Vorwort.
Die Veranlassung zu diesem Werke gab eine Nachforschung über persönliche Verhältnisse, welche ich im Jahr 1838 begann. Je mehr mir dabei die ungedruckten Quellen der kölnischen Geschichte und Verfassung, ihre Wichtigkeit und der Grund, warum sie seither wenig benutzt sind, bekannt wurde, desto mehr drängte es mich, auch das, was sich über den Zweck meiner Arbeit hinaus darbot, zu sammeln. Der ergenthümliche Reiz, der geschichtlichen Forschungen innewohnt, beförderte die Vervollständigung. So entstand dieses Werk, (bis jezt) eine Arbeit von zehn Jahren, von der ich den ersten Band dem Publicum übergebe.
Die hauptsächlichen, rein städtischen Quellen, welche ich benutzte, und von denen ich schon anderswo auseinander setzte, daß sie selbst das überbieten, was Barcellona ruhmvoll besitzt, und was die real do lg historia in Madrid
seit 1731 erstrebt, sind folgende: I) das Stadtarchiv in seinen beiden Abtheilungen reichsstädtische und hanseatische Angelegenheiten. Es ist im vortrefflichsten Stande, die Urkunden uno Siegel scheinen erst gestern gefertigt. 2) Die Schreinen, mehr als 500,000 Urkunden, und 3) die dazu gehörigen Belege gegen 25,000 Testamente, Verträge u. s. w. lieber beider Werth und Inhalt habe ich bereits in nreinen „diplomatischen Beiträgen" gesprochen, auf die ich hier bis zum 5n Bande dieses Werkes verweisen muß. 4 ) Das Archiv der Armenverwaltung, beziehungsweise der größten Deutschlands mit sehr alten Urkunden. 5) das Archiv der Schulverwaltung — über welche man durch „von Lianoo's Geschichte der Universitär" Auskunft erhält — mit den urkundlich belegten Stammbäume sämmtlicher Personen, welche am Genuß der Stiftungen Theil gehabt haben. 6) Das Domarchiv, leider seit der französischen Revolution zersplittert. 7—20) Die Archive der Abteien Maria im Capitol, groß Martin, Machabäer, Mauritz, Pantaleon, Sion (Sayn), St. Ursula, und der Stifte Andreas, Aposteln, Cunibert, Gereon, Georg, Maria ad gradus und Severin. 21—42) Die Archive der Klöster der Dominicaner, Antoniter, Jesuiten, Minoriten, Kreutzbrüder, Augustiner, Capuciner, Carmeliter, Clarissen (St. Gertrud), Franciscaner (Oliven), weißen Frauen, Frauen Brüder, Ursuliner, Cellitiuen, Capucinesseu (Lämmchen auf der Breitestraße), Augustinerinnen (zum Lämmchen auf der Burgmauer und St. Marimm), Cistercienserinuen (St. Apern und Maria Garten), Servitessen, Carmelitcssen, Benedictinerinnen. 43—44) Die Archive der deutschen Ordensritter St. Catharina und der Johanniter-Ritter Johann und Cordula. 44—5!) Die Archive der Zünfte. 52) Das Archiv der Erbvogtei. 53—55) Die Sammlungen von Gelen, Alfter und Redinghouen.
Alle diese Quellen waren seither fast unzugänglich. Das Stadtarchiv, weil die Stadt den dafür nothigen Archivar nicht besoldete, *) die Schreine und die dazu gehörigen Testamenten u. s. w., weil sie nicht geordnet und überdieß in einem Gewahr sind, worin die heilige Nechtspsiege seltenen Eingang gestattet, **) das Archiv der Schul- und Armen-Verwaltung tbeils, weil es nicht zweckmäßig aufgestellt, theils weil sie noch nicht vollständig geordnet waren. ***)
Daß es mir dennoch gelungen ist, zu den meisten obigen Quellen zu gelangen, habe ich als eine besonders günstige Eonstellation betracktet und darin eine erhebliche Aufforderung gefunden, den Gewinn nicht bloß für mich fruchtbringend
*) Herr Obersecretair Fuchs hat über die Schätze mit einer nicht genug anzuerkennenden Sorgfalt gewacht, er hat sie aus eignen Mitteln ergänzt und mit unermüdlichem Fleiße das Vorhandene geordnet und einregistrirt. Indessen, so sehr man über den, noch in vielen anderen Punkten ausgezeichneten Patriotismus dieses Mannes, wenn einst seine Bescheidenheit kein Hinderniß mehr ist, wird staunen, so wenig wird man es tadeln, wenn er nicht jedem Forscher bei seinen Arbeiten zur Seite stehen kann. Sein nächster Beruf ist, das täglich wachsende Schreibwerk der Stadt zu beherrschen, und das fesselt ihn von Tag zu Tag länger an sein Bureau, auf dem er der Erste ist, der kommt, der Letzte der geht. Nur Unbescheidenheit könnte einem solchen Manne den Beruf erschweren.
