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Erstes Capitel.
Von der Natur des Taubstummen.
§)ie Erforschung des Schülers wird von dem Taubstummenlehrer um so dringender zu fordern sein, als er mehr denn jeder andere Lehrer zugleich erziehend einwirken soll. Er soll dies, weil die Erziehung des Taubstummen im elterlichen Hause und durch das Leben überhaupt gewöhnlich im höchsten Grade vernachlässigt wird. Wenn es schon deshalb nothwendig schien, eine genauere Betrachtung über das Wesen des Taubstummen dev Anweisung zu seinem Unterrichte vorauszuschicken, so leuchtet die Wichtigkeit dieser Betrachtung noch mehr daraus ein, daß die hierüber verbreiteten Vorurtheile auf die Erziehung und den Unterricht desselben höchst nachtheilig eingewirkt haben und auch in unserer Zeit der Verallgemeinerung des Taubstummen «Unterrichts mächtig entgegen wirken. Also:
Soll Wahrheit eine offne Freistatt finden.
Muß Vorurtheil und Aberglaube schwinden;
Denn nimmer trägt der Boden gute Saat,
Den man vom Unkraut nicht gereinigt hat. —
Es kann hier nur größtentheils im Allgemeinen geschehen, da eine spe- cielle Bearbeitung dieses Gegenstandes leicht ein eigenes Buch füllen würde und es uns hier nur auf die Erklärung des Wesentlichsten ankommt. —
Die gewöhnlichen Erscheinungen an Taubstummen, welche man in der Regel irrthümlich alle für charakteristische ansieht, lassen sich auf drei Ursachen zurückführen: erstlich auf die Taubheit selbst, dann auf die Veranlassung zur Taubheit und endlich auf die Erziehung.
Diese drei Ursachen üben mancherlei Einfluß auf den Taubstummen aus.
