Weimar. den 4ten November 1824.
Ihr liebes freundliches Schreiben, lieber Herr Fleischer,
war auch mir wie Kraft, in diesen trüben Tagen, wo noch obendrein
manche noch trübere Erinnerung aus meinem vergangenen
Leben auf mir lastet. Es bleibt doch immer eine der
freundlichsten Erfahrungen im Leben, wenn wir da
Ansprache finden wo unser eignes Herz uns entrübt sie
zu suchen, und diese haben Sie mir gegeben. Vom ersten
Augenblicke an erschienen Sie mir als ein alter lieber
Freund und Bekannter, als solchen habe ich Sie angeredet,
als solcher haben Sie mir freundlich geantwortet, und
ein solcher hoffe ich sollen Sie von nun an mir bleiben.
Gebe mir der Himmel nur bald wieder die Freude
mit Ihnen auch in der Wirklichkeit wieder zusammen
zu treffen, wie wir jezt schriftlich miteinander
zusammengetroffen sind.
Die versprochen Erzählung beschäftigt mich jezt
ausschließend, Dank Ihnen, wie für so vieles, auch dafür
daß Sie mir Zeit geben, doch hoffe ich noch vor Ablauf
dieses Jahres damit fertig zu sein.
Mit der herzlichsten Ergebenheit
IhreJohanna Schopenhauer