*•) Ich habe die 300,000 Schreinsurkunden, dank sei es meiner richterlichen Stellung und den wackern Männern Herrn Obersecretair Euler und Thurn, welch? mir dabei ihre Zeit opferten, bis auf Wenige sämmtlich durckgelesen, und würde auch diese Wenigen, so wie die Testamente u. s. w., von denen ich nur einige Hundert benutzen konnte, durchgegangen sein, wenn nickt aus alleinigem Formalismus von oben herab Schwierigkeiten erhoben worden wären, welche die fernere Arbeit so gut wie unmöglich machten. Ich wandte mich, um das zu erzielen, was die Justiz unbedingt allen Gerichtseingesessenen schuldig war, und was auch mein Ziel gefördert hätte, unter dem 5. April 1843 mit folgender Eingabe an den Generalprocurator: ,,Indem ich die Ehre habe Ew. rc. ein Exemplar meiner Brochüre über die Dombaumeister zu übersenden, fühle ich mich verpflichtet, Ihre Aufmerksamkeit auf die Schreine zu lenken. Diese, unstreitig der merkwürdigste Urkundenschatz, haben seit der französischen Jnnasion verschiedene Schicksale erlitten und durch diese zum Theil ihren Einband, fast alle aber ihre richtige Bezeichnung eingebüßt. Mit dem fehlenden Einband haben sich die Bücher in fliegende Blätter und vereinzelte Lagen aufgelößt; schon dieses hat den Werth und die Brauchbarkeit der Sammlung bedeutend vermindert, mehr aber noch der Mangel deS richtigen Titels, denn ohne ihn ist der practische Werth der Bucker, welchen ihnen die Schreinsschreiber dadurch zu geben wußten, daß sie von einem Buche auf das andere verwiesen, und so die Verfolgung eines Rechtsverhältnisses von seinem letzten Stadium bis zu seinem Entstehen und umgekehrt möglich machten, verschwunden. Zwar sind die Bücher bei ihrer Uebernahme zum Landgericht in Register getragen und dort mit Namen belegt, die aber weil sie willkührlich sind, die Verwirrung nur vermehren.
„So habe ich denn, als ich vor vier Jahren die Sammlung zu wissenschaftlichen Zwecken zu benutzen begann , zunächst für die Herstellung des ursprünglichen Zustandes Sorge tragen müssen. Durchlesung sämmtlicher Bücker und weitläufige Vergleichungen und Prüfungen waren die einzigen Mittels welche mich erst vor einigen Wochen zum Ziel gebracht haben. Den so entstandenen Catcllog habe ich dem beigefügten Wüchelchen einverleibt. Die unendliche Mühe, welche die Arbeit verursachte, habe ich gerne darauf verwand, ich kann indessen den Wunsch n'cht unterdrücken, daß nunmehr auch für die Erhaltung des Zustandes Sorge getragen werde, und dazu ist dringend nothwendig, daß die zum täglichen Gebrauch bestimmten Bücher, soweit sie bandlos sind, geheftet werden, eine Arbeit die ich auf höchstens 80 Thaler Buchbinderlohn und einige Thaler für Pergament anschlage. Auch wäre im Archiv, wenn die Feuchtigkeit nicht sckaden soll, ein Ofen nöthig
„Mit den Sckreinen sind gegen 2.3,000 Testamente u. s. w. verbunden, rücksicktlich ihrer erlaube ick mir auf die Note 1.32 des beigefügten Büchleins zu verweisen. Diese sind noch nickt registrirt und die alphabetische Ordnung in der sie in den Fächern stecken, ist nur eine scheinbare. Für die Rechtsverhältnisse Einzelner so wie für die Geschichte wäre es von großem Nutzen, wenn diese Urkunden numerirt und in Verzeichnisse eingetragen würden, ein Kundiger kann mit einem Schreiber diese Arbeit in 3—6 Wocken vollenden."
Der Generalprocurator hat meinen Antrag unterstützt, der Justizminister hat ihn, weil er Geld kostete, verworfen. Hierin lag eine Art Justizverweigerung. Die Gemeinde zu Cleve, welche für einen Prozeß das in den Schreinen befindliche Testament des Erzbischofs Bruno nothwendig hatte, und für dessen Auffindung 1000 Thaler bot; Herr Dr. F. v. Mering, der für seine Rechte die Testamente seiner Vorfahren, welche nach dem Uber parationum in den Schreinen beruhen, nöthig hatte, die aber nach seiner öffentlichen Beschwerde in Nro. 173 der Cölner Zeitung vom Jahr 1.843 aus angeführten Gründen nicht aufgefunden werden konnte, so wie viele Aüdere blieben rechtlos, weil man einige Thaler für eine Arbeit scheute, die sich sogar durch den Werth desjenigen Pergaments selbst bezahlt hätte, welches sich am Schlüsse der Arbeit als unnütz Herausstellen mußte. Daß man meine unentgeldige vierjährige Arbeit, welcke man einem Archivar kaum mit 2400 Thaler bezahlen konnte, übersah, vergaß, daß diese dem Justizfonds zugewachsen waren und nicht begriff, daß sie auch in Kurzem wieder verloren gehen würden, wenn man das Geleistete nicht zu erhalten suche, ist ein Caracteristicum der früheren Verwaltung.
*") Die Alfter'sche Sammlung ist bis auf die Genealogica seit einem Jahre der Jesuiten-Bibliothek einverleibt und Herr Secretair Weckmann hat kürzlich sein, bei den übrigen Arbeiten doppelt dankenswerthes Ordnen der alten Registratur vvllendet.
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