrigen wird es dem Verkehr überlassen, bei
den erlaubten Veräußerungsgeschäften über Häute
und Felle entsprechend niedrigere Preise zur An¬
wendung zu bringen, sodaß eine Lieferung an die
Kriegsleder-Aktiengesellschaft noch möglich bleibt.
Der Höchstpreis für die einzelnen Häute und Felle
ist je. nach Herkunft, Gewichtsklasse, Gattung,
Schlachtung und Beschaffenheit verschieden. Er
besteht aus dem für die einzelnen Klaffe der Häute
und Felle bestimmten Grundpreis, von dem fest¬
gesetzte Abzüge zu machen sind, je nachdem das
Gefälle Fehler hat oder in einer besonderen Weise
geschlachtet ist. Die Bekanntmachung, die die Preise
und eine ganze Reihe von Einzelbestimmungen ent¬
hält, kann bei den Polizeiverwaltungen eingesehen
werden.
— Die Kriegskredite der Gemeinden und
die Nassauische Landesbank. Bald nach Beginn
des Krieges hatte die Nassauische Landesbank die
Aufgabe übernommen, den Kreisen und Gemeinden
des Bezirks die Aufnahme von Kriegskrediten nach
Möglichkeit zu erleichtern. Sie hat Einrichtungen
getroffen, die es ihr ermöglichen, allen solchen An¬
sprüchen gerecht zu werden. Die Darlehenszu¬
weisung erfolgt in Form der laufenden Rechnung
zu einem Zinssatz, der sich nach der jeweiligen
Lage des Geldmarktes richtet. Dieser Zinssatz hat
sich durchschnittlich erheblich unter demjenigen der
Darlehenskassen (57 2 %) gehalten. Auffallender-
weise machen noch zahlreiche Gemeinden von dieser
Einrichtung keinen Gebrauch, obwohl die Landes¬
bank stets in der Lage ist, ausreichende Mittel
gerade für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.
— Schutz den Ketten- und Zughunden. Beim
Eintritt der kälteren Jahreszeit werden alle Be¬
sitzer von Kettenhunden dringend ersucht, die Hütten
Nachsehen zu lassen und dafür zu sorgen, daß sie
genügend Schutz gegen Nässe und Kälte bieten. —
Man bedecke sie mit Teerpappe oder Stroh, ver¬
hänge den Eingang, verstopfe vorhandene Fugen
und lege das Innere mit wärmenden Stoffen
(Decken, Stroh), die immer trocken sein müssen,
aus. — Die Führer von Hundefuhrwerken werden
noch besonders darauf hingewiesen, daß Zughunde
bei längerem Halten im Freien durch Zudecken und
Gewährung einer trockenen Unterlage vor Nässe
und Kälte zu schützen sind. Reichlichere Fütterung
ist ebenfalls notwendig, denn durch den Wärme¬
verlust steigert sich der Hunger.
— Künstliche Beschwerung von Leder. Eine
neu erschienene Bekanntmachung verbietet die Her¬
stellung künstlich beschwerten Leders, sowie jede
künstliche Beschwerung von Leder durch irgend
welche beschwerenden Mittel, wie sie bei der Her¬
stellung von Leder häufig verwandt werden. Die
Bekanntmachung tritt am 1. Dezember 1915 in
Kraft. Zur Fertigstellung von solchem Leder, mit
dessen Beschwerung am Tage des Inkrafttretens
der Bekanntmachung bereits begonnen ist, ist eine
Frist bis zum 31. Dezember 1915 gewährt worden.
Der Wortlaut der Bekanntmachung kann bei der
Polizeiverwaltung eingesehen werden.
— Kartoffelversorgung. Aus Berlin wird
amtlich gemeldet: Die Bekanntmachung über die
Kartoffelhöchstpreise vom 26. Oktober 1915 gab die
Möglichkeit, Kartoffeln bei Landwirten zu enteignen.
