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Sechstes Capitel.

Von den Veranschaulichnngsmitteli» beim Sprachunterrichte Taubstummer.

§^>'e Nothwendigkeit der Anschaulichkeit des Unterrichts der Taubstum­men glauben jvir in dem Worangegangenen genügend nachgewiesen zu haben; sie wird auch mehr und mehr von denen anerkannt, welche sich diesem Unterrichte gewidmet haben. Daneben fehlt es dennoch nicht an Solchen, welche meinen, daß die Geberdensprache des Taubstummen den Sprachschatz des hörenden Schülers beim Eintritt in die Schule hinreichend ersetze und eben so gut zur Grundlage und zum Anknü­pfungsmittel für den nachfolgenden. Unterricht dienen könne, wie diese. Es sind dies Solche, welche steif bei dem alten, von dem Abbö de l'Epöe angewendeten Verfahren stehen geblieben sind, ohne aus die Fortschritte des Elementar-Unterrichts seit Pestalozzi zu achten und dieselben auch auf den Taubstummen - Unterricht anzuwenden.

Allein wie ist eine Veranschaulichung des Lehrstoffes in der Aus­dehnung, wie wir sie gefordert haben, in der Schule möglich, da doch nicht Alles in dieselbe zur Betrachtung und Besprechung gebracht wer­den kann? Dies ist nicht selten die Frage gewesen, welche man jener Forderung, trotz ihrer Natürlichkeit, entgegensetzte. Leider hatte man sich im Taubstummen-Unterrichte so weit von der Natur und dem Le­ben entfernt, daß man den Rückweg zu ihnen kaum wieder finden konnte. Anstatt die Schüler in beides unmittelbar einzuführen, suchte man nach allerlei künstlichen Mitteln, die trotz ihrer Künstlichkeit die Natur niemals ersetzen konnten und in ihren Wirkungen dieser immer nachstehen mußten. Zur Betreibung eines anschaulichen Sprachunter­richts weisen wir darum zunächst auf die Natur und auf das Leben selbst hin. Mit beiden mache man die Schüler auf besondern Spazier-