11
Plötzlich jedoch unterbrach der kleine Knabe seine stille Beschäftigung, sein hübsches, freundliches Gesicht wurde von einem Lächeln überstrahlt, er sprang auf, und klopfte mit den Fingern stark gegen die Fensterscheibe.
„He, Andres," schrie er mit lauter Stimme hinaus, — „Andreserl, komm' auch ein bissel zu mir herein, ich bin ganz allein da!"
Gleich darauf wurde die Stubenthür geöffnet, und ein Knabe von Wolfgangs Alter, Andreas Schachtner, sein gewöhnlicher Spielkamerad, trat mit verwundertem Gesicht in daS Zimmer.
„Ei, Wolfgangerl, was bist du so schön geputzt," sagte er, — „und es ist doch heute weder Sonntag noch Feiertag."
„Nein, aber Geburtstag," versetzte der kleine Wolfgang mit wichtiger Miene. „Bater's Geburtstag! Da gibt's Kuchen und Wein, Andreserl! Das soll einmal gut schmecken!"
„Ja, dir! Aber was hab ich davon," sagte Andres fast weinerlich.
„Ei, was weinst," erwiderte Wolfgang hastig und in liebevollem Eifer. „Denkst du denn, ich werde dir nicht ein Stückcrl Kuchen abgeben und dich nicht aus meinem Glase trinken lassen? Nein, so bös bin ich nicht! Also sei nur zufrieden, und lass' uns ein bisserl spielen mir einander, daß uns die Zeit schneller vergeht bis zum Mittag."
„Aber was wollen wir spielen? Draußen im Freien ist'S kalt, Wolfgangerl," sagte Andres, von der Aussicht, auch ein wenig Kuchen und Wein zu bekommen, schnell be schwichtigt.
„So bleiben wir im Zimmer und schlagen Purzelbäume," rief Wolfgang. „Das ist eine Lust, wenn man dabei auch einmal auf die Nase fällt."

