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Die Verrniilung des Enkels Geauharnais.

Im Juli 1839, am fünfzigsten Jahrestage der Erstürmung der Bastille, fand in Petersburg die Vermälung des Sohnes Euge.n Beau­harnais' mit der Tochter des Kaisers von Rußland stgtt. Die Groß­fürstin Marie wurde mit dem Herzog von Leuchtenberg in der kaiser­lichen Kapelle nach griechischem Ritus getraut.

Alles drängte sich nach dem Winterpalast, der größten und pracht­vollsten Fürstenwohnung in der Welt. Die kaiserliche Kapelle vermochte nur, eine geringe Zahl der glänzenden Gäste zu fassen.

Die Hoffeierlichkeiten waren durch den Glanz der Religion, durch die majestätischen Ceremonien der griechischen Trauung erhöht; die Wände der Kapelle, die Gewänder der Geistlichen blitzten von Gold und Edelsteinen. Es war eine seeenhaft poetische Pracht; in der Ka­pelle waren alle Fürsten Europas und ein großer Theil der Fürsten Asiens vertreten. Der Altar war durch ein kreisförmiges Geländer von dem übrigen Raum getrennt; der Chor war für die kaiserliche Familie reservirt, .welche endlich in Pracht und Feierlichkeit eintrat. Voran schritt der Kaiser, ihm folgte seine Familie, darunter die Braut und der Bräutigam, dann der ganze Hof. Unter den Mitgliedern der Familie zeichnete sich der Großfürst Thronfolger durch seine anspre­chende, edle Haltung aus. Sein Wuchs war außerordentlich gefällig; doch sah man ihm an der Gesichtsfarbe ein inneres Leiden an. Sein Mund erschien sanft, und sein Profil erinnerte an die Bildnisse der Kaiserin Catharina; der Großfürst Thronfolger mußte für eins der schönsten Musterbilder eines Fürsten angesehen werden. Neben ihm erschien die Großfürstin Helene, die Schwägerin des Kaisers, Gemalin des Großfürsten Michael und Tochter Paul's von Würtemberg, eine der ausgezeichnetsten Personen in Europa.

In der Kapelle, welche von einem glänzenden Sonnenschein er­leuchtet wurde, herrschte ein ehrfurchtsvolles Schweigen. Hinter dem

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