Es war jedoch die Einschränkung vorgesehen, daß
die Enteignung sich auf höchstens zwanzig vom
Hundert der gesamten Kartoffelernte eines Kartoffel¬
erzeugers erstrecken dürfe. Der Bundesrat hat nun¬
mehr in der Sitzung vom 29. November den
Landeszentralbehörden oder den von ihnen bezeich-
neten Behörden die Berechtigung gegeben, zu be¬
stimmen, daß auch über mehr als. 20 vom Hundert
verfügt werden könne. Diese Behörden können also
die in der Zwanzigprozentgrenze liegende Ein¬
schränkung teilweise oder ganz und gar aufheben.
Ferner hat der Bundesrat verlangt, daß auf die
Mengen, die enteignet werden können, nur die
Mengen anzurechnen sind, die die Landwirte bereits
nachweislich nach dem 10. Oktober 1915 als Speise¬
kartoffeln verkauft und geliefert haben. Die Voraus¬
setzung der Lieferung ist hierbei neu.
— Höchstpreise für Leder. Gleichzeitig mit
der Bekanntmachung, die die Höchstpreise für Gro߬
viehhäute und Kalbfelle regelt, tritt am 1. Dezember
1915 eine weitere Bekanntmachung in Kraft, die
Höchstpreise für Leder festsetzt und eine Beschlag¬
nahme bestimmter für Militärzwecke zu verwendender
Ledersorten ausspricht. Die Höchstpreise betreffen
Leder jeder Herkunft, jeder Gerbart und jeder Zu¬
richtungsart. Eine Preistafel verzeichnet die Preise
für die einzelnen Arten und Sorten von Leder.
Der Verkaufspreis im Großhandel darf den fest¬
gesetzten Grundpreis um nicht mehr als 3 v. H.,
der Verkaufspreis im Kleinhandel um nicht mehr
als 10 v. H- überschreiten. Die festgesetzten Preise
sind für Leder bester Beschaffenheit angenommen.
Beschlagnahmt sind bestimmte Lederarten, soweit
sie sich im Eigentum, Besitz oder Gewahrsam einer
Gerberei, Zurichterei oder Gerbevereinigung be¬
finden. Die Veräußerung und Ablieferung der¬
artigen beschlagnahmten Leders ist nur auf un¬
mittelbaren schriftlichen Antrag einer amtlichen
Beschaffungsstelle der Heeres- oder Marineverwaltung
oder auf Grund eines von der Meldestelle der
Kriegs-Rohstoff-Abteilung für Leder und Lederroh¬
stoffe ausgestellten Freigabescheines erlaubt. Alle
übrigen Ledersorten unterliegen keiner Verfügungs¬
beschränkung. Die Bekanntmachung, die eine ganze
Reihe von Einzelbestimmungen enthält, ist bei der
Polizeiverwaltung einzusehen.
— Der Krieg hat sein Gutes. Ein Leser
schreibt dem „Kreisblatt": „Waren das Zeiten, die
Zeiten vor dem Krieg! Ueberall reiche Arbeits¬
gelegenheit und gute Löhne, verhältnismäßig niedrige
Lebensmittelpreise und Friede im Lande. Trotz
alledem herrschte in weiten Kreisen unseres Volkes
keine Zufriedenheit. Das kam daher, daß man die
Ansprüche ans Leben ins Unendliche schraubte.
