9
Arm in Arm wandelten Beide hierauf weiter, und plauderten noch ein langes und Breites über den kleinen mit dem Sonnenstrahl ganz frisch von Jenseits angekommenen Weltbürger, bis der östliche Himmel sich röthete, und das scheidende Himmelsgestirn die hohen gezackten Felskuppcn des nahen Unterberges wie mit einer goldenen Glorie übergoß.
„Ein herrlicher Abend!" sagte Adlgasser. „Aber ich zweifle nicht, schönere Tage werden ihm folgen. Gott hat Euch ein Sonncnkind bescheert, Mozart, — also ein Wunderkind! Hoffen wir, daß es die ganze Welt mit seinem Geistes-Lichte erfüllt!"
„Ja, hoffen wir es, im Vertrauen auf den Beistand des Höchsten," sagte Vater Mozart bewegt. „So viel an mir liegt, will ich Nichts versäumen, um mit der Zeit einen ganzen Mann aus dem Buberl zu machen!"
Sie erreichten jetzt die Stadt, wo ihre Wege sich trennten. Mit herzlichem Händedruck nahmen sie Abschied von einander, und begaben sich ein Jeder in seine Wohnung. Vater Mozarts erster Gang daheim führte ihn an die Wiege seines Knaben. Der Kleine schlief still und ruhig, Vater Mozart drückte einen sausten Kuß auf seine Stirn, und empfahl ihn in stillem Gebet dem Schutze des Herrn. Dann begab er sich in sein Wohnzimmer, nahm seine Geige, und gab in den süßesten Tönen den glücklichen Empfindungen, welche sein Herz erfüllten, einen melodischen Ausdruck. Das war immer schon seine Art und Weise so gewesen, wenn ihn etwas innerlich beschäftigte und bewegte. So schön aber, wie an diesem Abende, hatte er seit langer langer Zeit, ja vielleicht in seinem ganzen Leben noch nicht gespielt. Freilich hatte er auch gerade heute die früheste und begründetste Veranlassung dazu.