Man lebte sich aus. Kostbarste Kleidung selbst bei
den Minderbemittelten, Luxus in der häuslichen
Einrichtung, Wohlleben und Genußsucht in weiten
Schichten unseres Volkes. Der Krieg hat nun alle
dahin gebracht, umzulernen. Er hat es mit eiserner
Faust gezeigt, daß eine Umkehr und Rückkehr zur
altdeutschen Einfachheit und Sparsamkeit, zur
Häuslichkeit und Zufriedenheit erfolgen muß. Gott
sei Dank, daß sie erfolgt ist! Man greift wieder
zu den alten Anzügen und Kleidern, die als nicht
mehr modern in Friedenszeiten an den Nagel
gehängt wurden; man zieht wieder Stiefel und
Schuhe an, an denen ein Riester sitzt; man setzt
wieder den Hut auf, der schon auf dem Speicher
oder in der Dachkammer hing. Man ißt wieder
trocken Brot und Kartoffeln und Gemüse ohne
Fleisch und ist zufrieden, wenn man in der warmen
Stube sitzen kann ohne Lichtbilder oder irgend einen
politisch angehauchten Vortrag, der meist nur darauf
berechnet war, hier und da den Leuten die Groschen
abzuknöpfen. Es ist tatsächlich als ein „Kriegs¬
gewinn" zu betrachten, daß so vieles anders und
besser geworden ist. H»(fin wir, daß es in Zu¬
kunft so bleibt."
— Wetterregeln für Dezember. Im De¬
zember ist im allgemeinen die Witterung in ihrer
Entwickelung schon so stetig geworden, daß die auf
langjähriger Erfahrung beruhenden Bauernregeln,
die sich mit dem Dezember beschäftigen, einigen
Anspruch auf wirkliche Zuverlässigkeit machen können.
Veränderlicher Dezember mit linder Witterung oder
gar Regen verheißt einen verpfuchten Winter mit
schlechten Aussichten auf die Ernteergebnisse des
kommenden Jahres, denn: „Dezember veränderlich
und gelind — bleibt der ganze Winter ein Kind"
oder: „Jst's im Dezember warm — dann wird
der Bauer arm". Tritt dagegen im Dezember die
ersehnte Kälte ein, zu der sich zum Wintervollmond
wohlmöglich noch gar ein scharfer Nord- oder
Nordostwind gesellt, dann freut sich des Bauern
Herz. Solche Witterung kommt ihm gelegen:
„Dezember kalt mit Schnee — gibt Korn in jeder
Höh'" oder: „Jst's im Dezember kalt und klar —
dann folgt ein reich gesegnet' Jahr".
- „Gnadenfrist" für Waschkessel bis zum
1. April. Der Ersatz der kupfernen Waschkessel
und der Ascheraum- und Rauchverschlußtüren aus
Messing würde sich sehr schwierig gestalten, wenn
diese Dinge sofort der Beschlagnahme verfallen
würden. Das Kriegsministerium will daher den
Hausbesitzern ein besonderes Entgegenkommen zeigen
und hat zu diesem Zweck folgenden Bescheid an den
Hauptvorstand der städtischen Hausbesitzervereine
Deutschlands ergehen lassen: „Die Erzeugung von
eisernen Ersatzwaschkesseln wird fortdauernd ge¬
steigert. In einigen Monaten werden daher ge¬
nügend Ersatzwaschkessel zur Verfügung stehen. Mit
Rücksicht auf die Verhältnisse wird in der im No¬
vember veröffentlichten Verordnung zur zwangs¬
weisen Ablieferung der beschlagnahmten Gegenstände
aus Kupfer, Messing und Reinnickel für bie_ Ab¬
lieferung der erwähnten Gegenstände (Kessel, sowie
Ascheraum- und Rauchverschlußtüren) eine Frist bis
zum 31. März 1916 festgesetzt werden. Außerdem
ist den Kommunaloerbänden anheimgegeben, in ge¬
eigneten Fäll en eine Nachfrist zu bewilligen."
Huö dem Gerichts faal.
— Zuchthaus für den Versuch. In Kirdorf
drang abends der 26 jährige Arbeiter Blasius
Trüb (seinerzeit in Sossenheim wohnhaft) in das
Kontor einer Holzschneiderei und versuchte sich im
Geldschrankknacken. Dabei wurde er gestört. Die
Strafkammer erkannte wegen versuchten schweren
Diebstahls im Rückfalle auf ein Jahr Zuchthaus.